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Mittwoch, August 31, 2016

Endzeit-Uhr

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Da nach EU-Richtlinie so ziemlich alles Werbung ist, ist dieser Artikel entsprechend markiert.

Während sich meine Zeit in Taiwan wohl unaufhaltsam dem Ende zuneigt... ein Blick auf eine mechanische Reiseuhr mit 2. und sogar 3. Zeitzone, die HAMILTON Khaki Navy GMT 3.

Reiseuhren hatten wir schon öfter: der etwas freche Rolex-GMT-Nachbau nahmens Alpha GMT und eine Citizen Promaster Skyhawk. Die erstere eine Automatik mit chinesischem Werk, die zweite eine Solaruhr aus Japan. Die Citizen, einst gebraucht gekauft, hat schon bald das zeitliche gesegnet, offenbar hatte der alte Akku/Kondensator bei der nur wenige Jahre alten Uhr (eine 2009er) schon nicht mehr die Kraft um einen wegen Fehlfunktionen ausgelösten Reset zu überleben. Die Uhr zeigte seither trotz Marathon-Bestrahlung mit Licht nur noch bernsteinfarbenen Unsinn an und ist kürzlich in den Müll gewandert. Die Alpha schlägt sich nach vorgenommener Nachbearbeitung u.a. mit Pattex immer noch wacker und ist meine zweitliebste Reiseuhr. Zweitliebste, denn in der Zuneigung geschlagen wurde sie durch eine Hamilton...

 Die Uhr hört auf den Namen "Hamilton Khaki Navy GMT 3" und die Ziffer Drei steht für drei anzeigbare Zeitzonen, während ihre 3-lose Schwester statt des drehbaren 3.-Zeitzonenrings eine konventionelle drehbare 0-55-Skala hat. Ebenfalls unter Glas und über eine der drei Kronen drehbar oder in einer "Scuba"-Variante ganz einfach wie bei jedem Submariner-Klon von Hand direkt drehbar.


Die Uhr gibt es aktuell nur nach am Lederband mit durchgehend weißen Ziffern auf dem Zifferblatt (oder schwarzen auf hellem Grund). Die hier gezeigte rote Variante mit Kautschukband ist eine ältere. Hamilton ist ein US-Hersteller (gewesen), der in der großen Zeit der Eisenbahnpioniere Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Damals bedeutete das expandiere Zugnetz in den USA nicht nur einen hohen Bedarf an mobilen Saloons und Halsabschneidern (wie Fernsehserien wie Hell-On-Wheels verdeutlichen), sondern auch an Uhren, damals natürlich noch Taschenuhren. Unzählige Eisenbahner brauchten unzählige Taschenuhren und so feierte Hamilton schnell Erfolge.


Im Zweiten Weltkrieg noch hatte Hamilton dann Marineschiffe-Instrumente gebaut, daher ist bei dieser Uhr eine schöne Fusion aus Taucher- und "Militäruhr" in einem instrumentenartigen Desgin zu sehen. Ähnlich einer sog. Fliegeruhr. Hamilton hatte in den 70er-Jahren sogar einmal einen Skandal ausgelöst als Präsident Ford eine der damals schwer modernen LED-Uhren am Handgelenk hatte, die für damals 1500 Dollar oder dergleichen auf Knopfdruck in roten Lettern die Zeit anzeigten. Eine PULSAR war das damals, ein Markenname von Hamilton, den das Unternehmen später an Seiko verkauft hat. Seiko wirft unter diesem Label heute meist billige Quarzer auf den Markt. Damals jedoch regte sich die Öffentlichkeit über den teuren Nicht-Ticker am präsidialen Handgelenk auf und Ford trug die Uhr nicht mehr. Der "Skandal" war damals der Wegbereiter für das ungeschriebene Gesetz, dass US-Präsidenten seither nur noch billige Uhren tragen "dürfen". Obama etwa trägt einen billigen chinesischen Quarzer aus dem Shop des Secret-Service mit entsprechendem Logo, ursprünglich etwa 250 Dollar teuer bei einem Herstellungspreis von eher 4 Dollar.

Die große Quarzkrise überstand Hamilton nicht so recht. Zwar hatte es sich gerade noch eine schweizer Uhrenfabrik unter den Nagel gerissen, da gerieten sie selbst in Schwierigkeiten. Das Vordringen von Seiko auf dem Weltuhrenmarkt sollte eine Digitaluhrenreihe aus einer Fusion mit dem japanischen Hersteller Ricoh stoppen. Der Feldzug misslang und Hamilton wurde selbst ein Übernahmekandidat. Durch ihre zum Schluss in die Schweiz ausgelagerte Produktion wurden sie im Rahmen der Restrukturierung der CH-Uhrenindustrie Teil der Tissot-Omega-Gruppe, die sich heute Swatch-Group nennt und zusammen die Quarzkrise überstanden hat.

Doch zurück zu meiner schweizer US-Uhr. In ihr tickt ein ETA-GMT-Werk, das über normalerweise einen kleinen Zusatzzeiger - hier aber die "T2"-Zusatzskala linksseitig auf dem Zifferblatt - eine zweite Zeitzone anzeigen kann. Dabei läuft die T2-Zeitzone nur hinsichtlich der Minutenstellung abhängig von der Hauptzeit. Zeigt die Hauptzeit etwa Viertel-vor-4 Uhr an kann man die T2-Zeit frei auf einen Wert "Viertel vor" irgendeiner Stunde auf der kleinen Skala einstellen. Ob die T2-Zeit dann also 4 Uhr, 16 Uhr, 10 Uhr oder sonst etwas anzeigt bleibt dem Benutzer überlassen. Mit der Krone auf 2 Uhr (verschraubt wie alle drei Kronen) stellt man die T2-Zeitzone im Prinzip genau wie das Datum ein - nur muss man die Krone anders herum drehen. Irgendwelche Fehler wie ein Nachgehen der T2-Zeit im Vergleich zur Hauptzeit, wie ich es bei meiner Alpha kenne, gibt es bei meiner Hamilton nicht. Die Alpha hat in diesem Sinne (und auch wirklich) eine schlechte Kopie des original schweizer Werkes drin.

Die Hamilton wird übrigens meist neu für um die 650 Euro angeboten. Mein Gebrauchtexemplar ist immer noch sehr gut nachtablesbar durch Leuchtziffern. Vorsicht muss man hier walten lassen, denn die Chinesen haben viele Fälschungen der Hamilton auf dem Markt. Mein Original stammt von einem günstigen italienischen Ebay-Händler. Ein Blick aufs Uhrwerk durch den Glasboden durch die Verkäuferfotos und ein Vergleich mit Fotos vom gefälschten Werk (Seagull mit Hamilton-beschrifteter Schwungscheibe) versus echtem ETA-(2893) Werk bestätigte jedoch die Echtheit meines Kaufes, meinem eigenen Adlerblick vertrauend.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind vielleicht die vielen Anzeigen. Die T2-Skala hatten wir ja schon erläutert, sie zeigt bei der Uhr hier im Foto ganz oben also 5 Uhr (deutsche Zeit), während es in Taiwan 11 Uhr vormittags war. Die T2-Skala läuft natürlich im 24h-Modus, also bis 24 Uhr.

Über eine der beiden anderen Kronen kann man unter dem Glas den äußeren 01-12 Stundenring drehen. Hier fehlt nur die 12 selbst, weil hier das Zeitzonenfenster ist und die 11 und 01 sind rot hervorgehoben aus stilistischen Gründen. Der frei drehbare Ring erlaubt eine schnelle Uminterpretierung der normalen Stundenanzeige. Ob man damit eine dritte Zeitzone anzeigt - etwa während einer Zwischenlandung auf einem Flughafen mit eigener Zeitzone - oder die zweite Zeitzone noch einmal verdeutlicht (wie im Foto ganz oben) bleibt dem Benutzer überlassen. Die roten Ziffern (man achte auf die 05 über der 11 ganz oben) sind etwas schlechter abzulesen als die weißen. Beim aktuellen Hamiltonmodell sind aber alle weiß, da entfällt das Problem.


Relativ sinnfrei ist bei der GMT 3 die textuelle Zeitzonenanzeige. Die hat nämlich recht eigenartige Repräsentanten für die Zeitzonen. Puerto Cervo etwa steht für die üblicherweise mit AMS, PARIS oder auch ROM (seltener BERLIN) bezeichnete Zeitzone GMT+1. Man kann sich so etwas schlecht merken, denn auch andere Hafenstädte (es handelt sich immer um solche) sind wenig eingängig. Außer vielleicht "Phuket" für Thailand. Problem ist auch, dass manche Zeitzonen komplett fehlen, die Hongkong - Zone etwa fehlt völlig. Ist aber auch egal, denn diese textuelle Anzeige ist rein zum Spaß und ist weder mit der T2- noch der T3-Anzeige verbunden. Außer, dass man die T3-Anzeige (frei) neu einstellen muss, wenn man die Hafenstadt verstellt und umgekehrt, weil sich die Anzeigen gegenseitig anecken.

Bei den günstigen GMT-Uhren wird oft kritisiert, dass das Umstellen der normalen Zeit auch die T2-Zeitzone verstellt. Das ist in der Tat der Fall und kann im Urlaub bei der schnellen Umstellung der Anzeigezeitzone nerven. Wer das nicht will muss aber offenbar um die 10.000 Euro für eine GMT von Rolex oder Omega oder dergleichen bezahlen. Diese Hersteller haben das original ETA-Werk dahingehend verfeinert, dass die zweite Zeitzone nicht beeinflusst wird beim Stellen der Hauptzeit.

Vorsicht also beim Gebrauchtkauf. Die chinesischen Fälschungen sind erstaunlich oft zu finden. Sie zeichnen sich wohl meist durch ein generisches Kautschukband aus, das nicht wie das Originalband hier schön den Zwischenraum zwischen den Hörnern der Uhr perfekt abdeckt (das Band sitzt beim Original wie hier in den Fotos also abstandsfrei an der Uhr), sondern den üblichen Anstoßspalt lässt. Auch hat das Fälschungsband keine farbige Naht. Beim Original gab es das Band mindestens mit roter und gelber Naht und passenden Ziffern auf dem Zifferblatt.

Sollte ich demnächst wirklich in Manila leben, dann brauche ich die Hamilton für die Reise nicht. Das liegt auch in der HK-Zeitzone.

Weitere Uhrenpostings:


Alpha GMT im Reise- und Wettertest: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

Italo-Albanerin (Breil Milano): http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/faltige-italo-albanerin.html 

Alpha P.O.: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/uhrenarmband-mord-alpha-planet-ocean.html

Orient Blue Mako: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/03/blaues-krokodil-aus-augsburg.html

Nautec GMT: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/01/nautec-gmt-durchwachsenes-update.html

J.Springs "Diver": http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html

Breil Milano Unikat: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/breil-milano-unikat.html

Tissot Seastar Auto-Chrono: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/die-menschen-mussen-gewarnt-werden.html

Gigandet Seaground 2: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/08/uhrenwahnsinn-teil-x-gigandet-sea.html

Zwei "Planet Ocean"-Verschnitte: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html

Donnerstag, Februar 18, 2016

Citizen Ludigel zur Hälfte wieder hergestellt

Meine gebrachte Citizen Eco Drive und ich gingen etwa zur gleichen Zeit kaputt. Mir geht es langsam wieder besser...

Mein Gesundheitszusammenbruch, hier kürzlich im Blog noch mit Rückenbeschwerden in Zusammenhang gebracht, war doch etwas gänzlich anderes, auch wenn manches Detail noch im Dunkeln liegt. Nach endloser Quälerei bei nichtswissenden Ärzten im Tri-Service Hospital in NeiHu, dessen Ärzte buchstäblich herumkicherten, wenn ich meine Symptome schilderte und oft die Symptome verschlimmernde Medikamente mit verheerenden Nebenwirkungen verschrieben hatten, zog ich mich fast schon panisch in eine teure Privatklinik in Taipei zurück. Da zahlt dann die hiesige gesetzliche KV etwas zu, aber das Gros macht das riesige Honorar der Privatklinik (RUENTEX) bzw. des mit ihnen zusammenarbeitenden Chung-Shan-Hospital aus. Während ich ob der keckernden Taiwanärzte, die meine Symptome nicht glauben wollten, schon der Meinung war ein medizinisches Wunder sein zu müssen, war dann in der Privatklinik alles Routine und statt in einem Zeitrahmen von bis zu drei Monaten in nur 6 Tagen erledigt, inklusive OP. Mit meinen 49 Jahren hatten ich einen frühen aber sehr starken Fall des -eigentlichen- Altherrenleidens "gutartige Prostatavergrößerung", so viel sei hier gesagt. "Kann nicht sein", kicherte da der Militärurologe, ich sei zu jung. Und verschrieb Beruhigungstabletten. Deren Nebenwirkungen mich in die Notaufnahme trieben. Trotzdem blieb der Termin für die Ultraschalluntersuchung noch 6 Wochen in der Zukunft, obwohl ich nachts kein Auge mehr zu bekam. Ein Alptraum ausgelöst von offen gesagt idiotischen Ärzten. Welch ein Segen dagegen die Professionalität des Urologen in der RUENTEX-Klinik. Alles Routine. Prostata zu groß, also wird sie verkleinert. Bamm, fertig. Kein Kichern, kein Verschreiben sinnloser und gar gefährlicher Medikamente. Mein Zutrauen in das taiwanische Kassensystem ist nachhaltig erschüttert. Privat zahlen "rules"!

Noch Kopf an Kopf: Alpha GMT und Citizen Promaster Skyhawk mit C652 Kaliber


Doch von der Urologie zur Uhrologie. Meine schöne Citizen Eco Drive Sky Hawk, die es mir gebraucht erworben (2009 hatte sie der Vorbesitzer NEU gekauft, ich erst 2015 von ihm) als Reiseuhr sehr angetan hatte, hat in der selben Zeit einen Totalschaden erlitten, wie es aussieht. Offenbar hatte sie von Anfang an einen schlecht geladenen Akku, der nur noch einen Bruchteil der Kapazität hatte. Denn das Sonnenlicht muss beim Ecodrive ja den Akku oder Kondensator laden. Schließlich hörte sporadisch und dann ganz der untere Drücker auf zu funktionieren und seit dem Totalreset zeigt sie nur noch eigenartige bernsteinfarbende Zeichen im Display an und reagiert auf gar nichts mehr. Die Legende, dass Citizen-Solaruhren bis zu 20 Jahren halten und nicht wie andere Solaruhren schon nach ein paar Jahren mit kaputten Kondensatoren/Akkus ausfallen, ist damit für mich auch erledigt. Mein Zutrauen in den Citizen Eco-Drive ist ebenfalls nachhaltig erschüttert.

 Heißer Tipp für eine wirklich preiswerte Automatik um 100 Euro: Orient Mako hier in Pepsi-Ausführung am Mesh/Milano-Taucherband aus dem Hause Seiko.

Reiseuhr ist damit wieder meine Alpha GMT aus Hong-Kong, die ein Nachbau einer Rolex GMT ist und trotz einiger konstruktiver Nachteile ganz gut läuft. Eine Automatik für etwa 90 US-Dollar, die mit zwei oder gar drei Zeitzonen jonglieren kann hat eben auch ein paar Nachteile.

Dank privat gezahlter OP ist Citizen Ludigel wieder hergestellt und die Reiseuhr aus Hong Kong hat den endgültigen Triumph über die japanische Citizen errungen.

Mehr zum Thema Uhrologie:

Alpha GMT im Reise- und Wettertest: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

Italo-Albanerin (Breil Milano): http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/faltige-italo-albanerin.html 

Alpha P.O.: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/uhrenarmband-mord-alpha-planet-ocean.html

Orient Blue Mako: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/03/blaues-krokodil-aus-augsburg.html

Nautec GMT: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/01/nautec-gmt-durchwachsenes-update.html

J.Springs "Diver": http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html

Breil Milano Unikat: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/breil-milano-unikat.html

Tissot Seastar Auto-Chrono: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/die-menschen-mussen-gewarnt-werden.html

Gigandet Seaground 2: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/08/uhrenwahnsinn-teil-x-gigandet-sea.html

Zwei "Planet Ocean"-Verschnitte: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html




Montag, Januar 04, 2016

Nautec GMT, durchwachsenes Update

WERBUNG
Da nach EU-Richtlinie so ziemlich alles Werbung ist, ist dieser Artikel entsprechend markiert.

Sie wurde wenig getragen und liegt künftig wohl noch tiefer in der Uhrenschublade: deutsch-chinesische Nautec GMT

Die Nautec GMT hat wohl ein deutsches Unternehmen dahinter, das recht formschöne Standardgehäuse in China fertigen lässt und auch chinesische Uhrwerke einschälen lässt. Das Ergebnis waren anfangs oft kritisierte Uhren, denen offenbar öfter mal eine "chinesische Qualität" unterstellt wurde. Mit dem massiven Vertrieb über Shoppingsender in Deutschland soll aber laut Uhrenfreunden die Qualität erheblich zugenommen haben. Und so fand wie berichtet im Mai 2015 auch eine Nautec mit einem (Pseudo-)GMT-Werk mit Automatik und in der ungewöhnlichen Orangemetallic Farbe ihren Einzug in meine Uhrenschublade. Leider zu erhöhten Portokosten aus Deutschland nach Taiwan, weil der private (!) Vorbesitzer mir erst nur den leeren Uhrenkarton schickte und dann die Uhr nachgereicht hat, was zweimal Forwarderkosten verursachte.

http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/shoppingsenderuhr-26-euro.html



Da kann aber die Uhr nichts zu. Das mitgelieferte Metallarmband mit seinen Madenschrauben machte auch erst einen hochwertigen Eindruck. Ließ sich wie viele chinesische Armbänder aber einfach nicht richtig kürzen, denn die verdammten Maden saßen fest - schlimmer als die Made im Speck. Das mag ein leidensfähiger Uhrmacher besser können als ich und ich will auch das der Nautec nicht ankreiden. Kurzerhand kam ein schickes englisches Lederarmband wie im Bild dran und die Nautec und ich wurden zunächst Freunde. Übrigens handelt es sich streng genommen bei der GMT nur um eine Pseudo-GMT. So nennt man Uhren, die zwar einen im 24h-Modus laufenden Zeiger haben, der aber fix an den normalen Stundenzeiger gebunden ist. Sprich wenn es wie im Bild etwa 4 Uhr auf der Normalanzeige ist, kann der 24h-Zeiger nur entweder auf 4 oder 16 Uhr auf der 24h-Skala gedreht werden. Das entspricht der 2 oder wie im Bild der 8 auf der Normalskala. Für die 24h-Skala hat die Uhr einen drehbaren Ring wie oben im Bild, der die 24h-Einteilung hat und bei dem man, wenn der Pfeil auf der Skala auf 12 Uhr stünde, also einfach die 24h-Anzeige der lokalen Zeitzone sehen würde.
Will man aber nun wie oben im Bild eine zweite Zeitzone einstellen, dreht man einfach den "Tauchring" so, dass der 24h-Zeiger die zweite Zeitzonen-Stunde anzeigt, fertig! Ein toll einfaches Konzept.

So schienen die Nautec und ich auch Freunde zu werden, jedoch trübten zwei Dinge schnell unsere Freundschaft und die Handgelenkzeit des Nautec-Tickers:

a) Der Tauchring dreht sich so leicht, dass man sich laufend die eingestellte zweite Zeitzone wieder verstellt. Fehlschlag als Reiseuhr!

b) Obwohl ich die verschraubte Krone der immerhin mit 300m-Wasserdichtigkeit angegeben Uhr immer fest zugedreht habe, sorgte im Sommer die Klimaanlage meines Autos (linkes Handgelenk nicht allzu weit vom Auslass entfernt) für eine leichte Vernebelung des Glases von innen, die zwar nicht dramatisch ist, aber Zweifel an der Dichtigkeit aufkommen lässt. Und nicht so besonders schön aussieht.

Wäre ich öfter in Deutschland würde sie sicher wieder zum noch geringeren Preis in der Bucht verschwinden, aber so fristet sie ihr Dasein in der Uhrenschublade. Als Mahnung, doch nicht zu sehr dem billigen Glimmer beim Uhrenkauf zu verfallen. Zur Genauigkeit kann ich daher nicht mal viel sagen, weil sie wenig am Arm war. Sie lief anfangs mit den üblichen +15 Sekunden pro Tag, aber chinesische Laufwerke pflegen eigentlich schnell ihr Gangverhalten Richtung +1 Min/24h zu verändern nach meiner Erfahrung. Getestet habe ich das jedoch nicht mehr und wir wollen von der tief tauchenden Uhr natürlich nur Gutes annehmen.

Ähnlicher Artikel:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/08/uhrenwahnsinn-teil-x-gigandet-sea.html

Freitag, Mai 15, 2015

Shoppingsenderuhr, 26 Euro

WERBUNG*

Mal wieder Zeit für eine Uhrenvorstellung. Neuzugang "Nautec GMT" vom deutschen Ebay gebraucht und fast neuwertig erstanden. Alle hier vorgestellten Uhren sind Automatiken, laufen also durch die Bewegung am Arm per Schwungscheibe ohne Batterie

* Neuesten EU-Richtlinen entsprechend kennzeichne ich jedwede Produktbesprechung als Werbung, auch wenn ich das Produkt kritisch bespreche, um Abmahnungen von einschl. Vereinen zu vermeiden.

Die Marke Nautec, die sich mit dem Beinamen "No Limit"*** schmückt, soll von deutschen Shoppingsendern vertrieben werden. Während anfangs die Qualität laut diverser von mir im Netz aufgefundenen Kundenmeinungen sehr durchwachsen zu sein schien, wird den Uhren in der letzten Zeit durchaus vernünftige Qualität zugesprochen, wohl ausgelöst durch höhere Stückzahlen und eben die Partnerschaft von Nautec mit einschlägigen deutschen Shoppingsendern. Nautec ist offenbar eine der zahlreichen "deutschnesischen" Uhrenmarken. Will sagen ein Deutscher oder ein kleines deutsches Unternehmen bestellt massenhaft Uhren in China und lässt diese mit eigenem Markennamen versehen. Oder eben nach eigenen Wünschen anfertigen. Es gibt da viele Standardmodelle, die in horrend schlechter Qualität von chinesischen Fabriken ausgestoßen und dann in Deutschland meist bei Ebay und Amazon unter wechselnden Markennamen angeboten werden. Die besseren Marken, wie offenbar Nautec, können jedoch entweder über die Stückzahl eine bessere Qualität durchsetzen oder arbeiten die Uhren nach. So kann man durchaus gutes "deutschnesisches" erstehen, auch wenn meiner Meinung nach die besten dieser Uhren mit japanischen Uhrwerken wie dem Miyota 8215 versehen sind. Weil made-in-Japan - Uhrwerke eben um Klassen besser sind als einfache chinesische Uhrwerke.


Meine eigene Uhr erstand ich für nur 26 Euro leicht gebraucht vom deutschen Ebay. Auch wenn noch einmal das selbe an Versandkosten nach Taiwan dazu kam (u.a. weil der Verkäufer Uhrenbox und Uhr getrennt geschickt hatte), ist das sicher nicht viel Geld für eine Uhr. Herstellungskosten chinesischer Uhren belaufen sich oft nur auf 4 US-Dollar pro Uhr oder weniger, daher sollte man nicht zu viel anlegen für einen im Grund genommen volksrepublikanischen Ticker.
Zu richtigen Uhrenfotos bin ich nicht gekommen, ein paar schnelle Schüsse vom Handgelenk müssen reichen. Die Fraktion der Freunde haarloser Arme muss sich daher heute wieder ein neues Blog suchen, ich bitte um Nachsicht. Immerhin habe ich keine Tatoos auf dem Arm, könnte also auch schlimmer kommen.


Die Nautec GMT wie im Bild gibt es u.a. mit schwarzem und blauem Zifferblatt und gleichfarbigem Tauchring, außerdem mit rot-blau geteiltem Tauchring (die sog. Pepsi-Variante in Uhrenfreaksprache), wohl auch noch mit schwarz-rotem Tauchring (die sog. Coke-Variante). Und eben in Orangemetallik, eine Farbgebung, die der Omega Planet Ocean entlehnt ist. Das Gehäuse der Nautec GMT ist jedoch ähnlich dem großen Vorbild Rolex GMT (die quasi zu einem Industrie-Designstandard geworden ist), auch wenn das Gehäuse dank massiger Formgebung etwas Eigenständigkeit hat. Insbesondere in der ungewöhnlichen orangen Farbe wirkt sie eigenständig und weit vom Rolexdesign entfernt. Geliefert wird sie mit einem wertig wirkenden Metallband, das allerdings sog. Madenschrauben zur Gliederbefestigung verwendet (nicht an der Uhr selbst, sondern für die Bandglieder untereinander). Bei 27 Grad im Schatten wollten die Maden partout nicht aus ihren Löchern kommen und da ich sowieso hinreichend viele Uhren am Metallband habe (u.a. den Omega Planet Ocean-Klon von Alpha) entschied ich mich kurzerhand das Metallarmband tief in der Uhrenkiste verschwinden zu lassen und ein aus England geschicktes Lederband zu montieren, das im Bild zu sehen ist. Das wertige Band ist ähnlich teuer wie der von mir bezahlte Uhrenpreis und lässt den Glimmer des Tauchrings sehr viel poppiger hervortreten als das beim original Stahlband der Fall gewesen wäre.

Hier ist es 15.47 in Taiwan und 9.47 in Deutschland. Bei gerader Draufsicht auf das Zifferblatt statt schrägem Seitenblick sähe man, dass der 2.Zeitzonenzeiger kurz vor der 10 steht, wie es auch richtig ist. Die versetzte Einstellung des Tauchrings mit der 24h/GMT-Sala kompensiert ein leichtes Versetztsein des 24-Zeigers bei meiner Ablesung. Aber das kann sich jeder hindrehen wie er will.
Das Datum ist unter der Lupe gut ablesbar (hier nicht zu erkennen im Foto).


Technisch gesehen verspricht die Nautec GMT Saphirglas und 300 Meter Wasserdichte, will sagen sie soll zum Tauchen geeignet sein. Uhrenfreunde im Uhrforum sprachen zwar von zu dünnem Saphirglas um damit wirklich tauchen zu können (eine Preisfrage, denn das kratzfreie Saphir ist teuer), aber ich kann die Stärke des Glases nicht verifizieren und tauche ja auch nicht mit der Uhr. Ein spanischer Onlinehändler bei Ebay verkauft die Pepsivariante der Uhr oft für etwas über 50 Euro neu, sicher nicht zu viel für eine Saphirglas-GMT mit Edelstahlgehäuse. Übrigens ist die Uhr eine "unechte GMT" (GMT steht bei Uhren für eine zweite Zeitzone). Das heißt der 2.Zeitzonen-Zeiger ist eigentlich nur ein 24h-Zeiger, der der 24h-Beschriftung auf dem Tauchring folgt. Im Normalfall hat man den bei "24" angesiedelten Pfeil auf der 12 der Uhr und so kann man dann überflüssigerweise mittels des roten Zusatzzeigers (mit weißer Spitze) ablesen, ob es gerade 16 Uhr oder 4 Uhr morgens ist, wenn der normale Stundenzeiger auf der 4 steht. Will man nun eine zweite Zeitzone anzeigen, dann muss man den Tauchring verstellen, bis der 24h-Zeiger auf der gewünschten Uhrzeit der zweiten Zone steht. Hier im obigen Bild ist der Drehring so verstellt, dass der zweite Zeitzonenzeiger die deutsche Zeit GMT+1 anzeigt, während die Uhr sonst die taiwanischer Zeitzone GMT+8 anzeigt. Durch Sommerzeit in Deutschland ergibt sich derzeit aber nur eine Differenz von 6 Stunden, daher steht der Tauchring eben so wie er steht.
Der 24h-Zeiger folgt also bei Zeigerverstellen immer dem normalen Stundenzeiger und lässt sich nicht unabhängig einstellen. Im Gegensatz zu meiner Alpha GMT (siehe hier) läuft der "GMT-Zeiger" bei der Nautec übrigens konstant, will sagen weder zu schnell noch zu langsam im Vergleich zur Normalzeit. Das ist angenehm, weil ich dann nicht alle paar Tage die zweite Zeitzone nachregeln muss, wie das etwa bei der Alpha GMT der Fall ist. Vielleicht läuft der 2.-Zeitzonenzeiger der Nautec etwas versetzt zur Normalzeit (wie auch bei der Alpha GMT), aber das kann man durch ein leichtes Verstellen des Tauchrings kompensieren. Wichtig ist, dass die Anzeige konstant läuft, was ja auch der Fall ist bei der Nautec, während bei der Alpha die Zeitdifferenz zur Normalzeit zunimmt.

Alpha "P.O." zum Designvergleich. So etwa sieht eine echte Omega Planet Ocean auch aus.

Interessant ist es einmal, die drei Chinesinnen Alpha P.O. (oben, etwa 90 US-Dollar), Alpha GMT (unten, etwa 90 US-Dollar) und die Nautec GMT "unter der Haube" gegenüber zu stellen und im Praxistest zu vergleichen. Da ich kein Uhrenaufmacher bin muss sich der Vergleich freilich auf Worte beschränken.

Und noch eine Hongkong-Hommage, die Alpha GMT, extrem nah am Design der Rolex GMT, so nah wie es irgend geht

Die Alpha GMT mit ihrem echten GMT-Werk, bei dem der Nachteil ist, dass ein Verstellen des Stundenzeigers den eigentlich unabhängigen GMT-Zeiger mitverstellt, hat ein Werk des chin. Uhrenherstellers Shanghai unter der Haube, allerdings in B-Qualität. Das heißt, dass hier u.U. gebrauchte und schon mal reparierte Werke zum Einsatz kommen, die einem aufmachenden Uhrmacher schon mal leichte Verschmutzung inklusive Haare zeigten, wie ich im Netz gefunden habe. Und das bei einer fabrikneuen Uhr. Aber der Vorteil ist, dass solche Werke vielleicht schon mal durch die Finger eines Uhrmachers irgendwo in China gegangen sind und vielleicht gar nicht mal schlecht laufen. Meines läuft mit 15 Sekunden Vorlauf am Tag - normal für eine Unter-500-Euro - Automatikuhr. Gehäuse und Armband (sehr scharfkantig!) haben aber durch schelchte Verarbeitung genervt und Nacharbeitung u.a. mit Pattex erfordert - zur Wiederbefestigung der Pepsiskala.

Die Alpha P.O. in Orange hingegen hat wie die gleichfarbige Nautec ein Seagullwerk, möglicherweise das ST-6, wie man immer wieder liest. Das hat keine GMT-Funktion und läuft bei mir mit bis zu 55 Sekunden Vorlauf am Tag - hier müsste ein Uhrmacher mal eine Feineinstellung vornehmen. Bei der Alpha P.O. war das Armband eine Strafe, es ließ sich nur mit armbandbeschädigender Brachialgewalt verkürzen (Stifte saßen teilweise fest, auch der Armbandverkürzer hier in Taipei verzweifelte), sonst ist die "P.O." aber sehr gut verarbeitet. Beide Alphas haben aber nur Mineralglas und sind nur mit 30m bzw. 50m Wasserresistenz angegeben. 
Übrigens basieren sowohl das unechte GMT-Werk der Nautec (Seagull, Bezeichnung ist mir unbekannt) wie auch das echte GMT-Werk der Alpha auf einem älteren schweizer ETA Original-GMT-Werk, das natürlich um Klassen besser ist.

Nachteil der Nautec: Der Tauchring verstellt sich leicht, so dass die 2. Zeitzone dann evtl. verstellt wird.

Was die Nachtablesbarkeit angeht, so hat die Nautec die beste (grüne) Floureszierung, die beiden Alpha sind da eher leidlich, aber auch noch ablesbar. Wie genau die Nautec laufen wird ist noch nicht abzusehen, da sich Uhren immer erst einlaufen. Derzeit läuft sie auch mit etwa +15 Sek. pro Tag, man wird sehen. Verschraubte Kronen, wie sich das für echte oder Möchtegern-Taucheruhren gehört, haben übrigens alle der drei Uhren hier.

In Sachen Verarbeitung ist die Nautec gleichauf mit der Alpha P.O, kombiniert mit Ganggenauigkeit ist sie die beste der drei Chinesinnen. Als Referenz für die Preisklasse möchte ich die Gigandet Seaground 2 ins Feld führen. Da ist auch ein deutsches Unternehmen dahinter, das die Uhren in China mit dem erwähnten Miyotawerk bestücken lässt und im Netz zwischen 130 und bis zu über 500 Euro dafür verlangt - ich selbst habe 70 bei einer Auktion von einem anderen Anbieter bezahlt. Die Gigandet ist von der Verarbeitung her die hochwertigste (Band und Uhr problemlos) und hat eben ein japanisches Innenleben, wenn auch ohne GMT. 

 Gigandet Seaground 2 (hier im ungewöhnlichen Grün), eine der zahlreichen Rolex-Submariner Hommagen mit einer gewissen Eigenständigkeit im Auftritt

Die wohl beste Alternative unter den günstigen Uhren ist meiner Meinung nach die Orient Deep-Reihe aus dem Seiko-Konzern, unten in der Pepsivariante zu sehen. Für etwa 110-130 Euro hat sie ein gutes einfaches Automatikwerk (nicht schlechter als das Miyota) und eine solide Verarbeitung und ein eigenständiges, leicht retro-wirkendes Äußeres, Mineralglas und 200 Meter Wasserdichte nebst verschraubter Krone - Bild unten neben der Gigandet. Und alles Made in Japan bei Orient.

Rechts: Orient Deep "Pepsi" mit fremdem australischen Mesh/Milanaise-Armband

*** "No limits" hingegen (mit zusätzlichem S dran) ist ein Beiname des renommierten italienischen Uhrenherstellers Sector.

Update 2019: Die Nautec von oben hat bereits seit langer Zeit Feuchtigkeitsbeschlag im Inneren, obwohl sie immer zugeschraubt war über die Schraubkrone und wird wohl demnächst entsorgt. Oder kommt doch mal zum hiesigen Batteriewechsel zum Trockenlegen. Mal schauen. Die Gigandet ist einfach aus Gründen der Sammlungsverkleinerung verkauft. Die schicke Orient sollte das selbe Schicksal erleiden, allerdings hat ein entfernter Verwandter erboten, sie zu übernehmen. Und sie dann nie bezahlt, der nichtsnutzige $§§&%$§#. Never mind. Den beiden Alphas geht es immer noch gut, auch wenn ich das katastrophale Metallband der GMT gegen ein Lederband getauscht habe.