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Montag, Dezember 10, 2018

Verbrechen, 1x neu, 1x alt

Ein altes und ein neues Verbrechen touchiert uns die Tage

Blogleser, die ich durch die jüngste Blogabschaltung noch nicht vergrault habe erinnern sich vielleicht: Meine Schwiegermutter hier war einst Telefon-Trickbetrügern aufgesessen, die sich möglicherweise sogar echter Polizisten bedient hatten. Jedenfalls waren damals sich als Polizisten ausgebende Personen bei der Schwiegermutter aufgetaucht, die "Kontrollgänge" machten und sicherstellen wollten, dass Schwiegermutter nichts über die vorangegangene Erpressung verlauten ließ, bei der sie aus Angst - ohne irgendetwas angestellt zu haben - 800.000 Taiwandollar, also damals etwa 20.000 Euro (heute wäre das mehr) einem jungen Mann überließ, unter dessen Aufsicht sie diese am Geldautomaten abhob. Als Schwiegermutter schließlich doch zur Polizei ging, hatte der bearbeitende Beamte die Anzeige in die Rundablage geworfen. Erst durch Nachfassen meiner Frau wurde der Fall bearbeitet. Ein dann auftauchender Bescheid, Schwiegermutter habe sich in einem Gefängnis zum Haftantritt (ohne vorhergehendes Verfahren und ohne irgendeinen Tatbestand oder Tatvorwurf!) zu melden, versetzte sie endgültig in Schrecken und lässt mich bis heute vermuten, Gangster, Polizei und sogar das die "Einladung" verschickende Gericht hätten da zusammengearbeitet. Ein Anruf erledigte die Hafteinladung, sie war ein Irrläufer und an eine andere Person adressiert. Nur warum tauchte sie ausgerechnet in dieser Zeit auf? Die Kriminalpolizei hatte jedenfalls die Betrügerbande ermittelt, wenn auch ohne Verstrickungen in Polizei und Gericht.

Beim Gerichtsverfahren war ich selbst anwesend und nur als nicht aufgerufener Zeuge dabei. Mir ist noch in Erinnerung, wie die Richterin den in einen weißen Seiden-Trainingsanzug gekleideten jungen Haupttäter zusammengefaltet hat und wie dieser am Ende des Prozesses (ich ein paar Meter dahinter) die Reihe geparkter Autos ausspähte, wohl um ein unverschlossenes für die Heimfahrt zu finden.

Weitere Entwicklung: Unser Anwalt verbrachte die nächsten Jahre damit, u.a. von den Eltern der meist um die 20 Jahre alten Täter das ergaunerte Geld zurückzufordern. Ein Väterchen kündigte sofort seinen Bürojob, um kein Pfändbares Gehalt zu haben und drohte mit Selbstmord, wenn wir weiter insistieren würden.

Nun hat Schwiegermutter nach vielen Jahren und Dank unseres Anwalts und eines gut kooperierenden Richters etwa 3/4 des Geldes zurück. Der Rest kommt nicht mehr, denn in einer Täterfamilie gab es wirklich einen Selbstmord und der Richter bat uns, diese Familie nicht mehr zu verfolgen. Frau und Schwiegermutter stimmten zu und so hat die Taiwansippe X ihren Beuteanteil behalten können, durch Reduzierung ihrer Mannstärke. Nicht unsere Schuld, wenn sie das "Geld oder Leben" so wörtlich nehmen.

Und in unserem Wohnblock ist ein Zettel in roter Schrift angebracht, der laut meiner Frau aussagt, dass in der Anlage eine Frau vergewaltigt worden ist und in Lebensgefahr schwebt. Wir halten seither unsere Haustür immer gut verschlossen. Sie hat außen nur eine Türklinke und man muss sie entweder bewusst von außen abschließen oder von innen per Drehknauf verriegeln, sonst kann sie jeder öffnen.

Der unbekannten Mitbewohnerin sei alles Gute gewünscht. Dem Täter die Selbstentleibung anempfohlen.


Edit: Zu viel Tod und Verbrechen im Taiwanblog durch dieses Posting. Aber die Realität ist manchmal auch grausam, auch wenn Taiwan ein eher sicheres Land ist. Mir bleibt das merkwürdige Gefühl, als hätte mein rein fiktiver Roman nun plötzlich in die Realität abgefärbt. Was natürlich Unsinn ist.

Dienstag, Dezember 04, 2018

Ludigels Roman

*** WERBUNG ***

Hier ist er nun. Geboren aus dem Blog. Als E-Book und Taschenbuch. Aber nicht für jedermann. Der Roman hat aber weder mit Taiwan noch mit irgendwelchen Bloginhalten zu tun.

*** Nach einschlägigen gesetzl. Werberichtlinien als WERBUNG deklariert, um Probleme mit Abmahnvereinen zu vermeiden. ***

Am Anfang stand das Blog. So meine ich mich zu erinnern. Ich hatte ja vor Urzeiten hier mal diese Glosse auf einen Zombiefilm im Blog geschrieben, die recht nett Taipei karikiert hat. Verlinken geht gerade nicht, weil der alte Artikel noch nicht wieder freigeschaltet ist. Ich hatte dann vor eine andere Glosse auf irgendwelche grassierenden Soft-SM-Romane zu schreiben, von denen sich ein Übermaß bei Amazon fand. Die man also entweder auf ein Kindle-Lesegerät laden konnte oder eben auf eine Kindle-App auf Notebook, PC oder Smartphone. Es gab alles, beginnend mit 20-Seiten Fakes mit Fesselsex und Röckchen hoch, über psychologisch angehauchte 380-Seiten - Epen mit Fesselsex und Röckchen hoch bis hin zu kurzen, superschlecht geschriebenen Gewaltdingern. Um es auf den Punkt zu bringen, diese SM-Welle führte in der Regel zu Texten wie dem Folgenden:

Larissa kniet sich vor Sir Fuckingsburough, Herr von Dickmoore Castle, auf den flauschigen Teppich. Sir Fuckingsburough erhebt sich und kündigt der vor ihm knienden Frau an: Du wirst jetzt eine richtig harte Tracht Prügel bekommen.

Oder die idiotischen Super-Gewaltdinger in der folgenden Art:

Larissa wird festgebunden! Ist gefesselt! Tom macht ihr Klemmen an die ****! Das tut weh!

Kopfschüttelnd fing ich an eine Satire auf dieses Zeug zu schreiben, was auch etwa 10 Seiten lang gut funktionierte. War wirklich witzig. Etwa Zitate auf alte Sandalenfilme einzubauen, Marke "ergroift ihn". Oder sie. Aber es wird dann doch schnell langweilig. Und so überdauerte das Manuskript Jahre und Jahre, bis schließlich "50 Shades of Grey" eine ganz und gar neue Welle auslöste. Da ich fand, dass ich zumindest besser als 90% der Amateurautoren schreiben konnte, die auf der Welle ritten, fing ich an die Satire weiterzuschreiben und zu einem ernsthaften Popoklatsch-Ding umzubauen. Auch aus kommerziellen Interesse, ich gebe es ja zu.

Doch auf Seite 20 wurde mir wieder so schrecklich langweilig. Mal im Ernst, wie oft kann man beschreiben, dass A die Dame B festbindet und ihr den Hintern verhaut? Langweilig! Also kamen mir hyper-gelangweilt so Gedanken.

- Was wäre, wenn der Protagonist wahnsinnig würde?
- Was wäre wenn es mit dem devoten Opfer viel mehr auf sich hätte?

Und da entstand eine sehr komplexe Geschichte in meinem Kopf. Und ich fing an, den Roman weiterzuschreiben. Aber von Seite zu Seite veränderte sich der Roman. Die Charaktere der Personen, und der Erzählstil. Am Ende war ich selbst einerseits geschockt, andererseits aber auch fasziniert von meinem Roman. Weil das langsame Wahnsinnig-werden des Protagonisten in der Ich-Form erzählt wird und kombiniert mit sexueller Perversion - zu der es irgendwann wird - ziemlich starker Tobak ist. Also eher nicht für Jugendliche unter 18 Jahren und definitiv nicht für jedermann. Wer es wegen der Sex- und Gewaltanteile nicht ganz durchliest, wird es für einfach irgendeinen Sadoporno halten. "Krank und gewalttätig" höre ich manchmal als Reaktion - irgendwo im Netz wird der Roman diskutiert - teils von Leuten, die nur die Gratis-Vorschau gelesen haben.

Wie ist der Roman verlegt? Bei Amazon im Selbstverlag.
Lohnt sich das? Nun, bei mir ist es ein erquickliches Nebeneinkommen geworden.
Soll man es downloaden/kaufen?  Wer so fragt, kriegt ein klares NEIN ;-)

https://www.amazon.de/Die-Kellerfrau-Dark-Sexual-Horror-ebook/dp/B07KK567X7/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1543897427&sr=8-1&keywords=harry+eduard
Veröffentlicht unter Pseudonym

P.S.: Dies ist die präsentable Version des Romans, wie eigentlich von mir erdacht. Marketingtechnisch bedingt gibt es noch andere.

Donnerstag, November 29, 2018

It's back

Das Blog ist zurück. Na ja, teilweise. Vielleicht erst Mal die Gründe für die Auszeit:

1. Wegen der EU-Datenschutzverordnung habe ich das Blog am 25.05. abgeschaltet, damit sich die Abmahnvereine erst Mal bei anderen Bloggern austoben können. In der Praxis hat der deutsche Abmahnwahnsinn hier bislang nur kommerzielle Blogs betroffen, wie es scheint.
Nachdem die Rechtspraxis jetzt klar ist (vorher waren auch Anwälte mit Prognosen dazu überfordert), geht das Blog jetzt wieder online mit der ellenlangen EU-Fetisch-Datenschutzerklärung. Lang wie ein Epos von Homer oder die Nase von Longjohn Silver.

2. Die Auszeit war so lang, weil ich mich - lustigerweise ohne Blog - tatsächlich mit einem Abmahnverein herumschlagen musste. Aus der Luft gegriffene Vorwürfe auch nicht an mich selbst, sondern ein Familienmitglied. Aber da muss man sich halt erst Mal länger mit beschäftigen, gerade wegen der astronomischen Forderungen von mehreren Tausend Euro, die völlig aus der Luft gegriffen gefordert werden. Das Taiwanblog sollte da keine zweite Front eröffnen und blieb folglich abgeschaltet.

3. Auf Instagramm (war es glaube ich) griff der Abmahnwahnsinn um sich: offenbar wurde alles und jedes als Verstoß gegen eine EU-Werberichtlinie abgemahnt. Von wegen nicht gekennzeichnete Werbung. Etwa: Jemand schreibt, wie toll der Trip nach Barcelona war und sie oder er kriegt dann eine Abmahnung wegen ungekennzeichneter Werbung. Denn schließlich könnte ihn ja theoretisch das Fremdenverkehrsamt von Barcelona für seinen Reisebericht bezahlen. Das kann irgendwann auch Blogs betreffen, entsprechend werde ich alle alten Artikel erst durchsehen und dann ggf. freischalten.

4. Ich habe einen Roman geschrieben. Mir fiel auf, dass meine Schreibenergie und Kreativität vom Blog aufgesogen wurde. Will sagen, eine Seite Blog bedeutete 10 fehlende Seiten im Roman. Da ich seit 2009 an dem Ding gearbeitet hatte, wurde es nun langsam Zeit, das abzuschließen. Mehr zum Roman, der sich gut im Selbstverlag auf Amazon.de verkauft, später einmal.

Wie wird es nun weiter gehen mit dem Blog? Zur Zeit sind ja alle Blogpostings bis auf dieses unsichtbar (Update: die alten kommen langsam zurück), will sagen als Entwurf nur für mich sichtbar. Und 100 alte habe ich sogar versehentlich gelöscht, statt sie auf Entwurf zu setzen (wovon ich allerdings ein altes Backup habe).

Ich denke es wird so werden:

a) Es gibt kein Endloswiderkäuen meines Lebens im hässlichen Taipei mitsamt seiner stinkenden Mopeds, leckeren Plastiknudeln und hübschen Hotpants-Mädels zwischen kläffenden Straßenhunden und dem x-ten Hundehaufen am Hacken mehr. Energie für Sätze wie diesen eben soll lieber in Romane fließen. Also nur noch wenige neue Posts in Zukunft. Aber ein Paar wird es noch geben.

b) Die alten Artikel werden nur teilweise wieder freigeschaltet. Nämlich dann, wenn der Infocharakter überwiegt. Meine Meinung zum Hundehaufen Nr. 1245387 muss ja nicht in die Google-Ewigkeit einfließen. Und die Bearbeitung, auch um Abmahnanwälte abzuwehren, dauert.

c) Vermutlich gibt es das alte Blog (fast) komplett und editiert irgendwann als Ebook von mir bei Amazon. Wann, steht in den Sternen. Denn so ein x-tes Taiwanbuch wird sich nicht so gut verkaufen, wie ein spektakulärer Roman von Ludigel mit Sex, Gewalt und Wahnsinn. Räusper.

So und jetzt weiter im Progrom.

P.S.: "Blockabschaltung" ist langsam eines der am häufigsten benutzten Tags meiner Posts ;-)

2. P.S.: Vermutlich wird die Datenschutzleiste rechts irgendwann ins alte Impressum eingearbeitet.

Dienstag, Mai 22, 2018

Krebs-"Epidemie" in der Firma (Update)

Hat der Krebs schon dreimal in meinem Großraumbüro zugeschlagen?

Kurz vor der vermutlich nur einstweiligen Blogabschaltung wegen neuen EU-Recht noch ein großes Thema. Ein beängstigendes genauer gesagt. In meinem Großraumbüro in der Firma geht im Umkreis von etwa 30 Meter Luftlinie offenbar eine schwerwiegende Krebserkrankung um. Darmkrebs genau gesagt. Bösartig wie er nur sein kann. Vor Jahren schon (2012 etwa) erkrankte eine Kollegin vom Vertrieb, eine End-20igerin. Der bösartige Krebs hatte im Darm begonnen und in der Leber Metastasen gebildet. Meine Frau und ich waren in den tapferen Kampf der Kollegin oft involviert. Etwa als wir sie sich kaum noch auf den Beinen haltend mit dem Auto in den Süden Taiwans gefahren haben, wo sie in einem Tempel religiöse Erbauung erfuhr und danach eine so deutliche Verbesserung ihres Gesundheitszustandes hatte, dass man schon von einer Wunderheilung sprechen konnte. So wurde es mir damals erzählt. Bei näherer Betrachtung war dann aber wohl doch Chemotherapie involviert, die der Kollegin wenigestens noch einige Jahre erkauft hatte.

Als es wieder schlimmer wurde, ging die Kollegin eine Spezialklinik nach Japan. Frau und ich waren in die Beschaffung experimenteller Medizin beteidigt, die man in Taiwan nicht hätte kaufen können und die der Arzt allein nicht bestellen konnte oder wollte. Leider war am Ende alles umsonst, die Kollegin verstarb. Es gab einen Abschied bei ihr am Krankenbett, kurz vor ihrem Tode. Nie werde ich die pseudolockere Athmosphäre vergessen, mit denen wir Kollegin das Feeling von so vielen Business-Meetings vorher krampfhaft aufrecht erhalten wollten. Niemand wollte weinen, wer weiß wo das geendet hätte.

Die Artikel zu dem damaligen Fall:

http://osttellerrand.blogspot.tw/2012/12/wichtige-mission-in-den-suden.html

http://osttellerrand.blogspot.tw/2017/03/machs-gut-p.html

Nun gibt es leider einen zweiten Fall. Eine Kollegin vom Produktmanagement hatte ähnliche Symptome bei sich festgestellt und begab sich zum Arzt. Dort erhielt sie eine ähnliche Diagnose. Die Frau ist eine Enddreißigerin mit zwei kleinen Kindern und hat jetzt laut Arzt noch 1 bis 2 Jahre zu leben.

Leider geht es noch weiter. Die Symptome treten auch noch bei einer dritten Kollegin auf. U.a. ist okkulter Stuhl da ein Symptom. Die Kollegin hat auch noch einen Strauß von weiteren Symptomen so dass sie bösartigen Darmkrebs mit Metastasen befürchtet. Zum Arzt will sie nicht, wie sie im Gespräch mit meiner Frau kundtat. Sie hat zu viel Angst vor dem Todesurteil durch den Arzt.

Alle sitzen wie gesagt in unmittelbarer Nähe. Leben fast nur von Gemüse und Fisch wie hier üblich bei den Damen. Kein Alkohol, kein Rauchen. Nur Opfer Nr. 1 hat etwas geraucht auf den Business-Meetings mit den quarzenden japanischen Geschäftsfreunden.

Ich selbst hatte in Taiwan ja nur ein guartiges Wachstum, da will ich mich nicht beschweren. Aber man muss sich klar machen dass ein Langzeitaufenthalt in einem Land, in dem die Luft versmogt ist (jedenfalls hier in der Stadt) und das Essen von einem Chemieskandal nach dem anderen heimgesucht wird, üble Langzeitfolgen haben kann. Ich drücke der dritten Kollegin die Daumen.

Vielleicht letzter Artikel vor der Blogabschaltung. Ich wünschte, es wäre etwas nettes.

Update: Die Kollegin verstarb etwa 2 Wochen nach dem Erscheinen dieses Artikels. Entschieden zu jung, die beiden Opfer und so nah beieinander räumlich und zeitlich in der Erkrankung.

Montag, Mai 21, 2018

Erinnerung: Einstweilige Blogabschaltung am 24.05. 2018 (korrigiert)

"Der Tag an dem die EU das Taiwanblog abschoss" steht bevor. Hier noch mal die Erinnerung an die bevorstehende hoffentlich nur vorübergehende Schließung dieses Blogs wegen des für mich intransparenten EU-Rechts:

http://osttellerrand.blogspot.tw/2018/05/vorlaufige-blogabschaltung-wegen-eu.html

Dienstag, Mai 08, 2018

EPostscan der Deutschen Post vs. Digitalkasten: HÄNDE WEG vom EPOSTSCAN

Zwei Scanservice der Schneckenpost. Von mir getestet

Für Leute wie mich, die die meiste Zeit vom Jahr nicht "daheim" sind, wäre es schön, wenn es einen Dienst gäbe, der die Post einscannt und mir per Email schickt. Soweit funktioniert das bei mir einwandfrei, aber leider nur für Faxe. Wer mir unter meiner privaten Faxnummer ein Fax schickt (die Nummer gebe ich nicht öffentlich heraus), der schickt sie eigentlich an den Dienst simple-fax.de, der mir wiederum das Fax als Email schickt. Klappt super und die eigene Faxnummer kostet mich nur eine einmalige Aufladung für 25 Euro. Offenbar auf unbegrenzte Zeit. Der Dienst kann auch konventionelle Briefe an deutsche Adressen und Faxe verschicken. Was ich als vom Rechner aus in Taiwan machen kann.
Auch das Einscannen der konventionellen Briefpost, die mich also an meine konventionelle Adresse

Ludigel Wasauchimmer
Triste Sackgasse 13
4711 Kleinkleckersdorf-Kötenbrunn

erreicht, funktioniert durch aus. Allerdings nicht über simple-fax.de sondern andere Unternehmen. Eines davon ist digitalkasten.de, ein anderes die Deutsche Post selbst, die auch den sogenannten EPOSTSCAN-Service anbietet. Ich habe beide ausprobiert und mittlerweile wieder gekündigt.  Hier meine Erfahrungen:

DIGITALKASTEN.de:

Der Anfang war holprig, sicher auch weil ich den Support von Digitalkasten dazu überredet hatte nicht eine einfache Personenadresse mit der Form "Vorname Nachname Straße HSN PLZ Ort" zu akzeptieren, sondern zusätzlich auch noch Sendungen an ein zweites und drittes Familienmitglied und an "Familie", "Eheleute" etc. Ich hatte einfach als Vorname einen ensprechend unhandlichen String im Anmeldeformular angegeben. Trotzdem ließ sich der nette Support darauf ein und am Ende funktionierte nach einer ca. 2-wöchigen Anfangsphase alles einwandfrei.



- Briefe erreichten mich in der Regel nach wenigen Tagen digital, ich konnte sie auf der Webseite lesen, lokal als PDF abspeichern und mir aussuchen, ob ich die Papieroriginale danach vernichtet haben wollte, oder ob sie zu einem von mir gewünschten Zeitpunkt per Pakestpost an meine deutsche Adresse kamen.

- Briefe mit heftartigen Beilagen oder eben Heftsendungen erreichten mit ebenso, allerdings wurde nur Vorderseite und Rückseite gescannt (gut!) und es lag ein Empfehlungssschildchen dabei, sich die Sendung per Paketpost zustellen zu lassen.

-Magazine wie der STERN kamen nach wie vor direkt an die deutsche Adresse an (gut!).

-Pakete kamen nach wie vor direkt an die deutsche Adresse an (gut!), es sei denn wenige briefartige kleine Warensendungen, die manchmal auch in der Digitalisierung landeten und die ich mir dann per Paket zuschicken ließ.

-Wahlkarten oder ähnliches kamen trotz meiner anfänglichen Sorge immer noch direkt an, weil sie einfach von der Stadt direkt in den Briefkasten geworfen worden waren (gut!)

 -Briefe, die über den lokalen hannoverschen Privatpostdienst CITIPOST kamen, kommen nach wie vor direkt an. Werden also nicht eingescannt. Das ist schlecht, lässt sich aber wohl nicht ändern, weil CITIPOST eben mit dem Nachsendeauftrag der deutschen Post -über den Digitalkasten lief-  nichts zu tun hat.

Sogen machten mir Sendungen wie Kreditkarten oder die Krankenkassenkarte etc. Das beträfe evtl. auch Strafmandate o.ä,. Diese haben nämlich manchmal den Aufdruck "NICHT NACHSENDEN" und dann gehen sie zurück an den Absender. Denn der Digitalscan von Digitalkasten.de funktionierte damals ausschließlich über einen Nachsendeauftrag, ganz so als sei man nur 2 Wochen in ein dänisches Ferienhaus verschwunden. Nur dass die Post nicht an den "Houdeflouden Wej 12" in "Söndervig" (mit durchgestrichenem o) sondern eben an die berliner Adresse von Digitalkasten.de geht.

In der Praxis gibt es solche Sendungen jedoch nur ganz selten und auch die AOK-Krankenkassenkarte meiner Mutter kam ohne einen solchen Zusatz problemlos an. Trotzdem war die theoretische Möglichkeit wichtige Sendungen zu verpassen schließlich der vielleicht vorschnelle Grund für meine Kündigung.

Toll bei Digitalkasten.de: Über die Webseite ist man immer voll im Bilde was neu angekommen ist, was man sich in der Vergangenheit geschickt hat, man hat fast sofortigen Draht zum extrem guten Support der Probleme wirklich lösen kann und sieht auch den Status des ganzen Accounts samt KÜNDIGEN-Button, der allerdings zum Senden einer (sofort bearbeiteten) Kündigungsemail auffordert.

Kosten: Um die 20 Euro im Monat, habe die genaue Summer vergessen. 19.95 waren es glaube ich.

Endnote also von mir ganz persönlich ein GUT. Wirklicher Kritikpunkt also nur die Sache mit dem "NICHT NACHSENDEN". Mittlerweile bietet Digitalkasten.de offenbar alternativ bzw. zusätzlich eine Postfachadresse an, bei der man dann keinen Nachsendeauftrag mehr braucht. Nur ist das dann eben eine andere Adresse als die normale Heimatadresse.

EPOSTSCAN der Deutschen Post:

Erstmal braucht man unter epost.de eine Epostadresse wie ludigel.wasauchimmer@epost.de, die man schnell beantragt hat. Den Aufwand mit Postident (also Vorzeigen des Persos auf dem Postamt) oder der alternativen Identifikation über die Webcam gegenüber einer netten Dame über die Epost-App auf dem Smartphone (die ich von Taiwan aus gemacht habe) ist optional und wird nur benötigt, wenn man auch in der Lage sein will, mit seiner deutschen Meldeadresse als Absender Papier-Briefe oder Faxe über die epost-Webseite zu verschicken. Braucht man eigentlich nicht, es gibt ja auch simple-fax.de wie oben angegeben.
Der Epostscan-Dienst muss nach Click auf das entsprechende Werbebanner auf der Epostseite getrennt beantragt werden.  Man bekommt zunächst einen Freischaltcode an die deutsche Meldeadresse, den man auf der Webseite später eingeben muss. Schon ist der Epostscan fertig und zukünftig soll man seine Post auf der persönlichen Epost.de-Seite (also eingeloggt als ludigel.wasauchimmer@epost.de) als Epost-Email sehen können. Hier kann man auch Emails verschicken, allerdings nur an Epost-Adressen und der Scherz kostet 70 Cent pro Brief.

Beim Epostscan habe ich mich streng an das Vorname-Nachname-Adresse - Prinzip bei der Anmeldung gehalten und für meine Mutter (deren Post ich bearbeite) und mich zwei Accounts aufgemacht. Jeder kostete 24.99 oder 24.95 im Monat - vergessen was von beiden.

Mit Nachsendeauftrag hat das ganze offiziell nichts zu tun. Obwohl ich gelesen habe, dass angeblich ein lokaler Briefsortierer am Heimatpostamt den Brief zum Scannen an eine zentrale Stelle umleitet. Also im Prinzip doch ein Nachsendeauftrag. Allerdings müssten hier auch NICHT-NACHSENDEN-Briefe zugestellt werden, denn es handelt sich ja nicht wirklich um einen Nachsendeauftrag (soweit meine Mutmaßung dazu).

Soweit so gut. Allerdings funktionierte das in der Praxis nicht. Während ich bei Digitalkasten pro Woche mehrere Sendungen pro Woche gescannt bekam (Werbung und normale Briefe), kam über den Epostsscan im Monat ein Brief auf der Webseite an, der manchmal ein Werbebrief und manchmal ein normaler war. Wir bekommen wöchentlich etwa 10 bis 15 Briefe und nur drei bis fünf sind über CITIPOST zugestellt. Auch eine von mir über simple-fax.de geschickte Testsendung an die Heimatadresse kam einfach zuhause direkt an und ging nicht über den Epostscan. Post aus fremden Städten und die Deutsche Post fand sich direkt im Briefkasten wie mir meine Mutter berichtete.

Einen wirklich Supportzugang gibt es nicht beim Epostscan der Deutschen Post. Man kann auf die Rechnungen, die man per Epost-EMail bekommt antworten und zahlt dafür 70 Cent. Dann erhält man das Versprechen, dass es in Zukunft besser klappen soll. Will man nicht für den Support zahlen, bleibt einem nur ein mühsam per Google gefundenes allgemeines Kontaktformular der Deutschen Post für den Support, das einen nichtdeterministisch mal auffordert, die telefonische Supportnummer der Deutschen Post zu wählen und mal eine Textbox präsentiert, in die man seine Sorgen sinnlos eintippen kann.

Gekündigt habe ich nach ein paar im Wesentlichen epostlosen Monaten den Epostscan der Deutschen Post über die besagte Supportnummer. Für den Account meiner Mutter ging das direkt mit der Telefonistin am Hörrohr, während ich bei meiner eigenen Adresse und einem zweiten Anruf aufgefordert wurde, einfach eine Email an e-post@deutschepost.de zu schicken. Beide Kündigungen wurden binnen weniger Tage bearbeitet und es wurde etwa zwei Wochen Kündigungsfrist gekündigt. Ich bin froh, den teuren und für mich nicht funktionierenden Epostscan los zu sein.

Für mich ganz persönlich gebe ich die Schulnote 6. Sechs wie Schlecht oder "(fast) nichts funktioniert". Andere Leute mögen andere Erfahrungen machen. Googeln Sie doch einfach mal.

Wie funktioniert meine Post-Digitalisierung heute? Meine Mutter hat ein schickes neues Faxgerät für 70 Euro von Philipps bekommen und schickt mir alles per Fax an meine simple-fax.de-Adresse. Lieber öfter mal ein neues Fax kaufen, damit der Papiereinzug auf für meine im Seniorenalter befindliche Mutter störungsfrei funktioniert, als sich dem Epostscan der Deutschen Post ausliefern. Wieder einmal gilt dieses Statement nicht zuletzt aus juristischen Gründen nur für mich selbst, denn Ihre eigenen Erfahrungen müssen Sie schon selber machen.

UPDATE: Beim Heimaturlaub fand ich viele Briefe mit dem Vermerk, dass "kein aktiver Epostscan-Auftrag vorliegt" und die direkt zugestellt worden ohne Scan. Dabei lag ein aktiver Auftrag vor! Der Dienst war bei mir reine Geldverschwendung und funkionierte nicht.

Montag, Mai 07, 2018

Vorläufige Blogabschaltung wegen EU-Recht zum 25.05. (Update)

Soweit ich das derzeit recherchiert habe treten am 25.05.2018 neue EU-Datenschutzrichtlinien für Webseiten jeder Art und eben auch Blogs in Kraft. Für mich ist das derzeit ein undurchdringlicher Dschungel. Man findet wenig hilfreiche Übersichten, dass man "schriftliche Erklärungen vom Provider" einholen müsse und sontiges. Befürchtet wird eine große Abmahnwelle an Blogautoren.

Da dies ein Projekt ist, in das unendgeltlich viel Zeit fließt, will ich natürlich nicht noch Ablass an irgendwelche Anwaltskanzleien zahlen, nur weil ein Popup fehlt mit irgendwelchen EU-Fetisch-Disclaimern. Ergo wird das Blog solange ab dem 24.05. abgeschaltet, bis die Situation klar ist und ich ggf. Disclaimer und Impressumszusätze von anderen Blogs entnehmen kann.

Das Blog wird während der Abschaltung nur eine Login-Seite präsentieren, über die nur ich mich einloggen kann oder einfach eine Abschaltnotiz. Größere Begründungen kann man da leider nicht uploaden. Und bei Vorhandensein solcher Texte wäre das Ergebnis ja auch wieder eine Webseite und die Regeln würden wieder greifen.

Sollten bis dahin noch andere Blogartikel erscheinen, verlinke ich vorher noch mal auf diese Notiz.
Wie lange die Abschaltung dauern wird hängt also von der Praxis ab, die sich nach Inkrafttreten der neuen Bürokratenregeln einspielen wird. Viel Zeit werde ich in ein Umstricken des Blogs sicher nicht investieren. Bestensfalls ist es nach ein paar Tagen noch im Mai mit einem neuen Disclaimer wieder online. Schlimmstenfalls bleibt es Wochen offline, bis sich der Abmahnwahnsinn gelegt und die Maßnahmen zwecks Vermeidungen von Abmahnungen transparent geworden sind.

Sicher ist auch ein Worst-Case denkbar, bei dem Abmahnwellen noch Monate und Jahre weitergehen und ich das Blog dann einfach abgeschaltet lasse. Oder als Mini-Version ohne Bilder, Plugins und Kommentare nur mit 2-3 Infoartikeln bringe. Wie dem zur Rentenlage in Taiwan etc.

Mittwoch, Mai 02, 2018

Umweltverschmutzung in Taipei - mit Karte

Wie stinkt es in Taipei? Noch Toyota Aygo, fabrikneu ohne Kat oder eher Nissan March Bj. 1981 mit grau-blauer-Fahne? 

Subjektiv riecht die Luft in Taiwans Hauptstadt Taipei zwischen Ascheneimer und -Kfz-Werkstatt bei aufgedrehtem Motor zwecks richtiger Einstellung. Man sitzt im Park, löffelt ein Eis und es schmeckt nach Toyota.

Nach dieser Karte (Link: hier) bin ich heute morgen von einer gelben 70er - bis 80er-Zone in eine orange 100er-Zone gefahren. Von Taipei-NeiHu nach Taipei-Banciao/Jonghe. Letzteres wird auch gerne als "Achselhöhle Taiwans" bezeichnet von den ausländischen Residenten da. Letzte noch in Taiwan vorkommende Fabriken und unendliche Moped- und PKW-Staus in Plattenbau-Schlichthausgassen sind ein Markenzeichen dieser "Truely Asia"-Stadtteile. Oder eher "Truely China", wenn auch ohne V vor dem R der Republic of.

Klickt man auf Europa, wird man von grünen Markern in den 10ern nd 20ern förmlich erschlagen.

Persönlich habe ich in Taiwan immer Nebenhöhlenprobleme. Kannte ich sonst nur aus meiner Kindheit in den 70ern, als wir in Deutschland an der Hauptstraße wohnten und es damals in Zeiten vor dem Kat ähnlich gerochen hat wie heute in Taipei.

Hier stehen sogar die Häuser im Stau....

Auch wenn es ein weitgehend klarer Tag ist im Foto. Ich fotografiere eher nicht, wenn alles graue Suppe ist. Aber so schlimm wie in Peking ist es natürlich auch nicht.

Mittwoch, April 18, 2018

Asian Paradiso

Hat sogar einen Swimmingpool und viele leerstehende Geschäfte.


Dienstag, April 17, 2018

Vrooom vroooom


Fast scheint es so, als würde unser kleiner roter Nissan Micra (hier March genannt) in einer Reihe mit einem ebenfalls roten Tesla SUV (mit dem Stromverbrauch von 6 Dörfern in den Karparten) und einem coolen blauen Ford Mustang an der Ampel stehen, um bei Grün auszutesten, wer die meisten PS unter der Haube hat. Na, der Nissan mit seinen 99 PS wird es nicht sein.
Tatsächlich steht der Nissan aber nur brav auf einem Bezahlparkplatz geparkt, während Oberklasseautos wie der Mustang fast immer frech an den roten Linien im absoluten Halteverbot geparkt sind. Gerade in so Nobelvierteln wie hier eben. Nobelviertel sind alle die, wo keine vergammelten Plattenbauten sind. Offenbar sind Taiwan-Cops wesentlich vorsichtiger ein teures Auto abschleppen zu lassen als ein billiges. Könnte ja  sein dass der Besitzer Verbindungen hat, etwa in die Politik, von anderen Dingen ganz zu schweigen. Habe hier schon zweimal davon gelesen, dass Polizisten Probleme gekriegt haben, weil sie Politiker wegen Trunkenheit am Steuer bzw. Geschwindigkeitsübertretung belangt haben. Die Meldungen sind aber schon lange her. Sicher ist das nicht mehr so und Leute mit teuren Autos sind einfach nur mutiger, trotz der ständig umher fahrenden roten Abschleppwagen, die mit Polizisten auf dem Beifahrersitz an Nebenstraßen erster Ordnung wie hier und Hauptstraßen sofort zugreifen und abschleppen. Bei einem falsch geparkten Nissan March etwa...

Freitag, April 13, 2018

Nachtalarm

Man liegt im Bett und schläft. Dann wecken einen diese Kratzgeräusche am Fenstergitter...

Taiwanische Wohnungen haben ja immer diese vergitterten Fenster, entweder ohne Schlüssel oder gleich ohne Schlüsselloch. Sonst sind Brände einfach viel zu langweilig. Auch das Spielzimmer von Junior, in dem ich in unserer Miniwohnung immer schlafe, weil ich harten Boden unter dem Rücken brauche statt das Bett. Vor dem Zu Bett gehen hatte ich noch etwas am Rechner gedaddelt. Das Spiel Skyrim, wo einem bisweilen Mischwesen zwischen hässlicher Frau und noch hässlicherem Vogel mit spitzen Krallen und Feuerkugeln attackieren.

Liege also nun im Bette - na ja auf dem Boden jedenfalls, da schrecke ich aus dem Schlaf. Werde wach von Kratzgeräuschem am Fenstergitter. In der Realität, nicht im Spiel. Irgendwas tackert und krabbelt da und das Geräusch wird immer lauter. In dem kurzen Moment zwischen Traum und Wachsein überlagern sich Computerspielerinnerung und Wirklichkeit. Ich werde wach und denke noch: "Where the f*ck is my sword". Definitiv ein Vorteil von Fantasywelten, dass man da immer ein Langschwert als Argumentationshilfe zur Hand hat. Ich raffe mich auf, gehe im Dunkeln zum Fenster, mache mich bereit den Vorhang zur Seite zu ziehen. Es kratzt immer noch. Was immer da rein will, müsste langsam da sein im Stockdunkeln am Fenster.

 Taipei: Grund in virtuelle Umgebungen zu flüchten


Da bellt ein kleiner Hund mit seiner Fistelstimme in der Wohnung gegenüber. WAU WAU WAU WAU. Nur viermal. Die Kratz- und Trappelgeräusche (wohl auf dem Blechdach über dem Gitter und daher viel lauter als sie sein sollten) entfernen sich rasch. Hund bleibt ruhig. Wauwi und Ludigel schlafen wieder ein.

Mentale Notiz: Mit Straßenhund im Fantasyspiel anfreunden (mein Husky dort hat leider das letzte Dungeon nicht überlebt). Gibt es in Skyrim wie auch in Taipei.


Donnerstag, April 12, 2018

Now wait a minute...

Ein Parkplatz in Taipei...

Gut, hier ist eine alte Durchgangsstraße zum Parkplatz umgebaut worden und möglicherweise haben sich alte und neue Markierungen überlagert. Dass man das einfach so stehen lässt zeigt sicher die viel laxere und oft unüberlegte Art, wie hier Fahrspuren angelegt sind. Und Kreuzungen designt und Ampeln aufgestellt und und...

Mittwoch, April 11, 2018

Weisheit


Eigentlich ist es so einfach. Wählen Sie einfach eine Tür.


Links die runde Tür mit dem Halbmond des Islam. Ein Zeichen, das wohl ursprünglich von einem vor-islamischen Mondgott her datiert. Weil fast alle Türme zur Zeit Mohammeds mit eben diesem Halbmondsymbol versehen waren, darunter eben auch die Kabba, die ursprüngliche Moschee in Medina.
In der Mitte der eckige Dacheingang mit Anlehnung an das Dachdesign eines traditionell chinesischen Tempels. Dekoriert mit dem Hakenkreuz in der hier gebräuchlichen Form (invertiert im Vergleich zum Nazi-Kreuz). Wie alle Symbole dieser Art übrigens für die Bewegungen der Sonne über das Jahr am Himmelszelt stehend (oder ein Symbol direkt für die Sonne) und daher in vielen Kulturen zu finden. Gerne hier in Taiwan für den China-Buddhismus oder seine diversen Derivate (gemixt mit Konfuzianismus oder wie auch immer) verwendet.

Rechts dann das Kreuz. Ganz so als seien Menschen Bauklötze, die man nur richtig in die Türchen einsortieren muss. Nur wo ist mein Durchgang für die große Urmutter?


...

Ach da is' ja det gesuchte Türchen.

Dienstag, April 10, 2018

Würden Sie Ihre Kinder hier fallen lassen?

Ein EKZ mit vielen Kinder-Abenteuer-Anlagen in Taipei. Natürlich alles kostenpflichtig.

 Als ich die Kinder rechts im Klettergerüst rumklettern sah und mir vorstellte, dass eine ganze Schar davon plötzlich auf die anfangs senkrecht in die Tiefe gehende Rutsche drängt, da wurde mir schon mulmig. Junior wurde instruiert, sie einstweilen nicht zu benutzen.
Ich dachte: Bei uns in meiner niedersächsischen Kleinstadt wäre dass so ein Ding für Eltern, die unbedingt ein Zimmer für die Hannovermesse-Saison vermieten wollen, aber kein Zimmer frei haben. Wenn Sie verstehen was ich meine.

Später bekam Junior doch die Erlaubnis. Die Rutsche wurde von einem Mitarbeiter betrieben, der die Kinder in einen Sack steckte und sie mit bloßen Händen ein Stück weit herunter ließ, so dass sie mit den Füßen schon die senkrechte Phase der Rutsche überwunden hatten und dann gerade in die Schräge kamen. Meine Sorge war gewesen, dass die Kinder allein rutschend sonst schief fallen würden und am Ende mit dem Kopf gegen die Seitenwände kämen, was auch bei Polsterung ziemlich viel Kraft auf empfindliche Kinderhälse ausüben würde.

So ging es gut. Trotzdem ist es irgendwo so eine Sache die solange okay ist, wie dem Operateur nicht mal ein Kind entgleitet und es schräg heruntertrudelt und am Ende doch mit dem Kopf gegen die Seite schlägt. Immer trockene Hände wünscht man dem Operateur.

 Dann doch lieber mit der Enterprise (nicht Challenger) ins All in einem anderen EKZ.

Donnerstag, März 29, 2018

Taiwans Ausländersuperstar Z.D.: ...... Ist er immer noch im Knast?

Das Verfahren um den britisch-pakistanischen mutmaßlichen Todesfahrer Z.D. hat im Prinzip das Verhältnis zwischen Ausländern und Taiwanern definiert - jedenfalls hier auf der Insel Formosa. Der Unfall war schon 2010. Was also wurde aus Z.D.?

Rückblende:

2010 betreibt Z.D. in Taipei eine kleine Computerfirma, die sich wie in Taiwan ziemlich üblich als taiwanische Zweigstelle eines US-Konzerns ausgibt. Jedenfalls landete Google immer nur bei der Taiwanfirma, nie in Übersee. Hier verwendete er wie jede andere kleine Computerbude in Taiwan auch offenbar falsche oder gar keine Microsoft-Lizenzen für die Computer. Aber darum geht es nur am Rande. Außerdem fuhr er mit einem damals schon alten Mercedes der E-Klasse zu einem Besäufnis in einer "Puff"-Karaoke-Bar, wo er sich komplett von seinen taiwanischen Trinkkumpanen abfüllen ließ, bis er nicht mehr laufen konnte. Offenbar hatte er auch schon ein PKW+Alkohol-Vorproblem gehabt. Wie dem auch sei, ein Abgestellter der Puffbar hat Z.D. dann zumindest in Richtung seines Zuhauses gefahren. Ein Foto einer Kreuzungskamera zeigt Z.D. auf dem Beifahrersitz und den Angestellten am Steuer.

Während der Fahrt kam es dann zur für einen Motorollerfahrer tödlichen Kollision mit dem zeitungsaustragenden Mann. Der Mercedes fuhr weiter und Z.D. gab zu ihn - angeblich ohne Wissen von dem Unfall nach Übernahme des Steuers volltrunken vor der Wohnung - im Parkdeck seines Wohnblocks geparkt zu haben.

Recht schnell fand ein pensionierter Polizist den bei einem Schrotthändler stehenden beschädigten Benz und in der Folge ging nun eine beispiellose taiwanische Massenhysterie los, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Der Medienhype in Taiwan war ähnlich als man es bei der Landung von Aliens (in bunten leuchtenden Kostümen, mit drei Köpfen und sechs Geschlechtsteilen) erwarten könnte. Eine TV-Endlosschleife von immer dem selben Film im Fernsehen und eine beispiellose Vorverurteilung. Und das, obwohl er noch ziemlich unschuldig aussah anfangs.

Später sah es dann weniger gut aus für ihn, auch wenn die Verquickung von Mafia mit der Puffbar UND dem ermittelnden Polizeirevier (über Bestechungsgelder) und eben die Vorverurteilung einen fairen Prozess unmöglich machten meiner Ansicht nach.

Mein letzter Blogartikel dazu (den ich noch finden kann):
https://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Hier ist auch alles noch mal im Detail zu lesen.

Unfallfahrzeuge etc.: https://redbrickdaily.com/zain-dean-might-not-be-coming-back-to-face-the-music/

Ich merkte damals, dass die vorher uns "weiße" Ausländer an-hallo-enden Taiwaner ("where you from", "welcome to Taiwan", "can you teach my kids English") mir plötzlich öfter mal böse Blicke zuwarfen und mich im Vorbeigehen gar angrummelten. Später normalisierte sich das ganze zu eben normaler Nichtbeachtung, wie in anderen Ländern auch. Und wir bekamen Bio-Scanner an der Grenze, die nur für Ausländer sind. Weil Z.D. nämlich mit einem geliehenes Pass und weißer Schminke die Fliege gemacht hatte und über die Schweiz nach Schottland geflohen war zwischenzeitlich. In Taiwan hatte er erst 18 Monate Haft und dann in Berufung sogar 4 Jahre bekommen. Scheinbar hatte er keine Lust auf eine 4x4-Zelle mit 20 Leuten drin, wie sie in Taiwan üblich ist. Hier kann man eine Taiwanzelle sehen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html

In der Endlosgeschichte stellte Taiwan nun einen Auslieferungsantrag an Großbritannien, wo dieser den schottischen High Court, das schottische Supreme Court und das Auslieferungsgericht in Edinburgh beschäftigt. Bis heute. Wie ist also der Stand?

Zum Schluss ging es nur noch darum, ob Z.D. eine menschenwürdige Unterbringung im Taiwan-Bau ermöglicht würde. Taiwan sicherte in der Folge ein Extrazimmer mit Dusche, Duschvorhang, frischen Handtüchern und eigenem Baseballplatz (aber ohne Baseball) zu. Außerdem sicherte man ausgesuchte Ausländer mit guten Manieren als Umgang zu, die ihn anständig behandeln würden.

Allerdings fand das Verfahren mit dem immer noch im Knast sitzenden Z.D. Ende September 2017 sein scheinbares Ende, als die Auslieferung wohl endgültig abgelehnt worden ist. In dieser Sache!
Flugs stellte nämlich Taiwan den Auslieferungsanstrag erneut, diesmal wegen Behinderung der unfehlbaren (s.o.) taiwanischen Justiz. Ergo bekam der mittlerweile 3 Jahre im schottischen Gefängnis sitzende Z.D. zwar Bewährung wegen des ersten Delikts (Todesfahrt), wird aber immer noch in Haft gehalten wegen des neuen Auslieferungsanstrags. Und Taiwan droht an, immer wieder neue Anträge zu stellen, bis.... ja bis er wohl an Altersschwäche gestorben ist.

Irgendwie hat man den Eindruck, dass die schottische Justiz auch irgendein Hühnchen mit Herrn Z.D. zu rupfen hat. Nächstes Update in 10 Jahren.

Zur relativ aktuellen Lage:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201609230033.aspx

Freitag, Januar 26, 2018

Gesundheitssystem Taiwan: Ärzte, Krankenhäuser (Update)

Erst durch eine 2015 im "Tri-Service"-Krankenhaus NeiHu schief gelaufene Behandlung habe ich so richtig begriffen, wie Taiwans Medizinsystem funktioniert. Hier ein Überblick.

0. Blutspende-Wagen

Blutspendewagen nehmen kein Ausländerblut an (oder kippen es weg, wenn man drauf drängt, vermute ich). Das erklärt sich durch gesetzliche Regelungen, weil Ausländer reisen und andere Länder natürlich andere Krankheiten haben. Außerdem glauben Taiwaner ohnehin, Ausländer hätten HIV und BSE im Blut ;-)





1. Apotheken

... gibt es so in Taiwan eigentlich nicht. Was sich hier Pharmacy (Apotheke) nennt sind eigentlich eher Drogerien, eventuell mit Megaphon-Werbeaktion "Ein Ei, ein Becher Tee und 1 Stück Seife für 10 Taiwandollar (NT)". Hier gibt es also auch Shampoo (mit Schwerpunkt auf Medizinischem), dann aber wieder große Lücken im Sortiment. Nagellack zum Beispiel haben sie üblicherweise nicht (weil man das eher im Seven-Eleven Kioskmarkt kauft). Medikamente kauft man praktisch nur in Selbstmedikamentation. Ist ein Medikament nicht vorrätig ist der Verkäufer meist unwillig es zu bestellen, selbst wenn er einigermaßen Englisch kann. Drogerie eben. Verschreibungspflichtige Medikamente (hier hat Taiwan ähnliche Regeln wie Deutschland) gibt es nicht frei zu kaufen.
Aus Deutschland bekannte Medikamente gibt es eher selten. Ärzte teilen Pillen selber zu, daher gibt es eben kein richtiges Apothekerwesen.
Äußerlich erkennbar am typischen klassischen Drogerieäußeren (eher nicht wie DM oder Rossmann, sondern wie es früher auch in Deutschland war), meist mit dem Logo von Taiwans Einheitskrankenkasse National Health Insurance  (NHI) versehen (zwei grüne Männchen im blauen Kreis). Beispielfoto.
Öffnungszeiten 9-22 Uhr oft.

2. Ärzte mit eigenen Praxen

...sind fast alle nur HNO-Ärzte, weil Taiwan wenigstens im Norden zwar monatelang niedrige Temperaturen (etwa Nov-Feb) von +3 bis +18 Grad hat (die Ausreißer nach unten sind das interessante), aber die Gebäude meist keine Heizung haben (Hotels, Kioskmärkte etc. meist ausgenommen). Ich benutze diese Ärzte aber auch einfach als Allgemeinmediziner, in Ermangelung von solchen. Gelegentlich versuche ich eine Verbindung zur Nase herzustellen, wenn ich den Arzt noch nicht so genau kenne. Etwa: Mein Daumen wird dick weil Junior draufgebissen hat, aber ich habe auch einen Pickel auf der Nase).
Mit der taiwanischen NHI-Karte (grüne Krankenversicherungskarte von der staatlichen Krankenkasse) erhält man eine bunte Tablettenmischung für 3 Tage (Tüte verrät was drin ist, Beipackzettel sucht man vergebens) mit meist viel Antibiotika. Schnell soll es wirken, damit der Kunde zufrieden ist und wiederkommt. Taiwanische Ärzte arbeiten lang und verdienen wenig. Unterschiedliche Öffnungszeiten, meist wochentags abends und auch am Samstag tagsüber und abends, manchmal auch Sonntag Abend. Praxisgebühr von 200 NT bei jedem Besuch zu zahlen wenn man sich mit der NHI-Karte registriert. Am 4. Tag und oft danach kommt man manchmal einfach wieder und sagt "Gei woa wode jao" (etwa: "Gäj woa woade jau") und erhält dann ohne zum Doc reinzugehen die selben Medikamente.  Verstopfte Nasen werden vor Ort abgesaugt und man kriegt was in den Hals gesprüht.

Sind die Arztpraxen tatsächlich Allgemeinmediziner oder Internisten (meist Gemeinschaftspraxen), dann fehlt meiner Erfahrung nach der Punkt, wo sie einem sagen "ich komme nicht weiter, geh ins Krankenhaus zum Spezialisten" sondern sie behandeln stur mit der letzten Pillenmischung weiter.

Ohne NHI-Karte legt man den Pass vor und geht meist mit 1000 bis 2000 NT Kosten wieder raus (etwa 25-50 Euro umgerechnet). Man kann dann eine Medikamentenverlängerung gleich dazu kaufen.

In winzigen Praxen, die letztes Jahr noch ein kleiner Supermarkt waren und nächstes Jahr vielleicht ein Nudelrestaurant, sitzt der Doc hinter dem Tresen hinter einer Pappmascheewand hinter einem Vorhang (größere Praxen gibt es auch). Manchmal ist so viel Betrieb (insb. bei Hautärzten), dass die Türe (wenn vorhanden) zum Wartezimmer gleich offen steht und der nächste Patient schon mit im Wartezimmer steht und der letzte sich noch die verarzteten Furunkelfüße reibt. Nicht mit Sandalen in die Blutlache treten. Desto voller, desto unsauberer. Die kleinen HNO-Buden sind aber meist sauber.

2a. Privatärzte

Eigentlich soll in Taiwan jeder in der NHI sein und jeder Arzt muss ein Kassenarzt sein. In der Praxis gibt es aber offenbar reine Privatklinken, etwa den "Dr. Wu" in Taipei, der vor etwa 12 Jahren jedenfalls ohne NHI-Karte als Hautarzt tätig war, allerdings gepaart mit einer Wellness-Klinik, so dass der Grenzbereich zwischen Salbe für Entzündung und Salbe zum Jungaussehen wohl versicherungstechnisch verschwamm. Mittlerweile finde ich vom Dr. Wu nur noch eine Kosmetiklinie, die sich die Damenwelt hier reichlich auf die Pelle schmiert.

2b. Chinesisch-Traditionelle Ärzte

... sind mit NHI-Zeichen draußen genauso offiziell wie die "westlichen Ärzte/Western Doctors" und diagnostizieren mit vulkanischer Gedankenverschmelzung über Anfassen am Handgelenk (nicht an der Schläfe wie bei Startrek). Mein Katra zu deinem Katra, aha, du hat gerade Süßes gegessen, sollst du doch nicht. Man kriegt für 1000 bis 4000 NT ein Mischpulver verschrieben, das meist nach Baumrinde riecht (also vermutlich u.a. ein natürliches Aspirinpulver enthält, was das Blut verdünnt). Diese Medikamente wirken bei Dauereinnahme tatsächlich. Man sieht oft viele natürliche Blütenzutaten in den Gläsern in der Apothekensektion. Leider kam es in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass Zutaten aus der VR-China verwendet wurden die massiv mit Schwermetallen und evtl. auch hohen Cortisondosen versehen war. Der Tod des Patienten etwa durch aktues Nieren- oder Leberversagen ist eine extrem seltene aber durchaus manchmal vorkommende Randerscheinung der Behandlung.

Tri-Service Hospital NeiHu


3. Zahnärzte

... lehnen schon mal die Behandlung ab, weil sie voll sind oder so, selbst bei Schmerzen. Jedenfalls auf dem Lande. Der Behandlungsstuhl hat evtl. noch den Schweiß vorm Vorpatienten auf dem Latex und der Schwenktisch ist noch voll mit Abfall mit Vorpatienten, es sei denn man hat einen der wenigen sauberen Dentisten. Meist stehen zwei bis vier Stühle direkt nebeneinander, oft einsehbar von der Straße durch das Schaufenster (war letztes Jahr noch ein Dumpling-Restaurant und vorletztes ein Nagelstudio) und immer einsehbar vom Wartezimmer. Schreit man gleich weniger und zappelt auch nicht so. Auf NHI-Karte kann man sich alle drei Monate gratis die Zähne überprüfen und saubermachen lassen.

4. Spezialisten

... sind fast immer in Krankenhäusern niedergelassen, wo es den OPD-Tresen (OPD = Out Patient Department) zur Registrierung gibt. Besonders beliebt bei ausländischen Patienten ist das lange Formular voll und ganz in chinesischen Schriftzeichen. Einen Termin vereinbart man eigentlich vorher, um episch lange Wartezeiten zu vermeiden, was über komplett in Chinesisch geschriebene Webseiten geht (Ausnahme offenbar hier). Hat man eine Nummer, sucht man erst mal das Sprechzimmer und registriert sich dann erneut entweder durch Einstecken der NHI-Karte in einen modernen Tablettcomputer in der Wand, der einen dann auf der Warteliste automatisch aktiviert oder indem man die Sprechstundenhilfe abfängt und ihr die NHI-Karte und den Registrierungsschrieb in die Hand drückt. Wer keine NHI-Karte hat muss auf jeden Fall die Sprechstundenhilfe abfangen, sonst kommt er nie dran. Taiwaner rasen auch einfach in das Behandlungszimmer rein und erwischen Frau Lu mit runtergelassenen Hosen, um ihren Schrieb abzugeben.

Der Wand-Tablettcomputer, wenn vorhanden, zeigt meist zwei Nummern an. Einmal wer jetzt dran ist groß links (etwa: 52) und dann wer als nächstes dran kommt klein rechts (etwa 58, weil 53-57 noch nicht den Schrieb abgegeben haben und nicht physisch anwesend sind). Verpasste Nummern werden erneut automatisch aufgerufen, etwa steht dann dann (52 | 8) und die 8 ist dann als nächstes dran. Mit "altmodischem" Digitaldisplay kann man als Nummer 8  auch bei höherer Zahl die Sprechstundenhilfe abfangen und kommt dann irgendwann dran.
Sind weitere Tests erforderlich erhält man die entsprechenden Schriebe und macht sich auf das fröhliche Suchen der entsprechenden Abteilung, wobei uns trotteligen Ausländern aber immer gern und freundlich weitergeholfen wird. Am Ende hat man einen Rezeptschrieb, mit dem man jetzt erst zur Kasse geht (i.d.R. Nummer ziehen) und dann am Kassenfenster die NHI-Karte und den Schrieb vorlegt und immer ein paar Hundert und oft 1000 NT bezahlt. Mit dem abgestempelten Medikamentenzettel (der eine Nummer irgendwo hat) geht es dann zur Warteschlange der Apotheke, wobei man sich erst anstellt, wenn die eigene Nummer kommt oder übertroffen wurde. Denn erst dann sind die Medikamente fertig. Mit anstehende Taiwaner wollen dem Ausländer meist die Nummer auf der Verschreibung kontrollieren; er könnte ja zu früh anstehen und schlauer als unsereins sind sie ja eh. Oft fragen die Apotheker, ob man Englisch benötigt, dann haben sie die Option im Computer und die Medikamententüte ist auf Englisch (Wirkstoffe sind ohnehin immer auf Englisch). Wieder hat man nur für 3 Tage die Medikamente und muss bei Neubedarf wieder zum Arzt rein.

Die qualitative Bandbreite der Behandlung ist extrem. Die Krankenhäuser teilen sich grundsätzlich in drei inofizielle Klassen: wenig Zuzahlung, mittelviel Zuzahlung und viel Zuzahlung und entsprechend ist der nächste Arzttermin (evtl. zur Auswertung des Bluttests) nächste Woche/in 2 Wochen oder in ein paar Tagen oder eben sofort im Anschluss. In der niedersten Kategorie bin ich einmal vom Arzt ausgelacht worden und musste hören, meine mich in die Notaufnahme treibenden Symptome seien eingebildet. Ein Krankenhaus der höchsten (inoffiziellen) Kategorie hat mich dann praktisch sofort in den OP gesteckt und weg waren die Symptome - von wegen eingebildet.

Eines muss ich sagen: Die Kinderkliniken sind aber scheinbar immer sehr gut.In der niedrigsten Kategorie hat man sonst Ärzte die einem wie Scharlatane vorkommen oder eben auch vertrauenswürdige Leute, die wissen was sie tun, aber einen lange auf die Auswertung des Tests etc. warten lassen.

Ein Ausländer, der nach einer Unfallflucht blutend in einem Krankenhaus erschien, musste erst mal das lange Formular ausfüllen und saß dann mit regulären Patienten in der Warteschlange. Hier wäre wohl die Notaufnahme besser gewesen. Die Krankenschwester sei schreiend aus dem Behandlungszimmer gerannt, als sie sein Blut gesehen habe. Ich vermute, sie hatte Angst vor Ausländerblut (das bekanntlich AIDS-verseucht ist, wie die Regenbogenpresse hier lehrt). Ich habe so etwas noch nie erlebt, aber auch noch nie geblutet im Wartezimmer.

Krankenhaus-Beispiele:

I. Wenig Zuzahlung, lange Wartezeiten, sehr durchwachsen bis auf Kinderklinik und Notaufnahme, die sehr gut sind:

Tri-Service-General Hostpital Taipei-NeiHu: https://wwwv.tsgh.ndmctsgh.edu.tw/english/191
Ein allen offen stehendes Militärhospital (wegen dem Tri-Service im Namen erkennbar).

II. Mittelviel Zuzahlung, eigene gute Erfahrungen:

Taipei Veterans Hospital in Taipei-BeiTou: https://www.vghtpe.gov.tw/Index.action

III. Viel Zuzahlung, sehr schnelle und kompetente Behandlung (außer in Augenarzt-Abteilung, da hatten wir einen sehr arroganten unwilligen Arzt):

Das private ShuTien-Hostpital am Daan-Park in Taipei (aka Ruentex-Klinik), das auf NHI-Karte eben gegen teils erhebliche Zuzahlung behandelt (was ohne OP durchaus erträgliche Summen von min. etwa 500 NT oder so sein können): http://www.shutien.org.tw/
Die Klinik hat zur Zeit wohl nur Urologen und Augenärzte und arbeitet mit dem Shung-Shan Hospital zusammen (http://www.csh.com.tw/en/en1.php). Hat man stationäre Behandlung, bietet das ShuTien die Möglichkeit, die OP und das Zimmer mit dem Arzt vom ShuTien im ShungShan zu haben, was erheblich billiger ist.

5. Notaufnahmen (ER, Emergency Room)
... haben geringere Warteschlangen und wollen im Gegensatz zu Deutschland nicht nur vertrösten, bis man wieder zum "Hausarzt" gehen kann, sondern behandeln wirklich und umfassend und sehr kompetent, auch im o.g. Tri-Service. NHI-Karte oder Pass mitbringen.

6. Spezialbehandlungen für solvente Ausländer

... bietet etwa das TriService in NeiHu. Hier hat man offenbar First Class - Service mit Luxuseinzelzimmer und schneller Behandlung, allerdings DARF man nicht bei der staatlichen NHI Krankenversicherung versichert sein.



Nachtrag: Besonderheiten im Krankenhaus:

Man erwartet, dass eine Begleitperson mit im Zimmer auf unbequemer Liege neben dem Bett nächtigt und Jobs übernimmt, die in Deutschland die Krankenpfleger/-schwerstern erledigen würden wie Bett machen, füttern etc. Es gibt professionelle mietbare Begleitpersonen über Privatkontakte.

Besuchszeiten sind de facto fast rund um die Uhr. In Mehrbettzimmern hat man bis spät am Abend 22 Uhr eine kreischende Großfamilie am Nachbarbett und vor dem eigenen Fußende steht Ho-Fong, der noch lauter schreien muss, weil er gerade telefoniert. Riecht auch lecker, wenn sie alle viel zu futtern nach taiwanischem Geschmack mitbringen.

Das Essen im Krankenhaus ist wohl ein privater zubuchbarer Lieferservice und meist erstaunlich gut.

Zweibett- oder Einzelzimmer lohnen sich wegen der Always-Open-Besuchszeiten. In den meisten Krankenhäusern kostet ein Einzelzimmer um die 4000 NT pro Tag, im privaten ShuTien um die 30.000 NT. Wir haben eine private Zusatzversicherung, die die 4000 NT jedenfalls abdeckt (Allianz Taiwan ;-)

Großer Vorteil des Taiwan-Kassensystems gegenüber Deutschland. Als ich vor vielen Jahren das mal überprüft habe, war der Kassen-Basissatz etwa für Beschäftigungslose bei etwa 1000 NT im Monat und als Angestellter wurde mir ein ähnlicher Betrag vom Gehalt abgezogen; der Arbeitgeber zahlt genauso viel. Die umgerechnet 25 bis 30 Euro sind eine ganze Ecke günstiger als der deutsche Basissatz für freiwillig gesetzlich versicherte von knapp 190 Euro.

Tipp:
In der Holzklasse der Krankenhäuser in der ambulanten Behandlung am besten mit eigener Recherche überprüfen, ob die Diagnose schlüssig ist. Die Ärzte verdienen an Operationen sehr viel mehr als sonst und sind i.A. schlecht bezahlt.


Zusammenfassung des Artikels a la Reiseführer:

"Die ärztliche Versorgung in Taiwan und insbesondere Taipei ist annähernd so gut wie in Deutschland." Erstaunlich, welche Bedeutung das Wort "annähernd" haben kann.

Keine Organtransplantation, sondern nur ein Kimchi-Kochkurs (und in Korea gebe ich zu).

Freitag, Januar 12, 2018

Taiwan Lebensmittelstatus 2017: krebserregender Stoff legalisiert!

Seit ein paar Tagen bin ich wieder in Taiwan. Und habe merkwürdige und sehr störende Symptome, die ich als allergisch einstufe

Abgesehen von einem Hexenschuss beim 150 kg-Pakete-Stemmen war ich während der 5 Wochen meines vergangenen Deutschlandaufenthalts die reine Gesundheit. Doch kaum seit ein paar Tagen in Taiwan (seit dem 03.01.) bin ich ein gesundheitliches Wrack. Eine Vorgeschichte habe ich ja: Seit meinem Kommen 2004 hatte ich in Taiwan ständig allergische Symptome (eine Miniversion von dem was ich jetzt habe), die bei Aufenthalten außerhalb Taiwans am dritten Tage völlig verschwanden. Ich dachte immer, was kippen die Taiwaner bloß ins Essen? Die Antwort war u.a. DEHP, ein industrieller Schmierstoff, der wohl seit den 90er-Jahren Palmöl in Taiwan ersetzt hat und in fast allen Lebensmitteln war.

Siehe hier: 
https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal
und auch hier bzgl. anderer problematischer Stoffe:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
und hier:
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal

2011 verschwanden dann die Symptome. Im Jahre 2015 hatte ich dann allerdings ein gutartiges Wachstum, das zu einer Art Organversagen führte und operativ behandelt werden musste, laut Tierversuchen lässt es sich auf DEHP zurückführen (auch wenn das gutartige Wachstum auch andere Gründen haben kann, wie immer bei solchen Dingen).

 Wo ist mehr Plastik drin? Im Essen oder im Löffel?

2016 hatte ich dann keine Symptome mehr, aber nun nach der Rückkehr nach Taiwan bin ich wieder voll dabei. Lassen wir meine persönlichen Symptome und fragen wir uns stattdessen, wie es im Jahre 2017 mit der Lebensmittelsicherheit in Taiwan ausgesehen hat. Aufgefallen ist mir, dass man von Lebensmittelskandalen rein gar nichts mehr hört. Ganz im Gegensatz zu früher. Soll das nun heißen, dass die Taiwaner ihre Lebensmittelindustrie komplett umgekrempelt haben? Oder - so dachte ich sogleich - hat die neue Präsidentin Tsai Ingwen  (DPP, seit 2016 im Amt) eventuell die Regularien aufgeweicht?

Ich weiß es natürlich auch nicht, aber folgender Link stimmt wenig optimistisch:
http://courageworld.ch/TaiwanFood.htm

Dort heißt es, berufend auf einen Universitätsprofessor, dass Taiwan 2017 mehr "relaxed" bei der Lebensmittelsicherheit sei, im Gegensatz zu anderen Ländern. Und dass - eine 2017er Meldung) der erlaubte Pestizidgehalt der Nahrung 1000 mal so hoch sei wie in Europa. Außerdem sei das Dioxin-Kontrollsystem zusammengekracht. Näheres wird nicht angegeben sondern auf einen TV-Bericht verwiesen.
Außerdem haben die pfiffigen Taiwaner einen Kustgriff gemacht. Der toxische Flüssigkunstoff DEHP ist laut dem Link 2017 nicht mehr als "toxic chemical material" sondern nur noch als "concerned chemical material" eingestuft.

Weil also das krebserregende, leibesfruchtschädigende und Diabetes auslösende DEHP in Taiwan als illegaler Palmölersatz so beliebt ist, hat die Regierung die Konsequenzen gezogen und den Stoff offenbar legal gemacht! Das würde meine derzeitigen Symptome erklären, die wie eine Maximalversion dessen sind, was ich bis 2011 hatte (offenbar: China-Times, April-21-2017).

Ich gebe meinen Symptomen (die ich meiner einer gewaltigen Apotheke bekämpfe) noch 2 Wochen. Wenn sich dann nichts ändert, muss ich die Zelte im Chemiewunderland Taiwan abbrechen, dem Gejammere von Frau und Junior zum Trotze.