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Donnerstag, Dezember 26, 2013

Plattenbau-Maserati

Das Wohnviertel, das ich nun die meiste Zeit seit meinem Kommen im Jahre 2004 bewohne, wird im Laufe der Zeit immer kleiner. Schickere Wohnscheiden und Bürohäuser und auch Nobelautohändler knabbern an den Rändern des 70er-Jahresviertels, von dem immer mal wieder ein Häuserblock weichen musste für die neue Bebauung, hier in NeiHu in Taipei.

Wer das Ganze nun wegen der nicht gerade hübschen Bausubstanz als Arme-Leute-Viertel ansieht...

... hier mit neuem breiten Bürgersteig, könnte sich zwar von machen Ecken bestätigt fühlen...

... liegt aber doch falsch.

Diese Viertel sind einfach durch die "Abwesenheit von Architektur" geprägt, wie es mal jemand im Ausländerforum genannt hat. Hier ist das Erdgeschoss schick ausgebaut und der Eigentümer parkt öfter mal einen Maserati, manchmal einen Ferrari und immer einen Mercedes neueren Baujahres dort. Keine fünfzig Meter weg von der Ecke mit der Müllsammlerin, wie neulich beschrieben. Grenzwertig arm und reich eng zusammen.

Blick in eine offen stehende Garage irgendwo in der Gegend. Möglicherweise werden hier die Fahrzeuge für die Nobelautovertretung gewaschen. Meist sieht man zwar japanische Mittelklassewagen in Taipei, aber auch bei uns im Viertel fehlen auch europäische Karossen nicht - eher die großen als die kleinen. Also keine Hemmungen beim Kauf von Zeug aus Taiwan, die kaufen auch genug Autos aus Europa.

Mittwoch, Dezember 25, 2013

Einfach ein paar Fotos aus den Bergen

Mehr Fotos nachgereicht zum Ausflug nach Nantou, in der Gegend dort jedenfalls.

Kurz angehalten für ein schnelles Foto. Leise! Junior schläft im Kindersitz. Ländliches Mitteltaiwan, nett. So ganz anders als Taipei.

Blick in die Ferne vom Hotelbalkon

Schafe im Foyer eines anderen Hotels, die sind in der Gegend die große Attraktion sind. Im Jahre 2006 hatten wir den örtlichen Schafs-Abenteuerpark besucht (http://osttellerrand.blogspot.tw/2006/05/jesus-lives-he-preaches-in-taiwan.html), diesmal war der Besuch wegen der gerade neu nach Taiwan gekommenen Tollwut (Taiwan war bis vor kurzem tollwutfrei, ist es jetzt nicht mehr) gestrichen. Tollwütige Schafe sind sicherlich ein grauenhafter Gedanke, ebenso wie solche mit Jacken und Hosen wie im Bild.

Für die Weitenangst meiner Frau, die sie offenbar hat, war der Blick nicht ganz das ideale, aber sonst nett.

Nervig das Hotelfrühstück, es gab Toast mit klebriger Erdnussbutter (die wenig leckere Buffetvariante) und chinesisch-traditionellen "Jo" (wie immer man das schreiben mag), also Reisbrei mit gekochtem Salat, Nüssen und allerlei teils scharfen Kleinbeigaben. Nicht so das Wahre für mich, abel auch nicht weiter schlimm. Wenn sie wenigstens Kaffee gehabt hätten, aber never mind, dünner Tee war auch ausreichend.

Nebel gab es auch manchmal...

Taiwanische Pensionen haben manchmal europäischen Stil; hier netter Blick ins neblige Tal.

Der Buddha im Hotelfoyer inspiriert zu ruhiger Fahrweise, trotz hektischer taiwanischer Serpentinenraserei.

Ha! Da haben wir ein schönes Beispiel für den unterschiedlichen Blickwinkel von Langzeitexpat wie mir und Kurzzeitbesucher Taiwans, wie er in der letzten Zeit hier im Blog in den Kommentaren offenbar wurde. Der Kurzzeitbesucher sitzt gemütlich im Reisebus und wird gefahren, während der Langzeitexpat am Steuer seines Autos sitzt und den Reisebus hupend auf der Stoßstange kleben hat vorm Abgrund am Bergtale. Dann ist der Langzeiter vom Verkehr genervt, während der Kurzzeittourist die Aussicht genießt.

Der Kurzzeiter denkt auch: "Oh Reisbrei, wie interessant!", während der 10-Jahres-Taiwaninsasse denkt: $%&§@# !!!

Newbies lesen vor Kommentieren bitte erst mal die Einführung zum Blog vorm Kommentieren, danke.

Dienstag, Dezember 24, 2013

Tod vor der Haustüre

Taipei hat viele ältere Leute, vorwiegend Frauen, die ihre oft nicht vorhandene Rente mit Sammeln von Recyclinggütern aufbessern, siehe auch Vorbericht hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/mullverwertungsplatz-in-taiwan.html. Eine solche Müllverwerterin hatte ihr inoffizielles Geschäft auch direkt vor meiner Haustür, wie man in dem folgenden Foto sieht:

Hier ist der Großteil des Mülls schon abtransportiert - die Dame bringt normalerweise ihre Pappkartons, Flaschen und Dosen mit dem im Bild zu sehenden Handwagen zur Sammelstelle, aber manchmal kam ein LKW, so viel Zeug hatte sich im Kurvenbereich angesammelt. Der wilde Recyclingplatz fand im Wesentlichen im öffentlichen Verkehrsraum statt und nahm manchmal einen Großteil der Straßenbreite ein, so dass PKWs manchmal nicht durchfahren konnten. Ich selbst habe auch schon mal die Bodenfreiheit meines SUVs ausgenutzt und bin geländemäßig über ihren Kartonberg gefahren, einfach um einen langen Umweg zu vermeiden. Dass keine Missverständnisse aufkommen, dies ist keine Beschwerde, sondern soll nur das Umfeld der Müllverwerterinnen aufzeigen inklusive der Platznot unter der sie arbeiten. Ein Ordnungsamt im deutschen Sinne, das einen illegalen Recyclingbetrieb im öffentlichen Verkehrsraum stilllegen würde gibt es hier nicht. Und wenn mich auch ihr Flaschengeklirr manchmal wochentags um 1 Uhr morgens aus dem Schlaf holte so dachte ich mir doch stets, dass die alte Dame hier ältere Rechte hat am Orte, wo ich sowieso ein Fremder bin. Mir fiel freilich oft auf, wie gefährlich der Job für die alten Leute ist. Denn wenn sie nachts die Kreuzung im Bild mit Kartons vollgestellt hatte und selbst dunkel gekleidet dazwischen herum lief und ohne zu gucken auf die Fahrbahn trat, während gleichzeitig Autos durchfahren wollten, ergab sich schon manchmal plötzliches Bremsen und böses Gehupe der Autofahrer. Auch der Transport des Mülls zur ca. 2 km entfernt liegenden Verwertungsstelle (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/mullverwertungsplatz-in-taiwan.html) mit dem Handwagen durch die vollen Straßen ist nicht ganz ohne. Gefährlicher ist aber sicher das nächtliche Sammeln mit unbeleuchtetem Handwagen - denn die Damen sind in dunklen Gassen kaum zu sehen durch die getönten Scheiben der Autos hier.

Neulich hatten Frau, Junior und ich einen Trip nach Mitteltaiwan unternommen. Da haben wir bei einem Unternehmen bei Taichung unser neues Auto mit einem Kamerasystem (ähnlich Blackbox) ausstatten lassen und als wir im Warteraum saßen, da flimmerte über den Fernsehschirm plötzlich mein heimatlicher Straßenzug (gleich fotografiert, aber noch in der Kamera). Ein unglaublicher Zufall! Wieso zeigen die meinen Wohnblock im nationalen Fernsehen? Die gruselige Antwort folgte sogleich: Die Dame war angefahren worden bei einer nächtlichen Müllaktion und lag im Koma, mittlerweile soll sie verstorben sein. Und irgendwie fehlt jetzt was an der Straßenecke. Ich erinnerte mich noch, neulich durch lautes nächtliches Geschrei und Gerufe geweckt worden zu sein, bin aber sofort wieder in den Schlaf gefallen. Ob es damit in Zusammenhang stand, weiß ich natürlich nicht.
Ich gebe zu, Müllberge wie der ihrige verschönern die Gegend nicht gerade, aber die Leute machen es ja nicht aus Spaß an der Freud und die Gefahr beim nächtlichen Werken ist offenbar groß.

***

Zum Verständnis: Dies ist keine Beschwerde, keine Wertung. Hier wird nur ein Teil des Lebens Taiwans geschildert, das einem so oft entgeht, wenn man nur an Computer oder das Hochhaus 101, Tempel und tolles Essen denkt. Die Dinge sind wie sie sind und wenn sie vor meiner Haustür stattfinden, schreibe ich halt drüber. Wen dieser Bericht verstört, der möge erst mal die Einführung zum Blog lesen vorm Kommentieren, danke.

EDIT: Leider keine schöne Geschichte zu Weihnachten, die sich dieser Tage vor meiner Haustür zugetragen hat.

Hinweise:

1) Mittlerweile hat Taiwan eine Rentenversicherung. In früheren Jahren gab es die aber nur für Angehörige des öffentlichen Dienstes inklusive Militär und deren Witwen. Die ältere Dame im Bild wird also vermutlich keine gehabt haben, sonst hätte sie den Job wohl nicht gemacht.

2) Taiwan hat eine günstige gesetzliche Krankenversicherung

Montag, Dezember 23, 2013

Kurzzeitige Blogabschaltung / Special Interest - Blog

Liebe Leserinnen und Leser,


für kurze Zeit war das Blog mal wieder Offline. Grund waren teils recht heftige Reaktionen um den Beitrag um den Kinderzahnarzt (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/12/kinderzahnarzt-revisited.html), Das Abschalten diente letztlich auch dazu, Ruhe einkehren zu lassen, da mir die Lust fehlte, die Stimmung so weiter eskalieren zu lassen. Merkwürdigerweise schienen auch die negativen Kommentare nicht unbedingt mit den Beiträgen in Zusammenhang zu stehen. Zu-viel-Zeit-an-den-Feiertagen - Syndrom, denke ich mal ;-)
Nicht alles ist mehr in den Kommentaren zu lesen; eher negative Beiträge von einem Poster (mit weihnachtlichem User-Handle) sind erst gar nicht erschienen. Leider wurde ich auch gebeten die sehr konstruktiven und netten Postings eines anderen Users zu entfernen, die ein Verlust für das Blog sind. Daher lesen sich die Kommentare jetzt vielleicht etwas zusammenhanglos - das nur als Hinweis, wenn sich jemand wundert, wieso Kommentar-Postings fehlen.

Ein Grund für die bisweilen komische Stimmung dürfte auch das Erreichen der 400-Leser - Marke für einen Beitrag an einem einzigen Tag gewesen sein. Wenn dieses auftritt, kommt Mainstream-Publikum ins Blog, das einen politisch korrekten Reiseblog oder desgleichen hier erwartet. Bei diesem Blog hier handelt es sich allerdings um einen Special-Interest - Blog, der sicher nicht die Erwartungen von jedermann erfüllen kann. Hier berichte ich aus einer persönlichen Sichtweise heraus in einem bisweilen satirischen Stil. Wer anderes erwartet kann hier auch gerne kurz seinen Unmut in Kommentaren veröffentlichen. Wenn aber jemand merkt, dass ihm dieses Blog ganz und gar nicht zusagt dann kann ich nur empfehlen, woanders weiter zu lesen. Ein Special-Interest - Blog ist nun mal nicht für Jedermann.

Heraus gekommen in der Diskussion ist auch, dass meine Erfahrungen als Langzeit-Expat in einer fremden Kultur, nunmal nicht übereinstimmen mit den Ansichten von Taiwan-Neulingen oder Leuten, die etwas von Taiwan gehört haben, es aber noch nicht selbst besucht haben. Das ist ein ganz natürlicher Blickwinkelunterschied, der so auch nicht auflösbar ist. Ich weise hier nochmals auf den Umstand des Kulturschocks hin, der sich erfahrungsgemäß in mehreren Phasen äußert, die im Ausländerforum (dessen URL ich hier aus Google-Transitätsgründen nicht posten will) so formuliert worden sind:

1.) Glorifizierung: Urlauberblick, rosarote Brille. Alles ist toll, neu und interessant. Dauert bis zu 3 Monate Aufenthalt. Taiwan ist ja auch wirklich ein tolles Gastland!

2.) Hassphase: Übertriebene Ablehnung des Fremden, meist ausgelöst durch schlechte Unterbringung (Stichwort Hauptverkehrsstraße) und höheren Geräuschpegel und wilderen Straßenverkehrs Taiwans neben anderen Phänomenen wie mangelnde Arbeitnehmerrechte/lange Arbeitszeiten oder was auch immer. Die Hassphase trifft nicht alle, aber die meisten und passiert nur, wenn man mindestens 2 oder eher 3 Monate am Stück in Taiwan war. Sicher ist diese Phase für Taiwan "unfair", denn es ist nun mal anders, aber nicht besser oder schlechter als das eigene Heimatland.

3.) Arrangementphase: Über 2 Jahre oder auch später: Man vermeidet Dinge, die einem nicht gefallen, sucht die, die einem gefallen. Rationelles Verhältnis zum kulturell doch sehr fremden Gastland.

4.) Assimilierungsphase: Von manchen auch geistiges Nirwana genannt. Die vorher als negativ empfundenen Dinge wie Straßenverkehr oder Geräuschpegel stören nicht mehr, man denkt eher wie ein Einheimischer. Ab 10 Jahre Aufenthalt.

Unterschiedliche Phasen finden sich sicher auch hier im Blog, man vergebe mir, wenn ich das jetzt nicht klassifizieren will.

Ich verstehe, dass dieses Kulturschockphänomen für nicht langzeitauslandsferfahrene Leser vielleicht unbegreiflich ist und kann dann nur um ein bisschen Toleranz für den Umstand erbitten, dass ein 10-Jahres-Expat eben andere Erfahrungen macht und andere Alltagsprobleme hat als ein Leser, die nur mal kurz im Ausland war. Diese Erklärungen auch bitte nicht wieder persönlich nehmen ;-)

Und jetzt viel Spaß beim Lesen. Oder wenn der ausbleibt.... es gibt ja genug andere Webseiten.

Und jetzt hier bitte keine Neudiskussion des Zahnarztartikels, wenn dann beim Artikel kommentieren und vielleicht den Artikel wirklich lesen, bevor man schreibt. Und lieber kurz und sachlich. Danke!

"Ludigel"

Nun allen ein Gutes Neues Jahr und ein Frohes Fest!



 Weihnachtsbaum vor einer Kirche in NeiHu, vom letzten Jahr (ich brauche manchmal etwas länger für die Fotosichtung)

Montag, Dezember 16, 2013

Neue Kommentarregeln (Update)

Ein Service Ihrer Kommentarfee


Kettenpostings (also mehr als 2 Kommentare hintereinander ohne eine Antwort von einem anderen Kommentator oder dem Blogautor dazwischen erhalten zu haben): werden i.d.R. auf 2 Postings max. gekürzt um eine Diskussion zu ermöglichen.

Kommentare mit zu vielen persönlichen Bezügen zu mir, ob real oder fiktiv, werden nicht freigeschaltet, ich bitte um Verständnis dem Google-Cache halber.

Edit: Kommentare, die den Anschein erwecken, andere Kommentatoren zu karikieren (im Sinne einer böswilligen Imitation), werden nicht freigeschaltet.

Die neuen Regeln zielen auf niemanden direkt ab, das sei nochmals versichert. Oder eigentlich schon, nämlich auf mich als Blogautor, weil ich ja das alles lesen und moderieren muss ;-)

Freitag, Dezember 13, 2013

Watch it, Chorcho !

Above Taipei City. And below an older shot, a wee bit dramatized


Expathilfen

Als Auslandsdeutscher weiß man expatfreundlichen Service zu schätzen. So trieb mich etwa einst meine E-Plus Handynummer in den Wahnsinn, weil der Vertrag ständig 10 Euro im Monat kostete und ich ihn schließlich gekündigt habe. Wenn man nicht mit telefoniert ärgert einen die Summe doch. Auch wenn ich so meine tolle Nummer aus der Frühzeit des Mobilfunks losgeworden bin, die irgendwie 332 X 332 (verfremdet mit X) lautete oder irgendwie so. Bitte nicht wählen oder von mir aus doch, ist ja nicht mehr meine. Eine Tchibotelefonkarte gab schnell ihren Geist auf wegen Nichtbenutzung: Der Tchibomann beschlagnahmte einfach mein Guthaben. Ein Blogleser hatte mir dann den Tipp gegeben, es gäbe für Expats günstige Tarife ohne monatlichen Telefonzwang, etwa von O2, wenn ich mich recht erinnere. Auf der Suche danach bin ich dieses Jahr dann bei Blau.de hängen geblieben. Dort habe ich für 15 Euro eine Karte erworben, hatte damals auch 15 Euro Guthaben und dieses gilt für 12 Monate. Danach verfällt es zwar, aber wenn man online einfach wieder 10 Euro drauf bucht, gilt dann das Gesamtguthaben wieder für 1 Jahr. Sehr praktisch, auch meine handyabstinenten Eltern habe ich mit einem solchen Vertrag versehen, neben altem für 7 Euro gekauften Motorola-Handy.


Mir selbst habe ich für meine deutsche Karte auch noch eines für 7 Euro erstanden. Hübsch sind beide, mit Sprung in der Frontverkleidung. Meines hat, wenn mit der deutschen Karte betrieben ein ansprechendes WALLpaper. As in Berlin-Wall. Berliner Mauer.


Das Foto ist selbst aufgenommen in den 80ern, der Ballon stammt allerdings aus einem taiwanischen Einkaufszentrum, wo er vor einer venezianischen Fassade schwebte. Ob ich mir damals hätte träumen lassen, dass mein mit einer noch weitestgehend mechanischen Minolta XD-7 auf chemischen Film aufgenommenes Foto einst auf einem Hostentaschentelefon als Hintergrundbild mit einem taiwanischen Ballon drauf enden wird? Tja, wer weiß. Und ich hätte die Kamera gerader halten sollen, wie mir gerade auffällt. Oder die Mauer ist schief gewesen. Im Foto ist das Handy natürlich mit TW-Mobile verbunden, weil nicht in Deutschland.

Um deutsche oder europ. Waren nach Taiwan schicken zu lassen, eignet sich ein Mailforward-Service wie zum Beispiel mailboxde.com, wo ich jetzt gerade die erste Lieferung erwarte. Die Forwardkosten für einen in Deutschland bestellten Babykindersitz betragen: 76.04 Porto für den Sitz (über 7 kg) und 6.80 Bearbeitungsgebühr, Versand in verschiedenen Alternativen, dies hier ist DHL mit Tracking. Die Isofix-Basis kostet noch einmal ähnlich viel im Versand. Man muss vorher sein Guthaben z.B. per Paypal oder Kreditkarte aufladen und muss dann noch einmal Gebühren dafür abdrücken. Für eine Guthabenaufladung von 180 Euro haben sie 11 Euro und 12 Cent genommen - die müssen auch leben.
Scheint gut zu klappen, das Paket ist schon in Frankfurt nach 3 Tagen. Zu beachten ist, dass man dem Lieferanten eine Mailboxde.com-Adresse mit ID-Nummer angibt, was manchmal etwas gequält in die Adressformulare passt, aber es geht. Nur wenige Lieferanten verweigern wohl die Lieferung an so einen Forwardservice.

Donnerstag, Dezember 12, 2013

Kinderzahnarzt revisited

Mit E.T. und Darth Vader im Wartezimmer

Taiwanische Zahnärzte haben ja oft einen umgebauten Supermarkt oder dergleichen als Praxis, man sieht durch die Schaufensterscheiben keine Getränkekisten oder Reissäcke, sondern Behandlungsstühle. Privatsphäre gibt es selten, meist kann zumindest der Leidensgenosse im Nachbarstuhl sehen was vor sich geht oder gar die ganze Straße. Auf seine gesetzliche Krankenversicherung, die hier jeder haben sollte und die auch fast jeder hat, kriegt man alle Vierteljahr einen Gratischeck.

Räumlich ganz anders ist es freilich bei Dr. Tchaou. In Dr. Tchaou's Dental Clinic For Children (http://www.happyteeth.com.tw/about01.html) sorgt dieser nette Herr hinter Glas dafür, dass den Kindern jedwede Behandlungsängste genommen werden. Nicht alles ist in der Praxis (im westlichen Sinne, also kein Ladengeschäft) so bedrohlich wie der lebensgroße Herr in der Vitrine.

Jede menge sicher sündhaft teure Star Wars - und sonstige Kinodevotionalien warten in der Praxis. Vieles ist spielbar, das sündhaft teure wie hier der grüne Meister Oberzahnarzt mit Lichtschwert ist hinter Glas.

Der Behandlungsraum hat eine Tür, ist also hermetisch abgeschlossen vom Wartezimmer. Nur dieser zweite Behandlungsplatz, der aber offenbar nie benutzt wird, wäre mit verrenktem Kopf vom abknickenden Wartezimmer aus einsehbar. Das Wartezimmer ist ein richtiges Kinderparadies mit X Stofftieren, Spielzeugautos und allerlei anderem Zeug.

Der Frontdesk ist in Form eines Piratenschiffs gestaltet, hier im Hintergrund zu sehen. Ein etwa hundegroßer Saurier (den Junior als "Wau-Wau" titulierte) lädt zum Spielen ein.

Erst dachte ich, die Behandlung sei hier sehr teuer, weil meine Frau anfangs mehrere Tausender (Taiwandollar: 1000 NT sind etwa 20 Euro) hingeblättert hatte. Aber das war eine optionale Zusatzbehandlung, die die Kasse nicht übernimmt. Eine Zahnschmelzversiegelung, wenn ich das richtig verstanden habe. Ansonsten zahlt man hier nur die Praxisgebühr, wenn die Kasse die Leistung trägt. Die Praxisgebühr beträgt jetzt wohl bei Fachärzten 200 NT beträgt, sonst 150 NT (denke ich).

Zahnersatz zahlt man in Taiwan selbst, ich weiß gar nicht, wie das jetzt in Deutschland ist. Dr. Tchaou hat in den USA studiert, sagte meine Frau, kommuniziert mit uns (will sagen Frau) auf Chinesisch.

Kinder werden sehr nett und schonend behandelt. Als Junior dann auf einer Art Gummiliege lag und seine Beißerchen angeguckt bekam, ging sein Blick automatisch hoch zur Glasvitrine...

 Da wirkt so ein Zahnarzt sicher vergleichsweise harmlos und die Kinder können bei diesen (Action-Man-großen) Figuren entspannen. Und sich sagen...

...MIR geht es vergleichsweise gut. Das arme Alien hier im Bild hat ja gleich den halben Kopf verloren.

Mittwoch, Dezember 11, 2013

Taiwanisches Festessen

Fotos sagen mehr als tausend Worte

Wegen der Diskussion zum taiwanischen Festessen - und ob ich dies nun hätte essen sollen statt einem Mos-Burger vom Japan-Fastfood-Schuppen (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/12/erster-witz-mit-junior-gelungen.html) möchte ich ein paar Bild vom Festessen einer Betriebsfeier neulich nachreichen. Taiwanisches Festessen ist bei vielen Ausländern gefürchtet und ich nehme mich da bestimmt nicht aus. Die hier gezeigten Fotos von einem Betriebsfetenessen sind ähnlich einem Hochzeitsessen (s. verlinkter Artikel), aber nicht ganz so aufwendig.

"Ein Schiff wird kommen" war das Lieblingslied meiner Lieblingtante, was mit diesem Essen eher wenig zu tun hat. Abgesehen davon, dass es hier angekommen ist. Das mit weißer Soße versehene war ein sehr fettiges Fischfleisch nach Art von gekochtem Schinken, das mir zu talgig war, als dass ich es hätte essen wollen. Sonst haben wir rechts irgendwie Fischpressfleisch zu einer Art Wurstscheiben auf Salat und sonst fischige Irgendwasteile auf Salat. Auf Hochzeiten hat man kein Boot, sondern noch ein paar meist schlunzige Fleischscheiben oder Hühnerfleischscheiben nebst nackter rosa Haut scharf eingelegt. Ich reiße mich wahrlich nicht darum.

Wenn man Badeurlaub macht, sieht man manchmal schwarze Würste am Strand angespült. Dieser Wurm (?), der Bratwurstformat hat, ist wohl auch eine Delikatesse und kam auch beim Hochzeitsessen vor. Er gehört auch zum Standardessen bei den maritimen Gruppenurlauben der Taiwaner, wo es ihn IMMER gibt, mit einem Krebs-auf-Salat - Essen anbei. Ich esse keine schwarzen Würste, die irgend jemand am Strand fallen gelassen hat. Das gallertartige Aussehen dreht mir ehrlich gesagt den Magen um.

Auf Hochzeiten ist das appetitlicher aufbereitet, da thront dann der Krebs auf Salat und Reis gibt es nicht. Denn desto weniger füllender Reis, desto höher angesehen ist das Festessen. Ich gehe bei solch harter Kost ungern bei und gebe zu, dass mich das Aussehen des Getiers ekelt und an John Carpenter-Horror erinnert. Sie wissen schon, wo dies Krebs-Aliending aus dem Schlittenhund springt. Wie dem auch sei, wenn ich mir tatsächlich etwas von dem zarten Fleisch innen frei lege, schmeckt es sehr gut, das gebe ich gerne zu. Der Reis hier ist mit einem sehr muffig schmeckenden Gewürz versehen, das ich absolut nicht mag.

Hier nimmt man die Teigoblade, füllt sie mit Brokkoli, scharfer Soße und einem Löffel Reis mit dran geschnittenen Krabbenfleisch. Ich habe einen Widerwillen gegen penetrant fischigen Geschmack, weil ich ihn seit früher Kindheit mit verdorbenem Essen assoziiere. Verdorbenes Fleisch etwa nimmt ja einen fischigen Geschack an. Möglicherweise resultiert meine Abneigung gegen Fischiges aus einem kulinarischen Unfall zu Kindertagen. Ich habe also die Obladen ohne den Krabbenreis genossen. Auf einer Hochzeit hätte man eher Entenstücke als Füllung, was recht gut schmeckt, aber nur selten gereicht wird.

 Richtig fanatisch stürzen sich Taiwaner auf solch ein zerkochtes und mit mediziartigen Kräutern eingelegtes Huhn. Der dunkle Suht der die Lebenskraft des Huhnes enthalten soll, soll insbesondere gegen Erkältung helfen und zumindest Varianten dieses Essens gibt es auch als Viagra ersetzenden Fruchtbarkeitstrunk - dann allerdings mit fischigen Beimengungen (getrocknet), u.a. einem traurigen getrockneten Seepferdchen. Die Hochzeits- oder Festsuppe natürlich ohne solche anrüchigen Zusätze. Schmeckt ölig medizinisch.

Dies hier hingegen: Wenn ich mir die Mühe mache, über die Verpackung hinweg zu gehen, schmeckt es meist sehr gut. Gesättigt von zwei HotDogs habe ich dann freilich drauf verzichtet. Gut, die Lösung wäre sicher, nur eines der Hot Dogs zu essen, so die ersten Gänge überbrücken zu können um dann die für mich genießbaren Sachen auch "mitnehmen" zu können. Bei dem Anblick hier tut mir meine heiße-Hunde-gesättigte Abstinenz schon Leid. Ganz anders als bei den schwarzen Würmern vorher.

Ich finde es ekelig mit anzusehen, wie die ganze Runde dann so einem Fisch mit ihren Stäbchen in der Seite herum wühlt um an das Fischfleisch zu kommen, deshalb bleibe ich da auch von, auch wenn der Fisch, einmal von der silbrigen Haut partiell befreit, gut schmeckt.
Fleisch, wie hier Schwein am Knochen, wird auch immer gereicht. Hier ist es ziemlich fettig und schlunzig, auf Hochzeiten hingegen eher trocken. Immer süßlich. Man kann das essen sicherlich, ich vermeide es meist.

Hinterher noch ein paar Süße Gallertbällchen, die schmecken ganz gut und dann wie immer Melone und Orangen. Fertig ist das Festessen.

So, jetzt ran an den Herd und zu Hause nachkochen. Diese großen Nacktschnecken, die über den Fahrradweg kriechen kann man bestimmt einfangen. Bin ich mir sicher.

Ich bin halt von den Speisen und teilweise der Verzehrart wenig begeistert, das gebe ich gerne zu. Taiwaner mögen es mir vergeben, wir kommen halt nicht aus der selben gewürzten Ursuppe. Oder aus unterschiedlichen Ecken der selben.

Montag, Dezember 09, 2013

Fröhlicher Roller (UPDATE)

Neues Auto kommt morgen. 

Zu Autos baue ich immer eine emotionale Beziehung auf, weil man sie eben so lange und so eng um sich hat, dass sie zu einem gefühlten Familienmitglied werden. Nur einmal habe ich meinen fahrbaren Untersatz abgrundtief gehasst. Das war ein kleiner Suzuki "LJ", also ein Mininachbau des alten US-Jeeps. Ich hatte ihn nach einem gescheiterten Investment in jugendlichen Jahren von einem dubiosen Autohandelsding bekommen. Das "Autohandelsding" bestand also aus mir und einem guten Freund damals, ein früher unternehmerischer Versuch, der völlig aus dem Ruder lief, als mein Compagnon den Garagenhandel mit Teppichboden, Vorzimmer und Sekretärin ausstatten wollte. Bei genau einem verkauften Auto und einem Profit von 500 Euro oder so eine abenteuerliche Perspektive. Hätte er ja auch ins Café gehen können und vielleicht dort eine Sekretärin kennengelernt. Ich drückte den Notaus, hatte am Ende diesen kleinen roten Jeep, den ich dann sogar verkauft habe. Und mir geschworen habe, nie wieder etwas in dieser Branche zu machen. Gut für mein Gewissen war, dass der Käufer sich mir gegenüber als (freilich sehr junger) Kfz-Mensch zu erkennen gab. Obwohl es wahrscheinlich nur ein rethorischer Kunstgriff seinerseits war, hat er doch das furchtbare Auto tatsächlich gekauft, trotz Probefahrt. Mein Gott, dass ein Auto so klappern und scheppern kann beim Fahren, das hätte ich nicht gedacht.

 Wie chinesisch ist ein Volvo heutzutage?


Never mind, um den Eljot soll es hier nicht gehen. Unser alter Nissan X-Trail hingegen war mir u.a. wegen einer jahrelangen Zuverlässigkeit ans Herz gewachsen; Qualität made in Taiwan (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/abschied-von-einem-freund.html).

In der engeren Wahl standen nun nur Fahrzeuge mit ISOFIX-Kindersitz und hervorragendem Abschneiden beim Crashtest - die Mutter meines Sohnes war hier die Schirmherrin der Kaufaktion. Schnell hatten wir zwei Fahrzeuge in der Wahl, beides SUVs, weil uns beim Probesitzen in Limusinen und Kombis grundsätzlich immer die Platzangst überfiel - der Nissan X-Trail hatte uns raumverwöhnt, keine Frage. Einmal ein Subaru Forrester und dann ein Volvo XC60. Der Subaru eher hemdsärmelig daherkommend, ein klassiches Försterauto mit Allrad, merkwürdig aufgepeppt durch blitzende Plastik"metall"beschläge am Kühlergrill. Die Basisversion hätte 150 PS gehabt, aber hier erfolgte gleich die Ablehnung durch meine Gattin, die fasziniert auf die nächste 240 PS-Version guckte. Sehr zu meinem Schrecken, wo soll man denn hin mit so viel Pferden, dachte ich mir. Bei der kleinen Insel. Dank mehr oder minder zugelaufenem Fremdbudget zogen wir das Autochen dann in die engere Wahl. Bei der Probefahrt um den Block in Taipei hing der Geländewagen dann wie ein Sportwagen am Gas, der Förster wollte geschwind wie ein Fuchs durch die Gassen von Taipei rasen, keine Frage. Einen Diesel hätte es auch noch gegeben, aber Foreneinträge über jährlichen Batteriewechsel in Taiwan ließen uns Abstand nehmen vom Schwerölverbraucher.

Wenn man unten drunter guckt...

Im Vergleich der Volvo mit gleich starkem Motor, beide Autos haben einen 2-Liter-Turbo mit 240 PS - da schreiben die Hersteller voneinander ab. Der nur frontgetriebene Volvo fuhr sich vergleichsweise moderat, man merkte ihm die vielen PS kaum an, was wohl am Antschlupf und fehlender zweiter Antriebsachse lag. Tritt man beim Frontantrieb wie ein Irrer aufs Gas, geht der Wagen vorne hoch und kann nicht so viel Kraft auf die Straße bringen. Statt durchdrehender Reifen gab es im Volvo nur das souveräne Fehlen der Antriebskraft dank Antischlupf und er fuhr sich wie mein alter 150-PS-Nissan. Nur wenn man, einmal in Fahrt, das Gas stärker drückte, bemerkte man die üppigen Pferdchen im Hintergrund. Von der Anmutung des Innenraums machte der Volvo auf vornehm, die Materialanmutung verhieß ganz klar Premiumklasse. Auch äußerlich verzichtete der Volvo auf billig wirkenden metallfarbenen Kunststoff. Will sagen, sein metall farbener Kunststoff wirkte nicht so billig, wenn er auch sicher vorhanden war. Ach ja, gegen deutlich Aufpreis hätte es noch eine Dieselversion gegeben, aber die war wegen Budgetüberschreitung dann auch gleich ausgeschieden von Anfang an.

... steht "Made in China" drunter. Und dass man keine Kleinteile verschlucken soll. Jedenfalls bei der 1:48-Version

Trotzdem war es ein hartes Rennen bei der Kaufentscheidung der um Juniors Sicherheit besorgten Ehefrau und Ludigel. Ausschlag gaben dann Horrormeldungen in Taiwanforen über öltropfende Subaru-Benzinmotoren. Offenbar ist es eine typische Eigenschaft eines Boxermotors, wie im Forrester verbaut, ständig etwas Öl abzutropfen. Wogegen Subaru eine Auffangpfanne mit einem saugfähigen Material unter dem Motorblock befestigt hat. Fotos von einem sein gesamtes Öl abscheidenden Forrester in Taiwan (da half auch die Ölwindel nicht mehr) gaben dann den Ausschlag für den Volvo.

Erwähnt man einen Volvo sagen alle Leute reflexartig "China". Ein Chinese sei ein Volvo, kein Schwede mehr. Als etwa meine Frau eine Bekannte, die mit einem Schweden verheiratet ist, leichtsinnig damit konfrontierte, wir würden jetzt einen Volvo bekommen, entfuhr es ihr sofort unter abwinkender Geste und rotem Kopf: "Ach, das ist doch ein Chinese!". Grund für die gedankliche Sinofizierung ist der Umstand, dass der chinesische Hersteller "Geely" das Unternehmen Volvo gekauft hat. "Geely" soll auf Mandarin "fröhlich" heißen, womit sich auch schon die Überschrift dieses Artikels erklärt, soll doch "Volvo" wohl für "ich rolle" stehen. Nun, der XC60 basiert auf der Ford Focus-Plattform, die damals in Köln entwickelt worden ist und wird in Belgien aus schwedischen Teilen gebaut. Aber irgendwo sind wir heute alles Chinesen, ich will mich da gar nicht mehr ausnehmen mit Wohnsitz in der Republik China.

Wird der Schwede (unser Auto, nicht der Gatte der oben erwähnten Dame) nun das feuchte taiwanische Klima vertragen? Oder sind seine Hohlräume einer guten Ökobilanz zu liebe mit biologisch abbaubarem Knäckebröd gefüllt, das an der feuchten Luft Taiwans verrotten wird? Das alles wird die Zukunft zeigen, der ich kaum bang (ohne Oluffsen, das wäre dänisch), entgegen sehe. Man kann einen Volvo jedenfalls aus mehreren Metern Höhe fallen lassen, ohne dass er kaputt geht. So sagte uns ein volvobegeistertes Familienmitglied. Jedefalls wenn es ein alter 80er-Jähres-Volvo ist. Mit unserem kölner Chinesen machen wir das lieber nicht. Wer es zu hause ausprobieren will: Man kann für den Volvosturz etwa einen Autoparkplatzlift und ein Erdbeben zu Hilfe nehmen.

UPDATE: Frau hat mal in der Taiwanfamilie herum gefragt was die  Leute so an Erfahrungen mit europäischen Autos hatten. Stand der Dinge wie unten:

Volvo (wohl 80er-Modell in den 90ern): "unkaputtbar", s.o., nie was dran gewesen außer dauerdefekter Klimaanlage, was dann der Abstoßungsgrund war. Eigner sind danach auf Mitsubishi und Ford und jetzt Toyota umgestiegen.
Außerhalb der Familie: Ein XC60 mit Diesel und 4WD läuft seit 3 Jahren ohne Probleme, braucht allerdings jährlich eine neue Batterie und ist im 3. Jahr deutlich am Nageln.

BMW: einer irgendwo bei Onkelchen in der Familie, "immer irgendwas dran gewesen", will keinen mehr haben. Ein weiterer Verwandter (525i, Baureihe E39) hat zwar ein langes Autoleben mit viel Stadtverkehr in Taipei gehabt (bis über 210.000 km), hatte aber auch immer irgendein Wehwehchen und hat die Werkstadt entsprechend oft gesehen. Der Fahrer hat derzeit einen X5 35i, der gerade zum Verkauf steht, weil er einen (nicht genannten) Defekt hat obwohl erst etwa 2 Jahre alt.
Einen BMW 740iL oder dergleichen hatte der X5-Besitzer früher auch noch, der lief wohl ohne Probleme. Allerdings klagte der nicht arme Mann über hohe Wartungs- und Ersatzteilkosten bei BMW, die sich in Taiwan wohl teuer positioniert haben am Markt.

Opel: Der 90er-Jahes Astra meiner Frau hatte immer Temperaturprobleme, Motor drohte zu kochen. Laut Werkstatt ein nicht kurierbares Problem, weil der Opel halt nicht für das Klima gebaut sei. Ein Neuwagen war das, der schnell abgestoßen wurde.

Audi: Der Audi S8 des dreifachen BMW-Besitzers von oben (er hatte den S8 neben dem X5, den 525i oder 740iL hat er nicht mehr) ist gerade durch einen Porsche ersetzt worden. Weil der S8 eine Sportlimusine ist (die Upgradeversion des A8) bin ich mal gespannt, ob er sich den Porsche Panamera geholt hat ;-) Wie dem auch sei, der Audi S8 hatte einen Getriebeschaden (kann auch die -autom.- Schaltung gewesen sein) nach etwa 3 Jahren oder so und wurde deshalb verkauft. Der Wagen hat größtensteils Stadtverkehr in Taipei gesehen.

Mittwoch, Dezember 04, 2013

Anti-Homo-Ehe-Proteste von Taiwans Christen und anderen

*** Edit: Illustrationen durch bloginterne Ästhetikkommission entfernt ***


Taiwans gegenwärtige Debatte zur gleichgeschlechtlichen Ehe führte zu Ausschreitungen

Derzeit diskutieren Ausländer in Taiwan viel die Demonstrationen einer Art Aktionsfront gegen die gleichgeschlechtliche Ehe in Taiwan - denn diese befindet sich gerade in der öffentlichen Diskussion. Immer wieder hört man einen Term wie "Vereinigungskirche" oder es ist die Rede von christlichen Gruppen, die sich hier zu der Aktionsfront, die sich offenbar "Happiness of the next generation alliance" nennt, auf Deutsch also etwa "Allianz der Fröhlichkeit der nächsten Generation". In meiner kruden deutschen Übersetzung muss ich da freilich an das Wort "gay" (schwul) denken, das ursprünglich ja tatsächlich "happy" oder "fröhlich" bedeutete. Ein bisschen unfreiwillige Komik hier.


Offenbar kam es bei den Protesten zu einigen hässlichen Szenen, weil die Happiness-Volksfront, der auch nichtchristliche Gruppen angehören offenbar, physisch nicht mit ihnen übereinstimmende Passanten (das Wort "Gegendemonstranten" ist hier wohl zu hochtrabend) hermetisch abriegelten - teilweise soweit, dass diese sich nicht mehr bewegen konnten. Unter den Augen der Polizei (vgl. hier: http://fareasternpotato.blogspot.tw/2013/12/law-enforcement-matters-972-protest.html). 



In der Diskussion im Ausländerforum schlug das hohe Wellen, etwa weil Forenteilnehmer glaubten, unter der Gesichtsmaske einen jungen hiesigen Mann identifiziert zu haben, der auf anderen Fotos von einer bizarren Studentenversammlung in einer nachgemachten SS-Uniform herumläuft. Sind die Taiwaner also ein Land voller intoleranter, bigotter Extremisten?



Ich sage ganz klar nein. Die taiwanische Gesellschaft ist sehr tolerant und in Sachen Gay gibt es keine Verfolgung sondern im Gegenteil offenbar eine florierende Gay-Szene. Ich habe manchem Neuling im Ausländerforum, der nach der selbigen fragte, schon mal den Rat gegeben, hier nicht aus versehen Männer und Frauen zu verwechseln. Aber lassen wir das.

Das die gleichgeschlechtliche Ehe jedenfalls zu einer regen Diskussion in Taiwan führt ist meiner Ansicht nach normal und Ausdruck der offenen Zivilgesellschaft mit ihren Vereinen und Verbänden nebst freiem Meinungsaustausch, den das Land im Gegensatz zum benachbarten China hat. Und die Ausschreitungen der "Happy-Security" haben sich ja gerade noch mal in Grenzen gehalten. Ein Taiwaner, der in einer SS-Unform auf einem Studi-Event herumläuft wird auch wahrscheinlich gar nicht so genau wissen, wofür die Uniform eigentlich steht. Da stößt man hier immer wieder auf große Unkenntnis der Materie und trifft mitunter auf pauschale Anhimmelung von Nazis im Rahmen der Deutschlandbewunderung. Also halb so wild. 

 Junior wollte gleich meinen obigen Versuchsaufbau nachbauen. Muss man doch aufpassen, was man ihm so vormacht.

Montag, Dezember 02, 2013

Erster Witz mit Junior gelungen

Es gibt für alles ein erstes Mal

Samstag Hochzeitsfeier besucht. Kollege hat seine typisch taiwanische Hochzeitsfeier, Details dazu am besten hier nachlesen in diesem informativen deutschsprachigen Blog (http://lindaintaiwan.wordpress.com/2013/11/20/heiraten-in-taiwan/), das auch in der Linkliste ist. Da ich das typische Festessen der Taiwaner hassen gelernt habe (gibberigen Seafood in der Regel) bin ich, obwohl die Fete in einem teuren Grand Hotel mit Ferrari vor der Tür (nicht der des Bräutigams) stattfand, schnell rüber zu "Mos Burger". Eine japanische Fastfoodkette, sie wissen schon, die mit dem großen gelben M ;-) Mit Chickennuggets und Burger nebst Frankfurter am Spieß und Eistee wieder rüber zur Letzte-Phase-des-Lebens - Fete. Die ältere Oberserviererin, die nur dasteht und die jungen Serviererinnen kontrolliert, guckt entsetzt auf meine Fastfoodtüte. Doch bei den Kindern am Tisch bin ich als Chickennugget-Verteiler der Star. Na ja, oder die Nuggets sind der Star. Am Tisch gab es ein Wiedersehen mit P, eine ehemalige Kollegin, die damals in meinem Cubical stand und flötete, ob ich ihr private Deutschstunden geben könne und ich sie (mit vor Schmerz zusammenkrampfendem Herzen) auf meine hinter mir sitzende Gattin verweisen musste. Ein paar scherzhafte Bemerkungen zu ihr gemacht, alle lachen, auch sie. Bei mir ist es die Flasche Bordeaux, bei den Taiwanern die generelle Lebenseinstellung, die lachen oder kichern immer, wenn ich was sage.
P hatte schon so einen Volvo, wie wir uns bestellt haben. Einen SUV mit Allrad und Diesel. Unserer wird aber Benzin haben. Nur Dieselgeräusche macht er zu viel im dritten Jahr, sagt sie und jedes Jahr muss die Autobatterie gewechselt werden. Keine Zote hier zu finden, ich habe "Dieselgeräusche" geschrieben und nicht das Wort mit N, um sie nicht auf eine falsche Fährte zu locken.



P war übrigens in einem sicher vom Teufel selbst geschnittenen schwarzen Nichts zur Feier gekommen; sehr ungewöhnlich der tiefe Ausschnitt. In Taiwan darf Ultramini sogar im Büro sein, aber kein tiefer Ausschnitt, haben mal Expatfrauen im Forum geschrieben. Mir fällt auf, dass P ihren Ausschnitt immer mit einem Unterarm zu hält, wenn sie mit den Damen am Tisch redet, ihn aber frei lässt, wenn sie mit den Herren redet. Körpersprache ist faszinierend, denke ich über dem dritten Glas Bordeaux. Und denke, dass es Zeit ist, den ersten Witz mit Junior zu versuchen. Nun bitte ich die Leserschaft um Verständnis für das tiefe Niveau. Ich meine, Junior ist erst 2 Jahre alt, da wäre sogar ein Scherz auf Grundschulniveau zu hochtrabend. Ich beuge mich also rüber zu ihm im Kinderstuhl und flüstere ich ein chinesisches Wort ins Ohr, aus der Babysprache hier, wie man sie also Kleinkindern gegenüber anwendet und deute dabei diskret auf die junge Dame am anderen Ende des Tisches, die Junior genau gegenüber sitzt. Junior wiederholt das Wort andächtig und starrt der Dame auf ... äh ... starrt die Dame an. Ganz ernsthaft ist er. Dann fällt der Groschen. Er dreht sich zu mir um, wiehert förmlich vor Vergnügen und schlägt mir dann jovial auf die Schulter, ganz wie es ein Kneipenkumpel machen würde, dem man einen gelungen Klopfer erzählt hat. Hat hundert Prozent gewirkt der Scherz - war ja auch direkt auf das Publikum zugeschnitten.

Es war ein tolles Vater-Sohn - Erlebnis, das erste seiner Art!

Bitte? Was für ein Wort ich im gesagt habe? Nein, das kann ich hier nicht verraten. Grundschulniveau hatten wir ja schon öfter hier im Blog, aber es noch zu unterschreiten bringe ich nun doch nicht fertig.

One Man alone


Ohne Worte, Schuss aus Innenstadt von Taipei.


Na ja, fast ohne Worte. Die ganze moderne Glas- und Beton- Innenstadt von Taipei ist in den letzten Jahren enorm ausgebaut worden. Noch 2004 hatte ich den Eindruck, dass das Hochhaus "101" (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/being-green.html) mitten in grauen Schlichthäusern liegt. Heute sieht es dort völlig anders aus und ich lege erst seit kurzer Zeit meine damals zugelegte Innenstadtabstinenz ab und entdecke gerade alles neu, jetzt wo die letzten Baugerüste verschwunden sind...

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Ansonsten: Solidarität mit der Ukraine! Berlin kann auch noch für ein künftiges Euroland mehr bezahlen, keine Frage. Habe gleich aktive Wirtschaftsförderung betrieben und mir ein Shark-Mesh-Uhrenarmband aus der Ukraine bestellt. Immer noch nicht da. Hoffentlich halten die Demonstranten nicht die Postautos auf...
UPDATE: Soeben eingetroffen, Top Mesh-Stahl aus Kharkov, der Industriestadt der Ukraine. Kharkov ist total grün: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Kharkov_Freedom_Square.jpg
Mann, bin ich schon wieder neidisch.

Freitag, November 29, 2013

Possession


A word for collectors of words with four S. And a shot during a recent walkaround in Taipei City.





It's nice to have stuff, ain't it right?



An older shot of the Computex fair got easily adapted for the same theme with a few color alternations:


Abschied von einem Freund

Sniff. Noch mal Sniff.

Dieser Tage steht der Abschied vom Ludigelmobil an. 2005 haben wir den Nissan X-Trail gekauft, die Taiwanversion, mit gegenüber der Deutschlandversion veränderter Schnauze (Kat und Nebelschlussleuchte oder Airbags hat er auch nicht) und geändertem Innenraum. Mit Kunstholz, Häkeldeckchen und Leder im Innenraum. Und vieler kleiner, etwas nervig zu bedienender Tasten statt der Drehschalter, die ich mal in einem deutschen Pendant gesehen habe.


Der made-in-Taiwan Nissan, hergestellt hier aus japanischen Teilen (denke ich) von Yuelong (Yulong) als Partner von Nissan, war das beste Auto, das ich je hatte. Im Gegensatz etwa zu den von mir gefahrenen 80er-Jahres BMWs und den 90er-Jahres Mitsubishis (BMW 525, 318i und Mitsubishi Spacewagon erste und zweite Generation) etwa bremste er zuverlässig, auch bei nasser Straße und hohem Speed, ohne dabei Schlingerbewegungen zu verursachen. Auch die Seitenwindempfindlichkeit des Nissan war niedrig, gerade im Vergleich zu den Mitsubishis, die schon schlingerten, wenn ein Hase am Autobahnrand Blähungen hatte. Jetzt, in unserer letzten gemeinsamen Woche, hat er 210.000 km auf der Uhr und fährt sich mit seinen neuen Stoßdämpfern (bei 185.000km) wie ein Neuwagen. Ärger hat er selten gemacht. Bei 85.000km war plötzlich die Lichtmaschine kaputt. Weil ich vorher die Batteriewarnleuchte eine Woche lang ignoriert hatte, blieb er dann kurz vor der Heimatauffahrt stehen. Als wir dann von Nissan zu kleinen schmuddeligen Werkstätten auf dem Lande in Jhongli/Zhongli gewechselt hatten, wo die Spezis ihr ölverschmiertes Werkzeug zwischen Unrat auf dem Boden aufbewahrten, hatte er einen klingelnden Motor, manchmal schleifende Bremsen und extremes Bremsfading. Alles das verschwand allerdings, als wir wieder nach Taipei zogen und dann zur lokalen Kfz-Werkstatt wechselten. Außerdem hielten wir seither das taiwanische Inspektionsintervall von nur 5.000 km strikt ein. Sukzessive verschwand das Klingeln und die richtig gewarteten Bremsen funktionierten auch wieder so, wie sie sollten.

 Unvergessen meine Hochgeschwindkeitsfahrt vom Lande ins Krankenhaus nach Taipei, als Junior viel zu früh kam und ich eigentlich nicht an einen glückliches Ausgang der Affaire geglaubt habe. Mit astronomischen 150 km/h raste ich im Slalom zwischen 80 bis 110 km/h fahrenden Taiwanern auf dem Highway Richtung Krankenhaus, nur von einem BMW SUV überholt mit 180 km/h, der sich provoziert gefühlt hatte. Schneller als 150 km/h wollte ich aber nicht werden, bei den blindfischigen Spurwechseln der anderen Autofahrer hier.

Grund den Nissan zu ersetzen gibt es eigentlich keinen, allerdings stünde der Wechsel des Kindersitzes an. Und weil die Taiwanversion des X-Trail leider keine Isofix-Kindersitzbefestigung hat (im Gegensatz zum in Japan hergestellten) und ein Kindersitz nach neusten Sicherheitsstandard her soll, muss der Nissan nun weichen. Ein netter Gebrauchtwagenhändler nimmt ihn für 160.000 NT, nicht mal einen Kaffee gab es noch dazu. Der Wagen hätte ein großes Problem, sagte der kundige Herr, hinten würde es klappern. Und in 1-2 Jahren ginge er dann kaputt. Die Aussage hat allerdings auf den Preis keinen Einfluss, die genannte Summe ist in Taiwan OK für das Alter und den Kilometerstand, wenn man an einen Händler verkauft. Und hinten stand ja auch das Kinderdreirad von Junior drin, das immer vor sich hin klappert. Trotzdem wird er recht haben, der Händler. In ein bis zwei Jahren ist das klapprige Kinderfahrrad sicher kaputt. Und dass ein Auto mit 8 Jahren und 210.000 km binnen der nächsten 2 Jahre ein größeres Problem haben könnte, ist ja auch keine "Rocket Science", um einen Amerikanismus zu benutzen.

Was neu kommt, lässt mir bisweilen die Haare zu Berge stehen, doch davon vielleicht ein andernmal. Was würden Sie bevorzugen, lieber Leser? Taiwanische Frau und schwedisches Auto oder lieber anders herum?

Mittwoch, November 27, 2013

Being Green

Taipei 101

Mit 1/5 Sekunde aus freier Hand aufgenommen, mit 2.8/28mm Festbrennweite. Hätte nicht gedacht, dass es trotz "Stativ liegt wieder mal zu Hause"-Faulheit noch ansehbar wird.

AIDS dramatisch auf dem Vormarsch in Taiwan

AIDS ist ab sofort in der Top-Ten der Todesursachen für junge Menschen in Taiwan

In diesem Blog wie auch im Ausländerforum war schon öfter die Rede von konservativ eingestellten Damen in Taiwan - oder auch den zugehörigen Herren, etwa von (mittlerweile End-) Dreißiger-Jungfrauen, die sich noch nach traditionellen Verkupplungsschemata verhalten und sich selbst keinen Partner suchen, wohl weil sie noch nach dem Prinzip erzogen sind, dass die Ehepartner vermittelt werden. Als Land mit unheimlich viel Enddreißiger-Jungfrauen wurde das Thema im Ausländerforum neulich lang und breit diskutiert.

Wie dem auch sei, traditionelle Sexualmoral bricht in Taiwan weg, schon früher einmal fand ich eine Pressemeldung von stark ansteigender HIV-Rate unter Studenten in Taiwan und immer wieder hört man von fehlender Aufklärung über Kondome und ihren Schutz vor HIV.

Nun scheint die HIV-Rate offenkundig dramatisch anzusteigen, so dass AIDS zu den häufigen Todesursachen für junge Menschen in Taiwan gehört, mit den höchsten Raten in der Gruppe 15-24 Jahre (http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2013/11/02/392677/AIDS-now.htm). Von bis zu 180% Steigerungsrate jährlich in HIV oder AIDS-Fällen ist in dem Artikel die Rede.

Ein langjähriger Expat hier, mit Sohn im Highschool-Alter, fragte diesen prompt, ob dies Thema in der Schule behandelt worden sei. Es wurde, so war die Antwort. Allerdings wurden als Gefahren für HIV nur Blutübertragung oder das Verwenden von gebrauchten Spritzen bei Junkies genannt. Im sexualkonservativen Taiwan, in dem beispielsweise Pornographie verboten ist und Ehebruch strafbar ist, spricht ein Lehrer wohl so schnell das Thema Sex nicht an.


Ludigel says: Heute zwei Beiträge zum Thema Sicherheit im [...]Verkehr...

Hurra, Bürgersteige!

Der gemeine Deutsche, der sich in freier Wildbahn oft genug auf einem "Bürgersteig" oder auch "Trottoir" (eine meiner Tanten nannte das glaube ich früher "Trittoir") aufhält, ahnt gar nicht, was für ein famoses Ramperl da zu seinen Füßen liegt. Hier in meinem Militärveteranenviertel in NeiHu, Taipei hatte die nicht vorhandene Städteplanung jahrzehntelang weitestgehend auf Fußwege verzichtet, wie in fast ganz Taipei. Nur schmale, oft unpassierbare Ministeige gab es allenthalben oder eben breite Bürgersteige in der Commerzinnenstadt. Aber in Schlichtwohnvierteln wie meinem oder auch neu gebauten Villenvierteln musste man nach wie vor bürgersteiglos von dannen traben, der Gnade von LKWs, Mopeds und hupenden Toyotas ausgeliefert.

Doch jetzt ist er da, ein städtischer breiter Bürgersteig wenigstens an der lokalen Hauptstraße. Die irgendeine Lane der WenDe Road ist (nicht nach Helmut Kohl benannt). Gerade die Ecke oben im Bild war mir immer besonders unangenehm, denn hier war der Bürgersteig gerade mal 50cm breit und die Fressbuden links verströmen einen sehr unangenehmen Geruch. Eine der Butzen etwa hält kotverschmierte gelbgrün eingekleisterte Hühner in Käfigen gefangen, die dann manchmal auch tot und blau auf dem ungekühlten Verkaufstisch liegen. Lecker! Der Gestank der Bude ist widerwärtig und vermischt mit irgendeiner Würzsuppe nebenan drehte sich mir immer der Magen um beim Vorbeigehen. Wenn dann noch Kunden dastehen oder Fische auf dem Bürgersteig angeboten wurden, musste man auf die Fahrbahn ausweichen, wo damals noch Autos parken durften und fand sich bei in zweiter Reihe geparkten LKWs oder PKWs dann uach schon mal auf der Gegenfahrbahn wieder. Am Ende des Bürgersteigs war sowieso Schluss, da wo jetzt die Tische und die Person im Hintergrund zu sehen sind, war der Bürgersteig durch Tische, Stühle, Grünpflanze und derlei Zeug abgesperrt. Einmal hatten sie auf der Fahrbahn dann noch ein nasses silbernes Kuchenblech liegen, das ich der grauen Farbe wegen nicht erkannt habe und mich dort lang gelegt habe. Herrlich. Diese kleinen Fressbuden sind sicher eine gute Einkommenquelle für viele Familien, aber in Sachen Abwässer-munter-in-die-Gosse (Fäulnisgeruch) und Federviehhaltung (Salmonellen) sicher auch ein Gesundheitsproblem.


Wenn man Abstand halten kann, ist das alles aber sehr viel entspannter (obwohl die Hühner immer noch im Käfig vor sich hin schimmeln) und das Viertel gewinnt deutlich an Klasse. Wenn ich es mit früher vergleiche, ist das kaum wieder zu erkennen. Hier im Bild etwa waren sonst Kundenfahrzeuge der Kfz-Werkstatt auf dem Bürgersteig geparkt und vorne an der Ecke war noch vor Jahren nicht die heutige Pizzeria/Nudelria, sondern eine Garküche, die ihren Abfall einfach auf den Bürgersteig kippte, nebst Käfern dazwischen und einem Kleinkind, der einfach auf die Straße pullerte, mitten in den Käfersalat hinein. Doch schon seit der SARS-Epidemie um 2004 herum wird sowas nicht mehr geduldet und mit dem breiten Bürgersteige sieht die Straße schon richtig gut aus.

Richtig fröhlich schwebe ich jetzt immer zur Garküche (keine der Dreckbuden, da habe ich mittlerweile ein Veto bei meiner Taiwanfamilie eingelegt) oder zum weißgrünen 24h-Supermarkt im Hintergrund und genieße es so richtig, meinen Verkehrsraum einzunehmen. Doch siehe da, vor der Kfz-Werstatt parkte die letzten Tage schon wieder ein Auto und nahm den Bürgersteig komplett ein. Hier im Foto hat der Lexus zwar noch schamhaft die Warnblinkanlage an, doch am Folgeabend parkte er schon ohne da vor dem Rolltor. Das ist übrigens eine sehr verbreitete Art in Taiwan, sein Auto zu parken. Einfach vor ein Rolltor geparkt (eine Garageneinfahrt simulierend) und so den Bürgersteig absperren. Wird offenbar akzeptiert, sowie ein Rolltor da ist. Noch kommt man bequem vorbei, weil die Fahrbahn abgesperrt ist durch die Baustellenreste. Aber wenn die Baustelle bald weg ist und vielleicht noch Autos da parken, muss man etwa mit dem Kinderwagen wieder auf die Fahrbahnmitte ausweichen. Ich bin mir sicher, in einem Jahr oder so ist von dem schön breiten Bürgersteig nichts mehr übrig. Außer Verkaufs-, Garküchensitz- und Parkfläche. Na gucken wir mal, ob ich zu pessimistisch bin.

Ach ja, so richtig aufregen kann ich mich über die den Bürgersteig zuparkende Kfz-Werkstatt auch nicht. Mein eigenes Auto stand da auch oft genug. Wenig Platz und viel Automobilliebe der Taiwaner führen halt immer wieder zu fehlendem Raum für Fußgänger. Vielleicht ist es jetzt ja ein bisschen besser.

Freitag, November 22, 2013

Aus Taiwan flüchtiger "Todesfahrer" in Schottland in Haft genommen (Update)

Diplomatischer Erfolg für Taiwan. Auch ein Erfolg für die Gerechtigkeit?

Hier im Blog wurde immer wieder über den dramatischen Fall des Briten Z.D. berichtet, der 2012 zu einer Haftstrafe wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls mit Todesfolge und Fahrerflucht in Taiwan verurteilt worden war. Z.D. trat die Haftstrafe nicht an und verließ in einer filmreifen Aktion die Insel, weiß geschminkt (Z.D. ist gebürtiger Pakistani oder Inder) und mit einem geliehenen oder gestohlenen Pass eines anderen Engländers versehen. Der Fall definierte lange Zeit das Verhältnis der Taiwaner zu westlichen Ausländern. Weil Z.D. einen britischen Pass hat und im eleganten Businessanzug wie jeder andere der westlichen Geschäftsleute hier herumläuft, hat ihn die Presse und die Bevölkerung halt als einer von den zahlreichen "Westlern" hier eingestuft. In meinem heimatlichen Militärveteranenvierel, in dem die Leute wohl sowieso immer drei Noten muffelinger sind als sonst in Taipei, wurde ich in dieser Zeit öfter mal angeflaumt und ganz repariert hat sich diese negative Stimmung Weißen gegenüber (kurios, wo Z.D. eigentlich gar keiner ist ;-) bis heute nicht. Nicht nur ich vermeinte den Stimmungsumschwung von Positiv zu mäßig Negativ im Ansehen von Westlern hier in Taiwan wahrzunehmen; es gab eine ganze Diskussion im Ausländerforum drum.

Um es kurz zu machen: Z.D. hatte in einem bordellartigen Lokal viel getrunken, sein alter Mercedes war dann mit einem der "Puff"portiers am Steuer aufgebrochen Richtung seiner Wohnung, allerdings hatte es zwischenzeitlich den tödlichen Unfall gegeben. Z.D. behauptete nun, den Unfall komplett verschlafen zu haben auf dem Beifahrersitz und erst im Zuge der Ermittlungen davon erfahren zu haben. Der zumindest anfangs den Wagen steuernde Portier hingegen behauptete, er habe das Steuer frühzeitig an Z.D. auf dessen Wunsch hin übergeben, der daher den Unfall verursacht haben müsse.

Pikant wurde der Fall durch eine beispiellose Medienhexenjagd, in die sich auch ein Lokalpolitiker einschaltete, der "strengere Strafen für Ausländer" forderte - zu einem Zeitpunkt, als Z.D. wegen eines aufgetauchten Videos mit dem Portier am Steuer noch ziemlich unschuldig wirkte nach Faktenlage. Auch standen die Betreiber der "Puffbar" einem Syndikat nahe, das wiederum das ermittelnde Polizeirevier (wegen anderer Dinge) geschmiert hatte, so dass man von ordentlicher Ermittlungsarbeit wohl nicht sprechen konnte und der "Puffportier" wohl entsprechend zwangsläufig von der Verdächtigenliste verschwinden musste.

Z.D. wurde schließlich in zweiter Instanz verurteilt und flüchtete - was lange niemand bemerkt hatte, obwohl er seine Haft nicht angetreten hatte. Kurioserweise war es etwa um die Zeit, als ich hier im Blog fragte "was ist eigentlich aus Z.D. geworden", dass die Taiwanbehörden wach wurden und Z.D. wieder inhaftieren wollten.

Aktueller Stand: Hinter den Kulissen hat also die Republik China aka Taiwan die britischen Behörden um Amtshilfe gebeten und als Ergebnis davon ist Z.D. jetzt in Haft in seiner Heimat Schottland und Kaution ist ihm verweigert worden. Im Dezember gibt es eine Anhörung zum taiwanischen Auslieferungsersuchen. Bis zu drei Jahre kann so ein Prozess in Großbritannien dauern. Da ist sichergestellt, dass die Medien immer mal wieder die Sache hochkochen können und die Leute bei uns im Viertel was zum Grummeln haben.

Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/auslander-in-taiwan-in-todlichen-unfall.html

Taipei Times:
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/11/22/2003577418

UPDATE:
Nachgereichte Links zum Prozess gegen die Freundin von Z.D. (wegen "Fluchthilfe") und den "Passspender". http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2013/08/24/387196/Zain-Dean.htm

Kaufhausessen

Reißerische Schlagzeilen in der letzten Zeit im Taiwanblog. "Müllverwertungsplatz in Taiwan" war gestern und heute ist es "Kaufhausessen". Nicht, dass da ein Blogleser aufgeregt vom Schreibtischstuhl rutscht. Aber das ist eben die Normalität in Taiwan - und die ist ja auch mal nicht zu verachten.

Die moderne "Mall" aus Glas und Beton liegt in einer ausgesprochen grauen Schlichthaussiedlung, wie sie immer noch große Teile Taipeis dominiert (hier im Bilde: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/auf-der-fuhrerscheinstelle.html). Drinnen dann die übliche Kaufhauswelt, Boutiquen, Boutiquen und Schihgeschäfte und ungewöhnlich viele Restaurants, etwa ein Italiener Taiwanstyle und ein paar Japaner. Ein Kino und ... ein großer Foodcourt, wo man also in der Mitte sitzt und an vielen kleinen Essensständen in fast klinisch reiner Kaufhausatmosphäre für ungefähr 180 bis 250 NT pro Portion (also 4.50 Euro bis in seltenen Fällen etwas über 6.00 Euro) ganz gut essen kann. Es ist so eine Art genormte Foodcourtküche, da man da kriegt, fast überall ist es das selbe Essen im Grunde genommen.

Hier das Essen, das unser Kollege Bill für mich bestellt hatte, während ich mit Gattin noch auf der Führerscheinstelle war. Essen kann man das gut, so eine Art westlich orientiertes Normessen, schmeckt sogar gut, aber nichts besonderes irgendwie. Ein auf heißer Platte liegendes dünnes Kotelett (in Taiwan hält man es mit den Stäbchen fest und beißt dann ohne dabei zu knurren oder zu wedeln davon ab ;-)  mit einer grob an Spaghetti Bolognese orientierten Grillsauce darüber, die man gleich daneben in einem Stapel selbiger Nudeln wiederfindet in einer tomatigeren Version. Die Spaghetti sind dabei noch etwas besser als es in Deutschland Tomatendosennudeln sind. Ein Spiegelei dazu und fertig ist das Hauptgericht. Beilage ist ein süßes weiches Brötchending, das glaube ich irgendeine süße Fettfüllung hatte (kann man essen oder es sein lassen) und noch ein Süppchen. Im Foto völlig verborgen unter der standardisierten Teighaube. Meist hat man eine Maissuppe, eigentlich fast immer, hier war sie ganz gut, es gibt es auch oft in einer faden, noch langweiligeren grauen Version. Einen kleinen Pappbecher mit süßem Eistee oder wahlweise Cola oder Sprite etc. kann man nachfüllen. Fertig ist das satt machende Essen.

Nun bin ich nicht mehr so der Fleischesser, daher fällt meine Kritik nicht so ungemein positiv aus. Gattin hatte einen heißen Topf süßlicher Fleischbrühe, mit Pilzen und Kochfleisch drin (dünnes Schwein), Tofu und Gemüse, sowei ein Scheibchen von diesem fischigen irgendwas-Presszeug, das hier wie immer schön gefärbt ist mit Bluemenmuster. Sehr wohlschmeckend der Sud und mit wenig Fleisch, was ich viel lieber mag. Es ist aber schwierig die fleischetarischen Essgewohnheiten der Vergangenheit los zu werden, stelle ich wie hier immer wieder fest. Denn sie leben in den Köpfen der Leute fort, die mir dann viel Fleisch bestellen wie früher. Sie meinen es ja nur gut ;-) Ups.... die riesige Krustenschweinshaxe ist immer noch im Gefrierfach, fällt mir gerade ein. Hmmm.... muss ich mal an einen Straßenhund verfüttern ;-)


Für die Kleinen gibt es hier tolle Einkaufswagen mit Fahrerkanzel, na das wäre was für unseren Junior gewesen. Der war allerdings zu Hause, wir waren ja nur in der Mittagspause schnell in der "Mall".

Mitgenommen haben wir dann noch eine Nachspeise, eingetütet im Papptöpfchen. Landestypisch ein Soyapudding, er hier die Basis für alle gezeigten Nachspeisen ist. Schmeckt schwachsüß und ähnlich wie ein deutscher Pudding, nur nicht so kräftig vanillig. Dazu süße dünne Soße mit eingelegten halbweichen Erdnüssen, vielleicht ein paar rote süße Böhnchen noch und ein Schlag Süßgibberklöschen, so eine Art mehliger Wackelpudding ohne Wackel. Und rosa und rote halbsüße Klöschen. Ist durchaus gewöhnungsbedürftig für den deutschen Gaumen, esse ich aber mittlerweile sehr gern.

Soweit der Ausflug ins Kaufhaus.... normaler Alltag auch mal im Taiwanblog.