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Montag, April 15, 2013

How to xiaojie

Die Boutiquen, hier im Stadtteil Ximen in Taipei, scheinen eine normative Kraft auf die junge Damenwelt auszuüben...


Kurze Unterbekleidung wird zum Postulat der Stunde, auch bei uns im Büro geht nichts ohne weniger. Erst heute morgen dazu im lauen Lüftchen mit schwarzen Strümpfen bis fast unter die Rockkante, dann erhöht auf der Treppe, man möchte hinrennen und rufen: "Junge Frau, bewegen Sie sich nicht, ihr Rock ist eingelaufen!".

Ich erschreckte mich bei meinem Stadtteilrundgang manchmal zutiefst, etwa als hier eine junge Frau mit knallendem Schritt an mir vorbei raste auf die Auslagen zu, die noch weniger und weniger Textil anpriesen.

Da besah ich mir so die knappberockten Schaufensterpuppen, den Kopf schüttelnd über so viel Hotpans und Minirücke... da bekam ich einen Schreck. Die hier ganz vorne mit blauem Hemdbande bewegte sich plötzlich! Ich dachte noch: "Können die das jetzt auch schon?" und wäre fast....

... auf diesen in der Fußgängerzone feststeckenden und wüst hupenden Toyota aufgelaufen. Gefährlich!

Für die jungen Frauen gibt es ob normativer Kraft der Werbung und Verkaufsauslagen kein Entrinnen, da herrscht kein Zweifel.

Was immer hier aus der Modekiste gezogen wird, die Damen tragen es kommentarlos. Na ja, trägt ja auch nicht so sehr auf.

Hat eine ne richtige Hose an, droht ihr wahrscheinlich gesellschaftliche Ausgrenzung. Modisch immer auf der richtigen Seite hingegen die Herren Taiwans, hier in den elegant zeitlosen blauen Strandlatschen, mitten in der Stadt, so dass man den halben Tank leer fahren müsste, bis man Sand erspüren könnte.

Modisch ist manche Kombination zu hinterfragen.

Aber was ich eigentlich mit diesem Artikelchen sagen wollte, ich habe es längst vergessen.

Never mind... Irgendwas mit Mode glaube ich...


Wo muss ich jetzt lang, wo geht es zur Ubahn... MRT... oder wie das Ding hier heißt....?
Habe so wenig auf den Weg geachtet, das gebe ich zu. Hier lang glaube ich...

Anschlag auf Schnellzug in Taiwan

Offenbar gab es einen Anschlag auf einen der "High Speed Rail"-Schnellzüge in Taiwan, die schnell und komfortabel auf einer eigenen Trasse unbehindert vom langsameren Schienenverkehr in Taiwan umher wischen. Basierend übrigens auf dem japanischen "ICE" und mit deutschem Schienen-Know-How aufgebaut - auch mit unterirdischen Bahnhöfen (hust). Eine Bombe, die möglicherweise nicht zündfähig war, wurde auf der Toilette eines Taiwan-ICEs gefunden. Hintergrund ist wohl die Anwesenheit eines Parlamentsmitglieds von Taiwans Regierungspartei KMT in dem Zug, denn auch in der Nähe von dessen Büro wurde offenbar eine Explosiv-Vorrichtung gefunden.
Offenbar ist ein dringend Verdächtiger in Haft.

 Taiwans modernes Wahrzeichen "Taipei 101"

Im friedlichen Taiwan könnte mancher eher persönliche Geschäfte eines Politikers als einen echten politischen Hintergrund vermuten. Man sagt jedenfalls gerne, dass die KMT mit der nordtaiwansichen Bambusgang-Triade verwurztelt ist. Die Regel ist so ein Bombenfund hier nicht. Mich erinnert der Fall an eine Bombendrohung (auch hier wurden Bomben gefunden) in Taiwans Vorzeigehochhaus 101 kurz nach der Einweihung. Damals hatte ich ebenfalls an einen Triadenhintergrund gedacht, schließlich wurde damals auch der Assistent des Bauleiters ermordet, weil wohl die nötigen Schmiergeldzahlungen nicht entrichtet worden waren.

Die Faustregel in Taiwan ist, dass man nur bei Handels- und Industriegroßprojekten und wohl fast immer beim Hausbau mit der "Mafia" zu tun bekommt, sonst eigentlich nie. Sprich ein normaler Bürger wie ich (wenn wir mal das Aussehen weglassen) hat hier eigentlich nie etwas mit der richtigen "Mafia" zu tun. Selbst beim Reihenhausbau nicht, denn das erledigt die Baugesellschaft. Man lebt ordentlich und geregelt vor sich hin und hat auch bei Behörden keine Korruption oder dergleich zu erleiden.

Wer aber große Geschäfte macht, der muss wohl manchmal seinen Obolus entrichten an die hohen Herren vom Bambusgewächs. Einem Bambusrohr soll übrigens auch Taiwans Hochhaus "101" nachempfunden sein.



Links:

http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-22124233
http://edition.cnn.com/2013/04/12/world/asia/taiwan-train-evacuation/index.html?sr=sharebar_facebook
http://www.taiwannews.com.tw/etn/news_content.php?id=2196155

Taiwaner Ausländerfreundlich (Update)

Immer wieder stößt man darauf, dass Taiwan das ausländerfreundlichste Land überhaupt sei und insbesondere die jungen Einwohner Taipeis werden in dieser Hinsicht genannt. In jedem Reiseführer. In fast allen Blogs und Webseiten. Und auch die Taiwaner selbst sagen das von sich, wie hier im Ausländerforum wiedergegeben wird: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=119590.

Man sieht schon in der Diskussion im Forum, dass hier nicht alle zustimmen. Auch ich tue mich in meinem 9. Jahr hier eher schwer mit dieser Aussage und es ist mein Eindruck, dass es gerade die Taiwanneulinge sind, die diese Aussage machen. Ganz fair und sachlich denke ich, kann man es so formulieren:

- Taiwaner sind oft sehr unfreundlich gegenüber Südostasiaten aus ärmeren Ländern.
- Taiwaner sind oft unfreundlich gegenüber dunkelhäutigen Menschen, auch Afroamerikanern.
- Taiwaner denken Taiwaner und Chinesen seien intelligenter als "Weiße" und "Weiße" intelligenter als "Schwarze".

- Eher gebildete Taiwaner lächeln viel und behandeln "Weiße" hier in aller Regel ruhig und höflich.
- Eher weniger gebildete Taiwaner gaffen "Weiße" an und machen sich gerne in der Gruppe über sie lustig. Oder bestaunen sie wie Marsmenschen.

- Taiwaner heißen "Weiße" oft willkommen in den Straßen Taipeis.
- Manche Taiwaner himmeln "Weiße" regelrecht an.
- Viele Taiwaner stellen "Weißen" furchtbar viele Fragen bis hin in den Intimbereich, wenn man sie lässt.
- Manche werden regelrecht zum Stalker, etwa in der Firma.
- Ein "weißer" Freund oder Bekannter ist Mode, er erhört den sozialen Status enorm (Gesichtsgewinn).
- Der durchschnittle "Weiße" hier scheint irgendwie hübscher und größer zu werden in den Augen der Einheimischen (vgl. viele Komplimente, Anziehungskraft "weißer" junger Männer auf einen Teil der aufgeschlossenen, gutbürgerlichen Damenwelt hier).

Summa Sumarum würde ich sagen, Taiwaner, zumindest in Taipei und anderswo im Norden (den Rest kenne ich nicht so) sind HELLHÄUTIGEN Ausländern gegenüber oberflächlich freundlich. Womit sie sich wohl positiv von anderen Ländern abheben, wo man als "Weißer" entweder ignoriert wird (sowohl mehrheitlich "weiße" als auch ethnisch andere Länder) oder nur als wanderndes Dollarbündel gesehen wird oder gar pauschal eher nicht gemocht wird (öfter mal in China und Südkorea, sicher manche islamlische Länder).

Auf ein Wort gebracht, sind sie nun ausländerfreundlich oder nicht, die Taiwaner?

Äh..... ja .... sicher. Klar.


Das oft verwendete "Weiße" und "Schwarze" habe ich hier der einfachheit verwendet, aber in Anführungszeichen gesetzt, da ich diese Begriffe nicht so toll finde. Was wären denn dann die Taiwaner etwa? Blöde Begriffe.

***

Anderes Thema: Taiwans girliehaftes Frauenbild kommt jedenfalls sehr gut in diesem Werbevideo zum Ausdruck, auch wenn ich keine Ahnung habe, was da verkauft werden soll. 


UPDATE:
(1) Mag sein, dass das Video oben nicht funktioniert. Oder es liegt an meiner Verbindung. Oder an der Stellung von Mars zu Saturn. Whatever.
(2) Der Trackback vom DUNKELANGST-Blog sei ausdrücklich empfohlen: Danke für das Feedback! http://www.dunkelangst.org/2013/taiwaner-sind-auslanderfreundlich/

Freitag, April 12, 2013

Trauriger Abschied von den Hunden

Gestern war ein dramatischer Tag. Wir hatten ja einst eine Straßenundrettung, deren Webseite immer noch existiert (stray-dogs.org) und von dieser Org waren noch zwei Hunde übrig geblieben, die wir zwischenzeitlich sogar als Privathunde hatten, ein Husky und ein Labradorweibchen. Im Reihenhaus waren sie einst untergebracht und mit der Geburt von Junior kam dann ein Teilabschied. Wir zogen nach Taipei, das Reihenhaus wurde verkauft. Der Umzog in eine "Keine Hunde erlaubt"-Wohnung war nötig, damit wir in der Nähe von Junior sind, der ja von meiner Schwiegermutter in Taipei tagsüber betreut wird, während Frau und ich im Büro sitzen.
Es fand sich eine Unterbringungsmöglichkeit auf einem Hundeplatz unserer alten Org, betrieben von einer taiwanischen Tierschützerin, auf dem diese Gegen Gebühr (2000 NT pro Monat für einen mittleren Hund, also etwa 50 Euro) Hunde unterbrachte. Unsere genossen das Privileg ein großes Grundstück für sich allein zu haben.
Der Platz wurde voller und voller mit Hunden, am Ende mussten unsere weichen und es fand sich ein Platz auf dem zweiten Hundeplatz unserer alten Org, die damals noch existierte, noch schöner auf dem Lande, wo die Hunde, die zwischenzeitlich auch einmal adoptiert waren und dann im Hauruckverfahren von den taiwanschen Adoptierern zurückgegeben wurden, im Rudel auf einem kleinen Bauernhof leben konnten.

Doch auch hier sind mittlerweile nur noch Zwinger vorhanden, die Betreiberin erhöhte uns nach dem Ende der Org die monatlichen Kosten auf das Dreifache und drohte mit weiteren Verdreifachungen -  es musste etwas geschehen. Taiwanische Adoptierer retournierten die Hunde wieder und so ging es gestern ins Flugzeug in die Schweiz. Es ist sehr schwer Hunde, die man als die eignen ansah, einfach am Cargo-Flughafen in einen Käfig zu stecken. Ein Hunderettungsfreund aus Org-Tagen kümmert sich um gute Zuhause für die Hunde.

Wir hatten einst vor, die Hunde jedes Wochenende von dem Bauernhof mit Rudelleben abzuholen und mit Junior und Hunden in das schöne Gartenrestaurant Roadies zu gehen, das von einem Amerikaner im Landkreis Taoyuan betrieben wird. Doch da hatte der Kinderarzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Junior war Frühgeburt also darf er erst nach 2 Jahren Hunde anfassen hieß es. Doch gestern zum Abschied sind wir mit den Hunden noch ins Roadies gefahren. Sehr glücklich waren sie, als wir sie abholten, sie endlich wieder in unser Privatauto hüpfen durften und uns dann ins Grüne begleiteten.

Ein schwerer Abschied, als ich sie dann zum Flughafen fahren musste.
Nun, sie werden es gut haben in der Schweiz, aber für uns war es sehr nervenaufreibend sich zu verabschieden. Zwischenzeitliche Pläne, wieder ein Haus im Grünen zu kaufen scheiterten an der taiwanischen Immobilienblase. Häuser auf dem Lande haben eine Preissteigerung von 10 Millionen NT auf 20 erfahren, die zum Verkauf stehenden Häuser stehen seit Jahren leer, erhalten aber als Spekulationsobjekte immer größere Preisschilder.

Mein Resümee ist, in Taiwan keine Hunde mehr haben zu wollen. Hunde auf dem Lande können leicht vergiftet oder von frei laufenden scharf gemachten Hunden getötet werden. Explodierende Immobilienpreise machen artgerechte Hundehaltung sowieso unmöglich. Und als Hunderetter sieht man immer wieder ein ungeheures Ausmaß an Tierquälerei, auch kleine schwarze Hunde, die die Nachbarn zum Auffressen in Käfigen für den Winter mästen. Und vielerlei mehr. Ich habe die meisten Hundestories aus dem Blog genommen und will mit dem Thema abschließen. Taiwan in und um die Städte habe ich zugemüllt, zugesmogt und überfüllt erlebt; kaum ein Ort für Menschen, auch wenn es sich bessert. Für Hunde ist Taiwan ganz bestimmt kein Ort, wird öfter mal in einschlägiger Literatur als einer der schlimmsten Orte der Welt für Hunde geschildert.

Mittlerweile sind die Hunde im freilaufenden Rudel in den schweizer Berger integriert, solange bis sie per Adoption ein endgültiges Heim finden. Lernt der Husky also endlich den Schnee kennen.

Google: Prüfcode auf Taiwan-Handy geschickt (super!)

Als ich neulich mit meiner deutschen Kreditkarte auf einer deutschen Webseite bezahlen wollte (Studiengebühren für Frau) ging das nicht, weil die Seite das international Tätige VERIED BY VISA oder wie immer das genau hieß hatte, ein zusätzliches Prüfverfahren für die Kreditkartenzahlung. Dabei kriegt man eine Sicherheitsnummer auf sein Handy geschickt und muss diese eingeben, auch für Mastercard funktioniert das System. Nur dass eine deutsche Kreditkarte eine deutsche Handynummer verlangt. Also sind Expats wie ich ohne deutsches Handy aufgeschmissen, insbesondere wenn einem der PrePaid-Anbieter einfach die PrePaid-Karte sperrt wegen monatelanger Nichtbenutzung und meiner Meinung nach betrügerisch das Guthaben beschlagnahmt. "Tchibo" war es, aber bei anderen wird es nicht anders sein.

Wieso kann Visa nicht auch eine SMS auf ein Taiwanhandy senden? Ist das technisch unmöglich?
Google hat es gerade getan. Zur Absicherung des Bloggerkontos hier gab es ein Feld, wo ich unter den Ländern Taiwan auswählen konnte und dann konnte ich meine lokale Handynummer eintippen. Binnen 3 Sekunden hatte ich die SMS - auf Deutsch verblüffenderweise.

Bloggen kann man international, Kreditkarten benutzen nicht unbedingt.

Mittwoch, April 10, 2013

Kriegerische Stimmung

Passend zur kriegerischen Stimmung dieser Tage ein Schuss aus der "Halle der Nationalen Märtyrer" in Taipei, gleich bei mir "um die Ecke". Vielleicht drei oder vier Kilometer entfernt.


Firefox mit Mittelklick oder Linksklick, evtl. mehrfach vergrößert. Durch die starke Verzerrung des Fisheye-Objektivs (Sigma 2.8/15mm an Fullframe) scheinen die Flugzeuge, wenn man das Bild etwas größer ansieht, förmlich aus der Wand heraus zu fliegen. Die war natürlich gerade in Wirklichkeit. Die Kampfflugzeuge tragen natürlich das Zeichen der Republik China, die seit 1949 auf Taiwan fortgesetzt wird. Der Mensch verherrlicht gerne die Opfer des Abschlachtens im Namen von Ideologie und Politikern und auch ich habe mich hier an dieser Geschichtsumdeutung freimütig beteiligt, das will ich nicht leugnen.

China, schluck einfach Nordkorea

Doch. Wäre die einfachste Lösung. Das muss doch gehen. Also bitte mitschreiben im Ministery of Love in Peking. Beijing. Whatever. Who cares. Also: Agentin Lucy Wu mit geschlitztem Rock und viel Parfum verführt den dicken jugendlichen Diktator. Eine Gestalt wie aus einem Michael Ende Buch übrigens. Nicht, dass ich je eines gelesen hätte. "Das dickliche Führerding" springt mit ihr in die Falle, sie erdrosselt ihn mit einem der rosa Plüsch-BHs oder pinkfarbenden Radiwurzeln, die er sammelt und von seinem Vater, dem "Verhutzelten Führer" geerbt hat. Sie wissen schon, die der Vater immer mit ernster Miene auf den Fotos inspiziert hat. Er stirbt quieckend im Plüschbett während sich Lucy Wu mit geschlitzem Rock an der Gardine in den Palastgarten absetzt. In der anschließenden Hollywoodverfilmung, wo sie fälschlicherweise zur CIA-Agentin umgedeutet wird, sitzt sie dabei kurz mit gespreizten Beinen auf der Statue von "Bemantelten Führer", das ist der Vater vom "Verhutzelten Führer", der so einen schicken schwarzen Mantel und Hut hatte und in den Louise Rinser verliebt war. Sie bringt die gesamte Palastwache um, hohe Absätze ins Gesicht etc. und verschwindet nach Beijing auf ein ordentliches geschnetzeltes Rindfleisch während die VR-China in "brüderlicher Hilfe" nach Nordkorea einrollt. Vorher nicht vergessen Obama zu sagen, dass man vor der Demarkationslinie zum Süden anhält.

 "Der verhutzelte Führer", einst als Werbeträger im Taiwanblog

Thema geritzt. Ende aus. Happy End. Doch wirklich. Wiedervereinigung? Ja ja, auch irgenwann. China sieht eh ganz Asien als verloreng egangenes Territorium an, was im Westen kaum einer weiß. Neuer Staatschef wird erstmal irgendein anderer Kim. In Korea heißen sowieso alles so, das ist kein Witz, sogar das Essen heißt so (Kim Chi). Macht auch nix, ist halt wie bei den Schlümpfen mit ihrem Universalverb.

So... noch Fragen?



Und das Taiwanblog testet anschließend eine nordkoreanische Uhr für 31 Cent.

Montag, April 08, 2013

Chinauhr, 3.15 Euro

Haben Rolex, Omega und Tudor noch eine Chance?

Wie gut Chinauhren für wenige Euro sind, ist sicher kein Thema, das die Deutschen nachts in ihren Betten wach hält, allerdings kommen viele Leute doch damit in Berührung. Nämlich wenn sie bei einem Shopping-TV-Sender oder bei Ebay eine vermeintlich günstige Uhr erstehen. Shopping-TV-Sender haben die Tendenz, richtige OEM-Produkte draus zu machen, d.h. sie nehmen Einfluss auf die Gestaltung und kontrollieren wohl auch die Qualität, während Ebay-Händler oft nur einen selbst ausgedachten Markennamen drauf schreiben lassen, der deutsche oder schweizer Uhrentradition vortäuschen soll. Wer im Internet Uhren kauft oder beim Shopping-TV, sollte also immer den Markennamen ergoogeln, um keine böse Überraschung zu erleben, denn Chinauhren sind in der Regel unreparierbar, die wenigen guten Marken ausgenommen (und die sind auch teuer). Eine Übersicht über bestimmte Uhrenmarken liefert diese Seite eines Uhrmachermeisters: http://www.uhrmacher-balster.de/welche-uhrenmarken-werden-nicht-repariert.html.
Diese Uhren werden von dem Uhrmachermeister nicht repariert und ein ergoogeln dieser Marken lieferte bei mir oft Hinweise auf Chinabilliguhren, ohne das ich hier aus juritischen Gründen diese Marken bewerten möchte.

Preise von umgelabelten Chinabilliguhren liegen oft bei 40-250 Euro, da kriegt man also schon eine richtige Uhr für und keinen Chinabilligticker. Wer eine Automatik will, sollte sich etwa mal die Japanmarke ORIENT ansehen, die gute Uhren ab 80-115 Euro hat (oder auch US-Dollar, je nach Markt), etwa bei Amazon. Ein Extrema von Preisaufblasung waren geschlagene 1000 Euro, die Ebay als Sofortkaufoption hatte für eine angeblich goldene Chinauhr mit einem Markennamen ähnlich dem Getränk Calvados. Ohne Karatangabe versteht sich.

  Manche Uhren werden direkt aus China beim deutschen Ebay angeboten und gehen oft für um die 5 Euro weg. Wie gut sind solche Angebote mit unbekannten Markennamen? Faires Angebot oder bekommt man Abfall? Ich habe es einmal aus Jux ausprobiert - meine Frau hat also zwei Uhren bestellt, Quarz allerdings, aber hier in Taiwan auf einer Shoppingseite (pchome.com.tw glaube ich), für 3.15 Euro das Stück umgerechnet.

Die Uhren der Marke "Rosra" wurden in Bubblefolie verpackt geliefert und man merkte sofort, wie verblüffend leicht die Sendung war. Die Uhren wogen praktisch nichts! Sofort verwunderte mich bei der Uhr oben, dass eine sehr stabile Schutzfolie um das Metallarmband gelegt war, so dass sie wie ein integrales Teil des Armbands erschien - im Foto sieht man das noch. Nur lag die Folie damit in solchen Falten, dass ich es doch abmontieren wollte. Sehr zu meinem Schrecken schien das dünne Armband unter meinen verzweifelten Reissversuchen zu zerbrechen, so fest saß die krummelige Folie. Am Ende ging die Schutzfolie mit viel Arbeit ab und das Armband nahm keinen Schaden. Allerdings hatte die "Rosra" nun eine melodische Eigenschaft - die dünnen wohl gusseisernen Platten des Armbandes berührten einander nun oft, verkanteten sich manchmal sogar etwas ineinander und gaben dabei ein helles metallisches Klirren von sich, das an Glöckchen erinnert. Aufmerksamkeit ist einem beim Anlegen und Ablegen der Uhr sicher.

Als nächstes wollte ich bei der Quarzuhr die Chronodrücker drücken, um den Chronometer zu testen. Eine Anleitung gab es ja nicht, aber es ist meinst keine Rocket Science, welche Knöpfe was machen. Autsch! Fehlanzeige, die Chronoknöpfe sind fest und die drei chronoartigen Anzeigen offensichtlich nur Deko. Der Chronometer ist eine reine Attrappe. Nur der mittlere Knopf ist echt, alles andere ist aus einem Guss. Problemlos ließ sich die Uhrzeit einstellen, auch der Sekundenstopp funktionierte. Sprich die Uhr ließ sich sekundengenau einstellen und lief dann brav los. Wer denkt, die im Taucheruhrenstil gehaltene Lünette mit den hübschen Zahlen und dem griffig geriffelten Rand drehen zu können irrt freilich. Das ist wohl auch nur eine Attrappe. Aber das gibt es auch bei teureren Uhren. Die Uhr trug sich angenehm leicht am Handgelenk und sah sogar nett aus - wirkte wie eine richtige Uhr, so rein optisch gesehen.

Bei der näheren Inspektion nervte freilich die Ablesbarkeit. Die Uhr lässt sich bei Tageslicht zwar gut ablesen, bei hellem Kunstlicht von oben reflektieren die falschen Chronoanzeigen jedoch so extrem, dass man die gleichfarbenden Zeiger nicht mehr erkennt, sollten sie sich auf der linken Uhrhälfte aufhalten. Auch zeigte das wohl gusseiserne Gehäuse (die Uhr hat freilich einen dünnen Edelstahlboden, auch wenn der Begriff Edelstahl sehr dehnbar ist, wenn nicht Euronormen entsprechend) diverse kleine Dellen und sogar eine gülden schimmernde Farbauffälligkeit nebst einer auf dem Foto auf 11 Uhr erkennbaren Abschürfung auf dem Glas - der Herstellungsprozess involviert wohl viel benutzte Gussformen und Strapazen für das Glas. Das Glas wirkte übrigens recht gut geschützt, weil nicht herausstehend und wirkte wie normales Glas, also nicht etwa Fieberglas. Wie lange es hält und ob die Uhr im Taucheruhrendesign wenigestens Regentropfen überlebt weiß ich alles nicht, denn dazu müsste ich die Uhr tragen. Übrigens scheint sie genau zu gehen, auch nach Tagen noch zeigte sie die Uhrzeit minutengenau an. Ob sie auch sekundengenau geht weiß ich nicht, ich hatte keine Lust dem kaum ablesbarem Sekundenzeiger so viel hinterher zu gucken.

  Die zweite Rosra war genauso leicht, jedoch mit einer schwarzen Lackierung überzogen, so dass die Uhr kunststoffartig und daher haptisch noch billiger wirkte. Auch wenn sie unter dem Lack wohl aus dem selben Material war. Unangenehm hier, dass an der Kunststoffhülle des Armbandes etwas schwarzer Lack vom Armband hängen blieb, auch wenn das Armband danach optisch einwandfrei aussah. Man fragt sich unwillkührlich, ob auch am Arm etwas aussuppt, auch wenn das bei mir nicht der Fall war bei kurzem Tragen. Lustig: Die Krone der Uhr (auch hier sind die Chronos Attrappen) war mit einer Transportsicherung im Herausgezogenen Zustand fixiert und der Sekundenzeiger und Minutenzeiger kämpften permanent durch Vor- und Zurückruckeln gegen das erwungene Halten an. Die Uhr war defekt und hatte auch nach Abnehmen der Transport(un)sicherung einen defekten Sekundenstop und fiel durch erratisches Springen des Minutenzeigers beim Stellen auf. Hatte man die richtige Uhrzeit allerdings eingestellt, hielt auch diese Uhr die Zeit minutengenau über mehrere Tage. Auf dem Foto ist die Uhr gut ablesbar, weil der drahtlose Blitz das Zifferblatt abschattet, in Wirklichkeit sieht man beim Ablesen nur Weiß auf Weiß und kann die Uhrzeit fast nicht erkennen. Lustig auch die Lünette mit Tachimeter. Ein Tachimeter ist ohne großen Stoppuhrzeiger natürlich sinnlos - er soll ja die km/h anzeigen, die seit dem letzten Stopp ermittelt wurden von der 0-Position aus gesehen. Will man den Sekundenzeiger dafür verwenden, müsste die Lünette wenigstens drehbar sein - ist sie aber nicht. Aber gut, Deko halt. Auch diese Rosra hatte kleine Beschädigungen im Gehäuse und fiel sonst durch ein Kuppelglas auf, das bei mir Zweifel an der Haltbarkeit erweckt, schließlich ist Billigglas Schlägen gegenüber sehr empfindlich.

Fazit? Die Ausschussquote war also 50%, die untere Uhr gibt Anlass zur Sorge wegen der schwarzen Abfärbung und war defekt, auch wenn sie noch Funktion hatte. Die obere funktioniert immerhin bedingt als normale Uhr, mit der Einschränkungen einer schlechten Ablesbarkeit. Bis zu 5 Euro sind solche Uhren sicher wert, mehr möchte ich nicht dafür bezahlen. Auf Ebay fand ich Rosra-Uhren zwischen 5 und 18 Euro. Mag sein, dass die Modelle besser sind. Klaro. Für Sparfüchse für bis zu 5 Euro vielleicht ein akzeptables Angebot, auch wenn eine Casio oder dergleichen für unter 50 Euro hier sicher mehr Vergnügen und Funktion garantiert meiner Meinung nach. Auch eine gebrauchte Pulsar oder Lorus (beides wie auch Orient SEIKO-Marken) für 35 Euro oder weniger ist sicher ein vorzuziehendes Angebot, es sei denn man hätte wirklich nur einen Zehner zum Uhrenkauf zur Verfügung. Dann aber gleich 2 kaufen, würde ich vorschlagen.

Armbänder: Das Armband der oberen Uhr ist passgenau für mein 18cm-Umfang-Handgelenk, für stärkere nicht geeignet. Das der unteren hat noch ein paar Armbandglieder Luft. 
 

Montag, April 01, 2013

Rettungsversuch für Wauwi

Beim letzten Besuch im Roadies (Burgerstube eines US-Amerikaners) irgendwo in "Longtan", sind die Fotos unten entstanden.

Eine recht hübsche Gegend um einen See herum ist es dort, wo das Roadies in einem der zahlreichen "Longtan" genannten Dörfer und Städtchen liegt. Ortsschilder gibt es in Taiwan nicht, so genau weiß man also nie wo man wirklich gerade ist.

Die Natur lädt scheinbar idyllisch zum Spazierengehen ein.

Vorbei geht es an der Reihe aus Nobelreihenhäusern, über die ich schon mehrfach berichtet habe und von denen wohl eines mittlerweile verkauft ist. Sie stehen seit vielen Jahren leer und ihr Preis hier auf dem Lande ist mittlerweile von 32 Millionen NT auf 50 gestiegen - durch 40 in Euro.




Ein stolzer Preis, wird die Landschaft hier wie fast alles Grün nahe den Siedlungen Taiwans doch als Schutt- und Hausmüllabladeplatz benutzt. Schon ganze Schrankwände habe ich hier schon fotografiert und auch hier im Blog irgendwo abgelichtet. Ich wollte noch mehr von den Müllhaufen fotografieren, denn um mich herum gab es den Anblick etwa verzehnfacht, da standen Frau, Kinderwagen und ich plötzlich in wildem Gebell. Wir hatten nämlich einen quer auf der Fahrbahn liegenden Baum passiert und standen in einem kleinen Rudel Straßenhunde, das dort logierte.


Gerade wegen unserem Junior verzogen wir uns möglichst schnell. Herangezoomt beim Rückzug sieht man noch einen wütenden Fido vorne durch das Geäst des Baumes springen. Ist kaum zu sehen wegen der schwarzen Farbe - direkt im Vordergrund. Hinten steht der Rudelchef im Bild.

Wir hatten vorher dem einen kleinen Kläffer im Unterholz keine Beachtung geschenkt und staunten daher nicht schlecht, plötzlich in Mitten einer kläffenden kleinen Meute zu stehen, die sich hier schon teilweise in die Büsche geschlagen hat.

Waren wir nun wirklich in Gefahr? Nein, waren wir nicht wirklich. Straßenhunde in Taiwan haben längst gelernt, dass es nur üble Konsequenzen hat, sich mit Menschen anzulegen und wollen nur ihre Ruhe haben. Allerdings hatte unser plötzliches Auftauchen mitten im Lager des Stammes Canis schon die Gefahr mit sich gebracht, einen Angstbiss einzufangen, das will ich nicht leugnen. Der Rudelchef, hier im Bild, war allerdings ein ruhiger, souveräner Rüde, er so leicht durch nichts aus der Ruhe zu bringen war - entsprechend war auch das Rudel schnell recht entspannt und beobachtete das weitere Geschehen aus dem Unterholz, während der Chef souverän seine Stellung hielt. Auch eine gleich aussehende Gefährtin hatte er noch, die jedoch später, als ich noch einmal zurück kehrte, vor mir mit in Deckung ging.

Auch ohne Tele (das lag zu Hause) wollte ich der geneigten Leserschaft nicht die Berichterstattung vorenthalten, daher musste ich mit dem 28-80er auf Kleinbildformat halt etwas näher ran. Außerdem hatte ich mir mittlerweile vom Roadies zwei Hundeleinen mitgenommen. Sam, der Roadiesbetreiber, selbst aktiv in Sachen Hunderettung, hatte nämlich auch schon versucht, die zwei großen hübschen Weißen zum Mitkommen zu überreden, weil er sie wohl vermitteln könne. So redete ich mit Engelszungen auf die Hunde ein, sie wollten aber partout nicht mitkommen. Am Ende zog sich auf der Leitrüde majestätisch würdevoll ins Unterholz zurück und drehte mir den Rücken zu.

Hier beobachtete mich die Leithünding. Ich hatte sie zum Schluss mit Engelszungen so weit, dass sie anfing, auf mich zu zu kommen. Da raste ein aufgemotzter Mercedes mit frech hoher Geschwindigkeit an uns vorbei, dass uns vier und zwei Beinen die Steine um die Ohren flogen. Ich bekenne mich hier ganz politisch unkorrekt dazu, dass mir Hunde beiderlei Geschlechts ins Taiwan der angenehmste Umgang sind. Männliche Taiwaner kommen da auf weit hinteren Plätzen. Ist nun mal so, verlangen Sie nicht von mir dass ich lüge. Ich erlebe die Herren hier meist am Steuer eines Autos und da sind sie nun mal eine Landplage.


Müll und Straßenhunde - beides gehört unwiderruflich zu Taiwans Landschaft nahe der Siedlungen dazu und soll daher auch hier im Blog nicht verschwiegen werden. Wer sich zurückhaltend verhält (und nicht gerade wie ich mit der Kamera mitten im Rudel steht, grins) hat von den Straßenhunden aber nichts zu befürchten, er sei denn er zeigt Angst, rennt weg oder hebt Knüppel auf. Oder bewirft Straßenhunde mit Steinen. Taiwaner werden wohl immer mal wieder gebissen.

Wer genau hinsieht, erkennt eine kleine aus Abfall gebaute Hütte, die das Rudel bewohnt und auch frisches Hundetrockenfutter fand sich dort. Irgend jemand versorgt also die Hunde. Hunderetter bauen durchaus solche Baracken für aufgefundene Straßenhunde und füttern sie dort, bis sie irgendwann die Hunde, wenn das Geld da ist, zum Durchchecken zum Tierarzt bringen und dann kastriert nach Kanada oder sogar den USA verschicken, in Zusammenarbeit mit einer überseeischen Tierschutzorganisation. Oder auch einfach an irgendjemanden dort schicken, manchmal auch nach Deutschland. Manchmal landen dann die Hunde auch bei Leuten, die sie an Tierversuchslabore weiterverkaufen - ohne Wissen des taiwanischen Hunderetters!

Taiwanische Hunderetter sind übrigens fast immer Frauen. Wie dem auch sei, ich verstehe die Hunde schon. Solange keine Krankheiten gravierend den Hunden zusetzen, leben sie da ein freies Leben am Waldrand, wenn sie auch noch gefüttert werden. Schöner als bei Ah Huang an der Kette als Hofhund, da besteht kein Zweifel. Sind es Schlittenhunde, die beiden Großen? Oder Akita Ainus, wie Sam meint? Letztere wären den Schlittenhunden in der Tat verwandt (ein japanischer Hund, bekannt als "Hund der Samurai").

P.S:: Einst hatten Frau und ich eine eigene Straßenhundrettung, Stray-Dogs.org, deren Aktivität in ersten Linie darin bestand, die Auslandsverschickung von Hunden zu koordinieren, damit die Hunde wenigstens in die richtigen Hände kommen. Seit einiger Zeit ruht die Org aber aus zeitlichen und personellen Gründen.

EDIT: Wieder kein Aprilscherz... Nur so als Hinweis anlässlich des Datums.

Kinderwagen, Bürgersteig zugeparkt, Fuß verstaucht

Taipei kann einfach nerven. Sogar in dem neuen Teil unseres Viertels, wo einigermaßen adrette Neubauten mit bisweilen allerdings sehr schmalen und teilweise mit Stahlbügeln abgeschirmten Bürgersteigen sind. Waren auf dem Rückweg von einem neu entdeckten thailändischen Lokal bei uns in der Gegend (der Taipei-Thai in NeiHu, dessen Essen aber nicht weiter kommentierenswert ist, vielleicht auch nur weil die liebe Familie ihr Chinazeug bestellt hat), da ist da vor dem Happy-Family-Kioskmarkt ein abgesenkter und sehr schmaler Bürgersteig in der Kurve. Der Rest vom Trottoir ist mit Stufen und Stahlbügeln mit Kinderwagen praktisch unpassierbar. Der passierbare Teil des Bürgersteigs ist schon schmal genug und noch mit einem Laternenmast fast blockiert. Gestern parkte auch noch ein Mitsubishi drauf. Schließlich ist so ein abgesenkter Bürgersteig in der Kurve Taipei-typisch ein idialer Parkplatz oder auch eine tolle Rennfahrer-Abkürzung übrigens, wenn man besonders schnell durch die Kurve will. Frau kann nicht richtig durch, verstaucht sich den Fuß. Der Fahrer, der sich seine Zigaretten geholt hat, guckt erschreckt rüber und verschwindet dann schnell. Frau sieht, das ich ihm am liebsten was auf seine Knubbelnase geben würde und beschwichtigt mich: "Er kann doch nichts dazu". Kann er in der Tat nicht, weil er sich nur landestypisch verhalten hat. Die 23 Millionen Taiwaner haben es halt so definiert, dass man überall wild parken kann (ein paar Meter weiter parkt jemand im Kreuzungsbereich im 90-Grad-Winkel auf dem Zebrastreifen), jedenfalls wenn man die Hauptstraßen meidet. Und auch sonst wie Sau fahren kann. Wenn ich ihn angemeckert hätte, hätten wir uns wahrscheinlich geprügelt und ich wäre als wilder Ausländer in die Zeitung gekommen. Denn im Straßenverkehr drehen die sonst so freundlichen taiwanischen Herren genauso leicht durch wie unter Alkoholeinfluss. Und schließlich kann ich nicht alle 23-Millionen Leute hier durch leichte Schläge zur Vernunft im Straßenverkehr erziehen.

Frau humpelt, der Affe mit dem Mitsubishi fährt weiter wie sein Ehrentitel, den ich ihm soeben verpasst habe und Taipei ist und bleibt ein nerviger smogstinkender Kfz-Hof. Aber halt! Wir haben eine enorm hohe Lebensqualität hier, sagt meine Frau. Weil überall diese Kisokläden mit 24-Stunden Öffnungszeit sind. Na dann.  

EDIT:
Okay, Vorteile hat Taipei auch. Eine saubere U-Bahn/Hochbahn, in der sich keine Schläger herumtreiben und abgesehen von den Autofahrern sichere Straßen, auch spätabends. 

Und die Vorkommnisse sind kein Aprilscherz. Auch wenn es für deutsche Leser vielleicht so wirkt.

Freitag, März 29, 2013

Machen wir mal was Verbotenes

Pssst. Meine Frau ist gerade beschäftigt und sieht nicht hin. Machen wir doch schnell mal was Verbotenes. Wie wäre es mit einer Exkurison auf verbotenes Territorium? Begleiten Sie mich doch einfach mal kurz.


Diskret schleichen wir davon hier in der Dorfidylle (oder wie auch immer man graue Schlichtbauten und Wellblech nennt) hier auf dem Lande im Landkreis Taoyuan, irgendwo bei Dashi, das man neuerdings auch Daxi schreiben darf (oder irgendwie anders). "Taxi" wäre auch hübsch. Man spricht es zwar etwa "Dahschi", aber Danshui (etwa Danschwej gespr.) schreibt man neurdings ja auch "Tamsui" in der Romanisierung.

Hier sitzt meine Frau nämlich beschäftigt bei den beiden Frisördamen in einem dieser Reihenhäuser, die hier von hinten zu sehen sind.

Wo steht denn nur das Auto? Ach hier. Sie sehen es immer noch nicht? Ja gut, die braune Farbe sieht man schlecht. Genau, da isser. Hinter Ihnen. Ja ja ich weiß, SUV. Mit meinen 150 PS brenne ich ein Loch in die Ozonschicht während Ihr BMW mit 300 PS viel ökologischer ist, weil eben kein SUV. Schon klar, schon klar. Aber jetzt einsteigen bitte.

Nein, einen Hybrid will ich auch nicht. Wie hier die Feinstaubwerte sind? Herrjeh mineh, wenn man schon mal mit einem Deutschen rumfährt. Feinstaub gibt es nicht, der ist erst erfunden worden, nachdem ich 2004 aus Deutschland weg bin und ich ignoriere alles, was später erfunden wurde. Inklusive Asperger. Hat ja heute jeder seit es modern ist. Ihr Cousin auch? Oh.... war nicht so gemeint.

Wo wir hinfahren? Das sehen Sie gleich. Lassen wir es noch geheim bleiben einen Moment. Verdammt, jetzt haben sie da ein Haus hingebaut, wo ich früher immer mit den Hunden spazieren gegangen bin. Never mind, fahren wir weiter.

Machen wir kurz halt an einem Seven-Eleven-Kioskmarkt und holen uns ein paar getrocknete Mangos aus den Philippinen. Sehens, das Hello-Kitty-Zeug gab es gratis dazu. Traditionell-Chinesisch mit Hello-Kitty, wir müssen in Taiwan sein.

Warum wir hier diese Bruchbude anfahren? Watt? Ob das ein Slum ist für arme Fabrikarbeiter? Herrjehmineh, die armen Fabrikarbeiter gibt es in China, hier ist aber die Republik China. Nein, hier wohnt niemand. Das ist einfach eine Baracke vom alten Wasserwerk. Wir gehen jetzt den Weg hier runter....

Watt das für eine Pflanze ist? Äh.... Hulahobhibiskus Müllnensis. So... jetzt aber weiter...


Hier geht es rein. Sehen Sie, der Müll, den die Taiwaner sehr gerne ins Grüne schmeißen, geht nur bis an den Eingang, dahinter ist alles sauber. Weil sich hier keiner reintraut.

Warum nicht? Giftmüll? Landminen? Drogenbanden kontrollieren das Gebiet? Mann, Sie sehen einfach zu viel RTL, das muss ich sagen. Ein Friedhof ist das hier! Und der ist verboten, es sei denn man hat hier klar definierte Besuche zu absolvieren... weil einem sonst die Toten als Geister nach Hause folgen. Ist doch klar. Insbesondere Fotos sind hier verboten. Also nicht richtig verboten, aber irgendwie unerwünscht.

KLICK. Wie? Was ich gerade auch Chinesisch gestammelt habe? Äh.... um Entschuldigung für ein Foto gebeten. Wir wollen ja nicht unhöflich sein.

Die Häuschen sind also Totenhäuser. Wo die Urne drin ist. Gibt kleine und große und ganz große.

Hier ist es sauber und ruhig. Keine Autos, kein Müll. Ganz anders als draußen. Und keine Taiwaner, he he he... Räusper. Was ich gerade gesagt habe? Ach nichts.

Nanu.... Waren Sie das eben? Hat sich da nicht irgendwas bewegt hinter der Mauer da? Ach so. Nur der Wind. Nun lachen Sie doch nicht so. Ist schließlich ein Friedhof hier.

Hier ist alles begrünt und idyllisch, während draußen die Zweckmäßigkeit vorgeht. Hier gibt es keine Mopeds und keine Betoneinöde. Und hier hat mal viel mehr Platz als bei den Lebenden. Ja, die Toten wohnen in Taiwan am schönsten, sagt man.

Watt das hier bedeutet? Äh.... tja... irgendwas wird es schon bedeuten. Da hat doch wieder was gekraspelt hinter dem Stein. (Ludigel flüstert wieder auf Chinesisch). Wie hieß doch Fotoapparat gleich auf Chinesisch? Xiaoshiangji oder irgendwie so.

So idyllisch würde man sich das Taiwan draußen wünschen. Viel Platz und Grün. He.... wenn Sie noch einmal "Buh" sagen während ich knipse werde ich ernstlich....

Was meine Frau sagen würde, wenn sie wüsste das ich hier bin? Oh lieber Herrgott Nummer 312, das gebe einen Ärger. Müssten wahrscheinlich zum Tempel hin um magische Zettel zur Geistervertreibung zu erhalten. Diese gelben Dinger die kostenpflichtig beschriftet werden.

Jau.... wirklich hübsch hier. Wenn es nur nicht immer im Gebüsch knistern würde.

Ich meine, so Westler-freundlich wie die Taiwaner zu Lebzeiten sind, werden sie jetzt ja wohl auch nichts gegen unseren Besuch haben. Wie? Warum ich Sie gerade auf die Schulter getippt habe? Nein, ich war das nicht!

Ja... langsam sollten wir wieder los...

Sind wir nicht eben hier schon vorbei gekommen? Never mind...

Ja, wenn man das lesen könnte....

...
Hier sind wir aber eben schon vorbei gekommen, oder? Sieht alles so gleich aus...

Ah.... hier ist wieder das zentrale Häuschen am Platz....

So.... da links geht's raus. Einschlechtes Gewissen hat man ja doch irgendwie.

 Huch? Hier war doch eben noch der Eingang....?

Sieht so anders aus plötzlich? Ob das wohl Mini-Totenhäuser sind?

Wir hätten Brotkrumen ausstreuen sollen...

...

Ah..... hier sind wir wieder. Gerade noch mal gut gegangen.

Und hinterher erst mal ins Roadies auf einen Burger und einen Long Island Tea. Bestellen wir drei Burger, für den Fall, dass jemand mitgekommen ist.


Mittwoch, März 27, 2013

Zu alte Kindersitze: Gefährlich

In Taiwan kam eine schlimme Geschichte groß im TV zur Mittagszeit: Bei einem Unfall mit einem Kleinkind hat es den Kindersitz zerlegt, der eigentlich das Kind schützen sollte, so dass bei der Krafteinwirkung auf die Halswirbel des Kindes eine Querschnittlähmung eingetreten ist. Es ist also leider genau das passiert, was der Kindersitz verhindern soll. Als Erklärung wurde gegeben, dass der Kindersitz schon sehr alt war, weil man so ein Ding eben oft von anderen Eltern gratis oder billig bekommt und dass diese mit der Zeit durch die Einwirkung von Licht, Hitze und Kälte im Wechselbad (Klimaanlage!) brüchig werden. So soll im gezeigten tragischen Fall der Kindersitz eben zerbrochen sein, statt die Kräfte aufzunehmen. Auch unserer ist neun Jahre alt, von der Schwester meiner Frau bekommen. So soll jetzt ein neuer Kindersitz angeschafft werden. Schnell ergoogelte meine Frau, dass die ISOFIX Normbefestigung für Kindersitze die beste sei (weil sie Befestigungsfehler vermeidet) und so examinierten wir unseren Nissan X-Trail von 2006 (Taiwanmodell) auf eben diese Befestigung. Fehlanzeige! Prompt ging es gestern zum Subaru-Vertragshändler, weil der Forester (SUV) so gut im Crashtest abgeschnitten hatte. Na gucken wir mal. Ich glaube, jetzt komme ich um einen Neukauf nicht mehr drum herum. Sorgenvoll nahm ich zur Kenntnis, dass Frau und Verkäuferin gestern immer um die 200+ PS - Version des Forester herum standen, während ich verzweifelt versuchte, die Aufmerksamkeit auf de 150 PS - Basisversion zu lenken. "Guck mal hier, wie schön blau der ist". Eine Million Taiwandollar soll er kosten mit 150 Pferden (die Taiwaner schreiben sogar PS statt HP - horse power- auf der Webseite), hat aber keine 0%-Finanzierung (sondern 2.5%) und laut Foren muss man 4 Wochen auf Ersatzteile warten. Na, dann behalten wir am besten den alten Nissan, damit wir in den 4 Wochen weiterfahren können....

P.S.: Sinnvoll wäre es einen Toyota RAV4 zu kaufen, weil er in Taiwan einen viel höheren Wiederverkaufswert hat, aber seit dem US-Drama ("hilfe, mein Toyota fährt von selbst") ist er bei meiner Gattin unten durch.
Den neuen X-Trail gibt es in Taiwan nicht, dafür ein amerik. Nissan-Modell namens Rogue, der allerdings recht teuer ist und eine steuerlich teure 2.7-Liter-Maschine hat. Besonders gut haben neuer und alter X-Trail im Crashtest eh nicht abgeschnitten.

FÜR ÖKOBEWEGTE DEUTSCHE: Warum einen SUV? Nun, als ich neulich wieder auf dem Lande hier herum fuhr, war eine hohe Bodenfreiheit bei den vielen Kuhlen und Schlaglöchern nett. Auch ist der Frisör meiner Gattin umgezogen und hat so eine hohe gebogene Auffahrt, wo die PKWs immer 3 Minuten am ultralangsamen Hochrangieren sind, während mein SUV-Ding da einfach hochböllert mit Karacho....