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Mittwoch, Mai 22, 2013

CSK Memorial Hall

Die Chiang Kai Shek Memorial Hall ist einer der zentralen Anlaufstellen für Touristen in Taipei. Bei viel fotografierten Sehenswürdigkeiten, die auch jede Reiseberatungsseite bereit hält, kann man sich natürlich fragen, warum man es überhaupt noch fotografiert.

Schulklasse wird an einer der beiden Hallen am CKS Memorial unterrichtet. Alles nett rot.

Det Eingangstor gibt es auch in jedem Reiseführer zu sehen. Hier gucke ich mal raus statt rein.

Um beim Pflichtblick vom Tor aufs Memorial eine ungewöhnliche Perspektive zu haben, müsste man größere Mengen Alkohol trinken - oder nimmt ein Fisheye wie ich hier. "Fisheye" heißt nicht unbedingt, dass das Bild dann rund ist. Das wäre bei einem 8mm im Kleinbildäquivalent so. Das ist ist ein 15mm mit 180-Grad Bildwinkel. Was dazu führte, dass ich bei der Aufnahme praktisch im Tor stand, ganz anders als es hier auf dem Foto wirkt. Halb in den Wahnsinn treiben mich allerdings die Symmetrien bei diesem Objektiv. Weil alles tonnenförmig symmetrisch verzerrt wird, ist das Bild für Asymmetrien extrem anfällig. Etwa war bei dem Bild immer das Memorial völlig schief und auch noch nach links oben etwas weggedreht. Egal wie mühevoll ich auch auf der Stelle herumtrippelte, es gelang mir nicht in 10 Minuten das Ding gerade zu kriegen. Ich gebe zu, mit Photoshop den guten CKS in seiner Hütte geradegerückt zu haben. Möglicherweise hat sich dabei das Hochhaus links verdoppelt. Ich muss das noch üben. Oder gleich ganz sein lassen.

 Reges Treiben auf dem Platz. CKS sitzt als Statue in dem Pavillon, der aber wieder (genau wie 2004) geschlossen war wegen Bauarbeiten. Liften lassen dauert bei alten Diktatoren etwas länger.

Ein ganz bisschen erinnert mich diese Einstellung nach Nordkorea. Diktatoren sind mit ihrer Wunscharchitektur wohl nicht so weit voneinander entfernt, was große Plätze und Repräsentation angegeht. Auch wenn Taiwan heute eine pluralistische Demokratie ist und die Leute hier einfach nur den Tag genießen.

    Nicht stolpern über das Monument...
Nicht nur das Fisheye verzerrt die Perspektive...

... auch hier bei den Menschen auf den Stufen täuscht mir das Auge immer wieder vor, dass die Leute wie kleine Figuren wirken. Wahrscheinlich weil Gebäude im Tempelstil wie die Halle im Hintergrund sonst nur einen Bruchteil der Größe, aber die selben Bauelemente haben. Aber vielleicht geht das nur mir so. Schluss mit der Knipserei, ab in einen kühlen Seven Eleven und einen Eistee trinken.


Dienstag, Mai 21, 2013

Knoten in der Zunge

Dauert, bis ich den wieder raus habe.

Wo3 si4shi2qi1 sui4.
Etwa:
Woa sse-sche-tschie swehj.

Mein lieber Schwan, etwas betrunken zu sein hilft da irgendwie bei der Aussprache...

Steuerfrust für Ausländer

Immer wieder sorgt die Besteuerung von Ausländern in Taiwan für Frust. Wer weniger als 183 Tage im Land ist und hier steuern zahlt, wird in dem betreffenden Kalenderjahr (unabhängig von der Gesamtaufenthaltsdauer) mit 20% besteuert statt wie üblich mit 5, 6 oder 10% (letzteres nur für außergewöhnlich gut verdienende Leute). Eine Rückzahlung der Steuern ist nur möglich, wenn man mindestens 183 Tage im Land ist (siehe http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120542 oder auch mein Arbeitsweltüberblick: http://bobhonest.blogspot.com/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html).

Gemeinsame Untersuchung des "kaltblütigen Mordes" (Update)

Neue Entwicklungen in der Krise Manila/Taipei, die mit dem Beschuss eines taiwanischen Fischerbootes in umstrittenen Gewässern begonnen hat, bei dem ein Taiwaner zu Tode gekommen ist.

Siehe auch meinen Überblick über die Manila/Taipei-Krise: http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/taiwanphilippinen-was-ist-nun.html

Der Standpunkt der Regierung der Philippinen war bislang, nicht mit der Republik China, wie Taiwan offiziell heißt, zusammenzuarbeiten - auch nicht auf Arbeitsebene. Schließlich befolge man in Manila die "Ein-China"-Politik und daher könne man nur mit Peking reden. So jedenfalls gab das Taiwanfernsehen den Standpunkt Manilas wieder. Doch die Taiwaner schufen Fakten. Schlagkräftige Kriegsschiffe patrouillierten in der umstrittenen Region und den Philippinen wurde die Aufforderung zugestellt (wieder berufe ich mich auf das TV), sich nicht in der umstrittenen Region sehen zu lassen. Nun ist es eine Sache zu behaupten, ein Staat würde nicht existieren - eine andere Sache ist es sicherlich, wenn man von diesem angeblich nicht existenten Staat ein modernes Kriegsschiff oder zwei herumfahren hat, in Gewässern, die man selbst auch beansprucht und die Flagge der angeblich nicht existenten Republik China (das wir alle Taiwan nennen) dort vom Mast weht. Die Augen vor einem heranrasenden D-Zug zu verschließen und zu rufen "den gibt es nicht, den Zug!" würde uns als Fußgänger ja auch nicht helfen. Und so ging es ein bisschen wohl den auf der Marineseite sehr schwachbrüstigen Philippinos und jetzt wollen sie also auf Arbeitsebene zusammenarbeiten und den Vorfall gemeinsam untersuchen (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/20/2003562700). Weil Taiwan oder eigentlich "die Republik China" ein demokratisches pluralistisches Land mit Mehrparteiensystem ist und eigentlich ein Musterknabe hier in Asien in Sachen Freiheit und Menschenrechte muss ich zugeben, dass ich dieser Tage trotz aller Abneigung von Kanonenbootpolitik und den kriegstreiberischen Reden im Taiwanfernsehen doch ein bisschen mit Wohlgefallen sehe, wie Taiwan hier Flagge zeigt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es kann einen schon auf die Palme bringen, wie alle nur von der VR-China reden und die Existenz des reichen und zivilisatorisch sehr viel weiter entwickelten Taiwans immer wieder verleugnen. Nun, Manila konnte nicht mehr leugnen und nach dem Schießen auf Unbewaffnete muss es jetzt die Existenz der Opfer zumindest faktisch anerkennen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

 Nicht, dass das mit dem Patriotismus hier im Blog zur Gewohnheit wird ;-)

Taiwan gewinne so mehr internationalen Einfluss, schreibt der britische GUARDIAN (http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/may/19/south-china-sea-dispute-taiwan), allerdings ist diese Vorgehensweise nicht unumstritten, manche Ausländer in Taiwan, etwa die "Urmutter aller Taiwanblogs", wettern ganz und gar andersherum. Das besagte Blog will jetzt sogar das Feuern auf ein unbewaffnetes Seefahrzeug entschuldigen: http://michaelturton.blogspot.com/2013/05/daily-links-monday-may-19-2013.html. Wenn Herr Turton mal in "umstrittenem Verkehrsraum" von einem Toyota mit betrunkem Fahrer angefahren wird, hier in Taiwan, dann kann er dem Fahrer nicht die Schuld geben. Denn Schuld ist ja der, der getroffen wird.

 Zaun nahe "Schrein der Märtyrer" in Taipei mit Marinelogo

Unterdessen führt die erhöhte militärische Aktivität des Militärs der Republik China durchaus zu Problemen, freilich technischer Natur: Eine Mirage ist abgestürzt, kurz nach einer F16, der Artikel in der TAIPEITIMES zitiert eine Frage nach der Einsatzbereitschaft der Luftwaffe (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/21/2003562780). Hoffen wir, dass sie nicht gebraucht wird, ich denke eine diplomatische Lösung der Krise wird sich früher oder später finden. 

Zumindest die Vertretung der Republik China (Taiwan) in Bratislava bezeichnet den Beschuss des Taiwanisches Bootes als "kaltblütigen Mord": http://www.taiwanembassy.org/ct.asp?xItem=380867&ctNode=7992&mp=512 (Link von Turton gefunden, er findet doch immer wieder gute Sachen ;-)


Was sagt die deutsche Presse?

SPIEGEL und STERN sagen Online nichts dazu, der SPIEGEL hat stattdessen heute morgen Homer Simpson auf der Titelseite. Immerhin ist dem SPIEGEL die Entführung chinesischer Fischer durch Nordkorea eine Meldung wert in der Auslandsrubrik, ein toter taiwanischer Fischer reicht da noch nicht. Warum wird von großen deutschen Medien eine Krise ignoriert, in der immerhin die USA und China zumindest mittelbar involviert sind?  Der deutsche Journalist Klaus Bardenhagen weist auch in seinem Buch darauf hin, dass Taiwan immer mit Kuriosem oder als Krisenherd in Verbindung mit einem chinesischen Angriff in den deutschen Medien erwähnt wird. Auch mir fiel das schon seit längerem auf. Persönlich denke ich, dass Nachrichten eben einfach ein Produkt sind. Und Produkte verkauft man am besten, wenn man bestehende Erwartungen erfüllt. Eine Story über wunderliche buddhistische Priester, farbenfrohe Tempel, Manga-Restaurants oder Hello-Kitty-Zeug in Taiwan verkauft sich daher gut, weil sie die Erwartung "Asiaten sind bizarr" des deutschen Lesers erfüllt. Eine Story über einen drohenden Angriff Chinas (böse) auf Taiwan (gut) erfüllt gängige politisch induzierte Erwartungen bzgl. des Freund/Feind-Schemas. Aber eine komplexere Story, bei der die Philippinen nicht für Mailorder-Brides stehen, Taiwan nicht nur Opfer oder spinnertes Land ist und die Chinesen weder gut noch böse sind, kriegt man nicht so leicht unter in den deutschen Erwartungen. Am Ende würde sich der deutsche Leser nur wundern, wieso Taiwan plötzlich eine schlagkräftige Marine hat. Wo er es doch mit Thailand verwechselt und denkt, die haben nur Bambushütten, Fischkutter und Prostituierte.

UPDATE: Man sieht beim Abendessen in der Kantine die philippinischen Mitarbeiterinnen nicht mehr. Ich nehme an, dass sie gebeten wurden, auf ihren Zimmern zu essen. Zu ihrer eigenen Sicherheit vermutlich. Oder sie haben selbst diesen Schritt unternommen, um nicht angefeindet zu werden.

Montag, Mai 20, 2013

Genug ist genug!

"Genug ist genug!" schimpfen die Taiwaner derzeit auf die Philippinen und drohen ihnen als Vergeltung für den Beschuss eines taiwanischen Fischerbootes (mit Todesfolge) mit Krieg und Sanktionen. Mich hingegen treibt ein ganz anderes Thema um. Wie viel Nachbearbeitung verträgt ein Digitalfoto?

Nun muss man sich nur angucken, was in Wettbewerben so prämiert wird. Da fliegen Riseneulen über Wüsten und perfekte blaue Schäfchen-Wolkenhimmel sind über schwarz-weißen Altbaufassaden in Berlin-Kreuzberg platziert. Photoshop macht das Bild erst schön, das ist keine Frage. Warum nur die Depression von Altbauhinterhöfen fotografieren, wenn man mit einem knallbuten Zusatz den Kontrast zu Schönheit noch so platt dazu knallen kann, dass es jeder merkt, in den 3 Sekunden, die er in unserer Bilderflutwelt zum Betrachten eines prämierten Fotos zubringt?

Daher überlege ich jetzt, wie weit ich noch mit der Nachbearbeitung gehe in Zukunft.

Mein letztes Bild, "The magic of love revealed" verdeutlicht was ich meine. Bei dem Schuss stammen die dramatischen Lichteffekte NICHT von Photoshop, sondern von einem drahtlosen Blitz, der in das Bild seitlich hineinblitzt und daduch auch diffuses und unscharfes erzeugt, aber eben auch eine dramatische Linie zwischen den beiden Statuen. Diese leichten Belichtungsdefizite kann man bequem im RAW-Editor der mit der Kamera mitgelieferten Software verbessern, so dass sich eigentlich ein zwar weiches, aber recht stimmiges Bild ergibt:


Ursprünglich (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/the-magic-of-love-revealed.html) konnte ich nicht widerstehen, dem Bild mit Photoshop noch eine förmliche Lichtkugel hinzu zu fügen und das Bild solange zu bearbeiten, bis sich merkwürdige geometrische Muster in den Lichtreflexen bildeten. Was dann irgendwie in Richtung gemaltes Bild geht (oder eher Comic), aber mir letztendlich doch recht schwülstig ist, siehe unten:

 
Beides hat irgendwie seinen Reiz und man kann kaum noch glauben, dass beides das selbe Foto ist. Wenn man das untere, stark manipulierte Bild sieht, scheint es das obere natürlichere zu überstrahlen. Deshalb gewinnen halt auch die Rieseneulen (vielleicht noch mit Laseraugen?) heutzutage die Aufmerksamkeit. Welche Version ist nun besser? Wo ziehe ich die Grenze demnächst?

Kleines fotografisches Zwiegespräch mit mir selbst, das hoffentlich niemanden gelangweilt hat. Zurück zu der Mangokrise, demnächst wieder auf dieser Welle.



Taiwan/Philippinen: Was ist nun eigentlich los?

Seit Tagen beschäftigt die Krise zwischen der Republik China (Taiwan) und den Philippinen die Medien hier, das Taiwanblog hat mehrfach berichtet. Während in Deutschland die Presse den Konflikt nicht mal zur Kenntnis nimmt, vergeht hier kein Tag, in dem nicht Moderatoren in Fernsehen herum springen und wütend gestikulieren, taiwanische Kriegsschiffe zeigen und immer wieder erregt "Mango" und "Philipin" rufen.
Was ist nun eigentlich los, was hat die Herren so erregt?

Der Anlass:
In umstrittenen Gewässern, die sowohl von der Republik China (Taiwan) als auch von den Philippinen beansprucht werden, hat ein philippinisches Boot mit Schnellfeuerwaffen ein unbewaffnetes taiwanisches Fischerboot beschossen und dabei einen Taiwaner an Bord getötet. Dieser Videolink zeigt gut, wieso die Taiwaner so wütend sind: https://www.youtube.com/watch?v=j5JzRUQZdwo; danke an MKL für den Link!

Was macht Taiwan nun?
Die Republik China, gemeinhin "Taiwan" genannt, verlangt eine Entschuldigung der Philippinen (gab es, wurde von Taiwan als unehrlich abgelehnt), Bestrafung der Schützen und eine Entschädigung für die Familie des Opfers, hat die Visaregelungen für philippinische Staatsbürger verschärft, lässt keine philippinischen Arbeitskräfte mehr ins Land und importiert wohl auch keine philippinisches Waren mehr.

Wie reagieren die Leute?
Taiwaner schimpfen viel auf die Philippinen dieser Tage, werden von den Medien noch aufgestachelt, Geschäfte räumen teilweise philippinische Waren aus den Regalen. Die Moderatoren im Fernsehen spielen immer wieder einen Seekrieg zwischen Taiwan und den Philippinen durch.

Meine Frau fragte gestern Abend das philippinische Dienstmädchen von einer Familie im Hause von Schwiegermutter, ob sie noch gut behandelt werde und sagte, sie könne im Zweifelsfall uns um Hilfe bitten. Sie sagte jedoch, dass sie keine Probleme habe.

Ein philippinischer Arbeiter ist in Südtaiwan offenbar von mehreren Taiwanern zusammengeschlagen worden, der genaue Zusammenhang ist freilich unklar: http://asienspiegel.ch/2013/05/zwischen-den-fronten/

Wie reagieren die Philippinen?  
Eine sehr professionelle Regierungssprecherin (wenn sie das denn war) wurde im taiwanischen Fernsehen gezeigt und erklärte in fließendem Englisch, man sei noch bei der Aufklärung und könne derzeit keine Details geben. Bezüglich des Boykotts von Arbeitskräften erklärte sie, sich nach anderen Ländern um zuschauen, etwa Südkorea, Malaysia und dem Mittleren Osten. Die Dame war rhetorisch geschult und diplomatisch.
Ein sehr unprofessioneller Sprecher des Präsidenten der Philippinen erklärte in einer den US-White House-Konferenzen nachempfunden Kulisse (Stehpult, stilisierter Präsidentenpalast an der Wand) u.a., die taiwanischen Fischer seien sowieso berüchtigt in der Welt, das taiwanische Boot habe das philippinische rammen wollen (die Taiwan haben allerdings den Rammspuren-freien Rumpf des taiwanischen Bootes vorzeigt!) und "sein Präsident" habe bessere Zustimmungsraten als der taiwanische Präsident. Körpersprache und Auftritt waren provozierend nach dem Motto "ihr Taiwaner könnt uns Mal". Die Philippinen sind allerdings auch gerade im Wahlkampf.
Ein paar ergraute Ermittler des philippinischen "NBI", offenbar eine Art FBI, erklärten in einer in etwas holprigem Englisch gehaltenen Pressekonferenz, sie wollten unvoreingenommen ermitteln und forderten dringend das von dem philippinischen Boot gedrehte Video ein, das existieren soll.
Interessant hier, dass die philippinische Seite offenbar keine Koordination hat, wenn Regierungssprecherin und Präsidentensprecher verschiedene Dinge sagen und die NBI-Ermittler offenbar gefrustet sind, weil sie von einer anderen philippinischen Behörde die Beweise nicht bekommen.

Wie reagieren die USA?
Die USA stehen den Philippinen nahe, die ihr strategisch nicht unwichtiger Verbündeter sind. Sie sind auch immer noch die Schutzmacht Taiwans, auch wenn sich Taiwan unter der gegenwärtigen Regierung deutlich der VR-China angenähert hat. Die USA haben offenbar ein Aufklärungsschiff zur Beobachtung in der Region und vermeiden es ansonsten, Stellung zu beziehen.

Wie geht es weiter?
Mittelfristig wird es vermutlich weniger Mangos in den Geschäften in Taiwan geben und manche philippinische Arbeitskraft wird vermutlich bald die Heimreise antreten müssen, wenn die Papiere nicht verlängert werden.
   

LINK: "The View From Taiwan", die Mutter aller Taiwanblogs, schildert den Fall völlig aus philippinischer Sichtweise: http://michaelturton.blogspot.com/2013/05/philstaiwan-mess-take-5-troublemaker.html
Sicher hat Michael Turton Recht, dass die prochinesische Administration Taiwans unter Präsident Ma nur zu gerne Streits mit pro-US-orientierten asiatischen Ländern eskalieren lässt, um Punkte in Peking zu sammeln. Und er hat Recht, dass die Stimmung in Taiwan bisweilen rassistische Züge trägt. Aber ich finde, man muss auch sehen, das letztlich in umstrittenen Gewässern auf ein unbewaffnetes Boot gefeuert wurde. Und Turton schreibt selbst, wie sehr die philippnischen Partoullienboote immer wieder taiwanische Fischer im Seeräuberstil ausplündern...

LINK: Die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG online über den Konflikt: http://www.nzz.ch/aktuell/international/taiwan-droht-den-philippinen-1.18080620
Das zweite Schiff im Foto der NZZ müsste eine Fregatte der franz. La Fayette - Klasse sein. Schickes Ding! Die zeigen auch die Taiwanmedien immer wieder.

KEIN LINK: Finde bemerkenswert, wie sowohl SPIEGEL.DE als auch STERN.DE das Thema völlig ignorieren, obwohl mit China und den USA her zwei Weltmächte mit im Boot sitzen bei diesem Konflikt.

Freitag, Mai 17, 2013

Krisenticker: Kanonenbootdiplomatie?

Philippinisch/taiwanische Krise um ein beschossenes taiwanisches Fischerboot in umstrittenen Gewässern

Die Krise zwischen den Philippinen und der Republik China (Taiwan) setzt sich fort. Taipei sieht die Entschuldigung der philippinischen Regierung für den Beschuss (bei dem ein Taiwaner starb) als ungenügend an und Präsident Ma rechtfertigt seine Pläne für Sanktionen gegen die Philippinen (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/17/2003562463). Während die Regierung Taiwans (eigentlich: Die Regierung der Republik China aka Taiwan) unter dem pro-chinesischen Präsidenten Ma Ying-Jeou (KMT) die Affaire mit Augenmaß zu handhaben scheint, ist dieser noch diplomatische Kurs nicht ohne Kritik. Politiker der oppositionellen DPP aber auch aus Reihen der KMT haben neulich vor der philippinischen Vertretung (eine offizielle Botschaft haben die Philippinen nicht in Taiwan, genauso wenig wie etwa Deutschland eine hat) die philippinische Flagge verbrannt und insbesondere das Fernsehen betätigt sich hier als großer Hetzer und will immer wieder die philippinischen Dienstmädchen und Arbeiter in die Sache hineinziehen. Neben den Bildern von Philippinos in Taiwan werden auch immer wieder die taiwanischen Kriegsschiffe gezeigt, teilweise in Fotomontagen als Größenvergleich über die philippinischen Schiffe gelegt. Da sieht man dann die modernen Tarnfregatten der aus Frankreich gekauften La Fayette - Klasse auf kleine Schiffe mit den philippinischen Nationalfarben montiert, die wie (umgerüstete?) Zivilschiffe wirken.

Taiwan erweckt den Eindruck, sich hier mit Peking angesprochen zu haben. Sicher war Taiwan in der Vergangenheit bei solchen Konflikten besonders zurückhaltend, da es ja nie in einen Krieg ziehen konnte - musste es doch befürchten die VR-China würde die Situation zu einer Besetzung Taiwans nutzen, etwa als "Hilfe" für den von Peking beanspruchten Inselstaat Taiwan maskiert. Doch unter der pro-chinesichen Regierung Mas, der in der Vergangenheit die Verflechtung von China und Taiwan etwa durch seine Wirtschaftsunion stark erhöht hat, scheint Taiwans Marine nun förmlich eine Art verlängerter Arm Pekings zu werden. Schließlich hatten die VR-China und die Philippinen schon länger einen Streit um Gewässer, Inselgruppen und Fischereirechte (oft ein Deckmantel für Streit um Bodenschätze). Peking hat keine eigene schlagkräftige Marine. Für die USA, die sowohl die Schutzmacht von Taiwan sind oder waren als auch mit den Philippinen verbunden sind, ist das offenbare Hindriften von Taiwan mit samt seiner recht schlagkräftigen Marine hin zur VR-China sicher eine potentiell bedrohliche Entwicklung.

Wird es trotz aller (TV-)"Kanonenbootdiplomatie" a la Kaiser Wilhelm hier Krieg geben? Sicher nicht, es wird bei Drohgebärden bleiben die langfristig nur einen stärken: Die VR-China und ihre strategische Position in der Region.


Link: USA versuchen in der Sache deeskalierend aufzutreten: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/17/2003562462

Donnerstag, Mai 16, 2013

Rechtliches, Kontakt

Hausmitteilung, 
Betr. Wegfall des Impressums 

Alles wieder anders: Danke noch mal für den Hinweis mit dem "Telemediengesetz", schließlich will ich auch hier am Rand der Weltscheibe das deutsche Recht erfüllen, an dem die Welt sicher irgendwann genesen wird, grins. Die Herausgeberin unserer Straßenrettungsorg-Webseite ist auch Herausgeberin dieses Blogs, damit dürfte das Problem gelöst sein.


Mein Dank noch mal an alle Kommentatoren, die mir durch wertvolle Tipps derzeit beim Aufräumen meiner "Onlineperson" behilflich sind.



 "Kontakt", ein Foto aus dem Stadtpark in NeiHu by Ludigel


Formosa! Das ist Taiwan

Die Tage konnte ich das neue Taiwanbuch von Klaus Bardenhagen lesen: "Formosa! Das ist Taiwan". Das Buch ist eine prägnante und vergnügliche Vesitenkarte Taiwans, die schnell und u.a. mit schicken Fotos einen Überblick gibt, was Taiwan eigentlich ist und was dort los ist. Das ideale Geschenk für alle, die uns Taiwan-Expats mit Thailand/Taiwan-Verwechselungen traktieren ;-)
Das Buch von Klaus ist schon in so fern etwas besonderes, als dass es über das "Crowd Funding" zustande gekommen ist - eine Webseite namens Krautreporter (Kraut-Funding also gewissermaßen) hat es damals möglich gemacht. Auch das Taiwanblog hier war unter den Initalspendern -  es hat sich gelohnt.


Bezugsmöglichkeiten über Klaus´ Webseite: http://www.intaiwan.de/buch/
Gedruckt oder auch als Ebook.


Mittwoch, Mai 15, 2013

The magic of Love revealed

Gestern Abend saß ich etwas trüber Stimmung in meiner Wohnung, meine Frau und Junior waren drüben bei Schwiegermutter zu Gange. Mein eBook war zu Ende. Die Fernsehsendung über depressive Selbstmörder war .... depressiv. Der Horrorfilm "Mama" konnte mich auch nicht aufheitern, fing toll an, driftete dann aber in die üblichen Klischees ab. Also die Kamera geschnappt und ab in den Stadtpark, wo mich die Statue von Männlein und Weiblein schon seit längerem fasziniert hatte...


Eine junge Frau machte erschreckt einen Satz, als die Statue plötzlich im dunklen Park von grellem Licht erleuchtet wurde. Ich hatte einen drahtlosen Blitz am Fuße des Standbildes stehen, der per Fernzündung betätigt wurde und saß selbst ein paar Meter entfernt auf einer Bank.

 Blitz rechts im Bild, um die Lichtquelle zu offenbaren für technisch interessierte. Das Bild oben, das ich als auf Deutsch "Die Natur der Liebe offenbart" nenne, ist natürlich nur die Hälfte der Wahrheit...

"Love is a worm close to your throat that makes you do funny things"

Die Liebe ist ein parasitärer Wurm, der einem am Halse sitzt und zu unlogischem Benehmen führt. Das wurde mir gestern Abend offenbar.

Dienstag, Mai 14, 2013

Frau hat ersten Satz verstanden

Meine Frau hat neulich den ersten von mir auf Chinesisch gesprochenen Satz verstanden, ohne dass der Zusammenhang klar war oder ich den Kontext auf Englisch dazu sagen musste. Ein ganz neues Erlebnis, muss an dem neuen Lehrbuch liegen, einem US-Collegelehrbuch für 14-16-Jährige, das ohne die Grausamkeiten meiner bisherigen Lehrbücher auskommt (seitenlange Krähenfuss-Schriftzeichenwüsten ohne Erläuterung, Belehrungen über die glorreiche VR-China, ihre tolle Kultur und was für feine Menschen sie dort haben, Dialoge, bei denen alle praxistauglichen Begriffe vermieden werden etc.).

Ich sagte:

Zao3shang wo3 qi3chuang2 ba1 dian3. 
... in der Pinyinnotation mit Zahlen statt Tonzeichen aufgeschrieben

Und sie hat`s verstanden!

Zu deutsch: Ich bin heute morgen um 8 Uhr aufgestanden.

Nicht, dass es wichtig gewesen wäre das festzustellen...


Privat-Highway

Wenn Sie Meier heißen und einen braunen Golf fahren, dann haben Sie vielleicht schon mal davon geträumt, man würde eine neue Trasse neben der Autobahn anlegen, auf der nur braune Golfs fahren dürfen, dessen Fahrer einen Familiennamen mit M anfangend hat. Und so könnten Sie auf ihrer Exklusivtrasse allen Staus einfach davon fahren.
So ungefähr komme ich mir in der letzten Zeit vor, wenn ich ins Roadies Café (http://www.roadiescafe.com.tw/, URL disfunktional momentan) oder zum Internationalen Flughafen bei Taoyuan fahre, auch wenn ich nicht M* heiße und auch keinen Golf habe. Kurz nachdem ich in Taipei nämlich auf den Highway 1 Richtung Süden auffahre, hier hübsch als zwei- bis vierspurige Hochstraße gemacht, zweigt rechts in der Tat eine neue Hochtrasse ab. Die meisten Autofahrer fahren dann wie gewohnt runter auf die ältere Trasse zur ebenen Erde, während ich rechts die neue Weiterführung der Hochtrasse nehme, die sogar noch höher wird und teilweise auf Höhe des 10 Stocks verläuft. Da fahre ich dann oft fast allein. Grund für die Abstinenz der anderen Autofahrer dürfte auch die Tatsache sein, dass man hier einen elektronischen Abbuchungssticker für das ETC/eTag - System braucht, mit dem dort ähnlich wie bei den LKWs in Deutschland bei 100 km/h die Highwaymaut automatisch abgebucht wird. Unten auf der alten Trasse hingegen kann man auch mit Bargeld oder Papierticket bezahlen an einer langsam zu durchfahrenden konventionellen Mautstation.

Oben jedoch geht es von X Kameras bewacht mit Strich 100 km/h flott weiter, während unten alle im Stau an Steigungen und auch im Stau vor dem Flughafen stehen. Nett!
Und ganz links gibt es eine Exklusivspur, nur für Busse, Taxen und Privatautos mit mindestens 3 Leuten drin. Da können Frau, Junior und ich dann flott ins Roadies fliegen zwischen Himmel und Erde.
Hoffentlich wird meine neue Privatstrecke nicht doch noch populär.
 

Ludigels Krisenticker: Hitler-Rethorik im Fernsehen

Weitere Zuspitzung in der Sache des von einem philippinischen Boot beschossenen taiwanischen Fischerbootes

Gestern waren sich die zwei Fernsehsender einig, die meine Frau und Schwiegermutter anguckten. Bilder von dem unlängst von einem philippinischen Boot beschossenen taiwanischen Fischerboot (1 Toter bei dem Vorfall) wurden gezeigt, dazu Schaubilder von der Region und immer wieder taiwanische Kriegsschiffe. Die Moderatoren fungierten als Hetzer, die kleinen Herren hatten sich breite Krawatten umgebunden und gestikulierten mit rudernden Armen in der Luft herum, im Mandarin-Redefluss hörte man immer wieder "Philippin" und "Mango" heraus. Getrocknete Mangos aus den Philippinen hat man ja hier viel in den Läden. Die Fähigkeiten der taiwanischen Kriegsschiffe wurden aufgezählt und dann durchgezählt wie viel große Pötte die Philippinos hätten (2) und wie viel die Taiwaner (28 glaube ich). Immer wieder wurde die "La Fayette"-Klasse gezeigt, eine besonders moderne französische Fregattenklasse, fensterlos und futuristisch anmutend, die Taiwan vor einiger Zeit gekauft hat. Die Moderatoren schimpften und schimpften, fast war es so etwas wie der "Gangnam-Style" vom koreanischen Popsänger Psy, wie sie da mit rudernden Armen schimpfend moderierten und immer wieder "Philipin" und "Mango" riefen zwischendurch. Gut, dass ich mir Trockenmango-Notvorräte angelegt habe. Man weiß ja nie.
Auf einem Schaubild wurde ein philippinisches Schiff gezeigt, dass jetzt sogar eine Kanone vorne installiert hatte und dann zeigten Pfeile an wo bewaffnete Seeleute und die Schiffskanone auf das taiwanische Firscherboot gefeuert hätten.

Jetzt gibt es irgendwie ein Ultimatum an die Philippinen, die Schützen auszuliefern. Sonst. Sonst. Ja was eigentlich? Jedenfalls übersetzte meine Frau, die VR-China hätte Taiwan Unterstützung angeboten, was Taiwan aber abgelehnt hätte. Taiwan und VR-China gehen wieder mal Seite an Seite vor, diesmal gegen die Philippinen, ein eher westlich orientiertes asiatisches Land, letztens waren es die Japaner in einem Inselstreit. Wenn China und Taiwan so Seite an Seite stehen, macht mir das immer Magenbeschwerden, treibt es doch die kleine demokratische Insel hier tiefer in die verschwitzten Arme des großen Bruders China.

Im englischsprachigen "The View from Taiwan"-Blog, so etwas wie die Urmutter aller Taiwanblogs, wird ausgeführt, die VR-China hätte den Philippinos unlängst einen gewaltigen Gesichtsverlust beigebracht, in dem sie in deren Gewässern (wobei der Rechtsstatus von Seeterritorium natürlich immer umstritten ist) operiert hätte und die Philippinos wären deshalb wohl auf Rache aus gewesen. Und hätten jetzt eben auf ein Boot des kleinen Chinas (Taiwan, das formell "Republik China" heißt) geschossen, weil sie das große China nicht erwischen konnten oder wollten. Und taiwanische Fischerboote seien sowieso überall unbeliebt, ihrer Fangmethoden halber.

Egal, hier herrscht jetzt nationaler Taumel. China toll, Taiwan vor, Philippinos pfui, Mangos sowieso. Hoffentlich kriegt mein Neffe, der gerade aus den Philippinen zu besuch ist keine Angst, der ist halb Taiwaner und halb Philippino.

Links:

Taipei wartet auf Antwort aus Manila und droht mit Sanktionen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/14/2003562207

Taiwanische Fischer demonstrieren vor philippinischer Vertretung: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/14/2003562208

Philippinos wählen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/14/2003562210

Montag, Mai 13, 2013

Frontbericht#2: Präsident Ma zählt Schweigesekunden mit

KRISENTICKER vom Taiwanblog.

Nach dem Angriff eines philippinischen bewaffneten Bootes auf ein taiwanisches Fischerboot (1 Toter) haben philippinische Hacker einen Angriff auf taiwanische Webseiten gefahren (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/13/2003562122) und Taiwans Marine schippert zur Patrouille in der Kriesenregion herum. Ludigel legt Trockenmango-Notvorräte an (das ist glaube ich das einzige Exportprodukt der Philippinen und hilft übrigens gut gegen Halsschmerzen) und Taiwans Präsident hat öffentliche Schweige-Zehn-Sekunden zu Ehren des getöteten Fischers durchführen lassen: http://www.youtube.com/embed/zT-zCNw0HXw
Merkwürdig, dass Präsident Ma Ying Jeou dabei die Sekunden mitzählt (während alle stehen), als handele es sich um ein Zählübung im Kindergarten. Nun verbietet mir ja das taiwanische Ausländerrecht, politische Aussagen zur Situation in Taiwan abzugeben. Ich will daher nur soviel sagen: Noch ein bisschen üben, dann reicht es für einen Job bei der NASA.

Over and out (fast hätte sich meine Frau vor Lachen an den Trockenmangos verschluckt trotz des traurigen Anlasses),

Ludigel
 (der seinem Gastland patriotisch beisteht, jedenfalls soweit das durch das Ausländerrecht gedeckt ist)

P.S.: Als Mandarin-Zählkursus gar nicht schlecht. Alle mitzählen: 

yi1
er4
san1
si4
wu3
liu3
qi1
ba1
jiu1
si2

Sind die Töne richtig? Helfen sie Taiwan in dieser schweren Stunde und zählen Sie mit!

Freitag, Mai 10, 2013

Phillipinische Marine beschießt taiwanisches Fischerboot, 1 Toter (UPDATE)

http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/10/2003561896

Nach diesem Artikel (kam eben auch im Fernsehen) hat ein Boot der philippinischen Marines in den Gewässern um ein umstrittenes Inselchen oder dergleichen ein taiwanisches Fischerboot beschossen, wobei ein Fischer zu Tode gekommen ist. Solche Gewässer werden meist gleichzeitig von China, Taiwan und manchmal noch Thailand, Vietnam und den Philippinen beansprucht.
Und morgen Abend kommt die Schwester meiner Frau aus den Philippinen zu Besuch, wo sie verheiratet ist und eine Trinkbudenkette betreibt, die echten taiwanischen Bubbletea anbietet. Nicht dies grüngiftige Zuckerzeug, wie es in Deutschland als taiwanischer Bubbletee verkauft wird.

Philippinische Marine? Wie viel Boote haben die denn? Vier? Meine Frau ist schon kurz vor der Kriegserklärung.


UPDATE: Nach TV-Berichten handelte es sich wohl bei dem philippinischen Schiff um ein ziviles Boot der Meeres- und Fischereiverwaltung, das allerdings mit Bewaffneten versehen war, die das taiwanische Fischerboot mit Maschinenpistolen unter Feuer nahmen. Dabei sollen während einer einstündigen Verfolgung etwa 40 Schuss das taiwanische Boot getroffen haben, das vor dem angreifenden Philippino geflüchtet war. Das taiwanische Fersehen nimmt unter dessen die zahlreichen philippinischen Arbeitskräfte hier aufs Korn, interviewte oft unangenehm berührt wirkende Frauen und Männer und deutete an, man könne ja die Hausmädchen und Arbeiter nach Hause schicken als Rache. Nun, die unterprivilegierten südostasiatischen Arbeitskräfte hier können sicher am wenigsten zu dem Vorfall.

Tellerrand und Weisheit

"Die Website bobhonest.blogspot.com beschäftigt sich mit den Themen Blog, Tellerrand, Formosa und Weisheit." 
So steht es in der Webwiki. http://www.webwiki.de/bobhonest.blogspot.com

Auch erreichbar unter globalforeigner.com natürlich. Da wollte meine Frau mal eine globale Online-Community gründen, hat es aber nie gemacht. Und ergo ist die URL irgendwie übrig geblieben.

Schon lustig die Zusammenfassung. Blog, Tellerrand, Formosa und Weisheit. Jau, das sind meine Themen.




Mittwoch, Mai 08, 2013

Gasse

Eine Gasse bei uns in der Nähe. Hier knattern Mopeds oft in schneller Fahrt durch, so dass man als Fußgänger ausweichbereit sein muss. Wie immer in Taiwan. Die kleinen Häuser an den Seiten haben bis vor kurzem noch alle ihre Wohnzimmerfenster einsehbar ohne Gardinen gehabt, so dass trotz recht hohem Verkehrsaufkommen das Familienlleben im Wohnzimmer einsehbar war. Im Winter bei 10 Grad plus oder so sieht man abends automatisch, wie die Leute im dicken Parka auf dem Sofa sitzen und im schlichtweißen Wohnzimmer mit einem Götterbild oder dergleichen an der Wand die aktuelle Samstagabendshow im Fernsehen gucken. Die mit dem älteren Showmenschen mit der Beatlesfrisur. Gag in jeder Show, eine kurzberockte hübsche Frau schmiegt sich an ihn, seine Bühnenfrau guckt eifersüchtig und kopfschüttelnd rüber und am Schluss der Szene hängt er im Krankenhaus an einer Infusion und alle lachen. Ganz wie im richtigen Leben...



Ups... ich muss weitergehen, die Leute gucken schon.


Und an der Hauptstraße bei uns in der Nähe hat eine Frau ihre gesamte Wäsche aufgehängt. Ich finde das bemerkenswert und der Passant findet wiederum bemerkenswert dass ich das bemerkenswert finde.

Dienstag, Mai 07, 2013

Ein Ent in Taipei


Doch wirklich, gucken Sie mal genau hin...


Aufgenommen in Taipei, ganz in der Nähe des Chiang-Kai-Shek - Memorials, in dem also dem Exdiktator und Defacto-Staatsgründer Taiwans gedacht wird.

Ganz eindeutig ein Entgesicht, finde ich. Fantyspielern auch als "Baumherr" bekannt. Das linke Auge ist von der wuchtigen Nase verdeckt...

Die Bilder sind nicht manipuliert. Mit Mittelklick im Firefox vergrößert man. Sagen Sie das Wort "Firefox" besser nicht so laut, nicht dass der Ent sich aufregt...

Watt war den nu los?

Meinen eigenen gestrigen Blogartikel lesend habe ich jetzt doch das Bedürfnis die einzelnen Vorfälle aus dem gestrigen Artikel (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/interaktionen-mit-den-leutchen-hier.html) noch mal zu katalogisieren. Denn mich wundert selbst diese "Straße" von Negativerlebnissen mit den einheimischen Leutchen hier. Als Informatiker will man wohl immer alles katalogisieren. Aber warum auch nicht.
Bei den geschilderten Vorfällen haben wir:

2 mal Straßenverkehr:
Der Straßenverkehr ist traditionell die Ausrastzone der Taiwaner. Sie verwandeln sich bei kleinstem Anlass in tobende Irre, wenn es ums Auto geht. Sicherlich auch die Folge davon, dass Autos insbesondere Herren psychologisch Macht und Freiheit suggerieren (man hat ja mordsmäßig viel PS unter dem Hintern), aber gleichzeitig die Straßen Taipeis zugestopft sind bis zum Verkehrsinfarkt. Und die vielen in den Leuten brodelnden aufgestauten Gefühle, die das Ergebnis einer konfuzianischen Kultur eben ohne Streitkultur sind (weil Streit die Maxime des Gesichtswahrens verletzt), suchen sich dann in Sachen vermeintlicher automobiler Freiheit ein Ventil. Ausländer wie Inländer werden immer wieder im Straßenverkehr in Taiwan in gewaltsame Eskalationen verwickelt. Meine beiden Beispiele zeigen wie schnell das geht - und es sind nicht die ersten Erlebnisse dieser Art

1 mal rassistischer Tattergreis
In meinem alten Wohnblock habe ich gemerkt, dass alte Leute, wenn sie etwas verhärmt wirken, mir gegenüber aggressiv und unfreundlich sind. Sicher eine Kombination aus Underdog-Verhalten und einer rassistischen Erziehung aus den Jahren der nationalchinesischen Diktatur. Denn der geistige Unterbau der damals herrschenden Kuamintangpartei erklärt in der Tat den sinoiden Menschen zum rassisch reineren Herrenmenschen. Auch wenn sie das hier nie so extrem praktiziert haben wie etwa in Deutschland die Nazis. Taiwan ist in vielem wie Umgang mit Ausländern und auch z.B. Ökologie 20 Jahre zurück - schließlich fand hier das Wirtschaftswunder erst ab etwa 1975 statt; damals wurde Taiwan zum Hersteller von Transistorradios, nach denen die Welt verlangte wie heute nach dem iPad und iPhone. Auch mein Großvater, so nett er auch war, hatte in Deutschland etwas gegen Schwarze und Inder und hätte diese möglicherweise auch nicht in sein Mietshaus reinlassen wollen. Ebenso wie der Tattergreis in "meinem" Mietshaus mir manchmal den Zutritt verweigern will.

1 mal psychischer Problemfall
Der mich praktisch stalkende Kollege ist wohl ein Sonderfall, er hat sich daher noch deutlich aufdringlicher verhalten als ich das hier bislang festgestellt habe. Aber das kann man so nicht verallgmeinern.

Summa summarum kann man sagen, Taiwan ist eine so fremde Kultur, dass man sich wundern kann, wo sich in dem sonst so friendlichen Land plötzlich und unversehens soziale Mienenfelder auftun. Das verwundert mich auch immer noch im 10. Jahr hier in der vibrierenden nervösen Inselhauptstadt, das will ich nicht leugnen.


Kommunikation mit den Einheimischen: Mancher Fremde hat da so seine Probleme*



* vom Betreiber des Roadies Café angefertigte WKII-Miniatur (http://www.roadiescafe.com.tw/). Ludigels Leib- und Magenlokal.
 


Montag, Mai 06, 2013

Interaktionen mit den Leutchen hier

Wenn ich dieser Tage so meine letzten Begegnungen mit fremden Taiwanern Revue passieren lasse, muss ich doch die Stirn runzeln, denn so eine Strecke aus "Negativbekanntschaften" hatte ich in all den Jahren noch nicht. Obwohl ich in einem Fall eine Mitschuld habe, bin ich da doch aus einer schlechten Laune heraus auf provozierendes Verhalten eingegangen, anstatt mich an meinen eigenen Grundsatz zu halten, die Leute einfach zu ignorieren.

Vor einigen Wochen war zunächst der junge neue Kollege, der im benachbarten Hardwareteam arbeitete, der mir aufgeregt mit rotem Kopf viele Fragen stellte, wann immer er mich irgendwo abpassen konnte und mir damit schon mild auf den Wecker fiel, das will ich nicht leugnen. Ein nervöser aufgeregter Umgang mit Ausländern, der zwar freundlich wirkt, aber meiner Erfahrung nach schnell in regelrechtes Stalking, versuchtes bulliehaftes Verhalten oder eben "über den Ausländer lustig machen" umschlagen kann, wie ich das schon oft erlebt habe. Ich blieb höflich auf Distanz, doch ein Ende seiner Kontaktversuche war nicht abzusehen. Schließlich erhielt ich eine Email in die Büromailbox, wo er schrieb, mein Freundchen seien zu wollen und beteuerte "kein Homo" zu sein. Da wurde es mir nun endgültig zu viel, ich bin hier als Softwareteamleiter und nicht dazu da mit Jungingenieuren, die vielleicht den Teamnamen "Hardwareteam" falsch verstanden haben, sonstwas zu diskutieren. Ich versuchte dann, durch informieren meiner Gattin, die ja auch meine Chefin ist, ihm einen kleinen Dämpfer zu verpassen. Direkt ansprechen geht hier schwerlich, schnell glauben sie das Gesicht verloren zu haben und irgendwas an seiner Verhaltensweise war auch so überkanditelt, sogar im hiesigen Rahmen, dass ich es lieber über den Dienstweg machen wollte. Meine Frau hatte jedenfalls schon Witze gemacht, dass der junge aufdringliche Mann ständig in meiner Umgebung zu finden wäre.

 So läuft Taiwans Straßenverkehr reibungslos ;-)
Hupen sind da auch nicht drin.

Im Mittelteil der ganzen Angelegenheit sah ich dann erfreulicherweise wenig von dem jungen Mann, mit dem ich ja dienstlich gar nichts zu tun hatte und brauchte nicht mehr mit Radarblick durch die Cubicallandschaft gehen, um Kontakt mit ihm zu vermeiden. Er entschuldigte sich einmal bei mir im Fahrstuhl und damit war die Sache für mich erledigt. Er erklärte mir merkwürdigerweise, kündigen zu wollen, worauf ich nur mit einem gequälten "tut mir leid" antwortete und froh war, als der Fahrstuhl endlich am Ziel war. Er kommunizierte seine Kündigung dann groß in der Firma, nur um sie gleich wieder zurück zu ziehen und bald alle möglichen Kollegen (nicht jedoch mich) mit "mein Onkel ist bei der Mafia" zu bedrohen. Ein so bizarres Verhalten, dass mir hier schwante, dass wir es schlichtweg mit einer psychischen Störung zu tun hatten. Bald waren alle möglichen Ingenieure und Vorgesetzte viel mit Diskussionen beschäftigt, wie man mit "ihm" denn nun verfahren könne. Es endete natürlich mit dem vorzeitigen Ende der Probezeit und fand dann noch einen etwas furiosen Abschluss, bei dem sogar eine Selbstmorddrohung eine Rolle spielte. Sollte ihn Google hierher verschlagen, meine herzliche Bitte die schon vorher angeratene Therapie anzutreten und dann frisch gestärkt einen neuen Anlauf in der Arbeitswelt unternehmen, mit meinen besten Wünschen für die Zukunft. Ob verstauchtes Bein oder ein kleines psychisches Wehwehchen, es lässt sich alles therapieren, nur machen muss man es.

Wochen später dann ein Kunde der meinem Parkplatz gegenüber liegenden Fressbude, der gerade meine Parkbucht mit seinem schwarzen Mitsubishi zuparken will. Ich hupe, es liegt wohl an der wackelkontaktigen Hupentaste, dass ich oft gleich mehrmals drauf drücke, ergo hupte ich ihn dreimal an. Er machte Platz, zögerlich zwar, aber immerhin und ich parkte ein. Ich stieg aus und mir fiel auf, dass er immer wieder mit seiner Beifahrerin redete und dabei immer wieder in meine Richtung stierte und gestikulierte, als sei das Ganze eine Staatsaffaire. Ich ignorierte das zunächst, als es jedoch weiter und weiter ging mit einem Herumgeschimpfe, brach ich mit meiner eigenen Regel, die Leutchen hier einfach zu ignorieren und fragte ihn was los sei. Er saß dabei noch am Steuer, seine Scheibe war heruntergekurbelt und wirkte dabei völlig nervös und aggressiv, frage mich was ich wolle. Ich wechselte dann ins Englische, wünschte ihm noch einen guten Tag und empfahl ihm weiterzufahren und ging. Man muss sich aber vergegenwärtigen, wie schnell sich Taiwaner im Straßenverkehr in tobende Irre verwandeln, so als habe sich die ganze Insel darauf geeinigt, den Verkehr als zentrales Ablassventil zu verwenden. In der Folge fuhr er nun mit seinem Auto unter wildem Hupen auf mich zu und deutete an, mich seitlich Rammen zu wollen, in dem er immer näher an mich heran fuhr und mich so auf die geparkten Autos zu drängte. Einen Bürgersteig gibt es ja nicht. Ich bin ja ein ausgeprochener Freund davon, mit nicht in das "Jäger-Gejagter"-Beuteschema einzufügen und zog daher meinen Schlüssel und hielt ihn deutlich sichtbar zwischen uns, so dass er sich den Lack zerkratzt hätte, wenn er mich hätte anfahren wollen. Prompt lies er es bleiben und änderte seine Taktik durch vor-mir-Schlangenlinien-fahren, immer noch unter wildem Gehupe. Da er nun fast mit den geparkten Autos kollidierte, so eierte er herum, zog ich nun mein Handy um meine Frau zu bitten, die Polizei zu verständigen. Wollte ich doch nicht, dass die Situation nun noch in einen Unfall mündet. Und ruft man als Ausländer die Polizei hier selbst an, hat man wenig positives zu erwarten. Er britzte dann allerdings mit viel Gas davon. Er weiß sicher auch, Captain Kirk hatte einen Phaser in seinem Klapphandy. Mein Motorola ist aber glaube ich ohne dieses Feature.

Gleich darauf wollte ich dann "mein" Mietshaus betreten, als mir ein im Hause wohnender Greis, der mich vor ein paar Wochen schon einmal im Hausflur grundlos angebrüllt hatte wie ein Irrer ("welches Stockwerk? welches Stockwerk? welches Stockwerk?") den Zutritt durch blockieren der Haustür verwehrte und mir schließlich, als ich ihm per Geste klar machte, dass ich rein wollte, die Tür vor der Nase zuschlug. Mir lag eine humoristische Entgegnung auf der Zunge, die er aber eh nicht verstanden hätte, ich erinnerte mich aber wieder an meinen Grundsatz, die Leute einfach zu ignorieren. Schloss daher die Tür auf und ging einfach weiter. Er selbst stratzte nun auch von dannen, als sei nichts gewesen. Bin gespannt, was er beim nächsten Mal in Petto hat.

Tage später dann komme ich dann aus einem Frühstückslokal, die Essenstüte in der Hand und will mein Auto per Fernbedienung aufschließen, einen brauen schmutzigen Nissan Xtrail. Da merke ich, dass der Wagen nicht aufgeht. Stutze und sehe, dass jemand einen identisch braunen und identisch schmutzigen Wagen des gleichen Modells neben meinem geparkt hat und das meiner der Nachbarwagen ist. Alles in einer Sekunde oder so. Steige also in mein Auto ein, da kommt der Besitzer der Nachbarkutsche heraus, wirkt auch schon wieder ärgerlich und aufgedreht bis dort hinaus und fragt mich, was ich wolle. Nun denke ich, hätte ich ihm geantwortet, hätte das bei der leichten Erregbarkeit der Autofahrer hier wahrscheinlich in eine Verfolgungsjagd quer durch die Stadt gemündet. Ich lächelte nur, stieg ein und fuhr weg. Wenn er das aus der Situation heraus nicht versteht, kann ich ihm da auch nicht weiterhelfen. Und irgendwie suchen Taiwaner im Verkehr auch ständig nur einen Aufhänger, um eine Eskalation herbei zu führen, da muss man ihnen nicht bei helfen.

Jau, wieso ich so viele merkwürdige und latent oder explizit aggressive Begegnungen habe in der letzten Zeit ist wirklich die Frage. Viele Ausländer schreiben im Forum davon, das Klima für uns "Westler" hier würde deutlich rauher. Ob das so stimmt oder nicht, will ich noch nicht sagen, auch wenn es plausibel ist, dass etwa die Presseberichte über den aus Taiwan geflüchteten britischen (vermeintlichen) Todesfahrer (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hier in Taipei vielleicht zu einem Johnny-Weißbrot-feindlichen Klima führen. Obwohl der pakistanstämmige Brite doch gar nicht wie Johnny Weißbrot aussieht.

Ich jedenfalls bin trotz aller Frubbeleien mit den Eingeborenen guter Stimmung und lerne sogar mit wachsendem Erfolg und neuen Lehrbuch wieder Chinesisch. Habe allerdings weniger denn je das Bedürfnis, das am lebenden Objekt auszuprobieren ;-)

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Weil wir gerade bei Negativbegegnungen sind: Ein Ausländer ist in Taichung offenbar von einem Taiwaner angegriffen worden, allerdings hat sich der Ausländer auch eingemischt, als der Mann seinen Sohn verprügeln wollte: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120178
Die herbeigerufene Polizei nimmt wie immer die Ausländer aufs Korn*.
Taiwaner tendieren auch bei Familiendramas zum völligem Ausflippen. Als Ausländer sollte man sich da schön zurückhalten, man kann nur verlieren dabei. Erst kürzlich wurde ein Ausländer von hinten mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, als er Einheimische ersuchte, ihre Kinder auf dem Moped zu sichern. Nicht einmischen, sollte die erste Regel in Taiwan sein. Das Soziale ist hier unterentwickelt, man mischt sich nie ein in fremde Angelegenheiten, hilft nicht mal bei Verkehrsunfällen. Ein Kanadier, der einst einer sexuell bedrängten Dienstmagd beistehen wollte, wurde 2004 von der Polizei verprügelt, an einen Stuhl gefesselt und dort von einer Stadtverordneten vor laufender Kamera geschlagen. Ein Ausländer, der vor einiger Zeit eine verunfallte bewusstlose Frau aus dem Auto zog, wurde von dieser wegen sexueller Belästigung belangt (weil er sie eben angefasst hat dabei), der Helfer musste vor dem Friedensrichter eine größere Summe zahlen, um einem Prozess zu entgehen. Besser raushalten im Taiwahn.

* Das die Beteiligten von Anfang an Englisch sprachen und die Sache in Taiwans Gangsterstadt Taichung stattfand, spricht für eine Art von Falle (zum Gelderwerb?). Interessante neue Entwicklung.

Blog, Quo vadis?

Dieses Blog ist ja ein nettes Ding, erlaubt es mir doch mein deutsches Kommunikationsbedürfnis zu stillen und gibt dem ein oder anderen Special-Interest-Leser einen recht ungeschminkten Einblick in mein Leben, hier am Tellerrand der Weltscheibe. Es ist eine brotlose Kunst, die mir die Zeit vor der Arbeit und die Mittagspause füllt und manchmal mehr, aber eben doch ein Vergnügen für mich.
Doch schwant mir dieser Tage, dass es nicht mehr lange so weitergehen kann. Schließlich werde ich am 01. Juni im Familienkreis gleichsam zum Werbeträger für ein Produkt werden, wenn auch nur in kleinem Rahmen. Hier in Taiwan natürlich.
Gestern Abend hatten sie bei einer dieser Klingel- und Bimmel-Happy-Peppy - Essensshows im Fernsehen eine junge Deutsche, wenn ich das richtig verstanden habe (namens Michele), die typisch taiwanische heiße Küchlein anbot mit ihrem kleinen Verkaufswagen. Es handelte sich bei der im Studio kichernd verzehrten Speise sicher um irgendetwas europäisch inspiriertes, man sieht sie oft an den Straßenecken und auf den Nightmarkets: dicke Scheiben aus vanillig süßem Teig, innen mit Schoko- oder Vanillepudding oder mit den typisch taiwanischen roten Bohnen gefüllt (letztere etwa wie nicht scharfe Chilibohnen). Die Show schien die Kuchen der netten jungen Frau als deutsch zu verkaufen. Und ich musste daran denken: Was wäre jetzt, wenn die Dame noch ein Blog hätte, wo sie sich über den Fahrstil der Einheimischen aufregen würde? Wäre sicher nicht so gut. So ein Blog hat sie sicher nicht, sondern wenn sie eins hat, dann berichtet es sicher über leckere Törtchen.
Auch bei mir muss es dann wohl so sein, möge mir die Landsmännin verzeihen, sie hier als Beispiel zu nehmen. Es wäre der Supgergau, würde es das Familienprodukt mit mir als Gesicht in die Presse schaffen (sogar die ewig meinen Parktplatz blockierende Fressbude bei uns in der Straße hat öfter mal das Fernsehen da!) und würde dann ein wütender Taiwaner die Verbindung zu meinem Blog herstellen. "Der soll doch abhauen, wenn es ihm hier nicht passt") wäre sicher eine übliche Reaktion. Insbesondere muss man sich vergegenwärtigen, wie sehr die Taiwanpresse Ausländerstories immer wieder zum nationalen Skandal aufbläst. Am 01. Juni geht es los, bis dahin schweige ich still über die eigentlich ganz unspektakuläre Tätigkeit und vielleicht auch noch danach. Aber dieses Blog muss wohl den Vorstellungen eines Taiwaners entsprechen an diesem Stichtage. Und da haben sich Ausländer gefälligst nur über zu hübsche Tempel, zu gutes Essen, zu hübsche Mädchen und die ach so netten Taiwaner zu "beschweren". Jedenfalls habe ich manchmal in Diskussionen mit Taiwanern diese Punkte als meine Antwort vorgefertigt bekommen.
Eigentlich sehe ich darin keinen Widerspruch, einerseits die Insel als solche zu mögen, den Leuten ein von mir beeinflusstes gutes Produkt zu "verkaufen" und andererseits an mir missfallenden Details herum zu meckern. Doch biete ich so eben viel Angriffsfläche, was sicherlich für einen Schmalspur-Werbeträger wie mein zukünftiges Ich nicht besonders gut ist.
Also läuft wohl der Countdown für dieses Blog in seiner jetzigen Form, es sei denn, es kommt alles noch anders oder mir fällt noch etwas dazu ein. Also lege ich bis dahin noch mal richtig los mit der ungeschminkten Kritik ;-)

Freitag, Mai 03, 2013

Schrein der Märtyrer

Der "Schrein der Nationalen Märtyrer" in Taipei, ganz bei mir in der Nähe, verdeutlicht sicher, dass die Taiwaner ein ganz anderes Verhältnis zum Vaterland haben. Anders als die Deutschen können sie sich offenbar in Glanz und Gloria des Vaterlandes sonnen und ihre Helden mal so richtig feiern, wenn sie nicht mehr unter den Lebenden sind. Wozu der Schrein eben dient.

Tor zum nationalen Taiwanischen Taumel? Ganz so aber doch nicht. Denn der Märtyrerschrein verehrt alle mögliche Helden, die für die Sache der "Republik China" gestorben sind - und die 1911 gegründet wurde. Auf dem chinesischen Festland eben und nicht in Taiwan. Vom zumindest in Taiwans Hauptstadt Taipei hochverehrten Dr. Sun Yat Sen, laut taiwanischer Geschichtsschreibung (wenn der Fokus auf der Republik China liegt jedenfalls) eine Art selbstloser Halbgott, der Demokratiefreund war und das danieder liegende chinesische Vaterland vor japanischer Invasion und korrupten Warlords retten wollte. Laut diesem Buch (http://www.amazon.com/China-Will-Never-Rule-World/dp/0986803502) war er allerdings selbst ein versoffener und herumhurender Halunke, der nur mehr oder minder zufällig gerade da war, als die Soldaten aus Versehen das in den letzten Zuckungen liegende Kaiserreich gestürzt haben. Und der sich kaum in China sehen lassen konnte, weil er sonst wegen Mafiageschäften verhaftet worden wäre. Meine Frau würde mich ohrfeigen, wenn ich das so behaupten würde.

Der gute Doktor gründete also auf der Flucht vor der Polente im Laufschritt die Republik China oder wie auch immer das genau war, die aber nur bis 1949 währte, weil dann die Kommunisten die Macht übernommen haben. Ergo zog sich die Republik China mit Regierung und einigen Soldaten auf die Insel Taiwan zurück, die seit 1895 eine japanische Kolonie war. Dort gibt es sie noch heute. Sage ich, weil ich meine Steuern an diese Republik zahle und die Flagge der selben stolz auf der Insel Taiwan weht. Die offizielle Stellungnahme der deutschen Bundesregierung hingegen würde lauten, dass es die Republik China seit 1949 nicht mehr gibt. Aber gut, irgendjemand nimmt offensichtlich mein Geld entgegen, wedelt mit der Flagge der Republik China rum, hat ein eigenes Militär und eine eigene Staatsbürgerschaft, also nennen wir es doch einfach "Republik China", auch wenn es sie gar nicht mehr geben soll. Oder umgangssprachlich eben "Taiwan", der großen Insel als Zentrum ihres Herrschaftsgebietes wegen.

Hier im Schrein werden also im Wesentlichen chinesische Helden gefeiert, die für China in China kämpfend gefallen sind, unter dem Banner der Republik China, dessen obige Flagge vom Wappen der Kuamintang-Partei Dr. Sun Yat Sens abgeleitet worden ist (man sieht es hier auch auf der Tragfläche des Fliugzeugs im Bild im Bild).

Unumstritten ist diese chinazentrische Sichtweise der taiwanischen Geschichte nicht in Taiwan. Besonders im Süden der Insel sieht man sich eher als Taiwaner und nicht als Chinesen. Aber hier sind wir eben fast in der Nachbarschaft von Ludigel in der Hauptstadt Taipei im Norden. Hier hat sich damals Diktator Chiang Kai Chek nierdergelassen, der Dr. Sun beerbt hatte in China (so etwa) und dann eben vor den Kommunisten nach Taiwan geflüchtet ist, wo er insularischen Widerstand niedergeschossen hat und die Republik China hier bis heute weitergeführt hätte. Wenn er nicht gestorben wäre. Dran ist die Kuamintang-Partei immer noch, seit 1992/1996 allerdings demokratisch legitimiert und mit einer Unterbrechung von 2000-2008, als der chnafeindliche und Pro-Unabhängigkeitspräsident Chen (aus dem Süden kommend) die Inselrepublik regiert hat.

 Hier geht es hinein ins innere Heiligtum, das vorletzte Foto zeigt es schon oben.

Draußen hat man diese zwei Pavillons die einer mir unbekannten Person gedenken. Nein, der Exdiktator war es nicht, trotz Glatze. Oder er in jungen Jahren? Wer weiß das schon, sah jedenfalls anders aus der Herr.

Habe mal gelesen, man käme hier nicht ins Innere, wenn man kurze Hosen oder Sandalen an hätte. Ob sonst den Wachen das Bajonett in der Tasche aufklappt? Wir wissen es nicht.

 Ich war jedenfalls kein Stein des Anstoßes, war mit langer Hosn und Halbschuhen perfekt gekleidet trotz des heißen Tages. Nutzt einem aber manchmal auch nicht. Am 01. Mai wollte mich ja trotz Nadelstreifenjackett, Einstecktuch und langer Hose nebst schwarzer Schuhe ein älterer Herr nicht mal in "mein" Mietshaus hineinlassen und knallte mir, als ich insistierte, verärgert die Haustür vor der Nase zu. Halb so schlimm, habe ja auch einen Schlüssel.

Als der alte Mann so steif, stumm und bleich in "meinem" Hauseingang stand, aus dem Dunkeln kommend, dachte ich für einen Augenblick, die Zombieapokalypse habe schon angefangen. War dann aber doch noch nicht so. Das Wandbild steht damit aber nicht in Zusammenhang, sondern bezieht sich sicher auf die Fehlgeschlagene Verteidigung der Mietshäus... äh ... des chinesischen Festlandes. Wo waren wir? Äh...

Hier gibt es jedenfalls den Tempelteil mit Götterstatuen geradeaus und links (und rechts?) ein Gebäude mit Urnen. Selbstverständlich verhält man sich hier ruhig und respektvoll und meckert nicht ständig über irgendwas herum (räusper). 


Der Gedanke kam mir, wenn wir in Deutschland eine Halle der Märtyrer hätten, wen hätten wir da schon alles hinein- und vor allen Dingen wieder hinaus-gestellt. Karl Peters rein, wieder raus. Hindenburg rein, wieder raus (oder nicht?) etc.

 Hier ist aber Respekt angebracht, nicht nur alte Chinakrieger sind hier hinter dem goldenen Ring, sondern u.a. auch die Asche einer Krankenschwester, die einst bei Ausbruch der SARS-Seuche vor ein paar Jahen gestorben ist. Ansatzweise apokalyptische Stimmung herrschte auf der Insel damals, ich erinnere mich noch an Fernsehbilder, bei denen sich Krankenhauspersonal aus den Fenstern eines unter Quarantäne stehenden Krankenhauses abseilte. Damals hatte ich gerade geheiratet und war aller Reisewarnungen zum Trotz angereist.

Hier sieht man die Urnen. Wäre meine Frau dabei gewesen, wäre das Fotografieren streng verboten gewesen, keine Frage.

Wenn Sie den "Herrn der Ringe" noch mal sehen: Die runden Hobbit-Türen sind den traditionell chinesischen entlehnt.

Hier geht es jedoch ungleich ernster zu. Einzelnen Soldaten und Offizieren sind Standbilder gewirdmet. Dieser Soldat etwa hat sich laut Schild in gegnerisches Maschinengewehrfeuer geworfen, um seine Kameraden zu retten, auf dem chinesischen Festland.

Verheilt sind die Wunden der alten Schlachten in Taiwan noch nicht. Die Beziehung zu China ist immer noch ungeklärt, denn die VR-China beansprucht das Territorium der Republik China und in letzterer gibt es ganz unterschiedliche Positionen zur Chinafrage. Über die sich auch gerne Expats in Taiwan die Köpfe heiß reden.

Donnerstag, Mai 02, 2013

Taiwan, ein magischer Ort

So ein ähnlicher Titel zog mir gerade durch den Kopf. Daher will ich ihn hier auch kurz notieren. Taiwan macht eben Dinge möglich, die anderswo einem nicht gelungen wären. Ich bin hier Vater geworden, beruflich konnte ich eine Verschlüsselungssoftware allein realisieren (war so eine Wunschvorstellung von mir) und jetzt ist noch etwas höchstwahrscheinlich positives eingetreten, das vermutlich mein Leben umwälzen wird und wohl auch auf dieses Blog demnächst Auswirkungen haben wird. Zunächst nur mysteriöse Andeutungen, mehr demnächst auf dieser Welle.

 Ein magischer Ort. Hier gibt es sogar Schuhe für 3.50 Euro umgerechnet, inklusive Porto! (Aus China, nicht von mir, offenbar hat man mich missverstanden:-)


Taiwan ist vor allen Dingen eines: Anders als das alte Zuhause, es versetzt einen in einen neuen Kontext voller völlig andersartiger Menschen. Und wenn man sowieso der Typ ist, der neuen Möglichkeiten und Abenteuern nicht ganz abgeneigt ist, dann erhält man auch einen Strauß neuer Alternativen und damit Lebenswege, die so im alten Leben nicht passiert wären. Was das genau heißt, muss jeder für sich selbst erfahren, der sich auf so ein Abenteuer Expatleben einlässt. Wie immer im Leben gibt es Nerviges (siehe vorherige Blogartikel), schönes und überraschendes (siehe ebenfalls vorherige Blogartikel ein Stück weiter zurück) und völlig irrwitzig wirkendes.
Hier kann man als Mittvierziger erleben die junge Kolleginnen das Röckchen hochwerfen, einen mit Keksen füttern und private Deutschstunden haben wollen (ging nicht mit Frau hinter mir, gacker). Man wird behandelt wie ein Filmstar vom fremden Menschen oder auch wie ein Strauchdieb (so wollte mich gestern Abend ein alter Mann nicht ins Mietshaus reinlassen, in dem ich wohne und blockierte die Haustür und knallte mir schließlich die Tür vor der Nase zu). Normal ist Taiwan nie, man wird in den Himmel gehoben oder betelnusskauend mit Verachtung gestraft. Aber ehrlich gesagt, wer will schon immer das Normale?

Frubbeln in Praxis

Neulich habe ich mal versucht, das merkwürdige Verhalten von vielen Taiwanern westlichen Ausländern gegenüber zu dokumentieren, verbunden mit der Wortschöpfung des "Frubbelns": http://bobhonest.blogspot.de/2013/04/how-to-frubbel.html. Grund für eine Wortneuschöpfung respektive die Umdeutung eines wohl ursprünglich rheinischen Begriffs ist, dass das Verhalten der Taiwaner so recht in keine Kategorie passen will und sich auch völlig unterschiedlich äußern kann. Um es kurz zusammenzufassen: Frubbeln fängt oft als eine nervöse Ausfragerei oder Anhimmelei eines westlichen Ausländers an und kann bis hin zum Stalking münden. Kann, aber muss nicht. Das scheint durchaus dazu im Widerspruch zu stehen, dass viele Taiwanneulinge die Taiwaner als ausgesprochen freundlich empfinden.
Wie passt das nun zusammen und wovon rede ich hier überhaupt?

Mir fiel in diesem Zusammenhang ein Erlebnis einer westlichen Ausländerin in Taipei (?) wieder ein, die darüber einst auf Forumosa.com berichtet hatte (Link ist schwer zu finden bei den vielen Diskussionen dort), das eigentlich perfekt zum "Frubbeln" und zu den verschiedenartigen Wahrnehmungen dieses passt. Frubbeln am praktischen Beispiel also. Junge Taiwaner aufgepasst, hier könnt ihr lernen wie das geht.

Phase 1: Die junge Englischlehrerin steigt jeden Morgen in einen Bus und bringt einen Kaffee im sicheren Transportbehältnis mit (Pappbecher von Starbucks oder so). Es entwickelt sich ein freundlicher Plausch mit dem Busfahrer, einem älteren Herrn, der sie anspricht.

Phase 2: Nach etlichen gemeinsamen Morgenfahrten sagt der Busfahrer, sie möge ihm doch auch einen Kaffee mitbringen und lacht. Die junge Frau lacht auch über die mild humoristische Bemerkung.

Phase 3: Der Busfahrer wiederholt seine Forderung nach einem eigenen Kaffee immer wieder, mit steigender Ernsthaftigkeit. Die junge Frau versucht auszuweichen, doch der Busfahrer ist unbeirrt in seinem Tun.

Phase 4:  Der Busfahrer droht der Frau damit, sie nicht mehr im Bus mitzunehmen, wenn sie ihm keinen Kaffee bringt.

Phase 5: Die Englischlehrerin bittet um Hilfe im Ausländerforum, fragt was los ist, was sie falsch gemacht habe und ob sie ihm nun wirklich einen Kaffee kaufen müsse.

Stellen wir uns nun einmal vor, die junge Frau sei nur zwei Wochen in Taipei gewesen. Dann hätte sie vermutlich nur Phase 1 und 2 des Frubbelereignisses erlebt und würde in ihrem Blog posten, was für nette und aufgeschlossene Leute die Taiwaner doch sind. Sind die meisten ja auch, das will ich hier gar nicht bestreiten. Es frubbelt ja nicht jeder.

Eventuell hätte sie noch den Anfang von Phase 3 erlebt. Und würde denken, Taiwaner seien manchmal etwas aufdringlich. Was man öfter liest und sicher auch nicht unrichtig ist. End of Story. Die Frau hätte ein völlig oder wenigstens überwiegend positives Erlebnis gehabt.
 Nur der Langzeitresidente, der erlebt das Frubbeln in seiner ganzen Pracht und ist genervt.

Was läuft hier psychologisch ab?
Ich denke, der Busfahrer hat eine gewissen Neugierde dem Fremden gegenüber, das sich so direkt unter seiner Nase jeden Morgen einfindet. Er hat keine Hemmungen ein Gespräch anzufangen. Er ist nahe am Underdog in der reichen Stadt Taipei und erlebt die junge Fremde als ihm unterlegen. Sie kann nicht richtig Chinesisch, reagiert bisweilen unsicher (aber nicht unbedingt ablehnend). Er wähnt sich in einer Machtposition und geniest das Gefühl einen vermeintlich Schwächeren gefunden zu haben. Insbesondere weiß er, dass sie sich wegen Sprachbarriere und mangels des Lesens von chinesischen Schriftzeichen schwerer tun wird, einfach seinen Boss anzurufen und ihn feuern zu lassen von der Busgesellschaft. Er übt dann in der Folge seine Macht über sie aus, versucht Repressalien zu implementieren.

Ein Einzelfall?
Eher ja. Aber auch ich habe mich gewundert, wie mir plötzlich wieder das Kantinenpersonal in unserer Firma auf der Nase herum tanzte, als meine Frau im Schwangerschaftsurlaub war. Sie dachten halt, sie könnten sich jetzt was rausnehmen. Was kann ich schon alleine gegen sie unternehmen? Na ja, meine Frau anrufen halt, die sie am Telefon "zur Sau macht". Was auch geschehen ist. Nur ohne einheimischen Kontakt ist die Frau aus dem Beispiel relativ hilflos. Taiwaner mit niedrigem Bildungsgrad tendieren dazu, westliche Ausländer als Tanzbär zu ihrer Belustigung zu belästigen meiner Erfahrung nach.

Was ist die Ursache des Ganzen?
Mir fällt in solchen Fällen immer wieder auf, wie hemmungslos sich die "Frubbeler" gegenüber ihrem "Opfer" verhalten. Damit verstoßen sie gegen das "Gesichtwahren"-Gebot ihrer eigenen Kultur, die eigentlich verlangt, dass man über den Kontext der gesellschaftlichen Beziehung auf schwache Signale (etwa Unmutsäußerungen) des Anderen reagiert, um eine peinliche Situation zu vermeiden (vgl. auch die Kulturtheorie von Geerd Hofstede über Hochkontexktkulturen).
Warum sind sie plötzlich so hemmungslos und nassforsch? Meine Theorie ist, dass sie den Ausländer nicht den selben Respekt beibringen, den sie einem Landsmann entgegenbringen - und eben auch weniger Angst davor haben, für ihr Fehlverhalten (vom Vorgesetzten etc.) bestraft zu werden.

Ist Taiwan deswegen ein schlimmer Ort für Ausländer?
Ganz und gar nicht. Ich finde nur es kann nicht schaden, sich über diese allerdings selten vorkommenden Verhaltensweisen im Klaren zu sein, um sie schon frühzeitig zu erkennen und abzustellen. Leider braucht man im Falle eines Falle einen einheimischen Mittelsmann, sonst geht wenig. Weil man als Ausländer eben sonst nicht ernst genommen wird - will sagen, nicht hinreichend respektiert wird.
Ansonsten kann Frubbeln auch angenehm sein, etwa die attraktive Küchenhilfe, die rot wird und sich auf jeden Besuch freut. Eben der Taiwahn.

  

  

Eine Land aus Stuntfahrern

Seit sich die "Dashboard-Cameras" in Taiwan so großer Beliebtheit erfreuen (habe auch eine) ist das ganze 23-Millionen-Volk der Taiwaner zu Produzenten und Darstellern in einer riesigen Auto-Crash Stuntshow geworden, denn der Fahrstil auf der Insel ist im Vergleich mit vielen westlichen Ländern aggressiv und frei von Sicherheitsdenken. Nur der zivilisatorische Blick "nach unten" hilft, um das schön zureden. In Indien etwa, das ich das Vergnügen hatte zu besuchen, fährt man wesentlich erratischer.

Aber die Inder haben nicht so viele Armaturenbrett-Kameras. Hier zwei Unfälle, gepostet im Ausländerforum Forumosa.com: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120074 


1.) Ein rechts überholender Lexus-SUV macht das typische "mal gucken ob ich auf die linke Spur in die 2 Meter Sicherheitsabstand hineinpasse" - Maneuver und erschreckt damit einen Minivanfahrer (Mitsubishi Zinger oder wie auch immer das Ding hier heißt), der das Steuer verreißt und dann quer über allen Fahrspuren eine Rolle macht.

http://www.liveleak.com/view?i=bde_1365223495

In Taiwan fährt man ganz links auf den Highways oft mit mittlerer Geschwindigkeit und überholt meist von Rechts, auch wenn das hier eigentlich auch nicht so vorgesehen ist.

2.) Ein Minivan schneidet bei regennasser Straße extrem die Kurve (schnell isser...) und kollidiert frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug.

http://www.liveleak.com/view?i=1d8_1366657818

Man sollte solche Videos als Mahnung nehmen, wie schnell ein ruhiges Dahingleiten hier zum Massaker werden kann, bei all den unausgebildeten und leicht erregbaren Fahrern.

Ursache des Problems ist sicherlich der Nichtführerschein, den die Leute hier machen. Die praktische PKW-Führerscheinprüfung besteht aus einer Fahrt auf dem Hof der Führerscheinstelle, bei der man u.a. zwischen aufgestellten Hütchen rückwärts eine Kurve fahren muss. Von Praxisnachweis im Straßenverkehr ist keine Rede.
Ich hatte kürzlich das Vergnügen die praktische Mopedprüfung selbst mit zu erleben, weil ich gerade auf der Führerscheinstelle war. Aber Achtung: "Moped" ist vielleicht nicht das richtige Wort, die Leichtmotorräder (Vespa-Bauart und sonstige) werden hier bis zu 80 km/h schnell!
Eine Schlange von Taiwanern auf Mopeds war im Kreis aufgestellt und einer war immer dran, eine mit zwei ca. 40cm auseinander liegenden Linien simulierte Engstelle zu durchfahren. Hier musste man unter den Augen des Prüfers zeigen, dass man also das Moped ein paar Meter geradeaus steuern konnte ohne Schnlingern. Und eine Ampel hatten sie auch noch in dem Rondell. Sie fuhren immer wieder schlingernd und die gelben Begrenzungslinien überfahrend im Kreis, teilweise beide Füße auf der Fahrbahn mitschleifend. Immer und immer wieder. Der Gedanke, dass die das wohl nur ein paar Mal (oder einmal?) schaffen müssen, um den Führerschein zu kriegen, ist beängstigend. Meine Frau bestätigte lachend, dass es sich hierbei um die praktische Führerscheinprüfung im Taiwahn handelt.