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Montag, September 05, 2011

Mehr Taiwan Straßen-Horror

Quelle z.T. wieder: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=75&t=102048&start=70

Die Kunst in Taiwan Auto zu fahren besteht im wesentlichen darin, dass völlig anarchistische Fahren der Mopeds vorher zu sehen, die am rechten Fahrbahnrand fahren sollen nach den Regeln, aber sich etwa zum Linksabbiegen immer wieder sans Gucken in den Verkehr einfädeln. Vor PKWs, LKWs etc. Vielleicht sehen sie es auch und verlangen, dass die Fahrzeuge Vollbremsungen machen. Früher mal hatten wir hier ein Video von einen 38tonner, der so eine Mopedfahrerin überrollte. Hier nicht ganz so schlimm:
http://www.liveleak.com/view?i=2b5_1314968698

Oder ist der Autofahrer schuld?

Da wird einem schlecht: Mit dem Moped durch Taiwan, mit installierter Kamera. Nichts dramatisches passiert, aber man kriegt einen Eindruck: http://www.youtube.com/watch?v=i4sFGaIrK9I&feature=related

Selbst habe ich mal gesehen, wie nach einer Mopedkollision, die garnicht so schlimm war, ein behelmter Mopedfahrer seinen regungslosen behelmten Kontrahenten mit dem Kopf immer wieder auf den Bordstein schlug. Mit ganzer Kraft, es knallte ordentlich. Ein Pulk von 50 im Stau stehenden Einheimischen drum herum, ich ging ungerührt direkt dran vorbei (war ja auf dem rudimentären Bürgersteig) und hätte fast noch freundlich gegrüßt. Ja ja, ich habe nicht eingegriffen. Mann, mein letztes Seidenhemd angehabt. War nur schnell vom Frimenessen ausgebüchst, um mir einen Burger zu holen (verdammter Seefood, sollen sie doch allein essen), da würde es sich schlecht machen, wenn man anschließend vom Polizeirevier abgeholt werden muss (und anschließend von beiden Unfallbeteiligten als "wahrer Verursacher des Unfalls" verklagt wird, wie das bei Einmischung landestypisch wäre). 

Taiwaner beherrschen die Kunst, mit dem Moped auf der Seite liegend zu fahren. Nur mit dem Lenken wird es schwierig: http://www.youtube.com/watch?v=t2untkBgC0g&NR=1

Wieder Taiwan, diesmal Moped richtig rum, aber Kurve geschnitten: http://www.youtube.com/watch?v=n0GyjTnhjEg&feature=related Sie schneiden immer und überall, kommen von überall und nirgends.




Samstag, Juli 16, 2011

Super-Nerd greift Ausländer an

Irgendwie gaga und trotzdem nicht ganz in den Taiwahnsinn passend. Ein nerdiger Teenager im Tarnhemd greift einen Ausländer mit seinem Comicheft (!) an, reist es zum Schluss in zwei um ihn beidhändig damit attackieren zu können. Dem körperlich weit überlegenen Ausländer, dem nur die Flucht bleibt (wer will bei der ausländersensitiven taiwanischen Presse schon Schlagzeilen wie "Ausländer greift taiwanischen Teenager auf offener Straße an" haben), gelingt es ein Foto vom Angreifer zu schießen, das sofort im Ausländerforum Forumosa.com einen Hype auslöst, Ninja-Fotomontagen inklusive. Der Ausländer blieb bis auf einige Kratzer unverletzt und flüchtete in eine beschrankte Hochbahnstation.
Solche Vorkommnisse sind in Taiwan extrem selten, weil hier westliche Ausländer sehr freundlich aufgenommen werden. Gut, ich hatte die letzten zwei Wochen schon einen tatschenden und grummelden Müllmann (http://bobhonest.blogspot.com/2011/07/ludigel-und-die-fahrstulnauten.html) und einen wilden Nudelmann (http://bobhonest.blogspot.com/2011/07/wenn-der-nudelmann-zweimalt-brummelt.html). Auch ein Grund, wieso ich Taipei nicht so mag, so ein Zeug passiert einem immer nur hier.

Gacker, wer weiß was in den Comicbüchern derzeit drin steht. Ich erinnere mich noch, als mir zweimal Teenager auf offener Straße (wieder in Taipei) hinterher gelaufen sind und "Laowai, Laowai" gerufen haben. Da hatten sie einen idiotischen Werbespot im Fernsehen gehabt, in dem Teenager hinter Steinzeitmenschen hergelaufen sind und genau das gerufen haben. "Laowai" ist ein milder Spottausdruck für .... "Ausländer".

Also Vorsicht vor bebrillten, nerdigen Kids mit Comicheften in der Hand, gacker....

Quelle:
http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=100700&start=20

Mittwoch, Juli 13, 2011

Ludigel und die Fahrstulnauten

Nicht Odysseus und die Argonatuen also. Jedenfalls kam ich gestern von der Arbeit nach Hause und schlappte wieder missmutig rüber zu Schwiegermutters Wohnung, anstatt mich in unserem noch in unserem Besitz befindlichen Reihenhaus auszuruhen - weil ich jeden Abend ins in der Nähe von Schwiegermutter befindliche Krankenhaus rüberlaufe - da erwischt mich noch vor dem Zugehen der Fahrstuhltüre ein Mitfahrer. Rotes T-Shirt und Jeans springt er noch durch die schließende Türe und drückt den Knopf für die vierte, während ich in die dritte Etage fahre. Nicht weiter dramatisch das Ganze. Allerdings merkte ich sofort am Geruch, dass mein Mitfahrer nicht ganz der typische Mittelklässler mit Militärvergangenheit war, der hier in Schwiegermutters Wohnblock sonst lebt (die Wohblocks im Viertel sind für Militärveteranen, passend zum Militärkrankenhaus in der Nähe), sondern eher ein Handwerker. Man merkt das sofort am Geruch, denn die Arbeiterklasse in Taiwan kaut fast immer Betelnüsse. Diese werden von leicht bekleideten Damen in Glaskästen überall in Taiwan zusammengebaut (die grüne Nuss wird mit irgendeiner weißen Paste gefüllt) und die Herren kaufen sie dann, indem sie ihren LKW oder aufgemotzten alten Mitsubishi Lancer neben den Glaskästen anhalten - man kann sich dann an klackenden hohen Absätzen, fliegenden kurzen Röcken und dem Blick in den Ausschnitt erfreuen - so wurde mir gesagt (LINK). Jedenfalls hat die Betelnuss eine betäubende Wirkung, sorgt daher für eine schwere Zunge beim Sprechen und manchmal sogar entgleisende Gesichtszüge, färbt Zunge und Lippen ganz rot ein und sorgt leider auch für einen speicheligen-schwersüßen Geruch in einer Ausdehnung mit etwa 6m Querschnitt um den Kauer herum.

Taiwankunde für Anfänger: 
If Latex then Computex-Showgirl
Else if Glaskasten in der Nähe then Betelnuss-Braut*
Else Standard-Xiaojie


Draußen stand ein LKW, der immer den Hausmüll abholt - fein säuberlich alles sortiert in Plastikflaschen, Pappwaren und Sonstiges, also teilte ich die Odyssee in den dritten Stock mit dem Müllunternehmer. No problemo, ich war ja auch mal Gebrauchtwagenhändler für ein paar Wochen (gacker) und habe sogar mal den Pinsel wochenweise geschwungen.
Allerdings gab der Müllbeauftragte nun irgendwelche Grunzlaute von sich und tatschte mich an der Schulter an. Keine Anhnung warum, Grunzen auf Mandarinchinesisch finde ich ähnlich schwer zu entschlüsseln wie das auf Hochdeutsch. Ich gab ihm durch recht deutliche Handzeichen und das Wörtchen "Stop!" zu verstehen, dass er mich nicht antatschen soll. Dabei blickte ich in ein kreisrundes Gesicht, dessen untere Partie fast wie ein nasser Sack - oder wie nach mehreren Spritzen von Zahnarzt - herunter hing. Dazu Schmatzen und Kauen, mein Fahrstuhlgenosse schien zu den Betelnuss-Usern im letzten Stadium zu gehören. Er guckte mich aus weitaufgerissenen Augen an, knallroter Kopf und fing dann an zu lachen. Gottseidank ohne Speichelflug.

Erstaunlich eigentlich, wie lange so eine Fahrstuhlfahrt zwei Stockwerke hoch dauern kann. Jedenfalls fing ich dann auch an zu gackern, denn dies kreisrunde puderrote Gesicht und sein Brumm-Getatsche hatten schon einen gewissen komischen Wert. Kopfschüttelnd und schmunzelnd stieg ich schließich im Dritten Stock aus und war noch einen Blick auf den Müllspezialisten, der auch den Kopf schüttelte und dabei wieder Brummtöne von sich gab.

Manchmal denke ich, wenn irgendwann Ufos landen und irgendwelche grünen Wesen mit Antennten aussteigen - die Begegnung wird dann wohl ähnlich ablaufen.


Ein solcher Vorfall wie hier ist ausgesprochen selten in Taiwan, kann einem aber manchmal, insbesondere bei Angehörigen der Arbeiterklasse passieren. Irgendwie wollen sie meist mit freundlichen Absichten Schabernack mit dem merkwürdig aussehenden Ausländer treiben - oder diesen vielleicht auch nur Ansprechen, stellen sich dabei aber nervös und tolpatschig an. Aggressive Begegnungen hat man eigentlich nie. Der Herr hier in der Geschichte war auch nicht aggressiv, sondern nur einfach tollpatschig. Nerven tut sowas eigentlich nur, wenn man die Leute täglich trifft.
Weithaus häufiger ist fröhliches Zuwinken auf der Straße aus der Ferne... 

Link für kulturell interessierte:

http://www.flickr.com/photos/tobie_openshaw/sets/72157594581621891/ 




*Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Betelnuss-M%C3%A4dchen) enthält einen Hinweis, der Betelnussverkauf durch leichtbekleidete Damen sei "Kinderarbeit". Das ist blanker Unsinn, das Zeug wird nur von 20+ Damen verkauft. Aber schon klar, weil es Asien ist denkt jeder gleich an sonstwas. Bambushütten, Kinderprostituierte, Drogenbarone. Schon klar, schon klar. Ganz Asien ganz man da ja ruhig in einen Wok rühren.

Montag, Juni 27, 2011

Paktenboten im Taiwahn

Was ich regelmässig hasse ist, wenn ich von den Paketboten hier in der Firma irgendetwas entgegen nehmen soll. Zwar reicht mein Notfallchinesisch für diese Transaktion, aber das benehmen dieser merkwürdigen Menschen lässt die Transaktion immer wieder scheitern. Eben zum Beispiel standen da zwei dieser Figuren, beide gucken mich ängstlich an als sei ich das Monster vom Amazonas. Der erste will nicht mit mir reden und tut immer angestrengt beschäftigt. Der zweite läuft davon, sowie ich mich ihm nähere. Gehe zurück zum ersten, der will wieder nicht mit mir reden. Erst als ich ihn anschreie (das wirkt immer, auch wenn sie dann ängstlich gucken wie ein Kaninchen vor der Schlange) redet er endlich mit meiner Frau am Telefon. Der war es aber nicht, sondern der Weglaufer. Der erklärt dann meiner Frau am Telefon, er wolle nicht mehr warten...

Oh ich hasse diese Paketboten. Der nächste der Weglaufen will wird erst mal in Gewahrsam genommen....

Eben "surrealistischer Arbeitsalltag" im Taiwahn, wie im Vorblogeintrag vor 10 Minuten erwähnt.