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Mittwoch, November 22, 2017

My Taiwanlife - Eine Krankengeschichte

Taiwan ist kein Land für kleine Kinder oder Leute ab 50. Reizklima durch 99-100% Luftfeuchte Smog aus Abgasen und rüberwehendem China-Dreck setzen auch jüngeren zu. Die fast permanente Verseuchung des Essens mit illegalen Chemiezusätzen (ein Skandal jagte bis 2014 den nächsten) tut sein übriges, den Körper zu belassen.

Nur in Stichworten:

Ludigel 2004-ca.2008: im damals noch vermüllten Taipei (heute Straßen weitgehend müllfrei, damals nicht) setzen mir Hautkrankheiten massiv zu. Pelzige Haustürgriffe, stinkende käferlastige Bürotoiletten und tote Ratten und Uringeruch im Treppenhaus lassen ahnen, woher das kommt. Der Dreck wird nach der SARS-Epidemie schrittweise weniger. Insbesondere Treppenhäuser sind heute sauberer.

Ludigel 2004: Massiver Smog an Hauptverkehrsstraßen gepaart mit feuchter Sommerhitze führen zu Schwindel, Kreislaufversagen und Trombose in den Beinen.

Seit 2011: Junior (heute 6 Jahre) ist seit Geburt praktisch dauererkältet. Verschleimte Erkältung, von Ärzten öfter mal als Allergie umschrieben.

Ludigel ab ca. 2014: Dauererkältung mit Verschleimung. Ab 2016 mit Nasennebenhöhlenreizung. Ausweitung zu Schwindel/Nackenschmerzen. Abhilfe liefert Benutzung einer Nasendusche.

Ludigel 2015: Ein gutartiges Wucherwachstum wird festgestellt. Tierversuche haben in einer wissenschaftlichen Studie erwiesen, dass der statt Palmöl seit den späten 90er Jahren verwendete Industrieschmierstoff DEHP - fast überall im Taiwan-Essen zu finden bis 2014 - eben dieses Wachstum auslöst. Abhilfe durch OP in Privatklinik (nach Versagen der taiwan. Kassenärzte die OP auf Sant-Nimmerleinstag verschieben oder falsch diagnostizieren).

Seit ca. 2014: Frau entwickelt eine Dauererkältung, die sich ab 2017 in Dauerhusten ausweitet

2017: Junior (6) hat hohes Fieber, Lungenentzündung. Ärzte reden von Allergie.

Frau hatte schon recht. Die Lebensqualität in Taiwan ist einfach höher als in Deutschland. Man kann schließlich auch um 2 Uhr morgens ein gottverfluchtes Plastikjoghurt im Plastikbecher kaufen im Seven-Eleven.

Dienstag, November 14, 2017

Sexuelle Belästigungen (das Taiwanblog gibt auch...)

... seinen Senf dazu.

Sexuelle Belästigungen und Schlimmeres sind das große Thema der Zeit. Natürlich erscheint die massive Beschäftigung der Presse damit exzessiv und natürlich kann man von Vorverurteilung reden - wenn Karrieren allein durch die Macht von Facebook und Co beendet werden. Ohne Anklage, Gericht und Urteil.
Wie es weiter geht weiß ich auch nicht. Zwischenzeitlich halte ich eine weitere Aufhitzung der Diskussion für denkbar. Ich dachte zwischendurch "jetzt rasten alle aus und übertreiben" und mag das auch noch kommen oder schon so sein, so fiel mir jedoch auf, dass sexuelle Übergriffe offensichtlich sehr viel häufiger sind, als ich bislang so angenommen habe. Auch weil Sexualität eben immer noch ein Tabuthema ist und auf gewisse Art wohl auch immer bleiben wird und man daher nicht immer drüber nachdenkt.

Selbst sind mir als Zuhörer, an der Aufklärung beteiligter oder sogar als Opfer (im Kindesalter) sexuelle Übergriffe in der Tat hinreichend häufig begegnet. Häufiger als es sein sollte und daher denke ich, dass am Ende der gegenwärtigen Aufregung ein anständigerer Umgang von Menschen (Männern) in irgendwelchen Machtpositionen gegenüber Schwächeren oder irgendwie Abhängigen stehen wird.

Meine persönlichen Erfahrungen:

1) In meiner Zeit in einer Dot-Com - Softwarebude in Deutschland war ich in der heftigen Umstrukturierphase ein Ansprechpartner für Kolleginnen und Kollegen. Eine Kollegin erklärte ein Kollege (meine Wertung: etwas weltfremder, netter Computernerd, hielt Frauen vermutlich für Wesen von Omega Centauri) würde sie immer unangemessen Anstarren und auch immer wieder an unangenehmer Stelle antatschen. Da sie ihm zuarbeiten musste bat sie mich das Problem vielleicht in den Griff zu kriegen. Ich löste es durch ein Gespräch von "Mann zu Mann" bei dem der Beschuldigte alles zunächst schroff zurück wies, nach meinem rhetorisch ausgefeilten Nebensatz sonst mal kurz mit einem "hohen Tier" im Unternehmen zu reden (mit dem er zusammenarbeitete) räumte er jedoch die Vorwürfe halbwegs ein und gelobte Besserung. Die auch eintrat. Hätte ich wirklich mit dem "hohen Tier" reden müssen - ich glaube nicht, dass das viel gebracht hätte. So ließ es sich durch Psychologie lösen. Alles war noch unter strafbarem Niveau.

2) Selbe Firma. Kollegin bat mich und andere Kollegen auch um Hilfe. Kurzfassung: Sie hatte eine beginnende Affaire mit ihrem Chef, diese jedoch abgebrochen wie es ihr gutes Recht gewesen ist. Daraufhin würde ihr Chef (sehr einflussreich im Unternehmen und ein bekannter Provokateur und extrem schwieriger Kollege) ihr massive berufliche Probleme machen. Sie als vorgeblich inkompetent vor der Geschäftsführung anschwärzen und ihr mit Kündigung drohen.
Ich bat den Kollegen zum persönlichen Gespräch, doch konnte ich gegen einen so im täglichen Mobbing gewieften Menschen nicht angekommen - der auch noch im Bunde mit einem Mitglied der Geschäftsführung war. Der Kollege beschwerte sich bei mir, es sei ein Unding gewesen, dass die Kollegin ihn sexuell zurückgewiesen habe nach vorher eindeutigen Signalen. Er lies sich bei allen Verweisen auf sexuelle Selbstbestimmung gerade von abhängig Angestellten nicht davon abbringen und führte sein Mobbing weiter. Erst mit seinem Weggang löste sich die Situation. Später kam er zurück ins Unternehmen, aber da waren sein Opfer und selbst ich schon weg. Er war ein ganz und gar unangenehmer Mensch der bizarrerweise zu hysterischen Reaktionen beim Anblick einer ... Tomate ... tendierte.

3) Meine Frau beschwert sich immer mal wieder, sie würde in Taipei von Herren im Vorbeigehen angegrabscht. In der Menge will sie den Täter nicht identifizieren und es wäre auch schwierig. Oder es passiert, wenn ich eh gerade nicht da bin.

4) Auch in Deutschland ist so etwas offenbar für Frauen zwar kein Alltag, aber kommt immer mal wieder vor, wie ich jetzt im persönlichen Kontakt erfahren haben.

5) Und zu guter Letzt:  Als Kleinkind(!) bin ich selbst von einem angesifften stadtstreicherhaften älteren Mann auf einem Spielplatz angetascht worden. Ich hatte unaufgeklärt damals keine Ahnung was eigentlich vor sich ging und bin einfach weggegangen. Die messerscharfe Erinnerung daran, die erst 15 Jahre später oder so gepaart mit großer Wut auftauchte zeigt, wie psychologisch relevant solche Belästigungen sind.

Ein unerquickliches Thema und wenn es tatsächlich noch einen der wenig gewordenen Blogkommentare diesmal zu diesem Thema gibt versteht sich sicher angemessene Wortwahl von selbst - um nicht von der Kommentarfee durch Löschung belästigt zu werden.

Die Presse fordert Männer pauschal immer wieder dazu auf ihr Verhalten "einzugestehen" und zu ändern. Nun mag unser Herz grundsätzlich ein finsteres Loch sein, aber etwas weniger Pauschalität wäre doch wünschenswert.
Sexismus sei auch schon, wenn man Damen beim Heben schwerer Taschen hilft etc habe ich neulich gelesen. Im überkorrekten Spiegel (Online) war das wohl. Nun, in dieser Hinsicht muss ich zugeben, mich bei jedem zweiten bis dritten Aufenthalt in Flugzeugen sexistisch betätigt zu haben. Die so von physikalischer Arbeit befreite Damenwelt möge es mir nachsehen.

EDIT: Den schlimmsten Fall habe ich vergessen. In meiner Kindheit war unten im Haus eine Familie mit einer wunderschönen blonden kleinen Tochter und einem für mich damals exotischen holländischen Namen. Ich habe die Gleichaltrige nie zu Gesicht bekommen, weil sie immer kreischend verschwand, sowie jemand in ihre Nähe kam. Jahrzehnte später hörte ich, dass sie magersüchtig ist und vom Vater missbraucht worden war. Natürlich ein Fall der über die aktuelle Pressediskussion weit hinaus geht.

Freitag, November 10, 2017

Kindergeld...

Ludigel stellt Kindergeldantrag. Wird natürlich abgelehnt

OK, viele bekommen heute deutsche Sozialleistungen ohne je einen Cent eingezahlt zu haben. Es claro. Wenn ich nun aber einen Wohnsitz in Deutschland anmelde (Ende letzten Jahres gemacht) und mir Juniors deutsche Auslandsschule in Taiwan die Haare vom Kopf frisst, wird mein Antrag auf Kindergeld natürlich abgelehnt. Hatte ich auch nicht anders erwartet. Ich werde allerdings Einspruch erheben, denn die Ablehnung sagt:

a) (Ich müsse einen Wohnsitz in D haben ODER in D steuerpflichtig sein) UND (mit Junior im Ausland in gemeinsamer Wohnung leben) 
um Kindergeld zu bekommen.

b) Ich würde weder in D einen Wohnsitz haben noch dort steuerpflichtig sein.

Meiner Kenntnis nach ist (a) korrekt und daher müsste ich Kindergeld bekommen, denn ich erfülle sogar alle zwei Voraussetzungen vor dem UND und die dahinter auch noch.

- Ich bin seit Dez. 2016 in Deutschland gemeldet. Ich bewohne das Einfamilienhaus zu 1/4 räumlich und zu etwa 1/4 des Jahres zeitlich. Und habe 1/4 Eigentum daran.
- Daraus müsste sich die deutsche Steuerpflicht ergeben, auch wenn mein Taiwangehalt korrekt nach Deutsch-Taiwanischem Doppelbesteuerungsabkommen in Taiwan versteuert werden müsste.

Wenn die Kindergeldkasse also ablehnen will, bräuchten sie schon eine andere Begründung. Ich werde daher Einspruch erheben und Meldebescheinung aus Heimatstadt in D und (die wohl noch zu beantragende Steuerkarte) in Kopie belegen (Steuernummer habe ich natürlich schon).

Mal gucken wie es weiter geht.

INFO: Keinen Anspruch auf Kindergeld in Deutschland hat etwa, wer nur im Ausland lebt und in D keinen Wohnsitz hat und z.B. mangels Einkünften keine Steuern zahlt. In Fallballspielen wäre das so:

I) Hugo lebt in Taipei mit Frau Fanny Low und Sohn Hannes-Ashton. Arbeitet bei Gobbletec in Taipei. Keine Meldung in D, keine Einkünfte in D (reden wir mal nicht über Minizinsen unter Freibetrag*). => kein Kindergeld.

II) Hannes ist wie Hugo, hat sich aber von Frau (räumlich) getrennt und lebt wieder in Hannover. Junior lebt mit Frau im herrlichen Taipei. => kein Kindergeld (denke ich, weil keine gemeinsame Wohnung mit Junior).

III) Ludigel ist wie Hugo, ist aber in D gemeldet (bewohnt die Wohnung auch zeitweilig) und wird eine Steuererklärung wegen Zinseinkünften ausfüllen. Schon die Meldung ODER die steuerpflicht müsste meiner derzeitigen Kenntnis nach für Kindergeld ausreichen.

Selbst wenn man meine Wohnsituation so interpretieren würde, dass mein Hauptwohnsitz Taiwan ist müsste Meldung in D und faktisches Bewohnen einer Wohnung zu einem Teil des Jahres immer noch reichen für die Kindergeld- und Steuerpflicht.

* mir unklar, reicht aber sicher nicht für unbeschr. Einkommenssteuerpflicht, die man für Kindergeld bräuchte

Montag, November 06, 2017

Verkehrschaos...(umfallende Fußgängerin, Fast-Unfall...)

Kurznotizen


Ludigel holt mit dem Auto Frühstück, fädelt sich locker vom Kurvenparkplatz a la Taipei wieder in den Verkehr ein, muss scharf bremsen weil vor ihm ein Minivan plötzlich dreht. Mitten auf der vielbefahrenen lokalen Hauptstraße. Auch noch auf dem Zebra-Streifen, fällt mir auf, während ich warte und nervös in den Rückspiegel gucke, ob mir gleich jemand hinten rein fährt. Das fast neue Auto ist da von hinten schon ein bisschen "taiwanifiziert" durch meine Mitverkehrsteilnehmer.

"Gut, ein Zebrastreifen ist hier eh bedeutungslos", denke ich noch so. Da sehe ich, dass ein Mann mit Kleinkind auf dem Arm vom wendenden schwarzen Minivan verdeckt ist und verzweifelt versucht, diesem auszuweichen. Flott dreht der Minivan, der Fußgänger mit Kleinkind bringt sich durch einen Hechtsprung nach Vorn in Sicherheit. Sicherheit? Denkste! Damit springt er vor einen PKW, der gerade auf der anderen Straßenseite versucht um den wendenden Minivan herum zu fahren. Mir stockt der Atem, das Herz setzt kurz aus, als der Mann vor der Motorhaube eines silbernen Mitsubishi-Schlicht-SUV landet. Der kann bremsen, aber der Vater mit Kind muss einen Satz rückwärts machen, um der Stoßstange zu entgehen. Sicher erreicht er schließlich den Bürgersteig und wir alle fahren weiter als sei nichts gewesen. Zuhause freut sich Frau über den Sweet-Bun mit Schinken a la Hong-Kong-Style. Der ältere Herr im neuen Frühstückslokal redet immer beruhigend auf mich ein und klopft mir beruhigend auf die Schulter, wenn ich gestresst vom parkplatzlosen Verkehr hinein haste um Samstags und Sonntags das Frühstück zu holen.

 Altes Foto aus Taipei, hat nichts mit dem hier beschriebenen zu tun. Taiwaner denken nicht so viel im Verkehr, auch nicht bei der Deko am Auto.

Am Abend zuvor waren wir in der Stadt beim chin. trad. Arzt. Dort fertig standen Frau, Junior und ich auf dem fast von Mopeds zugeparkten Bürgersteig und warteten auf das bestellte Taxi. Zwischen uns und dem Handygeschäft mit den vielen jungen Frauen und den iPhones an der Wand ist wegen der Mopeds kaum noch Platz für die zahlreichen Fußgänger, die über das nasse glatte Fliesenflaster hechten. Ich ziehe Junior zur Seite damit eine Frau in den 60ern oder End-50ern die volle Durchgangsbreite zwischen Haus und Mopeds hat und wir stehen eingekastelt zwischen den Mopeds mit meiner Frau. Da bleibt die ältere Dame genau neben uns stehen und zieht ein Smartphone aus der Tasche. "Ah, will auch ein Taxi", denke ich noch. Da sackt sie in einer fließenden Bewegung zusammen. Flüssig wie Wasser, als würde sie das täglich machen. Sie liegt auf dem Rücken, die Augen leicht auf. Gesunde rosige Gesichtsfarbe. Gleichmäßige Atmung, wie ich mich vergewissere. Die Hände gefaltet mit dem Handy auf dem Bauch. Frau eilt hin. Ich halte mich lieber im Hintergrund. Warum fragen nur Newbies. Sie ist nicht ansprechbar. Wir holen einen Krankenwagen. Der ist schon fünf Minuten später da. Frau hat noch Angehörige der Dame mit dem Handy angerufen. Ein Polizist kommt im Schlepptau der Ambulanz, die die Dame einlädt mit der Trage. Der Polizist befragt Frau und einen älteren Herrn und eine Dame aus dem Handyladen. Wir werden entlassen und düsen mit dem Taxi davon.

Jetzt folgt das interessante Warten: Kriegen wir eine Schadensersatzklage fürs Helfen die nächsten Tage? Eigentlich empfiehlt man in Taiwan bei Unglücken nicht zu helfen, wenn man nicht selbst involviert ist, da Taiwaner die Tendenz haben, Unfallhelfer z.B. wegen unsachgemäßer Hilfe zu verklagen oder ihnen gar zu unterstellen, den Unfall verursacht zu haben.

Aber wenn, dann gibt das auch wieder einen interessanten Blogartikel. Man darf gespannt sein.

Freitag, November 03, 2017

Milka in Taiwan

Die Lila Kuh erobert Taiwan

Es war vor Jahren, da musste meine Frau für ihr MBA-Fernstudium einen Text schreiben, der die Markteinführung einer Marke beschreibt, die noch nicht auf dem heimischen Markt zu finden ist. Mit meiner Assistenz wählte sie Milka, Weil die Taiwaner wenig Schokolade essen und wenn dann fast nur Bitterschokolade oder Voll-Nuss, hatte sie - mit meiner kauenden Assistenz - geschrieben, dass Milka es rein über die Milch-Vollmilch-Assoziationskette schwer hätte auf dem taiwanischen Markt, gerade weil Bitterschokolade damals gar nicht im Programm war.

Seit einiger Zeit fallen mir nun kleine verschämte 40g-Riegel von Milka an der Kasse der Family-Convenience-Stores auf zu 35 NT das Stück, also knapp 1 Euro. Durchaus also ein Importpreis. Flugs gekauft fehlte mir dann doch der besonders cremige und vanillieartige Geschmack von Milka, aber es war ein durchaus durchschnittliches - also nicht schlechtes - Schokaladenerlebnis. Natürlich Meilen besser als taiwanische Horroschokolade wie die kerzenwachsartige TAPPL oder die "Kaiser"-Schokolade, die nicht von Adel ist.

Hersteller ist Milkas Mutterunternehmen Mondalez, vgl. Pressemeldung hier, aber hergestellt ist die Tafel in China und nicht in Taiwan. Also gesunde Chinamilch aus den chinesischen "Alpen". China ist ja quasi ein Synonym für gesunde Milch (kicher, röchel, spuck).

Die Empfehlung des Essays meiner Frau war damals für die taiwanischen Markt auf Vollnuss und Bitter nebst Zartbitter zu setzen, mit dem Hinweis, dass sich eine eigene Bitterlinie nur für Taiwan wohl nicht lohnen würde. Da Kuhmilch=gesund manchmal auch den Taiwanern über Fernsehwerbung beigebracht wird (obwohl 99% aller Taiwaner die Lactose nicht vertragen), hatte sie eher eine Nische für Milka prognostiziert. Vielleicht mit Zarbitter und die in Taiwan etwas populäre Erdbeere* (Vollnuss gibt es ja wohl auch nicht).

Interessant finde ich worauf Milka jetzt wirklich - ohne viel Werbung - setzt: In Taiwan sehe ich nur die Sorten Vollmilch und "kleine Nussstücke", wie auch immer sich letztere marketingtechnisch nennt. Der VR-Chinese soll im Jahr nur 100g Schoki vertilgen, habe ich irgendwo gelesen, der Engländer hingegen 8kg. Die Taiwaner sind da sicher eher chinesisch. Mal gucken, wie lange die Chinamilka liegt. Schlecht schmeckt sie nicht.

* eine exotische Frucht in TWN, die manchmal mit regelrechten "alles Erdbeersüßigkeiten"-Aktionen in den Convenience Stores propagandiert wird

Edit: Ich dachte erst, dass Mondalez über Milka auf den Cadbury-Marktanteil in Taiwan zielt. Denn das bisschen Vollmilchschokolade hier ist meist Cadbury Dairy Milk. Aber Cadbury gehört auch zu Mondalez. Kannibalisieren sie da nicht ihren eigenen Umsatz? Reicht die Milch-Nische wirklich für 2 Marken?

Mittwoch, November 01, 2017

"Geh mal raus"

EDIT: Nach 3 Monaten am Stück hier habe ich sowieso wieder mal den Taipei-Koller ;-)

Wieso ich nicht mal mehr spazieren gehe kam in einer Diskussion neulich auf. Mit jemanden aus der Heimat. Tue ich fast nie hier. Wieso eigentlich?

Also gut. Stellen wir uns vor ich würde spazieren gehen wollen. Es ist 21 Uhr, Junior ist eingeschlafen, ich bin wieder wach nachdem ich ihn zu Bett gebracht habe und vielleicht selbst ein bisschen luxuriösen Vor-Nachtschlaf genossen habe.

Was tun?

a) Um den Block gehen. Das sind bürgersteiglose Gassen mit wenig Verkehr, nur mittelviel Hundekacke und hässlichen Plattenbauten hier in Taipei-Neihu. Tue ich manchmal. Freue mich auf das nächste Mal wie aufs nächste Badezimmer-Putzen. Nicht, dass das Viertel nicht auch wenige schöne Ecken hätte. Aber nur mit dem schmeichelnden Blick des Hobbyfotografen kann man das Schöne herausarbeiten...

... etwa so mit aufgehübschten Farben.  Eigentlich sieht man aber immer nur graue Platte...

... die man schon mit Brennweite (Extremweitwinkel etc.) und Photoshop aufhübschen muss.

Das meiste sieht eher wie oben aus. Gibt schlimmeres, aber es macht eben keinen besonderen Spaß, da zu gehen. Knattert ein Moped vorbei riecht die Luft wieder wie in der Kfz-Werkstatt anstatt wie sonst nur wie ein fahler Ascheeimer. Ich will nicht meckern, nur aufzeigen, wieso es nicht so sehr zum Abendspaziergang einlädt. Auch wenn sich die Dunkelheit wie ein gnädiger Schleier über die Plattenbauten senkt und manchmal hübsch illuminierte Stellen entstehen lässt, die man aufhübschen kann fotografisch. Grünes wäre mir halt lieber.

b) Der lokale Park: Klein und die Wege drum herum sind Fahrbahnen, wo selten aber dafür mit Karacho ein Moped heran rast, der Reiter müde vom langen Arbeitstag und sich auf die TV-Show mit Girls in Hotpans freuend.


Ich sitze da öfter mal des Abends. Und ärgere mich doch immer wieder über den Abgasgeruch. Und oft sitzen noch zwei Taiwaner schräg gegenüber auf der Bank und rauchen. Dann stinkt es zusätzlich noch etwas anders. Und eigentlich ist es auch nur eine erweiterte Fahrbahn, wie man sieht. Tendenz des Parks zum Kleinerwerden. Ein Teil davon, der einem Dutzend Anwohnern als ... Parkplatz ... diente ist mittlerweile mit einem Mehrfamilienhaus zugestellt. Hier passt immer noch irgendwo ein Wohnblock zwischen. Und in Taipei habe ich endlich begriffen, dass das deutsche Wort "Parkplatz" vom Park her kommt ;-)

c) Der lokale See

Ja gut. Tengo Lago. Aber der lokale See ist 1.5 km weg. Gehe ich da durch hässliche versmogte und größtenteils bürgersteiglose Straßen bei oft dichtem Verkehr hin zu Fuß ist es schon wieder zu weit und mein Rachen schmeckt nach KFZ-Werkstatt wenn ich da bin. Nehme ich das Auto, finde ich meist keinen Parkplatz. Sonst ist es da ganz hübsch und weitgestgehend smogfrei.

d) Der Flusspark

Etwa in 3 bis 4 km Entfernung. Fahre ich mit dem Auto. Kann bequem im Stockdunkeln parken nur die Glasscherben nicht sehen. Bin ich früher oft gewesen, geht ja meistens gut. Aber im Stockdunkeln steht man schon mal mitten in einem knurrenden Straßenhundrudel. Erwäge die Tage den langweiligen Grünstreifen mal wieder aufzusuchen regelmäßig. Aber eigentlich ist es mehr eine Autofahrt unter Benutzung des langsamen Autolifts im Haus als ein gemütlicher Spaziergang. Passt auch nicht so recht.

f) Grüne Hügel in der Nähe

Dachte ich. Schmale Fahrbahn geht hoch. Dann Hundegebell, ein Platz mit einer Art Bauerhof. Ist das jetzt privat oder nicht? Beißt der Hund? Lädt auch nicht so richtig zum Flanieren ein. Das Grün neben dem Weg ist dschungelartig und steil. Keine Wege.

g) Das Atrium vom Krankenhaus. 

Wieder eine Autofahrt mit bezahltem Parkplatz. Kommt ein bisschen teuer. Tja gut. Manchmal sieht man eine hübsche Krankenschwester.

Gut, ich bin in Deutschland praktisch im Grünen aufgewachsen. Ich würde dem viel zu vollen Taipei und gerade dem alten hässlichen Viertel wo wir wohnen gerne den Rücken kehren. Habe ich ja auch getan und bin dann doch wieder dem Ruf von Frau und Junior gefolgt. Will mich also nicht beschweren, war ja meine Entscheidung. Ich wollte eben nur erklären, wieso ich meist nicht spazieren gehe ;-)

h) Firmendach 

Halt... manchmal drehe ich vor dem Nachhausefahren auf dem Firmendach meine Runde. Da riecht es wenig. Es sei denn das Chemiewerk (?) nebenan lässt mal wieder seine sichtbaren Dämpfe durch Dachluken ab (Schornsteine haben sie in Taipei für Fabriken nicht immer). Dann riecht es lecker nach Gummibärchen. Auch nicht schlecht.



Freue mich auf den baldigen laaaaaangen Heimaturlaub mit laaaaaaaaaaaangen Spaziergängen durch die Masch genannte Marschenlandschaft und um den Maschsee Hannovers.



Donnerstag, Oktober 26, 2017

Automobilistisches

Vom braunen Kasten über den schwarzen Riesen zur roten Knutschkugel

Als ich 2004 nach Taiwan zog, ließ ich den vom Vater zur Verfügung gestellten alten Mitsubishi Spacewagon (Hochdachkombi mit 133 PS) daheim zurück und ging in Taipei zunächst zu Fuß. Meine Frau hatte zwar noch kurz vorher einen Kia Karens (ein Äquivalent zum Spacewagon) gefahren, diesen aber verkauft, als sie kurz nach Deutschland gezogen war. Dann hatte es ihr in Deutschland nicht gefallen (um es milde auszudrücken) und wir zwei sind eben nach Taiwan gezogen. Das hatte uns also bereits zwei Autos gekostet in diesem Sinne.

Zu Fuß trabte ich genervt durch bürgersteiglose Gasse und stand mit den Autos in versmogten Straßen im Stau, wollte aber trotzdem kein eigenes Auto haben. Auch weil ich geistig immer Taipei wieder verlassen wollte. Damals war es halt noch ein ganz anderes Land - all die schicken Straßen von heute gab es kaum bis nicht. Das Hochhaus 101 stand mit ein paar Vorzeigestraßen einsam zwischen grauen Plattenbauten. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen.

Erst 2006 schafften wir ein Auto an, es wurde ein Nissan X-Trail, der mit seinem 2-Liter-Benziner und 150 PS so zögerlich auf das Gas reagierte, als wenn drinnen nur 110 Pferde oder so ihre Arbeit verrichteten. Ein Modell, das es schon seit 2001 in Deutschland, aber erst seit 2005 in Taiwan gab und das hier auch hergestellt war. Innen freilich mit Leder und Kunstholz ganz anders aussehend als der robuste Innenraum der deutschen Version.


Bürgerlicher Wohlstand kehrte ein, der Nissan stand vorm Reihenhaus geparkt zusammen mit einem fast 10 Jahre alten Opel Corsa, den wir angeschafft hatten, als Frau und ich in zwei Firmen gearbeitet haben. Selten habe ich ein Auto so gehasst wie den Corsa, der immer kaputt war. Kochender Motor und Anlassprobleme. Genau gesagt "schrie" das Auto wie am Spieß wenn man den Anlasser betätigte. Fußgänger machten bei dem tier- oder eher dämonenhaften Laut einen solchen Satz, dass man befürchten musste, sie würden einen Herzinfarkt kriegen. Ein Corsa 1.2 Swing. Als auch noch die Bremsen nachließen und man pumpen musste, gab sogar der lokale "TÜV" (zu dem man ältere Autos in Taiwan bringen muss) sein OK dazu. Sie rieten zum langsam fahren.
Der Nissan blieb uns ein treuer Begleiter bis 2014, als auch wegen Befestigung für Kindersitze (den in Taiwan jap./kor. Autos nicht haben) ein Volvo angeschafft wurde. Mit 8 Jahren und 185.000 km hatte der Nissan nie Probleme gemacht. Nur einmal waren wir liegen geblieben als ich die rote Batteriewarnung zwei Wochen lang ignoriert hatte. Daraufhin gab die Lichtmaschine bei erst 85.000 km ihren Geist auf. Noch kurz vorm Verkauf mit neuen Stoßdämpfern ausgestattet fuhr sich der Nissan wieder wie ein Neuwagen. In der Rückschau das beste Auto, dass ich je hatte. Der X-Trail nahm 10-12 Liter in Taiwan, der Corsa um die 9.

Angeschafft wurde der Volvo XC 60 T5 mit einem 2-Liter Turbomotor, den Volvo als Sparmotor bezeichnete. Wohl weil er seine geschlagenen 245 PS nur aus 2 Litern Hubraum zog.  Freilich war der Wagen für die oft schmalen Gassen Taipeis viel zu breit und steckte manchmal fast fest. Geschlagene 1.90 Meter breit war er. Und das obwohl er im Innenraum viel enger wirkte als der Nissan X-Trail.

Die Inspektionen waren teuer, mal eben 20.000 NT statt wie vorher 2.000 bis 4.000 NT beim Nissan waren für uns eine ungewohnte Dimension, wenn auch erträglich. Der Verbrauch war horrend. Der "Sparmotor" gurgelte sich zwischen 11.8 und 15 Liter in den Rachen, mit Tendenz zur Steigerung. Unvergessen ist mir das wütende Pipen und die roten Warnungen auf einem großen "taktischen Display" auf dem Armaturenbrett, mit dem der Wagen -ständig- auf das -ständige- Annähern von Mopeds reagierte, deren ungefähre Position auf dem Bildschirm unter wütendem Pfeifen angezeigt wurde. So als gälte es die Phaser auf die Position eines die Tarnung fallen lassenden Klingonenkreuzers bei Star Trek auszurichten.
Die Sicht nach hinten links und hinten rechts beim Spurwechsel war wegen der ansteigenden Seitenlinie schlecht, dafür hatte er jedoch elektronische Helferlein die wiederum Feinde im toten Winkel blinkend anzeigten.
Meine Frau gab mit dem von ihr gewünschten Volvo das Autofahren schlichtweg auf. Sie kam einfach mit der Breite nicht zurecht. Trotzdem wirkte sie immer glücklich in dem dicken Fahrzeug. "Etwas her machen" tat der Volvo auch in Bezug auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Während diese mir in der Nissanzeit ständig vor den Kühler kreuzten oder oft in Millimeterabstand auf der Stoßstange hingen, hielten die Taiwaner zu dem Volvo fast immer respektvollen Abstand und stellten manchmal sogar irgendwelche Rennen, in die sie gerade verstrickt waren ein, um manierlich und mit gesetztem Blinker an mir vorbei zu ziehen - erst wenn ich gewillt war ihnen Platz zu machen. Ich gebe zu, ich konnte mit dem dicken Ding gemütlich und entspannt durch Taiwan fahren. So gesehen fiel mir die Trennung am Schluss etwas schwer.
Der Wagen fiel der chaotischen Zeit zum Opfer, in der meine Frau mit dem manilesischen Familienzweig - ihrer Schwester nebst lokalem Manne - fusionierte und mit Junior dort hin zog, während ich nach Deutschland zog. Eine chaotische Zeit, der also auch der dicke Volvo zum Opfer fiele. Das praktisch neue Auto nach 2 Jahren zu verkaufen machte hohen Verlust und heute fährt ihn immerhin teilbezahlterweise die Schwester Nr. 4 meiner Gattin. La Sagrada Familia ist hier sowieso die Hauptsache.

Kaum wieder zurückgekehrt nach Taiwan schmiedete meine Frau Pläne irgendwas dickes mit Stern anzuschaffen. Nun habe ich nichts gegen LKWs, aber wenn diese sich heute auch SUV nennen plädierte ich energisch erst mal für einen Kleinwagen. Wer weiß denn, ob sich unsere Hin- und Herziehphase nicht noch fortsetzt.

So fahren wir derzeit mit der nagelneuen Knutschkugel oben im Bild herum. Ein Nissan Micra, der sich hier March nennt und hier seit recht kurzer Zeit erst so verkauft wird, wie es ihn in Deutschland von 2009 bis 2013 gab (Micra K12). So klein ist ein Kleinwagen heute auch nicht mehr, er hat immerhin ziemlich genau die Ausmaße eines Golf A und man sitzt erstaunlich bequem in dem Ding. Wohl wegen des hohen Daches. Ich will nicht behaupten dass der Vierzylinder mit 1.5-Litern und 99 PS das beste Auto aller Zeiten ist (Motorosierung abweichend von Deutschland), aber er ist trotz Automatik agil im Stadtverkehr und der Verbauch ist auch um Klassen besser als beim Volvo. Fährt meine Frau ihn allein oder mit Junior kommt sie auf 6-7 Liter Verbauch, bei mir hingegen nimmt das Ding 8-9 Liter, obwohl ich viel vorsichtiger mit dem Gas umgehe. Meine Frau wirft das Ding wie einen roten Flummi durch die Gegend und hat mit dem kleinen Auto das Autofahren und die Freude daran wiederentdeckt. Ich hingegen fahre ihn häufig recht missmutig im Vergleich zum Volvo. Fangen doch die Taiwaner wieder damit an, mich ständig mit ihren dicken Limusinen und SUVs zu bedrängen, als gäbe es irgendeinen Preis zu gewinnen.

Egal wie oft ich in die dunkle Tiefgarage komme, so sieht es nie aus (fehlt das Licht denke ich), Bildklau von Nissan Taiwan

Innen hat der Nissan schickes Hartplastik am Armaturenbrett, trotzdem (für seine 570.000 NT) Ledersitze und damit es nicht langweilig wird klappert hinten immer irgendwas. Aber dafür werden sich wohl keine taiwanischen Verwandten darum reißen mit dem Ding einst durch die Gegend zu fahren, wenn wir mal wieder wegziehen. Wir planen ihn für den Fall als Taiwanauto meiner Frau zu behalten und bei einem Freund der Familie unterzustellen.

Da ich nun zwischen Deutschland und Taiwan pendele habe ich auch noch den nagelneuen Mitsubishi von meinem Vater übernommen, der ja leider verstorben ist. Jetzt ist der rote Mitsubishi  ASX schon wieder über ein Jahr alt geworden aber fast immer nur in der Garage stehend meiner Abwesenheit halber und gerade mal 5700km gelaufen.

Weit und breit keine Forstmitarbeiterinnen, um mal am Auto zu posieren.


Frau ist der 117-PS-starke kompakte SUV, der im ruhigen Niedersachsen auch nur zwischen 8 und 9 Litern nimmt ein kleiner Dorn im Auge. Sie mag es eher mit Stern in der letzten Zeit und kauft mir nicht ab, dass der Mitsubishi "Drei Diamanten"-Stern doch fast genau so ist. In die Diskussion fiel Junior mit einer "Volvo Volvo Volvo"-Kaskade ein. Er ist immer noch ein Fan von unserem schwarzen Ungetüm oben im Bild.

Am meisten Spaß gemacht hat mir jedenfalls ein anderer Mitsubishi, Anno 1985 oder 86 frisch führerscheinbesitzend und auf Spritztour in Ostberlin.


Heute finde ich er sieht gar nicht so viel anders aus als das realsozialistische Blech in der Straße. Damals allerdings hatte der "Space Wagon 1800 GLX" in der DDR richtig für Aufsehen gesorgt. Nach Feten (in Der Brrrrrd) konnte man hinten den Siebensitzer in eine Liegefläche verwandeln und drin nächtigen. Übrigens hat er fast identische Breite und Höhe wie der Nissan March oben im Bild. Dabei ist der heute ein Kleinwagen und der Space Wagon war eine ausgewachsene Familienkutsche.

Mehr Bilder von dem Ostberlin-Trip hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2012/07/wie-ich-die-ddr-ruiniert-habe.html
U.a. sieht man dort den Wagen einmal vor westberliner Reichstag und einmal vorm ostberliner Palast der Republik geparkt. Den Fun von damals kann auch ein 400 PS-Mercedes nicht ersetzen (den Gattin im Visier hat).



Freitag, Oktober 20, 2017

UPDATE: Taiwanische Theorien (Doppelte Staatsbürgerschaft, Kindergeld...)

Unlängst hatte meine Frau Kontakt in einem Forum zu einer Taiwanerin, die irgendwie mit Deutschland verbandelt ist. Ihre Theorien, welche Vorteile man hinsichtlich Kindergeld, Staatsbürgerschaft und Schulgeld erlangen könnte veranlassten mich zu neuerlicher Recherche. Hier Theorie und Tatsachen gegenübergestellt. Wer besseres weiß, ist natürlich aufgerufen, dass in den Kommentaren anzugeben, danke.

These 1: Man kann immer Kindergeld in Deutschland bekommen, auch wenn man dort gar nicht lebt.

Tatsachen laut meiner Recherche: Jein. Um in Deutschland Kindergeld für ein nicht in Deutschland wohnhaftes (nicht dort gemeldetes) Kind zu bekommen, muss das Kind meines Wissens nach im Ausland eine gemeinsame Wohnung mit den Eltern bewohnen und ein Elternteil in Deutschland steuerpflichtig sein ODER dort gemeldet sein ODER dort seinen Lebensmittelpunkt haben.

Da ich seit 2016 in Deutschland wieder gemeldet und ein paar Monate im Jahr dort bin und mit Junior und Frau sonst in Taiwan lebe, besteht also die Möglichkeit von Kindergeld, auch wenn ich mir nicht sicher bin. Ich hatte den Antrag ohnehin schon länger liegen und habe ihn nun mit wahrheitsgemäßen Angaben ausgefüllt. Gemeint ist hier nicht dem Amt vorzutäuschen, Junior würde in Deutschland leben. Auslandsdeutsche machen so etwas öfter mal, ich aber nicht.

These 2: Als Taiwaner(in) kann man immer auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, obwohl man die taiwanische behält.

Tatsachen laut meiner Recherche: Nein mit Tendenz zum Jein. Grundsätzlich verlangt die Bundesrepublik Deutschland von einem (etwa durch Heirat/Zuzug und langes Leben im Land) die deutsche Staatsbürgerschaft annehmenden Ausländer die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft. Auch wenn die Republik China alias Taiwan nicht offiziell diplomatisch anerkannt wird, ändert das nichts an diesem Umstand. Allerdings gibt es Fälle, wo die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt ist. Sowieso bei Nachkommen von Deutschen und Ausländern ab Geburt, siehe hier im Blog. Und abgesehen davon in Fällen, indem dem Ausländer (a) bei Aufgabe seiner alten Staatsbürgerschaft unzumutbare Nachteile drohen oder (b) der alte Staat nicht kooperativ ist und die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft verweigert oder bis (mindestens?) zwei Jahre hintertreibt. Ausdrücklich meint Fall (a) NICHT die normalen Nacheile einer Staatsbürgerschaftsaufgabe, etwa nicht mehr wählen zu können.

Ich denke nicht, dass (a) oder (b) auf Taiwan zutreffen. Man könnte aber sicher einen Fall konstruieren, bei dem die Beibehaltung der taiwanischen (R.O.C.) Staatsbürgerschaft erlaubt würde, etwa wenn ein patriotischer Vater der Tochter bei Aufgabe der Staatsbürgerschaft mit Enterbung drohen würde. Das ist von mir spekuliert.

UPDATE: Siehe Kommentare: Taiwan diskriminiert Ausländer bei einigen Regelungen, etwa der Beamtenrente (hier bekommen Ausländer nur geringe Einmalzahlung statt monatl. Rente). Das wäre dann sicher ein gravierender Nachteil, dass man auch die R.O.C. (Taiwan)-Staatsbürgerschaft behalten könnte.
Sollte der taiwanische Staat eigenen Staatsbürgern tatsächlich die R.O.C.-Staatsbürgerschaft automatisch zurückgeben, wenn sie diese zur Erlangung der deutschen oder einer anderen abgelegt haben (lt. Kommentaren ist das möglicherweise so), dann könnten sie auch nach deutschem Recht beide behalten. Nur wenn diese neu beantragt werden müsste ginge das nach deutschem Staatsbürgerschaftsrecht nicht. EDIT: Siehe Kommentare unten. Unklar ist, wie das Neubeantragen des taiwanischen Passes (i.S. des Papierdokuments) von Deutschland aus gesehen würde und ob es zum Entzug der deutschen Staatsangehörigkeit führen könnte. Don't try this at home ohne rechtliche oder anderweitig kompetente Beratung!

These 3: Der deutsche Staats erstattet das (horrende) Schulgeld für die deutschen Auslandsschulen.

Tatsachen laut meiner Recherche: Absolut nicht. Wer da einen Kniff kennt, teilt ihn mir bitte mit und bereitet sich auf ein Geschenkpaket von Ludigel per Post vor.


UPDATE: Kindergeldantrag abgelehnt mit der (ungefähren) Begründung ich würde weder in Deutschland Wohnsitz haben (falsch, bin seit Dez. 2016 amtl. gemeldet) oder steuerpflichtig sein (falsch denke ich, denn meine Bank geht jedenfalls davon aus dass ich mit Meldeadresse in Deutschland auch steuerpflichtig bin, ich ebenfalls). Werde also später Einspruch erheben und Meldebescheinigung und (die noch zu holende) Steuerkarte beilegen.

UPDATE 2: Siehe Fallbeispiele hier im neuen Artikel: http://osttellerrand.blogspot.tw/2017/11/kindergeld.html

Donnerstag, Oktober 19, 2017

Heimatnotizen

Kurz vor dem nächsten Deutschlandaufenthalt Zeit für ein Resumee

Ich gebe zu, kaum etwas hatte mich in der letzten Zeit so beschäftigt, wie Merkels Flüchtlingspolitik. Voller Sorge, wie diverse brotlose männliche Zugezogene die Kriminalitätsrate beeinflussen würden, gerade in Hinsicht meiner alten Mutter, die allein im Reihenhaus sitzt - habe ich mich vor zwei Jahren oder so zum Googeln einschlägiger Stichworte hinreißen lassen. Mit "Refugees Kriminalität" oder dergleichen landete ich bald auf Facebookgruppen, Webseiten und in Foren, die das Bild eines von arabischen und afrikanischen Ausländern belagerten Deutschlands kolportierten, wo man sich vor lauter Kriminalität kaum noch auf die Straße trauen konnte. Damals liebäugelte ich mit der Wahl der damals noch gemäßigten AfD (vor dem Auftrumpfen von Herrenmensch Höcke und der Dominanz von Herrn GAUland).

Dann die Verblüffung bei einem Kurztrip nach Deutschland. Ruhige niedersächsische Kleinstadtstraßen wie immer, von ausländisch aussehenden Leuten weit und breit keine Spur. Die erste Frau, die ich mit Kopftuch sehe ist eine (katholische) Nonne.

Alles im gelben Bereich, kein Grund mit einer Flappe durch die Heimat zu laufen*

Doch wie war es nun bei zwei längeren Aufenthalten in Deutschland? In Stichworten.

- Wie immer hohe Ausländerdichte der osteuropäischen und türkischen Variante im Stadtzentrum der Kleinstadt, wo viele plattenbauähnlichen Wohngebiete liegen. Unverändert. Hier habe ich mich früher schon mal auf Englisch bei meiner Frau beschwert, dass man kaum noch Deutsch bei C&A hört ;-)

- In den ruhigen obere Mittelklasse-Wohnstraßen unseren Reihenhauses sind die ersten arabisch aussehenden Leute zu sehen. Ein Novum. Aber sicher nichts negatives. Eine hübsche junge Frau hat ein wehendes lila Kopftuch elegant um den Kopf geschlungen. Nett.
Im Zentrum mittlerweile viele Kopftücher bei den Damen. Wäre es ein normaler und nicht soziologisch-patriarchalisch induzierter Trend würde ich sagen: Mal was neues, aber designmäßig können die Damen von der erwähnten jungen Frau mit dem lila Kopftuch lernen. Mir bleibt ein leicht unangenehmes Gefühl im Hinterkopf, denn hier ist mehr sozialer und religiöser Druck die Schubkraft des neuen "Trends" und nicht etwa das Modegefühl der (oft neubürgerischen?) Damen.

- Die Lokalzeitung weiß in der letzten Zeit von einigen Verbrechen zu berichten, die es so früher nicht gab. Nicht missverstehen, Überfälle zu nächtlichen Zeiten gab es auch früher schon in der Kleinstadt. Aber jetzt lese ich von einem von mehreren südländisch aussehenden Herren ausgeraubten Teenager auf dem Fahrrad im Naturschutzgebiet schon bei Sonnenuntergang. Ein Überfall auf dem Garagenhof nahe Zentrum schon um 20 Uhr und zu gleicher Tageszeit ein Messerangriff an der Stadtbahnhaltestelle. Und noch mehr Meldungen der Art, allerdings auf einem Zeitraum von 2 Jahren verteilt, das gebe ich gerne zu.

- Treffen bei einem alten Studienfreund. Seine Frau und er empfehlen dem leicht angetrunkenen Ludigel, der natürlich sein Auto stehen lässt, nicht wie früher einfach die 2 Kilometer zu Fuß nach Hause zu gehen, sondern lieber ein Taxi zu nehmen. Sie erwähnen die Leiche, die man vor einem Jahr oder so vorm Asylsuchendenheim gefunden hat, schon monatelang im Gebüsch vermodernd, bis heute unidentifiziert. Und sagen, man ginge halt seit dem Beginn der Flüchtlingswelle nicht mehr abends einfach so raus. Auch ihre Bekannten würden jetzt immer lieber ein Taxi rufen. Ich verzichte auf den bei mir schon liebgewonnen Abendspaziergang nach Haus, der über mein altes Schulgelände geführt hatte.

- Bei einem Grillabend lerne ich den ersten "Flüchtling" persönlich kennen. Er ist ein netter junger Mann und die Anführungszeichen verwende ich nur, weil er als Marokkaner natürlich nicht vor Krieg geflüchtet ist, sondern eben eine Chance in Deutschland sucht. Er ist mit einer Deutschen zusammen und ist ein weltläufiger gebildeter junger Mann, der sicher ein Gewinn für das Land ist. Ich wünsche ihm, dass er bleiben kann und denke wieder einmal, dass wir eigentlich ein Einwanderungsgesetz bräuchten, um weniger Messerstecher (vgl. den Toten vorm Asylsuchendenheim) und mehr Leute wie ihn zu kriegen.

Soweit die Notizen. In früheren Blogjahren wäre jetzt die PC-Korrektheitstruppe über mich her gefallen und ich hätte am Ende noch tagelang Facebook-Bombs zu dem Thema bekommen und alle hätten wieder "Nazi" geschrien. Ruhig wie das Blog geworden ist, wird es wohl unkommentiert bleiben ;-) Gegen vernünftige Diskussion wäre natürlich nichts einzuwenden.

* Bild aus dem hannoverschen Zoo

Dienstag, Oktober 17, 2017

Finanzielles Aufräumen

Ludigel kehrt mit eisernem Besen

Für das Jahr 2018 und ab sofort habe ich eine grundlegende Sanierung sämtlicher Finanzen auf den Stundenplan geschrieben. Sowohl bei meinem eigenen Geld wie bei dem meiner Eltern, das ich nach dem Tode meines Vaters nun verwalte. Es ist verblüffend wie viel Unsinn die Leute mit dem Geld anstellen.

Die Commerzbank hatte das Geld meiner Eltern in einer Vermögensverwaltung, allerdings hatte der Crash 2008 etwa 1/3 aller Werte vernichtet. Ich war nun davon ausgegangen, dass die diversen Erholungen in den letzten Jahren da wieder etwas zurück gebracht hätten. Doch Fehlanzeige. Die Commerzbank hatte das Geld so "geschickt" verwaltet, dass gute Fonds entweder nur mit Minisummen vorkamen - oder aber schlechte Fonds wie ein Horror-Rohstoffpapier immer wieder jedwede Gewinne kompensierten. Durch sonstigen Nullzins hatten meine Eltern daher bereits die Hälfte ihres Kapitals aufgebraucht. Toll auch eine Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds, der zum Ziel hatte, der Telekom eine neue Zentrale in Darmstadt zu bauen. Das Vorhaben gelang auch, allerdings hat sich der Fonds zwischenzeitlich in eine AG gewandelt, die dann wiederum komplett pleite ging, so dass gerade um die 2% der Kapitals nach Insolvenz zurück flossen. Es ist eines der Mysterien des Kapitalismus, dass die Telekom trotzdem die Zentrale bewohnt und die Geldgeber aber ihr Geld los sind. Das hat schon etwas magisches.

Gute Beratung also von der Commerzbank. Dort hat man offenbar die Lebenserwartung meiner Eltern prognostiziert und dann das Kapital so unmöglich angelegt, dass es sich bis zum max. Lebensalter auf Null reduziert hätte. Die aktuelle Beraterin konnte es auf den mittlerweile nicht mehr vorhandenen Vorgänger schieben. Sicher nicht ihre Schuld. Aber mit der Subventionierung der Commerzbank versuche ich nun Schluss zu machen. Den Horror-Rohstofffonds habe ich mit 30% Verlust im Depot verkauft und derzeit trenne ich mich von all den stagnierenden Fonds. Bei der unsicheren Lage mit Koreakriegsgefahr (vgl. Nachrichten) ist einfach Geld auf dem Konto das sicherste. Evtl. gehe ich später wieder in die besseren Fonds. Also genau die, die im Depot nur mit Minisummen vorhanden waren.

Als ehemals selbständiger Handwerksmeister hatte mein Vater ja kaum Rente und meine Eltern mussten vom Angesparten leben. Offensichtlich hat die Commerzbank da ein Potential für sich gesehen.

Die zweite Baustelle sind meine eigenen Finanzen. Hier muss man wissen, dass meine Frau eine sehr gute Managerin in Sachen ihres computerbezogenen Berufes ist und weil sie den starken Drang hatte, unsere Finanzen zu verwalten, habe ich dem Stück für Stück in der Vergangenheit nachgegeben. Ergebnis war die schon mehrfach im Blog erwähnte Kooperation mit dem Manila-Familienzweig, die praktisch alle privaten Aktiva aufgesogen hat, u.a. durch den Kauf von Immobilien und sonstigem. Hier weht nun auch ein komplett anderer Wind. Ich liquidiere dort was noch zu liquidieren ist. Auf das Stichwort Manila reagiere ich wie einst Steve Martin in diesem Film, wo er einen Irren spielt, der bei Erwähnung des Wortes "Putzfrau" immer Leute würgen will. "Tote tragen keine Karos" heißt der Film glaube ich. Ich würge nicht, ich fluche eher. Ziemlich ausdauernd und laut. Den Toast "Philippine Sunshine" bestelle ich nicht mehr im Firmencafé, ich würde ihn sonst an die Wand werfen.

Freitag, Oktober 06, 2017

Kurzinfo: Invasion Taiwans 2020?

Zur Diskussion gestellt

http://www.dailymail.co.uk/news/article-4944902/China-drawn-secret-plans-invade-Taiwan-2020.html

Ein Blogkommentator hat es einmal treffend beschrieben. Meist sind es die Englisch"lehrer" in Taiwan mit ihrer Oft-Nichtausbildung aus dem angelsächsischen Sprachraum, die solche Gedanken hegen. Wenn die Haare grau werden, die Gehälter runter und man nicht mehr dem jugendlichen Image der English Teacher für die Kleinen in Happy-Peppy-Spaßsprachschulen in Taiwan entspricht, dann wird die persönliche Sorge vielleicht auf die nationale Lage projiziert und man sieht die chinesischen Truppen schon fast in Taiwan. Hat eh alles keinen Zweck, also noch ein Taiwan Beer.

Oder ist doch was dran an dem Artikel? Tatsächlich verlieren die Chinesen mehr und mehr die Herzen der Taiwaner. Denn die jungen Taiwaner haben meiner Ansicht nach weit weniger mit China am Hut als die Älteren, die mit den Erzählungen von der tollen Heimat der Eltern oder Großeltern groß geworden sind. Also schnell noch eine Invasion, bevor die Taiwaner endgültig zum Ausland werden?


Dienstag, Oktober 03, 2017

Ruhigere Zeiten

Nach großen Trubulenzen in der letzten Zeit ist es wieder ruhiger.

Ende 2016 war eine chaotische Zeit für mich hier in Taiwan angebrochen, die man hier im Blog mitverfolgen konnte. Viele Artikel sind einstweilen wieder gelöscht, das gebe ich gerne zu. In Deutschland erkrankte mein Vater und ich begann böses zu ahnen. Gleichzeitig hatte meine Frau den starken Drang, ihren Wohnsitz nach Manila auf den Philippinen zu verlegen, wo ihre Schwester mit einem lokalen Mann dort ein Geschäft betrieb. Ziel war durch eine soziale und finanzielle Interaktion gemeinsam erfolgreiche Geschäfte zu machen. Ich gebe zu, eine Zeitlang war ich da auch optimistisch. In den Stories über vergangene Geschäfte dort in Manila taucht immer wieder ein Kontrollverlust in der ein oder anderen Form auf. Und welcher Teutone schmeichelt sich nicht selbst der Organisiertheit und Planungsfreudigkeit? Schnell merkte ich aber, dass ich dort gar nichts kontrollieren konnte. Wenn die sehr intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner und Sino-Philippinos mit ihrer intimen Kenntnis der lokalen Businesswelt aufeinander treffen braucht man keinen Deutschen, auf dessen Ideen man hört. So strebten wir eine Weile auseinander, Junior und Frau lebten in Manila und ich wieder in Niedersachsen; auch eben als Nachlassverwalter. Das war für uns eine sehr aufreibende Zeit.

Nun hat sich das Kapitel Manila wohl mittlerweile erledigt und meine Frau und ich fanden den Kompromiss, einstweilen wieder in Taipei zu leben. Auto viel kleiner (245 auf 99 PS), Wohnung kleiner aber schicker (möbliert, weil aller Hausrat weggeschmissen oder verschenkt) und fast alles ist wieder beim alten. Ich versuche, in Manila getätigtes Investment zurück zu rollen. Ich nenne Manila gerne die "Geißel meiner mittleren Lebensjahre" und ein Ende ist nicht abzusehen.

Nun genieße ich einstweilen die Normalität. Die Todesschwadronen in Manila und ihr Echo in der Weltpresse lösen bei mir nur noch den wohligen Schauer aus, mich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Obwohl das dort immer noch gebundene Kapital sicher mit jedem Quentchen Chaos etwas weniger wird. Aber gedanklich habe ich das alles schon längst abgeschrieben. "Zwang zur Jugendlichkeit" könnte man es nennen. Passives Alter mit Aufbrauchen des Angesparten kann ich mir schlichtweg nicht leisten.

Witzige Randnotiz: Als ich nach dem Tode meines Vaters und dem zeitweisen geographischen Verlust von Frau und Kind in Deutschland saß und einem - sehr entfernten - Verwandten mein Leid bei dem ein oder anderen Bier* zu viel klagte, wie sehr die Philippinos den ludigelschen Wohlstand strapaziert hatten - da nutzte der entfernte Verwandte die Gelegenheit und verschwand mit der ein oder anderen Armbanduhr aus meiner Sammlung. Eine witzige Randnotiz die auch eine Lebenslektion beinhaltet, nämlich in Sachen Verwandtschaft nicht auf Nationalität oder Geographie zu achten. Der junge Mann eines liebgewonnen Familienflügels hat viel durchgemacht im Leben, so wurde mir gesagt. Na ja, vielleicht helfen da vier Armbanduhren. Eine an jedem Fuß- und Handgelenk liefert vielleicht die nötige Zerstreuung. Und immerhin beschert er mir ein neues Hobby. Ich schicke ihm alle paar Wochen eine Zahlungserinnerung in sarkastischer Form (er hat sie mit meinem Einverständnis mitgenommen und wollte das Geld überweisen) und er antwortet dann immer mit gar schrecklich dramatischen Geschichten, warum er wieder nicht zur Überweisung gekommen ist. Oder reagiert putzig beleidigt. Beides amüsiert mich so, dass es schon das reinste Hobby geworden ist. Ich hoffe, nicht alle der Geschichten sind wahr. Aber ich ertappe mich dabei, immer wieder auf seine neuste Erzählung zu warten. Ich werde ihm gleich noch mal eine Zahlungserinnerung mit Seitenhieb auf seine beteuerte Ehrenhaftigkeit schicken. Wenigstens ein bisschen Spaß will ich für mein Geld haben.

Wenn ich einst im hohen Alter mit Geld von meinem Verwandten und dem manilesischen Invest überhäuft werde - dann muss ich diesen Artikel schnell wieder löschen.

So, jetzt wird es aber Zeit für die neueste Geschichte aus dem fernen Deutschland ;-)


* und alles was sich noch im Keller finden ließ. Inklusive massenhaft Überbleibsel von 80er-Jahres-Feten



Montag, September 25, 2017

Kicher, ein Ausländerkind (Taiwaner im Stalkingmode)

Manchmal kriegt man einfach zu viel Aufmerksamkeit

Als ich im Jahre des Herrn 2004 auf die Insel Formosa aka Taiwan kam, waren wir Ausländer noch eine richtige Attraktion. Fast überall wurde man angestarrt. Sogar in Taipei blieben manchmal Gruppen von Leuten stehen und einer davon zeigte aufgeregt auf meine Wenigkeit und alle gafften, nicht selten mit offen stehendem Mund. "Waiguoren" (Ausländer) oder "Laowai" (etwa: Ausländerhäuptling) oder "Adogah" (gespr. Adoah*, etwa: Langnase) hörte man allenthalben. Man(n) genoss es vielleicht, wenn einem die taiwantypisch miniberockten jungen Frauen hinterher starrten, aber man fand es merkwürdig, Komplimente von Männern zu bekommen, die einen dann auch noch antaschten. Es war bizarr, wenn mein deutscher Wohlstandsbauch von einer ganzen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen in der taiwanischen Firma als super-groß wie der von Bud Spencer bezeichnet wurde, während weitaus dickere Kollegen mit Faßbauch daneben standen und sich mit freuten.
Es war nervig aber üblich, wenn solche anfängliche echte oder schon feixende Freundlichkeit in Dauerstalking und bully-haftes Verhalten überging. Wenn etwa der freundliche Kantinenmensch in der dritten Woche mit dem Finger auf mich zeigte und auf taiwanisch etwas davon erzählte, er könne mir "helfen eine Frau zu finden und zum Tee einzuladen". Wohlgemerkt nicht zu mir redete sondern zu allen anderen Kollegen in der Schlange, von der ich keine Sau kannte und die mich alle rotköpfig auslachten.
Es war nervig, wenn das anfänglich freundlich-neugierige Kantinenpersonal alsbald immer bei mir etwas zu meckern hatte (Desert-tropft, Teller zu voll), während Taiwaner unbeachtet mit sich biegenden Tellern und tropfenden Deserts von Dannen zogen. Die Kantine wurde zum Spießrutenlauf; heute gehe ich nicht mehr hin. Der mit dem "Tee" wurde gefeuert, nachdem ich ihn auch vor allen Kollegen anranzte. Oder versetzt. Spaß gemacht hat mir das alles nicht.

 Dies und folgende: 737-Lane NeiHu, Taipei

Dafür kamen kurzberockte Kolleginnen in den Cubical, fütterten mich mit Keksen und warfen manchmal ihren Minirock hoch, wenn sie nach privaten Deutschstunden fragten. Die eine hatte einen Kussmund auf dem Slip an der entsprechenden Stelle, die andere ein Herz und Love. Hatte alles seine zwei Seiten. Mit Frau eine Reihe hinter mir war dann einmal der Arbeitstag vorschnell zu Ende nach dem Rockflug.

So gab es überall Licht und Schatten, halb offen aggressiv nur in einem Diner, der von Festlandchinesen betrieben wurde und die mich als Kunden gar nicht wollten, obwohl meine Frau immer die leckeren Nudeln von ausgerechnet da wollte. Man wurde entweder glorifiziert (was schnell ins Verkaspern überging) oder mindestens ein bisschen verachtet. Normal angesehen wurde man eigentlich nie. Die Presse war immer voll mit Stories von bösen Ausländern, die entweder ihren Hund gegen einen Busch in einer Straße pinkeln ließen (Skandal! TV-Bericht!) oder Verkehrsunfälle hatte (die bis heute nicht beendete Story um Zain Dean - monatelang TV-Hit Nr. 1).



Um 2010 herum wurde es dann ruhiger. Meine Theorie ist, dass die Taiwaner anfangs uns "weiße" Ausländer "ganz doll lieb" hatten und dachten, wir seinen halt Clowns zu ihrer Belustigung und irgendwie doof-drollig. Während sie uns aber nach jedem "Skandalbericht" in der Presse ein bisschen weniger lieb hatten. Und so hat man seit ein paar Jahren eigentlich seine Ruhe in Taiwan und wird normal behandelt. Oder haben sie nur aufgehört zu lächeln und hassen einen jetzt insgeheim? Ich weiß es nicht. Wenn ich heute irgendwo lang schlappe, gibt es kein "Hello" und "Can you teach my kids English?" mehr. Ich werde einfach nicht beachtet und gelegentlich gibt es einen bösen Blick habe ich so das Gefühl. Aber relativ selten. Wie sind die Erfahrungen von anderen? Das würde mich interessieren.

 (früher hätten sie mich angeguckt und gekichert ;-)

Anlass ist der sonnabenddliche Besuch auf der vollen 737-Lane. Zwei etwa 16 Jährige standen neben uns an der Fressbude. Sie zeigten laufend zu meinem kleinen Sohn (6) herüber und tuschelten und kicherten. Besonders freundlich wirkte das nicht. Dann äfften sie meine Frau nach, als diese "let's go" sagte. Dackelten uns grob hinterher, immer auf meinen Sohn zeigend und kichernd. Meine gesteigert bösen Blicke veranlassten beide Jungmänner zum kurzzeitigen Abdrehen und sofortigen Weggucken, nur um dann weiter zu machen, wenn sie sich unbeobachtet fühlten. Taiwaner können bis zum Exzess passiv-aggressiv sein und dies über Wochen und Monate durchhalten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Offen konfrontativ sind sie nie, hängen aber an einem wie die Kletten wenn man es zulässt. Auf "weiche" Signale reagieren sie nie, nur auf kurzzeitiges "Ausflippen" meinerseits. Das habe ich schon richtiggehend einstudiert, um sie damit zu vertreiben - musste es aber schon seit Jahren nicht mehr benutzen. Das war jedenfalls das einzige das wirkt. Untereinander reagieren Taiwaner auch auf kleinste Signale des Missfallens habe ich das Gefühl, um den gefürchteten Gesichtsverlust zu vermeiden. Aber bei Ausländern haben sie "Gesicht gewinnen" im Kopf. Darunter versteht man sich auf Kosten eines anderen vor der eigenen In-Group zu profilieren. Bislang hat sich noch jeder Taiwaner, mit dem ich mich auf nähere Sozialkontakte eingelassen habe irgendwann als kleiner Showmaster vor anderen auf meine Kosten profiliert. Und ich stand oder saß in einer Traube voller rotköpfiger und kichernder Taiwaner. Oder sie heißen mich an meinem langjährigen Arbeitsplatz willkommen, obwohl sie gerade erst angefangen haben bei der Firma oder ähnliches Zeug.

Ich habe offen gestanden einen Sozialkontaktbann erlassen um peinliche Situationen zu vermeiden. Obwohl ich dachte, heute bräuchte man so etwas nicht mehr, weil man eher als Normalo angesehen wird. Aber das Erlebnis vom Wochenende lässt mich zweifeln. Na gut, Zeit habe ich für kichernde oder nicht kichernde Taiwaner eh keine mit Sohn und Job.

Frau hat das Problem gelöst. Sich zwischen Sohn, mich und die beiden Jungs gestellt und sie angeguckt. Sofort war Ruhe. Wie gesagt, auf die schwachen Signale von anderen Taiwanern (aka "richtige Menschen") reagieren sie sofort.

Hauptsache Ruhe. Meine oberste Maxime. Und deswegen eben auch ein taiwanerfreier Freundeskreis - will sagen eigentlich gar keiner in Taiwan. Aber Ruhe ist eben auch so ein wertvolles Gut in so einer hektischen Stadt wie Taipei.




* Bedeutung hier umstritten: entweder aus dem japanischen stammend und ursprünglich "A-dog" bedeutend und als pseudoenglisches Schimpfwort für Weiße verwendet oder eben aus dem Taiwanisch/Hoklo kommend und "große Nase" bedeutend. Oft einfach als Hoklo-Wort für Ausländer verwendet


Quintessenz: Heute wird man meist in Ruhe gelassen, normal behandelt oder eben ignoriert. Früher war man eher Star oder Clown für die Taiwaner. 

Donnerstag, September 21, 2017

Für Auslandsdeutsche: Briefe vom Rechner aus verschicken (Update)

Nun sagen Sie nicht, "Post vom Rechner aus verschicken" gibt es schon seit den 90ern auch für Privatleute, nennt sich Email. Was ich meine ist, einen guten alten Papierbrief von Deutschland aus zu versenden. Praktisch wäre das insbesondere deswegen, weil ich über das Startup "Digitalkasten.de" meine Post, sofern sie wirklich über die Deutsche Post und nicht etwa private Dienstleister wie Citipost verschickt wird, eben auch im Browser lesen kann. Meine durchwachsenen Erfahrungen hierzu sind hier zu lesen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2017/07/briefe-digitalisiert-kriegen.html

Doch nervig war es eben, auf die Post zu antworten, musste ich das doch immer von Taiwan aus tun, wenn es nicht mit einer Email getan war. Doch Google-Suche ergab Hilfe: Bei epost.de kann ich über die Deutsche Post auch Briefe online schreiben und die Post schickt sie gegen Gebühr mit meiner normalen deutschen Absendeadresse ab, auch Jpegs und PDFs kann man hochladen. Toll. Offenbar muss man sich per Postident indentifizieren. Das ging schmerzfrei über eine Vorgangsnummer und eine Smartphone-App. Eine nette Dame im Videochat fordert dann zu etwas Akrobatik mit dem Perso oder Reisepass vor der Smartphonekamera auf. Will sagen man muss mit dem Perso auch Wedeln wegen des Hologramms etc.

Als ich mich früher einmal für eine Kreditkarte identifizieren sollte, hatte die Bank leider einen Video-Postident nur für EU-Staaten zugelassen, so dass ich das nicht machen konnte. Die umfirmierte CITIBANK hatte dann allerdings diese Bank gekauft und die Citibank kannte mich schon, so dass sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hatte. Immer wird Postident über Video also nicht akzeptiert; jedenfalls damals.

Doch zurück zum Thema: Die Epost kann auch genau wie Digitalkasten.de die Post im Browser anzeigen, wenn man das für 24 Euro bucht (Digitalkasten: 20 Euro) und ermöglicht einem auch das Erhalten einer Gratis-Faxnummer und die Browsersicht auf die empfangenen Faxe. Für letzteres nutze ich simple-fax.de, was übrigens einwandfrei funktioniert; einmalig 25 Euro gezahlt und offenbar unendlich lang bekomme ich Faxe als Email. Beide Dienste können auch Faxe versenden.

Sonst brauch der Auslandsdeutsche nur noch einen guten Paket-Weiterleiter, so dass man mit deutscher Adresse bei Amazon und Ebay alles bestellen kann und für Porto plus kleine Bearbeitungsgebühr das Paket auch an den Assturban der Welt weitergeleitet bekommt: alles außer Kaffee und Alkohol. Waffen, Tiere etc. natürlich auch nicht: Mailboxde.com, ein Super-Unternehmen.

Fehlt bloß noch ein guter Mobilfunkanbieter ohne Grundgebühr, der keinen Mindestumsatz bei den Gesprächen verlangt und buchbare Datenpakete hat, die man wieder abbestellen kann. Hier kann ich Blau.de sehr empfehlen.

UPDATE: Seit neuestem blockiert Blau.de offenbar taiwanische Internetprovider. Jedenfalls komme ich weder mit Handy noch in der Firma auf die Blau.de-Seite. Es wird ein Drop der Verbindung ohne Rückmeldung gemacht, so dass der Browser lange versucht zu laden. Die Lösung ist über ein kommerzielles VPN oder einen kommerziellen Proxy zu gehen, so dass Blau.de (oder der entsprechende Provider) keinen taiwanischen Absender meiner Datenpakete sieht. Als zahlender Kunde habe ich da auch kein schlechtes Gewissen, schließlich will sich Blau ja vor chinesischen Hackern schützen und ein solcher bin ich wahrlich nicht. Verursacht wieder unnötige Zusatzkosten.





Dienstag, September 19, 2017

Religions-Rythmus, wo man mit muss

Sehen Sie sich die Bilder an und fühlen sie, wie die göttliche Inspiration in Sie fließt. Am Ende sind auch sie überzeugt vom Buddhismus in Taiwan. Oder wie immer man diesen Buddha-China-Konfuzius-Mix hier nennt.

 Auf geht's...

 Ich bin überzeugt ich kann Sie aus dem Dunkel der Ignoranz führen...
 ... hinein ins Licht der wahren Religion mit ihren unzähligen durchnummerierten Göttern.

 Da rechts geht's lang auf dem Weg zur Erleuchtung. Nehmen Sie sich noch einen Pflaumensaft und Trockenfleisch mit auf den Weg, beides in Plastik...

 "Wenn's rumst noch ein Meter" ist die alte Autofahrerregel und das gilt auch hier inmitten von Knalllörpern und Pulverdampf wie auf einem syrischen Marktplatz...

 Desto rumms und stink, desto heiliger, scheint hier das Prinzip zu sein.

 ...
 ...
 Hier schon mal der Lampenwechsel zur baldigen Erleuchtung der Suchenden.

 ... Vorbei am House of the Rising Lampion...
Haben Sie noch ein wenig Geduld...
...Der freundliche Alien weist den Weg...

 ...


Vor der Erleuchtung erst noch schnell bezahlen... muss sich ja lohnen der Tempel...


 Hier wenn wir uns umdrehen...



 ... und den Blick richtig fokussieren... Dann sehen wir...

 ..Lalf Lee-Gel, den großen Produzenten und Showman Taiwans! Hier voll im Groove und am Swingen was die Betelnuss aushält.


Wenn Sie jetzt noch nicht im religiösen Groove sind, so direkt neben dem Tempel, dann kann Ihnen keiner mehr helfen.
"Buddha akbar", da besteht keine Frage.

Montag, September 18, 2017

Landtagswahl NDS: Briefwahl kaum möglich

Gerade bescheid bekommen: Als Weit-weg-Wähler wird es wohl nichts mit der Briefwahl

Am 15. Oktober wird in Niedersachsen gewählt. Ich habe gerade das Bürgerbüro meiner niedersächsischen Kleinstadt um Zusendung der Briefwahlunterlagen gebeten. Allerdings wurde ich informiert, dass sie erst ab 29.09. versenden können, weil vorher noch keine Stimmzettel vorliegen.
Da die Post mindestens 2 Wochen braucht, wird es dann nichts für mich mit der Niedersachsenwahl. Na ja, die lokale Ausgabe von Merkels Blockparteienfront wird sich auch ohne meine Hilfe wählen lassen denke ich ;-)

Freitag, September 15, 2017

Wenn es dunkel wird...

Immer wenn das Licht zu schwach ist im Tempel überlege ich, ob nicht doch was dran ist an der hiesigen Religion...


Und keine dummen Witze machen...


... sonst kommt am Ende noch die POLIZEI, hier veritabel gesehen in den Straßen von JangHua, oder wie immer man das schreibt. War es glaube ich.


Donnerstag, September 14, 2017

Demokratie nichts für Asiaten

... schreiben die neunmalklugen Kommentatoren auf Spiegel-Online

Spiegel-Online hat einen interessanten Bericht über den weitgehenden Abbau der Zivilgesellschaft in Kambodscha und den Regierungskurs hin zu völliger Diktatur unter chinesischer Führung: http://www.spiegel.de/politik/ausland/kambodscha-china-kommt-die-demokratie-geht-a-1167432.html 


Der Spiegel beklagt die Abkehr von der letzten demokratischen Fassade und von westlichen Werten in dem nach dem Ende der Roten Khmer immer schon recht autoritär regierten Land. Weil jetzt Kredite ohne Vorbehalte aus der VR-China zur Verfügung stehen.

Bizarr finde ich, wie selbstgerecht und neunmalklug sich die Kommentatoren äußern und sich offenbar einig sind, dass "Asiaten" eben nicht so einfach westliche Werte - will sagen Demokratie und Freiheit - übernehmen sondern ihre eigene Kultur haben. Die alte Mähr vom mit fremden Kulturen nicht kompatiblem westlichen Demokratiesystem, die auch immer wieder die KP der VR-China rezitiert.
Da kommt einem schon die Galle hoch, wenn man in einer prächtig funktionierenden asiatischen Demokratie sitzt (Taiwan aka Republik China ohne "Volks" davor) wo alte chinesische Kultur und Demokratie perfekt zusammen passen. Und eine entwickelte Zivilgesellschaft mit Demos und Bürgerinitiativen. Japan und Südkorea gibt es ja auch noch.

Oder ist Asien doch voller "edler Wilder", die so mit ihren asiatischen Werten beschäftigt sind, dass sie zwangsläufig einen Diktator brauchen? Was meinen Sie?


Donnerstag, September 07, 2017

Keine Wahlunterlagen gekommen (UPDATE)

Leider keine Briefwahlunterlagen bekommen. Aber Merkel wird auch ohne mich Präsidialkanzlerin

Auch nach 3 Wochen noch keine Briefwahlunterlagen vom lokalen Kleinstadtwahlbüro in Niedersachsen erhalten. Bin ja in Deutschland gemeldet mittlerweile, daher ist der Versandt nicht über die deutsche Auslandsvertretung gelaufen. Gut, meine Wahllust hält sich sowieso in Grenzen.

Meiner Meinung nach könnte man die mögliche Auswahl so eingrenzen:

1) BLOCKPARTEI (CDU/CSU/SPD/Grüne/FDP)

2) BLOCKPARTEI light (aka Linke)

3) NAZI light

4) Unsinn (NAZI, Biertrinkerpartei, ...)

Auch die Linke sehe ich eher als Blockpartei, weil sie zumindest die umstrittene Flüchtlingspolitik mit unterstützt. Die Hauch-Kritik der FDP an selbiger nehme ich dem wetterwendigen Verein schlichtweg nicht ab.

Klar, dass es keinen großen Wahlkampf gab. Schulz will das selbe wie Merkel, da fällt es ihm schwer klar zu machen, warum man ihn wählen soll.

Was fehlt ist eine echte konservative Partei, die die alte Bundesrepublik -konservieren- will. Aber davon ist weit und breit nichts zu sehen.

Also gut, dann wählt man ohne mich. Viel Spaß. Und der Wahlabend wird super spannend. Geht ja nur noch darum, in welcher Konstellation Merkel Kanzlerin wird. Und dann geht der Kurs weiter Richtung DDR-light, mit weiterer Einschränkung der Meinungsfreiheit, wo sich gerade die SPD immer hervortut.

Wenn die am Wahlabend eine 1 vorne hätten, das wäre wirklich eine nette Sache.

UPDATE: Wahlunterlagen noch gekommen, offenbar ein Irrläufer über England. Die Royal Mail hat den Brief am 22.08. netter Weise nach Taiwan geschickt. Tipp on the hat rüber auf die andere Insel. Werde nie erfahren, ob meine gerade abgeschickten Unterlagen noch rechtzeitig ankommen...
Edit: Googlesuche ergibt, dass "TNT" alles über die GB-Adresse verschickt...


Dienstag, September 05, 2017

Die Taiwan-Nordkorea Connection

Kurzinfo: Offenbar ist Taiwan der Handelspartner Nr. 4 von Nordkorea, nach VR-China, Indien und den Philippinen. Rechtlich einwandfrei, schließlich sind es UN-Sanktionen, die Handel (aber nicht allen Handel) mit Nordkorea einschränken und Taiwan aka die Republik China wurde 1971 aus der UN geworfen, als federführend durch die USA und Nixon die VR-China die Republik-China/Taiwan als das diplomatisch anerkannte "China" abgelöst hat.

Quelle: https://www.taiwannews.com.tw/en/news/3245709

Einer persönlichen Meinung enthalte ich mich hier.

Edit: Und Nr. 5 ist Frankreich mit kaum weniger. Wir reden hier aber nur von einem Handelsvolumen von ca. 11 Millionen USD. Das kostet schon das Haargel vom dicken Kim pro Monat. Nasenhaare mitgerechnet.


Freitag, September 01, 2017

Korea-Krieg imminent?

Kommt der Krieg mit Nordkorea?

Meiner Meinung nach Ja. Zwar ist Krieg fast immer für beide Seiten unlogisch, aber Menschen verhalten sich eben nicht immer logisch. Emotionen treiben Menschen und eben auch Staatsführer in der Regel stärker an als Logik.
Außerdem ist die Präsidentschaft vom i.A. als halbverrückt angesehenen Donald Trump eine gute Gelegenheit für die USA, die atomare Bedrohnung amerikanischer Städte durch Nordkorea ein für alle Mal auszuschalten. Hinterher wird die Welt einen moralisch Schuldigen auch in den USA suchen. Und wer ist da ein besserer Sündenbock als der ohnehin von weiten Teilen der Menschheit verachtete D. Trump. Es wird vermutlich das größe (einzelne) Massaker (bei der Schlacht um Seoul) seit dem WK2 stattfinden. Und wenn Seoul ein Blutbad wird, wird es bequem sein mit dem Finger auf Trump zu zeigen (mehr noch als auf Kim Jong Un) - ohne dass das republikanische und demokratische Establishment (allzu) viel von der Schande einen Krieg zugelassen zu haben mitbekommt.

Südkorea, allerdings die Insel Jejou oder wie immer man das schreibt im Süden...


Wie könnte der Krieg ablaufen?

Etwa könnte ein symbolisches Beschießen der Gewässer um die US-Schutzzone Guam einen begrenzten US-Angriff auf Nordkorea auslösen. Sensationell guter Artikel zu Koreakrieg-Szenarien hier: https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2017/07/the-worst-problem-on-earth/528717/
Die Antwort Nordkoreas auch auf einen begrenzten Schlag wäre vermutlich ein Angriff auf Seoul. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter und am Ende findet ein Full-Scale-Angriff auf die südkor. Hauptstadt Seoul statt, bei der gängige Prognosen zwischen Zehntausenden (vermtl. unrealistisch wenig) und Millionen(!) Toten allein in Seoul ausgehen.

Die i.A. als überlegen angesehenen US- und Südkorea-Verbände werden dann vermutlich nach Stunden oder Tagen die Raketen- und Geschützstellungen ausgeschaltet haben und Seoul hat etwas Ruhe. Worst-Case-Szenarien gehen von versprengten kleineren Truppenteilen in Seoul aus, die mühsam im Häuserkampf besiegt werden. Danach gegehen Beobachter (s.a. Artikel oben) von einem langsamen und mühevollen Ausschalten des nordkor. Militärs aus, das sich in Bergstellungen eingegraben hat, aber keine zweite Attacke auf den Süden mehr fertigbringt.

Könnte Taiwan/Taipei hineingezogen werden?

Durch radioaktiven Fallout fast sicher, wenn (nicht ganz unwahrscheinlich) zu Nuklearwaffeneinsatz kommt. Wahrscheinlich ist, dass Nordkorea auch Tokio und die US-Basen auf den Philippinen angreift, etvl. mit A- oder C-Waffen. Einen direkten Angriff auf Taipei könnte ich mir nur dann vorstellen, wenn China Nordkorea einnehmen würde, etwa um einer US-Besetzung zuvor zu kommen. Dann könnte ein gegen China und die USA kämpfender Kim auch chinesische Städte angreifen. Wahrscheinlich wird der unklare Zustand zwischen USA und China, den Taiwan einnimmt, jedoch als Schutz gegen einen direkten Angriff ausreichen.

Und hinterher?

Keine Ahnung. Ein last-Minute-Deal zwischen USA und China könnte dafür sorgen, dass der Norden Nordkoreas chinesisch wird während Südkorea den nordkoreanischen Streifen mit auf Seoul zeigenden Geschützen (30km Entfernung von Seoul) einnehmen dürfte o.ä.
Alles besser als ein theoretisch möglicher Dritter Weltkrieg, wenn Chinesen und Amerikaner in Nordkorea aufeinanderrasseln sollten...

Hoffen wir, dass dies einer der Artikel ist bei denen ich hinterher denke: Den hättest du dir auch sparen können...


Edit: Im Pulverdampf eines Koreakrieges könnte natürlich die VR-China schnell Taiwan annektieren. Nicht ganz unlogisch.

Schöne Aussicht

"Great Sights", etwa "Schöne Sehenswürdigkeiten" oder "Schöne Aussicht" steht an dem Touristenbus ;-) Der Hintergrund sind die typischen schlichten Plattenbauhäuser, die immer noch einen Großteil der Bebauung hier ausmachen.


Geht natürlich auch hübscher, gar nicht weit davon entfernt. Auch wenn es fast immer etwas sehr voll und gedrängt ist in Taiwan. "Great Crowds" träfe es eher...

Dienstag, August 29, 2017

Amazon Prime, Kindle Unlimited (nicht) für Auslandsdeutsche

Amazon Prime bietet u.a. viele Videos zum gratis Anschauen, Kindle Unlimited viele gratis E-Books zum Ausleihen...

Um es kurz zu machen: Kindle Unlimited lässt einen viele direkt bei Amazon verlegte Billigtitel und einige interessante ältere Romane etc. lesen und man kann zwischen Zeitschriften wie "Toilettenwoche", das Fachmagazin für den Klemptner und "Keys", einem Musikfachmagazin wählen (eines von beiden habe ich mir ausgedacht). Funktioniert auch mit Standort Taiwan. Werde meine Probemitgliedschaft allerdings wieder kündigen. Denn neue und interessante Romane kosten doch wieder $$$.

Interessant: Spectrum der Wissenschaft. Hier war es sehr informativ den Artikel über das ca. 1000 Lichtjahre entfehrnte Sonnensystem zu lesen, bei dem manche Wissenschaftler ernsthaft künstliche riesige Sonnenkollektoren oder deren Bruchstücke vermuten, die unregelmäßig den Fixstern verdunkeln. Nett auch ein Oldtimer-Magazin, das mir ein Wiedersehen mit einem quietschgelben 5er BMW* aus den 70ern brachte, den mein Vater einst gefahren war.


Amazon Prime wäre da schon interessanter. Zwar kostet "Game of Thrones" wie viele Top-Serien auch wieder Geld und sogar der Klassiker "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" (unvergesse Mireille Darcs Rückenausschnitt) kosten Geld, aber es würde sich lohnen um für Junior deutschsprachige Kindervideos zu laden. Allerdings war ich nur ganze 70 Sekunden Probemitglied. Denn bei jedem Video kam "an ihrem Standort nicht verfügbar". Um richtig Streamen zu können würde ich also einen kommerziellen Proxy oder ein kommerzielles VPN brauchen, was die Kosten etwa verdoppeln würde. Also gleich wieder raus**.
Übrigens: Videos leihen oder "kaufen" (dauerhaft verfügbar) funktioniert auch von Taiwan aus.

 Die haben noch kein Amazon Prime. Die müssen selbst für Unterhaltung sorgen.


Mireille Darc ist nebenbei bemerkt die Tage gestorben. Da kann man richtig depressiv werden.

P.S.: Amazon Videos kann man nicht auf der Festplatte speichern. Dann aber wieder doch mit Third Party Software. Aber da darf man auf teutschem Boden oder nach teutscher Jurisdiktion wohl nicht mal mehr drüber schreiben. Also lassen wir das hier.

* So viel Fortschritt gab es wohl nicht seit 1974. Der BMW 520i von damals hatte einen (allerdings mechanischen) Einspritzer mit 2 Litern Hubraum, 130 PS und einer Beschleunigung von 11.5 Sekunden auf 100 und einem Vmax von 185 km/h. Auch der Verbrauch von ca. 9l/200 im (DIN-) Drittelmix hielt sich in Grenzen. Allerdings hatte die Kiste immer geruckelt beim Gaswegnehmen, was BMW damals nie in den Griff gekriegt hatte. Die Zeitschrift hatte hingegen den 528 getestet, der einen Hauch bessere Fahrleistungen und viel mehr Verbrauch hatte.

** oder vielleicht mache ich es den Probemonat mal ;-)

Mittwoch, August 23, 2017

Taiwan-Syndrom gelöst

Mein mysterieuses Taiwanleiden scheint gelöst...

(Vielleicht gibt es ja noch mehr Leute mit Problemen wie ich sie hatte)

Zwei Leuten habe ich zu danken. Einer deutschen Bekannten in Taiwan und einem Blogleser. Erstere hat mir chinesische traditionelle Medizin gegen meine anhaltenden Nasennebenhöhlenbeschwerden (frei, aber Druck und Kopfschmerzen, Dauerlaufen) empfohlen. Und der Leser hat mir in den Kommentaren eine Nasendusche mit vorgefertigter Salzlösung empfohlen.

Jetzt wende ich beides regelmäßig an - und die Beschwerden sind weitestgehend verschwunden. Ausgelöst worden ist das Problem wohl im Sommer von den in Taiwan meist extrem kalt und zugig daherkommenden Klimaanlagen, die meine Nebenhöhlen reizen. Im Winter hat man heizungsloserweise leider auch oft kalte Zugluft, die wohl ähnliches auslöst.

Die Beschwerden waren bei mir im Laufe der Zeit recht extrem geworden. Der Kopfschmerz wurde zur Dauermigräne, Nackenschmerzen kamen hinzu die anfingen den Rücken runter zu wandern. Austretendes Sekret schlug mir auf den Magen, der dann als veritable Magengrippe schrittweise aufhörte zu funktionieren, so dass ich sowohl im Magen als auch im Kopf veritables Schwindelgefühl hatte. Antibiotika half, aber nur solange ich die Tabletten nahm und das mit fallender Tendenz. Einnahme von Salz und Saurem konnte die Beschwerden lindern.

Taiwans HNO-Ärzte waren da überfordert und unterstellten mir teilweise Einbildung der Symptome. Es waren eine deutsche Apothekerin und ein deutscher HNO-Arzt, die sofort auf Klimaanlage tippten. Daheim in Niedersachsen brauchte ich nur 1x Antibiotika und das Problem war weg. Nicht so in Taiwan. Ganz kann man sich der Klimaanlagenzugluft bei bis zu 40 Grad im Schatten nicht entziehen, aber mit der Nasendusche und dem vom chinesisch-traditionellen Arzt verschriebenen Pulver (Baumrinde mit Süßholz* dem Geschmack nach) ist das Problem weitestgehend gelöst.

Nasenduschen gibt es in Deutschland etwa bei DM samt den Salztütchen dazu.

Bin froh, mein Taiwansyndrom einstweilen los zu sein. Meine zahlreichen Blogartikel, in denen ich die diverse Nahrungsmittelskandale Taiwans als Ursache meiner (Magen-)Beschwerden vermutet habe, lagen dann wohl daneben ;-)

* Baumrinde könnte Acetylsalicylsäure enthalten aka Aspirin, Süßholz soll antientzündlich wirken

P.S.: Das ist das Problem mit Bloggern, die zu lange bloggen: Irgendwann empfiehlt man Nasenduschen und Gehstöcke mit eingebautem Smartphone... ;-)