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Dienstag, Mai 07, 2013

Watt war den nu los?

Meinen eigenen gestrigen Blogartikel lesend habe ich jetzt doch das Bedürfnis die einzelnen Vorfälle aus dem gestrigen Artikel (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/interaktionen-mit-den-leutchen-hier.html) noch mal zu katalogisieren. Denn mich wundert selbst diese "Straße" von Negativerlebnissen mit den einheimischen Leutchen hier. Als Informatiker will man wohl immer alles katalogisieren. Aber warum auch nicht.
Bei den geschilderten Vorfällen haben wir:

2 mal Straßenverkehr:
Der Straßenverkehr ist traditionell die Ausrastzone der Taiwaner. Sie verwandeln sich bei kleinstem Anlass in tobende Irre, wenn es ums Auto geht. Sicherlich auch die Folge davon, dass Autos insbesondere Herren psychologisch Macht und Freiheit suggerieren (man hat ja mordsmäßig viel PS unter dem Hintern), aber gleichzeitig die Straßen Taipeis zugestopft sind bis zum Verkehrsinfarkt. Und die vielen in den Leuten brodelnden aufgestauten Gefühle, die das Ergebnis einer konfuzianischen Kultur eben ohne Streitkultur sind (weil Streit die Maxime des Gesichtswahrens verletzt), suchen sich dann in Sachen vermeintlicher automobiler Freiheit ein Ventil. Ausländer wie Inländer werden immer wieder im Straßenverkehr in Taiwan in gewaltsame Eskalationen verwickelt. Meine beiden Beispiele zeigen wie schnell das geht - und es sind nicht die ersten Erlebnisse dieser Art

1 mal rassistischer Tattergreis
In meinem alten Wohnblock habe ich gemerkt, dass alte Leute, wenn sie etwas verhärmt wirken, mir gegenüber aggressiv und unfreundlich sind. Sicher eine Kombination aus Underdog-Verhalten und einer rassistischen Erziehung aus den Jahren der nationalchinesischen Diktatur. Denn der geistige Unterbau der damals herrschenden Kuamintangpartei erklärt in der Tat den sinoiden Menschen zum rassisch reineren Herrenmenschen. Auch wenn sie das hier nie so extrem praktiziert haben wie etwa in Deutschland die Nazis. Taiwan ist in vielem wie Umgang mit Ausländern und auch z.B. Ökologie 20 Jahre zurück - schließlich fand hier das Wirtschaftswunder erst ab etwa 1975 statt; damals wurde Taiwan zum Hersteller von Transistorradios, nach denen die Welt verlangte wie heute nach dem iPad und iPhone. Auch mein Großvater, so nett er auch war, hatte in Deutschland etwas gegen Schwarze und Inder und hätte diese möglicherweise auch nicht in sein Mietshaus reinlassen wollen. Ebenso wie der Tattergreis in "meinem" Mietshaus mir manchmal den Zutritt verweigern will.

1 mal psychischer Problemfall
Der mich praktisch stalkende Kollege ist wohl ein Sonderfall, er hat sich daher noch deutlich aufdringlicher verhalten als ich das hier bislang festgestellt habe. Aber das kann man so nicht verallgmeinern.

Summa summarum kann man sagen, Taiwan ist eine so fremde Kultur, dass man sich wundern kann, wo sich in dem sonst so friendlichen Land plötzlich und unversehens soziale Mienenfelder auftun. Das verwundert mich auch immer noch im 10. Jahr hier in der vibrierenden nervösen Inselhauptstadt, das will ich nicht leugnen.


Kommunikation mit den Einheimischen: Mancher Fremde hat da so seine Probleme*



* vom Betreiber des Roadies Café angefertigte WKII-Miniatur (http://www.roadiescafe.com.tw/). Ludigels Leib- und Magenlokal.