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Montag, Januar 26, 2015

Mit der Pappmaschee-Fregatte auf dem Ashi-See, Japan (Update)

Schiff ahoi mit pappmascheeartigen Piraten und Kanonenrohren auf dem Lake Ashi. Oder besser gesagt Kunststoffschaumpiraten und Konsorten. Eine große Attraktion in Japan. Und wirkt irgendwie recht unernsthaft auf den teutonischen Betrachter

Japaner können bestorganisiert, bierernst und ordnungswütig sein, wie ich bei meinem Besuch in einem Museum in Tokio in März 2014 gemerkt habe (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/12/japan-museum-in-reih-und-glied.html). Auch bei diesem Museumsbesuch konnte man schon den Hang zum Verspielten (dort: schwülstige Schmiedeeisentreppen ohne Sinn, niedliche Miniaturen und ein riesiges Spinnen-Katzen-Plüschtier) bemerken, der in Kombination mit superstrenger Organisation auf mich einen etwas komischen und widersprüchlichen Eindruck machte.

 "Queen of Good Taste" würde ich die Fähre nennen, wenn ich sie taufen dürfte.

Auch bei diesem Besuch des Lake Ashi mit Sicht auf den Mount Fuji (gerade fast vernebelt) konnte ich mich dieses Eindrucks nicht ganz erwehren. Achten Sie mal auf die todernsten und natürlich bestorganisierten Offiziere auf diesem Seedampfer. Die wirken in der auf mich doch lächerlichen wirkenden Kulisse des übermäßig verzierten Dampfers recht deplatziert. Eigentlich, doch denke ich heute, würde der italienische Commandante der "Costa Cordalis" (Name geändert ;-), also des verunglückten italienischen Kreuzfahrers, der immer noch wegen Kapitänsflucht durch die Medien geistert, viel besser hier auf das Ausflugsschiff passen. Und die seriösen japanischen Seeoffiziere hätte man sich auf der Brücke des italienischen Schiffes gewünscht. Doch ungerecht wie die Welt ist, ist es anders herum. Es gab im übrigen noch wesentlich schlimmer verzierte "Fregatten" hier auf dem See, die ich aber nur aus großer Ferne gesehen habe.

 Wenn eine an die Fähre angebrachte Attrappe abbricht, finden die beiden Taucher sie sicher sofort.

Eindrucksvoll war es trotzdem. Die Eindrucksvollen Tore (Fotos unten) begeistern natürlich, die wohl Shinto- religiös bewegt in die Natur gestellt werden und die Landschaft tatsächlich verschönern. Und dass die Japaner so eine schwülstige Fähre mögen hat eben auch wieder sein interessantes.

Löwenhaft gut das Design

Komplettiert mit Papppirat

Professionell verrichten die Brückenoffiziere ihre Arbeit hinter dem güldenen Löwen.

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Da ist die Überfahrt gesichert. Wieso hier der Pappkamerad auf dem Oberdeck plötzlich lebendig geworden ist verstehe ich aber nicht (der mit dem Dreispitz). Streng wird Ludigel von der Brücke aus in Augenschein genommen, als Langnase fällt man immer wieder au.

 Mit dem Toren da "haben sie was los". Schnell fotografiert....

...während meine Taiwanreisegruppe beim Seven-Eleven war.

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"Garnelenschokolade", lecker!


Update: Noch wesentlich schwülstigere "Fregatten" durch das Tele gesehen, auch bei 200mm Brennweite noch weit weg:

 

Fototechnisch: Sony A850 Fullframe DSLR. Bis vor die Schiffsbrücke ein altes Reisezoom, Tamron 3,8-5,6/28-200 (immerhin 50 Euro von Ebay), danach ein Tokina AF 2,8-4,5/28-70, 28 Euro von Ebay ;-)
 

Freitag, Januar 23, 2015

Ab in die Schule nach Bali (Update)

Was wird gelehrt auf Bali in Indonesien? Bestimmt viel spannende Sachen, schöne Hotels gibt es da auch, hier etwas merkwürdig in Szene gesetzt in alter Blogzeit (http://osttellerrand.blogspot.tw/2006/05/nightmare-under-foreign-sky.html). Doch von NeiHu, Taipei in Taiwan aus gesehen, liegt "Bali" auch viel näher. Man programmiert einfach das Navi vom Familienauto mit den hübschen chinesischen Schriftzeichen (was die Aufgabe von meiner Frau ist) und schon ist man in Bali, Taipei County (neuerdings New Taipei City genannt)...

 Fahrräder und ähnliche Gefährte kann man mieten und am Ufer lang fahren. Ankommen kann man auch mit dem Boot, über den Fluss aus dem Zentrum von Taipei denke ich mal. Aber die Regierung warnt vorm Benutzen des nichtlizensierten Bootes, sagte meine Frau. "Warum halten sie es denn dann nicht auf?", dachte ich mir. Aber gut, so viel teutonische Logik ist an einem schönen Wochenende am Osttellerrand der Weltscheibe einfach zu viel.

Besucht haben wir nicht ein Ausflugslokal, sondern eine Grundschule! Die hat sogar eine japanische Stele, die wir aber glatt irgendwo herumstehend übersehen haben.

Die Grundschule steht Besuchern offen, allerdings hatten alle irgendwie mindestens ein Kind als Alibi mit, sich die hübsche Umgebung anzusehen. Vielleicht könnten kinderlose ja einfach immer mal nach "ihrem" Kind rufen und so tun als suchen sie es, damit es nicht so auffiele. Wir hatten aber unseren Junior mit und zusammen mit Vater und Mutter ging es tapfer auf die Baumhäuser, die sich laut Schildern (auch Englisch) für Mutproben aboten.


In der Tat hatte man einen hübschen Ausblick von oben, auch wenn sich das Baumhaus bei Windböen etwas bewegte. Und die Bretter unter dem Schritt des Laowai Ludigel.


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Auch gefilmt wurde und wird hier immer wieder, verrät das Schild. Der taiwanische Schinken mit den beiden verliebten Cowboys ist hier aber nicht gefilmt oder? Wäre auch kaum Platz für die ganze Kuhherde.

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Kinder haben Spaß beim Klettern...

... und Papa Laowai unter ächzendem Gebälk ebenfalls.

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"Asiaten" die ihr Essen fotografieren, dass ist so ein Klischee.

Klare Luft ist, müffeliger Taipeismog ist weit weg.

Sollte jemand stürzen, wird der Fall sofort fachkundig untersucht!

Reichlich idyllisch sind Parkplatz und Schulhof, doch wie sieht nun die eigentliche Schule aus?

Auch nett....

Wenn auch die strenge Büste zu ordentlichem Herumrasen anhält.

Zwischen allerlei großen Tieren...

... ist auch Dr. Sun Yat-Sen zu finden, der im Prinzip der geistige Urvater der Republik China auf Taiwan ist. Oder ein halbseidener Gangster war, der nur zufällig gerade zur Hand war, als die Revolution in China anfing und der Kinderkaiser verjagt wurde, sagen andere. Mir ist es egal. In Taiwan wird er jedenfalls hoch verehrt. Jedenfalls im ethnisch eher chinesischen Taipei. Aber komplizierter wollen wir es jetzt nicht machen.

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Nun wissen Sie gewissermaßen auch wie eine taiwanische Grundschule aussieht. Obwohl längst nicht alle so toll sind wie die hier.

Der recherchierende Laowai stöbert natürlich überall herum...

... und landet schließlich...

... in der Bastelecke des Hausmeisters. Nichts bleibt dem Taiwanblog verborgen!

Idyllisch! Jedenfalls wenn man die bunte Plastikplane wegretouchiert ;-)

Update: Es handelt sich um eine normale öffentliche Schule, eine "Elementary School", also eine Grundschule mit Klassen 1-6. Schulgeld gibt es also nicht. Mehr Info über die Schule hier: http://www.taiwantoday.tw/ct.asp?xitem=118799&ctnode=428&mp=9

Taiwans Schulsystem generell liefert erstklassige Noten, fördert aber episches Auswendiglernen anstatt Kreativität. Auch in meiner Taiwanfamilie werden von den Kleinen immer wieder episch Gedichte rezitiert, bis zu 30 Minuten lang. Teils unter Tränen. http://en.wikipedia.org/wiki/Education_in_Taiwan

Fototechnisch: Neben einer Sony A850 Fullframe DSLR kamen ein gebrauchtes 50-Euro Minolta AF 3.5-4.5/28-105mm zum Einsatz, für die Weitwinkelschüsse ein Cosina (Soligor) 3.5-4.5/19-35mm für 28 Euro erstanden und neuester Ersatz für mehrere verstorbene baugleiche Voränger - und für die Fisheye-Perspektiven ein Sigma EX DG 2.8/15mm, das ich allerdings neu erworben habe.

Donnerstag, Januar 22, 2015

Ritter an der Wand

Ein Schuss aus Gent, Belgien von meinem jahresendlichen Amsterdam/Belgien/Deutschland-Besuch. 

Ein Bild, das in eine Zeit zurückführt, als auch das Christentum noch bereit war, mit Feuer und Schwert Zorn auf die "Ungläubigen" herab zu bringen. Die Ritter (eine "Ritterin" rechter Hand?) scheinen nur drauf zu warten, dass irgendjemand sagt: "Du, da haben sie ein Jesuskreuz in Jerusalem beim Dromeda-Rückwärtseinparken beschädigt" und schon geht es in den Giha... äh .... Kreuzzug.

Fototechnisch: Sony Alpha 850 (Fullframe) DSLR, Minolta 1,7/50mm, Freihand

Edit: Es müsste die St.Bavo-Kathedrale in Gent sein (außen)

Mittwoch, Januar 21, 2015

Schießerei bei Verkehrskontrolle in Taichung (Update)

Flughafenpolizei in Taichung hält Motorrollerfahrer ohne Helm an. Beim Streit landet die Schusswaffe des Polizisten auf dem Boden, der Motorrollerfahrer hebt sie auf und schießt wild in der Gegend herum von einer erhöhten Fahrbahn. Menschen gehen im Flughafenwartesaal (?) hinter Sitzreihen in Deckung, Kugeln schlagen in Fensterscheiben und Autos ein


Taichung ist traditionell die Gangsterstadt in Taiwan. Mir ist ein Vorfall im Gedächtnis, wo ein gestoppter Gangster einem Polizisten die Waffe abgenommen hatte und dann mit der Pistole fuchtelnd Autos anhalten wollte. Ein PKW-Fahrer der weiterfuhr trotz des Gangster-Verkehrsstopps wurde von diesem angeschossen und er verunglückte tödlich. Das ist alles schon eine Weile her, genauso wie der Vorfall eines anderen Gangsters, der mit der Waffe in einem selbstgedrehten Video posierte und dieses an die Medien verschickte bis zu seiner Ergreifung.

Diesmal ist (noch?) nicht von einem Gangsterhintergrund die Rede. Offenbar fuhr der Mann namens Chang am Flughafen lang mit seiner Tochter auf dem Motorroller (Alter nicht angegeben) und trug keinen Helm. Ein Wortgefecht mit dem ihn anhaltenden Polizisten führte dann schließlich zum Herunterfallen der Faustfeuerwaffe des Polizisten und Herr Chang machte dann ausgiebig davon Gebrauch. In den Fernsehbildern sieht man ihn von der Hochbrücke schießend wie in einem Al Capone-Gangsterfilm, bekleidet mit einem dunklen Mantel. Eine Kamera filmt ihn dabei die ganze Zeit von hinten. Ein später dazu gekommener zweiter Flughafenpolizist hat ihn dann letztlich erschossen.

So hat der Motorrollerfahrer jedenfalls sein Ziel erreicht nicht das Strafmandat zahlen zu müssen. Ob Taiwans Straßen wirklich so sicher sind wie man immer sagt bringt mich die Tage ins Grübeln. Neulich erst wurden ja zwei Anfänger-Drogenhändler von einem Auftragsmörder am helligten Tage in einem Parkhaus in einer belebten Einkaufsgegend erschossen und der Mörder soll hinterher seine Waffe in einem Fahrstuhl gereinigt haben, in dem sich zwei Passantinnen befunden haben. Taiwan hat eine höhere Mord- und Totschlagsrate als Deutschland und vielleicht ist es Zeit, das alte Expatdogma von den sicheren Straßen Taiwans aufzugeben und die höhere Mord- und Totschlagrate einfach als das zu nehmen was sie ist.

UPDATE: Die Tochter ist eine Erstklässlerin und musste den Tod ihres Vaters mit ansehen.  Offenbar hatte Herr Chang letztlich die Hände über den Kopf erhoben, als er keine Kugeln mehr hatte, ist dann aber trotzdem erschossen worden, jedenfalls laut Chinapost.

http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taichung/2015/01/20/426957/Man-dies.htm

Montag, Januar 19, 2015

Islam, gibt es gar nicht!

Der für Juni grob geplante Urlaub nach Frankreich und Belgien ist gestrichen / Gegensätze in den Kommentaren über den islamistischen Terror in Spiegel.de und NZZ

Meine Frau verhängte sofort ein Stopp für die Planung eines kombinierten Beligen/Frankreichurlaubs im kommenden Juni, nach den Zeitungsmeldungen der vergangenen Tage und natürlich dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Gut, auch ich würde derzeit die Situation etwas beobachten und eben überlegen, wie sicher Flughäfen derzeit sind. Ich denke aber, die Wahrscheinlichkeit in Westeuropa einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen ist dramatisch geringer als die, etwa irgendwo einen Autounfall zu haben. Vom Computer-Securitypapst  Bruce Scheier habe ich einst gelesen, der Mensch würde dazu tendieren Gefahren nach ihrer Seltenheit falsch herum zu bewerten. Man hat eben keine Angst vorm Autounfall oder vorm tödlichen Ausrutschen im Badezimmer (beides sehr bzw. recht häufig Todesursachen), sondern große Angst vorm Terroranschlag. Dabei sei beispielsweise in den USA die Wahrscheinlichkeit, durch einen aus dem Fenster geworfenen Fernseher zu Tode zu kommen höher, als die, durch einen Terroranschlag zu Tode zu kommen. Doch wir fangen nicht an, alle Fenster mit Drahtgittern zu sichern. Wohl aber sind viele Leute bereit, ihre bürgerlichen Freiheiten zu opfern, um sich besser gegen Terror zu schützen.

Flugreise nach Holland, Belgien und schließlich Deutschland. Die mechanische "Alpha GMT" aus Hongkong bewährte sich dem dem Jonglieren vvon bis zu drei Zeitzonen.

Auch in Deutschland geht diese Diskussion jetzt los. Politiker haben immer hinreichend viele Werkzeuge im Kopf, mit denen sie den ihnen unheimlichen Bürger an die Kette legen wollen. Überwachung und Gesinnungsschnüffelei. Und sind nur zu gern bereit, diese beim passenden Terroranschlag in die Diskussion zu werfen. Die Nullnummer Gabriel/SPD wird vermutlich wieder Erfüllungsgehilfe der Merkel-CDU, die auch ganz ideal die Rolle einer Sachwalterin der Sozialdemokratie in Person der Kanzlerin übernommen hat. Wenn unsinnige Datensammelei und Ausspioniererei gestoppt wird, dann von Frau Merkel, nicht von der SPD, so denke ich mir.

Man sieht doch besser auf die Uhr, ist doch der Blick aus dem Fenster wenig erfreulich. Was immer sie auch tun, nur bitte keine Mohammed-Karrikaturen an die Flieger pinseln. Freie Meinungsäußerung hin oder her.

Wie soll man also mit dem Terror umgehen? Ich wiederhole noch mal, einfach nach Recht und Gesetz. Straftäter sind zu fassen und zu bestrafen, wir brauchen keine schärferen Gesetze, den Terror ist schon verboten und wird bestraft. Bizarr finde ich freilich, was ich da im linksintellektuellen Spiegel (Online) lesen musste. Herr Augstein Jr. schreibt dort in einem Kommentar, der islamstische Terror habe mit dem Islam gar nichts zu tun (den wir uns auch noch selber schaffen würden, den Islam). Bei allem Willen zur Umarmung der 99,9% völlig normalen (will sagen nichtextremistischen) Muslime in Deutschland und Europa: Dieses Statement macht schon sprachlich wenig Sinn. Womit, so meine Gegenfrage, hat denn der islamistische (will sagen der autoritär-islamische) Terror sonst etwas zu tun, wenn nicht eben mit dem Islam? Mit Gartenbau oder Buddhismus vielleicht? 

Junior zog auf dem Flug jedenfalls den Unmut mindestens eines Economy-Mitreisenden zu.

Ein einfaches Beispiel: Wenn in den USA radikale Evangelisten, die gleichzeitig gewaltbereite Abtreibungsgegner sind, vor Kliniken Ärzte ermorden, dann hat das sehr wohl mit Christentum und Abtreibungsgegnerschaft zu tun. Nur deswegen darf man nicht alle Christen oder alle Abtreibungsgegner verurteilen und in einen Topf werfen Aber wenn man verstehen will was vor sich geht und wie man die Situation verbessern kann, dann muss man erst mal das Problem beschreiben. Und dazu gehört zu analysieren wer die Täter eigentlich sind. Im Falle des islamistischen Terrors sind vermutlich sunnitische (sprich nicht kirchlich zentral gesteuerte) Priester des Islam das Problem, von denen manche Hass predigen. Und Ausgrenzung. Und schlechtere Jobchancen. Aber wenn man nicht mal die Tätergruppe vernünftig definiert, dann kann man auch nichts lösen, weil man versteht nicht mal was vor sich geht.

Wenn die Businessklasse Platz genommen hat, darunter eben auch Junior, darf die Economyklasse ja erst ins Flugzeug und staut sich dann in der Businessklasse. Als ich Fotos von Junior in seinem riesigen Businessklasseabteil machte, wird manch ein "Economist" da neidisch gewesen sein. Dachte sicher: Ich werde gleich eingequetscht wie eine Sardine, aber der Junge hier hat Platz, der für einen halben Kindergarten reichen würde. Als ich fotografierte sagte ein Mann bitter: "Here are more successful people than we are" / Hier sitzen erfolgreichere Leute als wir es sind. Nun gut, dieses Prädikat ("erfolgreicher") will ich Junior nicht absprechen. Und ich verstehe ja seinen Schmerz.


In diesem Sinne, dass man eben erst mal verstehen muss wer wer ist und was macht, auch der Kommentar in der NZZ, den ich wesentlich vernünftiger finde.
Die Linke in Europa wird vermutlich auch ein Problem haben, den islamistischen Terror überhaupt weltanschaulich einzuordnen. Da natürlich Rechte und Rechtsextreme immer am lautesten gegen den Islam hetzten, haben die Linken in Deutschland den ganzen Islam automatisch auf ihrer Seite einsortiert, also links. Sie und islamische und alle anderen Einwanderer auf der Linken und rechts die Gegenseite, das Böse. Dieses Weltbild verkennt jedoch, was Islamisten eigentlich sind. Es sind selbst Rechte! Oder wie würden wir etwa christliche Fanatiker einstufen, die propagandieren würden, die Frau würde rechtlos und mit Haube und Wollkleid (um das mal anzupassen) an den Herd gebunden gehören und Männlein und Weiblein müssten ganz bestimmten äußerlichen Kriterien entsprechen (bartlos und mit schwarzem Hut vielleicht). Und alle anderen seinen todeswürdige Abweichler? Da würde man sofort sagen, die haben ein faschistoides Weltbild, sind vielleicht Faschisten und eben ganz und gar klerikal-fanatisch Rechts. Europa muss aufpassen, nicht zwischen rechten Fanatikern zerrieben zu werden. Den klerikalen islamischen Fanatikern und den politischen klassich-rechten Extremisten. "Der Islam gehört zu Deutschland" und damit eben auch seine extremen Formen. Den Kopf in den Sand stecken und so tun als gäbe es ihn nicht wird da nicht helfen.

Einen Kulturschock bekam ich in Amsterdam. Auf den Straßen Kokain in die Nase ziehende Menschen und Warnplakate über totgeschnüffelte Touristen. Die Welt ist eben gefährlich. Vermutlich war Ludigels Wahrscheinlichkeit, während seines unbedachten Herumkicherns in der Businessklasse ("guck mal wie viel Beinfreiheit Junior hat") von einem Economymitreisenden erschlagen zu werden viel höher, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen!

P.S.: Islamismus wäre nix für mich. Die Terrorkrieger tragen immer diese hässlichen CASIOs. Abgeblich kann einen der Kauf einer solchen LCD-Uhr schon auf die Terrorwatchlist der USA bringen. Na wen wundert's bei dem hässlichen Ding.

Mittwoch, Januar 14, 2015

Tödlicher Streit in Parkgarage in Taipei (Update 3)

Im friedlichen Taipei gibt es so etwas selten. Oder kommen derartige Dinge in Zukunft öfter vor?

Taipei erscheint vielen Ausländern wie auch mir als Großstadt fast ohne Straßenkriminalität. Trotz höherer Mord- und Totschlagszahlen in Taiwan geht man i.A. davon aus, dass die höhere Todesrate sich durch interne Auseinandersetzungen im Gangstermilieu und  durch Streit in taiwanischen Familien erklärt, wovon man als Ausländer, vom gelegentlich fliegenden Wasserkocher abgesehen, wenig bis nichts mitbekommt. Auch wenn wie neulich berichtet eine große Menschenmenge einen Polizisten erschlägt in einer Disco oder dergleichen, scheint es unter die Regel zu fallen, denn der Polizist arbeitete offenbar nebenher als Clubsecurity, was wohl ein anderes Wort für "Gang" ist.

Nur der Irre, der wie damals berichtet ein Messer in der U-bahn zog und vier Leute im Schlaf erstochen hat, der passte nicht ins Schema platt gesagt. Und jetzt sind zwei tote junge Männer auf der Rückbank eines Autos in einem Parkhaus in Taipei gefunden worden. Sie kamen aus dem Großraum Taichung und hatten sich den PKW von der Mutter des einen für einen Trip nach Taipei geliehen. Während einer im Parkhaus im Auto wartete, ging der andere schnell Getränke kaufen, wie man das auf einem Ausflug so macht. Das ganze am Nachmittag in Ximending, dem hübschen Stadtteil, in dem ich hier einst eine ganze Fotoserie geschossen habe (ein Posting hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/01/geschichten-aus-dem-ximen.html). Ich hätte die beiden jungen Leute auf dem Trip so sicher wie in Abrahams Schoß gewähnt und als einziges Risiko einen Verkehrsunfall genannt.

Doch was ist offenbar passiert? Der zurück gebliebene junge Mann, wie der andere ohne jedwedes Strafregister, geriet offenbar mit jemanden in Streit. Dieser hat ihn dann aus nächster Nähe dreimal in den Kopf geschossen wie bei einer Exekution und die Leiche dann einfach auf die Rückbank des Wagens gesetzt. Als der zweite junge Mann mit den Getränken zurück kam, wurde auch er auf gleiche Weise erschossen und ebenfalls so im Auto platziert. Gespenstisch. Die Polizei hat wohl durch die in Taiwan überall präsenten Kameras einen Verdächtigen und sucht nach ihm.

Es ist anzumerken, dass es in Taiwan sehr wenig Schusswaffen gibt. Normalerweise sagt man, diese seien nur in harten Gangsterkreisen verbreitet, abgesehen von den Waffen in Händen von Staatsdienern. Stimmt das Bild vom friedlichen  Taipei noch? Ich bin mir nicht mehr sicher. Straßenverkehr ist neben Nachtleben die zweite Problemzone, bei der Taiwaner oft schnell die Kontrolle über sich verlieren. Alkohol und Autos enthemmen wohl gleichermaßen die sonst ruhigen Taiwaner, die ihre Gefühle fast immer wie sozial (und konfuzianisch) vorgeschrieben unter Kontrolle haben. Ein extremes Beispiel für einen Straßenverkehrsstreit?

http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/01/14/426467/2-shot.htm

UPDATE: In der jüngsten Meldung treibt die Chinapost ein Verwirrspiel, sie nennt zunächst den angeblichen Schützen namentlich, nur um weiter unten im Artikel zu schreiben, der genannte sei doch nicht der Schütze offenbar. Die genannte Person ist der Onkel der Freundin eines der beiden Opfer. Die Opfer haben den gleichen Familiennamen, aber keine verwandtschaftliche Beziehung. Der Onkel spielt eine etwas undurchsichtige Rolle, weil er die Tour mit den beiden zusammen gemacht hat und sich dann offenbar abgesetzt hat (weil er die beiden nicht mehr finden konnte), ist aber offenbar gemäß den Tatvideo nicht der Schütze. Letztlich weiß man also wenig neues und es ist zu hoffen, dass die Verwirrung im Chinapost-Artikel nicht auf die Fahnder übergreift.
http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/01/15/426553/Chen-Fu-hsiang.htm
Taiwanstyle ist es, gleich mit vollen Namen um sich zu werfen, auch wenn man nicht mal weiß was man eigentlich sagen will.

UPDATE 2:
Wesentlich kohärenter als die KMT-freundliche Chinapost schreibt die DPP-freundliche Taipei Times über den Fall: Demnach waren die beiden Opfer doch nicht unbescholten, sondern hatten Drogenbesitz im Strafregister. Nach Informationen aus der Unterwelt, die die Taipei Times wiedergibt, soll es bei dem Vorfall um das Einfordern von Geld seitens der Opfer aus einem Drogengeschäft oder einer illegalen Wette gegangen sein und ein Gangsterboss soll einen professionellen Killer angeworben haben, der die beiden jungen Männer erschossen hat. Die Chinapost schreibt, der Killer habe nach der Tat in aller Ruhe seine Waffe in einem Fahrstuhl gesäubert, obwohl sich in diesem zwei Frauen befunden haben. Eine Szene wie aus einem Gangsterfilm. Desto mehr die Gangsterbanden in der Öffentlichkeit herum knallen und ihre Waffen zeigen, desto weniger macht sicher die alte Prämisse sind, Taiwans höhere Mord- und Totschlagsrate im Vergleich etwa zu Deutschland sei nicht sicherheitsrelevant, weil die Morde ja "nur" im Gangstermilieu (und in Familien bei Streitigkeiten) stattfänden.

Bizarr der Eindruck, dass die KMT-freundliche Chinapost hier die Taipei-Gangsterbanden aus der Meldung heraus halten will. Man beachte die Prämisse, dass die taiwanische Regierungspartei KMT traditionell auch mit der Taipei beherrschenden Mafia ("Bambusgang") verzahnt ist.

***
UPDATE3 (nicht zur Sache, sondern Straßenverkehr): Autofahrer mit Dashcam überfährt Passanten, begeht Fahrerflucht, touchiert Kleinlaster (dessen Fahrer es egal ist), überfährt einen Motorrollerfahrer, begeht wieder Fahrerflucht und kracht dann in einen PKW, was wohl das Ende der Fahrt ist (auch wenn der Schaden am Täter-PKW gering war). Kam hier in den TV-Nachrichten: http://www.liveleak.com/view?i=7be_1421205519
Mir ist nicht klar, in wieweit im die Dashcam helfen wird.

Songshan Cultural Park

Besuch bei Micky Maus und Konsorten in einer Kleinkunst und Ausstellungsanlagen mitten in Taipei

Mit Micky Maus ist das so eine Sache bei uns, die mehrere Zentimeter großen Lieblingsfiguren von meinem Junior (3) haben seit einiger Zeit einen beunruhigenden Schwund, zwei Minnies, ein Micky und ein Donald stehen auf der Vermisstenliste. Wo auch immer die Figuren sich offenbar von selbst hin bewegen, bald sind da mehr als bei Junior auf dem Tisch. Da bräuchten wir Miniie-Maus als Detekivin, wie die eine von Juniors DVDs heißt. Erfahrungen der Vergangenheit erheben freilich einen eindeutigen Verdacht. Ich werde die Verdachtsperson beim wöchentlichen "Treffen" bitten bei der Suche nach den Figuren zu helfen, vielleicht bessert sich dann ja die Lage. Spannende Hintergrundmusik: Die Verdächtige wurde mit einem Minniemaus-T-Shirt gesehen, das erregt den Amateurkriminalisten. Abschließbare Schubladen wären auch praktisch, in Ermangelung einer solchen muss ich den Figuren wohl beim nächsten Besuch der Verdächtigen Schutzhaft in meiner zahlenschlossgesicherten Bürotasche geben, damit Junior noch was zum Spielen hat.

 Erinnerte mich irgendwie an den BMW M235i, den mein Lieblingsneffe (19 oder so) als Fahranfängerauto hat ;-)

Disney hatte auch eine Verkaufsveranstaltung im SongShan Cultural Park, der mitten in Taipei liegt, also ging es flugs hin um Junior eine Disneyshow zu bieten. War allerdings trotz Eintritt wenig erbaulich. In Plastik gegossene überlebensgroße Figuren, teilweise aus der Disneyfrühzeit, machten sich nicht unbedingt sehr gut als Statuen. Im Wesentlichen war es eine Verkaufsveranstaltung, Junior ging natürlich auch mit diversen neuen Spielzeugen nach Hause. Praktisch ein Laden, den zu betreten man Eintritt zahlen muss, da hatte Disney eine glänzende Geschäftsidee. Neue Steuermodelle haben sie auch zu bieten, etwa nur 0,7% Steuern in Lichtenstein gezahlt für globale Einkünfte wie kürzlich zu lesen war. Schön, dass in einer egalitären Welt solche Steuersparmodelle nur den wirklich reichen Großkonzernen zur Verfügung stehen und nicht dem Rest der Welt, der es nicht nötig hat.

 Nicht alles was klein in Schwarzweiß auf alten Trickfilmen zu sehen ist, müsste man unbedingt in Plastik gegossen überlebensgroß in eine Halle stellen, denke ich. Aber gut...

Hübsch jedenfalls die Anlage, die wohl um eine alte Fabrik herum gebaut worden ist. Meine Frau merkt an, hier sei noch vor Jahren eine große wilde Mülldeponie mitten in der Stadt gewesen. Heute sieht man überall Baukräne, nebenan wird diese riesige Halle in Taipei (dem neuen Bahnhof zugehörig glaube ich) gebaut und es wird wieder mal offenkundig, dass das neue schicke Taipei das alte müllige und manchmal slummige Taipei wieder mal verdrängt.

 Songshan Cultural Park. Auch viele "Wessis" waren hier zu sehen.

Im Hintergrund die "Taipei Bowl" oder wie immer das im Bau befindliche Bauwerk genannt wird.

Springbrunnen statt Müll, neue Bürotürme (Hintergrund) statt alter Schlichtwohnungen, das wird das neue Taipei. 

Die Ästhetik erinnerte mich irgendwie an gängige SciFi-Filme. In solchen Anlangen aus alten Häusern, merkwürdigen Statuen und künstlichen Dächern rennen da oft stupide Leute in weißen Gewändern herum und kichern grundlos. Etwa Marke "Time Machine". Hier gab es aber keine alten Foilanten, deren Bedeutung den Einheimischen zu erklären gewesen wäre, sondern taiwantypisch guckten fast alle Anwesenden auf ihre Smartphones (und sogar ich fotografierte missmutig mit einem, weil ich statt der Kameratasche die Handtasche meiner Frau umgehängt hatte). Noch ein paar Jahre, dann bräuchten die Taiwaner wirklich eine Bedienungsanleitung für gedruckte Bücher.


http://www.songshanculturalpark.org/en/

Dienstag, Januar 13, 2015

DSLR für 100 Euro

Ein etwas gewagtes Experiment: Was taugt eine DSLR für 100 Euro?

Als ehemaliger Minolta-User hatte ich ein recht großes Kamerasystem mit einigen Wechselobjektiven, um zwei analoge SLRs herum. So lag es nahe eine kompatible Fullframe-Digital-SLR zu kaufen, damit die Objektive auch so weiter funktionierten wie bisher, ohne den "Crop-Effekt", den man erhält, wenn man die alten Kleinbildformat-Objektive an eine handelsübliche DSLR mit dem kleineren APS-C-Format - Sensor befestigt. Der Crop-Effekt äußert sich dabei so, als würde man einen 1,5-fachen Telekonverter vor alle Objektive schrauben; ein 28mm-Weitwinkel würde sich also in ein etwa 45mm-Normalobjektiv verwandeln. Damals schaffte ich also die Sony Alpha 850 an, deren Sensorgröße dem Kleinbildnegativ entsprach, denn Sony hatte die Fotosparte von Minolta bzw. Konika-Minolta übernommen. Als Profikamera vermarktet gab es die Kamera in Taiwan recht günstig. Bis letztes Jahr funktionierte auch alles einwandfrei, doch auf der Tour in Manila flog mir letztlich beim Fotografieren der Klappspiegel, der einer DSLR oder SLR den Namen gibt, einfach aus der Halterung und klapperte hinter dem Objektiv herum. Wollte ich noch fotografieren, musste ich die Kamera laden wie einen Vorderlader indem ich den Spiegel manuell wieder einsetzte und hatte dann genau einen Schuss frei.

Die Reparatur würde 320 Euro kosten, war Foren zu entnehmen und wehe wenn einem der Spiegel zerbrechen würde. Der sei nämlich nicht mehr lieferbar. Ein Leidensgenosse hatte ihn beim Spiegelweitwurf der Kamera zerbrechen lassen und war nun seit einem Jahr oder dergleichen auf der Suche nach einem neuen. Sony konnte nur mit den Schultern zucken, schrieb er. It's a Sony und zwar die noch teurere Zwillingsschwester Alpha 900 mit identischem Spiegelapparatus. Für satte 2700 Euro ging die Kamera einst über den Ladentisch und wurde von 2009-2012 gebaut. Doch schon 2014 war offenbar der Spiegel nicht mehr lieferbar.

Bei meiner Alpha 850 ist er seither mit kostengünstigem Sekundenkleber festgeklebt und mit der Kamera mache ich fast nur noch Einzelbilder, immer in Sorge bei einer Serienbildschaltung würde mir der zu heftig schwingende Spiegel davon fliegen. Was also tun? Leidensgenossen in Kameraforen empfahlen die Anschaffung einer billigen Einstiegssony als Backup für die spiegelwerfende Große. Eine fabrikneue Sony DSLR (oder DSLT wie die neue Generation sich nennt) wollte ich nun aber nicht mehr anschaffen. Schließlich gehört Ersatzteilversorgung ja auch zu den Aufgaben eines Herstellers und wenn der da jedenfalls laut Kameraforen spart ist das Geld für ein Neugerät ja eventuell schlecht angelegt. Unwillig viel Geld für eine neue Sony auszugeben landete ich schließlich bei Ebay und einer alten Alpha 230, die im Modelljahr 2009 erschienen war. Noch relativ neu konnte ich sie für nur 100 Euro bei einer Auktion erstehen. Würde man wirklich für 100 Euro eine funktionierende DSLR bekommen?

Die Alpha 230 ist eine leicht abgespeckte Version der vorherigen Alpha 200, die wiederum auf die Ur-DSLR von Sony, Die Alpha 100 zurück geht. Alle drei sind 10-Megapixelkameras (während die Alpha 850 eine 24-Megapixelkamera ist) und daher unterhalb der 14-MPixel-Grenze, ab der Gebrauchtkamerakäufer offenkundig erst bereit sind, etwas mehr Geld auszugeben. Die Alpha 100 stammt im übrigen noch direkt von der Konika-Minolta Dynax 7d ab, die noch eine 6-MPixel-Kamera war. Man kriegt sie schon fast nachgeschmissen, die niederpixeligen DSLRs. Wie gut würde das Ding also sein, das natürlich für den Preis ohne Objektiv kam?

Wie sehr oft bei Gebrauchtkameras kam die Alpha 230 praktisch neuwertig zu mir. Kein Kratzer am Gehäuse, der kratzempfindliche Bildschirm war auch makellos. Wie aus dem Laden, denn die meisten Leute nutzen eine Kamera nur sehr vorsichtig einmal im Jahresurlaub für 50 Fotos mit Onkel Hotte vor dem Taj Mahal.

Die Kamera ist klein und leicht und liegt mittelmäßig gut in der Hand und schont natürlich das Genick weitaus mehr als die metallene Alpha 850, die kiloschwer am Hals hängt. Ebenfalls mit einem 9-strahligen Autofokus (wenn auch ohne die 10 Hilfspunkte der 850 und mit mittigem Kreuzsensor statt Doppelkreuz) ist sie gut ausgestattet, auch wenn die Serienbildschaltung mit nur einem Bild pro Sekunde (850: 3) sehr lahm wirkt. Auch den Programmshift der 850 vermisse ich, der das variieren der Blenden/zeitkombination bei identischer Helligkeit erlaubt. Aber gut, sie soll ja auch nur ein Backup in der Fototasche sein. Im Gegensatz zur 850 hat sie einen Blitz eingebaut, wenn auch nur eine winzige Funzel (Leitzahl 9 glaube ich), teilt sich aber auch anstandslos die Systemblitze mit der 850. Bei Speicherkarten ist sie halb kompatibel, sie verwendet auch die sonytypischen "Memorystick Pro Duo", die leider teurer sind als die handelsüblicheren SD-Karten. Sie hat zwar wie die 850 einen zweiten Kartenslot, der tatsächlich SD-Karten schlucken soll (850: CF-Karten), was bei meinem Exemplar wohl wegen eines versteckten Defektes nicht funktioniert ("Karte gesperrt" meldet sie auch bei entsperrten Karten). Die 850 hingegen verwendet außer CF-Karten auch den Memorystick Pro Duo, da bin ich zumindest zur Hälfte kompatibel. Unangenehm naürlich der Crop-Effekt. Mein Standardobjektiv 28-105 verwandelt die 230 durch das kleinere Bildformat in ein effektives 45-158mm, von Normal bis schwachem Tele. Da kann man wenig mit anfangen ohne Weitwinkeleinstellung. Mein sperriges (weil für Fullframe gebautes) und etwas wackelig gebautes Superweitwinkel von Cosina (19-35mm) wird mit ihr allerdings zum gerade akzeptablem Standardobjektiv, effektiv etwa zum 29-50mm. Trotz aller Mankos finde ich es schon erstaunlich, dass man für einen Hunderter eine funktionierende DSLR bekommt und als Backup ist sie sicherlich genau das Richtige.

Wie lange das mit dem Cosina gut geht, ist allerdings die Frage. Das ist nämlich eigentlich ein Soligor, auch unter den Namen Voigtländer und Vivitar auf dem Markt gewesen und ich nenne es mein Unglücksobjektiv. Denn es ist schon das fünfte aus der Reihe das ich angeschafft habe über die Jahre. Die ursprünglich auf ein stablileres Tokina mit Metallgehäuse zurückgehende Konstruktion hat zwar eine gute Optik, aber es scheint ein Fluch auf dem Objektiv zu liegen. Zwei sind mir bislang gestohlen worden und zwei sind durch mechanische Defekte bei Nutzung an der Sony Alpha 850 frühzeitig ausgeschieden. Allerdings werden sie immer billiger, das letzte kam bei Ebay nur nur 28 Euro - ein verblüffend niedriger Preis für ein vollformattaugliches Superweitwinkel - sowas kostet sonst heute neu um die 1000 Euro.

Was beiden Kameras fehlt im Vergleich zum Nachfolger der Alpha 850/900 oder den teureren größeren Schwestern der Alpha 230 (Alpha 330, 380) sind Live-View (Anzeige des Sucherbilds auf Bildschirm) oder Videofunktion. Beide Kameras haben aber einen hervorragenden altmodischen Sucher. Auch sind die Monitore nicht klappbar. Beiden Kameras steht das reichhaltige Arsenal der zum Teil spottbillig gewordenen alten Minolta-Objektive zur Verfügung, auch wenn die APS-C-formatigen Alphas wie die 230 hier mit dem Crop-Effekt die Nutzbarkeit einschränken (Objektivanschluss ist das Minolta/Sony A-Bajonett).

Einstweilen geht also das Sonyfotografieren weiter mit billigen Ersatzstücken. Bei Canon soll der Spiegelweitwurf auch schon vorgekommen sein - angeblich war ein gemeinsamer Klebstoffzulieferer schuld. Aber die reparieren wohl sogar noch. Obwohl es glaube ich moderne Harvardökonomie ist, solange an Lagerhaltung und Support zu sparen, bis auch die letzten Kunden geflüchtet sind ;-)

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Noch besser ist natürlich diese Kamera: http://www.imdb.com/title/tt2669336/