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Dienstag, November 14, 2017

Sexuelle Belästigungen (das Taiwanblog gibt auch...)

... seinen Senf dazu.

Sexuelle Belästigungen und Schlimmeres sind das große Thema der Zeit. Natürlich erscheint die massive Beschäftigung der Presse damit exzessiv und natürlich kann man von Vorverurteilung reden - wenn Karrieren allein durch die Macht von Facebook und Co beendet werden. Ohne Anklage, Gericht und Urteil.
Wie es weiter geht weiß ich auch nicht. Zwischenzeitlich halte ich eine weitere Aufhitzung der Diskussion für denkbar. Ich dachte zwischendurch "jetzt rasten alle aus und übertreiben" und mag das auch noch kommen oder schon so sein, so fiel mir jedoch auf, dass sexuelle Übergriffe offensichtlich sehr viel häufiger sind, als ich bislang so angenommen habe. Auch weil Sexualität eben immer noch ein Tabuthema ist und auf gewisse Art wohl auch immer bleiben wird und man daher nicht immer drüber nachdenkt.

Selbst sind mir als Zuhörer, an der Aufklärung beteiligter oder sogar als Opfer (im Kindesalter) sexuelle Übergriffe in der Tat hinreichend häufig begegnet. Häufiger als es sein sollte und daher denke ich, dass am Ende der gegenwärtigen Aufregung ein anständigerer Umgang von Menschen (Männern) in irgendwelchen Machtpositionen gegenüber Schwächeren oder irgendwie Abhängigen stehen wird.

Meine persönlichen Erfahrungen:

1) In meiner Zeit in einer Dot-Com - Softwarebude in Deutschland war ich in der heftigen Umstrukturierphase ein Ansprechpartner für Kolleginnen und Kollegen. Eine Kollegin erklärte ein Kollege (meine Wertung: etwas weltfremder, netter Computernerd, hielt Frauen vermutlich für Wesen von Omega Centauri) würde sie immer unangemessen Anstarren und auch immer wieder an unangenehmer Stelle antatschen. Da sie ihm zuarbeiten musste bat sie mich das Problem vielleicht in den Griff zu kriegen. Ich löste es durch ein Gespräch von "Mann zu Mann" bei dem der Beschuldigte alles zunächst schroff zurück wies, nach meinem rhetorisch ausgefeilten Nebensatz sonst mal kurz mit einem "hohen Tier" im Unternehmen zu reden (mit dem er zusammenarbeitete) räumte er jedoch die Vorwürfe halbwegs ein und gelobte Besserung. Die auch eintrat. Hätte ich wirklich mit dem "hohen Tier" reden müssen - ich glaube nicht, dass das viel gebracht hätte. So ließ es sich durch Psychologie lösen. Alles war noch unter strafbarem Niveau.

2) Selbe Firma. Kollegin bat mich und andere Kollegen auch um Hilfe. Kurzfassung: Sie hatte eine beginnende Affaire mit ihrem Chef, diese jedoch abgebrochen wie es ihr gutes Recht gewesen ist. Daraufhin würde ihr Chef (sehr einflussreich im Unternehmen und ein bekannter Provokateur und extrem schwieriger Kollege) ihr massive berufliche Probleme machen. Sie als vorgeblich inkompetent vor der Geschäftsführung anschwärzen und ihr mit Kündigung drohen.
Ich bat den Kollegen zum persönlichen Gespräch, doch konnte ich gegen einen so im täglichen Mobbing gewieften Menschen nicht angekommen - der auch noch im Bunde mit einem Mitglied der Geschäftsführung war. Der Kollege beschwerte sich bei mir, es sei ein Unding gewesen, dass die Kollegin ihn sexuell zurückgewiesen habe nach vorher eindeutigen Signalen. Er lies sich bei allen Verweisen auf sexuelle Selbstbestimmung gerade von abhängig Angestellten nicht davon abbringen und führte sein Mobbing weiter. Erst mit seinem Weggang löste sich die Situation. Später kam er zurück ins Unternehmen, aber da waren sein Opfer und selbst ich schon weg. Er war ein ganz und gar unangenehmer Mensch der bizarrerweise zu hysterischen Reaktionen beim Anblick einer ... Tomate ... tendierte.

3) Meine Frau beschwert sich immer mal wieder, sie würde in Taipei von Herren im Vorbeigehen angegrabscht. In der Menge will sie den Täter nicht identifizieren und es wäre auch schwierig. Oder es passiert, wenn ich eh gerade nicht da bin.

4) Auch in Deutschland ist so etwas offenbar für Frauen zwar kein Alltag, aber kommt immer mal wieder vor, wie ich jetzt im persönlichen Kontakt erfahren haben.

5) Und zu guter Letzt:  Als Kleinkind(!) bin ich selbst von einem angesifften stadtstreicherhaften älteren Mann auf einem Spielplatz angetascht worden. Ich hatte unaufgeklärt damals keine Ahnung was eigentlich vor sich ging und bin einfach weggegangen. Die messerscharfe Erinnerung daran, die erst 15 Jahre später oder so gepaart mit großer Wut auftauchte zeigt, wie psychologisch relevant solche Belästigungen sind.

Ein unerquickliches Thema und wenn es tatsächlich noch einen der wenig gewordenen Blogkommentare diesmal zu diesem Thema gibt versteht sich sicher angemessene Wortwahl von selbst - um nicht von der Kommentarfee durch Löschung belästigt zu werden.

Die Presse fordert Männer pauschal immer wieder dazu auf ihr Verhalten "einzugestehen" und zu ändern. Nun mag unser Herz grundsätzlich ein finsteres Loch sein, aber etwas weniger Pauschalität wäre doch wünschenswert.
Sexismus sei auch schon, wenn man Damen beim Heben schwerer Taschen hilft etc habe ich neulich gelesen. Im überkorrekten Spiegel (Online) war das wohl. Nun, in dieser Hinsicht muss ich zugeben, mich bei jedem zweiten bis dritten Aufenthalt in Flugzeugen sexistisch betätigt zu haben. Die so von physikalischer Arbeit befreite Damenwelt möge es mir nachsehen.

EDIT: Den schlimmsten Fall habe ich vergessen. In meiner Kindheit war unten im Haus eine Familie mit einer wunderschönen blonden kleinen Tochter und einem für mich damals exotischen holländischen Namen. Ich habe die Gleichaltrige nie zu Gesicht bekommen, weil sie immer kreischend verschwand, sowie jemand in ihre Nähe kam. Jahrzehnte später hörte ich, dass sie magersüchtig ist und vom Vater missbraucht worden war. Natürlich ein Fall der über die aktuelle Pressediskussion weit hinaus geht.

Freitag, November 10, 2017

Kindergeld...

Ludigel stellt Kindergeldantrag. Wird natürlich abgelehnt

OK, viele bekommen heute deutsche Sozialleistungen ohne je einen Cent eingezahlt zu haben. Es claro. Wenn ich nun aber einen Wohnsitz in Deutschland anmelde (Ende letzten Jahres gemacht) und mir Juniors deutsche Auslandsschule in Taiwan die Haare vom Kopf frisst, wird mein Antrag auf Kindergeld natürlich abgelehnt. Hatte ich auch nicht anders erwartet. Ich werde allerdings Einspruch erheben, denn die Ablehnung sagt:

a) (Ich müsse einen Wohnsitz in D haben ODER in D steuerpflichtig sein) UND (mit Junior im Ausland in gemeinsamer Wohnung leben) 
um Kindergeld zu bekommen.

b) Ich würde weder in D einen Wohnsitz haben noch dort steuerpflichtig sein.

Meiner Kenntnis nach ist (a) korrekt und daher müsste ich Kindergeld bekommen, denn ich erfülle sogar alle zwei Voraussetzungen vor dem UND und die dahinter auch noch.

- Ich bin seit Dez. 2016 in Deutschland gemeldet. Ich bewohne das Einfamilienhaus zu 1/4 räumlich und zu etwa 1/4 des Jahres zeitlich. Und habe 1/4 Eigentum daran.
- Daraus müsste sich die deutsche Steuerpflicht ergeben, auch wenn mein Taiwangehalt korrekt nach Deutsch-Taiwanischem Doppelbesteuerungsabkommen in Taiwan versteuert werden müsste.

Wenn die Kindergeldkasse also ablehnen will, bräuchten sie schon eine andere Begründung. Ich werde daher Einspruch erheben und Meldebescheinung aus Heimatstadt in D und (die wohl noch zu beantragende Steuerkarte) in Kopie belegen (Steuernummer habe ich natürlich schon).

Mal gucken wie es weiter geht.

INFO: Keinen Anspruch auf Kindergeld in Deutschland hat etwa, wer nur im Ausland lebt und in D keinen Wohnsitz hat und z.B. mangels Einkünften keine Steuern zahlt. In Fallballspielen wäre das so:

I) Hugo lebt in Taipei mit Frau Fanny Low und Sohn Hannes-Ashton. Arbeitet bei Gobbletec in Taipei. Keine Meldung in D, keine Einkünfte in D (reden wir mal nicht über Minizinsen unter Freibetrag*). => kein Kindergeld.

II) Hannes ist wie Hugo, hat sich aber von Frau (räumlich) getrennt und lebt wieder in Hannover. Junior lebt mit Frau im herrlichen Taipei. => kein Kindergeld (denke ich, weil keine gemeinsame Wohnung mit Junior).

III) Ludigel ist wie Hugo, ist aber in D gemeldet (bewohnt die Wohnung auch zeitweilig) und wird eine Steuererklärung wegen Zinseinkünften ausfüllen. Schon die Meldung ODER die steuerpflicht müsste meiner derzeitigen Kenntnis nach für Kindergeld ausreichen.

Selbst wenn man meine Wohnsituation so interpretieren würde, dass mein Hauptwohnsitz Taiwan ist müsste Meldung in D und faktisches Bewohnen einer Wohnung zu einem Teil des Jahres immer noch reichen für die Kindergeld- und Steuerpflicht.

* mir unklar, reicht aber sicher nicht für unbeschr. Einkommenssteuerpflicht, die man für Kindergeld bräuchte

Montag, November 06, 2017

Verkehrschaos...(umfallende Fußgängerin, Fast-Unfall...)

Kurznotizen


Ludigel holt mit dem Auto Frühstück, fädelt sich locker vom Kurvenparkplatz a la Taipei wieder in den Verkehr ein, muss scharf bremsen weil vor ihm ein Minivan plötzlich dreht. Mitten auf der vielbefahrenen lokalen Hauptstraße. Auch noch auf dem Zebra-Streifen, fällt mir auf, während ich warte und nervös in den Rückspiegel gucke, ob mir gleich jemand hinten rein fährt. Das fast neue Auto ist da von hinten schon ein bisschen "taiwanifiziert" durch meine Mitverkehrsteilnehmer.

"Gut, ein Zebrastreifen ist hier eh bedeutungslos", denke ich noch so. Da sehe ich, dass ein Mann mit Kleinkind auf dem Arm vom wendenden schwarzen Minivan verdeckt ist und verzweifelt versucht, diesem auszuweichen. Flott dreht der Minivan, der Fußgänger mit Kleinkind bringt sich durch einen Hechtsprung nach Vorn in Sicherheit. Sicherheit? Denkste! Damit springt er vor einen PKW, der gerade auf der anderen Straßenseite versucht um den wendenden Minivan herum zu fahren. Mir stockt der Atem, das Herz setzt kurz aus, als der Mann vor der Motorhaube eines silbernen Mitsubishi-Schlicht-SUV landet. Der kann bremsen, aber der Vater mit Kind muss einen Satz rückwärts machen, um der Stoßstange zu entgehen. Sicher erreicht er schließlich den Bürgersteig und wir alle fahren weiter als sei nichts gewesen. Zuhause freut sich Frau über den Sweet-Bun mit Schinken a la Hong-Kong-Style. Der ältere Herr im neuen Frühstückslokal redet immer beruhigend auf mich ein und klopft mir beruhigend auf die Schulter, wenn ich gestresst vom parkplatzlosen Verkehr hinein haste um Samstags und Sonntags das Frühstück zu holen.

 Altes Foto aus Taipei, hat nichts mit dem hier beschriebenen zu tun. Taiwaner denken nicht so viel im Verkehr, auch nicht bei der Deko am Auto.

Am Abend zuvor waren wir in der Stadt beim chin. trad. Arzt. Dort fertig standen Frau, Junior und ich auf dem fast von Mopeds zugeparkten Bürgersteig und warteten auf das bestellte Taxi. Zwischen uns und dem Handygeschäft mit den vielen jungen Frauen und den iPhones an der Wand ist wegen der Mopeds kaum noch Platz für die zahlreichen Fußgänger, die über das nasse glatte Fliesenflaster hechten. Ich ziehe Junior zur Seite damit eine Frau in den 60ern oder End-50ern die volle Durchgangsbreite zwischen Haus und Mopeds hat und wir stehen eingekastelt zwischen den Mopeds mit meiner Frau. Da bleibt die ältere Dame genau neben uns stehen und zieht ein Smartphone aus der Tasche. "Ah, will auch ein Taxi", denke ich noch. Da sackt sie in einer fließenden Bewegung zusammen. Flüssig wie Wasser, als würde sie das täglich machen. Sie liegt auf dem Rücken, die Augen leicht auf. Gesunde rosige Gesichtsfarbe. Gleichmäßige Atmung, wie ich mich vergewissere. Die Hände gefaltet mit dem Handy auf dem Bauch. Frau eilt hin. Ich halte mich lieber im Hintergrund. Warum fragen nur Newbies. Sie ist nicht ansprechbar. Wir holen einen Krankenwagen. Der ist schon fünf Minuten später da. Frau hat noch Angehörige der Dame mit dem Handy angerufen. Ein Polizist kommt im Schlepptau der Ambulanz, die die Dame einlädt mit der Trage. Der Polizist befragt Frau und einen älteren Herrn und eine Dame aus dem Handyladen. Wir werden entlassen und düsen mit dem Taxi davon.

Jetzt folgt das interessante Warten: Kriegen wir eine Schadensersatzklage fürs Helfen die nächsten Tage? Eigentlich empfiehlt man in Taiwan bei Unglücken nicht zu helfen, wenn man nicht selbst involviert ist, da Taiwaner die Tendenz haben, Unfallhelfer z.B. wegen unsachgemäßer Hilfe zu verklagen oder ihnen gar zu unterstellen, den Unfall verursacht zu haben.

Aber wenn, dann gibt das auch wieder einen interessanten Blogartikel. Man darf gespannt sein.

Freitag, November 03, 2017

Milka in Taiwan

Die Lila Kuh erobert Taiwan

Es war vor Jahren, da musste meine Frau für ihr MBA-Fernstudium einen Text schreiben, der die Markteinführung einer Marke beschreibt, die noch nicht auf dem heimischen Markt zu finden ist. Mit meiner Assistenz wählte sie Milka, Weil die Taiwaner wenig Schokolade essen und wenn dann fast nur Bitterschokolade oder Voll-Nuss, hatte sie - mit meiner kauenden Assistenz - geschrieben, dass Milka es rein über die Milch-Vollmilch-Assoziationskette schwer hätte auf dem taiwanischen Markt, gerade weil Bitterschokolade damals gar nicht im Programm war.

Seit einiger Zeit fallen mir nun kleine verschämte 40g-Riegel von Milka an der Kasse der Family-Convenience-Stores auf zu 35 NT das Stück, also knapp 1 Euro. Durchaus also ein Importpreis. Flugs gekauft fehlte mir dann doch der besonders cremige und vanillieartige Geschmack von Milka, aber es war ein durchaus durchschnittliches - also nicht schlechtes - Schokaladenerlebnis. Natürlich Meilen besser als taiwanische Horroschokolade wie die kerzenwachsartige TAPPL oder die "Kaiser"-Schokolade, die nicht von Adel ist.

Hersteller ist Milkas Mutterunternehmen Mondalez, vgl. Pressemeldung hier, aber hergestellt ist die Tafel in China und nicht in Taiwan. Also gesunde Chinamilch aus den chinesischen "Alpen". China ist ja quasi ein Synonym für gesunde Milch (kicher, röchel, spuck).

Die Empfehlung des Essays meiner Frau war damals für die taiwanischen Markt auf Vollnuss und Bitter nebst Zartbitter zu setzen, mit dem Hinweis, dass sich eine eigene Bitterlinie nur für Taiwan wohl nicht lohnen würde. Da Kuhmilch=gesund manchmal auch den Taiwanern über Fernsehwerbung beigebracht wird (obwohl 99% aller Taiwaner die Lactose nicht vertragen), hatte sie eher eine Nische für Milka prognostiziert. Vielleicht mit Zarbitter und die in Taiwan etwas populäre Erdbeere* (Vollnuss gibt es ja wohl auch nicht).

Interessant finde ich worauf Milka jetzt wirklich - ohne viel Werbung - setzt: In Taiwan sehe ich nur die Sorten Vollmilch und "kleine Nussstücke", wie auch immer sich letztere marketingtechnisch nennt. Der VR-Chinese soll im Jahr nur 100g Schoki vertilgen, habe ich irgendwo gelesen, der Engländer hingegen 8kg. Die Taiwaner sind da sicher eher chinesisch. Mal gucken, wie lange die Chinamilka liegt. Schlecht schmeckt sie nicht.

* eine exotische Frucht in TWN, die manchmal mit regelrechten "alles Erdbeersüßigkeiten"-Aktionen in den Convenience Stores propagandiert wird

Edit: Ich dachte erst, dass Mondalez über Milka auf den Cadbury-Marktanteil in Taiwan zielt. Denn das bisschen Vollmilchschokolade hier ist meist Cadbury Dairy Milk. Aber Cadbury gehört auch zu Mondalez. Kannibalisieren sie da nicht ihren eigenen Umsatz? Reicht die Milch-Nische wirklich für 2 Marken?

Mittwoch, November 01, 2017

"Geh mal raus"

EDIT: Nach 3 Monaten am Stück hier habe ich sowieso wieder mal den Taipei-Koller ;-)

Wieso ich nicht mal mehr spazieren gehe kam in einer Diskussion neulich auf. Mit jemanden aus der Heimat. Tue ich fast nie hier. Wieso eigentlich?

Also gut. Stellen wir uns vor ich würde spazieren gehen wollen. Es ist 21 Uhr, Junior ist eingeschlafen, ich bin wieder wach nachdem ich ihn zu Bett gebracht habe und vielleicht selbst ein bisschen luxuriösen Vor-Nachtschlaf genossen habe.

Was tun?

a) Um den Block gehen. Das sind bürgersteiglose Gassen mit wenig Verkehr, nur mittelviel Hundekacke und hässlichen Plattenbauten hier in Taipei-Neihu. Tue ich manchmal. Freue mich auf das nächste Mal wie aufs nächste Badezimmer-Putzen. Nicht, dass das Viertel nicht auch wenige schöne Ecken hätte. Aber nur mit dem schmeichelnden Blick des Hobbyfotografen kann man das Schöne herausarbeiten...

... etwa so mit aufgehübschten Farben.  Eigentlich sieht man aber immer nur graue Platte...

... die man schon mit Brennweite (Extremweitwinkel etc.) und Photoshop aufhübschen muss.

Das meiste sieht eher wie oben aus. Gibt schlimmeres, aber es macht eben keinen besonderen Spaß, da zu gehen. Knattert ein Moped vorbei riecht die Luft wieder wie in der Kfz-Werkstatt anstatt wie sonst nur wie ein fahler Ascheeimer. Ich will nicht meckern, nur aufzeigen, wieso es nicht so sehr zum Abendspaziergang einlädt. Auch wenn sich die Dunkelheit wie ein gnädiger Schleier über die Plattenbauten senkt und manchmal hübsch illuminierte Stellen entstehen lässt, die man aufhübschen kann fotografisch. Grünes wäre mir halt lieber.

b) Der lokale Park: Klein und die Wege drum herum sind Fahrbahnen, wo selten aber dafür mit Karacho ein Moped heran rast, der Reiter müde vom langen Arbeitstag und sich auf die TV-Show mit Girls in Hotpans freuend.


Ich sitze da öfter mal des Abends. Und ärgere mich doch immer wieder über den Abgasgeruch. Und oft sitzen noch zwei Taiwaner schräg gegenüber auf der Bank und rauchen. Dann stinkt es zusätzlich noch etwas anders. Und eigentlich ist es auch nur eine erweiterte Fahrbahn, wie man sieht. Tendenz des Parks zum Kleinerwerden. Ein Teil davon, der einem Dutzend Anwohnern als ... Parkplatz ... diente ist mittlerweile mit einem Mehrfamilienhaus zugestellt. Hier passt immer noch irgendwo ein Wohnblock zwischen. Und in Taipei habe ich endlich begriffen, dass das deutsche Wort "Parkplatz" vom Park her kommt ;-)

c) Der lokale See

Ja gut. Tengo Lago. Aber der lokale See ist 1.5 km weg. Gehe ich da durch hässliche versmogte und größtenteils bürgersteiglose Straßen bei oft dichtem Verkehr hin zu Fuß ist es schon wieder zu weit und mein Rachen schmeckt nach KFZ-Werkstatt wenn ich da bin. Nehme ich das Auto, finde ich meist keinen Parkplatz. Sonst ist es da ganz hübsch und weitgestgehend smogfrei.

d) Der Flusspark

Etwa in 3 bis 4 km Entfernung. Fahre ich mit dem Auto. Kann bequem im Stockdunkeln parken nur die Glasscherben nicht sehen. Bin ich früher oft gewesen, geht ja meistens gut. Aber im Stockdunkeln steht man schon mal mitten in einem knurrenden Straßenhundrudel. Erwäge die Tage den langweiligen Grünstreifen mal wieder aufzusuchen regelmäßig. Aber eigentlich ist es mehr eine Autofahrt unter Benutzung des langsamen Autolifts im Haus als ein gemütlicher Spaziergang. Passt auch nicht so recht.

f) Grüne Hügel in der Nähe

Dachte ich. Schmale Fahrbahn geht hoch. Dann Hundegebell, ein Platz mit einer Art Bauerhof. Ist das jetzt privat oder nicht? Beißt der Hund? Lädt auch nicht so richtig zum Flanieren ein. Das Grün neben dem Weg ist dschungelartig und steil. Keine Wege.

g) Das Atrium vom Krankenhaus. 

Wieder eine Autofahrt mit bezahltem Parkplatz. Kommt ein bisschen teuer. Tja gut. Manchmal sieht man eine hübsche Krankenschwester.

Gut, ich bin in Deutschland praktisch im Grünen aufgewachsen. Ich würde dem viel zu vollen Taipei und gerade dem alten hässlichen Viertel wo wir wohnen gerne den Rücken kehren. Habe ich ja auch getan und bin dann doch wieder dem Ruf von Frau und Junior gefolgt. Will mich also nicht beschweren, war ja meine Entscheidung. Ich wollte eben nur erklären, wieso ich meist nicht spazieren gehe ;-)

h) Firmendach 

Halt... manchmal drehe ich vor dem Nachhausefahren auf dem Firmendach meine Runde. Da riecht es wenig. Es sei denn das Chemiewerk (?) nebenan lässt mal wieder seine sichtbaren Dämpfe durch Dachluken ab (Schornsteine haben sie in Taipei für Fabriken nicht immer). Dann riecht es lecker nach Gummibärchen. Auch nicht schlecht.



Freue mich auf den baldigen laaaaaangen Heimaturlaub mit laaaaaaaaaaaangen Spaziergängen durch die Masch genannte Marschenlandschaft und um den Maschsee Hannovers.



Donnerstag, Oktober 26, 2017

Automobilistisches

Vom braunen Kasten über den schwarzen Riesen zur roten Knutschkugel

Als ich 2004 nach Taiwan zog, ließ ich den vom Vater zur Verfügung gestellten alten Mitsubishi Spacewagon (Hochdachkombi mit 133 PS) daheim zurück und ging in Taipei zunächst zu Fuß. Meine Frau hatte zwar noch kurz vorher einen Kia Karens (ein Äquivalent zum Spacewagon) gefahren, diesen aber verkauft, als sie kurz nach Deutschland gezogen war. Dann hatte es ihr in Deutschland nicht gefallen (um es milde auszudrücken) und wir zwei sind eben nach Taiwan gezogen. Das hatte uns also bereits zwei Autos gekostet in diesem Sinne.

Zu Fuß trabte ich genervt durch bürgersteiglose Gasse und stand mit den Autos in versmogten Straßen im Stau, wollte aber trotzdem kein eigenes Auto haben. Auch weil ich geistig immer Taipei wieder verlassen wollte. Damals war es halt noch ein ganz anderes Land - all die schicken Straßen von heute gab es kaum bis nicht. Das Hochhaus 101 stand mit ein paar Vorzeigestraßen einsam zwischen grauen Plattenbauten. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen.

Erst 2006 schafften wir ein Auto an, es wurde ein Nissan X-Trail, der mit seinem 2-Liter-Benziner und 150 PS so zögerlich auf das Gas reagierte, als wenn drinnen nur 110 Pferde oder so ihre Arbeit verrichteten. Ein Modell, das es schon seit 2001 in Deutschland, aber erst seit 2005 in Taiwan gab und das hier auch hergestellt war. Innen freilich mit Leder und Kunstholz ganz anders aussehend als der robuste Innenraum der deutschen Version.


Bürgerlicher Wohlstand kehrte ein, der Nissan stand vorm Reihenhaus geparkt zusammen mit einem fast 10 Jahre alten Opel Corsa, den wir angeschafft hatten, als Frau und ich in zwei Firmen gearbeitet haben. Selten habe ich ein Auto so gehasst wie den Corsa, der immer kaputt war. Kochender Motor und Anlassprobleme. Genau gesagt "schrie" das Auto wie am Spieß wenn man den Anlasser betätigte. Fußgänger machten bei dem tier- oder eher dämonenhaften Laut einen solchen Satz, dass man befürchten musste, sie würden einen Herzinfarkt kriegen. Ein Corsa 1.2 Swing. Als auch noch die Bremsen nachließen und man pumpen musste, gab sogar der lokale "TÜV" (zu dem man ältere Autos in Taiwan bringen muss) sein OK dazu. Sie rieten zum langsam fahren.
Der Nissan blieb uns ein treuer Begleiter bis 2014, als auch wegen Befestigung für Kindersitze (den in Taiwan jap./kor. Autos nicht haben) ein Volvo angeschafft wurde. Mit 8 Jahren und 185.000 km hatte der Nissan nie Probleme gemacht. Nur einmal waren wir liegen geblieben als ich die rote Batteriewarnung zwei Wochen lang ignoriert hatte. Daraufhin gab die Lichtmaschine bei erst 85.000 km ihren Geist auf. Noch kurz vorm Verkauf mit neuen Stoßdämpfern ausgestattet fuhr sich der Nissan wieder wie ein Neuwagen. In der Rückschau das beste Auto, dass ich je hatte. Der X-Trail nahm 10-12 Liter in Taiwan, der Corsa um die 9.

Angeschafft wurde der Volvo XC 60 T5 mit einem 2-Liter Turbomotor, den Volvo als Sparmotor bezeichnete. Wohl weil er seine geschlagenen 245 PS nur aus 2 Litern Hubraum zog.  Freilich war der Wagen für die oft schmalen Gassen Taipeis viel zu breit und steckte manchmal fast fest. Geschlagene 1.90 Meter breit war er. Und das obwohl er im Innenraum viel enger wirkte als der Nissan X-Trail.

Die Inspektionen waren teuer, mal eben 20.000 NT statt wie vorher 2.000 bis 4.000 NT beim Nissan waren für uns eine ungewohnte Dimension, wenn auch erträglich. Der Verbrauch war horrend. Der "Sparmotor" gurgelte sich zwischen 11.8 und 15 Liter in den Rachen, mit Tendenz zur Steigerung. Unvergessen ist mir das wütende Pipen und die roten Warnungen auf einem großen "taktischen Display" auf dem Armaturenbrett, mit dem der Wagen -ständig- auf das -ständige- Annähern von Mopeds reagierte, deren ungefähre Position auf dem Bildschirm unter wütendem Pfeifen angezeigt wurde. So als gälte es die Phaser auf die Position eines die Tarnung fallen lassenden Klingonenkreuzers bei Star Trek auszurichten.
Die Sicht nach hinten links und hinten rechts beim Spurwechsel war wegen der ansteigenden Seitenlinie schlecht, dafür hatte er jedoch elektronische Helferlein die wiederum Feinde im toten Winkel blinkend anzeigten.
Meine Frau gab mit dem von ihr gewünschten Volvo das Autofahren schlichtweg auf. Sie kam einfach mit der Breite nicht zurecht. Trotzdem wirkte sie immer glücklich in dem dicken Fahrzeug. "Etwas her machen" tat der Volvo auch in Bezug auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Während diese mir in der Nissanzeit ständig vor den Kühler kreuzten oder oft in Millimeterabstand auf der Stoßstange hingen, hielten die Taiwaner zu dem Volvo fast immer respektvollen Abstand und stellten manchmal sogar irgendwelche Rennen, in die sie gerade verstrickt waren ein, um manierlich und mit gesetztem Blinker an mir vorbei zu ziehen - erst wenn ich gewillt war ihnen Platz zu machen. Ich gebe zu, ich konnte mit dem dicken Ding gemütlich und entspannt durch Taiwan fahren. So gesehen fiel mir die Trennung am Schluss etwas schwer.
Der Wagen fiel der chaotischen Zeit zum Opfer, in der meine Frau mit dem manilesischen Familienzweig - ihrer Schwester nebst lokalem Manne - fusionierte und mit Junior dort hin zog, während ich nach Deutschland zog. Eine chaotische Zeit, der also auch der dicke Volvo zum Opfer fiele. Das praktisch neue Auto nach 2 Jahren zu verkaufen machte hohen Verlust und heute fährt ihn immerhin teilbezahlterweise die Schwester Nr. 4 meiner Gattin. La Sagrada Familia ist hier sowieso die Hauptsache.

Kaum wieder zurückgekehrt nach Taiwan schmiedete meine Frau Pläne irgendwas dickes mit Stern anzuschaffen. Nun habe ich nichts gegen LKWs, aber wenn diese sich heute auch SUV nennen plädierte ich energisch erst mal für einen Kleinwagen. Wer weiß denn, ob sich unsere Hin- und Herziehphase nicht noch fortsetzt.

So fahren wir derzeit mit der nagelneuen Knutschkugel oben im Bild herum. Ein Nissan Micra, der sich hier March nennt und hier seit recht kurzer Zeit erst so verkauft wird, wie es ihn in Deutschland von 2009 bis 2013 gab (Micra K12). So klein ist ein Kleinwagen heute auch nicht mehr, er hat immerhin ziemlich genau die Ausmaße eines Golf A und man sitzt erstaunlich bequem in dem Ding. Wohl wegen des hohen Daches. Ich will nicht behaupten dass der Vierzylinder mit 1.5-Litern und 99 PS das beste Auto aller Zeiten ist (Motorosierung abweichend von Deutschland), aber er ist trotz Automatik agil im Stadtverkehr und der Verbauch ist auch um Klassen besser als beim Volvo. Fährt meine Frau ihn allein oder mit Junior kommt sie auf 6-7 Liter Verbauch, bei mir hingegen nimmt das Ding 8-9 Liter, obwohl ich viel vorsichtiger mit dem Gas umgehe. Meine Frau wirft das Ding wie einen roten Flummi durch die Gegend und hat mit dem kleinen Auto das Autofahren und die Freude daran wiederentdeckt. Ich hingegen fahre ihn häufig recht missmutig im Vergleich zum Volvo. Fangen doch die Taiwaner wieder damit an, mich ständig mit ihren dicken Limusinen und SUVs zu bedrängen, als gäbe es irgendeinen Preis zu gewinnen.

Egal wie oft ich in die dunkle Tiefgarage komme, so sieht es nie aus (fehlt das Licht denke ich), Bildklau von Nissan Taiwan

Innen hat der Nissan schickes Hartplastik am Armaturenbrett, trotzdem (für seine 570.000 NT) Ledersitze und damit es nicht langweilig wird klappert hinten immer irgendwas. Aber dafür werden sich wohl keine taiwanischen Verwandten darum reißen mit dem Ding einst durch die Gegend zu fahren, wenn wir mal wieder wegziehen. Wir planen ihn für den Fall als Taiwanauto meiner Frau zu behalten und bei einem Freund der Familie unterzustellen.

Da ich nun zwischen Deutschland und Taiwan pendele habe ich auch noch den nagelneuen Mitsubishi von meinem Vater übernommen, der ja leider verstorben ist. Jetzt ist der rote Mitsubishi  ASX schon wieder über ein Jahr alt geworden aber fast immer nur in der Garage stehend meiner Abwesenheit halber und gerade mal 5700km gelaufen.

Weit und breit keine Forstmitarbeiterinnen, um mal am Auto zu posieren.


Frau ist der 117-PS-starke kompakte SUV, der im ruhigen Niedersachsen auch nur zwischen 8 und 9 Litern nimmt ein kleiner Dorn im Auge. Sie mag es eher mit Stern in der letzten Zeit und kauft mir nicht ab, dass der Mitsubishi "Drei Diamanten"-Stern doch fast genau so ist. In die Diskussion fiel Junior mit einer "Volvo Volvo Volvo"-Kaskade ein. Er ist immer noch ein Fan von unserem schwarzen Ungetüm oben im Bild.

Am meisten Spaß gemacht hat mir jedenfalls ein anderer Mitsubishi, Anno 1985 oder 86 frisch führerscheinbesitzend und auf Spritztour in Ostberlin.


Heute finde ich er sieht gar nicht so viel anders aus als das realsozialistische Blech in der Straße. Damals allerdings hatte der "Space Wagon 1800 GLX" in der DDR richtig für Aufsehen gesorgt. Nach Feten (in Der Brrrrrd) konnte man hinten den Siebensitzer in eine Liegefläche verwandeln und drin nächtigen. Übrigens hat er fast identische Breite und Höhe wie der Nissan March oben im Bild. Dabei ist der heute ein Kleinwagen und der Space Wagon war eine ausgewachsene Familienkutsche.

Mehr Bilder von dem Ostberlin-Trip hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2012/07/wie-ich-die-ddr-ruiniert-habe.html
U.a. sieht man dort den Wagen einmal vor westberliner Reichstag und einmal vorm ostberliner Palast der Republik geparkt. Den Fun von damals kann auch ein 400 PS-Mercedes nicht ersetzen (den Gattin im Visier hat).



Freitag, Oktober 20, 2017

UPDATE: Taiwanische Theorien (Doppelte Staatsbürgerschaft, Kindergeld...)

Unlängst hatte meine Frau Kontakt in einem Forum zu einer Taiwanerin, die irgendwie mit Deutschland verbandelt ist. Ihre Theorien, welche Vorteile man hinsichtlich Kindergeld, Staatsbürgerschaft und Schulgeld erlangen könnte veranlassten mich zu neuerlicher Recherche. Hier Theorie und Tatsachen gegenübergestellt. Wer besseres weiß, ist natürlich aufgerufen, dass in den Kommentaren anzugeben, danke.

These 1: Man kann immer Kindergeld in Deutschland bekommen, auch wenn man dort gar nicht lebt.

Tatsachen laut meiner Recherche: Jein. Um in Deutschland Kindergeld für ein nicht in Deutschland wohnhaftes (nicht dort gemeldetes) Kind zu bekommen, muss das Kind meines Wissens nach im Ausland eine gemeinsame Wohnung mit den Eltern bewohnen und ein Elternteil in Deutschland steuerpflichtig sein ODER dort gemeldet sein ODER dort seinen Lebensmittelpunkt haben.

Da ich seit 2016 in Deutschland wieder gemeldet und ein paar Monate im Jahr dort bin und mit Junior und Frau sonst in Taiwan lebe, besteht also die Möglichkeit von Kindergeld, auch wenn ich mir nicht sicher bin. Ich hatte den Antrag ohnehin schon länger liegen und habe ihn nun mit wahrheitsgemäßen Angaben ausgefüllt. Gemeint ist hier nicht dem Amt vorzutäuschen, Junior würde in Deutschland leben. Auslandsdeutsche machen so etwas öfter mal, ich aber nicht.

These 2: Als Taiwaner(in) kann man immer auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, obwohl man die taiwanische behält.

Tatsachen laut meiner Recherche: Nein mit Tendenz zum Jein. Grundsätzlich verlangt die Bundesrepublik Deutschland von einem (etwa durch Heirat/Zuzug und langes Leben im Land) die deutsche Staatsbürgerschaft annehmenden Ausländer die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft. Auch wenn die Republik China alias Taiwan nicht offiziell diplomatisch anerkannt wird, ändert das nichts an diesem Umstand. Allerdings gibt es Fälle, wo die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt ist. Sowieso bei Nachkommen von Deutschen und Ausländern ab Geburt, siehe hier im Blog. Und abgesehen davon in Fällen, indem dem Ausländer (a) bei Aufgabe seiner alten Staatsbürgerschaft unzumutbare Nachteile drohen oder (b) der alte Staat nicht kooperativ ist und die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft verweigert oder bis (mindestens?) zwei Jahre hintertreibt. Ausdrücklich meint Fall (a) NICHT die normalen Nacheile einer Staatsbürgerschaftsaufgabe, etwa nicht mehr wählen zu können.

Ich denke nicht, dass (a) oder (b) auf Taiwan zutreffen. Man könnte aber sicher einen Fall konstruieren, bei dem die Beibehaltung der taiwanischen (R.O.C.) Staatsbürgerschaft erlaubt würde, etwa wenn ein patriotischer Vater der Tochter bei Aufgabe der Staatsbürgerschaft mit Enterbung drohen würde. Das ist von mir spekuliert.

UPDATE: Siehe Kommentare: Taiwan diskriminiert Ausländer bei einigen Regelungen, etwa der Beamtenrente (hier bekommen Ausländer nur geringe Einmalzahlung statt monatl. Rente). Das wäre dann sicher ein gravierender Nachteil, dass man auch die R.O.C. (Taiwan)-Staatsbürgerschaft behalten könnte.
Sollte der taiwanische Staat eigenen Staatsbürgern tatsächlich die R.O.C.-Staatsbürgerschaft automatisch zurückgeben, wenn sie diese zur Erlangung der deutschen oder einer anderen abgelegt haben (lt. Kommentaren ist das möglicherweise so), dann könnten sie auch nach deutschem Recht beide behalten. Nur wenn diese neu beantragt werden müsste ginge das nach deutschem Staatsbürgerschaftsrecht nicht. EDIT: Siehe Kommentare unten. Unklar ist, wie das Neubeantragen des taiwanischen Passes (i.S. des Papierdokuments) von Deutschland aus gesehen würde und ob es zum Entzug der deutschen Staatsangehörigkeit führen könnte. Don't try this at home ohne rechtliche oder anderweitig kompetente Beratung!

These 3: Der deutsche Staats erstattet das (horrende) Schulgeld für die deutschen Auslandsschulen.

Tatsachen laut meiner Recherche: Absolut nicht. Wer da einen Kniff kennt, teilt ihn mir bitte mit und bereitet sich auf ein Geschenkpaket von Ludigel per Post vor.


UPDATE: Kindergeldantrag abgelehnt mit der (ungefähren) Begründung ich würde weder in Deutschland Wohnsitz haben (falsch, bin seit Dez. 2016 amtl. gemeldet) oder steuerpflichtig sein (falsch denke ich, denn meine Bank geht jedenfalls davon aus dass ich mit Meldeadresse in Deutschland auch steuerpflichtig bin, ich ebenfalls). Werde also später Einspruch erheben und Meldebescheinigung und (die noch zu holende) Steuerkarte beilegen.

UPDATE 2: Siehe Fallbeispiele hier im neuen Artikel: http://osttellerrand.blogspot.tw/2017/11/kindergeld.html

Donnerstag, Oktober 19, 2017

Heimatnotizen

Kurz vor dem nächsten Deutschlandaufenthalt Zeit für ein Resumee

Ich gebe zu, kaum etwas hatte mich in der letzten Zeit so beschäftigt, wie Merkels Flüchtlingspolitik. Voller Sorge, wie diverse brotlose männliche Zugezogene die Kriminalitätsrate beeinflussen würden, gerade in Hinsicht meiner alten Mutter, die allein im Reihenhaus sitzt - habe ich mich vor zwei Jahren oder so zum Googeln einschlägiger Stichworte hinreißen lassen. Mit "Refugees Kriminalität" oder dergleichen landete ich bald auf Facebookgruppen, Webseiten und in Foren, die das Bild eines von arabischen und afrikanischen Ausländern belagerten Deutschlands kolportierten, wo man sich vor lauter Kriminalität kaum noch auf die Straße trauen konnte. Damals liebäugelte ich mit der Wahl der damals noch gemäßigten AfD (vor dem Auftrumpfen von Herrenmensch Höcke und der Dominanz von Herrn GAUland).

Dann die Verblüffung bei einem Kurztrip nach Deutschland. Ruhige niedersächsische Kleinstadtstraßen wie immer, von ausländisch aussehenden Leuten weit und breit keine Spur. Die erste Frau, die ich mit Kopftuch sehe ist eine (katholische) Nonne.

Alles im gelben Bereich, kein Grund mit einer Flappe durch die Heimat zu laufen*

Doch wie war es nun bei zwei längeren Aufenthalten in Deutschland? In Stichworten.

- Wie immer hohe Ausländerdichte der osteuropäischen und türkischen Variante im Stadtzentrum der Kleinstadt, wo viele plattenbauähnlichen Wohngebiete liegen. Unverändert. Hier habe ich mich früher schon mal auf Englisch bei meiner Frau beschwert, dass man kaum noch Deutsch bei C&A hört ;-)

- In den ruhigen obere Mittelklasse-Wohnstraßen unseren Reihenhauses sind die ersten arabisch aussehenden Leute zu sehen. Ein Novum. Aber sicher nichts negatives. Eine hübsche junge Frau hat ein wehendes lila Kopftuch elegant um den Kopf geschlungen. Nett.
Im Zentrum mittlerweile viele Kopftücher bei den Damen. Wäre es ein normaler und nicht soziologisch-patriarchalisch induzierter Trend würde ich sagen: Mal was neues, aber designmäßig können die Damen von der erwähnten jungen Frau mit dem lila Kopftuch lernen. Mir bleibt ein leicht unangenehmes Gefühl im Hinterkopf, denn hier ist mehr sozialer und religiöser Druck die Schubkraft des neuen "Trends" und nicht etwa das Modegefühl der (oft neubürgerischen?) Damen.

- Die Lokalzeitung weiß in der letzten Zeit von einigen Verbrechen zu berichten, die es so früher nicht gab. Nicht missverstehen, Überfälle zu nächtlichen Zeiten gab es auch früher schon in der Kleinstadt. Aber jetzt lese ich von einem von mehreren südländisch aussehenden Herren ausgeraubten Teenager auf dem Fahrrad im Naturschutzgebiet schon bei Sonnenuntergang. Ein Überfall auf dem Garagenhof nahe Zentrum schon um 20 Uhr und zu gleicher Tageszeit ein Messerangriff an der Stadtbahnhaltestelle. Und noch mehr Meldungen der Art, allerdings auf einem Zeitraum von 2 Jahren verteilt, das gebe ich gerne zu.

- Treffen bei einem alten Studienfreund. Seine Frau und er empfehlen dem leicht angetrunkenen Ludigel, der natürlich sein Auto stehen lässt, nicht wie früher einfach die 2 Kilometer zu Fuß nach Hause zu gehen, sondern lieber ein Taxi zu nehmen. Sie erwähnen die Leiche, die man vor einem Jahr oder so vorm Asylsuchendenheim gefunden hat, schon monatelang im Gebüsch vermodernd, bis heute unidentifiziert. Und sagen, man ginge halt seit dem Beginn der Flüchtlingswelle nicht mehr abends einfach so raus. Auch ihre Bekannten würden jetzt immer lieber ein Taxi rufen. Ich verzichte auf den bei mir schon liebgewonnen Abendspaziergang nach Haus, der über mein altes Schulgelände geführt hatte.

- Bei einem Grillabend lerne ich den ersten "Flüchtling" persönlich kennen. Er ist ein netter junger Mann und die Anführungszeichen verwende ich nur, weil er als Marokkaner natürlich nicht vor Krieg geflüchtet ist, sondern eben eine Chance in Deutschland sucht. Er ist mit einer Deutschen zusammen und ist ein weltläufiger gebildeter junger Mann, der sicher ein Gewinn für das Land ist. Ich wünsche ihm, dass er bleiben kann und denke wieder einmal, dass wir eigentlich ein Einwanderungsgesetz bräuchten, um weniger Messerstecher (vgl. den Toten vorm Asylsuchendenheim) und mehr Leute wie ihn zu kriegen.

Soweit die Notizen. In früheren Blogjahren wäre jetzt die PC-Korrektheitstruppe über mich her gefallen und ich hätte am Ende noch tagelang Facebook-Bombs zu dem Thema bekommen und alle hätten wieder "Nazi" geschrien. Ruhig wie das Blog geworden ist, wird es wohl unkommentiert bleiben ;-) Gegen vernünftige Diskussion wäre natürlich nichts einzuwenden.

* Bild aus dem hannoverschen Zoo