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Mittwoch, April 02, 2014

Überblick über die Artikel zu den Protesten in Taipei (Update)

Hier ein Schnellüberblick über die Artikel

Letzten Sonntag in Taipei: Demo der neuen Sunflower-Bewegung gegen den aktuell geplanten Handelsvertrag zwischen Taiwan und der VR-China.

Und der Bericht hier im Blog über eine eigentlich kleine Gegendemo: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/pro-china-demo-der-bushaltestelle.html
Der etwas augenzwinkernde Bericht über die lahme Gegendemo enthält in Form von Updates aber auch neuere Infos zu der Verstrickung der "Bambusgang"-Triade in die Gegenproteste, für die sie offenbar Leute bezahlen. Und in die Verstrickung des aus dem pekinger Exil zurückgekehrten alten Bambusgang-Bosses "Weißer Wolf", der in Taipei nach geleisteter Minikaution von nur 33.000 US-Dollar wieder auf freiem Fuß ist und offenbar die regierungsfreundlichen Gegendemos und die Kuomintang-Regierung Taiwans unterstützt, bis hin zur Bedrohung von Anführern der Sunflower-Bewegung.



Wenn das organisierte Verbrechen jetzt in Taiwan Politik macht, wie lange kann man dann noch frei reden? Vielleicht ist es tatsächlich höchste Zeit für eine neue politische Kraft, abseits der in die Korruption der Chen-Präsidentschaftsjahre 2000-2008 sicherlich verstrickten Oppositionspartei DPP und der traditionell mit der Bambusgang verflochtenen Kuomintang.

Und hier ein wirklich bizarr-komisches Update:  Der "Weiße Wolf" beschimpft DPP-Politiker als "Mafiosi". Dabei ist er selber der Exvorsitzende der Bambusgang-Triade. Diese Dreistigkeit muss man sich mal vorstellen! Er beschimpfte auch die das Parlament besetzenden Studenten als Kriminelle! Dabei ist er selbst nur auf Kaution auf freiem Fuß!  Diese Dreistigkeit nimmt einen den Atem! http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2014/04/02/404268/Face-off.htm


Pro-China Demo an der Bushaltestelle (Update 2)

Der prochinesische Präsident Ma (Kuomintang-Partei) von Taiwan konnte nicht gerade die Menschenmassen mobilisieren für seine Pro-Reigerungs- Demo als Gegendemo zu der riesigen Pro-Demokratie und Pro-Unabhängigkeits-Demo
Stand ich da mit meinem Smartphone, das irgendwie nie eine Netzverbindung bekam. Und suchte die Demo, die ja aus Studentenkreisen kommend gegen die weitere wirtschaftliche und sonstige Annäherung Taiwans an China gerichtet war.

Wo war sie nur, die Demo? Ich suchte und suchte und dann fand ich ein merkwürdiges Grüppchen vor, das sich an einigen Bussen versammelt hatte. Ein Busfahrerstreik? Demo gegen zu teure Monatskarten?

Oder hat hier einfach ein Flaggenverkäufer eine Souvenirbude und die Leute lüften ihre Winkelemente noch mal durch, bevor sie in den Bus nach Kaohsiung steigen. Letzteres übrigens eine unheimliche Stadt, von der niemand weiß, wie man das mit lateinischen Buchstaben schreibt (ich musste erst Wikipedia nutzen um es zu sehen). Oder gegen Mücken hilft das wahrscheinlich auch. Im Laufe der Zeit wurde mir aber immer klarer, dass es sich um eine Pro-Regierungs Gegendemo zu der eigentlichen Demo handelte. Während die richtigen Demonstranten die Rücknahme des letzten Handelsvertrages zwischen Taiwan und China (oder eher: zwischen der Kuomintang-Partei Taiwans und der Kommunistischen Partei Chinas) forderten, um Taiwan nicht noch näher an China driften zu lassen, sollte hier halt für das Gegenteil demonstriert werden.

Sehr trostlos die Gegendemo, aber bitte, wer demonstriert schon für eine Regierung? "Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", sagte neulich einer der größten Philosophen der Gegenwart, der von mir sehr bewunderte Karl Lagerfeld. Ich würde hier bescheiden ergänzen wollen: "Und wer für die Regierung demonstriert, hat seine Persönlichkeit und seinen freien Willen verloren". Irgendwie ist das so, als ob man dem Postboden bei der Nachnahmegebühr Trinkgeld geben will. Oder irgendwie so.

Und eines sollten die Organisatoren der Gegendemo mal lernen: Man bleibt nicht direkt vor den Bussen stehen für eine Demo sondern sollte wenigstens die Illusion einer räumlichen Präsenz schaffen. Oder sie waren gerade fertig, wer weiß das schon.

Wie dem auch sei, wo geht also zur richtigen Demo hier? Meine Ausführungen hier sind ähnlich einschläfernd wie die Bushaltestellendemo selbst.
Suchend lief ich umhehr und besah mir die nicht immer hübsche Architektur. Solche grauen Schmuddelfassaden  sind das alte Taipei, das ich noch aus meiner Anfangszeit ab 2004 hier gut kenne und as mittlerweile auf dem Rückzug ist und durch moderne Glas-Stahl-Beton-Konstruktionen ersetzt wird Zug um Zug.

Am Ende lief ich einfach ein paar jungen Leuten hinterher, die sich hier an der Ampel zusammen fanden. Schwarz-Gelb oder auch Schwarz Orangegelb schien die neue Demofarbe zu sein, wie man hier schon an den T-Shirts sieht, auch wenn nur manche das trugen.

Kaum stand ich hier, da sprach mich eine junge Frau an. Oder sagen wir mal, sie war vielleicht um die Dreißig (sage ich doch, jung!), allerdings sah man ihrem Gesicht durchaus an, das ihr Leben wohl nicht das einfachste war. Sie käme aus Malaysia, stellte sie sich vor. Sie hatte dann eine merkwürdige Geschichte parat, die Währungen von Malaysia und Taiwan seien verschieden (aha!) und sie wolle mit der MRT (also der Stadtbahn) nach Kaoshiung (oder wie man das schreibt) fahren, wofür sie 500 NT (etwa 12.50 Euro) bräuchte. Natürlich fährt die Stadtbahn nicht bis zur großen Stadt im Süden Taiwans und ich hatte wenig Lust, ihr Geld zu geben, trotz ihrer perfekten Englischkenntnisse. Ich wies sie reflexartig auf meine eigene fiktive finanzielle Notlage hin (das funktioniert immer am Besten bei berufsmäßigen Schnorrern) und muss etwa sehr ausgeschmückt haben, denn verblüffend schnell suchte die Dame das Weite. Da fühlte ich mich ein bisschen schlecht. Am Ende war sie ein Dienstmädchen oder dergleichen hier, die hart arbeiten muss für wenig Geld und wollte sich von einem unbedarft aussehenden Laowai (Ausländer) in Taiwan ein bisschen Geld holen. Wahrscheinlich lag es an meiner Hose mit Papageienmuster, denke ich. Wie auch immer, ich habe mir fest vorgenommen, die nächste Damsel in Distress erstmal zum Kaffee einzuladen, wenn sie so gut Englisch spricht. Hat man ja nicht immer hier. Und ich hätte endlich jemanden gehabt, mit dem ich über malayische Innenpolitik hätte diskutieren können, in die ich mich in der letzten Zeit eingelesen habe. Und gute Geschichten, etwa wie man mit der MRT nach Kaosh... Kaoshiung kommt, sind bestimmt auch 12.50 Euro wert.

Und was sagt das eigentlich über die Gegendemo aus, wenn in dem Bericht über sie von allem möglichen die Rede ist, nur nicht von der ereignislosen Veranstaltung selbst? Also auf zur richtigen Demo...

 Damned..... wo ist denn der Studentenpulk nun abgeblieben?
Gefunden habe ich die richtige Demo denn doch noch, ausführlicher Bericht mit vielen Fotos HIER.

Weiter zur richtigen Demo gegen den Handelsvertrag:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html


+++++++++++++++ Update: Der "Ex-Gangster" mit dem Spitznamen "Weißer Wolf", der für eine Vereinigung von China und Taiwan eintritt, hat gestern (kein Aprilscherz!) an einer Pro-Handelspakt-Demo vor dem immer noch von Anti-Handelspakt-Protestlern besetzten taiwanischen Parlament (der Legislative Yuan der Republik China streng genommen) teilgenommen und gesagt, die Besetzer würde es nicht verdienen, Chinesen zu sein. "Wir sind Taiwaner" lautete die Antwort. Der "Weiße Wolf" hat auch die Studenten der Sonnenblumenbewegung verbal bedroht. Warum gesellen sich anständige Menschen zu solchen Personen dazu, wenn sie in Taipei herum marschieren?
Hintergrund: Der "Weiße Wolf" Herr Chang ist ein Ex-Anführer der mit der Kuomintang-Partei oft als verflochten bezeichneten "Bambusgang"-Triade in Taipei und wurde 2013 nach seiner Rückkehr nach Taiwan verhaftet und auf Kaution freigelassen. Er hat offenbar 10 Jahre wegen Drogenschmuggels in den USA im Gefängnis gesessen und wird auch mit Morden in Zusammenhang gebracht. Er markiert nach Ansicht mancher Beobachter (etwa http://thediplomat.com/2014/02/the-return-of-gangster-politics-in-taiwan/) die Rückkehr der klassichen "Gangster-Politik" in Taiwan. Er führt eine politische Partei an, die bislang unbedeutende China Unification Promotion Party. "Wähl mich oder ich fress' dich" wäre ein hübscher Slogan für die Partei, denke ich.
Deutsche Info über Chang: http://www.spiegel.de/politik/ausland/taiwan-ex-gangster-chang-an-le-unterwandert-politik-a-956611.html#ref=rss
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++++++++++++++++++ Update 2: Offenbar kauft die "Bambusgang"-Triade Protestler, damit sie an einem Pro-Handelsvertrags-SitIn teilnehmen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/04/02/2003587077
Im Zuge der Proteste wird die Querverbindung zwischen Kuomintang-Partei und Bambusgang-Triade immer... transparenter. Interessant.
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Montag, März 31, 2014

Demo in Taipei mit 300.000 Menschen oder mehr (UPDATE mit Fotos und Lesetipp)


Massendemo in Taipei
UPDATE: Und hier die nachgereichten Fotos, zwar am 01.04. eingestellt, aber natürlich kein Aprilscherz.

Taipei, Taiwan. Gegen den aktuellen Handelsvertrag mit China gab es am Sonntag eine riesige Demo in Taipei, auf der auch meine Wenigkeit mit der Kamera zu finden war. Auf der Veranstaltung sagten sie, 300.000 Menschen seien da, die Polizei redet wohl von 60.000 und auch andere Zahlen hört man noch. Das Parlament Taiwans ist auch immer noch besetzt. Die Regierungsgebäude waren durch Barrikaden abgesperrt, daher kam niemand der oft mit Sonnenblumen oder einem Sonnenblumenlogo versehenden Demoteilnehmer in die Gebäude. 
Letzter Bericht: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/03/update-zu-den-studentenprotesten.html

"Schütze unsere Demokratie" ... wird hier gefordert...

.... und zwar so: "nimm den Handelsvertrag (mit China) zurück".... fordern die Demonstranten hier.

Aber von Anfang an. Ich näherte mich vom Taipei Hauptbahnhof kommend der Demo, in dem ich einfach einer Traube junger Leute folgte. Mein Smartphone hatte wohl wegen Netzüberlastung oder warum auch immer aufgegeben und ich konnte bei Google Maps nicht wirklich etwas erkennen.

  Das sind die Ausläufer der Demo, man sieht Studenten, oft mit Smartphone (Demo-Selfie ;-) ordentlich auf der Fahrbahn sitzen, Helfer kümmern sich professionell um die Koordination von Menschenmassen.


Doch bald schon wurde es wesentlich dicker...

Man kann sich am Kopf kratzen, was da auf den Schildern steht...

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Ich war hier nachmittags um 15.00 Uhr da, die Demo war aber schon seit morgens im Gange. Anfangs hatte ich noch ein bisschen das Kribbeln des Verbotenen, denn in Taiwan ist Ausländern pauschal die politische Betätigung verboten und so wurden in der Vergangenheit auch immer mal wieder Ausländer von der Polizei bei (anderen) Demos des Platzes verwiesen. Ausländer gehen trotzdem immer mal wieder hin, aber zumindest wer mit Arbeitsvisum und nicht mit Familienvisum da ist muss damit rechnen, ggf. ausgewiesen zu werden. Dies ist wegen Demoteilnahme auch schon vorgekommen, allerdings wohl nur wenn besonderes "Aktivistentum" vorliegt. Ein Amerikaner namens Scot E. hat einmal (singend) auf einer Ökoprotestveranstatlung an einem Konzert teilgenommen und ist daraufhin ausgewiesen worden.

Ah OK, da geht's lang. Als Ehegatte einer Taiwanerin hat man aber eh nichts zu befürchten, sofern man nicht gerade das Parlament besetzt und Kuomintang-Gründer Dr. Sun Yat Sen ein Bärtchen malt auf seinem Portrait dort (oder so).

Manche gingen links, manche gingen rechts, aber ich folgte der Menge, immer da hin wo mehr sind. Polizisten waren nirgends zu sehen. Das Parlament war übrigens noch besetzt die ganze Zeit (habe nichts gegenteiliges gehört), aber soll wohl abgeriegelt gewesen sein,

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Als Nichtjournalist wird bei Teilnahme an der Demo ja immer sozusagen eine Übereinstimmung mit den Zielen der Portestierenden vorausgesetzt. Ich hingegen sah mich eher als Dokumentierer, einerseits fürs Blog und andererseits für mich persönlich, kommt ja nicht alle Tage vor so etwas. So war auch daheim meine Teilnahme nicht ganz unumstritten. Aber gut, umdekorieren daheim muss jeder irgendwann mal ;-) Hier ist wohl ein Polizist in der Bildmitte.

Da bringt man Junior bei, nicht sein Spielzeug zu werfen und dann... Never mind. Gelb war wohl die Farbe der Demo, die Sonnenblume das Symbol.

Ist es diesmal die "Sonnenblumen-Bewegung" ("Sunflower Movement" liest man manchmal auf Englisch), so war der studentische Anti-China-Annäherungsprotest vormals als "Wildflower Movement" bekannt, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Man ist überparteilich und vermeidet die Farbe Grün, die für die traditionelle "Taiwan Independence" (von China) - Partei DPP stünde, die von 2000-2008 an der Regierung war und unter dem damaligen Präsidenten Chen u.a. mit dem (meiner Ansicht nach unnötig provokativen) Slogan "Taiwan Yes, China No" China damals zu massiven Kriegsdrohungen gegen Taiwan veranlasst hatte. Chen sitzt heute wegen Korruption im Gefängnis und die Studenten haben der DPP jedenfalls in der Öffentlichkeit das Thema Taiwan-Independence aus der Hand genommen.

Ich sah weder das Grün der DPP noch das Orange ihrer radikaleren Schwester, der TSU. Hier dominierte Gelb und die Sonnenblume und es ging vordergründig um die Ablehnung eines weiteren Handelspaktes mit China, hinter den Kulissen aber wohl um die Annäherung von Taiwan an China unter der gegenwärtigen Kuomintang-Regierung unter Präsident Ma im Allgemeinen.

 Was wir Taiwan nennen, ist ja eigentlich die Republik China vom Staatsnamen her und existiert in dieser Form etwa seit 1949, als sich nämlich die Regierung Chinas unter Diktator Chiang Kai Shek 1949 vor den Kommunisten fliehend auf die Insel Taiwan absetzte und "sein" (bürgerlich-diktatorisches) China hier fortführte. Erst 1992-96 wurde es demokratisch. Vorher war Taiwan 1945-49 bereits unter Kontrolle der chinesischen Kuomintangregierung und daher kurz mehr oder minder zwangsweise Teil von China (VOR der Machtergreifung der Kummunisten!), davor seit 1895 japanische Kolonie. Und nochmal davor eher lose an das chinesische Kaiserreich angebunden.

 Wie chinesisch Taiwan ist, ist also immer wieder ein Streitpunkt unter Taiwanern, die (noch) ihre Regierung in freien, geheimen und gleichen Wahlen wählen können ohne formale oder faktische Anbindung an die Volksrepublik China. Höchstens der chinafreundliche Kurs des gegenwärtigen Präsidenten stellt eine Anbindung an oder ein Hinüberdiffundieren zur VR-China dar. Was Gegenstand dieser Demo ist.

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Nicht vergessen darf man, dass die VR-China Taiwan ständig mit militärischer Invasion bedroht um den Anschluss "ans Reich" herzustellen. Auch über 1000 Raketen sind auf die friedliche Insel gerichtet und die pseudokommunistische Elite in Peking hat den Finger am Abzug.

Ganz frei entscheiden können die Taiwaner also nicht, es sei denn sie wollen eine militärische Invasion Chinas in Kauf nehmen, sollten sie sich eines Tages etwa dafür entscheiden, den Staatsnamen in "Republik Taiwan" zu ändern. Aber gut, hier geht es ja nur um die aktuellen Verträge und dass Präsident Ma sie angeblich ohne große parlamentarische Diskussion einfach unter Ausnutzung der großen Parlamentsmehrheit seiner Partei durchwinken will. Man kann sicher unterschiedliche Meinungen zu dem Prozedere haben.

 Hier demonstrieren halt Leute, die sich als Taiwaner fühlen und eben ein kleines Herzchen über "Taiwan" malen und denen die Hinüberdiffundierung zu China unter Präsident Ma wohl gehörig auf den Senkel geht, denke ich mal.

Hier ist abgesperrt, das besetzte Parlament und Regierungsgebäude müssten hier irgendwo liegen.

Alles war friedlich...

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Polizei und Militär sagt man immer nach, dass sie in Taiwan Kuomintang-treu sind. Aber wer weiß schon, was der einzelne Beamte denkt.

Hier liefen rechts wohl irgendwelche bekannten Leute an mir vorbei, ich habe sie knapp verpasst, kannte sie eben auch nicht. Die Leute jubelten ihnen ein bisschen zu und sie riefen "zajo zajo", also "vorwäts, vorwärts".
Wie immer man das auch in lateinischer Umschrift schreibt.

Englischsprachige Schilder sah man so gut wie nie. Irgendwo im Netz habe ich eines mit der Aufschrift "I DO'T NEED SEX, THE GOVERNMENT FUCKS ME EVERY DAY" gesehen.

Einige Leute und auch ich legten im Schutz einiger Motorroller eine Pause ein.

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Prädent Ma verkauft nicht den Parkplatz hier, sondern die ganze Insel, so lautet wohl der Vorwurf (SOLD, verkauft).


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 Hier wurden Reden gehalten.

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Manchmal denke ich, dass die Bewegung tragisch ist. Taiwan diffundiert langsam aber stetig zu einem HongKong-Status herüber und selbst wenn sie es schaffen sollten, dass Präsident Ma das Gesetz zurück nimmt oder gar zurück tritt, dann ... droht eine Invasion durch China.

Trotzdem nett Menschen zu erleben, die ihr Land lieben und retten (save) wollen, anstatt es wie gewisse andere "taipeichinesische" Leute eher als Vehikel zum Wohlstand zu sehen. Taipei jedenfalls ist nur zum Geldverdienen und wer es geschafft hat geht nach Kanada, so ist es mir mal erklärt worden aus chinesischstämmigen Kreisen. Das Land zu lieben ist dazu natürlich eine Alternative.

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Das Poster zeigt einen Verletzten bei der Räumung von Regierungsgebäuden, die Studenten nach der Besetzung des Parlaments zusätzlich einnehmen wollten.

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Im Gewühl die Kamera über den Kopf gehalten... "9% Ma ... You suck" steht hier. 9% ist wohl die Zustimmungsrate des gegenwärtigen Präsidenten Ma, der 2008 gewählt und 2012 allerdings wiedergewählt worden ist. "9%... Ma, du bist ein Loser", könnte man wohl auf Neudeutsch übersetzen und dabei einen englischen Begriff (suck, lutschen) durch einen harmloseren ersetzen.

Trotz aller Sympathien wahre ich Neutralität, so will es das Ausländerrecht in Taiwan ... und ich kann mit meinem bisschen Pinyin (wo man nur die lateinische Umschrift lernt) ja nicht mal die Schilder lesen. Und offen gestanden, ob und an wen sie die Insel verkaufen, müssen die Einheimischen eben selber entscheiden.

Hier konnten Demonstranten zum Fotoshooting ein paar der vorbereiteten Schilder hochhalten. "Ich war dabei"-Fotos halt. 

Ob sie der gewählten Regierung nun dauerhaft aufs Dach steigen oder wie hier Spiderman auf dem Filmplakat wieder herunter fallen und alles seinen gewohnten prochinesischen Gang gehen wird, ich weiß es auch nicht.

Das Taiwanblog. Für Sie vorn am Stacheldraht ;-)

Als Ausländer ist einem die Taiwan-Independence immer irgendwie angenehmer als die vielleicht vernünftigere China-Hinüber-Diffundiererei, das will ich nicht verleugnen...


 ... und solange es bei taiwanischen Uniformträgern auf der anderen Seite bleibt (anstatt VR-Chinesischen) ist alles paletti.

Letztlich eine Ausschnittsvergrößerung, die mehr sagt als 1000 Worte...

Problembeschreibung: Annäherung von Taiwan/Republik China an die VR-China, beide Flaggen sind hier zu einer fusioniert im Bild.

Inselreich wochentags verkauft für 20 NT inklusive Samstags. Na dann freuen wir uns auf den Sonntag.
Das Bild im Bild zeigt Präsident Ma, allerdings hat er sonst keinen Oberlippenbart.

 Empfehlung:
Ähnliches Lesen in einem Nachbarblog: Luo2You1s bemerkenswerte Reihe zur Demokratie in Taiwan (als kritischer Blick):


Und auf Englisch, der Gottvater der Taiwan(-Indepence)-Bloggerei, Michael Turton über eine Drohung aus Pro-China Gangsterkreisen gegen die Besetzer des taiwanischen Parlaments: http://michaelturton.blogspot.com/2014/03/the-white-wolf-threatens-ly-protesters.html


Und demnächst auf dieser Welle:
Mein (Nahezu-) Besuch einer Kuomintang-Gegen-Demo am selben Tage und mein Gespräch mit einer verloren gegangen Malayin - und warum sie verwirrt die Flucht ergriff ;-)