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Freitag, August 14, 2009

Sirenen! Ein gadenloses Gedicht über langjährige Liebe



Ihre Schwiegermutter ist bestimmt ganz hinreißend!



Sirenen!


Von Adolf E. Pankraz


Neulich als du hast mit Bing-Bing telefoniert,

Da war deine Stimme schon so schrill,

Habe Johnny Cash im Walkman nicht verstanden,

Sprachst wie der Spieß im Drill,

Bist die Lauteste unter allen Bekannten,

Tags drauf bin ich beim Ohrenarzt reinspaziert.



Rau wie Reibeisen wird deine Stimme,

Und hoch und spitz wie ein angespitzter Fahnenmast,

Ratterst, raspelst, quiekst und stöhnst,

Meinem Ohr den Gnadenschuss du verpasst,

Kommt mir irgendwie bekannt vor das Akustikgedöns,

Klingst wie Schwiegermutter, ich glaub ich spinne.



Wie bist du nur gekommen in diesen Frequenzbereich,

Da traue ich mich nie hinein,

Schwiegermamas Horrorstimme macht mir Angst und Bang,

Wenn sie A-doki-doki-doah sagt, werd’ ich ganz klein,

Bist zum Ohrinfarkt dauert’s da nicht mehr lang,

Und ich mich leise aus dem Zimmer schleich.



Bevor du heiratest, sieh dir die Mama an,

Hat mir mein Vater schon geraten,

Sieht sie aus wie ein garstiger Höllenhund,

Dann verjagst du deine Freundin besser mit dem Spaten,

Und küsst sie besser nicht auf ihren Mund,

So guter Rat ward mir gegeben dann und wann.



Gut, Schwiegermutter sieht aus wie eine Eule in der Mauser,

Und nach Frisörbesuch wie die Gorch Fock unter Kriegsbeflaggung,

Oder wie ein Kanonenboot mit Partyzelt,

Für Makeup und Chic habt ihr beide eine Begabung,

Kennt euch aus in der großen Modewelt,

Bin beim bezahlen ja auch keiner der knausert.



Doch gewarnt hat mich nie einer vor der Tonhöhen Gefahr,

Mit zunehmendem Alter wird es immer schriller,

Und wenn du singst ist es knochensplitternder Grusel,

Singst wie in Nummer Sechundsechzig der Serienkiller,

Betäuben muss ich mein Gehör mit Whiskeyfusel,

Komisch, dass niemand diesen Horror kommen sah.



Ups, ach nein, jetzt habe ich mich doch geirrt,

Deine Stimme ist noch die Selbe,

Hast mich nur beim Frühstück gerufen,

Es besteht keine Gefahr, auch keine gelbe,

Hörtest MP3 und hat vergessen den Ton runterzustufen,

Schuldigung, jetzt hat es mich verwirrt.



Bist noch grazil und schön wie am ersten Tag,

Deine Figur ist schlank und rank,

Deine Stimme lieblich wie Vogelstimmen,

Du duftest auch noch gut, gar kein Gestank,

So können wir zusammen ein hohes Alter erklimmen.

Oder warte, werde ich im Alter leichthörig, kann es sein, dass es daran lag?

Freitag, Mai 22, 2009

Mein Bekannter, der Hans

ENGLISH: There is always that guy in the neighbourhood who drinks a lot. This is a (German) poem about him.

GERMAN, DEUTSCH: Ein Gedicht über einen flüchtigen Bekannten, der ein paar Blocks weiter wohnte (bei Adolf E. Pankraz nebenan natürlich, nicht bei mir).


das hätte ihm auch geschmeckt...



Mein Bekannter, der Hans
Adolf E. Pankraz

Ich hatte einen Bekannten namens Hans,
Der war ein fröhlicher Mann,
Treffen konnte man ihn mittags immer unterm Schwanz***,
Rief laut klar, „seht her, wie ich trinken kann!“

Ich dachte, mit ihm sei alles klar.
Auch als er wurde bleich und wachsig.
Auch noch als seine Haut ganz steif und weißlich war.
Schließlich war er immer noch ganz flapsig.

Gut, vor ein paar Wochen,
Hat er nur noch steif herumgestanden,
Vielleicht auch streng gerochen,
Interessant auch, was die Ärzte an ihm alles fanden.

Er lag die nächste Woche lang,
Den ganzen Tag im Bett,
Sagte „ach ich fühle mich so krang“.
Sprach schon undeutlich, das war nicht nett.

Sein Vater hatte eine Kneipe aufgemacht,
Und der Sohn lag unterm Zapfhahn und trank mit Dampf,
Hat sich über zahlende Kunden nur kaputtgelacht,
Gegackert bis zum ersten Entzugskrampf.

Zu machen war da nichts mehr,
Vater schlug ihm die Flasche übern Schädel,
Geholfen hat es auch nichts mehr,
Geblutet hat er nur in Mutters Staubwedel.

Sorgen gemacht habe ich mir keine,
Dachte er lebt gut mit Saus und Braus,
So dachte ich lange Zeit,
Jedenfalls bis zur Beerdigung nebst Leichenschmaus.





Epilog

Heute liegt er gut erhalten im Sarg und grinst ganz hohl,
Würmer fressen ihn bestimmt keine,
Besteht sein Gewebe doch fast nur aus Äthanol,
Vom Kopf bis runter an die Säulenbeine.


*** Beliebter Treffpunkt in Hannover. „Unter dem Schwanz“ der Ernst-August-Statue auf dem Bahnhofsplatz. Oder ehemals beliebter. Liegen manchmal recht viele Flaschen rum...

Mittwoch, April 29, 2009

Hübsches Kind (German Poem)

Der bekannte deutsche Dichter "AEP" hat mit dieser Lyrik der Annäherung der Geschlechter ein romantisches Denkmal gesetzt.


Hübsches Kind

Adolf E. Pankraz


Oh wie fühl ich mich wohl und frei,

Klar ist der Kopf wie vor dem Kater,

Ohne Ballast und Gefühlseinerlei,

Ganz ohne das Liebestheater.


Oh nein, oh holde Maid,

Wie du da trippelst einher,

Wechsele nicht auf meine Straßenseit’,

Sonst verlieb ich mich wieder zu sehr.


Sehe ich wie dein Hintern wackelt,

Und wie die Brüste wippen,

Komm ich am Ende noch angedackelt,

Dir auf die Schulter zu tippen.


Dann wird mir wieder der Kopf ganz dumpf,

Sehe Engel und höre Geigen,

Mir zittert und schwitzt der ganze Rumpf,

Vom Kopfschmerz ganz zu schweigen.


Drum versteck ich mich vor der hohen Hacken Geklapper,

Werf’ keinen Blick auf die netzbestrumpfte Wade,

Nehm’ den Flachmann und trinke ganz wacker,

Sind sich doch Frauen für einen Trinker zu schade.


So hab’ ich Schnaps und meine Ruh,

Die schöne Frau, sie klappert naserümpfend weiter,

Geheiratet wär' sie eh nur eine dumme Kuh,

Und nächstes Jahr wär’ ihr Hintern noch breiter.



(Foto: Ludigel)



Weitere Juwelen von AEP:



Dienstag, Februar 24, 2009

Ode an die Liebe (German poem)

Photo von einem unserer Messestände (nein, ich arbeite in der IT-Industrie) lag mal auf dem Server, in der guten, guten alten Zeit...



Es war mal eine Frau aus Gütersloh,
Die hatte eine gar große Brust,
Ihr Ehemann war darüber auch sehr froh,
Beglückte sie täglich mit großer Lust.

Eines Tages sprang er ihr gleich hinein ins Kleid,
Aber auch ein Floh saß ihr tief im Mieder,
Und als der Mann so zugange war mit Scheid,
Sang der fast zerquetschte Floh vor Schmerzen Lieder.

Der Mann arbeitete hastig unterm Kleidersaum,
Doch für einen war das gar nicht lustig: unser’n Floh,
Wird er noch lange leben? Man ahnt es schon, wohl kaum.
Und jetzt klatscht des Mannes Hand sogar noch auf ihren Po.

Als die Frau nun endlich schrie,
Und sich ihr Mann erschreckt stieß sein Knie,
Da saß verformt und tot unser Floh,
Ganz zerquetscht auf ihrem dicken runden Po.


Adolf E. Pankraz
„Ode and die Liebe“
1938 (aus „Gedichte um den Stützbalken“)