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Sonntag, Dezember 30, 2012

Blockfeedback

Es sei hier einmal auf das neue Blog "Dunkelangst" verwiesen, dessen Autor mittlerweile in Taiwan lebt:
http://www.dunkelangst.org
Sehr interessant für mich eine "Anwendung" dieses Blogs durch den Autor in einen Bar zu lesen, eine sehr interessante Geschichte, dank iPad ist es ja technisch möglich, "Ludigels Taiwanblog", bzw. meinen alten Artikel über Taiwanerinnen und wie man mit ihnen umgeht, einem pograbschenden US-Amerikaner vor die Nase zu halten, mitten in einer Bar. Sehr interessantes und amüsantes Feedback!
http://www.dunkelangst.org/2012/der-us-amerikanische-auslander/

Donnerstag, Dezember 27, 2012

Würger mit Pommes

Während des Umzuges hatten wir x Helfer aus der Firma, die patenten Ingenieure haben gleich unsere defekte Stehlampe, die wir in der alten Wohnung nie aufgestellt hatten, unterwegs repariert, reparierten meine Klospülung mit meinem Schlüsselring und so ward alles gut. Sie waren das ganze Gegenteil der professionellen Möbelträger von der Firma Hong-Kong-Phuey's Chinese Kong Fu Movers, die uns beide Tischplatten zerbrochen haben. Aber taiwanische Möbelträger sind nun mal zum Zerstören der Wohnungseinrichtung da, das ist nun mal ihr Job.


Anschließend ging es dann mit der Truppe zu "Fani Burger" in NeiHu, wo ich diesen Kollossus auf dem Teller hatte. Dieser Burger hatte das obere Brot mit Kräuterbutterfett vollgesogen, was ihn nicht gerade zu einem leichten Essen machte, sozusagen. Es schmeckte gut, obwohl mich mit meiner weitestgehend vegetarischen Ernährung in der letzten Zeit der Fleischanteil störte. Mir fiel auf, dass die Burgerfrikadelle eigentlich gut schmeckte, wie sie sein soll, ohne Brot im Teig - aber Fleischgeschmack stößt mir neurdings etwas auf. Mir schmeckt Fleisch schwer und tranig bisweilen, was aber nur meinen neuen Ernährungsgewohnheiten geschuldet ist - es sei nochmals gesagt, der Burger war gut und lecker.

Verblüfft war ich dann, als mein Magen nach Genuss irgendwelcher Fleisch-Enchiladas oder Quesadillas ohne Queso (mit etwas ekliger süßer Fleischpaste drin, wie sie wohl taiwanischem Geschmack entspricht), plötzlich Anstalten machte, das Essen... sagen wir mal... wieder abzustoßen. Viel Fleisch, Fett und Schweres en Masse ist mein sonst so Gesundes gewohnter Magen scheinbar nicht mehr bereit zu tolerieren. Ich musste schnell aufstehen, etwas Luft schnappen und an frischen Salat denken, sonst wäre Schröckliches passiert. Ich denke immer, das Beefburger-Frikadellending durch frischen Feta zu ersetzen, wäre hundert Mal leckerer. Aber westliche Gastronomie und Industrie haben beschlossen, dass man sich primär fleischig, schwer und süß ernähren soll, da muss man halt durchgedrehte Säugetiere futtern, vielleicht gleich mit Zuckerkruste. Da! Es geht schon wieder los, mein Magen fängt an wieder zu brummeln beim Anblick des Fotos. Verdammte gesunde Ernährung....... gulp.

Gute Burger also bei Fami, nur der Hot Mexican ist mit Nudelsoße a la Miraculi, die Rippchen sind auch nach Meinung passionierter Fleischesser nur "sodala". Für mich nicht mehr das richtige Essen, träume ich doch nachts von einer riesigen Salatschale mit dieser weißen Soße beim Griechen und einem frischen Fladenbrot.... hmmmm

Dienstag, Dezember 25, 2012

Füllhorn auf Taiwanisch

Wer von den jüngeren Lesern die Spätsteinzeit und angehende Frühantike nicht mehr erlebt hat, weiß vielleicht nicht, was ein Füllhorn ist. Nun, das ist ein hohles Horn, das mit Opfergaben für die große Urmutter gefüllt wird, klarer Fall. Daran musste ich denken, als ich diesen Spiel- und Bastelset von meiner Frau bestellt auf den Schreibtisch bekam, mal wieder ohne Anleitung.


Der bläuliche Schimmer im Bild ist die Schutzhülle meines alten Fotohandys, eine Kamera hatte ich gerade nicht greifbar.

Drinnen war eine vannillig riechende Tüte aus Crêpes-Teig, zu der sicher sehr gut Eis gepasst hätte. Drinnen war aber eine Art Bockwurst geschnittenerweise und eine Mayocreme, letztere auch etwas süßlich. Das Würstchen war allerdings ungesüßt, obwohl man in Taiwan auch sehr süße Würstchen isst.

Außerdem Salat und mehr Mayo und Ketchup in der Tüte.

Es schmeckte zu guter letzt wie ein Wurstsalat in einer überdimensionierten Eistüte, also gar nicht mal schlecht. Mir zog allerdings der Gedanke durch den Kopf, was die Deutschen mit dem Essen wohl wieder anstellen würden, wenn man es in Deutschland verkaufen würde, an den Unsinn mit dem taiwanischen Milchtee mit kaum gesüßten Gelantinebällen (Perlentee oder Bubble-Tee genannt) denkend, der in Deutschland neuerdings Rassismusdiskussionen (wegen einer japanisch-inspirierten Werbung von McDonalds), Angst vor Krebstod und dem Verschlucken der Bubbles seitens Kleinkindern auslöst (und offenbar teilweise aus vietnamesischem Instantpulver hergestellt wird, so dass das Endprodukt nichts mehr mit Bubbletee zu tun hat). Wahrscheinlich wäre die Eistüte oben aus massiver Schokolade mit Gummibärcheneinsätzen, der Salat hätte eine Haube aus süßer Sahne und Verbaucherschutzorganisationen würden davor warnen, Kinder könnten die Tüten zum Abschießen von vergifteten Guano-Geschossen missbrauchen oder sich ein Auge mit der Spitze ausstechen...

Montag, Dezember 24, 2012

Wie man mehr Weihnachtsgeschenke kriegt

Wer glaubt nicht genug Weihnachtsgeschenke zu kriegen dieses Jahr, für den hat das Taiwanblog eine einfache und effektive Lösung.

Einfach ein paar Tage in Taiwan verbringen (geht sogar das ganze Jahr, so freigiebig sind die Taiwaner!) und ein Fahrrad mit Einkaufskorb besorgen. Und das irgendwo abstellen. Desto länger, desto voller der Korb, insbesondere wenn das Rad irgendwie verlassen aussieht.

Grund ist sicherlich, dass es in Taiwan (hier Taipei) kaum Papierkörbe gibt, denn diese würden gnadenlos mit Hausmüll gefüllt, das sieht man immer wieder an den sehr wenigen Park-Papierkörben, die es gibt. Grund für diese merkwürdige Hausmüllentsorgung ist wiederum, das man jedenfalls hier in Taipei den Müll zu bestimmter Zeit dem Müllmann übergeben muss. Die Müllwagen fahren dazu mit einer Beethoven-Fanfare durch die Gegend (sie spielen "Pour Elise", wenn ich mich nicht irre). Manchmal guckt dann der Müllmann den Hausmüll durch und verlangt Mülltrennung. Das machen die meisten Taiwaner auch brav mittlerweile (erst trennen, dann wird es zusammen verbrannt, gell?), aber oft kommt der Müllwagen dann, wenn man gerade im Büro sitzt. Oder man hat einfach keinen Bock sich in den riesigen Müllkorso im Viertel einzureihen und wie ein Doofi mit der Mülltüte 10 Minuten auf die Müllkarre zu warten.

Ach ja, ein Cabrio würde ich in Taiwan wirklich nicht fahren wollen...

Frohes Fest aus dem Taiwahn

Ein Frohes Fest wünscht das Taiwanblog allen, die hier zufällig reingestolpert sind oder öfter mal lesen. Jetzt ist es 8.23 am 24.12.2012 und ich sitze wie immer im Büro, natürlich gibt es kein richtiges Weihnachten hier in Taiwan. Das Wochenende haben wir mit dem Umzug zugebracht, der jetzt größtenteils erledigt ist. Unser Vermieter hatte uns ja einen 2-Jahres-Vertrag und kurz darauf die Aufforderung überbracht, wieder auszuziehen wegen Eigenbedarf. Taiwanlogik eben, Hauptsache man ist hibbelig und hyperaktiv, alles andere ist nicht so wichtig.
Das vorbereitete Weihnachtsfoto vom Weihnachtsbaum an der christlichen Kirche bei uns ist daher auch noch in der verpackten Kamera.

 "Me love you always!"


Es muss daher ein Foto vom alten Handy tun, in Ermangelung eines Weichnachtsbaums habe ich eine neue Sorte taiwanische Pralinen fotografiert, von denen ich mal ein paar gegessen habe, trotz Diät. Diese "Bier-Ananas-Pralinen" schmecken erst einmal erstaunlich gut, nach Ananas und in der Tat nach Bier und schön schokoladig. Allerdings haben sie dann einen recht starken Schmierfett-Abgang auf der Zunge, weil die Schokolade eben eine eine kakaohaltige Fettglasur ist, wie man nach deutschem Lebensmittelrecht sagen müsste und keine echte Schokolade. Taiwanschokolade eben. Und das "Bier" hinterlässt nach dem Genuss einen etwas unangenehmen typischen Bier-Nachgeschack nach Malz, so als hätte man wirklich einen Schluck warmes Bier genommen. Alkoholisch sind die Parlinen der Marke "Always" von "Seven-Seven" (und zu kaufen bei Seven-Eleven) aber nicht. Aber wer gerne mal in den Alkotester bläst, sollte sich vielleicht mal ein paar vor dem Autofahren auf der Zunge zergehen lassen. Schecken irgendwie interessant, ich kann es nicht anders sagen. Handwerklich daneben, aber kreativer Geschmack.

Handwerklich daneben waren auch die Möbelpacker beim Umzug. Von zwei Tischen zwei zerstört durch die Profis von "Champion Movers", deren auf den LKWs aufgedruckte URL auch irgendwie nicht funktioniert. Geheimtipp beim Tischetransportieren: Immer so anfassen, dass die dünne Steinplatte maximalem Stress ausgesetzt ist. Das kann man als Laie nicht, das muss man jahrelang üben. Gehen wir das doch mal durch zusammen.

Wie würden Sie diesen Tisch (beim Auszug fotografiert) transportieren, wenn sie wüssten, dass sich die Steinplatte lösen kann, wenn Sie den Tisch hochkant in den Fahrstuhl stellen? Am Ende kämen Sie als Laie da mit zwei Leuten an und würden die Steinplatte vorsichtig herausheben. Und schon hätten sie verloren, das Ding bliebe heile, während ihr professioneller Kollege aus Taiwan grinsend in feinem Steinmehl steht. Also noch mal von vorne.
Sagen wir sie schicken ihren Helfer weg und versuchen das riesige Ding allein zu heben. Schon taiwanischer! OK, dann fassen sie wahrscheinlich links und rechts an der breiten Seite an und heben die Platte vorsichtig raus. Und wieder verloren! Wieder bleibt das Ding heile, während ihr taiwanischer Profi-Kollege immer noch grinsend in glitzerndem Steinmehl steht und fragt "brauchen Sie den Tisch jetzt noch?" Die Frage brachte meinen Blutdruck übrigens etwas n die Höhe und ich wollte ihm mit einer Colaflasche nicht etwa auf den Kopf hauen, sondern demonstrieren, dass diese ohne Tischplatte hindurch fiele (aber Frau hat mich zurück gehalten). Der Taiwanprofi stellt sich nämlich zwischen Sessel und Tisch und hebt dann die Platte heraus, so dass maximale Hebelwirkung entsteht durch die große Länge und verkantet dabei die Tischplatte in der Holzeinfassung auf der anderen Seite (vgl. Holzanstoß oben am Tisch, auf der anderen Seite genauso). Dabei ensteht dann eine maximale Belastung in der Mitte und KNACK hat es der Möbelprofi geschafft. Wollen aber den Tisch bezahlen, schauen wir mal.

Ach so. Beim Küschentisch fassen Sie natürlich nicht etwa unter den Tisch an den Holzrahmen, sondern fassen an die vorstehende Steinplatte an, damit die relativ dünne Steinplatte den ganzen Tisch tragen muss. Hätte auch geklappt, WENN die Kollegen beim letzten Mal den Tisch wieder verschraubt hätten und WENN nicht die Steinplatte schon angebrochen gewesen wäre. Daher müssen Sie diesen Tisch nicht bezahlen und ich sitze daheim an einer zerbrochenen Tischplatte am Küchentisch.

Na ja, jetzt ist es geschafft, ist ja in Ordnung dass die Möbelpacker auch mal wieder ihren Spaß hatten und so richtig Kleinholz machen konnten. Oder eher Kleinsteingebimms.

Freitag, Dezember 21, 2012

Jacke von 1994

Auf diesem Foto, hier auch irgendwann mal gepostet, bin ich noch ziemlich dick, BMI 32, deshalb kam mir dieser Tage die Idee, mich selbst elegant zu verfremden, so sieht es viel besser aus:

 Jetzt 11 Kilo leichter (das 12. abgenommene ist wie ein Flummi derzeit) finde ich es fast unglaublich, wie viel Platz ich mittlerweile in den Kleidungsstücken habe. Die alten Gürtel gehen mir bis fast auf den Rücken und ich bin dankbar für die in Indien gekauften Hosen, die ich früher gar nicht anziehen konnte, die heute schon anfangen auch etwas locker zu sitzen. Auch mein indischer Gürtel aus Kunstleder, der mit "Italian Leather 115" beschriftet ist und in Wirklichkeit ein 85er oder 90er ist denke ich mal, geht erstmalig zu.

 Verblüfft stellte ich fest, dass mein altes Lieblingsjackett aus den 90er Jahren wieder passt. Nun ist zwar der gelbe Ton mit dem leichten Karomuster wohl seit Ewigkeiten aus der Mode, ich muss es jetzt aber trotzdem wieder anziehen, als Triumph gewissermaßen. Und ehrlich gesagt sieht der taiwanische Durchschnittsmann in den grauen Straßen sowieso in der Regel graublau uniformiert aus mit Mittelscheitel, wie ein Buchhalter in der Wurmkur, da kommt es sowieso nicht so sehr aufs Aussehen an. Weil die Kamera schon verpackt war habe ich mal wieder zum alten Fotohandy gegriffen um etwas übertrieben stolz das ganze abzulichten. Es ist noch so ein altes Motorola, da ist die Qualität nicht so gut. Es funktioniert noch mit kleinen dressierten Flöhen drin, die durch eine Farbkartusche springen und dann die Pixel auf der auszudruckenden Papirusrolle erzeugen, man entschuldige die Qualität.
Trotz aller gesunder Ernährung befiel mich aber gestern Abend so ein Heißhunger auf den Salamizipfel, den ich noch im Kühlschrank hatte. Ich habe ihn dann nach dem "no-taste-chicken-Brei" - Abendessen verschlungen mit einer Gier, wie sie sonst nur in Romero-Filmen zu sehen ist. PROTEIN! PROTEIN! Irgendwie hatte ich wohl akuten Proteinbedarf, anders kann ich mir den Anfall nicht erklären. Gut, dass ich auf der Straße niemanden gebissen habe.

Also Jacke wie Hose und eigentlich nur für mich selbst interessant, aber das ist ja das komische am Weblog, das man allen Unsinn für die ganze Google-Welt aufschreibt. Wie dem auch sei, seien Sie vorsichtig da draußen, liebe Leserin, lieber Leser, und beäugen Sie schlanke Menschen mit Vorsicht. Vielleicht zur Sicherheit immer eine Salami mit in der Jackentasche haben...
 

***

Dieses Blog hat ein kleines Schwesterchen bekommen: http://besorgt.blogspot.com/
Möglicherweise noch ein weniger ernst gemeint als dieses Blog hier ;-)

Donnerstag, Dezember 20, 2012

Kulturvergleich: Deutschland vs. Taiwan

"PK" nennen es die Taiwaner, wenn sie zwei Leute gegeneinander antreten lassen. Etwa Sänger bei einer Art "Taiwan sucht den Superstar" im Fernsehen. Manchmal schreiben sie dann "Tracy vs. James", manchmal aber auch "Tracy PK James", mit lateinischen Buchstaben (viele Sänger etc. haben englische Kampfnamen). Meine Frau war verblüfft, dass ich das PK nicht kenne. Sie erklärte mir es sei eigentlich ein "Internet-Flame-War" zweier Leute gegeneinander. Also wenn Heini der Lieselotte ins Blog schreibt sie eine dumme Ziege und sie zurück schreibt er sei ein doofer Affe. Meiner Recherche nach kommt der Begriff aus China und ist eine lateinisch-geschriebene Abkürzung eines mandarinchinesischen Doppelwortes für diesen Internet-Flame-War, kein Wunder also, dass wir Westler diesen "englischen" Begriff nicht kennen.

 Ja, ja, bei "feminine Gruppenkultur in Asien" denke ich auch immer an obiges...

So wie Taiwan seine eigenen pseudowestlichen Worte hat, so hat es auch seine eigene Kultur und um ein PK oder ein Versus solle es hier nicht gehen im Kulturvergleich Deutschland, wohl aber um einen vergleichende Gegenüberstellung. In zwei Beispielen aus dem Alltag, damit es sich nicht so trocken liest und niemand mit dem Kopf auf die Schreibtischplatte knallt beim Lesen.

Szene 1: Eine High-Tech-Firma hat ein neues Produkt erfolgreich verkauft; die Belegschaft wird gewürdigt. Sie Szenen sind fiktiv, aber aus dem aggregiert, was ich in Deutschland und Taiwan oft so ähnlich erlebt habe.

Deutschland: Die Softwarebude Bubbletech.com hat ihre neue Softwaresuite fertiggestellt und teuer an einen Großkunden verkauft. Der CEO und der Vertriebschef der 50-Mann (und 8-Frau)-Bude bittet die Belegschaft per Email spontan in den großen Meeting-Raum. Es gibt Sekt, Bier und heiße Würstchen. Der CEO hält eine Rede, preist den Fortschritt, den "die Company" in diesem Jahr gemacht hat und führt aus "Ich sehe eine bright future ahead of us, Leute. Wir sind die cream of the cream in userem Sektor, wir sind der First Player und streben ganz nach oben. Above us is the sky and the sky is no limit. Wir wollen höher und höher und ich sage hier nochmal, das ist das Ziel und da müssen alle fest mit anpacken im nächsten Quartal, damit wir unser Advantage weiter ausbauen!" Beifälliges Nicken. Dann trifft Thomas Klotz ein, der Starprogrammierer von Bubbletech. Beifälliges Raunen aus der Belegschaft. Der CEO begrüßt Thomas herzlich, doch da drängt ihn der Vertriebschef Richard Händler zur Seite, fällt dem verblüfften Thomas um den Hals und führt aus:

"Hier ist er unser Star, der Thomas. Thomas hat nächtelang programmiert um die Sofwaresuite fertig zu stellen, programmiert wie ein Weltmeister. Thomas war wieder spitze!". Thomas lächelt und sagt "ach was, ich habe doch nur ein bisschen die Tasten gedrückt", in einem speziellen pseudo-bescheidenen Tonfall, den er für solche Momente reserviert hat. Alles johlt und lobt ihn, nur die anderen 8 Programmierer, die an dem Projekt mitgearbeitet haben, tuscheln und sehen unzufrieden aus. "Und verkauft haben wir das zu super Konditionen", fährt der Vertriebschef fort. "ICH selbst habe die Konkurrenz weggeboxt wie Chuck Norris!" Er führt Schattenboxen vor und rollt mit den Augen. "ICH habe den Konkurrenten von Pactec zur Seite gefegt wie nix, diesen Blender!" Er fährt noch eine ganze Weile mit der Selbstbeweihräucherung fort, lobt dann fast schon gebetsmühlenhaft "die Company", dann noch einmal Thomas "und den Rest vom Team". Dann stürzen sich alle auf Bier, Brause und Würstchen.

Was fällt auf an der Szene? Man sieht richtige Egomanen! Der CEO spricht zwar nicht von sich selbst, präsentiert aber einen Plan für "die Company" in typischem Management Denglisch-Kauderwelsch, verbunden mit der unterschwelligen Androhung von Konsequenzen, wenn man da nicht "mitzieht", dass kein Zweifel besteht, wer hier das Sagen hat.
Der Vertriebschef lobt sich selbst ausgiebig und tritt maskulin-Dominant auf, mit entsprechenden martialischen Gesten und Vergleichen, die natürlich zur Entschärfung etwas ins Komische gezogen werden. 
CEO und Vertriebschef loben ein Individuum aus der Programmierergruppe und loben "den REST vom Team" nur floskelhaft. Individuen sind hier alles und Individuen sind dominant und treten aggressiv auf oder sind so über allen Zweifel erhaben, dass sie das nicht nötig haben (Thomas, der Starprogrammierer). 

Wie wäre die gleiche Szene in einer taiwanischen Firma?

Taiwan:
Das Computerhardware-Unternehmen "Glory Star Road to Fortune" Co. Ltd., auf Englisch nur kurz "Hitec Co, Ltd." genannt, hat ein neues piepsendes blinkendes Computerding fertiggestellt, das Fingerabdrücke lesen, wireless-Surfen und den Kaffee kochen kann. Oder irgendwas anderes mit USB 3.0-Anschluss. Gab's von Panasonic schon letztes Jahr, aber das Ding von Hitec ist billiger und der Kaffee schmeckt sogar etwas besser. Das Produkt wurde an einen deutschen Großhändler verkauft, das Unternehmen ist zufrieden.

Der Vertriebschef Lee Wingwong hat einige Key-Player in den Besprechungsraum geladen. Es gibt Domino-Pizza und Cola, schließlich ist man eine internationale Company. Fünf Ingenieure aus dem großen Hardwareteam sind versammelt, auch ein einsamer Softwaremensch und die Chefin vom Testteam (zu der Lee ein besonders gutes Arbeitsverhältnis pflegt). Lee lobt mit sanfter, ruhiger Stimme die Leistungen der Firma im vergangenen Jahr, hält einen längeren Exkurs, wie er immer wieder das Beste für die Firma rausgeholt hat im letzten Jahr und die neue Produktlinie zum Wohle der Firma erfolgreich am Markt platziert hat und deutet dann eine kleine Verbeugung mit vor der Brust verschränkten Händen zum Hardwarteam, dem Softwaremenschen und der Testteamleiterin an und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit. Dann geht es an die Pizza.

Was fällt hier im Vergleich auf? Erstens, der CEO ist nicht da. Auch wenn Hitec eine kleine Firma ist, ist der CEO eine Art Halbgott, der auf so einer Massenveranstaltung nie auftreten würde. "President", nennt man ihn übrigens. Der Vertriebschef hat auch nur seine Keyplayer eingeladen, die er entweder für besonders wichtig für die Firma hält oder zu denen er ein persönliches strategisches Verhältnis hat: Taiwaner denken in Netzwerken. 
Der Vertriebschef ist natürlich auch etwas forsch, das liegt an seinem Job und lobt sich ausgiebig selbst, aber nicht so martialisch wie sein deutscher Kollege und lässt immer wieder das Team und die Firma einfließen ins Lob. Taiwaner sind Gruppenmenschen, das Individum kommt erst danach. Daher lobt er auch nicht den Staringenieur Chen HongWong, sondern  das gesamte Team. Einzelne vor der Gruppe herauszustellen wird als peinlich empfunden! Am Rande der Veranstaltung wird der Vertriebschef aber Chen HongWong ausgiebig loben und sich bemühen, sein strategisches Verhältnis zu Chen zu vertiefen in der Zukunft. Eventuell kann er ja mit Chen und ein paar seiner Ingenieure zusammen in die nächste Firma wechseln, die ihm schon ein Angebot gemacht hat. Wer weiß.


Szene 2: Ein Vermieter hat einem Mieter einen Zwei-Jahres-Vertrag gegeben,  will aber die Wohnung wegen Eigenbedarf vorzeitig selbst nutzen.

Das ist das, was ich dieser Tage erlebt habe, ich gebe es zu.

Taiwan:

Der Vermieter, 72 Jahre, ruft den Mieter an und teilt ihm mit, er möge die Wohnung baldmöglichst verlassen. Nach kurzen Worten und einem Umstimmungsversuch knickt der Mieter ein und sichert zu, sich schnell nach einer neuen Wohnung umzusehen. Schließlich ist der Vermieter ein alter Mann und muss respektiert werden.


Deutschland:

Der Vermieter, 72 Jahre, surft eine Weile per Google durch Mietrechtsseiten, um seine Rechtsposition abzuklopfen. Weil er sich nicht sicher ist, ob er vorzeitig kündigen kann oder nicht, konsultiert er seinen Anwalt, der ihn informiert, im Mietvertrag gebe es eine Sonderklausel, die eine eigentlich per Vertrag ausgeschlossene vorzeitige Kündigung erlaubt, insbesondere in Kombination mit Paragraph X und Y des Mietrechts und einer Grundsatzentscheidung des BGH aus dem letzten Jahr. Der Vermieter ruft daraufhin seinen Mieter an, informiert ihn über seinen Wunsch. Der Mieter ist sehr reserviert am Telefon und surft erst mal durch gängige Mietrechtsseiten, um seine Rechtsposition abzuklopfen.


Was fällt hier im Vergleich auf? In Taiwan spielt der soziale Status des Vermieters bei dem Vorgang eine Rolle, i.d.F. sein Alter, das Ehrerbietung verlangt. Außerdem spielt sein Verhältnis zum Mietobjekt eine Rolle: Er ist der Eigentümer, daher kann er darüber verfügen. Rechtsnormen oder Verträge spielen eine so geringe Rolle, dass sie von den Parteien nicht mal bedacht werden. Schließlich geht man in Taiwan sowieso nicht vor Gericht sondern regelt seine Angelegenheiten selbst. Man weiß ja, dass Gerichte manchmal beide Seiten bestrafen, wenn eine Klage geführt wird und es schickt sich sowieso, dass Familien ihre Angelegenheiten selbst regeln, statt nach dem Staat zu rufen. Wer seine Angelegenheiten nicht selbst regeln kann, verliert sein Gesicht!

In Deutschland hingegen spielt der soziale Kontext direkt keine Rolle. Auch die Tatsache, dass der Vermieter der Eigentümer ist, gibt ihm nur dann Verfügungsgewalt, wenn sie in Gesetzestexten, ihrer Auslegung, oder im Vertrag widergespiegelt wird. 

Wissenschaftlich:

Geert Hofstede (http://geert-hofstede.com/hat das alles in eine Form gebracht: Deutschland ist wie die meiste westliche Welt eine maskuline Individualkultur, die wenig kontextsensitiv ist, d.h. hier stellt sich das Individuum heraus, auch über oder gegen die Gruppe, aggressives Auftreten bringt Vorteile und die soziale Beziehung von Menschen oder Dingen zueinander regelt fast nichts. Alles bedarf schriftlicher Normen, um handlungsfähig zu sein.

Taiwan hingegen ist wie auch China eine feminine Gruppenkultur mit hoher Kontextsensitivität, d.h. hier kommt zuerst die Gruppe, aggressives Auftreten wird leicht als asozial wahrgenommen und pflegende und hegende (konstruktive!) Eigenschaften und entsprechendes Auftreten bringen Vorteile. Verträge oder Gesetze sind zweitrangig, weil der soziale Kontext von Menschen und Objekten schon fast alle Information mit sich bringt, die die Handelnden wissen müssen.

Faszinierend finde ich: Japan hingegen ist eine "maskuline Gruppenkultur" mach Hofstede. Also eine Kollektivkultur, die aggressive Werte fördert! Das klingt wie eine Art Kampfkollektiv, Wehrsportgruppe Fukuyuku, aber ein Japanexperte bin ich wahrlich nicht.


Zu platt? Zu klischeehaft? Habt Ihr selbst ganz anders erlebt? Dann gebt mir Zunder in den Kommentaren, und dem Geert H. sowieso!

LINK:
Hofstede-Balkendiagramm mit Länderauswahl: http://geert-hofstede.com/taiwan.html

Mittwoch, Dezember 19, 2012

Tempel... nachgearbeitet

Nicht der Tempel, sondern nur die Fotos, hier bislang im Blog nur kleinformatig gezeigt, diesmal mit zweimal Linksklick im Firefox vergrößerbar. Es handelt sich um den kleinen Tempel, der auf dem Reisacker neben unserem Haus lag, damals von mir noch mit der analogen Reflexkamera von Minolta mit Stativ fotografiert. Die Kamera, eine "Dynax 505si super", liegt heute trotz des stolzen Namens tief unten in der Fototasche und sogar etwas Korrosion und etwas Pilzfraß hat sich im feuchten Taiwan ihrer äußerlich bemächtigt. Hatte ein paar Mal überlegt, ob ich sie für 1-10 Euro bei Ebay neu erstehe, aber andererseits funktioniert das alte Ding immer noch und nutzen will ich sie nicht mehr. Ein grünmetallischer Pickel wuchs der armen Kamera am Einstellrad, furchterbar.

Wie in Hollywood gibt es auch hier im Taiwanblog heute eine Wiederholung. "Angriff der Killertomaten VIII in 3D" neu abgemixt, bei mir neu abgemixte alte Fotos. Das Objektiv, ein Lichtstarkes 1.7/50mm wird übrigens von mir noch heute an der neuen Sony-Digitalkamera verwendet, es hat seit 1999 überlebt.

Ob mir die neue Digitaltechnik fotografisch gut getan hat ist auch noch so eine Frage, heute würde ich die Kameras dank elektronischem Bildstabilisator und automatischen 800-ASA wahrscheinlich aus freier Hand machen und hätte bei Offenblende weniger Tiefenschärfe.

Dieser Tage fällt es mir schwer positives zu schreiben. Über Weihnachten und Neujahr geben wir dem Drängen des Vermieters nach, Hals über Kopf in eine ziemlich verlotterte Schlichtwohnung zu ziehen, weil der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat, unseren 2-Jahres-Mietvertrag ignoriert und meine Frau täglich mit Auszugsforderungen am Telefon bombardiert - was wir ganz asiatisch lächelnd geduldig über uns ergehen lassen. Auch ist der alte Mann immer so ausgesucht freundlich zu mir, dass es mir schwer fällt zu ihm unfreundlich zu sein. Vermutlich lässt meine Gattin auch nur wegen seines Alters von 72 die ganze Prozedur so ungestraft stattfinden, denn alte Menschen werden in Taiwan extrem verehrt. Die alten wissen das natürlich und gerieren sich dann im Alltag oft viel dreister als andere Taiwaner. Vielleicht sage ich ihm doch ein "Fuck you" freundlich lächelnd zum Abschied oder trete ihn ausversehen auf seinen Fuß. OK, geht nicht, dann hätte ich vier Wochen Ehekrieg wegen Missachtung der hochgeschätzten Alten.

Vielleicht locke ich ja zum Abschied die zahllosen Ameisen in unsere Wohnung, die auf kleinste Mengen von Süßigkeiten hin in Scharen durch die Fenster kriechen. Aber nein, das wäre so typisch taiwanisch, freundlich lächeln und dann hinten rum eine kindische Gemeinheit veranstalten. Lassen wir das.

Schreiben wir doch noch was positives über Taiwan zum Schluss. Was schreiben die anderen Expats immer in ihren Blogs? Schöne Tempel (s. Fotos), gutes Essen (bis auf das Fleisch) und dreiste Menschen. Äh... freundliche Menschen wollte ich natürlich schreiben ;-)

Beim Ansehen der Fotos fällt mir wieder ein, wie meine Frau 2010 in just dem Tempel stand und die Götter fragte, was aus unserem Lieblingshund geworden sei. "Vergiftet", sagte der Gott (oben blau beleuchtet), während die Göttin im Tempel von Schwiegermutter "Überfahren, mehrfach, hat sehr weh getan", gesagt hat. Irgendwie sind die Götter eigenartigerweise genau wie die Taiwaner um einen rum (die sich ihre Antworten ausdenken).

***

Ludigels Night-Photo stream 


Randnotiz: Ein Forumosmitglied aus dem Ausländerforum Forumosa.com hat jetzt eines meiner Zitate neben einem von Mark Twain in seiner Signatur:

Travel is fatal to prejudice, bigotry, and narrow-mindedness. — Mark Twain

Learning Chinese is so easy to me that I restart with it every year! — bob_honest

Ich gebe zu, dass ich mich da etwas geschmeichelt fühle, in der hochrangigen Nachbarschaft. Allerdings ist mein Zitat eine Abwandlung eines Mark Twain-Zitats über das Rauchen-Aufgeben, also kein Wunder, dass es dem Forumskollegen gefallen hat ;-)

Montag, Dezember 17, 2012

Wohnung bei Tageslicht (Oh Schock)

Die neu gemietete Wohnung (http://bobhonest.blogspot.tw/2012/12/das-geheimnis-der-turwohnung-gemietet.html) wurde von mir nun auch bei Tageslicht besichtigt. Den versprochenen Fotobericht habe ich aber sein lassen, mein eigener Schock war hinreichend groß, dass ich das nicht machen wollte. Auch haben ja die werten Leser manchmal einen empfindlichen Magen, da muss ich an meine publizistische Verantwortung denken. Von Außen sieht die 70er-Jahres - Mietskaserne wie alle anderen Häuser in der Gegend aus, also eine schmutzig-grau-gelbliche Minifliesen-Fassade. Vergitterte Fenster überall, der Hauseinang mit Mopeds vollgestellt. Nähe Nightmarket, so weit so schlecht. Das Treppenhaus roch wenigstens sauber (ich kenne da auch Uringeruch und tote Käfer auf dem Rücken) und die Türklinke fühlte sich sauber an (ich kenne auch pelzig). Allerdings abblätternde Farbe und weggeworfene Papierli im Treppenhaus. Die Wohnung schlecht geschnitten, das Schlafzimmer (neben dem Wohnzimmer der einzig große Raum) zur Straße raus, zwei winzig kleine Zimmerchen, eher Abstellkammern, ein passables Bad und eine winzige, aber passable Küche. Ein Balkon nach vorne raus, aus dem man auf eine leidlich ordentliche Straße guckt, aber auch den Mopedgeruch vom Mini-Nightmarket erschnuppern kann (die Taiwaner kaufen und verhandeln vom Rücken des laufenden Mopeds aus). Nach hinten raus ein weiterer Balkon. Und hier geht der Horror los. Der Blick aus den hinteren Fenstern oder vom Balkon ließ am Abend nur die Fenster des fast nur auf Armlänge entfernten nächsten Wohnblocks erkennen, man sah laufende Fernseher und Hausfrauen beim Kochen, hinter Alcatraz-mäßig vergitterten Fenstern. Doch bei Tageslicht sieht man, dass es in diesem Wohnblock offensichtlich usus ist, alte Zigarettenpackungen und auch Plastik- und Papiertüten mit Essen einfach aus dem Fenster zu werfen. Die Müllgeschosse bleiben dann auf irgendeinem Wellblechdach (von den Gittervorbauten vor den Fenstern) hängen und rotten jahrelang vor sich hin. Mir drehte sich fast der Magen um, als ich die brauen Soße sah, die sich ihren Weg da aus den Papiertüten bahnte. In meiner alten Wohnung lagen dort nur Schlüpfer und Söckchen, fallengelassen-wordenerweise beim Wäscheaufhängen.

Die Wohnung erinnerte mich bei Tageslicht fatal an meine Behausungen in Taipei aus der Anfangszeit, wo ich solche Gesundheitsbeschwerden bekommen hatte, dass wir erstmal auf Land ziehen mussten. Leider hatten wir nicht die Zeit, lange zu suchen, denn unser bisheriger Vermieter bestand auf fast sofortigen Umzug wegen Eigenbedarf, trotz unseres erst wenige Wochen alten "Zwei-Jahres-Mietvertrags", der leider, wie alle Verträge in Taiwan, das Papier nicht wert ist, auf dem er gedruckt worden ist.

Meine Laune hält sich dieser Tage in Grenzen, zu Weihnachten ziehen wir aus und für meine Gattin ist die Wohnung tipp-top und Frau und ich haben da auch wieder mal einen Konflikt des Lebenshorizonts, denn für sie gibt es als mögliche Habitate nur die wenigen Straßenzüge ihres Soldatenviertels, alles andere ist von vorneherein ausgeschieden. Auch ich dachte auf die schnelle, die Wohnung ist akzeptabel, aber wehe das Tageslicht kommt.

Gut, ich werde wieder mal versuchen das Beste draus zu machen und werde in der neuen Behausung einstweilen verweilen. Der Gedanke an einen Rücksturz in die Heimat erscheint mir allerdings dieser Tage viel angenehmer als noch vor Kurzem, das will ich nicht verhehlen. Wenn der Juckreiz und Ausschalg wieder kommt, der mich die ersten Jahre (in solchen Schlichtwohnungen) in Taipei geplagt hat, ziehe ich entweder in eine der modernen möblierten Einzimmerwohnungen am Park neben dem Nobelvillenviertel (und wir werfen unsere teilweise neuen Möbel weg) und Frau logiert weiterhin bei Schwiegermutter und Junior, oder ich ziehe nach Hannover, Frankfurt, München oder sonstwo hin.

So.... bin mal gepannt wie die Woche weitergeht. Wahrscheinlich mit Käfern, aber damit sind nicht die von Volkswagen gemeint.

Genervt aus dem Taiwahn,
Ludigel

P.S.: Hatte gerade überlegt, in die alte Wohnung einen alten Freund aus Deutschland einzuladen. In die neue Behausung kann man aber wieder keinen reinlassen.

Update: Wie ungesund oder gesund ist es wirklich, in Taiwan zu leben? Für Einheimische sicher nicht besonders ungesund, denn nach dem CIA-Factbook hat Deutschland eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80.07 Jahren und Taiwan von 79.35 Jahren. Geschlechtsspezifisch liegt Deutschland bei den Herren mit 77.82 gegenüber Taiwans 76,0 etwas in Führung, während Deutschland bei den Damen mit 82.44 gegenüber Taiwans 82.7 etwas kurzlebiger ist.
In Deutschland ist man also am besten ein Mann, in Taiwan eine Frau, statistisch gesehen jedenfalls. Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_life_expectancy 

Die saudumme UNO kennt in ihren Berichten wieder nicht Taiwan, sondern nur China, die ignoriert man am besten.

Freitag, Dezember 14, 2012

Manga Noodels

Kürzlich hatten wir wieder mal die Kleinstadt Jhongli (Zhongli) besucht, im Landkreis Taoyuan, wo wir früher unser Reihenhaus hatten, bis Junior geboren wurde und wir ihn bei - und uns in der Nähe von - Schwiegermutter unterbrachten, in Taipei. Die Bilder sind entstanden, als ich meine Frau vom Frisör abgeholt habe, wo ihr die beiden Frauen in dem kleinen Frisörladen die Haare gemacht haben. Typische verschlafene Kleinstadt in Nordtaiwan. Oder doch nicht so verschlafen, wenn gelegentlich ein aufgemotzter Mitsubishi Virage (eine kleine Limusine mit Spoiler) mit 100 über die Hauptstraße fegt...

Hier vom Cockpit eines alten untermotorisierten Nissan SUVs gesehen, den ich seit Jahren davor beschütze, durch einen BMW, VW, Landrover (klein), Mitsubishi Pajero oder dergleichen ersetzt zu werden. Bald hat er 200.000 Kilometer runter, rennt aber immer noch wie am ersten Tag. Gut, klingelt ein bisschen bei tiefen Drehzahlen, aber da spart man sich das Radiohören. Und das tut er seit 90.000 km, ist also folglich zu vernachlässigen.

In dem Restuarant haben Frau und ich öfter mal gegessen, hier gibt es leckere Nudel- oder Teigtaschensuppen für 100 NT (2.50 Euro). Eines von unzähligen in Taiwan, obwohl meine Gattin immer über die mangelnde Esslokaldichte auf dem Dorfe gemeckert hat.

Heute sind wir wieder in Taipei, da würde einem spätestens auf der Hälfte unserer lokalen Hauptstraße von 1 km Länge der Magen platzen, wenn man in jedem Lokal oder an jedem Stand essen wollte...

Donnerstag, Dezember 13, 2012

Das Geheimnis der Tür/Wohnung gemietet

Wir haben eine neue Wohnung gemietet, die also bis Chinesisches-Neujahr von mir bezogen wird. Sie liegt nur eine Minute Fußmarsch von Schwiegermutters Wohnung entfernt, wo ja auch Frau und Junior wohnen, was sich aus der wochentäglichen Junior-Betreuung durch Schwiegermutter ergeben hat. Im dritten Stock diesmal, also anfälliger für die Lautsprecher-Lieferwagen der fliegenden Händler und leider auch etwas näher am Nightmarket dran, daher stelle ich mich auf Benutzung der hinteren Zimmer ein und das Wohnzimmer wird wohl nur Deko bleiben. Die hinteren Zimmer sind wieder nur Armlänge von den Nachbarn entfernt (Fensterfront des Hinterhauses), aber das ist in Taiwan so üblich.
Positiv: Die Wohnung ist innen recht ordentlich, etwa wie eine nie renovierte deutsche Wohnung von 1980, also nicht schlecht für Taiwan. Auch die Badezimmer sind recht nett und die Fenster dicht schließende monoverglaste Schiebefenster, immerhin. Nichts stinkt und nichts hat Warnhinweise "Diese Tür niemals öffnen" wie in der anderen Wohnung, die wir uns angesehen haben. Kosten wird die neue Wohnung 21.000 NT im Monat (durch 40 etwa in Euro), 23.000 NT wollte der Vermieter erst haben. Es gibt mehrere kleine Zimmer, zwei Badezimmer, ein großes Wohnzimmer kombiniert mit Eingangsbereich und zwei kleine Balkons mit Blick auf wenig erbauliches. Keine Heizung (gibt es hier praktisch nie) aber ein paar altersschwache Klimaanlagen, die keine Chance haben, das Wohnzimmer im Sommer zu kühlen. Moderne Lichtschalter! Ich werde einen Fotobericht nachreichen. Für den erfahrenen Expat alles nix aufregendes, bei mir steht ja "Orient" sogar auf meiner neuen Armbanduhr, was will man erwarten.
Die andere Wohnung (http://bobhonest.blogspot.tw/2012/12/wohnungssuche.html)
ist endgültig ausgeschieden, denn der Vermieter weigerte sich für uns die erwähnte zweite (mit NIE-ÖFFNEN Warnschild versehene) Wohnungstür, die laut seiner Aussage in ein Notausgang-Treppenhaus führen sollte, zu öffnen. Auch erklärte er, der Hauseingang hinten sei sowieso zugemauert(!) Das lies die Fantasie hoch fliegen, was sich denn nun dort eingemauerter und ausgeperrterweise verbarg. Hatten die anderen Parteien auch alle ihre Hintertüren fest verschlossen und versiegelt, mit Warnhinweisen? Welcher Horror lauerte dort in dem alten Treppenhaus?

Ich tippte auf eine wilde Müllhalde und wollte die Wohnung dann nicht mehr der Seuchengefahr halber, Frau und Schwiegermutter tippten (bisweilen kichernderweise) auf eine eingemauerte Oma, die dort nachts ihr Unwesen treiben würde, wenn der Ludigel um Mitternacht allein in der Wohnung ist. Ich könne ja nicht Chinesisch und könne eventuelle nicht verstehen, was eine (heisere?) mitternächtliche Stimme hinter der Tür von mir will und würde sie am Ende aufmachen, sorgte sich Schwiegermutter. Als Familienkonsens kristallisierte sich also eine vermutete Gefahr durch Müll und Dreck und möglicherweise untote Senioren heraus, der wir durch Nichtmietung aus dem Wege gehen werden. Dabei wäre das alle kein Problem gewesen, als Fan der Serie "Supernatural" weiß ich, dass man einfach die Türschwelle mit Salz einstreuen muss (reichlich!) und ggf. eine Schrotflinte mit "Rocksalt" bereithalten muss. Gegen Geister jedenfalls. Bei Zombies.... hmmmm...
Typisch Taiwan, man beschäftigt sich hier mit Dingen, die eigentlich nur im Phantasy-Rollenspiel a la Dungeons and Dragons vorkommen sollten ;-)


P.S.: Der unwirtlichen Wohnung halber habe ich fasziniert in die große christliche Kirche bei uns geguckt. Alles schick und sauber, nette Holzbänke, Heizung und vorne spielte jemand sanft Gitarre. Und Frohes Fest kriegt man auch noch gewünscht. Ich werde glaube ich gläubiger Christ, mal sehen. So eine heilige Heizung ist nicht ohne...

Letzter Beitrag im Umzugsmarathon: http://bobhonest.blogspot.tw/2011/07/haus-nummer-1-verkauft-wohnung-nummer-8.html

Mittwoch, Dezember 12, 2012

Saab hat fertig

Bei Saab scheint auch "Flasche leer" zu sein. Hatte kürzlich gelesen, ein japanisch-chinesisches Industriekonsortium hätte Saab übernommen und wolle die Autos, die man in Taiwan doch öfter mal sieht, einfach mit Elektromotor weiter bauen. Die schweren Kisten mit E-Motor zu fahren klingt wenig sinnvoll, offensichtlich sieht es der bisherige Vertragshändler (hier im Nobelviertel in NeiHu) jetzt genauso....


Wohnungssuche

Vor ein paar Wochen hatte uns schon unser Vermieter, ein pensionierter Marineoffizier der Steitkräfte der Republik China mitgeteilt, er würde unsere Wohnung für seinen Sohnemann benötigen. Wir fingen schon mit der Wohnungsssuche an, doch dann hatte er sich es anders überlegt und uns einen 2-Jahres-Vertrag gegeben. Der ist nun ein paar Wochen alt, doch der Vermieter hat noch ein Töchterchen. Die wollte schon früher die Wohnung, hat es sich dann aber anders überlegt, weil sie Höhenangst hat und will jetzt aber doch unsere Wohnung. Also müssten wir sofort raus, sagt der nette Vermieter. Wahrscheinlich, fügt er hinzu. Diese Flip-Flop-Sache ist auch so typisch taiwanisch und hinreichend nervig, dass wir jetzt wirklich ausziehen. Am Ende hat er noch einen Neffen, der Fallschirmspringer ist, sich gerne bei uns aus dem Fenster stürzen will, aber doch erst mal im Erdgeschoss den Schlusssprung üben will, es sich jetzt aber doch wieder anders überlegt hat.



Gleich gestern Abend eine andere Wohnung im Soldatenviertel angesehen. Nun lehnt meine Frau ja Security-bewachte bessere Wohnanlagen ab, weil sie fürchtet es gebe dort zu viele Parteien und einer von denen würde bestimmt irgendwann den Gashahn aufdrehen und das Haus in die Luft jagen - und außerdem wollen wir in der Nähe von Junior/Schwiegermutter wohnen (Junior wohnt bei Schwiegermutter, die sich tagsüber um ihn kümmern muss), da bleibt nur wieder ein Schlichtbunker. Gestern die Wohnung war schön groß, außen das Haus (vergleichbar wie die hier gezeigten: http://bobhonest.blogspot.tw/2012/11/hust-also-was-ich-noch-hust-schreiben.html), hatte einen frischen, billigen Gummifußboden, der zum Himmel stank, undichte Klapperfenster, wo man froh war, dass sie nicht aus dem Rahmen fielen (u.a. dank Klebeband und hineingestopften Prospekten) und hatte witzigerweise eine zweite Wohnungstür, an der innen ein Zettel war. Sogar auf Englisch zusätzlich zum Chinesischen.

NEVER OPEN THIS DOOR.
SMELLY EMISSIONS FROM STAIRCASE.

Ich kannte das bislang nur aus Horrorfilmen. Die junge Haushälterin, die in einem alten Landhaus anheuert und dann ist da diese Tür, hinter der nachts immer Geräusche sind. Aber die Dame des Hauses hat schon bei der Vorstellung gesagt:

NIEMALS DIESE TÜR ÖFFNEN.

Schon das vordere Treppenhaus sah wie "fünf Jahre nach der Zombieapokalypse" aus, da möchte ich nicht wissen, wie das hintere Treppenhaus aussieht, wenn es sogar so stinkt, dass es selbst den geruchsresistenten Taiwanern auffällt. Wenn es da des nachts an die Tür klopft:

NIEMALS ÖFFNEN.

Bestimmt haben die Anwohner in ihrer Weisheit das hintere Treppenhaus (eine Art Notausgang, sagte die Maklerin) als Müllhalde benutzt. Oder lassen sie da die alten Männer frei herumlaufen, die ich noch aus einer anderen Schlichtwohnung kenne, wo sie morgens immer im Treppenhaus spazieren gehen und auf den Boden spucken? Und spucken. Und spucken.

NIEMALS DIESE TÜR ÖFFNEN.

So jetzt aber genug der Fantasie, die Taiwaner legen in Mittelklassebauten auf wenig Wert, fehlender Verwesungsgeruch aus dem Badezimmerabfluss, dichte Fenster und saubere Fassaden oder Treppenhäuser gehören nicht zu ihren Ansprüchen, die gibt es nur in teuren Oberklassewohnungen. Also Augen zu und durch. Äh rein. Frau will aber noch mal weiter gucken. Viel anders wird das aber nicht.

Dienstag, Dezember 11, 2012

Buskatastrophe, akribisch dokumentiert

In den Bergen in Taiwan bin ich auch schon gefahren. Eine schmale Straße, bröckelt am Rande ab, da geht es in den Abgrund, dann muss man millimeterweise rangieren und vor allen Dingen ruhig bleiben, trotz entgegenkommender Busse. Bei mir war es aber deutlich breiter als hier. Alles von der Videokamera eines PKWs gefilmt, der mit Senioren besetzte Bus passt nicht mit dem PKW zusammen um die Kurve, der Bus will rückwärts Platz machen und kommt aus noch nicht geklärter Ursache von der Fahrbahn ab, rutscht in Zeitlupe in den Abgrund. Senioren werden aus dem Bus geschleudert und teilweise vom Bus überrollt. Dreizehn Menschen sterben.
http://www.ettoday.net/news/20121210/137602.htm
Busfahrer hatte einen Busführerschein und Bus war regelmäßig überprüft, die Straße für solche Busse zugelassen.

Und hier ein ähnlicher Unfall: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=115971&start=20#p1484674

Für Junior, KEINE Bus-Schulausflüge in Taiwan. Niemals! Nicht einer!

Der ist auch nett: Busfahrer steigt aus seinem Bus aus, um einen Mopedfahrer zu schubsen und unterdessen fährt sein Bus weiter... im dichten Verkehr! Der Mopedfahrer ist so nett, den Busfahrer auf das Weiterfahren seines Fahrzeuges hinzuweisen. http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=82&t=116009#p1484710

Jesus, Heavy on wire

Beim Editieren meiner Digitalbilder fiel mir dieses hier auf, "Jesus heavy on wire", nur ein Bildausschnitt, aber hübscher als wenn die ganze Kirche und der Gemeide-Mitsubishi mit drauf ist.


Erinnert mich an die alten Zeiten, als ich mit einem goldenen Kruzifix hantiert habe. Nicht etwa als Vampirjäger in dunklen Gassen, sondern in der Dot-Com - Bubblezeit, als ein unheimlich dicker schwarze Nadelstreifenanzüge tragender Herr glaubte, unser Unternehmen übernehmen und die Konten absaugen zu können. Nicht nur, dass die Belegschaft schnell einen Notrat gebildet hat, der quasi die Geschäftsführung übernahm (GF war in der Insolvenz weg), es galt auch den (wie sich später herausstellte kriminellen) falschen Firmenaufkäufer (der gar keine Dinare hatte) in die Schranken zu weisen. Weil er mit Drohungen und massiver Infiltration durch seine eigenen Leute arbeitete, war die ganze Belegschaft in Schockstarre. Noch dazu seine Gattin, aus einem fernen arabischen Land (nichts dagegen zusagen) und eigenartigerweise mit dem Nimbus einer ... äh ... Personifikation des Bösen ausgestattet; "Hexe" nannte man sie auf den Gängen. Dann war Weihnachten und ich sah ein Kunstoff-Kruzifix bei Kaufhof, so schön golden beschichtet, dass es völlig echt aussah. Für 5 Euro gekauft und dann ging es mit goldenem Kruzifix zu den Verhandlungen mit dem Aufkäufer. Wer mich sah lachte und sagte "Du bist doch verrückt!". Und siehe da, das Kruzifix hatte funktioniert, der Fluch - oder besser die Angststarre - war gebannt. Genau so war es kalkuliert. Und der Nadelstreifenherr war vielleicht in den Verhandlungen irritiert, als sich ein Kruzifix in meiner Hose abzeichnete, hust. Kann ja mal passieren in der Aufregung. Den Gegner aus der Balance zu bringen ist ein kleiner Trick, den man manchmal anwenden muss. Hat funktioniert, er ging wegen Veruntreuung in den Bau, ein reicher Schweizer hat die Firma gekauft und ich bin nach Taiwan verschwunden. Also: so ein Kruzifix funktioniert wirklich. Muss gleich noch mal im Internet nach so einem Ding gucken.... Neckermann vielleicht? "Made in China" sicherlich, tut der Wirkung aber keinen Abbruch.
Und die Geschichte zeigt mir, dass Deutschland genauso wirr sein kann wie Taiwan. Mindestens.

Nazis, lick my ass

Eine weitere Deko aus dem Roadies, Sams Diner in Longtain im Großraum Taoyuan (s.a. http://bobhonest.blogspot.tw/2012/11/hitler-und-der-truthahn.html).

Foto: Ludigel. "Nazis, leckt mich am A...."



Es ist offensichtlich ein deutscher WK-II - Panzer.



Donnerstag, Dezember 06, 2012

Wichtige Mission in den Süden

Selten habe ich den Konflikt zwischen dem Blogger, der die fremde Kultur Taiwans hier in Form einer persönlichen Reportage darstellen will und der persönlichen Einbindung in den Alltag so sehr gemerkt wie dieses Mal. Während der Blogbericht Distanz braucht, ist man als Agierender unmittelbar Teil des Geschehens. Schwierig das Aufzulösen. Ich will den Spagat trotzdem mal versuchen.

Eine sehr nette Kollegin vom Vertrieb, eine junge Frau in den 30ern, ist leider an Krebs erkrankt, wie Frau und ich erst kürzlich erfahren haben. Eine andere Kollegin vom Vertrieb, nebenbei gesagt hochschwanger, meine Frau und meine Wenigkeit brachen daher mit dem Ludigelmobil in den tobenden wochenendlichen Verkehr auf, um die Kollegin zunächst im Krankenhaus zu besuchen. Ich am Steuer, meine Frau wie Captain Ahab Anweisungen vom Beifahrersitz gebend und die Kollegin auf der Rückbank kichernd ob der Energie meiner Frau, die sich immer wieder beschwerte, ich würde zu langsam fahren. Dank des GPS-Naviprogramms auf dem iPhone der Kollegin fanden wir das Krankenhaus schnell und nahmen die Kollegin mit. Als wir dann alle vier im Auto waren, war das Ziel Südtaiwan, genau gesagt ihre Heimatstadt (Shuisheng hieß die glaube ich), wo sie ihren Bruder besuchen und einen Tempel aufsuchen wollte. Dass bestimmten Tempeln hier besondere Fähigkeiten zusgeprochen werden, sei es Hilfe bei der Heilung oder beim Kinderkriegen, mag exotisch für einen deutschen Leser sein, ist aber Alltag in Taiwan und hat mich daher keineswegs überrascht. In diesen Tempeln wird dann üblicherweise einer der Götter aus dem chinesischen Götterhimmel in der Taiwanvariante angebetet, die genaue Religionspraxis ist dann taoistisch, konfuzianisch oder beides. Als Buddhismus kann man das wohl subsummieren, immerhin haben sie reichliche Verwendung auch für den dicken freundlichen Mann in den Tempeln. Wie dem auch sei, ich steuerte also den Wagen vorsichtig über den regennassen Freeway (Freeway, Highway oder wie auch immer) und freute mich, erstmals die kranke Kollegin wieder lachen zu hören, als meine Frau sich auf Chinesisch beschwerte, sie könne meine Langsamfahrerei kaum noch ertragen. Fast kann man da bereuen, wieder mit einem neuen Lehrbuch Chinesisch zu lernen, man versteht so viel. Meiner Frau wurde es zu bunt und sie dirigierte mich auf einen Parkplatz, wo sie kurzerhand das Steuer übernahm. Unser alter SUV schoss kurze Zeit später mit harter Beschleunigung auf die steil abfallende Auffahrt zum Freeway, wo es in der Kurve am Hügel auf den Freeway ging. Mit dröhnendem Motor raste der mit mir am Steuer so behäbige Wagen auf den vorausfahrenden Verkehr zu und überholte halb auf dem Seitenstreifen ein paar langsame LKWs, alles während der Regen auf die Scheiben prasselte. "Slooooooooowly!" rief ich, als sie auf die anderen Autos zuschoss und die beiden Kolleginnen auf der Rückbank kicherten vor Vergnügen.

 Schnell geschossen mit dem Fotohandy, halb das Objektiv verdeckt

Später übernahm ich wieder das Steuer und wir erreichten unser Ziel - hätten wir natürlich auch mit meiner Gattin am Steuer. Zu meiner Verblüffung entpuppte sich der Tempel als gewöhnliches Reihenhaus, nicht unähnlich dem, das wir vor kurzem noch selbst auf dem Lande hatten. Allerdings waren wir hier nicht mehr in der Nähe von Taipei, sondern 200 km oder dergleichen im Süden, südlich von Taichung. Das Reihenhaus hatte wie üblich einen überdachten Vorhof, hier wurden wir von den Tempelbetreibern in privater Atmosphäre empfangen und der Haushund, ein niedlicher kleiner Spitz, kläffte nach Leibeskräften und drohte uns allen in die Hacken zu beißen. Im Haus dann nichts sakrales, ein gewöhnliches Reihenhaus mit Mickymaus-Vorhängen im Innern und frisch aufgehängter Wäsche auf der Dachterrasse. Gleich neben der Dachterrasse war jedoch ein Andachtsraum. Hier war ein hölzerner Altar mit diversen Götterstatuen geschmückt, eine weiblich wirkende stark gebaute Gottheit thronte in der Mitte, umgeben von anderen Götterstatuen und einem großen goldenen Buddha. Die beiden Priester waren zwei Herren in mittleren Alter, der eine dick und kräftig, der andere von normaler Figur hinter einer gasbetriebenen Teetheke sitzend, im traditionell-chinesischem Oberhemd. Heißen Tee gab es für alle und dann verneigten sich die Gläubigen - zu meinem Erstaunen - nicht etwa wie sonst üblich in Richtung des Altars, sondern in Richtung der offenen Balkontüre zum grünen Garten des Reihenhauses hinaus. Ich gebe zu unauffällig hinaus gespäht zu haben, ob im Garten irgendeine Statue stand. Doch weit gefehlt, es war ein normaler grüner Garten und man blickte auf ein begrüntes Gewerbegebiet mit Fabrikgebäuden und entfernt liegenden dichten Laubwäldern mit ein paar Palmen dazwischen. Eine Landschaft fast wie in Nordeutschland am Rande eines Gewerbegebiets, nur eben mit ein paar Palmen. Auch zum Altar wurde sich später verneigt, wobei reichlich Räucherstäbchen abgebrannt wurden. Der Herr hinter der Teeküche gab manchmal ein lautes Rülpsen von sich, ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es eine zeremonielle Bedeutung hatte, auch das habe ich schon erlebt in einem anderen Tempel im Süden, dort hatte ein behinderter Mann mit geschientem Bein Weihrauch eingeatmet, hustend-rülpsend ausgeatmet und dann eine Zukunftsprognose über meine Wenigkeit abgegeben.
Hier jedoch wurde zunächst unsere erkrankte Kollegin gesegnet, wobei sie stand und der kräftige Priester Weihrauch durch die Räucherstäbchen an ihren Körper brachte. Dabei stieß er ein Gebetsstakkato aus, das wie von nervösen Ticks unterbrochen war und von heftigem Kopfnicken begleitet war - offenbar in Richtung Trance gehend. Die erkrankte Kollegin wurde dann befragt und die zweite Kollegin schrieb dann einen längeren Text, der von dem kräftigen Priester kopfnickend diktiert wurde, auf einen gelben Zettel. Solche kann man entweder Verbrennen (wenn sie an Vorfahren gerichtet sind, soweit ich weiß, weil sie dann Eingang ins Jenseits finden sollen) oder bei sich tragen als eine Art Schutzzeichen, hier ging es natürlich um letzteres. Manche Teile wurden von der aufschreibenden Kollegin hinterfragt und der zweite Priester erklärte den Inhalt mit tiefer Stimme, wobei sein Rülpsen manchmal in den Satz einfloss und wie das Brüllen eines Löwen wirkte, so sehr passte es zur tiefen Stimme. Ich schreibe das alles hier nicht auf, damit es lustig wirkt, sondern als Schilderung für den interessierten Leser, wie es sich eben zugetragen hat. Ich weiß, dass man im Christentum eine viel sakralere Umgebung als ein Reihenhaus erwartet und andere Vorstellungen von Zeremonien hat, aber ich denke mal, die Wege zu Gott (den Göttern in diesem Fall) sind vielfältig und jeder muss einfach seinen eigenen finden.
Selbst habe ich schon oft über solchen privaten Tempel von oben herab berichtet, das will ich nicht leugnen. Die Leute leben von ihrer Religionsausübung und wenn sie dann von meiner Frau ein paar Taiwan-Tausender bekommen und dann noch Zukunftsvorhersagen und gänzlich unzutreffendes über meine Vergangenheit von sich geben, dann geht mir eben der nicht vorhandene Hut hoch. Aber hier ging es nicht um mich und auch nicht um Wahrsagerei. Und auch die christlichen Kirchen sind höchst wirtschaftliche Entitäten, Stichwort Vatikanbank.
Während unsere Gruppe nun die Göttin um Beistand für die erkrankte Kollegin bat, gab auch ich meine Wünsche für die Kollegin (freilich lautlos) zum Besten. Weil die zahlreichen hiesigen Götter bislang noch nie auf mich gehört haben, mich sogar beim Antwort-Würfeln im Tempel unter Schwiegermutters wütendem Blick einmal eine Stunde lang warten ließen auf die richtige Antwort, versuchte ich es diesmal etwas energischer. "Steh da nicht rum, tu was", mag Teil meines persönlichen Gebets gewesen sein, das gebe ich gerne zu.
Erfreut nahm ich zur Kenntnis, dass der Zuspruch durch die Priester, ihre Familie und ihre Begleitung der erkrankten Kollegin wieder Kraft gegeben hat, denn hinterher war sie wie ausgewechselt und schritt sichtbar gekräftigt die Treppe zum Auto hinunter, wo wir uns verabschiedet haben, als sie zu ihren Verwandten ins Auto stieg.
Mein persönlicher Wunsch für das neue Jahr und die nächste Zukunft ist daher fest vergeben. Ich wünsche der lieben Kollegin alles Gute, viel Kraft beim Kampf gegen die Krankheit und vor allen Dingen Gesundheit!


Nachtrag im Juli 2013:
Und was wurde draus? Hier den Update lesen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/tolles-update.html

Dienstag, Dezember 04, 2012

Roter Tempel in Jhongli, Taoyuan County

Eigentlich sieht er gar nicht rot aus, der rote Tempel. Er liegt so düster in einer Nebenstraße an einem leeren Park, dass man ohnehin nicht viel sieht von dem Gebäude. Allerdings strahlt er immer eine düstere Romantik aus, wenn innen der beleuchtete Gott durch die Gitterstäbe leuchtet. Faustregel übrigens: Man darf Göttern nicht etwa eine Lampe direkt über den Kopf setzen bei der Illumination, sondern muss etwas Abstand wahren. Sonst zürnt der Gott, wohl weil er sich auf den Arm genommen fühlt. Da habe ich auch noch eine längere Geschichte zu, aber die muss noch ein bisschen warten.

Als wir noch in Jonghli unser Reihenhäuschen hatten, das wir mittlerweile wieder verkauft haben (Stichworte: Kotsammeln hinter unserem Haus, kleptoman. Nachbarin, Karaoke, akute Kleine-niedliche-Hunde-Fresserei im Winter, Mega-Zumüllerei, alles Nachbarn miteinander verwandt), habe ich öfter unsere beiden Hunde ins Auto geladen und bin in dem gepflegten Park mit ihnen spazieren gegangen (ja ja, erstmal außerhalb des Geschäftes wegen), ein Park wie viele leere in der Gegend, in dem außer mir nie irgendjemand anders zu sehen war, auch tagsüber nicht. Der Tempel sieht von außen also stockdunkel und grau aus und mit meiner damaligen kompakten Digitalkamera ließ er sich nicht richtig ablichten. Auch für die Film-SLRs war er eigentlich zu dunkel. Doch jetzt mit der Digital-SLR muss man nur am Schattenaufhell-Knopf drehen, schon färbt die Straßenbeleuchtung ihn rot ein und alles sieht recht effektvoll aus. So als hätte man ein eigenes Beleuchter-Team in der Westentasche. Ist mir immer noch etwas unheimlich diese Digitaltechnik. Übrigens ist es ein sehr kleiner Tempel, nur die extreme 15mm-Optik (an Vollformat) lässt ihn hier so weit wirken. Das Deckenbild um die Lampe herum war überbelichtet, der starken Kontraste wegen. Doch die Nachbearbeitungssoftware hat irgendwo einen "Zauber-Überbelichtung-weg" - Knopf und schwupps ist die Decke wieder richtig belichtet. Vielleicht ist der Knopf auch irgendwo im fünften Untermenü der Kamera (Sony Alpha), nach zwei Jahren habe ich immer noch nicht alle Funktionen gefunden. Junior (1 Jahr alt) hat neulich eine neue Funktion beim Rumdrücken auf den Knöpfen gefunden. Ich muss ihn noch mal spielen lassen, vielleicht zeigt er mir noch was neues.

Nicht dass das einer falsch verstanden hat, das mit den Nachbarn oben, ich wünsche unseren Gott-Sei-Dank-Exnachbarn auf dem Lande nichts schlechtes. Mögen sie vor Bissen der niedlichen Kleinen Appetithappen-Hunde geschützt sein, möge ihnen nie ein Chinaböller in die Hose fallen, mit denen sie 365 Tage im Jahr herum geknallt haben, auch um 5.30 Uhr morgens und mögen nie zwei der Volltrunkenen ohne Licht fahrenden auf der schmalen Gasse zusammenstoßen und möge die spültoilettenmeidende Kotsammlerin nie ausrutschen und mti dem Kopf in den Eimer fallen. Oder doch. Mir heute egal. Nett war jedenfalls das Wiedersehen mit den beiden Damen vom Friseurladen, bei dem sich meine Frau die Haare machen ließ. Beides sind nette, bodenständige Leute. Witzig war es beim letzten Besuch, da hatte meine Frau eine Beule von einer Entzündung unterm Kinn und die eine der beiden gab die Diagnose: "Ist wahrscheinlich Krebs, war beim meinem Onkel auch so. Ist dann schnell gestorben."
Die Leute auf dem Lande sind noch mal ein anderer Menschenschlag als die Städter in Taipei und mit dem Reihenhaus mitten drin zu leben war sicher eine Überdosis von so viel Bodenständigkeit, aber so besuchsweise ist es ganz nett. Kaum hatte ich das Foto gemacht, hielt zu mitternächtlicher Stunde ein Kleinwagen und eine Familie brachte Opfergaben in den Tempel. Alle blieben stehen und bestaunten mich. "Adogah" (gesprochen Adoah) riefen sie einander zu, was wörtlich übersetzt "Großnase" oder "Langnase" heißt***. Ich rief "Adoah" und winkte ihnen zu. So als ob es ein Gruß sei. Dann fuhr ich fort, bei den Vielgötterritualen zur Geisterstunde wollte ich nicht weiter stören.

P.S.:  Irgendwie müsste man den Gott im Innern mal gegen diesen schwarzen hundeköpfigen ägyptischen Gott austauschen.... Hust.

LINK:
Ein anderer Nachbarschaftstempel, noch analog abgelichtet: http://bobhonest.blogspot.tw/2008/05/man-am-i-far-from-home.html 

Nächtlicher Fotostream 


*** Viele Taiwaner glauben aber auch, das taiwanische (Hoklo-)Wort "Adogah" sei einfach ein aus dem Japanischen übernommenes normales Wort für "Ausländer" und meines es nicht immer auf die Nase bezogen. Bei Ausländern ist der Term jedoch i.d.R. unbeliebt. Eine Wurzel ist ein alttaiwanisches Wort (Atoka oder so, eben "Großnase"), die andere Herkunft ist wohl (so wurde einmal im Ausländerforum Forumosa.com unbewiesen hergeleitet) ein japanisches Schimpfwort für Ausländer. "A dog" haben die japanischen Kolonialherren auf Englisch gesagt, wenn sie einen Weißen gesehen haben, was sie als "A-dog-ah" gesprochen haben. Letztes ist möglicherweise mit dem Atoka verschmolzen. Genau weiß das keiner. Taiwaner regieren immer sehr erheitert auf die "A dog"-Erklärung und versichern, nichts Böses mit dem Wort im Sinn zu haben und dass die Erklärung Unsinn sein - soweit mir gegenüber jedenfalls. Der Mandarin-Term für Ausländer ist "Waiguoren" (Ausland-Mensch), sein leicht spöttischer Zwilling "Laowai" (etwa: Chef-von-Draußen), der spöttische Term für südostasiatische Arbeitskräte ist hingegen "Wailao" (sozuagen ist der Ausländerchef da auf den Kopf gestellt?).

Montag, Dezember 03, 2012

Verifucked by Visa, Bossed by Mastercard

Gerade wollte ich für meine Frau mit meiner deutschen Visa-Karte Gebühren an ihrer englischen Fernuni bezahlen, gebe mühsam alle endlosen Kreditkartendaten bis hin zur Frage nach den sexuellen Vorlieben ein, da erscheinen alle Fragen noch einmal von vorne, mit dem Hinweis, das sei jetzt der neue VERIFIED BY VISA - Service, der Kreditkarten im Internet noch sicherer macht.
Verifucked by Visa verlangt allerdings zu meiner deutschen Kreditkarte eine deutsche Handynummer, die ich nicht habe, um dann zur Sicherheit eine SMS zu schicken. Meine taiwanische Handynummer wird mit Hinweis auf falsches Format nicht akzeptiert. Toll, dass sich eine Fernuni mit internationalen Studenten diesem Schwachsinnsservice angeschlossen hat. Schwachsinn, weil wieder mal nicht bedacht worden ist, dass Auslandsdeutsche und Weltreisende damit ihre Kreditkarten nicht mehr im Web benutzen können.

Danke Visa.

Wollte also flugs meine deutsche Mastercard nehmen, aber ... die nutzt auch Verifucked by Visa. Bleiben noch meine taiwanischen Karten. Bin mal gespannt, ob die britische Webseite eine taiwanische Nummer akzeptiert. Dazu kommt noch, dass ich die Kreditkartenbuchungsnummer der Partnerkarte brauche (die Hauptkarte hat meine Frau, weil Langsnasen hier keine Kreditkarten kriegen) und meine Frau sowieso nie Zeit hat, irgendwas rauszusuchen und wenn doch, die Unterlagen grundsätzlich nie findet.

Danke Mastercard.

Tja.... weiß ich jetzt auch nicht, wie sie ihr Abschlusszertifikat kriegen will. Muss sie sich wohl selbst drum kümmern.

Schön finde ich immer wieder, wenn sich Geldinstitute, Regierungen oder Behörden etwas neues einfallen lassen, um Expats das Leben noch ein bisschen schwerer zu machen. Die Entwertung der Kreditkarten im Web ist da schon ein starkes Stück. 

UPDATE: Bei Taiwan-Kreditkarten geht der Vorgang ganz normal, kein "SM"-S - Unsinn. 

Haubau! (Juniors Linguistik)

Warnung: Elterliche Begeisterung führt zu solchen Postings. Kinderlose sollte es nicht lesen. Sonst droht Langeweileparalyse. Ernsthaft.
Völlig verblüfft war meine Frau, als unser knapp über einem Jahr alter Junior neulich "Haubau" sagte. Denn er sprach es zwar klar und deutlich, aber niemand hatte eine Ahnung, was das bedeutete. Wie "Hausbau", nur ohne "s". Schuld war wohl ich, ich hatte seine Bauklötze als solche benannt und er wollte wohl das Wort nachsprechen. "Hau" (hao) bedeutet auf Chinesisch ja auch "gut" und "bau" (bao) hat er schon lange als sein selbstgeschaffenes Wort für "Spielen", was wohl eigentlich ein chinesisches Wort für "abklatschen" in der Babysprache ist oder dergleichen. Vom ersten richtigen deutschen Wort sind wir also noch etwas entfernt, aber fast hätten wir es gestern Abend doch noch geschafft. Junior versuchte nämlich "Haare" nachzusprechen, machte allerdings ein horrorfilmmäßiges Stöhnen "Haaaaaarrrrrrrrrrrrrrrr" oder gar "Haaaaaaachchchchchch" mit langgezogenem kehligen "ch" davon und amüsierte sich dabei köstlich.

Schon interessant diese Multisprachentwicklung bei ihm zu beobachten. Ich rede ja Deutsch mit ihm, seine Mutter Mandarin-Chinesisch und seine Großmutter zwar meist Mandarin, manchmal aber wohl auch Taiwanisch (Hoklo genannt) mit ihm. Und Englisch soll er über die Cartoons mitkriegen, sagt meine Frau. Na kein Wunder, dass seine Lache in der letzten Zeit so dreckig klingt, insbesondere wenn er mir mit seinen Bauklötzen eines übergezogen hat. In der Tat zeigten die Cartoons Wirkung, er fing neulich plötzlich an jeden, der ins Zimmer kam, mit "Hi" zu begrüßen, auch wenn er Schwiegermutter weit weg durch die Küchentür sah. Wahrscheinlich weil in den Mickymouse-DVDs, die ich gekauft habe, jeder der ins Micky-Klubhaus kommt, "Hi" sagt.

Auf Mandarin konnte er schon "nan" (schwer), hat es aber offenbar wieder vergessen, zur Zeit kann er "bujao" (brauche ich nicht) und kann damit etwa antworten, dass er keine zweite Flasche Milch will. Und eine "bu bu bu bu" - Kaskade ist ein klares Nein, ein alleinstehendes "ma" (das Mandarin-Fragewort) eine Universalfrage auch wenn man beide auf Mandarin eigentlich nicht allein benutzt. Ich bleibe bei ihm am Ball, lerne jedes Wort mit, dass er auf Mandarin gelernt hat. Neulich haben er und ich auf diese Weise "you ma?" gelernt, was "wirklich?" heißen müsste. Gegenfragen kann er jetzt also auch schon. Na, das kann ja heiter werden.