Wenn ich dieser Tage so meine letzten Begegnungen mit fremden Taiwanern Revue passieren lasse, muss ich doch die Stirn runzeln, denn so eine Strecke aus "Negativbekanntschaften" hatte ich in all den Jahren noch nicht. Obwohl ich in einem Fall eine Mitschuld habe, bin ich da doch aus einer schlechten Laune heraus auf provozierendes Verhalten eingegangen, anstatt mich an meinen eigenen Grundsatz zu halten, die Leute einfach zu ignorieren.
Vor einigen Wochen war zunächst der junge neue Kollege, der im benachbarten Hardwareteam arbeitete, der mir aufgeregt mit rotem Kopf viele Fragen stellte, wann immer er mich irgendwo abpassen konnte und mir damit schon mild auf den Wecker fiel, das will ich nicht leugnen. Ein nervöser aufgeregter Umgang mit Ausländern, der zwar freundlich wirkt, aber meiner Erfahrung nach schnell in regelrechtes Stalking, versuchtes bulliehaftes Verhalten oder eben "über den Ausländer lustig machen" umschlagen kann, wie ich das schon oft erlebt habe. Ich blieb höflich auf Distanz, doch ein Ende seiner Kontaktversuche war nicht abzusehen. Schließlich erhielt ich eine Email in die Büromailbox, wo er schrieb, mein Freundchen seien zu wollen und beteuerte "kein Homo" zu sein. Da wurde es mir nun endgültig zu viel, ich bin hier als Softwareteamleiter und nicht dazu da mit Jungingenieuren, die vielleicht den Teamnamen "Hardwareteam" falsch verstanden haben, sonstwas zu diskutieren. Ich versuchte dann, durch informieren meiner Gattin, die ja auch meine Chefin ist, ihm einen kleinen Dämpfer zu verpassen. Direkt ansprechen geht hier schwerlich, schnell glauben sie das Gesicht verloren zu haben und irgendwas an seiner Verhaltensweise war auch so überkanditelt, sogar im hiesigen Rahmen, dass ich es lieber über den Dienstweg machen wollte. Meine Frau hatte jedenfalls schon Witze gemacht, dass der junge aufdringliche Mann ständig in meiner Umgebung zu finden wäre.

So läuft Taiwans Straßenverkehr reibungslos ;-)
Hupen sind da auch nicht drin.
Im Mittelteil der ganzen Angelegenheit sah ich dann erfreulicherweise wenig von dem jungen Mann, mit dem ich ja dienstlich gar nichts zu tun hatte und brauchte nicht mehr mit Radarblick durch die Cubicallandschaft gehen, um Kontakt mit ihm zu vermeiden. Er entschuldigte sich einmal bei mir im Fahrstuhl und damit war die Sache für mich erledigt. Er erklärte mir merkwürdigerweise, kündigen zu wollen, worauf ich nur mit einem gequälten "tut mir leid" antwortete und froh war, als der Fahrstuhl endlich am Ziel war. Er kommunizierte seine Kündigung dann groß in der Firma, nur um sie gleich wieder zurück zu ziehen und bald alle möglichen Kollegen (nicht jedoch mich) mit "mein Onkel ist bei der Mafia" zu bedrohen. Ein so bizarres Verhalten, dass mir hier schwante, dass wir es schlichtweg mit einer psychischen Störung zu tun hatten. Bald waren alle möglichen Ingenieure und Vorgesetzte viel mit Diskussionen beschäftigt, wie man mit "ihm" denn nun verfahren könne. Es endete natürlich mit dem vorzeitigen Ende der Probezeit und fand dann noch einen etwas furiosen Abschluss, bei dem sogar eine Selbstmorddrohung eine Rolle spielte. Sollte ihn Google hierher verschlagen, meine herzliche Bitte die schon vorher angeratene Therapie anzutreten und dann frisch gestärkt einen neuen Anlauf in der Arbeitswelt unternehmen, mit meinen besten Wünschen für die Zukunft. Ob verstauchtes Bein oder ein kleines psychisches Wehwehchen, es lässt sich alles therapieren, nur machen muss man es.
Wochen später dann ein Kunde der meinem Parkplatz gegenüber liegenden Fressbude, der gerade meine Parkbucht mit seinem schwarzen Mitsubishi zuparken will. Ich hupe, es liegt wohl an der wackelkontaktigen Hupentaste, dass ich oft gleich mehrmals drauf drücke, ergo hupte ich ihn dreimal an. Er machte Platz, zögerlich zwar, aber immerhin und ich parkte ein. Ich stieg aus und mir fiel auf, dass er immer wieder mit seiner Beifahrerin redete und dabei immer wieder in meine Richtung stierte und gestikulierte, als sei das Ganze eine Staatsaffaire. Ich ignorierte das zunächst, als es jedoch weiter und weiter ging mit einem Herumgeschimpfe, brach ich mit meiner eigenen Regel, die Leutchen hier einfach zu ignorieren und fragte ihn was los sei. Er saß dabei noch am Steuer, seine Scheibe war heruntergekurbelt und wirkte dabei völlig nervös und aggressiv, frage mich was ich wolle. Ich wechselte dann ins Englische, wünschte ihm noch einen guten Tag und empfahl ihm weiterzufahren und ging. Man muss sich aber vergegenwärtigen, wie schnell sich Taiwaner im Straßenverkehr in tobende Irre verwandeln, so als habe sich die ganze Insel darauf geeinigt, den Verkehr als zentrales Ablassventil zu verwenden. In der Folge fuhr er nun mit seinem Auto unter wildem Hupen auf mich zu und deutete an, mich seitlich Rammen zu wollen, in dem er immer näher an mich heran fuhr und mich so auf die geparkten Autos zu drängte. Einen Bürgersteig gibt es ja nicht. Ich bin ja ein ausgeprochener Freund davon, mit nicht in das "Jäger-Gejagter"-Beuteschema einzufügen und zog daher meinen Schlüssel und hielt ihn deutlich sichtbar zwischen uns, so dass er sich den Lack zerkratzt hätte, wenn er mich hätte anfahren wollen. Prompt lies er es bleiben und änderte seine Taktik durch vor-mir-Schlangenlinien-fahren, immer noch unter wildem Gehupe. Da er nun fast mit den geparkten Autos kollidierte, so eierte er herum, zog ich nun mein Handy um meine Frau zu bitten, die Polizei zu verständigen. Wollte ich doch nicht, dass die Situation nun noch in einen Unfall mündet. Und ruft man als Ausländer die Polizei hier selbst an, hat man wenig positives zu erwarten. Er britzte dann allerdings mit viel Gas davon. Er weiß sicher auch, Captain Kirk hatte einen Phaser in seinem Klapphandy. Mein Motorola ist aber glaube ich ohne dieses Feature.
Gleich darauf wollte ich dann "mein" Mietshaus betreten, als mir ein im Hause wohnender Greis, der mich vor ein paar Wochen schon einmal im Hausflur grundlos angebrüllt hatte wie ein Irrer ("welches Stockwerk? welches Stockwerk? welches Stockwerk?") den Zutritt durch blockieren der Haustür verwehrte und mir schließlich, als ich ihm per Geste klar machte, dass ich rein wollte, die Tür vor der Nase zuschlug. Mir lag eine humoristische Entgegnung auf der Zunge, die er aber eh nicht verstanden hätte, ich erinnerte mich aber wieder an meinen Grundsatz, die Leute einfach zu ignorieren. Schloss daher die Tür auf und ging einfach weiter. Er selbst stratzte nun auch von dannen, als sei nichts gewesen. Bin gespannt, was er beim nächsten Mal in Petto hat.
Tage später dann komme ich dann aus einem Frühstückslokal, die Essenstüte in der Hand und will mein Auto per Fernbedienung aufschließen, einen brauen schmutzigen Nissan Xtrail. Da merke ich, dass der Wagen nicht aufgeht. Stutze und sehe, dass jemand einen identisch braunen und identisch schmutzigen Wagen des gleichen Modells neben meinem geparkt hat und das meiner der Nachbarwagen ist. Alles in einer Sekunde oder so. Steige also in mein Auto ein, da kommt der Besitzer der Nachbarkutsche heraus, wirkt auch schon wieder ärgerlich und aufgedreht bis dort hinaus und fragt mich, was ich wolle. Nun denke ich, hätte ich ihm geantwortet, hätte das bei der leichten Erregbarkeit der Autofahrer hier wahrscheinlich in eine Verfolgungsjagd quer durch die Stadt gemündet. Ich lächelte nur, stieg ein und fuhr weg. Wenn er das aus der Situation heraus nicht versteht, kann ich ihm da auch nicht weiterhelfen. Und irgendwie suchen Taiwaner im Verkehr auch ständig nur einen Aufhänger, um eine Eskalation herbei zu führen, da muss man ihnen nicht bei helfen.
Jau, wieso ich so viele merkwürdige und latent oder explizit aggressive Begegnungen habe in der letzten Zeit ist wirklich die Frage. Viele Ausländer schreiben im Forum davon, das Klima für uns "Westler" hier würde deutlich rauher. Ob das so stimmt oder nicht, will ich noch nicht sagen, auch wenn es plausibel ist, dass etwa die Presseberichte über den aus Taiwan geflüchteten britischen (vermeintlichen) Todesfahrer (
http://bobhonest.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hier in Taipei vielleicht zu einem Johnny-Weißbrot-feindlichen Klima führen. Obwohl der pakistanstämmige Brite doch gar nicht wie Johnny Weißbrot aussieht.
Ich jedenfalls bin trotz aller Frubbeleien mit den Eingeborenen guter Stimmung und lerne sogar mit wachsendem Erfolg und neuen Lehrbuch wieder Chinesisch. Habe allerdings weniger denn je das Bedürfnis, das am lebenden Objekt auszuprobieren ;-)
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Weil wir gerade bei Negativbegegnungen sind: Ein Ausländer ist in Taichung offenbar von einem Taiwaner angegriffen worden, allerdings hat sich der Ausländer auch eingemischt, als der Mann seinen Sohn verprügeln wollte:
http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120178
Die herbeigerufene Polizei nimmt wie immer die Ausländer aufs Korn*.
Taiwaner tendieren auch bei Familiendramas zum völligem Ausflippen. Als Ausländer sollte man sich da schön zurückhalten, man kann nur verlieren dabei. Erst kürzlich wurde ein Ausländer von hinten mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, als er Einheimische ersuchte, ihre Kinder auf dem Moped zu sichern. Nicht einmischen, sollte die erste Regel in Taiwan sein. Das Soziale ist hier unterentwickelt, man mischt sich nie ein in fremde Angelegenheiten, hilft nicht mal bei Verkehrsunfällen. Ein Kanadier, der einst einer sexuell bedrängten Dienstmagd beistehen wollte, wurde 2004 von der Polizei verprügelt, an einen Stuhl gefesselt und dort von einer Stadtverordneten vor laufender Kamera geschlagen. Ein Ausländer, der vor einiger Zeit eine verunfallte bewusstlose Frau aus dem Auto zog, wurde von dieser wegen sexueller Belästigung belangt (weil er sie eben angefasst hat dabei), der Helfer musste vor dem Friedensrichter eine größere Summe zahlen, um einem Prozess zu entgehen. Besser raushalten im Taiwahn.
* Das die Beteiligten von Anfang an Englisch sprachen und die Sache in Taiwans Gangsterstadt Taichung stattfand, spricht für eine Art von Falle (zum Gelderwerb?). Interessante neue Entwicklung.