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Montag, Februar 10, 2014

Das Alpha-Experiment

Ein bizarres Experiment über und unter den Wolken. Nur für starke Nerven, nicht für Jedermann.

Manchmal werden Experimente veranstaltet, bei denen einen die Haare zu Berge stehen. Schlimm war das jedenfalls, was ich die Tage als Experiment durchgeführt habe: Ziel war festzustellen, ob eine 90 US-Dollar Chinauhr Automatik mit zweiter Zeitzone, alles mechanisch, sich als Reisebegleiterin auf meinem 9-Tages-Trip in den kühlen deutschen Norden eignen würde zur Winterszeit. Würde die drehbare Lünette mit 24-h-Skala abfallen beim Einstellen der dritten Zeitzone bei der Zwischenlandung? Würde ich irritiert wegen Falschanzeige den Flieger verpassen? Würde das Glas beschlagen wegen Klimawechsels? Ich war bereit das große Experiment mit meiner "Alpha GMT" aus Hongkong zu wagen, auch wenn mir die Uhr im Vorfeld nicht gerade durch gute Verarbeitung aufgefallen war. Genau gesagt war ich erst geneigt, eine solidere Auswahl beim Griff in meine Uhrenkiste für die Reise zu treffen, etwa ...

... meine Invicta 5053 "Pepsi" (85 US-Dollar, rechts) statt der chinesischen Alpha GMT (links) oder auch die sehr solide...

Orient "Pepsi" für um die 100 Euro. Allerdings hatte nur die Alpha die zweite Zeitzone über den kleinen zusätzlichen 24-Stunden-Modus-Zeiger (den man frei einstellen kann auf welche Zeitzone auch immer), so dass die Wahl auf die Kantonesin fiel statt auf die US-Uhr mit japanischem Werk (Invicta, mit schweizer Kreuz im Logo) oder rein japanischer Uhr (Orient).

Randnotiz: Wieso sehen sich eigentlich alle meine Uhren so ähnlich? Never mind. Andererseits merkt meine Frau dann nicht, dass ich schon wieder eine neue Uhr gekauft habe. Im Uhrforum, wo ich Mitglied bin, wurde mal diskutiert, die Alpha GMT als Hommage an eine alte Rolex mit ins Fluigzeug oder die Airline-Lounge zu nehmen könne peinlich werden, könnte man doch etwa in der Business-Class am Ende einen das Original tragenden Uhrenfreund neben sich sitzen haben, der dann empört auf die billige Replik starren würde und unter Whisky und Snacks nach Luft schnappt. So hatte ich mich auch schon geistig für peinliche Begegnungen mit empörten reichen Leuten gewappnet, die einem übel nehmen, dass man statt 14.500 Euro für die aktuelle Rolex GMT (hat mir mal jemand gesagt, dass sie soviel kosten würde) nur 90 Dollar für eine im übrigen völlig legale Design-Hommage ausgegeben hätte. Da das Geschmacksmuster dieser ursprünglichen 60er-Jahres-Uhr längst abgelaufen ist, wäre die Empörung auch recht grundlos.

So trug ich tapfer meine Hongkong-GMT erst auf dem Beifahrersitz eines Porsche Panamera (gehört einem reichten Bekannten und zumindest das Auto hat auch eine hübsche Uhr, siehe Bild), dann in der Airline-Lounge von Thai...

 .... und auch sonst überall während meiner Reise ins kurzzeitig noch winterliche Deutschland im Jahre 2014.

Natürlich hat die Uhr nie irgendjemand beachtet, nicht über schweizer Bergen nach dem  Umsteigen in Zürich...

...

... und auch nicht beim Lesen des WATCH-Magazins in der Airline-Lounge...

... hier über dem Bild einer GMT vom "Namenspaten" Omega liegend, dessen Firmennamen das chinesische Unternehmen zu Verkehrung des Omegas in ein Alpha karikiert hat (Alpha baut auch Omega-Hommagen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html).   
Ich vermute, ich wäre in der thrombosegefährdeten Economyklasse sehr viel gefährdeter gewesen, von einem dauergewellten deutschen Bangkokbesucher die Vorzüge einer Festina Sonderedition Tour de France 200X erklärt zu bekommen, als dass man in der (wegen meiner zurückliegenden und auf zu kleine Schreibtische und Taiwanschuhe zurückführbaren ehemaligen Mini-Thrombose gebuchten) Businessklasse auf seinen Handgelenkticker angesprochen würde.

"Lolex"-Kehrseite im Vergleich zur Rolex-Kehrseite, nur der Uhrenfreund kann hier einen wohligen Schauder empfinden, von wegen Tabubruch.

Um es kurz zu machen, wie hat es also geklappt? Nun, die Uhr lief automatiktypisch mittelgenau (13 Sekunden Vorlauf pro Tag, durchaus üblich bei Automatiken unter 500 Euro), mit guter Gangreserve (jedenfalls mehr als 24 Stunden) und der kleine rote 24-Stundenzeiger zeigte mir die jeweils andere Zeitzone zuverlässig an, wenn man sich erst mal dran gewöhnt hatte, dass er der Zeit immer etwa 20 Minuten hinterher hinkte - was man durch Anpassen der 24-Stunden-Skala durch leichte Drehung nach Links kompensieren konnte. Edit: Dies "2. Zeitzone hinkt hinterher" soll auch eine bekannte Krankheit bei leicht gealterten ETA-Original-GMT-Werken wie dem 2893-1 sein und ist bei der Alpha gleich fabrikseitig der Fall. Die Uhr nervte freilich beim Umstellen der Hauptzeitanzeige auf die andere Zeitzone durch Mitverstellen des 2.-Zeitzone-Zeigers, was den Sinn der Uhr dann doch ziemlich einschränkt und den Rückgriff auf die Uhr an der Wand oder eben eine von mir mitgeführte Quarzuhr erforderlich machte. Wenn man sowie eine Zweituhr mitnimmt kann man eigentlich gleich auf die GMT verzichten, ich gebe es zu. EDIT: Das Mitverstellen der 2. Zeitzone bei verstellen der Normalanzeige ist auch bei ETA-Originalwerken wie beispielsweise dem 2893-1 (...-3) der Fall, wie ich seit Inbesitznahme meiner Hamilton Khaki Navy GMT weiß.

Vor der Rückreise ging die zweite Zeitzone dann soweit nach, dass sie die falsche Stunde anzeigte und musste nachgestellt werden, was aber nicht so dramatisch ist meiner Ansicht nach. Dramatischer war....

.... dass die Uhr auf den Wechsel von kalter Außenluft und deutscher Heizungsluft allergisch auf das Drehen am Tauchring reagierte und ich veritabel nach kurzem versehentlichen Drehen in der falschen Richtung den ganzen geriffelten Ring in der Hand hielt. Der ließ sich zwar sofort wieder drauf setzen und rastete auch brav ein, dabei hatte ich dann aber schließlich den farbigen Blechring mit der 24h-Skala in der Hand, weil der offensichtlich mit viel zu wenig und mittlerweile honigweichem Klebstoff angeklebt war. Auch wenn Uhrmacher eher mit etwas anderem kleben, ließ sich das jedoch mit einem vorsichtig aufgetragenen Pattexfaden lösen - seither hält die Farbskala bombig fest. Trotzdem hatte ich danach immer ein ungutes Gefühl, wann immer ich auf die Alpha blickte - ob eben noch alles dran saß an dem Ding, was in Hongkong einst angebaut worden war. Und die für die Uhr irgendwie zu große und sehr scharfkantige Krone, die sich mit während der Reise beim Kofferschleppen öfter mal in den Handrücken grub und eine schmerzhafte rote Stelle hinterließ trug auch nicht gerade zu angenehmen Tragegefühl bei. Ebensowenig wie die scharfen Unterseiten der Hörner der Uhr (das sind die Fortsätze rechts und links neben dem Armband am Uhrenkörper). Das scharfe Metallarmband, das einen Schleifpapiereffekt hatte, war ja schon vor der Reise gegen ein neutrales Lederband ersetzt worden.

Am Ende war ich froh die Alpha am Ende des Urlaubs wieder in der Uhrenschublade verschwinden lassen zu können, wo sie jetzt wohl auch lange Zeit liegen bleiben wird. Und habe mit großen Vergnügen eine schlichte blaue Orient umgeschnallt - ohne Rot am Drehring, damit ich möglichst wenig an die doch oft unangenehme Zeit mit der Alpha erinnert wurde. Das Fazit fällt daher auch wenig verblüffend aus: Eine genau gehende Automatik mit mechanischer zweiter Zeitzone für nur 90 US-Dollar ist eigentlich zu schön um wahr zu sein. Auch wenn sie schon funktioniert, ..... die Alpha ist eben in der Tat ... genau das. Zu schön um wahr zu sein.

Ich liebäugele jetzt mit der deutsch-schweizerischen Steinhart GMT (http://www.steinhartwatches.de/de/GMT-OCEAN-1-BLUE-RED,9.html), auch dem großen Vorbild sehr ähnlich sehend, aber grundsolide. Mein Probelauf mit der Alpha war eigentlich auch nur ein preiswerter Probelauf für die Steinhart. Oder nächstes Jahr doch wieder die Alpha? Wir werden sehen...

Nachtrag: Als ich in Zürich war, hatte ich von der Einwanderungsvolksabstimmung der SVP gar nichts mitbekommen...


 In ein paar Jahren fragen einem am Ende strenge SVP-Herren mit Tag-Heuer-Armbanduhren, was man in der "Schwiez" will und warum man nicht in Amsterdam oder Brüssel umgestiegen ist. Schröcklich würde es aber erst, wenn die Lindtschokolade und die Tissot-Uhren teurer würden, da würde ich auch gerne noch mal eine.... Never mind.

Mittwoch, Februar 05, 2014

In Deutschland

Die Stille im Blog erklärt sich auch durch meine derzeitige Anwesenheit im niedersächsischen Flachland. Obwohl mir Spiegel.de immer das Gefühl gibt, die Deutschen seien alles ökobewegte 3-Zylinder-Smart - Fahrer, die vor jedem Fahrtanstritt die Feinstaubdichte mit der sorgenvoll geriffelten Nase prüfen, ist hier in Wirklichkeit alles voller dicker Autos. Meinen eigenen bescheidenen Volvo SUV sehe ich fast an jeder Straßenecke. Spiegel.de rät zum Hybridkombi, weil der 0.001 Liter im Schnitt weniger verbraucht als der Hybrid-SUV, doch die Leser bestellen sich eher den dicken SUV mit Breitreifen, so sieht es also aus.

Meine Eltern klagen über andauernde Betrugsanrufe am Telefon, wie ich sie aus aus Taiwan kenne. Weil sie über 80 sind hat die deutsche Drückermafia sie scheinbar auf der Opferliste. Einen Englisch sprechenden Inder aus London konnte ich nur durch teutonische Unflätigkeiten in englischer Zunge wieder loswerden.

Und die Hochtechnologie hat auch in der niedersäsischen Provinz Einzug gehalten: Frierend stehe ich an der Straßenbahn-Haltestelle, an der mir ein wunderschöner Touchscreen-Bildschirm jedes einzelne Zahlungsmittel (einzelne Münzen und Geldscheine) fein säuberlich als Grafik anzeigt - aber einzeln durchgestrichen hat. Am Ende bin ich frierend wieder zurück zum Haus meiner Eltern gelaufen und mit dem Auto gefahren. Mag sein, dass mir dabei das erste mal das Wort "Blödland" über die Lippen kam, so wie ich früher Taiwan mit einem H im Worte verunstaltet habe.

Freitag, Januar 24, 2014

Trip nach Danshui

Tamsui schreibt man es auch, eher "Dannshweh" gesprochen: Taipeis Sommerfrische

Gattin, Junior und ich waren unlängst zu einem politisch korrekten Trip an die Küste aufgebrochen, will sagen wir haben das Auto stehen gelassen und die MRT, also die Stadtbahn genommen. Ein Trip, der mit Junior (2 Jahre) und Gepäck doch nicht ganz ohne ist. Nun habe ich ja eine Fototasche voller Objektive daheim, aber mehr und mehr komme ich zurück zum Minimalismus, will sagen nur noch ein einziges Objektiv an der Reflexkamera um den Hals. Hier auf der Tour war es noch das für 50 Euro von Ebay gekaufte Minolta 3.5-4.5 / 28-105mm, ein schweres, aber optisch sehr gutes Objektiv für meine Sony DSLR, was ich allerdings mit Kopfschmerzen bezahlt habe. Die Kamera wiegt ja schon ein Kilo und dann noch 500g oder so für das Objektiv, das merkt der Nacken. Mittlerweile nehme ich ein für nur 25 Euro ergattertes optisch nicht ganz so gutes, aber mit 350g oder so leichteres altes Tokina AF 2.8-4.5 / 28-70mm, das mir dann nur leichte Kopfschmerzen verursacht. Die Empfehlung mancher Fotofreunde, mir doch ein tolles Zeiss 2.8/24-75 oder dergleichen zu kaufen, ringt mir da nur ein Stöhnen ab. Das wiegt allein ein Kilo!

Bye Bye Stadt, wir fahren in die Sommerfrische, an den Rand von Taipei (gehört das noch dazu zum Landkreis?) nach Danshui. Shui heißt Wasser auf Chinesisch, bestellen Sie jetzt aber nicht das nächste Mal "ih bäh schweh" beim Chinesen, wenn Sie ein Glas Wasser wollen, das sind eh Vietnamesen dort bei Ihnen um die Ecke.

Aha! Danshui. Na ja, sicher ist das Wasser auch noch irgendwo zu sehen. Hier die MRT-Station.

Habe mich hier vor Jahren auch porträtieren lassen, sieht immer noch aus wie mein jüngerer Bruder, den ich nie hatte, das Bild.

Shui mit Booten. Was heißt eigentlich Boot auf Chinesisch?

In die Sommefrische kann man auch im Winter, auch wenn es hier noch nicht so kalt war vor ein paar Wochen. Heute sind es 17 Grad, damals noch um die 20 denke ich mal.

Allerlei Leckerlis gibt es in der Budenstraße.

Dicke Teig-Hotdogs, lecker! Na ja, relativ lecker.

Augelassenes Treiben.

Mit oder ohne Cordhose gönnt sich die Stadtbevölkerung von Taipei einen Tag an der wilden Küste bei Mutter Natur. Oder Mutter Chen...

... die leckere süße Schinkenwürste oder irgendwas fischig aussehendes verkauft.

....
Nur Hardcore-Anhänger der regierenden KMT sind vielleicht ärgerlich, dass sie hier keine "LOVELY REPUBLIC OF CHINA" - Kappen kaufen können, sondern nur "LOVELY TAIWAN".

Ideal zum Beinevertreten, egal in welche Richtung auch immer.

Unangenehm nur manchmal das Gedränge. Als wir auf einer Bank saßen zu Dritt, schob eine dicke alte Nudel einfach unseren Junior unter Einsatz ihres Hüftspecks so zur Seite, das wir ihn auf den Schoß nehmen mussten. Dieses Kleinkinderwegschieben habe ich öfter schon in Taiwan erlebt. Vermutlich einfach eine Folge des ständigen Gedränges, in dem sich jedenfalls die Bürger von Taipei bewegen.

 So ständig in der Menschenmasse befindlich ist es der Bürger von Taipei evtl. gar nicht mehr gewohnt, sich in grüner Leere aufzuhalten. So hat ja meine Frau z.B. Unwohlsein etwa im grünen leeren Mitteltaiwan gelegentlich oder auf jeden Fall in meiner plattgrünen niedersächsischen Heimat. Hier an der Wasserkante war aber alles in Ordnung.

Wir ließen uns von der Menschenmenge einfach mittreiben, auch für mich ein netter Tag so als einer von Millionen mittaiwanischen Steuerzahlern.

...

Automatisch schob uns der Pulk zu einer der großen Attraktionen der Küste, echtes türkisches Eis! Da ich ja zu einer Zeit Deutschland verlassen habe, als noch außer Türkmenologen an der Uni kein Mensch wusste was "Halal" ist und der Name des türkischen Premiers ähnlich bekannt war wie der des Premiers von der Elfenbeinküste oder von Mikronesien, hatte ich auch zugegebenermaßen noch nie ein türkisches Eis gegessen. Dieser Herr hier ist schon eine TV-Berühmtheit in Taiwan, er hat nämlich so eine Show am laufen, wo er dem begeisterten Publikum das Eis nicht direkt in die Hand drückt, sondern regelrechte Kunststückchen damit macht, es bisweilen durch die Luft wirbelt und es immer wieder wegzieht, wenn der Kunde es greifen will. Eine lustige Show, die der Fotoapparat nicht richtig einfangen konnte.

 Das türkische Eis jedenfalls schmeckte sehr gut, es hatte eine ungewöhnlich feste Konsistenz, aber das fand ich ausgesprochen angenehm. Junior bekam sein Eis vom charismatischen Eiskünstler (das meine ich ohne Witz) zielsicher in die Hand gedrückt.

Im Gedränge lohnt sich die Eisbude sicher, vielleicht versucht es ein findiger Deutscher ja mal mit Langnese Cornetto. Oder wie das heißt.

Bisweilen musste ich an diese Star Trek - Folge denken, wo Kirk in einer nachgebauten Enterprise mit einer Alien-Tusse herum knutscht, die in dem leeren Schiff mit ihm das Konzept der Fortpflanzung und Romanze erproben sollte, wenn ich mich an die Handlung recht erinnere. Während sich draußen an die Schiffswände die Bevölkerungsmasse drängt, weil jeder nur die Fläche seiner Füße auf dem völlig überbevölkerten Planeten zur Verfügung hatte. Weiß auch nicht, wieso ich hier gerade an die Folge denken musste.

Schwierig mit Kind oder auch ohne die Straße zu überqueren, vor lauter Mopedzeug war es erst möglich, als jemand weggefahren ist.

Froh waren wir schließlich eine Ruheoase in einem Restaurant gefunden zu haben. Nicht hier im Bilde, sondern McDonalds, nur da war noch etwas frei. Frau aß einen Fischburger, ich einen rindigen und Junior etwas Pommes. Empörte Kritik an den Ernährungsgewohnheiten jetzt bitte runterschlucken, es war eine Ausnahme.

...
Berliner Landbrot mit Reichsadler und eisernem Kreuz. Ob es süß und weich und gefüllt war wie meist in Taiwan habe ich nicht probiert.

Irgendwann schreiben sie den Satz auch noch mal zu Ende "... sind sehr lecker." etwa wäre eine gute Endung.

...


Wie immer an der Küste Vorsicht vor Haifischen, hier in der chinesisch-traditionellen Variante.

Zurück wollten wir ermüdet von der vielen Straßen-... äh ich meine Seeluft ein Taxi nehmen, aber zwei Taxista weigerten sich uns wegen des kommenden Verkehrsstaus nach Taipei rein zu transportieren. Ein dritter wusste einen Schleichweg, einfach den Berg hoch auf der Seeseite und auf der anderen Seite wieder runter, schon waren wir zu Hause. Unglaublich schnell.

Doch ein schöner Tag am ... Meer. Jedenfalls da in der Nähe, mit vielen Leckereien an den Buden und ganz nach dem Geschmack meiner Frau. Aber auch für mich ein netter Tag. Wo ist der bloß lang gefahren?

Montag, Januar 20, 2014

Taiwanische Kinderleckereien im 70er-Stil

Kinderspaß aus den 70ern, von Frau wiederentdeckt

Bei unserer kürzlichen Tour in das "Taiwan Times Village" hatte meine Frau ein Flashback in ihre Kindheit. Unter anderem war da in der Retrokulisse eines etwa 60er-Jahres-Städchens auch ein "Dorfkino" aufgebaut, was einfach unter freiem Himmel stattfand und das Publikum auf Holzbänken saß. Wenig spektakulär war das in dem Retrostädchen, schließlich war hier alles, also die gesamte "Stadt" komplett überdacht. Meine Frau erklärte mir aber, dass in ihrer Kindheit einfach solche Freilichtkinos auf öffentlichen Plätzen waren und man für wenig Geld Filme gucken konnte - oft mit Regenschirm. In nachgemachten Kioskläden im Stil ihrer Kindheit (alte Werbeschilder etc.) suchte sie verzweifelt nach den Süßigkeiten ihrer Kindheit, fand aber nur Snickers und Kindergummi. Einmal hatte sie glücklich eine Packung Spielkarten in der Hand, was mich wunderte - und erklärte mir, das seien in Wirklichkeit süße Täfelchen und sei ihre Lieblingssünde in der Kindheit gewesen. Schnell zur Kasse - wo sie aufgeklärt wurde, die Spielkarten seien wirklich Spielkarten.

Ein langes Gesicht gab es da zu sehen und in der Folge versuchte meine Frau wenigstens ein paar ihrer Kindheitssüßigkeiten wieder zu finden. Viel war aber nicht mehr in Produktion, finden konnte sie nur zweierlei...


 Einmal diese mysteriöse Schachtel. Was verbirgt sich dahinter? Schnell geöffnet....

Ein Spiel- und Süßkartoffelset, was auch sonst? Will sagen, sie müssen sich eine der Rubbelmarken nehmen und freirubbeln und dann entweder 1, 2 oder drei Scheibchen der leckeren Süßkartoffelmasse essen. Die Süßkartoffelscheiben sind wirklich lecker, irgendwie süßgummiähnlich und in einem nur schwachsüßen Kartoffelmehlpulver eingelegt, was im Munde zusammen aber ganz angenehm ist.

Als ich schlussendlich, nachdem Kollegen und wir auch die letzte Süßkartoffelscheibe geleert hatte, die Packung mit dem zurück gebliebenen Kartoffelmehl schnöde entsorgen wollte, belehrte mich meine Frau sogleich, dass dieses in ein Glas zu füllen und mit warmen Wasser aufzugießen wäre. Das Ergebnis wäre ein köstlicher Pudding! Sogleich ausprobiert:

Hmmmmm.... das Ergebnis sah furchtbar aus, wie etwas, mit dem man unliebsame Spielkameraden erschreckt. Es roch nicht besonders gut, eher wie fades Kartoffelmehl mit einem Hauch Pfepperminz irgendwie dabei. Doch dann die große Überraschung....

.... äh .... na ja, es schmeckte auch wie matschiges Kartoffelmehl und sorgte bei mir für prompten Würgereiz. Hust. Bestimmt habe ich irgendwas verkehrt gemacht.

Die andere Spezialität waren diese pfefferminzigen Zuckerstanden mit Geschmack. Nicht schlecht und so etwas wie Kinderzigaretten, die nicht vorgeben, Kinderzigaretten zu sein. Wenn Sie verstehen was ich meine. Bin mir nicht sicher, ob ich das tue.

Der übliche Politische-Korrektheits-Disclaimer für das linksintelektuelle deutsche Halal-, Glutenfrei - und zuckerreduzierte ;-) Publikum: Hier geht es nicht darum, irgendetwas schlecht zu machen, was für den einen lecker ist, ist für den anderen oft lecker, manchmal aber auch nur interessant. Meine Frau könnte ich mit den Caramac-Täfelchen meiner Jugend sicher jagen. Hmmm.... mal gucken ob es die noch gibt, wenn ich wieder in Deutschland bin. Schmecken aber sicher nur halb so gut ohne das Gejohle der Trinkertruppe in dem alten Bretterverschlag an der Hauptstraße, in dem wir das Zeug immer auf dem Schulweg gekauft haben, damals in den 70ern. 25 Pfennige das Stück, war glaube ich der Preis. Heute steht da ein Neubau-Einfamilienhaus, das auch schon wieder altmodisch wirkt. 

Mittwoch, Januar 15, 2014

Kantinenessen

Essensüberblick auf Ludigels Teller Teil 4

Da wir unlängst ein ziemlich durchschnittliches taiwanisches Festessen hatten (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/12/taiwanisches-festessen.html) und auch schon einmal einen Blick in einen einfachen Garküchen-Nudeltopf geworfen haben (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/01/straenkonzert.html) und uns vorher ein eher einfach gestricktes Kaufhausessen angesehen haben (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/kaufhausessen.html) ist es jetzt Zeit, einmal ein Kantinenessen zu zeigen. Bei meinem Arbeitgeber hier, eine großen Unternehmen mit etwa 2000 Beschäftigten, gibt es jedenfalls ein kostenloses Abendessen als Buffet, von dem man sich grundsätzlich vier Teile Beilagen, eine Hauptspeise wie Fisch, Geflügel oder Fleisch und zusätzlich Reis, Vor- und Nachspeise nehmen kann.

Die Taiwaner greifen oft zur Fischkomponente, ich habe hier einen (westlich inspirierten?) Fleischklops in ganz leckerer Soße und etwas dran gekochten Chinakohl gewählt. Lecker, eine kleine Fleischportion und auch mein Vater würde so etwas mögen. Die Beilagen sind oft mit kleinen Fischen und Minikrabben (a la Silberfischgröße) durchsetzt, ich habe diese hier allerdings vermieden und die fischfreien genommen. Vorne das ist Kürbis, an den etwas Fleisch dran gekocht ist, weiter hinten Bambussprossen mit etwas Möhren und links ein leckerer krätiggrüner Kohl. Ganz anders als deutscher Kohl. Hinten noch etwas Blumenkohl. Nur die scharfe Kürbissauce vorne (lecker!) würde konservative deutsche Geschmäcker verjagen.

Vorne die Vorspeise, eine chinesische Gemüsesuppe, ganz ähnlich der im Chinarestaurant, nur mit mehr von dem dunklen Tofu (mag ich nicht so gern) und recht viel von einem schwarzen zähen Pils dran geschnitten. Diese dunklen Anteile lasse ich meist drauf, sonst schmeckt die süßsaure Suppe sehr gut. Die Nachspeise war hier eine ingwergewürzte süße Suppe mit etwas Sojapudding drin - auch sehr lecker. Alles anders als beim Chinesen in Deutschland, das Kantinenessen hier in der Republik China aka Taiwan und wohl im Wesentlichen der traditionellen eher einfachen Küche Taipeis entsprechend.

Die meisten Firmen haben aber kein solches Buffet, da isst man dann in einem kleinen Restaurant oder in einer Garküche irgendwo, eventuell sehr ähnliches - oder kauft sich eine meist noch etwas einfachere Lunchbox auf der Straße.
Mittags gibt es bei uns in der Kantine Essen von der selben Buffettheke. Kommt man mit den ca. den halben Monat reichenden Coupons nicht mehr hin, kann man das Essen für 57 NT (40 NT sind etwa ein Euro) kaufen. Eine Lunchbox draußen kostet wohl 60 NT, habe aber lange keine mehr gekauft.

Das Essen ist viel besser als deutsches Kantinenessen, das der deutsche Journalist Klaus hier in seinem Blog mit dem taiwanischen Essen verglichen hat (http://www.intaiwan.de/2014/01/09/uebergewicht-dicke-taiwanesen/#more-5389) und was mich zu diesem Beitrag angeregt hat. In Deutschland ging es mir immer so, dass ich das Kantinenessen anfangs meist ordentlich fand, mein Magen es aber nach ein paar Monaten absolut nicht mehr wollte. Das soll angeblich an mangelnden Nährstoffen des industriell hergestellten deutschen Kantinenessens liegen und an der Lernfähigkeit des Magens. In Taiwan bleibt dieser Effekt aus.

Letztens hatte ich sehr ausgiebiges Feedback zur Beschreibung meiner Essgewohnheiten bekommen. Ich sehe ein, dass jeder andere Essgewohnheiten hat und bitte darum, sich nicht über die meinigen zu ärgern und ggf. erstmal diesen Artikel (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/12/kurzzeitige-blogabschaltung-special.html) als Blogeinführung lesen.

Dienstag, Januar 14, 2014

Alpha GMT - Erfahrungsbericht

Die chinesische Rolex GMT-Hommage namens Alpha GMT im Erfahrungsbericht

Neulich gab es einen verbalen Unfall. Junior stand in meinem winzig kleinen Abstellkammerbüro an der geöffneten Schreibtischschublade und wiederholte beständig ein einziges Wort. "Watch" (Armbanduhr). Oder ehr "watch...watch...watch...watch...". Weil so viele drin waren. Habe schnell die Schublade zu gemacht, damit seine Mutter nichts merkt. Watch und Camera (oder Kamera) sind zwei Worte, die er sehr schnell gelernt hat, wohl weil er seinen Vater genauestens beobachtet. In der Tat werde ich jetzt von meinem Tun, zahlreiche preisgüstige Armbanduhren in Serie zu erwerben abgehen - meiner nicht uhrentragenden Frau kann ich auch die Frage schlecht beantworten, was ich denn mit so vielen Uhren will, wo ich doch maximal zwei Arme dafür zur Verfügung habe.

Alpha GMT (nebst Hautirritation durch Junior :-)

Die neulich dem Postboten mühsam entrissene (http://osttellerrand.blogspot.de/2014/01/die-verschwundene-lolex-post-probleme.html) Hommage auf eine Rolex GMT soll hier kurz vorgestellt werden, weil ich finde, dass es sich für das wenige Geld doch um eine bemerkenswerte Uhr handelt. Natürlich sind Hommagen umstritten, insbesondere die chinesischen sind regelrecht verpönt. Wer sich jetzt aufregen will: Hommagen sind dann legal, wenn sie NICHT den Originalmarkennamen haben und ob sie mit dem guten Geschmack übereinstimmen muss jeder selbst entscheiden. Ich habe ja so viele Uhren in der Schublade, was interessiert mich da ein geschmackloser Tag, wenn ich sie mal trage. Weitaus weniger kritisiert wird die praktisch identisch aussehende GMT vom deutschen und schweizer Werke verbauenden [Edit: korrigiert] Hersteller Steinhart. Die kosten aber auch etwa 500 Euro das Stück, während die Alpha GMT direkt bei Alpha-Watch.com (Hongkong) 90 US-Dollar kostet, bei europäischen Anbietern auf Ebay zwischen 80 und 120 Euro - lieferbar mit Zifferblättern in Schwarz oder Weiß und schwarz-roter ("Coke") oder wie hier blau-roter ("Pepsi")-Tauchring.

Haptisch würde die Alpha mit 40mm Durchmesser ohne Krone gemessen und leichtem Gewicht durchaus angenehm wirken, wenn nicht die scharfen Unterseiten der Hörner (links und rechts neben dem Band) wären, an denen man sich fast schneiden kann. Andererseits hebt das Band die Uhr etwas an, so dass die Haut damit in der Regel nicht in Berührung kommt. Das hier verbaute Band ist das "Jubiläumsband" von Alpha, was angenehm viele Verstellmöglichkeiten bietet ohne Glieder entfernen zu müssen. Meist hat man das normale Band dran montiert, das auch an meiner letzten Alpha dran montiert war (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html) und mir durch die praktisch nicht herausnehmbaren Glieder negativ aufgefallen war und in der Abfallkiste gelandet ist. Auch das hier verbaute Band hat so seine Tücken: Die Kanten sind ebenfalls sehr scharf und wenn man mit den Fingern beim Herumprobieren zwischen die Glieder gerät, kann man sich fast schneiden. Junior werde ich mit dieser Uhr nicht herumspielen lassen.

Trotzdem trägt sich die Uhr eigentlich problemlos, das Handgelenk ist Kummer durch harte Metallbänder gewöhnt. Vermutlich werde ich das Metallband trotz des netten Aussehens durch ein schwarzes Lederband ersetzen und den scharfen Hörnern mit Schleifpapier vorsichtig zu Leibe rücken. Man kann auch Kratzer aus Uhrengehäusen auf diese Art und Weise wegschleifen und sogar Mattierungen wieder herstellen, das dürfte also kein Problem sein. Ich weiß, ich weiß, hätte ich die original Rolex gekauft...

Doch nun zum Positiven. Für nur 90 USD bekommt man hier eine vollmechanische (Automatik-) GMT-Uhr! Das heißt, dass sie neben den üblichen Zeigern noch den roten 24-Stunden-Zeiger hat, der also die Uhrzeit oder eine zweite Zeitzone im 24-Stunden-Modus anzeigt gemäß Ziffern auf dem "Tauchring". Übrigens hat die Uhr eine tauchermäßig verschraubt Krone, wirklich Baden oder gar Tauchen sollte man mit ihr aber nicht, wegen nur 50m Wasserresistenz. Auf dem unteren Foto ist der drehbare Tauchring leider eine Raste nach links verstellt, jedenfalls zeigt die 24h-Anzeige hier etwa 2 Uhr morgens an (der 1-Uhr-Punkt zählt in der 24-h-Anzeige naürlich für 2 Uhr morgens).


Will sagen in der zweiten Zeitzone wäre es damit 2.37 Uhr morgens während es in Taiwan gerade 9.37 Uhr war. Der rote Zeiger zeigt hier also die aktuelle Zeit in Deutschland an. Übrigens bewegt sich der GMT-Zeiger stufenlos, hält aber  evtl. ein bisschen länger an der alten Stunde fest, was aber zum Ablesen in Ordnung ist. Will sagen um 2:45 in Deutschland steht der GMT-Zeiger kurz nach der 2 und nicht etwa schon nah der 3. Beim Original springt er wohl sogar stundenweise von 2 direkt auf die 3, in sofern ist das in Ordnung.

Hier noch Schutzfolie auf der Schließe, die ordentlich ihre Arbeit tut.

Den GMT-Zeiger stellt man wie das Datum ein, in dem man die Krone nur eine Position herauszieht und entgegengesetzt herum dreht. Nachteil der Alpha ist jedoch, dass man beim Verstellen der normalen Zeit (Krone auf Pos. 2 herausgezogen) auch den GMT-Zeiger sinnfrei mit verstellt. Deshalb sollte man auf Reisen also die normalen Zeiger immer unverstellt lassen und die jeweils aktuelle Zeitzone nur auf der GMT-Anzeige einstellen. Genau umgekehrt wie es eigentlich mal gedacht war. Funktioniert aber auch. EDIT: Das ist auch bei ETA-Originalwerken wie beispielsweise dem 2893-1 (...-3) der Fall, wie ich seit Inbesitznahme meiner Hamilton Khaki Navy GMT weiß.

Genau läuft die Alpha, die ersten Tage hat sie sehr akzeptable 13 Sekunden pro Tag gewonnen,  momentan läuft sie noch genauer, da muss ich abwarten, wie sie sich einläuft. Damit ist sie um Klassen besser als meine andere Alpha (oben verlinkt), denn die "Planet Ocean" läuft sage und schreibe 55 Sekunden zu schnell pro Tag - es sei denn man legt sie öfter mal zwischendurch mit Krone nach oben ab.

Eine richtige Alltagsuhr ist die Alpha also wegen der scharfen Kanten vielleicht nicht*, aber mit zweiter Zeitzone rein mechanisch für 80 Euro oder so ein nettes Spielzeug für den Käufer mit Uhrentick. Mir gefällt sie so gut, wenn sie mal kaputt geht, ersetze ich sie vielleicht durch die solidere Steinhart.

Solidere Automatik-Uhren für wenig Geld wären etwa die Orient Mako oder auch eine Invicta Automatik. Trotzdem ist die Alpha eine nette Reiseuhr und wegen der zweiten Zeitzone (und über die drehbare Lünette sogar eine dritte ;-) klar mit Expatvorteil versehen.

UPDATE: Deutlich solidere japanische Orient Pepsi aus der Deep oder Mako genannten Automatik-Reihe, 200m wasserdicht, verschraubte Krone, gute Haptik, aus dem Seiko-Konzern (ohne Sekundenstop und Handaufzug), für 100 Euro ein solideres Angebot (hier an Mesh). Allerdings ohne GMT.

Und die Alpha GMT im 9-Tages-Urlaubstest:  http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

* es sei denn man erwischt eine weiter hinten aus der Produktionsserie. Bei mir waren wohl die Formen noch zu neu ;-)

Tod in Taiwan: Update zu einem alten Mord

Update zu einem Mord in der Ausländerszene

Ein  Mord in Taiwan aus dem Jahre 2007 hatte damals zu großer Aufregung in der Expatgemeinde gesorgt. Bericht von damals: http://osttellerrand.blogspot.tw/2007/09/murder-in-foreigner-scene-in-taiwan.html

Um es kurz zu machen: Damals war eine Englischlehreragentin aus Kaoshiung brutal ermordet worden: Ihre zerstückelte Leiche wurde in mehrere Säcke verpackt einfach irgendwo in die Straßen der Stadt geworfen. Schnell fand man ein Überwachungskameravideo (Taiwans Straßen sind voll davon), das eine Frau zeigte, die die Leichensäcke von einem Motorroller aus in die Straßen warf. Das Motorrollerkennzeichen führte zu einem unschuldigen Japanischlehrer, der sein Moped an einen amerikanischen Kollegen verliehen hatte, der als Englischlehrer gearbeitet hatte und auch durch eine taiwanische Agentin vermittelt worden war. Diese wurde mittlerweile vermisst und ihre Leiche wurde eben als in den Leichensäcken befindlich identifiziert.

Erst war sowohl der ältere US-Amerikaner, bei dem es sich laut damaliger Berichterstattung um einen schwer alkoholkranken Englischlehrer in Geldnot handelte, als auch seine philippinische Freundin verdächtigt, denn die Spurensicherung konnte nachweisen, dass die ermordete Taiwanerin in der Wohnung des Englischlehrers ermordet worden war. Schließlich gestand die Philippina und gab an ihr Freund, der ältere Englischlehrer, habe den Mord schwer betrunken im Schlafzimmer verschlafen, während sie die Agentin erst mit dem Fleischmesser in der Küche gestochen, dann gefesselt und gefoltert habe, um die Geheimnummer der Bankkarte zu erfahren (sie hatte dann in der Tat Geld abgehoben). Motiv für die Tat war Geldnot, weil der alkoholkranke Englischlehrer nicht mehr genug Jobs hatte, die Philippina ihr Kind in der Heimat versorgen musste und die Agentin ein Darlehn verweigert hatte. Die Philippina sitzt noch heute zum Tode verurteilt ein, ihr Freund wurde offenbar auf der Druck der US-Vertretung in Taiwan schnell als nicht an der Tat beteiligt angesehen (was die Spuren in der Wohnung wohl bestätigten) und verließ Taiwan kurz darauf Richtung USA. Was nun genau aus ihm geworden war, war mir nie so ganz klar geworden, auch wenn von Selbstmord erzählt wurde.

Nach diesen Quellen (http://answers.yahoo.com/question/index?qid=20081001232927AAzTAY2
http://www.navsource.org/archives/11/1201.htm )* hat er offenbar kurze Zeit später tatsächlich Selbstmord begangen. Was mich nun verblüfft hat ist der Umstand, dass es sich bei dem Amerikaner namens David M. F. offenbar um einen ehemaligen Kapitänleutnant der US-Navy und Exkommandanten der USS AVENGER handelte. Hätte ich damals gehört, der in Taiwan so dramatisch gescheiterte Mann, der unfähig seinen neuen Laienberuf noch auszuüben betrunken in einem Hinterzimmer hier am östlichen "Rande der Weltscheibe" lag, während seine Freundin einen Mord beging, sei ein US-Marinekommandant gewesen, hätte ich das wieder mal für eine der zahllosen falschen Referenzen gehalten, auf die man hier immer stößt. Offenbar können Lebenswege eine dramatische Wendung nehmen. Englische Muttersprachler wurden offbar durch anfangs leicht verdientes Geld als Laien-Englischlehrer in Taiwan angelockt. Doch mit steigender Lehrerzahl, sinkender Geburtenrate und grauer werdenden Haaren, die nicht mehr dem hier üblichen Image des jugendlichen Englischlehrers entsprechen, kann dann schnell Frust, Geldnot und Armut folgen. Was die alt gewordenen Englischlehrer hier machen habe ich mich sowieso schon gefragt, schließlich sind fast alle "English teacher" hier junge Männer. David M. F. hat leider keine gute Antwort auf die Frage gefunden.


* Der Answers-Yahoo-Kommentar eines vermutl. ehem. Besatzungsmitglieds ist irrelevant, weil ein David M.F. nach der Dienstzeit dieser Person Kommandant der USS AVENGER war.

Montag, Januar 13, 2014

Taiwanerin fliegt nicht zum Mars!

Na, das ist mal eine sensationsheischende Überschrift

Die US-Taiwanerin Sue-Ann Pien kann das auch nicht, was wir alle auch nicht können: Zum Mars fliegen. Eine offenbar holländische Gesellschaft (von Linda de Mol?)  hat aber eine Realityshow ausgelobt, bei der die Bewerber nicht schief singen können müssen, sondern nur zum Mars wollen müssen. Eigentlich kann sich da jeder melden, weil man eh nie hin kommt. Womit ich nicht gesagt haben will, dass der Mensch nie den Mars betreten wird. Nur die Leute, die sich jetzt für eine Realityshow melden haben sicher eine Nullwahrscheinlichkeit, im Rahmen dieser Show dort hin zu gelangen. Frau Pien will einen Tatung-Reiskocher mitnehmen und fühlt sich für das Kolonistenleben (geplant ist natürlich gleich eine permanente Besiedlung!) durch ihre Sprachkenntnisse in Chinesisch, Spanisch und Englisch bestens gerüstet.

Ja wenn Google dabei wäre, dann würde ich es glauben.

http://www.chinapost.com.tw/taiwan/c/2014/01/11/398084/Taiwanese-American-.htm 


 Bild ohne Marsraketenstartrampe, Taipei City

Freitag, Januar 10, 2014

What I like most about you...



... is that lantern, behind your ear.


Foto: Ludigel, Session neulich aus Taipei City


+++++++++++++++++ Kurzmeldung:
Der britische "Todesfahrer" Z.D., der aus Taiwan flüchtig ist, steht derzeit vor einem schottischen Gericht. dabei geht es um seine Deportation nach schottischem (!) Recht und der Richter hat soweit Taiwan als diplomatische "Entität" anerkannt, auch wegen der ehemaligen Uno-Mitgliedschaft der Republik China/Taiwan: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201401090030.aspx
Letzter Bericht dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html