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Donnerstag, November 15, 2012

Die Festung des Wahnsinns

"Die Festung des Wahnsinns", so nannten wir in einer der Dot-Com-Firmen in Deutschland das Chefzimmer, in dem sich die mehreren parallelen Geschäftsführer gegenseitig bekriegten, bis zur Insolvenz des Unternehmens. Entlehnt war der Begriff dem Computerspiel "Diabolo II", wenn ich mich recht erinnere. Der Begriff kam mir wieder in den Sinn, als ich das Foto vom Mietshaus hier in der Militärveteranensiedlung sehe, in der ich hier logiere in Taipei. Verzerrt durch das Fisheye mit einem 180-Grad - Winkel verformt sich das Ganze über einem zu einem wild wuchernden Betonkoloss, hier hause ich übrigens hoch oben unter dem Dach. Noch 2006 hätten mittelgroße Wohnungen (70 qm Wohnfläche oder so) hier 6 Millionen Taiwandollar gekostet, erinnert mich meine Frau gerne mal wieder. Nur dass ich ja nicht wollte, sondern lieber ein Haus auf dem Lande kaufen wollte. Das wir mittlerweile mit nur geringem Gewinn wieder verkauft haben. Aber die Wohnungen in unserem Schlichtviertel (normale Mittelklassebunker a la Taiwan) kosten heute geschlagene 18 Millionen Taiwandollar. Durch 40 in Euro umgerechnet. Für Bruchbuden mit dünnen Wänden, oft undichten Fenstern, Gestankswolken der Verwesung aus den Abflüssen und ohne Heizungen wirklich ein stolzer Preis finde ich. Aber man ahmt da wohl China nach und will hier auch eine Immobilienblase schaffen. Auch der Trend der Stadt Taipei, Schlichtwohnungen zu Gunsten von Bürogebäuden und noch viel teureren Nobelvierteln wegreißen zu lassen, spielt hier sicherlich eine Rolle.

Sonst will ich mich nicht beschweren, dieses Gebäude ist von höheren Offizieren bewohnt, wie es scheint, die auch oft weitervermietet haben. Es ist ein ganzes Stück sauberer und ruhiger als andere fast identische Häuer in dem Gelände. Froh bin ich, dass ich nicht im EG wohne, da singt immer jemand Arien und spielt dazu Klavier, entsetzlich.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Mach Dir mal keine Gedanken. Die Wohnungen werden schon noch billiger werden, wenn keiner die Preise bezahlt, die Dinger leerstehen und dann je älter desto.....s. Spanien.
Und irgendwann gibt's auch eine Krise in Taiwan. Dann werden die Immobilienanzeigen im Apple mehr ausmachen als der Hausfrauenteil.

"Ludigel" hat gesagt…

Ich fürchte auch es könnte drastisch billiger werden, wenn wir jetzt noch einsteigen zum hohen Preis.

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
wo ist mein Kommentar von gerade eben? Egal, dann eben nochmals: Ich möchte keine Immobilie kaufen. Nirgendwo.
Irgendwann kommen die Probleme von oben, unten, seitwärts. Der neu eingezogene Nachbar beschwert sich über das nächtliche Duschen, über das penetrante Deodorant, über die zu leise Muskik, Moskitoes, Kloakengestank, Kindergeschrei, Parkplatz usw. und macht einem das Leben zur Hölle.
Als Mieter zieht man halt weiter. Finito. Als Eigentümer ist das nicht so einfach. Kaufverträge, Renovierung, Wertverlust, Notar...blabla.....
Ich bin selber Eigentümer und Vermieter in Deutschland. Sobald die jetzige Bande ausgezogen ist lasse ich das Haus lieber leerstehen als nochmal den Kalfaktor zu mimen. (miemen?). Verdient ist nichts dabei. Dafür jede Menge Arbeit.
Und in Taiwan in irgendeinem Hochhaus im 23. Stock eine Holztafeleigentumswohnung zu haben ist wirklich nicht mein Lebensziel.
Das kleine alleinstehende Häuschen mit Wellblechdach irgendwo an der Ostküste zur Miete kommt meinen Vorstellungen schon näher. Aber NICHT zum kaufen. Leider/glücklicherweise hat Madame auch ein Wörtchen zum Mitsprechen.

Tamasü hat gesagt…

Langfristig ist der Preistrend nach oben sicher nicht zu halten. Aber kurzfristig (für die nächsten 5 Jahre) glaube ich nicht an einen Trendwechsel. Dank der Ma-Politik kommt zunehmend chinesisches Geld nach Taiwan. Wo soll das hin? Wie in Vancouver werden in einigen Jahren vielleicht ganze Viertel in chinesischer Hand sein, bei steigenden Preisen. Erst wenn dieser Geldfluß wieder versiegt, wird es kritisch. Oder wenn die Zinsen stark steigen sollten. Da aber Kapitalabflüsse noch sehr stark reglementiert sind, ist das mittelfristig nicht allzu wahrscheinlich. Taiwanesische Banken sind keine Global Player (lies: Zocker), daher haben sie nicht die massiven Probleme der deutschen und amerikanischen Banken.
Und selbst wenn sich der Trend irgendwann umkehren sollte und man den Absprung nicht rechtzeitig schafft, ist ein Totalverlust ja eher unwahrscheinlich bei Immobilien, die für Ausländer interessant sind. Man muß sich vielleicht vorher mal überlegen, wieviel Wertverlust pro Jahr man gerade noch akzeptieren kann als "Kosten" der höheren Lebensqualität. Je nach dem, wieviel Wert man Lebensqualität zubilligt, kommt dann jeder auf ein anderes Worst-Case Scenario, bei dessen Erreichen man dann aber auch sofort die Reißleine ziehen sollte.
Im Moment halte ich aber einen gewissen Gewinn noch zusätzlich zu Verbesserung der Lebensqualität für wahrscheinlicher, als einen Verlust.

"Ludigel" hat gesagt…

Habe den Kommentar nicht gesehen, gucke aber noch mal in den Spamfilter.
Ja, wenn man schnell weiterziehen kann ist es viel besser. Wir haben jahrelang den Mist mit den Nachbarn beim taiwanischen Reihenhaus ausgehalten, um auf die Wertsteigerung durch MRT-Bau zu warten. Kot vorm Fenster hinten, Kleptomanin links, giftiger Rauch von der Glasfabrik ohne Schornstein.

Frau will jetzt Wohnung in Taipei kaufen und Gewinn machen beim Verkauf oder ein Haus in Maoli kaufen. Na, wenn die da unten zu viel Mao essen und Stuhlgangprobleme haben, da wird das Küchenfenster wieder zugeschaufelt...