Negativ fiel mir auf, dass das kleine vietnamesische Restaurant etwa 150 Meter von Ludigels Wohnung entfernt plötzlich dauerhaft geschlossen hat. Sonst hatte ich da immer ein von der französischen Besatzungsmacht (deren in Vietnam, nicht unsere hier) inspiriertes Baguette mit etwas Mett und viel Grünem genossen, dazu im Sommer einen kalten süßen desertartigen Milchkaffee, wie er wohl eine vietnamesische Spezialität darstellt***. Frau hatte rotes Kotelett mit Reis und Gemüse und im Lokal selbst hatten wir öfter mal eine große Schüssel heiße Nudelsuppe mit etwas Fleisch dran gekocht. Alles sehr lecker für nun 250 NT für zwei, also 6 Euro und ein paar zerquetschte. Betrieben wurde das Lokal von einem netten Taiwaner in den 30ern oder frühen 40ern und seiner sehr attraktiven Frau, die offensichtlich Vietnamesin war. Im Vergleich zu den Taiwanerinnen finde ich die Gesichtszüge immer recht europäisch anmutend bei den Vietnamesinnen, was nur eine wertfreie Beobachtung ist. Jedenfalls hätte es die Betreiberin des Lokals hier einmal fast zu einem Blogeintrag gebracht, hatte sie doch bei mir das ausgelöst, was ich in Taiwans Garküchen den Schürzenschock nenne.
Frau, Junior und mir brachte sie die Schüssel dampfende Nudelsuppe, das Haar unter einem grauen Kopftuch verborgen (weil aus der Küche kommend), auch sonst schlicht angezogen inklusive grauer langer Schürze. Dreht sich am Tisch um und man guckt unwillkürlich auf die Rückseite, die überhaupt nicht von der Schürze bedeckt ist und den Blick frei gibt auf einen schwarzen völlig durchsichtigen Ultramini. Dessen Stickereien konnten den Blick auf die schwarze Unterwäsche (die man nur mit viel Wohlwollen Hotpans hätte nennen können) nur unvollkommen behindern. Ein plötzlich auftretender optischer Angriff, der nicht ganz unriskant ist, so mit heißer Suppe in der Hand. Schnell sah ich zum laufenden Fernseher auf der Suche nach optischer Ablenkung. Hier waren gerade bärtige junge Männer in Arbeitshosen dabei mit Vorschlaghämmern auf historische Statuen des arabischen Raumes einzuschlagen. Die schlichte maskuline Ruhe dieses einfachen Arbeitsvorganges hatte tatsächlich etwas beruhigendes in dieser Situation. Erinnerte irgendwie an ein altes Depeche Mode - Video.
Doch der gute Geschmack verhinderte bis heute die Nacherzählung dieser kurzen Unterwäsche (-Geschichte). Doch nun hat das Lokal offenbar dauerhaft zu. Der Flurfunk im Schlichtwohnviertel hier in NeiHu, Taipei, Taiwan erzählt, die mit ihrem taiwanischen Gatten veritabel verheiratete junge Frau habe plötzlich Taiwan verlassen. Wie vom Boden verschluckt sei sie und mit ihr sei ein dickes taiwanisches Bankkonto verschwunden, während ihr einheimischer Ehegatte mit samt der gemeinsamen Kinder verdattert zurück geblieben sei. Keine Spur gebe es von der Gattin und die verschwundenen Finanzen würden sich auf sage und schreibe 51 Millionen NT beziffern, also mehr als 1.25 Millionen Euro nach dem 1:40-Standardkurs (noch mehr nach aktuell niedrigem Eurokurs).
"Wow!", entfuhr es mir da. "Soviel Geld verdient man mit vietnamesischen Nudeln?", fragte ich entgeistert. Nein, sagte meine Frau. Das Geld würde auch benachbarten Garküchen gehören, auch wenn sie nicht erläutern konnte wie das Geld der Nachbarrestaurants denn nun den Weg auf das Konto der transparenten Vietnamesin gefunden habe. So viele Details wusste der Gassenfunk doch nicht zu berichten. Ich ahne freilich wie es gehen kann. Taiwaner können selten widerstehen, wenn irgendjemand eine unseriöse Anlagemöglichkeit bietet. Marke: "Mein Schwippschwager Porn Krumshak aus Bangkok / Frank Ho aus Manila / Jason Hoh aus Ho-Chi-Minh-Stadt hat da einen XYZ-Schuppen, willst Du da nicht Dein ganzes Geld investieren?" Leidgeprüft weiß ich wie verlockend so etwas wirkt, vergleiche das Manila-Investment meiner werten Gattin(s.a. vorherigen Blogartikel).
Ich wünsche dem netten Betrieber des vietnameischen Restaurants, dass nun doch nicht alles so schlimm ist wie es der Nachbarschaftsfunk weiter tratscht und hoffe auf baldige Wiedereröffnung des Restaurants, vielleicht mit einer rotköpfigen Inhaberin, der ihr Schwager daheim beim Vietcong alles Geld wieder abgejagt hat. Ansonsten kenne ich eher die Konstellation aus dem Ausländerforum Taiwans, dass Johnny Weißbrot, wenn er seine taiwanische Gattin verlässt, alles Geld bei der selbigen lässt und nur in der (undurchsichtigen) Unterhose die Heimreise antritt. Könnte mir nie passieren. Ach i-wo (hysterisch kicher ;-)
***Ich wurde informiert, der vietnamesische Kaffeegenuss sei auf die Kooperation mit der importierenden Honecker-DDR zurückzuführen gewesen. Interessant!
