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Donnerstag, Mai 25, 2017

Gleichgeschlechtliche Ehe im modernen Taiwan: Pressemeldung

Kurz erwähnt: 

Die Taiwan-Berichterstattung deutscher Medien begeistert den Taiwan-Expat oft eher weniger. Selbst wenn man selber über Straßenverkehr, Smog und hektisch essende Taiwaner bloggt, nimmt man es übel, wenn Taiwan in Deutschland nur mit bizarren Geschichten in der Presse ist. Einmal etwa stand auf Spiegel.de die Story eines pfiffigen Priesters, der einem Gläubigen aus Gründen der magischen Kraftlinien zum Abholzen seines Wäldchens geraten hatte. Der Priester hatte schlichtweg Brennholz benötigt. Was immer zu kurz kommt in der Berichterstattung ist, dass Taiwan natürlich ein modernes demokratisches Land mit entwickelter Zivilgesellschaft ist. Positiv daher der heutige Spiegel.de-Artikel über die Same-Sex-Heirat, die Taiwan bald erlauben will. Auch sonst schneidet Taiwan gut in dem Bericht ab. Durchaus berechtigterweise, allem Exapt-Gemaule über Verkehr und Smog und Chemie im Essen zum Trotz. Gemaule, wovon dieses Blog hier sicher überreichlich hat. Ich gebe es ja zu.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/taiwan-oberstes-gericht-spricht-sich-fuer-homo-ehe-aus-a-1149200.html


Ob Sie lieber Damen oder Herren wählen, bleibt natürlich Ihre Sache

Montag, Mai 22, 2017

Irgendwo gibt es einen Spielplatz für Dich (Verkehrstod eines Kindes)

Der Nachbarschaftstratsch meldet den Verkehrstod eines kleinen Kindes, etwa 50 Meter max von meiner Haustür in NeiHu, Taipei, Taiwan.

Wir wohnen seit meiner Rückkehr nach Taipei im März in einer Mietwohnungsanlage, die zu den besseren der oft slumartigen Wohnblöcke bei uns in der Gegend gehört. Ein sehr breiter Bürgersteig ist bei uns vorm Haus, richtig eine Oase an der lokalen Hauptstraße. Und Grün gibt es bei uns im Innenhof.
Gehe ich aber 30 Meter nach links, fängt eine Budenzeile aus zeltartigen Verkaufsstellen an. Die schlimmsten sind schon weg. Seit sich die Verkehrspolizei bei uns seit zwei Jahren oder so für Falschparker interessiert und man immer wieder Polizisten auf Mopeds sieht, verschwand auch die Horrorbude unter den Verkaufsstellen. Das war ein düsteres stinkendes Zelt, in dem braungrün-verklebte Hühner in Käfigen vor sich hin schimmelten und einen entsetzlichen Gestank verbreiteten und ihre blau angelaufenen Leichenteile ungekühlt in der Sonne auf einem Tisch schmorten. Alte Frauen sahen sich interessiert die abgehackten Beine samt Krallen an und nickten dazu einfrig, während sie die Münzen aus ihren Geldbörsen holten. Lange Jahre war der Bürgersteig eklig schmal und so hielt ich meist die Luft an, wenn ich dort vorbei ging.



anderer Fall, selbe Ladenzeile: reglose Frau, Unfallfahrer beim Fotografieren

Heute ist der Bürgersteig verbreitert und der Horrorstand weg. Aber es gibt immer noch die Fischverwesung gleich neben an, wo in der prallen Sonne und Abgasluft direkt auf Auspuffhöhe Fische mit etwas Eis vor sich hin stinken. Dort an dem Fischstand war immer eine ganze Familie versammelt, die den etwa 2 Meter breiten Bürgersteig (gleichzeitig illegal Parkstreifen für Autos, Mopeds und quer gestellte Fahrräder) zu ihrem Spielhof erklärt hat. Wohl drei Kinder im Alter von 2-5 oder dergleichen spielten dort mit Wasserbecken aus Styropor, sowie die Fische raus waren, fuhren Dreirad uns spielten Ball. Direkt an der Fahrbahn, wo an der viel befahrenen Straße Autos mit eher 50 und 60 als den auf die Fahrbahn gemalten 30 durchfahren. Oft ging ich dort lang und dachte: "Wie gefährlich!" Wenn so ein Kleinkind mit dem Dreirad nah an den Fahrbahnrand fährt und die ganze Familie vor sich hin grinst und die Fische wäscht. Oder Radio hört. Handies hatten sie in der Familie wohl mal nicht, an denen man sonst in Taiwan die dreiviertel Lebenszeit seit 2010 verbringt. Aber irgendwie geht es immer gut. Denkt man. Die Kinder drehen brav am Bordstein um, die kleinen Kinderfüße hören auf Richtung Fahrbahn zu watscheln. Entweder von selbst oder die Großmutter kommt doch mal angerannt, um den falschen Richtungsvektor von Tod hin zu Überleben zu verstellen. Sprich das Kleinkind neu auszurichten, dass es auf die Bude zuläuft statt auf die Fahrbahn. Dann wieder Radio. Fische waschen. Vor sich hin lächeln. Ein einziges Mal habe ich vorbei gehend ein Kind blockiert, das Richtung Fahrbahn unterwegs war. Aber ich gehe nur im Sekundentakt da vorbei. Achte mehr wo ich hin trete als auf anderer Leute Kinder. Schließlich legen sie an der vorderen Fressbude ihre glatten Kochbleche aus den Öfen in die Gosse, stellen den Bürgersteig zu und bei Regen habe ich das spiegelglatte Blech einmal nicht gesehen und hätte mir fast den Hinterkopf aufgeschlagen, so sehr bin ich hingesegelt.

Man darf parken. Überall.

Taiwan wie es leibt und lebt. Und den Ausländer Ludigel auskichert, wenn er dort essen kaufen muss. Etwa, in dem man ihm einen falschen Preis nennt - absichtlich - und dann noch einen und noch einen und sich freut, dass alle Gäste mitlachen. Dann bin ich ein Jahr nicht mehr hin. Heute hat die Garküchenentertainerin selber kleine Kinder, die jetzt auch begroßmuttert auf dem kleinen Bürgersteig herum rennen.

An der Ecke ist vor ein paar Jahren eine alte Frau überfahren worden an der Fußgängerampel. Ich fotografierte den Fahrer, der die reglos daliegende Frau fotografierte und er sah mich böse an.

Nun ist eines der Kinder tot, vom Auto überfahren. Ich weiß nicht von welcher Bude. Aber dies Wochenende spielten dort mal keine Kinder. Doch als ich in unsere Straße einbog, brachte ich meinen Wagen komplett zum Stehen. Denn zwei kleine Kinder spielten direkt an der Fahrbahn in der Kurve, gerade noch auf dem abgesenkten Bürgersteig. Während die Eltern auf Einlass ins italienische Restaurant warteten und angestrengt aufs Handy guckten.

Dienstag, Mai 16, 2017

Kein Heulen in Taiwan (WanneCry / WanneCrypt)

Taiwan ist eines der Hauptziele vom WanneCry-Ransomware-Angriff, so liest man. Wie haben da meine Rechner den Angriff überstanden?

Es geht um die Ransomware WanneCry aka WanneCrypt, die also alle möglichen Daten auf Festplatte verschlüsselt und nur gegen Lösegeldzahlung wieder freigibt. Der Schädling dringt auf nicht aktualisierten Windows-Computern über die Datei- und Druckerfreigabe SMB ins System ein, ohne dass der Nutzer irgendetwas machen muss. Beispielsweise von einem anderen im lokalen Netzwerk infizierten Rechner oder wohl sogar einfach aus dem Internet.

Der Fall erinnerte mich an den Angriff vom Schädling Sasser vor vielen Jahren, der damals meine XP-Rechner so lahmlegte, dass ich sie neu installieren musste. Grund war gewesen, dass ich damals eine schlecht konfigurierbare lokale Firewall auf den Rechnern abgeschaltet hatte, um Dateien im Netzwerk kopieren zu können. Wie war es diesmal, bei der Wiederholung?

Bürorechner:  Ein Server, aus diversen Bauteilen hier zusammengesteckt ohne Gehäuse, mit Linux drauf (älteres Fedora 20 x64). Wie immer bei Linux ohne jede Sicherheitssoftware, aber eben mit allen Sicherheitsfeatures, die standardmäßig dabei sind. Wie einem nichtprivilligierten Nutzer ohne Adminrechte, die nur in Sonderfällen mal freigeschaltet werden. Die Linuxrechner ist völlig immun gegen den Angriff, weil WanneCry einfach nicht mit Linux- oder UNIX-Rechnern klar kommt. Ebenso würde das für Apple gelten.

Privat-Hauptrechner: Windows 10, aktuell. War sowieso immun, weil das Schlupfloch hier wohl nie existiert hat.

Altes Notebook Nr. 1: Immer noch Windows XP SP3, allerdings mit dem inoffiziellen "POS-Patch", über das er immer noch Updates von Microsoft bekommt. Weil er also Microsoft vortäuscht ein Embedded-XP - System (Geldautomat oder Kassenrechner) zu sein, die von Microsoft im Gegensatz zu anderen XP-Systemen immer noch mit Updates versorgt werden. War also längst immunisiert und evtl. hätte auch die (allerdings uralte und für Datei- und Printersharing freigeschaltete) Firewall den Angriff abgewehrt. Das Zweit-OS Fedora Linux (s.o.) - auch auf dem Rechner installiert -  wäre sowieso immun gewesen.

Alte Notebooks Nr. 2/3: Hier ist höchste Gefahr. Seit Wochen unbenutzt im Schrank und mit XP SP3 versehen. Würde man sie ans Netz hängen, würde alles an der alten Sunbelt/Keiro-Firewall hängen, ob sie trotz Datei/Printer-Sharing-Freigabe den Angriff abwehrt oder nicht. Ich werde die Rechner also ohne Netz einschalten, die Datei-/Printer-Freigabe abschalten in der aktivierten Firewall und auch das oben erwähnte POS-Patch aufspielen - plus einem manuellen Patch gegen WanneCry, bevor die Kisten ans Netz gehen.

Fazit: Gut gegangen diesmal, aber die wegen langer Ruhezeit nicht aktualisierten alten Notebooks (einer hatte aus Bequemlichkeit nicht mal das POS-Patch) hätte es erwischen können.

Also weiterhin: XP forever! Habe ja eh Sicherheitskopien von allem ;-)


Montag, Mai 15, 2017

Gelungener Abend

Wieder einmal ein Familiendinner. Ludigel amüsiert sich köstlich. Andere nicht so sehr.

Um Beckenbauer zu zitieren: "Ja gut äääääh.....". Es war halt nicht für alle ein guter Abend. Die heilige Familie meiner Frau, in ihrem 5000jährigen Chinesentum sowieso die Krone der Schöpfung, hatte sich mal wieder zum Festessen versammelt und ich musste wie immer mit. Mache ich ja gerne. Nur quälten mich wieder mal meine Nasennebenhölen. Offenbar führt in meinem halb unfreiwilligen 14. Jahr in Taiwan die Abgasluft Taipeis zu einer Dauerreizung verbunden mit Kopfschmerzen, wie ich sie zu letzt in den 70er Jahren hatte, als ich als Kind in Deutschland an einer Hauptstraße wohnte und es katalysatorfrei stark nach Abgasen roch. Ich war nicht unbedingt bester Laune und auch das leicht gegarte Huhn mit toter nackter Stoppelhaut drum herum trug nicht zur Anhebung meiner Stimmung bei. Ich verabschiedete mich auf einen "kleinen Spaziergang" und verbrachte die nächsten 90 Minuten mit dem Einnehmen einer Kopfschmerztablette, einem dicken Chickenburger bei Burger King nebst einer großen Kola und Pommes. Anschließend fand ich in dem schicken  neuen Einkaufszentrum in moderner Schiefarchitektur (Bilder folgen vielleicht noch) einen Seven-Eleven und gönnte mir wie die alten Taiwaner einfach auf der Brüstung sitzend ein Vanilleeis und zwei von diesen "Tizulu"-Schokoriegeln. "Tizulu" steht für Tirol, ist doch wohl klar. Ein anderer Laowai mit seiner einheimischen Frau ging vorbei und seine Tochter (5 oder so) umrundete mich ständig mit dem Dreidrad, einen gierigen Blick auf meine gefälschten Tiroler Riegel werfend. Man muss den Kindern das wirklich beibringen, mit den Süßigkeiten und fremden Männern. Deshalb konnte ich ihr natürlich auch nichts gegeben sondern musste es selber essen.
Nach 90 Minuten kam ich zu dem Schluss, dass gibbriger Seafood und Ekel-Riesenwürmer Schwarz jetzt alle verschlugen worden sind, sicher zu zahlreichen "hao chi"-Rufen und der reiche Schwager sicher den Dank aller Anwesenden zum Spendieren des leckeren Muttertagsessens angenommen hatte. Ich kehrte also pünktlich zum Obstnachtisch in den gemieteten Speisesaal zurück und erklärte laut, die Waschräume seinen so voll gewesen, dass ich bis eben hätte warten müssen. Ein ganz raffinierter Trick, den ich mir da ausgedacht hatte. Nur Junior (5) brauchte alles durcheinander, roch mir am Mund sagte seiner Mutter, ich hätte Schokolade gegessen. "Wieviel hast du ausgegeben?" fragte sie mich und ich fragte laut zurück "mit oder ohne Burger King?".

Da geschah das große Wunder. Die ihr Leben in teuren Boutiquen verbringende "Erste Tochter" der Familie, die mit dem reichen Schwager verheiratet ist, würdigte mich das erste Mal in den 14 Jahren meiner Anwesenheit in Taiwan eines Blickes! Hatte sie es doch bisher immer fertig gebracht, durch mich hindurch die Wand hinter mir zu fixieren - jedes Mal. Ein Schicksal, das angeblich der andere "Ausländermann" (der Filippino) in der Familie auch mit mir teilt. Erster Blickkontakt nach 14 Jahren! Das ist schon eine Leistung finde ich. Gut, es war die Art von Blick wo man oben anfängt und dann nach unten guckt. "Verachtung" soll das wohl sein. Aber lieber politisch korrekte Leser, sagen Sie es mir. Ist das nicht wenigstens ein Anfang einer intrakulturellen Kontaktaufnahme, aus der noch Großes werden kann?

Beim Rausgehen verabschiedete mich ihr Gatte etwas hilflos mit "Wir sehen uns dann zum .... äh ... zum ... äh...." und ich vervollständigte freundlich lächelnd "das nächste Mal McDonalds, nicht wieder Burgerking" und ging fröhlich meines Weges.

Also, mir hat der Abend Spaß gemacht. Wenn sich jetzt im Laufe der Woche auch der Haussegen wieder einrenkt, ist alles wunderbar.

Keine Sorge, dass mit McDonalds habe ich natürlich nicht ernst gemeint. Das Essen dort hat ja mit menschlicher Nahrung nicht wirklich viel zu tun. Kentucky Fried Chicken vielleicht. Oder Subway. Es sei denn ich werde aus der weiteren Anwesenheitspflicht beim sich selbst feiern dieser von sich selbst so überzeugten Menschen entbunden. Was eigentlich die Absicht des ganzen Manövers war.


Mittwoch, Mai 10, 2017

Die TV-Hackerbox

Ein Freund benutzt sie. Der Schlumpi. "Betrügt" er doch vielleicht mehrere Fernsehkonzerne um ihre Tantiemen.

"Ubox" von Unblock Technologies

Ein Freund hat dann also diese kleine weiße Kunstoffbox mit HDMI- und USB-Anschluss. Drauf läuft Android (das Linuxderivat). Ein HDMI-Kabel verbindet die Box mit unserem Fernseher für einen kleinen Probelauf. Die Fernbedienung der Box kann schnell auch den Fernseher steuern und sonst kann man sich mühsam entweder mit diversen kleinen Tasten oder mit einer veritabel angeschlossenen USB-Maus durch die diversen Android-Interfaces tasten. Die Hackerbox, wie ich sie nenne, geht über Ethernet oder Wireless ins Internet und findet dort alle möglichen TV-Kanäle von fast überall auf der Welt, darunter auch offensichtliche Pay-TV-Kanäle. Alles ohne zu bezahlen. Herkunftsort der kleinen Box ist China.

Läuft das Ding schon?

Schnell ist mein altes 3G-Smartphone auf Connection-Sharing geschaltet, es funktioniert also als Wireless Access Point wie ein Heim-DSL-Wireless-Router. Die Qualität ist mäßig, die Hackerbox scheint die Bildqualität stark zu reduzieren und wir haben häufige unfreiwillige Standbilder.

Ein neueres 4G-Telefon liefert jedoch bessere Qualität und mit schnellen DSL-Zugängen Marke Taipei geht es sowieso. Wir haben natürlich nur einen kurzen Test gemacht, um uns nicht strafbar zu machen mit dem Leihobjekt.

Es gibt fast alle großen TV-Kanäle von fast überall, nicht jedoch Deutschland. BBC und ITV aus GB und US-Filmkanäle in zumindest Überseeversionen, auch Disneychannel und Cartoon-Network, alles Englischsprachig, teils aus den Philippinen, aber da spricht man ja außer in den Werbespots auch Englisch. "Buy healthy orange juice for your kids na panga sasa dada" oder so hört man in den Werbepausen. Gegen die geheime PIN 1818 gibt es jede Menge Hardcore-Kanäle. Unverpixelt machen sich Japaner über Japanerinnen und kräftige Russen über zierliche Russinnen her. Alles Mainstream-Porn.

Manchmal spinnt die Box oder eher die App, die sich updaten will aber manchmal nicht kann. Bei Hitze und Dauerbetrieb bleibt die Kiste auch schon mal schwarz und geht dann manchmal einfach wieder und redet davon, das HDMI-Kabel sei angeblich wieder eingesteckt worden. Praktisch: Das Android-OS ist um zahlreiche Videoplayer erweitert und ein eingesteckter USB-Stift lässt (über Dateimanager, den man etwas umständlich über die Fernbedienung aufruft) die Wiedergabe von so ziemlich allen Videoformaten inklusive .mkv - Dateien zu. Es gibt auch eine deutsche Exportversion der vermutlich irgendwie illegalen Hackerbox.

Gesamturteil: Weltfernsehen in der taiwanischen Version ohne deutsche Kanäle, nervt aber öfter mal durch Hardware- und Softwareprobleme. Nichtsdestotrotz praktisch für die Videodateiwiedergabe auf dem Fernseher und den neugierigen Peek in das aktuelle englische oder norwegische Fernsehprogramm.

Vergessen: Auch Youtube ist als App vorinstalliert. Die chinesischen Shopping-Apps und irgendwelche weiteren Pay-Angebote ("pay and get screwed from Shenzen") ignoriert man wohl besser. Aber Youtube funktioniert gut.

Wenn wir die pöse, pöse Hackerbox benutzen würden, würde sie uns tagsüber die normalen Taiwan-TV-Sender für Frau oder Cartoon-Network und Disney-Channel für Junior liefern, zuzüglich Youtube, wo Junior bislang auf "seinem" IPad immer nach Transformer-Videos sucht. Und gelegentlich würde das Ding einen Film vom USB-Stick spielen. Mit Russen/Russinnen und Japanerinnen/Japanern und den Dingen, die die miteinander für Geld tun hätten wir dabei nichts am Hut ;-)  Und da Junior und Frau ohnehin das TV fest in ihren Händen haben, hätte norwegisches Fernsehen und selbst ITV aus England eher wenig Chancen.

Donnerstag, Mai 04, 2017

Autofahren...

Der Artikel "Autofahren in Taipei", der auch das Umland mit einschließt ist vielleicht nicht ganz perfekt bebildert. Unten ein Bild allerdings aus Changhua, das die öfter vorkommenden nervigen Situationen in Taiwan ganz treffend beschreibt.

In engen Gassen oft Millimeterarbeit im Dauerstau leisten und dabei auf mit hoher Geschwindigkeit regelfrei heranpreschende Motorroller achten ist eben oft der Alltag in Taiwan. In Changhua, das mir noch viel voller und enger als Taipei vorkam, ist das wohl Dauerzustand. Hier bin ich allerdings nur Passagier gewesen.

Mit unserem neuen kleinen Nissan March aka Micra fahre ich in Taipei allerdings die Tage recht unbeschwert durch die Gegend. Das etwas über 1,60m breite Autochen passt halt viel besser durch enge Gassen als unser alter Volvo XC60, der es immerhin auf etwa 1,90m brachte. Sparsam ist der Nissan-Kleinwagen mit etwa 10 Litern Verbrauch auf 100km Stadtverkehr allerdings nicht gerade. Mit seinem 1,5-Liter 99 PS-Motor ist er aber auch kein Sparauto. Das Automatikgetriebe ist Drehzahlhungrig und schaltet beim kleinsten Pedaldruck sofort runter und der Motor ermuntert mit aggressivem Jaulen zum Beschleunigen, was er auch recht eindrucksvoll tut, wenn man dem nachgibt. Immerhin ist der Nissan deutlich sparsamer als der Volvo, der bei gleichem Verkehr 15 Liter geschluckt hat. Auch die Käufer des Volvo (Schwester Nr. 4 von Frau) klagen jetzt über hohen Verbrauch. So ein 245 PS-SUV ist eben doch kein Sparmobil.

Wieviel Spaß das Autofahren in Taipei macht muss jeder selber wissen. Am meisten vielleicht beim Kauf eines Lederüberzugs für das etwas harte Lenkrad. Junior wollte mich noch am Foto hindern und erwähnte die gerade den Volantüberzug aussuchende Mutter. Ich muss ihm noch mal erklären, dass das Recht der Blogleser auf wirklichkeitsgetreue Abbildung von Taiwan natürlich vorgeht.

Hier sollten hilfsbereite Bignoses sofort als mobiles Rollkommando zur Tat und Hilfe schreiten!


Ich vermisse im 14. Jahr Taiwan den Mitsubishi SUV meines Vaters, der jetzt einsam in einer niedersächsischen Kleinstadt in der Garage steht und auf den dortigen Straßen weniger als 9 Liter verbraucht hat. Auf den fast ausgestorbenen Straßen Niedersachsens.
Wie lange ich das hier alles noch angucken muss oder will? Wir werden sehen.

Dienstag, Mai 02, 2017

Mein Stuhl, mein Schreibtisch, mein Zimmer (wo ich nie war)

Sachen geholt aus dem gemieteten Haus in Manila. Ein trauriges Treffen auf eine alternative Welt


Ende letzten Jahres zog es meine Frau massiv in die Philippinen. Dort lebt ja ihre Schwester, die mit einem chinesischstämmigen Philippino verheiratet ist. Schnell war von ihr eine weitestgehend soziale und finanzielle Fusion vollzogen. Was sich in gemeinsam gekauften Immobilien, einem gemeinsam eröffneten Restaurant und gemeinsamen Verkaufskiosken äußerte, die an das Geschäft der lokalen Familie angeschlossen waren. Meine Frau stand all diesen Projekten sehr optimistisch gegenüber, ich hingegen eher pessimistisch. Nun waren wir wieder in Manila, um das dort noch bis Jahresende gemietete Reihenhaus auszuräumen. Es war ein bisschen traurig. Ich sah das für mich eingerichtete Zimmer in dem Häuschen. Voll mit meinem Zeug, als hätte ich dort wirklich gelebt. Was ich nie getan habe. Ich fand meinen Single Malt Scotch im Schrank, meine Schokolade und Salami im Kühlschrank etc. Ich sah das erste Mal in Person das Sofa, das ich so oft im Videochat gesehen hatte. Auf dem mein Sohn mich immer gefragt hatte, wann ich endlich auf die Philippinen kommen würde.



Es ging nicht. Ich war noch mit der Nachlassregelung für meinen gerade zum Umzugszeitpunkt auf die Philippinen verstorbenen Vater beschäftigt. Ich wollte auch nicht. Auf den Philippinen ziehen derzeit Todesschwadronen durch die Gegend, die angeleitet vom Präsidenten Jagd auf vermeidlich Drogensüchtige machen. Auch Ausländer sind dem schon zum Opfer gefallen. Einmal geplant (eine Britin mit philippinischem Pass und Verstrickung in Bordelle und Drogen) und einmal ungeplant (ein mit vorgespielten falschen Anschuldigungen von der Polizei entführter und ermordeter Koreaner). Man kann schwer zwischen geplanter illegaler Tötung und ungeplanter unterscheiden, wenn einmal Todesschwadronen auf höchsten Befehl per pauschaler Amnestie durch das Land ziehen.



Außerdem führte die starke soziale Verstrickung mit der lokalen Verwandtschaft dazu, dass ich selbst von jedweder Planung des eröffneten Restaurants ausgeschlossen war. Schließlich kennen die dortigen Leute die Verhältnisse viel besser. Am Ende war dann die Planung so südlich-locker und sinnfrei, dass es kein Wunder war, dass ich die Reste des gescheiterten Restaurants in Form von Schildern und Kochstelle dort besichtigen konnte.



Mich hat die Verwandtschaft dort nett umsorgt, mit Kuren für meine typischen Touristenleiden. Ich denke, dass ich mir wegen der gemeinsam gekauften Immobilien zu viel Sorgen mache. Trotzdem fühle ich mich mit meiner Skepsis bestätigt. Manila ist kein Ort an dem ich lange sein will.

Wer findet die ROC-Flagge?

Mich verschreckt auch dieses Land. Ein mordender Präsident (Präsident Duterte brüstet sich selbst mit eigenhändig begangenen Morden), der mit Todesschwadronen regiert (denen auch Kinder zum Opfer fallen!) hat dort Zustimmungsraten, die in den Himmel schießen. Ein Menschenleben zählt dort nichts, hört man immer wieder. Ich sah selbst einen etwa sechsjährigen Jungen mitten im Zentrum Schusterleim aus einer Plastiktüte schnüffeln, während ich mit meinem eigenen Fünfjährigen auf dem Arm direkt an ihm vorbei ging. Mein Sohn quengelte weil er schlafen wollte, der Sechsjährige sah uns mit apathischen und traurigen Augen hinterher. "Enttäuschung" ist wohl das Wort, das den Blick am besten beschreibt.



"Für Gott, die Menschen, die Natur und das Land" ist das Nationalmotto der Philippinen. Wir betreiben da jetzt einen tatsächlich irgendwie laufenden Verkaufskiosk, der drei Arbeitsplätze geschaffen hat. Das können vielleicht noch mehr werden. Aber mein Land sind die Philippinen nicht.

Schade um den zurückgelassenen Single Malt.