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Montag, November 19, 2012

Taike: Was ist das eigentlich?

"Taike" war für mich bislang ein Kleidungsstil, nämlich wenn 20+ jährige junge Frauen lila undurchsichtige Strumpfhosen, grüne Extrem-High-Heels und ein gelbes Oberteil anhaben und sich grell schminken dazu. Aber offenwar steht "Taike", was wörtlich manchmal als "zusammengewürfelt" übersetzt wird, dann aber wieder auch als "zu Gast in Taiwan" benannt wird (aha! Fast das Selbe!) aber auch für einen Lebensstil. Grob vereinfacht gesagt ein taiwanischer Arbeiterklasse-Lebenstil, Bildung nicht so toll, dafür Betelnuss kauen, rauchen (offenbar auf dem Trottoir hingekauert) und natürlich dabei blaue Strandlatschen an den Füßen. Gefällt mir die weibliche Variante, die man offenbar bisweilen "Taimei" nennt, einfach besser.
In diesem Artikel wird das Ganze zum Lebensstil erklärt: http://www.taipeitimes.com/News/editorials/archives/2006/05/10/2003307182

Eine gewisse Jeannie Hsieh wird immer wieder als Beispiel für eine Taimei genannt. Ihr neuster Song heißt "Beep beep beep" und man ahnt es vielleicht schon, die Reime sind eventuell nicht so wichtig wie der Minirock, ohnehin ist im Taiwan-TV jungen Frauen unter 30 das Tragen von etwas anderen als breiteren Gürteln verboten - mit richtiger Unterbekleidung kommt da keine ins Studio rein. So jedenfalls mein Eindruck jedes Wochenende wenn ich mit Junior und Frau die taiwanischen Wochenend-Abendshows gucke.
Jeannie Hsiehs Piepen ist hier so sehen oder drüber zu lesen: http://www.cpopaccess.com/2010/10/jeannie-hsieh-comes-back-with-new.html oder auch hier (http://www.kmd-studio.com/main/forum.php?mod=viewthread&tid=405). Sie rennt etwa so freizügig auf der Bühne rum wie jede zweite Kollegin aus dem Vertrieb hier im Büro, also nichts besonderes.

 Ob Taike oder nicht: mittlerweile empfinde ich unser Viertel in NeiHu zusehends als hübsch. Hier mit dem Fisheye noch etwas aufgehübscht, denn es vergrößert immer den Vordergrund etwas, was angesichts der Enge dringend notwendig ist.*

Ihr Vater ist einer der großen Showmaster Taiwans, ein schon älterer Herr mit witzigem Beatles-Putz, der so wirkt, als hätte er irgendwo eine Perücke gefunden: http://entertainment.xin.msn.com/en/celebrity/buzz/asia/jeannie-hsieh-bags-award-at-golden-melody-awards. In seinen wohl auf Taiwanisch gehaltenen Shows verstehe ich naturgemäß kein Wort, er gibt so eine Art Peter Frankenfeld (Leute unter 40 kennen den wohl nicht mehr), mit unmöglichen Anzügen und immer irgendwie den "Proll" spielend. Das Publikum hängt vor Lachen schief in den Sitzen, wenn er unter den Showgirls (Viele kurzberockte Tanznummern) seine angebliche Tochter findet (wohl nicht die von oben ... die redet nicht mehr mit Papa steht irgendwo in den Links) und dann den einfältigen Familienvater spielt, der alles und jenes von seiner "Bühnenfrau" und Showkollegin erklärt bekommt (Tochter redet wohl wegen der Bühnenfrau nicht mehr mit Vaddern).

Witzig wirkt er schon irgendwie. Wenn man zum Beatles-Pilzkopf ein faltiges Gesicht hat und eine Grimasse zieht würde man sicher auch in Deutschland das Publikum mitreißen, gemessen am sonstigen deutschen Fernsehhumor.

Taikei ist also Rauchen in der Hocke und Betelnuss kauen und mit dem Moped zur Arbeit fahren, mit blauen Flip-Flps an den Füßen, während man Jeannie Hsieh-Fotos auf dem Smartphone guckt und dabei das Apotheken-Mixgetränk "Whisby" trinkt und dazu noch eine Vitali-Brause, die mit dem Werbespot, wo sie einen Afrikaner als Volltrottel hinstellen. Hätten wir das also geklärt. 

Was ich nicht so ganz verstehe ist, wieso über der Webseite mit den Hupfdohlen-Fotos von dieser Jeannie (http://mykafkaesquelife.blogspot.tw/2010/10/jeannie-hsieh-taiwans-wonder-woman.html) "My Kafkaeseque Life" steht. Hatte Kafka auch gelbe Hotpans an?

EDIT: Wer bei Google eine Bildersuche nach "Kafka Hotpans" macht bekommt Bilder von meiner Mietwohnung gezeigt. Super Google-Artificial Intelligence!
 

* viele der freie-Hand-Nachtaufnahmen muss ich bei Gelegenheit noch mal mit einem Stativ wiederholen, so schleicht sich doch immer etwas Verwacklungsunschärfe oder fehlende Tiefenschärfe ein

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Literaturkritiker wrote:

In der Tat. "Franz Kafka kurz und knapp": http://www.ebay.de/sch/sis.html?_nkw=3861501171%20,%20Kafka%20kurz%20und%20knapp%20by%20Mairowitz,%20David&_itemId=370330977652

MKL hat gesagt…

Mein post über Jeannie Hsieh ist aus 2010, daher würde ich Ihr neuster Song heißt "Beep beep beep" nicht wirklich unterschreiben in 2012. :) Sie hatte schon ein Paar Songs dazwischen, der letztere ist 情歌: http://youtu.be/mYbIN_UBqug.

Ich gestehe, das mein Blogname eigenartig ist, aber jetzt ist es zu spät ihn zu ändern, es sind fast schon 5 Jahre. Und die Verwunderung der WWW-Community sind immer wieder amüsant, so wie auf Jewcy.

"Ludigel" hat gesagt…

Na ja, ich habe gerade mein 2006er Motorola-Handy eben das erste Mal im Internet gehabt nach div. Umkonfigurationen. Für mich ist ein Song von 2010 brand neu!
Bestimmt hatte Kafka nichts gegen gelbe Latex-Hotpans, wie ja der Buchtitel "Kafka kurz und knapp" vom Vorkommentar fast bestätigt.
;-)

"Ludigel" hat gesagt…

Nettes Blog, muss es mir wirklich mal ansehen!

MKL hat gesagt…

Ich hab unbeabsichtigt Kafka neuinterpretiert und mit Taiwan verbunden, ich hoffe seine Nachfahren nehmen es mir nicht übel :) Wenn man mit den Taiwanesen viel zu tun hat, dann ist man sehr oft in Kafkaeske Situationen verwickelt, daher macht der Name irgendwie doch sinn. :)

"Ludigel" hat gesagt…

Hatte richtig rote Ohren bekommen. Macht man eine lose-Mundwerksbemerkung und dann entpuppt es sich als wirklich hervorragendes Blog von MKL ;-)

Anonym hat gesagt…

Rote Ohren? Zhū Gē Liàng als Peter Frankenfeld? Mich erinnert er mehr an Mr. Spock ohne Ohren ;-) Grüße Luo You
P.S. Die Clips von 豬哥亮 auf Youtube haben für meine Frau gerade den Taiwahnsinn ins Haus. Danke für den Post!

Michael S. hat gesagt…

In Deutschland würd die wahrscheinlich keinen Blumentopf gewinnen.
Das ist doch nicht Techno!

Wer elektronische Musik hören will sollte mal nach nach Berlin, oder andere Underground-Parties / oder in speziellen Clubs in Deutschland, Frankreich oder Holland gehen.

Das ist Techno bzw. elektronische Musik. Nicht so ein rumgezapple und noch singen dazu.

Liebe Grüße
Michael S.

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Erinnert mich eher an den "Spatz von Avignon" als an die Beatles.

"Ludigel" hat gesagt…

Hihi, in der Tat.