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Dienstag, April 18, 2017

Autofahren in Taipei (Update)

Eine fiktive Autofahrt. Das was dabei passieren kann, ist hier reichlich erzählt. Auf einer realen Fahrt werden je nach Länge oder Dauer natürlich nur 1 bis 5 solcher besonderen Vorfälle normal sein. Und ein Taiwaner würde das meiste davon wahrscheinlich nicht einmal für erwähnenswert halten.

Taiwaner stehen nicht gerade Schlange, um die Meinung von Ausländern zu ihrem Herumeiern aka "Straßenverkehr" zu hören

Es fängt an mit dem Ausparken. Schon das kann in den engen oft zugeparkten Gassen Taipeis zum Abenteuer werden. Gerade wenn man ein taiwantypisch eher dickes Auto fährt, weil so ein SUV im aggressiven Gedränge und Geschiebe vielleicht Sicherheit versprechen soll. Unseren letzten gemieteten Parkplatz haben wir aufgegeben, weil er oft zugeparkt war oder die Gasse so schmal war, dass der dicke Volvo kaum raus kam, wenn gegenüber noch jemand am Straßenrand stand. Einmal wurde ich auf Englisch beim Hupen-bis-der-Zuparker-kommt gefragt, wieso ich da überhaupt parke. Auf meinem gemieteten Parkplatz. Als Nichtasiate bin ich natürlich gleich ein parktechnischer Fremdkörper, kann kein Eigentum am Parkplatz auf dem Boden der Republik China aka Taiwan haben. Ich erklärte damals dem Frager genervt zu nächtlicher Stunde, dass das ganze Land Taiwan mir gehören würde: "This is my country!" Woraufhin er schnell verschwand. Man will eben nachts keine Soziokulturellen Diskussionen führen beim Ausparken. Einmal, beim Einparken auf den Familienparkplatz bei Schwiegermutter etwa 100 m entfernt. wollte mich ein von mir weggehupter Autofahrer mit seinem Auto hinterher überfahren, als ich aus dem Auto gestiegen war. Ich hatte vielleicht etwas zu viel gehupt und war auch nicht gerade freundlich. Der junge Mann eierte solange mit seinem Auto vor und zurück und versuchte mich zu erwischen, bis ich das Handy zückte. Auch meine Frau stand einmal vor einem uns dort zuparkenden alten BMW, dessen Fahrer mit aufjaulendem Motor so tat, als wolle er sie überfahren. Taiwaner regen sich im Verkehr immer leicht auf. Heute bin ich immer besonders freundlich zu den Leutchen und bedanke mich drei- und viermal. Wir sind ja nicht beim Straßenkampf in Aleppo.




Heute fahre ich mit dem Kleinwagen der Marke Nissan aus der Tiefgarage schräg gegenüber aus dem Autolift. Dann geht es bis zur Hauptstraße etwa hundert Meter durch schmale Wohnstraßen, die natürlich keinen Bürgersteig haben. Hier könnten mir alte Leute plötzlich vor den Wagen laufen, die irgendwo zwischen zwei geparkten Wagen hervor kommen und ohne zu gucken die Fahrbahn betreten und dann oft im Slalom dort herum laufen. Kinder tun das eher selten, Senioren bei uns im Viertel recht oft. Oder ein Moped prischt plötzlich aus einer der kleinen Seitengassen, die natürlich immer zugeparkte Kurven haben und schert ohne zu gucken vor meinen Kühler ein. Immer bremsbereit sein. Taiwaner fahren sehr viel rasanter durch diese engen Gassen als ich es tue. Aber die würden auch nicht zum landesweiten TV-Spektakel, wenn sie einen Unfall haben. Wie es Ausländern schnell passieren kann in Taiwan. Und die sich im Todesfall plötzlich Forderungen in Hunderttausenden US-Dollar gegenüber sehen würden. Unter sich verhandeln die Familien in Taiwan in der Landeswährung Taiwandollar (1:30 etwa), aber bei Ausländern schalten sie auf höhere Summen und damit US-Dollar, weil sonst die Nullen einfach zu viele werden. Der Fall "Zain Dean" kann hier als Beispiel dienen. Dean sah anfangs noch recht unschuldig aus nach einem tödlichen Unfall, wurde aber sofort landesweit gravierend vor-verurteilt, so dass kein faires Verfahren mehr möglich war.



Bin ich nun glorreich auf der Hauptstraße, dann muss ich damit rechnen, dass stets Motorrollerfahrer schnell und aggressiv um mich herum fahren, mir dabei fast den Kühler abrasieren. Insbesondere vorne an der Ampelkreuzung, wenn diese Grün zeigt. Dann kommen die Motorroller von rechts aus einer ampellosen (!) Einmündung geschossen, mir direkt vor den Kühler um nach links oder geradeaus über die grüne Ampel zu schmirgeln. Und Vorfahrtsregeln gibt es ja auch nicht in Taiwan. Außer einem irgendwie "große Straße vor kleiner", das in Praxi zu "mutig vor feige" geworden ist.



Brav fahre ich immer über die Fahrspur mit dem Geradeauspfeil, wenn ich greadeaus fahre. Neben mir wird aber die Linksabbiegespur auch als Geradeausspur benutzt. Richtungspfeile haben nur Vorschlagscharakter in Taiwan. Gerade Piloten dicker SUVs schneiden einem gnadenlos vor den Wagen, um trotzdem geradeaus über die Kreuzung zu fahren. Einmal auf einem Expressway angekommen - also einer Schnellstraße - fließt der Verkehr deutlich ruhiger. Weil die Motorroller jetzt fehlen, die hier nicht mehr fahren dürfen. Es gibt allerdings ein paar Leichtmotorräder mit gelbem und ein paar schwere Maschinen mit rotem Kennzeichen von denen manche einen Motorroller-artigen Fahrstil mit auf-der-weißen-Linie-in-der-Mitte-fahren und auf-dem-Standstreifen-überholen in den Verkehr bringen. Aber das sind nur wenige. Grundsätzlich hängt man dem Vordermann dicht auf der Stoßstange. Denn hält man ganzen oder nur halben Sicherheitsabstand, drängt sich sofort jemand -oft ohne Blinker und sehr plötzlich - in den Abstand hinein, weil er eine Lücke erspäht hat und denkt, auf der anderen Spur etwas schneller vorwärts zu kommen. Nach der Regel "passt es bis zu den Spiegeln, passt das ganze Auto" versuchen die Autofahrer hier, erst einmal ihre Motorhaube rüber in eine Lücke zu schieben und so den nachfolgenden Wagen dort zum Abbremsen zu zwingen. Das führt auch manchmal zu Unfällen so dass man schnell lernt, dass Abstand halten oft zu brenzligeren Situationen führt, als wenn man einfach dicht drauf hängt auf dem Vordermann. Trotzdem versuchen sich manche reinzudrängen und fangen dann etwa an, sich immer weiter parallel zu einem auf die eigene Spur zu schieben, bis man fast Blech-an-Blech fährt und sich manchmal sogar die Außenspiegel berühren. Alle haben immer Kamerasysteme in den Autos - ich auch - die ständig aufzeichnen und so gibt es bei Youtube und anderswo herrliche Aufnahmen von schiefgegangenen Drängelmanövern, bei denen sich die Leute zum Schluss die Autos verbiegen.



Auf dem Land - nicht in Taipei muss man nach schrottreifen Autos Ausschau halten. So fahren etwa manchmal Fahrzeuge mit verzogenem Chassis, die dann wild von rechts nach links zucken oder es gibt - auch in Taipei - manchmal durchaus gepflegt aussehende ältere Autos, die so ausgeschlagene Stoßdämpfer haben, dass sie bei minimalen Bodenwellen wie Wüstenschiffe schaukeln und manchmal auch die Spur verlassen. Aber meist fahren in Taipei moderne Mittelklassewagen und SUVs, alle frisch gewaschen. Bei älteren Autos ist man vorsichtig. Autos in Taiwan werden oft im Alter nicht mehr oder nicht mehr richtig gewartet und Werkstätten tauschen nur selten die Glühbirnen aus. Deswegen haben ältere Autos - und LKWs und Lieferwagen sowieso - oft keine Bremsleuchten. In der Dämmerung fahren die meisten Autos ohne Licht. Der Volksmund weiß in Taiwan zu berichten, dass Licht am Auto furchtbar viel Benzin verbraucht. Auch Nachts fahren manche ohne Licht und Taxifahrer schalten manchmal an der roten Ampel komplett das Licht aus und stehen dann wie getarnt im Dunkeln an der Ampel. Spart angeblich Benzin!



Vorsicht sowieso bei blauen kleinen Lieferwagen. Lieferwagen ohne Firmenbeschriftung werden fast immer in Blau ausgeliefert und besonders wild gefahren. "Blue truck of death" ist die Bezeichnung in der Ausländergemeinde und kein bisschen übertrieben. Die Fahrer dieser Fahrzeuge verlangen immer und überall Vorrang und man lässt sie besser gewähren, sonst kracht es leicht. Auch Spurwechsel werden - nicht nur von ihnen - in Taiwan oft ohne-zu-gucken erledigt. Und um tote Winkel kümmern sich eh viele nicht. Aber wohl nicht nur in Taiwan. Große LKWs sieht man selten. Weil sie einem so dicht auf der Stoßstange hängen, dass man nur etwas Schwarzes vom Kühlergrill sieht. Klar, dass auch diese wie "Gesenkte Sau" gefahren werden, wie man bei mir zu Hause sagt.



Wenn der Verkehr aus japanischen SUVs und Limusinen so ruhig vor sich hin schiebt auf mehreren Spuren und noch ein paar Lücken dazwischen hat, muss man auf Sportfahrer aufpassen. Die fahren meist deutsche Automarken, eventuell aber auch aufgemotzte Mitsubishis oder Mazdas und fahren dann Slalom-Rennen im dichten Verkehr. Wenn alle 80 - 100 fahren bei Tempolimit 70 oder 80 sieht man manchmal kaum die plötzlich heran schießenden Autos, die mit bis zu 160 größere Lücken ausnützen wollen. So ein dicker BMW SUV wird dann schnell zum Amboss des Todes, wenn man nicht aufpasst.

Taxifahrer. Taxis sind ein Thema für sich. Immer Gelborange weil-wir-Taiwaner-alles-den-USA-nachmachen zählen sie auch zu den aggressiv gefahrenen Fahrzeugen. Hat man eine große Lücke rechts im Außenspiegel erspäht und blinkt um langsam rüber zu fahren, dann sollte man das nicht tun, wenn eine Taxe das hintere Fahrzeug auf der Zielspur ist. Die preschen dann oft mit viel Gas heran um entweder ihre Spur zu verteidigen oder einen Unfall zu provozieren. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer tun das manchmal. Bei Taxen sollte man auch auf Abstand achten und lieber jemand anders dazwischen fahren lassen. Denn Taxifahrer bremsen gern hart und plötzlich, um einen Auffahrunfall zu provozieren. Sie müssen dann ein paar Tage nicht arbeiten, weil sie dann den Verdienstausfall über eine großzügige Pauschale vom Unfallgegner bezahlt kriegen.



Vorsicht generell beim Einfädeln. Fast immer wenn man dabei kurz dicht an einen anderen Wagen heran fährt, tritt der Fahrer auf die Bremse. Man ärgert in Taiwan gerne andere Verkehrsteilnehmer und Fahrer alter Autos können so auch Geld verdienen. Manche Autofahrer bremsen immerfort unmotiviert. Was auch immer dahinter steckt.

Meist fahre ich nur auf bekannten Strecken. Denn die Verkehrsführung in Taiwan ist manchmal einfach abenteuerlich. Hier ein paar Beispiele aus Taipei (nur wenn "Land" erwähnt ist, ist es woanders):

- Zwei- oder Vierspurige Schnellstraße. Manchmal kommt eine Spur dazu und manchmal geht sie plötzlich wieder weg. Sowohl rechts als auch links. Ausfahrten sind also auf beiden Seiten! Das ergibt immer ein schreckliches Geschiebe und plötzliche Ein- und Ausscheermanöver.

- Oder viel lustiger: Eine Kreuzung wie ein Y, bei dem beide Fahrbahnen oben gleichzeitig Grün haben. Da habe ich schon viele Zusammenstöße selbst gesehen.

- Sieht aus wie eine offene Garage in einer schmalen Altstadtgasse, ist aber die Ausfahrt einer Schnellstraße! Man glaubt sich allein auf einsamer dunkler Straße und plötzlich schießt einem eine Schlange von Fahrzeugen aus der "Garage" vor den Wagen. Ich weiß bis heute nicht, wer da Vorfahrt hatte.



- Kreuzungen einbetoniert mit die Sicht nehmenden Wänden unter Brücken, wo sich Mini-Einfädelspuren plötzlich im Gegenverkehr verlieren und Autos aus sechs Richtungen kommen.

- Versteckte Mini-Einmündungen auf großen Kreuzungen, oft ohne Ampel, während nur die großen Einmündungen Ampeln haben.

- Eine klar aussehende einfache Kreuzung mit Ampel, bei der aber die große Fahrbahn zu meiner linken keine Ampel hat sondern eine (kaputte, hochgeklappte) Schranke und die Autos dort einfach mit Karacho in die Kreuzung einfahren.

- Gleich dahinter fehlt "mir" eine Ampel, wenn ich durch eine Unterführung fahre. Man soll sich offenbar an der Ampel an der nächsten Kreuzung orientieren und hat kaum Sicht auf die ampelgeregelte Fahrspur von links.

- Kreuzungen mit richtungsvertauschten Fahrspuren, bei denen man das Fahren in England üben kann.

- Kreuzungen mit versteckten Ampeln, etwa zwischen roter und grüner greller Leuchtreklame untergehend (Stadt) oder auf der anderen Straßenseite bei einer Allee mit Bäumen auf dem Fahrbahnteiler(!) ganz oben links (Land). Würde man nie denken, dass die Ampel da den Geisterfahrer macht. Also auf der falschen Fahrbahnseite links vom die Sicht nehmenden Grünstreifen befestigt ist.

Was das mit Straßenverkehr zu tun hat? Na bestimmt...

- Ampeln, die von Technikhäuschen verdeckt sind wenn man den Berg hochfährt (in der Kurve natürlich).

Und und und. Und natürlich überall die völlig regelfrei fahrenden Motorrollerfahrer, die von überall und nirgends kommen ohne auf den Verkehr zu achten. Sie fahren meist ohne Führerschein wie ein Fußgänger sich in der Menschenmenge durchschiebt. Und nicht wie man ein richtiges Fahrzeug steuert.

Ampeln sind auch schon mal wochenlang kaputt. Nachts auf Schnellstraßen wird die linke Fahrspur ohne Lichtwarnung einfach mit mausgrauen Betonstellwänden zu gemacht, die man erst im letzten Moment sieht (Land).

Ach ich habe keinen Bock mehr weiter zu schreiben. Fahren Sie doch selber in Taiwan. Oder auch nicht. 

... fahren die nach der Computermesse...

Erwähnenswert noch: Man sieht schon mal Verletzte blutend auf der Fahrbahn neben ihren ungesicherten Unfall-Motorrollern liegen, sich vielleicht noch mit den Händen mühsam über den Asphalt zerren, während Leute kichernd am Rand stehen und Fotos und Filme mit den Handys drehen. Besser auch weiterfahren und nicht helfen, sonst wird man leicht von einer Unfallpartei als Unfallverursacher bezeichnet und verklagt. Hier ist die Regel: Wer sich einmischt hat ein eigenes Interesse und daher müssen die anderen Parteien sich (durch juristischen Angriff) schützen.

Komisch, richtige Autovermietungen gibt es kaum in Taiwan (gacker)...

...ganz wild mit dem Moped nach Hause. Hier üben sie...


UPDATE: Das blödsinnigste Vorkommnis, das ich 2006 mal im Straßenverkehr hatte, soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ich hatte den Artikel einst wieder gelöscht im Blog, um Taiwan nicht zu negativ dastehen zu lassen. Damals hatte meine Frau den Nissan X-Trail fahrend, einen Spurwechsel gemacht und parallel mit ihr wollte ein weißer Honda Civic. Eine drei- oder vierspurige Schnellstraße, auf der sich der Verkehr fast schon staute. Meine Frau setzte ich durch, der Honda musste kurz warten. Er überholte uns dann und bremste uns aus, zwang unseren Wagen zum Anhalten. Wir stiegen alle aus und der Fahrer des Honda, ein Mann in den 30ern mit deutlich erkennbarer langer Narbe quer über die Stirn, kam auf uns zu wie ein aus dem Käfig entsprungenes wildes Tier. Schrie und ließ seine Hände in die Luft fliegen, wie ich es aus Mädchenkeilereien in der Grundschule in Erinnerung hatte. Er bewegte sich ständig auf meine Frau zu und kurz bevor er sie mit seinen fliegenden Händen erreicht hätte, ging ich dazwischen und schrie den Kerl an, er solle seinen Arsch wieder in den verdammten Wagen bewegen. Die ganze Zeit über raste der Verkehr linksseitig knapp an uns vorbei - auch LKWs darunter. Nun hatte er seinen Honda etwa zu einem Drittel auf der rechten Fahrbahn der Schnellstraße geparkt. Weil er uns eben das Wegfahren unmöglich machen wollte. Als er dann recht schnell nach meinem Eingreifen in den Honda verschwinden wollte, hatte er nur Augen für uns und nicht für den Verkehr. Der rechte Spiegel eines schnell vorbei fahrenden LKWs hätte ihn fast an der Stirn erwischt, als er in seinen Honda steigen wollte. Genau da, wo die alte Narbe war. Er blieb schockgefrohren für einen Augenblick stehen. Hatte wohl gemerkt, wie knapp das war. Ich fürchtete schon er wollte zur zweiten Runde starten, da schrie ich ihn wieder an: "Get into your fucking car before you get hit by another truck.... or by me!" Er verschwand hastig und brauste davon und ward nie wieder gesehen.
Taiwan kann manchmal Mel-Brooks-artig blödsinnig sein. Hatte der kleine wilde Mann seine Narbe auf die selbe Art bekommen? Heute 11 Jahre später sind die neuen Dreißigjährigen im Schnitt 15 cm Größer und erreichen oder übertrumpfen meine Bauhöhe. Sind aber im Verkehr immer noch genauso wild.

...erst das Sitzen auf den Moped und dann die Fahrtrichtungsanzeige.

UPDATE2: Und der Motorrollerstau, bei dem ein behelmter Mann dabei war einen anderen behelmten reglosen Motorollerfahrer immer wieder mit dem Kopf auf den Bordstein zu schlagen, während ich direkt vorbei ging um mir einen Burger statt dem glitischigen Seafood beim Firmenfestessen zu kaufen.


Am Ende bleibt man ratlos zurück.

Donnerstag, April 13, 2017

Zurück nach Manila - nur besuchsweise

Abschluss einer unangenehmen Episode - unser Techtelmechtel mit den Philippinen

Alles nahm seinen Durchlauf, als sich die Schwester Nr. 2 meiner Frau (sie selbst ist Nr. 3 in der Familie) in einen Barkeeper in Taipei verliebte. Irgendein Termin mit einem Kunden im Nobelhotel Mariott muss es gewesen sein. Philippinos arbeiten viel im Ausland in der Tourismusindustrie, weil sie recht gut oder gar fast muttersprachlich Englisch sprechen. Gegen Prostest des Vaters der Schwestern wurde die Ehe mit dem Philippino geschlossen und bald lebte das Paar mit samt ihrem Sohn in Taipei.
Später kam noch ein anderer wunderlicher Ausländer zu der Familie dazu - meine Wenigkeit. Aber da lag der Vater der Familie in Taipei schon lange im fast komatösen Zustand im Bett und was er zu mir gesagt hätte, wird man nur spekulieren können. Vermutlich nichts freundliches, wenn ich an das Durch-den-Ausländer-Starren der Schwester Nr.1 und gelegentlich meiner Schwiegermutter denke.

Business in Manila. Ein Traum.

Eine Fehde der Ersten Tochter/Schwester Nr. 1 gegen meine Frau - es ging um Parkplatzrechte und unseren dicken Volvo, der damals wohl den Status der BMW-, Porsche- und Audi-Karossen von ihrem (sehr netten) Gatten zu erreichen drohte - führte zum Schulterschluss zwischen meiner Frau und der besagten Schwester Nr.2. Der mit dem Philippino-Gatten. Leider gipfelte das alles in dem Wunsch meiner Frau, mit der mittlerweile wieder in den Philippinen/Manila lebenden Familie so viele geschäftliche und private Kooperationen zu betreiben, dass ich es als "totale soziale und finanzielle Fusion" bezeichnet habe. Der unrühmliche Gipfel war das Anmieten eines Reihenhauses und der Umzug von meiner Frau und unserem Sohn nach Manila. Schräg gegenüber wohnte natürlich ihre Schwester mit ihrem Mann (deren Sohn studiert mittlerweile in Kanada). Und eben mit meiner Wohnsitzverlagerung zurück nach Deutschland.

Ausschau halten nach dem Sponsor. Auch wenn er hier nicht "Gringo stupido" heißt.


Status ist heute, dass wir wieder in Taipei leben, nachdem meine Frau nach 3 Monate ihr Manilaengagement abgebrochen hat. Wir haben nun in Manila zusammen mit der Manilafamilie meiner Frau einen Druckwaren-Kiosk, der u.a. Schilder und Aufkleber herstellt. Der ist dem Geschäft des dortigen Schwester-Nr.-2-Gatten angeschlossen und erwirtschaftet leider genau wie von mir vorab geschätzt etwa so viel wie ein gewöhnlicher (Bier-/Eis-) Kiosk in Deutschland. Und leider nicht das Vermögen, das von den taiwanischen/philippinischen Familienmitgliedern erwartet worden war. Wie sehr unsere Schätzungen auseinander gingen verblüfft mich bis heute. Nur 500 Euro monatlichen Reingewinn hielt ich für möglich, während "die anderen" von bis zu 20.000 Euro pro Monat sprachen. Ich hasse es immer Recht zu haben.

Friedhof in Manila. Reich frequentiert dank Politik und sonstiger Gewalt


Ein zwischenzeitlich eröffnetes Restaurant in Manila - wieder als Coop der Schwestern - hatte wieder unter unseren unterschiedlichen Einschätzungen zu leiden. Die Taiwaner und Philippinos in der Familie prognostizierten bis zu 5.000 oder 10.000 Euro monatlich oder etwas in der Art. Meine Prognose war "bis zu 200 Euro". Später korrigierte ich mich nach unten, nachdem meine Vorschläge zur Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals des Unternehmens keine Chance auf Realisierung hatten, da die neue Taiwan-Philippino-Coop allein wusste, wie man die Geschäfte führt. Auch die Lücken in der Prozentrechnung der Geschäftspartner gaben Anlass zur Sorge. Es lies sich nicht vermitteln, dass beispielsweise ein Gemeinkostenzuschlag von 1,6 auf die Portionskosten keinesfalls ausreichend ist.  Faktor 2,6 käme eher hin. Ich sehe ein das Mathe schwer ist aber so hatte ich leider wieder mal recht und das Restaurant krebst irgendwo an der baldigen Pleite herum.

So ein Gesicht mache ich da auch immer.


Finanziell sehe ich das alles immer noch als Desaster an, obwohl meine Frau auf spätere hohe Renditen hofft. Und leider erfordert das dortige Engagement immer noch erhebliches monatliches Zubuttern. Ich kann nicht ausschließen, dass die ganze "Manilaconnection" doch wieder zu  meiner Rückkehr in deutsche Lande führt, wofür es auch noch andere Gründe gäbe. Gerne würde ich jedenfalls jedwedes Invest in den Philippinen auflösen. Aber nun in 2 Wochen kehren wir noch einmal zurück um dort den Haushalt von Frau und Junior aufzulösen. Auch wenn das Reihenhaus dot noch bis Jahresende gemietet ist. Ich hoffe auf den Anfang vom Ende der Manila-Connection, er wäre dringend geboten. Froh war ich schon, dass Frau und Junior dort nicht mehr leben, schließlich ist die Kriminalität gerade an Ausländern dort so exorbitant, dass man wohl als Faustregel sagen könnte: Jeder freundlich lächelnde Einheimische würde einem am liebsten mit einem rostigen Messer in einer Seitengasse den Wanst aufschlitzen. Das macht eben Armut kombiniert mit einem chaotischen mafiaartigen Staatswesen aus den Menschen. Auch die jüngste Episode von im Lande umher ziehenden Todesschwadronen gegen Drogensüchtige oder solche, die dafür gehalten werden, hat nicht gerade meinen Wunsch gestärkt, dort zu leben.

Unter 8888 herrscht Konjunktur die ganze Nacht


"Manila" und "Philippinen" und die Namen "unserer" Verwandtschaft dort sind gefährliche Reizworte für mich, das gebe ich gerne zu. Die Tage trainiere ich das freundliche Lächeln, wenn ich dort wieder auf die ja zweifellos netten Verwandten treffe.

Grundsätzlich ist es wohl immer das selbe, wenn man als Europäer oder desgleichen in exotische Länder einheiratet. Man gehört nie wirklich dazu und merkt eben, dass die Brieftasche anfängt, sich in Richtung der "Familia" aufzulösen. Taiwan schien da anders zu sein, aber leider kam durch den Schwager meiner Frau das lateinamerikanische Element des dummen Gringo und der der fröhlichen sonnengebräunten Einheimischen in mein Leben. Ein Ende hat das alles noch nicht, aber die Auflösung des Hausstandes dort geht sicher in die richtige Richtung.

Business Highstreet am Friedhof


Zu viel Info für ein Blog, aber es soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden. Und vielleicht setze ich es bald auf "Draft", damit es nicht mehr öffentlich einsehbar ist. Lesen Sie, solange es noch frisch ist.

Was wir dann mit unserer "Permanent Residency" in Zukunft anfangen? Teuer genug war die ja auch.

Mir ist klar, der einzig vernünftige Rat wäre ein Abbruch jedweder Beziehungen. Aber mit dem da drin hängenden Junior (5) ist das alles nicht so einfach wie es klingt.

In diesem Sinne. Bis bald zum Bericht aus den .... Philippinen; der Geißel meiner Lebensmitte.

Freitag, April 07, 2017

Frisörin tot

Nachrufe im Taiwanblog werden langsam zur Gewohnheit

Der Sensenmann geht mir in der letzten Zeit mächtig auf die Nerven. Aber es liegt in der Natur des Lebens, dass es endlich ist. Vor langer Zeit hatte das Blog bereits einen Nachruf auf meine Cousine Christine, die eine eifrige Blogleserin war und von uns gegangen ist. Mein Steuerberater schloss sich an. Ein Mensch, dem ich immer erst mal eine große Flasche Hochprozentiges mitbringen musste, bevor er zur Beratung schritt und diese Flasche dann in meinem Beisein während der kompetenten Beratung leerte, ohne dass er davon betrunken wurde. Ich sage immer, dass ich mir um die fiskalischen Aspekte meines Einzugs in die Nachwelt keine Gedanken mache, das hat er sicher alles unter Kontrolle. Und irgendwo wird sich ein Fass vergorenes Manna auftreiben lassen, das er während der Beratung geniest.
Dann verstarb mein Vater, auch wenn er hier im Blog keinen Nachruf erfuhr. Dann eine geschätzte Kollegin vom Vertrieb, deren Nachruf (http://osttellerrand.blogspot.tw/2017/03/kollegin-beerdigt-renn-weg-renn-weg.html) mehr zur einer multikulturellen Schilderung wurde. Aber warum auch nicht.

Als ich unlängst nach Taiwan zurück kehrte hörte ich, dass nun auch unsere Frisörin verstorben sei. Die nette ältere Dame bewohnte ein sehr kleines Reihenhaus ganz bei uns in der Nähe, es ist im unteren Foto zu sehen - eines der kleinen Reihenhäuser rechts mittig im Bild.

Dort unten hatte sie ein kleines Frisörgeschäft, dass in dem winzig kleinen Haus aus kaum mehr als einem Frisörstuhl und ein bisschen zugestellten Platz drum herum bestand. Von außen zu erkennen durch eine klassische amerikanische Frisör-"Rolle" in Weiß, Blau und Rot. Markenzeichen von Frisörgeschäften in den USA. Drinnen ein alter Frisörstuhl, ein Spiegel mit Fotos von ihrer Familie und einem Haufen schwarzer Haare unter dem Bord, die mich bei meinem ersten Besuch einen Hund vermuten ließen.


Nur ein paar Meter rechts von diesem Bild hat sie gewohnt und gearbeitet. Am Spiegel hatte sie auch Fotos von ihrer Tochter, die mit einem Iren verheiratet war und in Irland lebte, wenn ich mich recht erinnere. Für 150 NT hat sie die Haare geschnitten. Mehr schlecht als recht nach dem Prinzip kurz ist gut und ab ist ab und es war mir oft genug. Ich bin auch wegen unserer sicher sprachbarrierebehafteten Kommunikationsversuche gerne dort hin gegangen und war dort lieber als anderswo. Nicht so sehr wegen ihrer Scherenkunst, das gebe ich gerne zu. Aber ab ist ab und kurz ist gut, was gab es bei dem Preis zu meckern.
Doch dann machte in der Nähe einer dieser 100 NT-Frisöre auf, wo man einen 100 NT-Schein in einen Automaten zwängt, eine Pappkarte erhält, die man dem Frisör gibt und dann wird man auch geschoren. Und es sieht ein bisschen besser aus glaube ich. Sagte meine Frau. So bin ich dann auch immer seltener zu 150er-Haarschnitt und eher zum 100er, ich gebe es zu. Drei Euro für einen Haarschnitt, es ist bizarr.

Nun ist der Frisörladen - in dem früher fast immer Licht war und in dem so oft ganze Familien saßen - dauerhaft geschlossen. Selbstmord, sagt meine Frau. Traurig gucke ich auf die nun immer dunkle Fassade und schäme mich ein bisschen. Für's Wegbleiben. Unsere Gesprächsversuche werden mir fehlen.

Donnerstag, April 06, 2017

Camelot in NeiHu

Ein merkwürdiges Haus erspähte ich, als ich 2004 einstweilen zu Schwiegermutter nach NeiHu in Taipei zog. "Camelot in NeiHu" nannte ich es in meinem allerersten Blogartikel, der noch im alten Passado-Blog (heute nicht mehr vorhanden abgesehen von einer Archivversion irgendwo im Netz) erschien. Und seit kurzem... wohne ich da.



Erst mit dem Fisheye* mit seinem 180-Grad-Bildwinkel erschließt sich auch im Foto die Wirkung, die die Wohnanlage in Natura hat. Mitten im manchmal slumartig daherkommenden Viertel besteht die Anlage aus besserer, neuerer Bausubstanz und hat drei Gebäude und eine recht hohe Außenmauer (hinter meinem Rücken im Bild) nebst einer Schwebebrücke zwischen den Gebäuden und einer Wendeltreppe im Innenhof zu einer fast mittelalterlich anmutenden "Burg"-Anlage kombiniert. Die Brücke verbindet im 2. OG das vordere Haus mit dem weit entfernten kleineren hinteren Haus, weil dieses keinen eigenen Fahrstuhl hat.

Der Innenhof ist begrünt und so ergibt sich eine ganz nette Atmosphäre. Zwar ist die Wohnanlage in die Jahre gekommen und leidet unter dem klimatypischen Fassadenschmodder, aber der macht sich auf den gefliesten Fassaden besser als auf dem grauen nackten Beton, den viele Häuser in der Gegend haben. Auch der Verzicht auf das in Taiwan so beliebte Wellblech (Balkone ausbauen etc.) macht deutlich, dass es dies hier eine etwas bessere Wohnanlage ist. Absolut ruhig ist sie übrigens auch, wohl ein schlechter Ort für Stereoanlagen. Als bessere Anlage hat sie sogar Schreibtische für Security-Leute. Allerdings sind die Stellen seit Jahren unbesetzt.

Die in Taiwan so beliebten Fenstergitter hat die Anlange auch. Sie passen aber zu der oft verwinkelt angelegten Architektur besser als zu den sonst glatten Fassaden der Plattenbauten im Viertel. In der Mitte guckt man im Foto auf eine Wellblech-Aufstockung eines Schlichthauses außerhalb der Anlage; links ist die Wendeltreppe zu sehen.


In die Anlage fahren wir nicht über eine Zugbrücke, sondern über einen Autolift. Vieles in der Anlage ist verwinkelt angelegt. Unser Treppenhaus ist fast auch eine Wendeltreppe, die Wohnung klein und voller Nischen und Erker, aber schick mit maßgeschneiderten Einbaumöbeln im asiatischen Stil und modernem Deko-Stuck an der Decke versehen. Auch einen im Boden versenkbaren Wohnzimmertisch gibt es. Den soll man aber auch im Boden belassen, weil er sonst mit schwerer Tischplatte zusammenkracht und einem die Zehen bricht, sagte die Vermieterin.


Unser Haus verjüngt sich oben turmartig und erlaubt einen tollen Blick auf die umliegenden Schlichthäuser, in denen ich ehrlich gesagt die meiste Zeit in Taiwan verbracht habe.

Verwinkelte düstere Gänge gibt es auch in der Tiefgarage, über die man von einem Teilhaus zum anderen gelangen kann. Junior (5) und ich haben das die Tage tapfer erkundet.


Sicher könnte man es in der Anlage aushalten. Aber die Abgasluft Taipeis ist hier natürlich auch nicht besser. Sie macht nicht nur Junior eine mysteriöse "Dauererkältung", sondern auch mir. Nur bei mir mit paralleler Tendenz zu Magengrippe und außerdem allergischem Ausschlag am Kopf, der vermutlich durch Nahrungsmittel (oder besser deren taiwantypische illegale Beimischungen) ausgelöst wird. Wenn man sich vor beginnender Magengrippe und mit entzündeten Stippen u.a. im Mundraum alles andere als wohl fühlt, kaum dass man wieder taiwanischen Boden unter den Füßen hat, fällt es trotz allem schwer der Gattin zu versprechen, hier weitere Jahre in Taipei zuzubringen.

Somit bin ich ein Wanderer zwischen den Welten. Hin und her gerissen zwischen meiner neu angemeldeten (Krankenkasse, Auto, ADAC) Existenz in der niedersächsischen Kleinstadt und dem Leben mit Frau und Junior im mich gesundheitlich strapazierenden Taipei. Leider schließt Frau in Deutschland zu leben kategorisch aus und kann und will nur im Hoch-Kriminalitätsbelasteten Manila oder aber im versmogten Taipei leben. Da kann ich wählen zwischen Entzug von Junior oder Gesundheit. Man sieht ja, wo ich gerade bin. So, genug der Schreiberei, ich muss mich erstmal wieder kratzen. Verdammte Insel.


* Sigma EX DG 2.8/15mm auf Fullframe-Bildformat DSLR (Sony A850)

Freitag, März 31, 2017

Opel brennt

Noch nie habe ich so viel von brennenden Autos gehört wie in den 13 Jahren in Taiwan. Wieso brennen die Dinger hier laufend?

Gestern Abend im Fernsehen. Ein aktueller Opel Astra steht in einer Tiefgarage in Taipei-NeiHu und raucht vor sich hin. Schwelbrand offenbar. Seit ich in Taiwan lebe, habe ich schon mindestens dreimal - eher viermal - Autos brennen sehen. Mit eigenen Augen. Die unzähligen Reporte im TV und Magazinen sind damit nicht gemeint. Brennen Autos in Taiwan mehr als in Deutschland? Denn in Deutschland habe ich noch nie ein Auto brennen sehen.

2 oder 3 mal erinnere ich mich an kleine blaue Lieferwagen, die auf Schnellstraßen am Rande stehen und qualmen/brennen. Das sind die billigen Schlichtlieferwagen ohne Firmenschilder, die meist auch schlecht oder gar nicht gewartet werden.

1 mal habe ich selbst einen Wagen gesehen, der so sehr gebrannt hat, dass mir um den Stau dahinter Angst und Bange wurde. Es war auf einer schmalen alten Schnellstraßen-Hochbrücke und ich selbst konnte dankenswerterweise auf der Gegenfahrbahn vorbei fahren. Es war ein Toyota-Taxi, aktuelles Modell, aus dem die Flammen in Mitten der Fahrerkabine 1 Meter heraus schlugen.

1 mal habe ich selbst gesehen, wie ein Brand anfing. Ich ging mit Frau und Junior durch die Nachbarschaftsgassen und ein kleiner (auf Mazda-basierender) alter Ford-Kleinwagen hatte die Haube offen und ein Mann hantierte am Fahrzeug herum. Mir fiel sofort auf, dass im Motorraum unter der geöffneten Haube eine Kerze stand! "Das spart Batterie", zog mir durch den Kopf und ein zynisches "wie pfiffig doch die Einheimischen sind" kam gedanklich gleich hinterher. Im selben Augenblick brach ein loderndes Feuer im Motorraum aus! Offenbar hatte sich Kraftstoff (Öl?) auf dem Motorblock entzündet. Ich buchsierte Frau und Junior in eine Seitenstraße. Allerdings kam sofort der am Fahrzeug hinten herum fummelnde Herr angerannt und hatte zu meiner Erleichterung sofort einen Feuerlöscher bei der Hand und im Nu war der Brand gelöscht. Den Mann kümmerte das nicht allzu sehr und er ging sofort wieder dazu über hinten am Fahrzeug herum zu fummeln, als sei nichts gewesen. Toll! Gibt es hier eine Regel von Konfuzius die lautet: "Wenn du Feuer löschen kannst, kannst du ruhig mit Kerze im Kornspeicher schlafen"? Sicher hätte der weise alte Oberchinese eine solche Regel aufstellen können.

Meine eigenen bislang 3 Autos in Taiwan haben nie gebrannt. Allerdings hatten wir einmal schleifende Bremsen durch einen chaotischen Kfz-Werkstattbesitzer, dessen Werkstatt wie eine Müllhalde wirkte, das schmutzige Werkzeug zwischen Unrat und Altteilen nebst alten Getränkeflaschen verteilt. Ursache war damals eine vom Kfz-Messie selbst gebastelte funktionsuntüchtige Rückstellfeder gewesen. Er hatte halt aus dem Müllhaufen schnell ein Ersatzteil "hergestellt", wie er uns selbst gesagt hatte. Auch die Leute, die uns die "Dashcams", also Straßenverkehrs-Überwachungskameras in die Autos eingebaut haben, hatten einen sehr laienhaften Nimbus und haben bestimmt nie Kfz-Elektrik richtig gelernt.

Gut, auch der BMW-Vertragshändler im heimischen Hannover hatte mir einst einen rechten elektrischen Außenspiegel (damals noch gegen Aufpreis!) so angebaut, dass der Wagen danach mit leerer Batterie stehen blieb. Ein Lehrling soll's gewesen sein.

Was, wenn unser Messie von vorhin an der Kraftstoffleitung eines PKW herum bastelt und sich selbst eine Manschette bastelt?

Oder die taiwanischen Verbraucherforen von denen meine Frau mal erzählte haben Recht und Schuld ist immer die ausländische Automarke. Wenn es ein europäisches Auto ist jedenfalls.

P.S.: Ich weiß, Mercedes hat gerade einen Rückruf wegen Feuergefahr durch defekten Starter im Motorraum. Aber haben die Leute hier auch das Sicherheitsdenken wirklich die Reparatur durchführen zu lassen? Es sind immerhin etwa die gleichen Leute, die mit Karacho zwischen zwei geparkten Autos in den Verkehr einfädeln ohne auf den selbigen zu achten.




Mittwoch, März 29, 2017

Kollegin beerdigt: "Renn weg! Renn weg!"

Meine zweite längere Anwesenheit auf einer Taiwanbeerdigung

Für Verwandte und Vertraute ist eine Beerdigung im Taiwan-Stil eine längerfristige Sache. Beim Schwiegervater hatte ich vor 10 Jahren das Ganze komplett mitgemacht, hier eine ausführliche Schilderung der Beerdigung von damals im Taiwan-Stil:





Der Titel "Eine Fledderbeerdigung" des alten Artikels klingt sicher respektlos, drückte aber damals sehr klar meine Gefühle aus. Im westlichen Bestattungsritus haben wir mehr Distanz zum Tod. Hier in Taiwan den mittlerweile in der Leichenstarre befindlichen Schwiegervater selbst in ein Kühlfach im Krematorium zu legen und am Ende mit riesengroßen Stäbchen (wie Essstäbchen, nur viel größer!) in der Asche in den Knochenstücken herum zu wühlen waren ungewohnte Erfahrungen für mich, die dem ganzen Prozedere schnell den Beigeschmack eines der Würde des Toten unangemessenen Zirkuses verliehen in meinen Augen. Aber deswegen ist es ja gerade so faszinierend, wie verschieden Kulturen sind. Für die Taiwaner ist das offenbar alles so in Ordnung. Zwei Höhepunkte sind mir aus der Beerdigung damals im Gedächtnis geblieben:

Erstens die merkwürdigen Wächter der Kühlkammer (mit unzähligen stählernen Leichen-Kühlfächern), die in einem zum Kühlkammer-Gang offenen Zimmer saßen, in dem Ölgemälde von tief dekoltierten Frauen die Wände zierten und überlaut Musik aus den Lautsprechern dröhnte. Zu meiner Verblüffung spielte gerade die Titelmusik vom Film "Der Rosarote Panther", während meine Frau und ich den Leichnam ihres Vaters zu seinem Kühlfach fuhren. Automatisch fängt man an im charakteristischen Paulchen-Panther-Gang zu gehen, zwischen all den Toten. Die Szene ist bizarr-Skurril, mehr wie in einem Mel-Brooks-Film als in der Realität, aber Taiwan kann eben herrlich surreal sein für westliche Augen. Heute denke ich, die sicher wie die meisten Taiwaner abergläubischen Herren werden mit ihrem lebenfrohen Büro wahrscheinlich einen dröhnenden Gegenpol zur "Geisterwelt" der Toten in ihren Kühlfächern gesetzt haben. Irgendwie so.

Und unvergessen die veritable Polonaise, als sich unsere Trauergemeinschaft wirklich in einer sylvesterfeier-haften Polonaise wild durch die Gegend bewegte, einem orangen Priester hinterher, der einen Teekessel trug. Den warf er damals krachend auf die Fliesen so dass er zerbarst. Fast hätte ich den Kerl angeschrien, so überreizt waren damals meine Nerven. Ich wurde jedoch sofort von meiner Frau belehrt, ihr Vater sei nun "geheilt". Weil die Krankheit die er hatte vom Priester in den Teekessel verbannt worden war. Ich blickte auf den im Raum befindlichen grau-blau angelaufenen Leichnam und verkniff mir damals mühevoll ein "er sieht aber noch immer ziemlich tot aus". Stattdessen bemerkte ich "im Wilden Westen wäre der Quaksalber für diese Heilung geteert und gefedert worden", wofür mir meine Frau auf den Fuß trat.

Was für ein Gegensatz eine solche Beerdigung zu der ruhigen Veranstaltung in einem "Ruheforst"  doch ist, die ich kürzlich beim Tode meines eigenen Vaters erlebt habe. Ich bin zu tiefst dankbar, dass deutsche Bestattungsriten nicht von mir verlangen, etwas mit Skelettteilen nach der Einäscherung zu machen. Und das deutsche Krematorium habe ich natürlich nicht mal zu sehen bekommen. Hingegen ist das große Krematorium in Taipei eine Art Todesfabrik mit mysteriösen großen Gasflaschen und einer bahnhofsähnlichen Verbrennungshalle, wo der Priester vorm Bild des Verstorbenen letzte Worte spricht.

Aber zurück an den Anfang der Beerdigung der kürzlich viel zu jung verstorbenen Kollegin P. Ich tauchte also erst nachmittags auf, auch weil ich nicht die komplette Veranstaltung mitmachen wollte. Wieder ging es auf das Gelände der "Todesfabrik". Bilder werden irgendwann nachgereicht. Taiwaner empfinden Fotos von solchen Orten als gefährlich, weil sie angeblich Geister von Toten anziehen; daher will ich mein Blog nicht zeitnah damit ausstatten.

Ein neues großes fabrikhallenartiges Gebäude war das Ziel unserer Trauergemeinschaft. Hier saßen wir veritabel in einem grauen Korridor vor den Toiletten und Aufzügen im Untergeschoß. Schnell stellte der Bestattungsunternehmer Klappstühle zur Verfügung, während in einem kleinen Andachtsraum noch etwas vorbereitet wurde. Der Geruch der sanitären Anlangen zog herüber und ein Mann in Gummistiefeln putzte zwischen uns herum, leerte Mülltonnen und den Kackeimer der Toiletten, den er an uns vorbei zu seinen Mülltüten trug. Taiwanische Toiletten haben ja immer den Kackeimer für das benutzte Toilettenpapier herum stehen. Eine Glocke erklang, eine Priester in Orange ging vorweg, auf einem metallenen Leichen-Schiebewagen lag ein mit beschrifteter Plane bedeckter Toter, die andere Trauergemeinde weinend hinterdrein. Wir alle mussten uns hektisch wegdrehen und die Wand anstarren. Das sieht komisch aus, wenn etwa dreißig Trauernde das gleichzeitig tun. Wieder umdrehen, der Tote ist im Fahrstuhl verschwunden. Wir warteten noch auf die verstorbene Kollegin P., die jetzt auch bald kommen würde. Hektische Arbeiter schleppten Gestelle und Blumen durch die Gegend, der Toilettenmann rasselte mit dem Blumenträger zusammen. In Schwarz gekleidete Leute guckten wichtig in Smartphones. Ein weiterer Leichnam mit Glocke. Wieder herumdrehen zum NO SMOKING-Schild an der Wand. Ich warf einen verbotenen Blick auf den Toten und zwinkerte im zu. Darf man nicht, damit einem der Geist des Toten nicht folgt. Aber wir haben so viele Mücken nachts und ich liege oft wach. Da kann ich Gesellschaft gebrauchen.
Wie nah alles beieinander liegt in Taiwan. Die Trivialität des Fahrstuhls, die Körperfunktionen die man auf der Toilette ausführt bis hin zum Ansehen von braunem Klopapier. Dazwischen die Leichname. Die Tränen der diversen Familien. Die Getränkeflaschen, die der Müll- und Klomann zwischendurch entsorgt und mit seinem Müllwagen stehen bleibt, während der Leichentisch vorbei gefahren wird. Da wird man fast philosophisch. Man lebt, trinkt, disassimiliert die Nährstoffe, säubert sich und stirbt irgendwann. Man ist auch nur noch so ein Ding wie die leere Plastikfalsche mit dem Hu-Fong delicious Ice-Tea, das irgendjemand wegbringen muss. So scheint es Taiwan zu suggerieren mit der für mich eigenartigen Trauerfeier am Fahrstuhl. Für Taiwaner ist das aber alles normal, es sind meine eigenen Empfindungen, die nicht zur Trauerfeier passen. Ich bin hier der Fremdkörper, nicht der Müllmann, nicht das Kackpapier. Leben und Tod gehören zusammen. Es würde vielleicht noch fehlen, dass einer der jungen Bestattungsleute im dunklen Anzug eine Kollegin hätte, die er in der Besenkammer schwängert, während wieder der Müllmann mit seinen Gummistiefeln vorbei geht. Dann hätten wir den ganzen Kreislauf des Lebens versammelt vor den Fahrstühlen.

Das alles hat nichts mit der netten Kollegin zu tun, die wir hier beerdigen. Taiwan ist eben anders. Schließlich werden wir auch hereingerufen, nachdem die Familie schon fertig ist. Im offenen Sarg liegt die Kollegin. So eine zierliche junge Frau. Jung aus meiner Perspektive, eben in den 40ern gerade Mal. Kleine Puppen und "Geistergeld" liegen im Sarg auf ihrem zierlichen Körper. Ich verabschiede mich, mache den Ritus mit. Verbeugen und Abschiedsworte reden. Diesmal aus ehrlichem Herzen. Die Räucherstäbchen musste ich ablehnen, weil meine Frau darin eine zu große Verbindung zur Geisterwelt gewittert hatte - unseres Kindes zu liebe, den ja am Ende zürnende Geister jagen könnten. Ich enthalte mich eines Kommentars.

Auch die Kollegin wird schließlich raus gefahren, wir alle hinterher. Diesmal dürfen wir gucken. Es geht rüber zur Krematoriumshalle in einem anderen Gebäude. Im Unterscheid zu 2007 haben sie jetzt vor dem bahnhofsähnlichen Gebäude rechts und links darüber zwei große Werbeschilder des Kiosk-Marktes "Family Mart" in bunten Farben aufgestellt. Es wirkt so, als sei die große Krematoriumshalle von Family Mart. Bizarr, aber Taiwaner nehmen die für mein Auge vorhandene Pietätlosigkeit nicht wahr. Der Priester sagt letzte Worte, die hübsche Kollegin P. hat kein Bild wie die anderen älteren Toten, die wir rechts und links neben uns auf ihren gerahmten Fotos sehen, dahinter die jeweilige Trauergemeinde. Schließlich ist P. dran. Wir werden nach vorne geführt, ihr Sarg verschwindet in der Brennkammer. Alle schreien jetzt "renn weg!". Das hat den Sinn, dass sich der Geist vom Körper trennt und vermeidet, ebenfalls im Feuer verschlungen zu werden. Ich schreie mit, dann wenden wir uns schnell ab und dürfen nicht zurück blicken, damit uns der Geist von P. nicht folgt. Ich nehme es nicht so genau. Nachts auf der Mückenjagd in der neuen Wohnung habe ich ja immer Langeweile. Da würde ich gerne noch mal mit P. reden. Oder überhaupt mal mit P. reden. Wie viele taiwanische Kollegen hat sie ja nie ein Wort mit mir außer Hallo und Bye Bye gewechselt. Sie haben Angst vor Gesichtsverlust beim falschen (?) Englischreden. Und mein Chinesisch ist schlecht und da lachen sie mich immer aus. Also rede ich Englisch mit ihnen. So als sei ich der Dekan der University of Oxford und würde auf perfektes Oxford-Englisch achten, so scheu sind sie beim Englisch-Sprechen. Auch nach zehn Jahren Zusammenarbeit noch. Nur englische Emails kriegt man. Also könnte P. jetzt ruhig mal auftauchen und wir reden über ihr Leben. Wo sie immer von 9 bis 22 Uhr im Büro saß und mit den Japanern verhandelte. Hatte sie überhaupt ein Leben? Ich hoffe es.

Einer ihrer Kunden ist auch dabei. Ein eleganter Japaner, im Nadelstreifenanzug mit gegeelten Haaren. Er hat sich rührend sowohl in Taiwan wie auch in der japanischen Krebsklinik mit den experimentellen Behandlungen um P. gekümmert. Er ist sehr erschüttert.

Über dem eigentlichen Krematorium und links daneben ist auch wieder Family Mart. Ich esse ein paar Kinderschokolade-Riegel, esse ein in Plastik verschweißtes labbriges Croissant und trinke einen in einer atomkriegfesten Plastikflasche eingeschlossenen kalten süßen Kaffee der Marke Bernachon. Oder so. Der angeblich französisch ist. Wenn Paris in Taiwan liegen würde jedenfalls.

Schließlich kommt der Abschluss. Wir ziehen vorbei an den kleinen älteren fabrikartigen Gebäuden hinter den Trauerpavillions, die ich noch von der Beerdigung von vor 10 Jahren kenne. Alles ist noch so wie damals, nur statt des Neubaus vom Anfang stand damals ein älteres Haus. Die Leichenhalle, aus der gerade kein Paulchen Panther dröhnt, ein Wartesaal für Trauernde neben mysteriösen fest installieren großen Tanks mit Rohren, die im Boden verschwinden in der Todesfabrik.

Rüber in ein privates Bestattungsinstitut, das außen grellbunt bemalt ist. Irgendein Bild von einem See mit knallroter Tempeldeko drum herum. P.s Urne wird in einen kleinen Altar gestellt. Sie hat die Nummer 61, die anderen Toten sind direkt daneben nebst kleinem Opferaltar jeweils. Eine Prozession aus einem Nachbarzimmer kommt in wilder Polonaise heraus gerast, alle die Hände auf den Schultern der Person vor ihnen. Ein Priester mit einem Kessel rennt vorweg. Ich werde von meiner Frau ihm aus dem Weg gezogen. Dann ist es vorbei.

Ruhe in Frieden P. Gönn Dir etwas Ruhe nach all dem Trubel hier.


Edit: Oberster Link korrigiert, er hatte ursprünglich alle Beerdigungs-Artikel angezeigt


Montag, März 27, 2017

Neues Auto(chen) (Update)

Wenn ich eine Email von Victorchen bekomme, dann ist das nach der Namensregel bei der Firmenemail einfach ein Kollege mit Nachnahmen Chen. Doch das neue Ludigelmobil trägt die Verniedlichung leider zu Recht.

Noch vor kurzem war alles klar. Meine Frau hatte Manila auf den Philippinen als neuen Wohnsitz erkoren, sehr zur Freude ihrer dortigen Verwandten. Und ich war zurück nach Deutschland gezogen, weil mein Vater verstorben war und meine auf die 90 zugehende Mutter Hilfe brauchte. Auch automobilistisch war alles klar. Meine Frau wurde samt Junior vom Mann ihrer dort lokal verheirateten Schwester herum gefahren in seinem neuen Ford Ecosport und ich ließ den von meinem Vater hinterlassenen fast neuen Mitsubishi ASX auf meinen Namen zu.

Mann kann sich gewöhnen an den Fischmaul-Look (schwer im Trend seit Audi (?) damit angefangen hat), hier meiner Meinung nach nicht gerade hübsch realisiert


Jetzt treibt der manilesische Schwager den Ford-Sport wieder alleine und Frau, Junior und ich leben wieder in Taipei. Da unser fast neuer Volvo XC60 eben noch verkauft worden war, hatte nun der plötzliche Rücksturz nach Taipei zur Folge, dass wir kein Auto mehr hatten. Also wieder eine große Kiste kaufen? Das schwebte lange bei uns in der Diskussion, allerdings mahnte ich, dass unsere geographisch unstete Lebensweise zu neuerlichen hohen Wiederverkaufswert-Verlusten führen könnte.
Also sollte es doch ein Kleinwagen werden bei uns. Niedrig im Preis und meine Frau kann ja auch große Blechberge nicht so gut durch die engen Gassen Taipeis steuern. Daher gibt es jetzt einen großen Kontrast bei uns. Statt dem vormaligen dicken schwarzen Volvo SUV mit 245 PS jetzt ein kleiner Nissan "March" mit 99 PS in Xiaojie-Rot. Niedlich anzusehen das kleine Auto mit niedlichem Haifischmaul, das mich irgendwie an das verzweifelte Japsen einer Forelle auf trockenem Land erinnert. Mit etwas über einer halben Million NT Grundpreis deutlich billiger als der parallel angesehene Mazda 2 - der freilich gefühlt zehnmal so attraktiv gestylt ist. Allerdings mindestens 0.7 Millionen NT kostet. Und meine Frau fand den niedlich gestylten Nissan eben unwiderstehlich. Er hat ein Design von dem man oft liest, dass es ein "Frauendesign" ist. Nissan hat den March-Kleinwagen im Katalog neben hochhackigen Schuhen und einer Katze abgebildet. Deutlicher geht es nicht. Hello-Kitty-Auto eben.

Altes Modell (-2013 in Europa) mit 0 km zum Neuwagenpreis. Typisch Nissan, die Taiwan als Zweitverwertungsplatz angesehen

In Deutschland gab es dieses Auto auch, es nannte sich dort "Micra" und wurde nur bis 2013 so verkauft, wie es in Taiwan auch 2017 in den Showrooms steht. Nissan verkauft in Taiwan meist ältere Modelle, so dass sie 2013 sogar noch einen Uralt-Micra in Taiwan anboten (wieder als "March") und das zwischenzeitliche Modell glatt weggelassen hatten. Die beim aktuellen Modell 2013 vorgenommene Modellpflege hin zu einem weniger niedlichen Look hat Nissan in Taiwan auch weggelassen und auch das jetzt im März 2017 in Deutschland vorgestellte völlig neue Modell wird es in Taiwan zumindest jetzt nicht geben. Wegen niedlichem "Fisch schnappt nach Luft"-Aussehens des Autos (das mich im Showroom dazu verführte vor dem Kühler zu grimassieren) und der fragwürdigen Modellpolitik von Nissan Taiwan, hier immer Altmodelle anzubieten, war ich dem Ding nicht gerade zugetan. Auch innen ging es wenig erquicklich zu. Ödes hartes graues Plastik wohin man auch sieht und dann eine silberne Scheibe (billiges silberfarbenes Plastik) auf die Mittelkonsole geknallt, die so wirkt, als hätte man dort einen asiatischen tragbaren CD-Spieler von 1985 mit Pattex dran gekleistert. Immerhin waren die Sitze taiwantypisch mit (schwarzem) Leder bezogen, das sogar hübsch mit roter Naht abgesetzt war und zu meiner Verblüffung hatte ich hinter dem Lenkrad mehr Platz als im vorher getesteten deutlich größeren VW Golf, Audi A3, 1er BMW und Toyota Yaris. Nur links kam mein Knie irgendwie gegen die Tür, die wegen eines breiten Bedienpults mit elektrischen Fensterhebern sehr breit ausgefallen war. Die Türverkleidung samt Bedienpult bog sich flexibel weg, wenn das Knie den Druck dort erhöhte. Alles ergab ein billiges irgendwie "igitt"-Gefühl.

Die Probefahrt war dann allerdings ungleich besser. Vergessen war die schwammige Türverkleidung. Der mit 99 PS ausgestattete Kleinwagen reagierte sehr munter aufs Gas und vermittelte richtig gehend ein sportliches Fahrgefühl. Es gab offenbar nur den 99 PS-Motor (offenbar mit 1.5-Litern Hubraum). Die Taiwaner mögen es halt immer ein bisschen sportlich bei Autos. Dagegen konnte der neue viel erwachsener wirkende Golf-Konkurrent Nissan Tiida mit 115 PS nicht punkten, den ich allerdings wegen Aussehen und Größe selbst bevorzugt hatte. Die Tiida war bei meiner Frau aber von Anfang an auf verlorenem Posten. Schließlich hatte ein Freund eines Freundes von meiner Frau angegeben, der Wagen würde beim Fahren zu sehr schaukeln. Auf meiner Probefahrt gelangen mir trotz rasanten Kurven keine Schaukelbewegungen, aber ich bin natürlich auch kein taiwanischer Spezialfahrer, der mit 80 um enge bürgersteiglose Gassen vor der Grundschule bügelt uns sich dann wundert wenn beim Schulkinder-Ausweich-Slalom die Frisur durcheinander gerät.

Unser niedlicher Micra aka March wendet sich aber eher an die weiblichen Fahrer Taiwans, die als "Psycho-Xiaojie" dann im roten Minirock mit rotem Nackellack und den roten hochhackigen Schuhen vom Prospekt-Cover den Schulkindern mit 99 PS und kaum nennenswerten Leergewicht mal so richtig das Fürchten beibringen können beim morgendlichen Wettrennen durch klitzekleine Gassen zum Arbeitsplatz.

Wir können es kaum erwarten, bald steht unsere rote Knutschkugel - mit Rückfahrbildschirm statt dem hässlichen Sony-Discman im Innenraum - bei uns in der Tiefgarage. Frau ist schon Feuer und Flamme und sagt, sie hätte das Rasen durch quietschenge Taipei-Gassen sehr vermisst in unseren "Volvo-Jahren". Der hat ja nie so richtig durchgepasst durch die bürgersteiglosen Straßen in den Schlichtvierteln. Jedenfalls nicht mit taiwantypischen Geschwindigkeiten.


UPDATE: Ich habe noch keinen einzigen anderen Nissan March/Micra dieser Baureihe auf Taiwans Straßen gesehen die Tage. Nur ein paar ältere der 2. Generation (K11 genannt bei Nissan) sind noch zu sehen. Die Erklärung liegt vermutlich im merkwürdigen Marketing von Nissan Taiwan (identisch mit der Firma Yulon, die hauptsächlich die eigene Automarke LUXGEN betreibt), dass den K11 solange gebaut hat (1993-2007), bis er völlig veraltet war und das nichtsdestotrotz sehr beliebte Auto dann nicht mit einem Nachfolger versehen hat. Den neuen K12 gab es nämlich in Taiwan nicht. Erst 2011 führten sie "unseren" K13 oben im Bild ein und verkaufen ihn seither wohl kaum. Die Kunden sind offenbar fast geschlossen zu Toyota und dem beliebten Kleinwagen (neuste Generation ein eher ein Kompaktwagen) Yaris abgewandert.
Nissan tut das immer wieder - für erfolgreiche Modelle zeitweise keinen Nachfolger anbieten. Beispiele sind hier der X-Trail und die kompakte Limusine Sentra. Fast so, als ob es ihnen unheimlich wird, wenn sie zu viel in Taiwan verkaufen.

Diskussion mit Junior (5):
Ludigel: "Sollen wir dem niedlichen Auto einen Namen geben? Otto oder Elise oder so?"
Junior:   "Hat doch schon einen Namen.... Nissan."
Ludigel: [schluck] "oookay"

Junior ist immer so entsetzlich vernünftig.

UPDATE 2: Sage ich doch, Frauenauto:  http://www.nissan.com.tw/Upload/861B57C9-3BD5-4860-B2F9-4666AF0F784F/TC/圖三.jpg
und http://www.nissan.com.tw/Upload/B9CD4807-9FF6-4015-9275-771F4C211C28/TC/2011122316133158411463.jpg

Freitag, März 24, 2017

Mach's gut P.

Abschied von einer Kollegin

In diesem Blog habe ich es nach im Jahre 2013 als eine Art Wunderheilung beschrieben. Ob nun mit Chemotherapie oder ohne - so ganz klar ist das bei mir nie angekommen - die Kollegin P. hatte damals eine fast schon wundersame Heilung vom Krebs hingelegt. Bei mir hatte das einen tiefen Eindruck hinterlassen, war ich doch bei einer Fahrt der Chauffeur, auf der sie einen besonderen Tempel im Süden Taiwans besucht hat und dort offenbar psychisch so viel Kraft gesammelt hatte, dass es ihr gleichsam schlagartig besser ging. Dachte man damals vielleicht auch nur an einen kurzen Plazebo-artigen Effekt, so war das Ganze jedoch der Anfang einer schnellen Erholung. Lag die Kollegin anfangs scheinbar im Sterben, so erholte sie sich in der Folge so weit, dass wir uns noch bis Anfang 2017 mit ihr in Taipei zum Essen getroffen haben. Allerdings hatten wir bei unserem letzten Restauranttreffen von ihr schon gehört, dass eine Metastase in einem anderen Organ nun leider große Probleme machte. Die Kollegin war zeitweise in einer Klinik in Japan untergebracht und erhielt experimentelle Behandlung. Besonders meine Frau war dabei involviert, hier für den japanischen Arzt eine Bestellquelle von noch nicht zugelassenen Medikamenten aufzutun. Leider ließ sich der Befall des zweiten Organs nicht stoppen und die Kollegin ist vor ein paar Tagen leider sehr genau innerhalb der Prognose des Arztes verstorben. In der Vergangenheit war sie eine geschätzte Mitstreiterin auf Seiten des Vertriebs und eine große Hilfe bei allen Projekten. Sie war der Typ von engagierter Taiwanerin, die immer mit einem Lächeln auf den Lippen von morgens um Neun bis nicht selten nachts um 23 Uhr im Büro saß. Ein Leben fast nur aus Arbeit bestehend, dass leider Mitte 40 viel zu früh geendet hat. Bei den Behandlungen - was eben auch eine Kostenfrage ist - war ihr unter anderem auch der japanische Kunde - ein Großkonzern - sehr behilflich. Auch taiwanische Unternehmen können in solchen Krisensituationen sehr loyal zu ihren Angestellten sein, womit fast schon zu viel gesagt ist.

Mach's gut P., mit Deinem fließenden Japanisch kannst Du notfalls auch in den japanischen Teil des Jenseits wechseln, wenn es Dir mit dem Papierschiffchen-über-Flüsse-nehmen und anderen Prozeduren zu viel wird, die man hier in Taiwan nach chinesischer Art durchführt.
Gute Reise.