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Dienstag, Februar 03, 2015

Stilvolle Firmenfeier

Jedenfalls wenn (ein) "Sti(e)l" das ist, was sich vom Mund auf den Boden ergießt beim Übergeben. 

Wieder mal war die "Jahresendfeier" in meiner Frima. Auf das Posten der Fotos von Showgirls (mit Bunny-Ohren) will ich einstweilen verzichten, auch wenn es vielleicht interessant wäre, weil es den kulturellen Unterschied zu Mitteleuropa verdeutlicht. Welches große deutsche Unternehmen könnte sich heute noch leicht geschürzte Bunnies als Feier-Hostessen leisten, von wegen Respektierung von weiblichen Angestellten etc.? Aber in Taiwan sieht man das anders, was ja auch wieder das gute Recht der Taiwaner ist. Dass die Frauenemanzipation noch ein Schrittchen zu gehen hat in Taiwan sieht man dann freilich an anderen Dingen. Gegen sexuelle Belästigung unternimmt man in Taiwan fortschreitend etwas, aber es gibt immer noch Nachholbedarf. Leider trug es sich zu, dass meine Frau von einem Kollegen belästigt worden ist und einen männlichen Kollegen zu Hilfe rufen musste. Auch wenn sie das nicht übel nimmt, weil sie eigentlich ein gutes Verhältnis zu diesem Herrn hat und er sturzbetrunken war. Trotzdem ein peinlicher Vorfall, auch gerade für mich, weil ich nämlich vor lauter lange Weile gerade damit beschäftigt war entweder die nicht unbekannte "Showmasterin" (das Sternchen Janet Hsieh), bekannt aus dem Fernsehfunk in Taiwan oder die anschließend singende Rockröhre (wegen Andrangs nicht-) oder eben die Showgirls zwecks interkultureller Studien zu fotografieren.
Nun gehen die Taiwaner auf diesen Feiern traditionell mit Alkohol herum und stoßen "Danke für die Zusammenarbeit"-sagend an, wobei die Leutchen alle möglichen Stadien der Trunkenheit erreichen. Da sie sonst dabei sind, massenweise gibberigen Seafood in sich rein zu stopfen und diese enorm gehaltvolle Suppe, bei der ein Huhn stundenlang gnadenlos ausgekocht wurde, bis auch die letzte Salmonelle in die Brühe gewandert ist, pflegen sich viele noch während der Feier offen gestanden voll zu kotzen. Mir ist noch von letztem Jahr im Gedächtnis, wie ein eigentlich sehr netter Kollege meiner Frau die Hand schüttelte und sie gleichzeitig freundlich lächelnd mit seinem Mageninhalt versah an der Jacke. Ein merkwürdiges Bild.

Ich habe mich dieses Jahr nur mit ein paar Gläsern "Chile late harvest" vergnügt und die sofort einsetzenden Kopfschmerzen des sehr süßen Weines genossen. Wie ein Eiswein, nur ohne den Spaß (aka die enorme Blume eines Eisweins) dabei. Vom Lycheelikör probierte ich ein Schlückchen und konnte mich nicht entscheiden, ob er eher wie Brennspiritus oder wie Industriealkohol schmeckte. Da ist den Taiwanern sicher wieder so ein Package-Deal in den Sinn gekommen. Geschäftssinn haben sie ja. Wer drei Flaschen kauft, kriegt einen weißen Stock dazu. Ab einer Kiste gibt es einen Blindenhund im Bundle.

Mein griesgrämiger Gesichtsausdruck hielt dann wohl auch die Kollegen davon ab mich dieses Jahr zum "Wettrinken" aufzufordern wie die Jahre davor. Unterdessen waren die Kollegen damit beschäftigt, alle Alkoholika von Famous Goose über Bailey's Cream bis hin zum Wein in einen großen Kunstoffkanister zu kippen und dann unzeremoniell in sich rein zu schütten. Was Alkohol angeht, da werden die Taiwaner so richtig zu Genießern.

Stielvoller (sic) Alkoholgenuss in Taiwan, jedes Jahr wieder ein Erlebnis. Und alles kein Grund zur Aufregung, alles taiwannormal, da sind meine Frau und ich uns einig.

Freitag, August 30, 2013

Fast Geschäftsräume gehabt

Neue Episode in der Serie "Die Rente sichern - auf die FDP Art". Will sagen durch Betriebsgründung, statt sich auf staatliche Rentenkassen zu versichern. Ludigel und Frau versuchen sich als Unternehmer. 
Letzter Teil der großen Saga im Taiwanblog: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/08/ex-familienbetrieb-tratsch-und-klatsch.html 


Wie bereits berichtet, war ja der erste Test der Gründung eines Betriebes von Frau, mir und drei weiteren Investoren eine eigentlich gelungene Sache. Das Unternehmen, dessen genaue Natur aus Gründen der "Google-Transitivität" (das hat nichts mit Netzstrümpfen oder der Rocky Horror Picture Show zu tun) hier verschwiegen werden soll, hatte schwarze Zahlen geschrieben, allerdings nur ganz kleine und war am Ende von einer der Parteien in einer wilden Piratenaktion allein übernommen worden.

Frau und ich machen uns derweil an die Gründung einer neuen Filiale, wie das Anfang an geplant war. Diesmal soll der Geschäftsführer nicht gleichzeitig auch Teilhaber sein, um eine Wiederholung der Freibeuterei beim letzten Mal zu vermeiden. Schnell waren neue Geschäftsräume gefunden. Ein schon in unserem Geschäftsfeld existierender Betrieb hatte gut eingerichtete Büroräume nebst Werkstatt hinterlassen und schon vor einiger Zeit zu gemacht. "Wegen Streits der Betreiber" sagte die Dame, die uns herum führte. Alles sah so aus, als ob es gerade vor ein paar Tagen aus dem laufenden Betrieb heraus geschlossen worden war. Werkstoffe lagen herum und Preiskärtchen lagen im großen Verkaufsraum. Schnell fiel mir auf, dass auch dieser Betrieb das extrem niedrige Preisniveau des letzten Betriebes hatte. Kein so gutes Omen. Und vielleicht hatte der in einer eher billig wirkenden Gegend (will sagen recht nahe an meinem Wohnviertel ;-) gelegene Betrieb ja aus Kundenmangel zugemacht. Es gab einen großen ausgebauten Keller, der als zusätzliche Büro- und Verkaufsfläche eingerichtet worden war, allerdings nie genutzt worden ist und muffig roch und renovierungsbedürftig war. Die vielen leeren Kellerräume mit teuren Klimaanlagen versehen ließen mich daran denken, hier einzuziehen, wenn meine Wohnung im nächsten Jahr vertraglich ausläuft. So hätte ich dann eine neue feindliche Übernahme des Betriebes verhindern können, säbelschwingend aus dem Keller kommend, einen Dreispitz tragend und einen verräterischen Geschäftsführer mit dem Ruf "Avast Mi Harties!" (Piratenruf in Kinderfilmen) auf der Säbelspitze "über die Planke"schicken können. Wäre wirklich gegangen, das mit der Planke. Die Geschäftsräume waren über ein paar Treppenstufen zu erreichen, vor denen gleich die Toyotas brausten. Einen Bürgersteig gibt es ja bei uns in der Gegend meist nicht, so weit sind wir noch nicht in "5000 Jahren Kultur", die die Einheimischen immer mal wieder gerne in einem Nebensatz erwähnen.

Etwa hätte man die Toilettentür als Planke verwenden können und dann einen freibeuterischen Geschäftsführer mit verbundenen Augen in den Verkehr werfen können. Sorgfältige Planung ist wichtig bei unternehmerischen Abenteuern und so war von meiner Seite her alles schon vorbereitet. Ebay hätte sicher ein paar alte Säbel und Dreispitze gehabt; "für Nostalgiker, von Opa, der Seefahrer war".

So plante ich vor mich hin und bereitete meine neue Unternehmerphase vor. Da kam die Ernüchterung. "Gott hat nein gesagt zum Betrieb", verkündete meine Frau. Gemeint war in diesem Fall der Gott, den die zwei verhärmten alten Frauen im Garagentempel anbeten und interpretieren, den meine Schwiegermutter regelmäßig mit dicken Geldbündeln in der Tasche aufsucht. Also nicht der allmächtige Herrscher des Universums (männlich), mit dem Sie vermutlich vertraut sind. "Warum hat der Gott das gesagt?" fragte ich meine Frau. "Zu abgelegene Straße, zu wenig Verkehr", antwortete sie, das wiedergebend, was die beiden Tempelpriesterinnen gesagt hatten was die Göttin (jawohl, eine weibliche Gottheit!) gesagt habe.

Hmmm.... hat sie auch wieder Recht, die Göttin. Die im Tempel, nicht meine Frau. Die natürlich auch.

Donnerstag, Oktober 04, 2012

Berge, Blüten und (Mango-)Bier

Großraum Taipei oder irgendwo da in der Nähe im September 2012. Ludigel steht wieder mal irgendwo in den Bergen bei Taipei, genauer genommen "Tucheng" und hat keine Ahnung wie er da hin gekommen ist. Ist nur den gekeif... gesäuselten Anweisungen seiner Frau gefolgt wie immer und schwupps in den Bergen von Tucheng gelandet.

Dichter auffahren! Halt mehr Abstand! Fahr mehr links! Fahr mehr rechts! Schneller! Langsamer! Was dauert das denn so lange? Was fährst Du denn so schnell?

So kommen die Fahranweisungen manchmal im Sekundentakt. Selber fährt sie ja schon länger nicht mehr Auto, da braucht sie sie Ersatzleistung irgendwie. Unser "Witness"-Blackbox-Kamerasystem zeichnet das alles auf, aber veröffentlichen kann ich das nicht. "3 Stunden verkehrstechnische Anweisungen meiner Frau mit Videos von Taiwans Straßen", na ein Bestseller würde der Film wohl nicht werden.

Handwaschbecken in der privaten Grillanlage. So eine Mischung aus Park, Freibad und Biergarten irgendwie. Man muss einen Unterstandplatz vorher buchen und darf dann dort grillen. Irgendwo in den Bergen.

Meine Frau als Teamleiterin war auch die Organisatorin dieser 50-Mann/Xiaojie-Feier und das von ihr erdachte Anwesenheitsgeld von 500 NT hatte schon bei der letzten Feier für rege Teilnahme gesorgt, diesmal gab es stattdessen einen 1000 NT-Kostenbeitrag der Firma pro Nase. Wieder blieben keine Stühle unbesetzt, auch wenn das Bild hier gegenteiliges vermuten ließe.

 Die Ruhe war für Taiwan schon ein bisschen unheimlich, da beruhigte es richtig, dass direkt hinter meinem Rücken öfter mal ein Inspektionsmoped der Betriebergastronomie entlang knatterte.


Meine Aufgabe war es von allen Teilnehmern Aufnahmen zu machen, die sie in eindeutig grillverrichtender Pose zeigte, schließlich sind 1000 Taiwandollar kein Pappenstil und so machte ich unermütlich Fotos von Taiwanern in V-Siegerpose, wie man hier eben so für Fotos posiert. Gewonnen haben sie über Grillfisch, Grillfleisch und Grillblüten und Grill-Marshmellows. Erstmals gab es auch einer unserer Grillfeiern auch Alkoholika, ich tröstete mich mit den drei Blechkameraden hier im Bild über das Fehlen von Grillsaucen und Salaten hinweg. Mangobier schmeckt gar nicht schlecht, das Ananasbier ist freilich gewöhnungsbedürftig und Passionsbier klingt schon fast nach einer verbotenen Leidenschaft.

Seltene Edelrot-Blüte in den tuchenger Hochalpen.


Augelassener Badespaß, auch ich war im Wasser. Als die Kollegen mich in der Badehose erblickten, erkundigten sich einige Damen sorgenvoll bei meiner Frau, ob ich denn eine Freundin hätte oder mir eine "La Mei", einen "heißen Feger" anlachen wollte. Schließlich konnte jetzt jeder das Ergebnis meiner Diät sehen, die ich seit einiger Zeit halte: sage und schreibe 9 Kilo sind mittlerweile runter. Ich löse mich sozusagen auf, werde aber rechtzeitig aufhören vor dem Nirwana. Nach einer zweiten Taiwanerin steht mir natürlich nicht der Sinn, man kann schließlich nur einen Drachen gleichzeitig bändigen oder wenigstens bei ihm im Sattel bleiben.

Auf dem Teller wird die gebratene grüne Blüte von den Blütenblättern befreit und schmeckt dann... gar nicht mal so schlecht, wie man denken würde. Irgendwie wie ein süßer Pilz, mit der Konsistenz von Marshmellows. Das es dann wirklich anschließließend Marshmellows gab war ziemlich verwirrend. Hier wird leckerer Pilz zum pilzigen Blütenfleisch gereicht. Ein Pils noch dazu hätte sicher auch gepasst. Äh.... never mind.

Romantische Bergwelt..... (wirklich so aufgefunden die Blätter...)

Unberührte Natur. Nur dass einem überall Kabel ins Bild hängen (oben).