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Freitag, März 29, 2013

Machen wir mal was Verbotenes

Pssst. Meine Frau ist gerade beschäftigt und sieht nicht hin. Machen wir doch schnell mal was Verbotenes. Wie wäre es mit einer Exkurison auf verbotenes Territorium? Begleiten Sie mich doch einfach mal kurz.


Diskret schleichen wir davon hier in der Dorfidylle (oder wie auch immer man graue Schlichtbauten und Wellblech nennt) hier auf dem Lande im Landkreis Taoyuan, irgendwo bei Dashi, das man neuerdings auch Daxi schreiben darf (oder irgendwie anders). "Taxi" wäre auch hübsch. Man spricht es zwar etwa "Dahschi", aber Danshui (etwa Danschwej gespr.) schreibt man neurdings ja auch "Tamsui" in der Romanisierung.

Hier sitzt meine Frau nämlich beschäftigt bei den beiden Frisördamen in einem dieser Reihenhäuser, die hier von hinten zu sehen sind.

Wo steht denn nur das Auto? Ach hier. Sie sehen es immer noch nicht? Ja gut, die braune Farbe sieht man schlecht. Genau, da isser. Hinter Ihnen. Ja ja ich weiß, SUV. Mit meinen 150 PS brenne ich ein Loch in die Ozonschicht während Ihr BMW mit 300 PS viel ökologischer ist, weil eben kein SUV. Schon klar, schon klar. Aber jetzt einsteigen bitte.

Nein, einen Hybrid will ich auch nicht. Wie hier die Feinstaubwerte sind? Herrjeh mineh, wenn man schon mal mit einem Deutschen rumfährt. Feinstaub gibt es nicht, der ist erst erfunden worden, nachdem ich 2004 aus Deutschland weg bin und ich ignoriere alles, was später erfunden wurde. Inklusive Asperger. Hat ja heute jeder seit es modern ist. Ihr Cousin auch? Oh.... war nicht so gemeint.

Wo wir hinfahren? Das sehen Sie gleich. Lassen wir es noch geheim bleiben einen Moment. Verdammt, jetzt haben sie da ein Haus hingebaut, wo ich früher immer mit den Hunden spazieren gegangen bin. Never mind, fahren wir weiter.

Machen wir kurz halt an einem Seven-Eleven-Kioskmarkt und holen uns ein paar getrocknete Mangos aus den Philippinen. Sehens, das Hello-Kitty-Zeug gab es gratis dazu. Traditionell-Chinesisch mit Hello-Kitty, wir müssen in Taiwan sein.

Warum wir hier diese Bruchbude anfahren? Watt? Ob das ein Slum ist für arme Fabrikarbeiter? Herrjehmineh, die armen Fabrikarbeiter gibt es in China, hier ist aber die Republik China. Nein, hier wohnt niemand. Das ist einfach eine Baracke vom alten Wasserwerk. Wir gehen jetzt den Weg hier runter....

Watt das für eine Pflanze ist? Äh.... Hulahobhibiskus Müllnensis. So... jetzt aber weiter...


Hier geht es rein. Sehen Sie, der Müll, den die Taiwaner sehr gerne ins Grüne schmeißen, geht nur bis an den Eingang, dahinter ist alles sauber. Weil sich hier keiner reintraut.

Warum nicht? Giftmüll? Landminen? Drogenbanden kontrollieren das Gebiet? Mann, Sie sehen einfach zu viel RTL, das muss ich sagen. Ein Friedhof ist das hier! Und der ist verboten, es sei denn man hat hier klar definierte Besuche zu absolvieren... weil einem sonst die Toten als Geister nach Hause folgen. Ist doch klar. Insbesondere Fotos sind hier verboten. Also nicht richtig verboten, aber irgendwie unerwünscht.

KLICK. Wie? Was ich gerade auch Chinesisch gestammelt habe? Äh.... um Entschuldigung für ein Foto gebeten. Wir wollen ja nicht unhöflich sein.

Die Häuschen sind also Totenhäuser. Wo die Urne drin ist. Gibt kleine und große und ganz große.

Hier ist es sauber und ruhig. Keine Autos, kein Müll. Ganz anders als draußen. Und keine Taiwaner, he he he... Räusper. Was ich gerade gesagt habe? Ach nichts.

Nanu.... Waren Sie das eben? Hat sich da nicht irgendwas bewegt hinter der Mauer da? Ach so. Nur der Wind. Nun lachen Sie doch nicht so. Ist schließlich ein Friedhof hier.

Hier ist alles begrünt und idyllisch, während draußen die Zweckmäßigkeit vorgeht. Hier gibt es keine Mopeds und keine Betoneinöde. Und hier hat mal viel mehr Platz als bei den Lebenden. Ja, die Toten wohnen in Taiwan am schönsten, sagt man.

Watt das hier bedeutet? Äh.... tja... irgendwas wird es schon bedeuten. Da hat doch wieder was gekraspelt hinter dem Stein. (Ludigel flüstert wieder auf Chinesisch). Wie hieß doch Fotoapparat gleich auf Chinesisch? Xiaoshiangji oder irgendwie so.

So idyllisch würde man sich das Taiwan draußen wünschen. Viel Platz und Grün. He.... wenn Sie noch einmal "Buh" sagen während ich knipse werde ich ernstlich....

Was meine Frau sagen würde, wenn sie wüsste das ich hier bin? Oh lieber Herrgott Nummer 312, das gebe einen Ärger. Müssten wahrscheinlich zum Tempel hin um magische Zettel zur Geistervertreibung zu erhalten. Diese gelben Dinger die kostenpflichtig beschriftet werden.

Jau.... wirklich hübsch hier. Wenn es nur nicht immer im Gebüsch knistern würde.

Ich meine, so Westler-freundlich wie die Taiwaner zu Lebzeiten sind, werden sie jetzt ja wohl auch nichts gegen unseren Besuch haben. Wie? Warum ich Sie gerade auf die Schulter getippt habe? Nein, ich war das nicht!

Ja... langsam sollten wir wieder los...

Sind wir nicht eben hier schon vorbei gekommen? Never mind...

Ja, wenn man das lesen könnte....

...
Hier sind wir aber eben schon vorbei gekommen, oder? Sieht alles so gleich aus...

Ah.... hier ist wieder das zentrale Häuschen am Platz....

So.... da links geht's raus. Einschlechtes Gewissen hat man ja doch irgendwie.

 Huch? Hier war doch eben noch der Eingang....?

Sieht so anders aus plötzlich? Ob das wohl Mini-Totenhäuser sind?

Wir hätten Brotkrumen ausstreuen sollen...

...

Ah..... hier sind wir wieder. Gerade noch mal gut gegangen.

Und hinterher erst mal ins Roadies auf einen Burger und einen Long Island Tea. Bestellen wir drei Burger, für den Fall, dass jemand mitgekommen ist.


Mittwoch, März 27, 2013

Zu alte Kindersitze: Gefährlich

In Taiwan kam eine schlimme Geschichte groß im TV zur Mittagszeit: Bei einem Unfall mit einem Kleinkind hat es den Kindersitz zerlegt, der eigentlich das Kind schützen sollte, so dass bei der Krafteinwirkung auf die Halswirbel des Kindes eine Querschnittlähmung eingetreten ist. Es ist also leider genau das passiert, was der Kindersitz verhindern soll. Als Erklärung wurde gegeben, dass der Kindersitz schon sehr alt war, weil man so ein Ding eben oft von anderen Eltern gratis oder billig bekommt und dass diese mit der Zeit durch die Einwirkung von Licht, Hitze und Kälte im Wechselbad (Klimaanlage!) brüchig werden. So soll im gezeigten tragischen Fall der Kindersitz eben zerbrochen sein, statt die Kräfte aufzunehmen. Auch unserer ist neun Jahre alt, von der Schwester meiner Frau bekommen. So soll jetzt ein neuer Kindersitz angeschafft werden. Schnell ergoogelte meine Frau, dass die ISOFIX Normbefestigung für Kindersitze die beste sei (weil sie Befestigungsfehler vermeidet) und so examinierten wir unseren Nissan X-Trail von 2006 (Taiwanmodell) auf eben diese Befestigung. Fehlanzeige! Prompt ging es gestern zum Subaru-Vertragshändler, weil der Forester (SUV) so gut im Crashtest abgeschnitten hatte. Na gucken wir mal. Ich glaube, jetzt komme ich um einen Neukauf nicht mehr drum herum. Sorgenvoll nahm ich zur Kenntnis, dass Frau und Verkäuferin gestern immer um die 200+ PS - Version des Forester herum standen, während ich verzweifelt versuchte, die Aufmerksamkeit auf de 150 PS - Basisversion zu lenken. "Guck mal hier, wie schön blau der ist". Eine Million Taiwandollar soll er kosten mit 150 Pferden (die Taiwaner schreiben sogar PS statt HP - horse power- auf der Webseite), hat aber keine 0%-Finanzierung (sondern 2.5%) und laut Foren muss man 4 Wochen auf Ersatzteile warten. Na, dann behalten wir am besten den alten Nissan, damit wir in den 4 Wochen weiterfahren können....

P.S.: Sinnvoll wäre es einen Toyota RAV4 zu kaufen, weil er in Taiwan einen viel höheren Wiederverkaufswert hat, aber seit dem US-Drama ("hilfe, mein Toyota fährt von selbst") ist er bei meiner Gattin unten durch.
Den neuen X-Trail gibt es in Taiwan nicht, dafür ein amerik. Nissan-Modell namens Rogue, der allerdings recht teuer ist und eine steuerlich teure 2.7-Liter-Maschine hat. Besonders gut haben neuer und alter X-Trail im Crashtest eh nicht abgeschnitten.

FÜR ÖKOBEWEGTE DEUTSCHE: Warum einen SUV? Nun, als ich neulich wieder auf dem Lande hier herum fuhr, war eine hohe Bodenfreiheit bei den vielen Kuhlen und Schlaglöchern nett. Auch ist der Frisör meiner Gattin umgezogen und hat so eine hohe gebogene Auffahrt, wo die PKWs immer 3 Minuten am ultralangsamen Hochrangieren sind, während mein SUV-Ding da einfach hochböllert mit Karacho....
 

Montag, März 25, 2013

Taipei 101 bei Nacht (Teil 1)


Ich muss zugeben, dass mir mein in diesem Blog häufig vorkommendes Geschimpfe über mein bisweilen slumartig wirkendes Wohnviertel langam selbst surrealistisch vorkommt. Erstmal haben sich viele Wohnungsbesitzer moderne Fensterfronten einsetzen lassen und die alten verrosteten Gitter entfernt, dann sind die Müllhalden zwischen den Häusern weg (nur in Ludigels Hinthofblick sieht man noch Müll auf den Vordächern lagern) und außerdem ist bereits so viel von dem ehemals sehr großen Viertel an der WenDe Road in NeiHu weggerissen, dass ich nur 50 Meter gehen muss, um in moderner Bebauung zu stehen. Moderne Wohnscheiden, Beton viel adretter als in den alten 70er-Häusern verbaut, neoklassizistische Nobelreihenhäuser und Beton- und Glasbauten von Büros. Taipei wandelt sich rasant. Wo ich mich 2004 noch über schmutzige Baracken an der Hauptstraße aufgeregt habe, sind heute u.a. eine Bentley-Vertretung und ein Burger King in adretten Fassaden nebst diversen Bankfillialien. Auch "Taipei 101", ehemals das höchste Haus der Welt und noch heute eines der höchsten, ist heute Teil eines noch im Bau befindlichen modernen Stadtzentrums, während es um 2004 herum noch wie ein moderner Riesenbau aus teilweise slumartigen Schlichthäusern ragte. Taiwan hatte in den 70ern sein Transistor-Wirtschaftswunder und hat heute eine Funktion als Computer-Ingenieurbüro der Welt und passt sich langsam auch optisch an. Ist das schade? Mag sein. Würde Rennovieren der alten Bauten reichen? Vielleicht, aber dann hätte man immer noch keine Bürgersteige, denn von den "Parkstreifen" am Fahrbahnrand wollen sich die Anwohner sicher nicht trennen, autoverrückt wie sie alle sind. Neue Nobelreihenhausviertel haben immer noch keine Bürgersteige, insbesondere die mit Security-Schranke davor. Da geht keiner zu Fuß, ist wohl der Gedanke.


Mit der "MRT"-Stadtbahn Taipeis, die auch immer noch ausgebaut wird und erst seit etwa 2 Jahren bei uns ins Viertel reicht, an der "City Hall"-Station ausgestiegen. Die ganzen Häuser um mich herum gab es vor ein paar Jahren hier noch gar nicht.

Positiv die vielen neuen Fußgängerzonen, wo es sonst in Taipei häufig nicht mal Bürgersteige gibt. Aber ergreift man die Gelegenheit zum ökologischen Neubau, viele Parks um die in Taipeo so oft gequälte und ausgemerzte Natur mit der modernen Stadtarchitektur zu versöhnen? Dumme Frage, natürlich nicht. Lampen an die Fassaden und schon solle es modern sein. Aber wenigstens ist alles sauber und man kann entspannt ohne Moped- und Autowüteriche zu Fuß gehen.

Wozu studieren die Leute eigentlich ihre eigene Kultur (wenn sie es denn tun) und Architektur, wenn sie am Ende doch nur die einst triste graue Schlichthaus-Betonlandschaft durch 80er-Jahres Betonarchitektur ersetzen? Aber gut, anders als im Westen sieht es auch nicht aus, auch wenn man da neuerdings vielleicht ein bisschen hübscher baut.


Beton und Lampen, aber immerhin sauber und rein und viel Platz zum flanieren und grübeln, was da wohl dran steht. Ein Schriftzeichen kann ich sogar lesen.

Hier ist schon die Spitze von Taipei 101 zu sehen, dem Ziel meines Ausflugs. Teuer ist es, das neue Taipei. In den teilweise noch in Bau befindlichen Straßen etwa locken Uhrengeschäfte mit Rolex, Tudor und Omega, nicht etwa mit einer profanen Tissot, für die ich mich interessierte. "Dior" steht am Wahrzeichen von "Free China", wie Taiwan manchmal genannt wird. So viel anders als Peking ist das also auch nicht, wirtschaftssystemisch gesehen.

 Fauler Zauber hier im Blog. Mit der Kamera umschmeichele ich die moderne Architektur und gebe textuell postmoderne Gesellschaftskritik a la Deutschland. Dabei habe ich mich in Wirklichkeit nur auf den Ausblick aus dem italienischen Restaurant im 86. Stock (oder dergleichen) gefreut. Und hatte Hunger.


Parks mit wenig Bäumen, dafür Beton und Licht. Sieht aber ganz nett aus.


Inhaltlich muss ich im Blog langsam umsatteln, vom Meckern über Schlichthäuser und fehlende Bürgersteige auf das Meckern über Betonkaufhäuser und öde leere Fußgängerzonen vielleicht.

 Ganz oben angekommen wunderte ich mich dann, wieso der Ausblick manchmal so milchig ist. Ach ja... W-O-L-K-E-N. Hier spiegeln sich Lüster und Servietten nebst Tellern im Fenster hoch über Taipei.



Von Essen in "Diamand Joe's" Italiener habe ich nicht so viel mitbekommen. Meine Roulladen war jedoch sehr gut, auch wenn manche Kollegen über ihre roten ganzen faustgroßen Krebse enttäuscht waren. Na ja, vielleicht wollten sie, dass sie noch weglaufen auf dem Teller statt sitzen zu bleiben. Ansonsten gab es wieder den Pseudo-Feinschmeckerhorror a la Taiwan. Irgendwelche Krusten-Meerestiere mit Käse auf dem harten Panzer. Weil Käsedrauf eben europäisch ist und der Taiwaner, der eh keinen Käse mag oder verträgt, diesen gleich mit dem Panzer entsorgen kann. Kein Wunder, dass das nicht schmeckt. Feinschmeckeressen heißt für viele Taiwaner eben Meeresgetier mit Panzer möglichst intakt auf dem Teller. Mag sein, dass so ein Italiener diesen Pseudo-Gourmet-Taiwan-Food nur etwas lieblos macht. Obwohl die rote Krabbe der Kollegin hinter mir noch aussah, als ob sie gleich loslaufen könne.

Zwischen 2000 und 4500 NT kostete so ein Menü, durch 40 in Euro. Wie immer sehr fischlastig wie alle Italiener in Taiwan. Ich hatte Carpacchio als Vorspeise und vergessen was das war, solange war ich nicht mehr bei richtigen oder halbrichtigen Italienern essen hier in Taiwan. Rohes Rind mit Salat offenbar. Pfui deibel.

Das sieht Supermann, wenn es aus den Wolken auf eine Tüte Stinky-Tofu nach Taipei einfliegt.

Im Restaurant selbt waren alle in weißen Hemden, ohne Krawatte (abgelegt) und mit schwarzen Hosen. Nur die Damen farbenfroh gekleidet, eine Barsängerin nebst Begleitung stand wie bestellt und nicht abgeholt neben dem Tresen und sang, alles waren natürlich viel zu cool um auf die Musik zu achten. Sehr viele Westler, etwa die Hälfte der Leute und der Rest gleich gekleidete Einheimische. Meine helle Hose war schon ein Sonderfall da oben.

Emsige Geister umdienen die Businessmenski über den Wolken am Tellerrand der Weltscheibe.


Unser Team fiel mit Jeans und Sweatshirts etwas auf, aber wir hatten ja auch einen eigenen Saal. Bei uns sind alles Hardware-Testleutchen, keine angloamerikanischen Manager. Ich war wie immer perfekt gekleidet, einfach die weiße Atemschutzmaske (Papier) aus der Einstecktuchtasche des Nadelstreifen-Jacketts gezogen und fertig.

Die möglicherweise echte Blueberry-Handtasche meiner Frau und meine Fototasche blicken auf die Stadt unter uns. Frau schimpfte über das Essen, ich knipste und murmelte "Hmmmmm..... Hmmmmmmm".

Donnerstag, März 21, 2013

Begegnungen mit Taiwanern

Aus gegebenem Anlass möchte ich einmal versuchen die Begegnungen mit Taiwanern, wie ich sie in den 9 Jahren meines Aufenthalts hier erlebt habe, versuchen zu katalogisieren. Taiwaner werden immer wieder als extrem gastfreundlich und weltoffen beschrieben in den Reiseführern und das trifft auch auf einen großen Teil der jungen Menschen zu, aber das ist irgendwie nur die Hälfte der Geschichte. Wie immer ohne Blatt vor den Mund, abseits aller politischen Korrektheit, wie ich es erlebt habe. Andere mögen es anders erleben, das ist klar.

Der Hilfsbereite:
Beim Einkaufen, wenn es regnet, beim Geldabheben am Automaten (!), im Wartesaal im Krankenhaus (ist hie wie eine Arztpraxis) oder wenn man nur irgendwo herum läuft und eine Hausnummer sucht kommt ein Englisch sprechender Taiwaner und bietet seine Hilfe an. Ist nett, nervt mich mittlerweile aber OK, sie meinen es gastfreundlich. Lehne dankend ab und das war es dann. Das sind Leute mit guter Schuldbildung ab Mittelklasse.

Der "Ausländer First"-Typ:
Okay, es ist immer wieder nett. Weil westliche Ausländer beliebt sind, kriegt man öfter mal eine Extrawurst gebraten, manchmal buchstäblich respektive eine Vorzugsbehandlung. Da beschwere ich mich nie drüber ;-)

Der Starrer:
Man geht irgendwo lang. Ein Mann, seltener eine Frau, mit etwas heruntergekommenden Aussehen meist, starrt einem hemmungslos hinterher, manchmal mit offenem Mund. Geht bis hin zum hinterher laufen. Eventuell spricht er andere Passanten (natürlich Einheimische) an und dann geht eine Diskussion los, bei der auf einen gezeigt wird und viel geredet wird. Immer wieder "Waiguoren" (Ausländer). Wer besser Chinesisch kann als ich oder gar Taiwanisch versteht, hört auch wenig schmeichelhaftes, was aber selten ist. Meist ist es einfach nicht-hasserfüllte Aufregung um das unglaubliche Vorhandensein eines westlichen Ausländers. Passiert am meisten in abgelegenen Gegenden. Ignoriere ich einfach.

Der aufgeregte Rufer:
Eine Variation des Starrers, der gleich mit den Fingern auf einen zeigt und laushals "Waiguoren! Waiguoren!" (Ausländer) oder auch "Adoah! Adoah!" (etwa: Langnase! Langnase!) ruft. Oft auch bei Kindern ;-)
Ignorieren...

Der Verfolger:
Ein Starrer, der einem folgt, eventuell viele Fragen stellt, eventuell veritable erstaunte Grunzlaute ausstößt, oft antatscht und leider, weil meist aus der Arbeiterklasse stammend, auch noch diesen süß-speicheligen Duft nach Betelnuss verströmt, der aus dem rotgefärbten Mund kommt. Relativ seltenes Exemplar erfreulicherweise. Mit ignorieren ist es beim Tatschen nicht getan, also mache ich durch Unfreundlichkeit deutlich, dass er mich nicht antatschen soll. Nerviger Zeitgenosse, mit der Zeit normalisiert sich eventuell der Umgang. Eventuell hält er das aber auch lange Zeit durch, wenn man ihn immer wieder trifft. Auch westliche Frauen sind schon angetatscht worden, auch an der Brust. Würden sie bei Einheimischen niemals so machen.

Der Überfreundliche:
Überfreundlich verwickelt er einen in bisweilen lange Gespräche, insbesondere wenn er etwas Englisch kann. Kommt bei jungen Männern und Frauen besonders häufig vor. Gebietet man dem keinen Einhalt, hat man einen regelmäßigen Besucher. Bei den jungen Damen führte das bei mir dazu, dass ich kichernd von ihnen mit Keksen gefüttert wurden, manche flirteten irgendwann. Bei den Herren versuche ich sie auf Distanz zu halten, ein Taiwaner, der einem folgt und immer wieder mit rotem Kopf nervös viele Fragen stellt und kichert kann unheimlich nerven. Die Fragenkataloge, auch wenn ziviler ohne Kicherei vorgebracht, können bis hin ins Intimleben gehen. Hier ist die soziale Regel in Taiwan, dass man eigentlich durch offensichtlich unwahre Aussagen (z.B. "Wie viele Geschwister ich habe? Weiß ich nicht!") die Fragerei unterbindet und der Frager hört dann eigentlich sofort auf. Das funktioniert oft auch für mich als Ausländer, aber nicht immer. Manche Frager oder auch anderweitige Bewunderer haben sich soweit erregt, dass sie auf schwache Signale nicht mehr reagieren und immer weiter machen. Das kann dann bis in zum regelmäßigen Stalking evtl. mit Anfassen gehen. Nett bei der jungen hübschen Frau mit Keksen, sonst nicht. I.d.R. ohne sexuellen Hintergrund.
Reagieren sie nicht auf die schwachen Signale, bleibt nur das direkte Sagen "keine Zeit etc.". Oft bin ich dann grenzwertig unfreundlich, weil genervt, dann ist der Taiwaner der Meinung sein Gesicht verloren zu haben und ignoriert mich mit bisweilen eisigem Blick für den Rest unserer Zusammenkünfte.

Der Stalker:
Im Prinzip oben schon enthalten im Überfreundlichen. Ich habe es immer wieder erlebt wie die Freundlichkeit der Taiwaner in so einen immer wieder veranstalteten Ringelpietz mit Anfassen umschlägt und man von ihnen, wann immer man sie trifft mit Komplimenten überschüttet wird. Auch von Herren, was übrigens meist keine sexuelle Bedeutung hat. Manchmal erhält man noch bewundernde Emails, es kann unheimlich nerven und man ertappt sich beim "Radar"-Ausschauhalten, einen anderen Weg zu nehmen, um die Situation zu vermiden. Ist i.d.R. nur durch Konfrontieren von seinem Tun abzuhalten, s.o. oder auch durch Ignorieren der Email - was wohl auch Gesichtsverlust bedeutet. 

Der Freundliche:
Einfach ein Taiwaner, mit dem man etwas Konversation hat. Ich ertappe mich aber dabei, diese immer wieder abzuwürgen, da ich fürchte, einer der Stalkertypen könnte draus werden. Die Stalkermutation passiert nur dann und wann mal, beschäftigt einen dann aber für eine Woche oder länger. Daher bügele ich zumindest die Herren im Vorfeld nach Möglichkeit ab und wirke daher sicher oft unfreundlich auf die Leute.

Das "Englishy-Teacher"-Kind:
Kinder sind es gewohnt, dass die hier häufig vorkommenden jungen Amerikaner/Kanadier als Englischlehrer eine Art Entertainer für sie sind, denn sie müssen in den privaten Englischschulen für die Kinder herum kaspern. Also bestaunen sie einen oft in der Gruppe, lachen Kichern, eigentlich kein Problem. Bei zwei rot anlaufenden und "Hello"-sagenden etwa zwölfjährigen Mädchen habe ich freilich einmal fluchtartig einen Seven-Eleven - Supermarkt verlassen. Ich dachte, nicht dass ein Taiwaner das sieht und sonstwas denkt. Schuld an meiner Phobie war die Presse, die gerade von der Verhaftung irgendeines US-Pedo-Englichteachers berichtet hatte und ich hatte Sorge, das ein Beobachter.... (Weil man hier immer für einen US-Englischlehrer gehalten wird).

Die "Free English Conversation"-Eltern:
Hasse ich im Fahrstuhl. Eltern mit Kind, die wollen, dass ihr Kind Englisch mit einem redet. Das Kind ist genervt, meckert. Die Eltern bestehen drauf, dass es einen auf Englisch anspricht. Irgendwann sehen einen dann die Eltern vorwurfsvoll an, wenn man nichts tut. Ich sage dann meist "Hello, how are you" und atme sichtbar auf, wenn der Fahrstuhl sein Ziel erreicht hat.

Die "Can you teach my kid English"-Frager:
Gut, nicht schlimm. Ich sage immer, ich sei kein Englischlehrer und gehe weiter. Manchmal fragen Sie, was man denn in Taiwan dann arbeitet.

Die "Welcome to Taiwan"-Leute:
Man hat was im Auto liegen lassen und geht schnell noch mal runter, wird in Taiwan willkommen geheißen und gefragt wo man herkommt. Ich sage meist "von da oben!" oder "von da hinten!" oder wenn ich gut gelaunt bin "aus Deutschland", weil sie sowas erwarten. Eine junge Frau war mal völlig verstört und sagte das kenne sie nicht und guckte mich so skeptisch an als sei das mein Fehler irgendwie. Mild-nervig, kein Problem alles.

Die "Ah... you foreigners only eat Hamburger/drink Coke"-Leute
Man wird manchmal angesprochen nach dem "Where you from?", ob man immer Cola trinkt und nur Burger ist. Sie wollen also ihre Vorurteile über die unglaublich ungesunden Ernährungsgewohnheiten aller Westler, die ja bekanntlich alle wie Amerikaner sind, bestätigt haben. Ich gehe mittlerweile einfach weg an dieser Stelle. Wie muss das erst einen Franzosen oder Italiener nerven bei der guten Küche die sie haben. Passiert natürlich auch, wenn man wirklich mal Cola/gekochten Schinken/Käse/Burger oder ein offensichtlich mit dem Westen assoziiertes Nahrungsmittel in der Hand hat (Burger gegen "Ham" austauschen in der Frage).

Die "Gratuliere zur Ehefrau"-Leute:
Passiert einem wirklich manchmal, wenn man mit einheimischer Frau durch die Gegend läuft. Oft wird sie dann auf Chinesisch zum aktuellen Stand der Beziehung gefragt.

Die "Böse-Starrer":
Hatte ich irgendwo im Süden, als ich mit Frau händchenhaltend durch die Gegend ging und im Norden bei einem Immobilienmakler als die Angestellten am Nebentisch große Dosen Faxe-Bier hatten. Alkohol enthemmt und Taiwaner, die es gewohnt sind, immer freundlich zu lächeln und wegen der konfuzianischen Gesicht-wahren/immer-lächeln - Maxime ihre Gefühle sonst immer runter schlucken, können dann immer ganz anders werden. Wie im Dunkelangst Blog  zu lesen ist, kann das etwa in Bars das Vorgeplänkel zu einem in der Luft liegenden Angriff auf den Ausländer sein - beim Immobilienmakler bleibt es sicher beim bösen Gucken. Zahlreiche in Ausländerforum Forumosa.com dokumentierte Attacken auf Ausländer in Taiwans Nachtleben (immer wenn der westl. Ausländer sich für ein Mädel dort interessiert) machen klar, dass man das Starren nicht unbedingt ignorieren sollte an diesen gastlichen Stätten.
Sonst hatte ich es auf der Straße als hier ein junger Kanadier wegen gewerbsmäßigen Drogenimport (via Buchsendungen übrigens) verhaftet worden war.

Der Angsterstarrte:
Ältere Leute die, wenn man sie anspricht oder etwa in ihr Taxi steigt (also in ein Taxi mit älterem Taxifahrer), eine Angststarre bekommen. Geht bis hin zu völligem Verwirrtsein oder dem Nach-Gegenständen-schlagen (hingehaltenes Handy in diesem Fall).

Der Kicherer/Lachhans:
Paketdienstleute, Garküchenpersonal, Verkäufer. Lachen oder kichern haltlos und sind nicht in der Lage auch nur die einfachsten Transaktionen zu bewältigen. Sie lachen und lachen. Kann man nur weggehen. Grund ist, dass sie nicht wissen, wie sie beim Ausländer reagieren sollen oder es ihnen peinlich ist, kein Englisch zu verstehen (auch wenn man etwas auf Chinesisch sagen will) und daher den drohenden Gesichtsverlust (wie kann es sein dass ein Taiwaner schlechter Englisch spricht als ein Ausländer! Das darf nicht sein!) durch Lachen vermeiden. Das lernt man hier so. Wenn Gesichtsverlust droht immer Lachen.
Auch wenn mir manchmal ein neues Onkelchen vorgestellt wird, dann lacht er und lacht und lacht....

Der Nach-dem-Weg gefragte:
Dauf achten, ob sie wirklich sicher sind oder unsichere Körpersprache haben. Denn sie zeigen immer zielstrebig irgendwo hin, schließlich würde es Gesichtsverlust bedeuten, einem Ausländer gegenüber nicht im Bilde zu sein!

Der Blockierer/Rempler/Vordrängler:
Einfach ohne Schreien beschweren, in der Regel entschuldigen sie sich dann vielmals. Nicht aggressiv vorgehen. Hat zwar meist das gleiche Resultat, aber weiß, ob in Taiwans Nichtkonfrontativer Gesellschaft (vergl. "immer Gesicht wahren lassen!") für denjenigen nicht doch mal die Gefühlskontrolle versagt und dann muss man u.U. mit körperlichen Angriffen rechnen. Ist gerade neulich einer Ausländerin passiert, die sich bei einem Hundehalter beschwerte, sein Hund hätte sie angesprungen. Der Taiwaner schlug sie dann mit seiner Mineralwasserflasche - erfreulicherweise Kunststoff. Es war allerdings das Chinesische Neujahrsfest, da sind die Leute immer aggressiver als sonst und oft auch angetrunken.
Anders sind alte Leute, die drängeln. Da gibt es welche, die nutzen die Verehrung, die Alten hier entgegen gebracht wird, schamlos aus und drängeln und schubsen um als erste dran zu kommen. Man lässt sie machen, siehe auch unten. Wie heilige Kühe in Indien sind Alte hier...

Übellaunige Alte:
Selten, aber immer wieder, wenn ich irgendwo in einen Wohnblock ziehe. Alte Leute, die einen auf Chinesich böse funkelnd fragen, was man da oben im Haus gemacht hat, irgendwas unverständliches Murmeln und böse starren oder einen gar anschreien. Ich antworte auf Deutsch oder gar nicht und gehe möglichst schnell weg. Alte werden in Taiwan verehrt, man würde sicher Beobachter zum handgreiflichen Eingreifen veranlassen, sollte man es zur Rangelei eskalieren lassen. Bei den älteren Damen hier sind die schick zurecht gemachten immer neutral oder höflich.

Betrunkene Herren:
Werden in Taiwan schnell aggressiv weil sie die konfuzianische Gefühlskontrolle verlässt. Weggehen und nicht in Kneipen oder billigen Lokalen trinken.

Hello! Hello!
Ruft Hello! Hello! und man antwortet Hello!

Straßenverkehrs-Vollidioten:
Das sind fast alle taiwanischen Verkehrsteilnehmer. Hier fährt man frech und forsch, schneidet und hupt, drängelt und ist stocksauer und super aggressiv, wenn der genötigte sich beschwert. Nach Unfällen auch Ziehen von Waffen (Baseballschläger, Samuraischwert, Wagenheber), herbeitelefonieren von vielen Freunden etc. Ruhig und höflich bleiben, auch wenn es schwer fällt. Autos wirken auf die Herren hier wie Alkohol, sie verlieren ihre antrainierte konfuzianische Gefühlskontrolle und die sonst so freundlichen Leute können sich schnell in tobende Irre verwandeln. Auch bei Harmlosigkeiten wie Spurwechsel, der nicht so klappt wie sie es wollen.

Der Normalo:
Nicht ins Boxhorn jagen lassen, fast immer trifft man einfach normale freundliche Menschen, die sogar westliche Ausländer ganz gern mögen. Es sei denn man fährt Auto, dann trifft man fast nur.... ;-)

Scherzfrage, weil ich manchmal auch taiwanische Leser habe. Welcher Typ sind Sie ;-)
 

Dienstag, März 19, 2013

Oh Kollege... Oh Kollege...

Ein Blogartikel von voriger Woche oder dergleichen ist von mir suspendiert worden. Es ging um einen neuen Kollegen und sein farbenfrohes Verhalten mir gegenüber - wir Ausländer fallen ja immer irgendwie auf hier, auch wenn es mir ein Rätsel ist, woran das liegt (räusper). Nun habe ich mich elegant aus der Sache rausgenommen, da ich so eine erprobte Ignorierstrategie den ganzen merkwürdigen Verhaltensweisen gegenüber habe, der Kollege allerdings ein so farbenfrohes Verhalten gezeigt hat, dass ein Blogartikel darüber wohl nicht mehr angemessen ist. Da muss erst mal Gras über die Sache wachsen, nachdem er jetzt sein Gemüt wieder beruhigt hat und anderswo grüneres Gras sucht, soll die Sache auch hier nicht wiedergekaut werden. Mit mir hatte das alles nichts mehr zu tun, er hat sich dann an seinen einheimischen Kollegen noch mehr gerieben als an mir mit variierenden Themen. Große Gefühle, Drama und Abenteuer am Arbeitsplatz. Eine Lebensregel kann man vielleicht daraus ableiten: Wenn man in der Probezeit Chef, ChefChef und die halbe Abteilung mit der eigenen ...äh... Weltsicht... beschäftigt, ist das vielleicht nicht ganz die richtige Strategie. Hat allerdings schon einen gewissen Unterhaltungswert, den ich den geneigten Lesern leider derzeit vorenthalten muss. Schon putzig, was man so alles mit neuen Kollegen erleben kann. Filmreif bisweilen. Obwohl es hier wohl auch schon klinische Implikationen hat, daher hüllen wir nun den Mantel des diskreten Schweigens über die Sache. Prust.

P.S.: War nicht in meinem Team, daher seien diese kurzen Andeutungen verziehen. Ich selbst stelle keinen mehr ein und hacke den Source Code und konfiguirere die customized Betriebssysteme einfach selber - man findet hier niemanden, der das kann. Oder die die können wollen nicht - ein Divaproblem, weil es so wenig gute Softwareleute gibt. Ist eben nicht China hier.

Ufo in Taipei

Fast könnte man meinen, ein Ufo sei in einem der Schlichtwohngebiete in Taipei gelandet, wenn man das Foto sieht. So unwirklich guckt das große Gebäude sonnenbeschienen durch die Baulücke. Es handelt sich dabei um [EDIT: eine der beiden Hallen auf dem Gelände des ] Chiang-Kai-Shek - Memorial in Taipei, jene große Gedänkstätte, die den Quasi-Staatsgründer Taiwans gewidmet ist. "Quasi", weil er eben der Staatschef der Republik China war, als diese noch auf dem Festland war und sich Taiwan unter japanischer Herrschaft befand. Bis er und seine Getreuen 1949 vor den Kommunisten flohen und die Insel Taiwan z.T. gewaltsam in Besitz nahmen (bereits seit 1945 war Taiwan unter Kontrolle der Republik China). Mit eiserner Hand regierte er Taiwan, ließ die Menschen beim großen 2/28-Massaker 1947 zusammenschießen auf den Straßen (http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenfall_vom_28._Februar_1947) und wird heute nichtsdestotrotz zumindest in Taiwans Hauptstadt Taipei noch immer sehr verehrt. Anderswo werden seine Denkmäler abgebaut, hier im Norden stehen sie noch. Immerhin gäbe es ja auch kein modernes demokratisches Taiwan ohne die vom alten Diktator Chiang betriebene Fortführung der Republik China - auf der Insel Taiwan. Und die Bevölkerung der Hauptstadt Taipei hat oft Väter und Mütter, die damals 1949 auch vor den Kommunisten geflohen sind, mit ihrem Chiang. Auch mein Schwiegervater kam damals, aus einer Großgrundbesitzerfamilie stammend und mit seinem jüngeren Bruder auf dem Rücken. Die Eltern und die Schwester in China auf dem Anwesen zurück lassend. Wo dann der Vater von den Jungpionieren ermordet wurde. Aber das ist ein anderes Thema.


Erst in Kaoshiung und dann in Taipei lebte die Familie dann in Schlichtwohnblocks wie vorne im Bild - und verarmte zwischendurch sogar, bis es im großen Elektronikaufschwung wieder aufwärts ging in den 80ern. Werde die älteren Blockartikel liest, findet viele Beschwerden meinerseits über diese Schlichtwohnblöcke, die vor wenigen Jahren auch noch weitaus ungepflegter waren als heute. Doch so zahlreich die grauen Häuserviertel auch noch sind, sie werden immer weniger. Am letzten Wochenende fielen mir viele neue fertig gestellte Hochhäuser auf. Nobelapartmentblocks mit 20 Stockwerken und schlossartigen Eingängen und in den Uhrengeschäften fand ich nur Rolex, Tudor und Omega in den Schaufenstern. Taipei soll wie Hong Kong werden, sagt der Bürermeister. In etwa 10 Jahren denke ich mal, werden Nobelapartments für Reiche auf die Denkmalstätte blicken.

Montag, März 18, 2013

Mach das nicht mehr wenn Du Zwanzig bist...

Gestern Abend um 22 Uhr. Mein Junior hat längst die Angewohnheit der Mutter übernommen, mir irgendwelche vorgefundenen Fussel in die Hand zu drücken, damit ich sie entsorge. Und das mit gerade mal einem Jahr! Gestern Abend dann, er findet etwas an seinen Füßchen, fummelt es ab und ....

Siehe Titel.


Weitere Junior-Kurznotiz:

Beinahe Neffe "De-de" wunderte sich unlängst, dass Junior auf seinem neuen MP3-Player (mit Lautsprecherlein statt mit Kopfhörer) so viel Blues drauf hat. Na immerhin hören wir die Mucke zusammen. Und kann nie schaden, sich frühzeitig auf das harte Leben vorzubereiten.

Mein Hemd kam nicht aus der Reinigung.
Dann fing es auch an zu regnen.
Mein Auto ging kaputt, mein Hund hat mich gebissen.
Meine Frau ist mit dem Gasmann ausgebüchst,
Der Whisky im Schrank ist alle...

Etc. pp. Wie das eben so ist.




Die kleine Bäckerei nebenan

Des nachts wenn sich der Mantel der Dunkelheit über die grauen Schlichthäuser legt und das Licht golden aus den Fenstern scheint, sieht sogar unser graues Militärveteranenviertel ein bisschen hübsch aus, hier in Taipei-NeiHu am östlichen Tellerrand der Weltscheibe. Das Haus in dem diese kleine Bäckerei liegt, ist sowieso ein bisschen netter, mit Holzverkleidungen und grünen Balkonen, die man aber nicht im Bild sieht.



Telefonnummer steht dran, mit 00 886 2 davor könnt ihr ja mal fragen, ob sie es liefern....
Mit Glasfront sehe es nicht so malerisch aus, hätte aber sicher auch seine Vorteile. Viele einfache Geschäfte in der Gegend sind nach dem Garagenprinzip aufgebaut: Abends kommt ein Rolltor runter, eine Glasfront mit Tür gibt es nicht.

Update: Mein Gott*, ich habe seit ewigen Zeiten keinen Kuchen mehr gegessen, fällt mir gerade auf. Die beiden großen Ketten bei uns in der Nähe hatten beiden Rattenbefall, bis hin zur gemütlichen Vesper im Schaufenster, fotodukumentiert. Und bei Geschäften wie diesem hier bin ich ja selbst abendlich mit Kamera Teil der Fauna, die da am offenen Geschäft vorbeiflaniert. Um Gottes* Willen...


* Religionen sollten übrigens mindestens einen Gott haben, fällt mir gerade auf. Auch kein schlechtes Kriterium. Kleiner Nachsatz zur Religions-Diskussion neulich.

Donnerstag, März 14, 2013

Local guys with foreign girls


In der oberen Bildhälfte ;-)

Keine Ahnung, was er da meckert. Sieht fertig aus, der Mann.

Wie alle Fotos mit innerstädtischem Charakter beim meinem Rundgang in Ximen, Taipei enstanden, wo ich den Vorsatz hatte, mir von der Umgebung Geschichten erzählen zu lassen und diese fotografisch festzuhalten. Diese Werbungskombi scheint das Vorurteil der männlichen Taiwaner zu unterstützen, dass westliche Frauen unersättlich seien und sie diesen nicht genügen würden. Ein Vorurteil, das die hiesigen Expatfrauen öfter mal im Forum bedauern. Etwa wenn der Boyfriend beim dritten Date schockgefriert.
Alles unsinnige Klischees natürlich. Räusper.

Mittwoch, März 13, 2013

Ohne Worte