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Montag, Oktober 12, 2009

Genosse Mao, der Fernsehstar in Taiwan

Ludigel's Wiedervereinigungskolumne
Teil III: Mao und die VR im Sonntagsabendfernsehen. Und das ohne Alkohol in Reichweite bei Schwiegermutter...

Beim sonntäglichen Fernsehen auf Schwiegermamas Sofa, gleich nachdem ich wieder demonstrativ meinen mitgebrachten Burger verdrückt hatte, überfiel mich eine Kaulähmung und Schluckstarre, obwohl ich mich gerade über Schwiegermamas Obstplatte hermachen wollte. Wer tanzte auf Schwiegermamas Mattscheibe herum? Zig uniformierte Rotarmisten! Dabei schwenkten sie die rote Flagge der Volksrepublik China, während sie ihre dürren Hintern zur Revolutionshimne wackeln ließen, die kleinen Kerle. Um das ganze noch schlimmer zu machen, waren da auch noch Soldaten mit der Flagge der Republik China, ohne VOLKS davor, die ja in Form von Taiwan heute noch weiterexistiert und, man ahnt es schon, die hinternwackelnden Rotarmisten gewannen! Dann fingen die Rotarmisten ganz und gar Ballett zu tanzen an und wackelten vorne und hinten und schwenkten die rote Flagge der VR China, dass mir Schwiegermutters Erdnusskekse fast einen Erstickungsanfall beschert hätten. Wir sind in Taiwan gottverdammt, das sind unsere natürlichen Feinde!
Und schlimmer kam es noch, so dass ich zum Entsetzen meiner nordtaiwanesischen (und damit praktisch chinesischen) Familie einen ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Mattscheibe wandern ließ. Der Chinesische Präsident schüttelte lächelnd Hände, dann erschien sogar noch der Schlächter Mao in Form einer Büste und zu guter Letzt wurden Starköche gezeigt, die ihre erstaunlichen Kreationen (das selbe verdammte gekochte weiche süße Bauchfleisch, das wir hier auch in Taiwan haben) vorführen. Schnitt zu Sehenswürdigkeiten in China, wieder Mao, dann wieder wehende VR China-Flaggen, wieder Mao, wieder Essen etc.


Jetzt mal ernsthaft. Komisch, solche Bilder hat unser Propagandafernsehen nicht gezeigt. Todesopfer nach Folter in der VR-China. Anhänger von "Falun Dafa" sind solchem Terror ausgesetzt. Mehr Info etwa hier: LINK


Solch ein prochinesisches Propagandafernsehen hat es früher in Taiwan, wo eine parlamentarische Demokratie mit Mehrparteiensystem herrscht, nicht gegeben. Offensichtlich ist Taiwans neuer prochinesischer Präsident Ma Ying-Jeou bestrebt, das Volk jetzt auch mit Fernsehbilderflut auf die von ihm angestrebte Wiedervereinigung mit China vorzubreiten. Und die stoischen Mienen meiner Verwandten zeigten, wie sehr so etwas schon als normal gilt.

"Aber sie haben doch Maos Neffen da", erklärte meine Frau, während irgendein Kerl vor pompösem Hintergrund interviewed wurde. "I don't give a fuck about Mao's nephew' erklärte ich sensibel und nahm mir noch einen Erdnusskeks. Ich meine, vielleicht finden wir in Deutschland ja auch noch Hitlers Tante irgendwo und interviewen die gute Frau in der Tageschschau, während wir die Reichskriegsflagge schwenken und "Die Wacht am Rhein" singen.

Die Bilderflut hat mir eines vorgeführt, die Wiedervereinigung mit dem diktatorischen Folterstaat VR-China ist unausweichlich. Wenn der Präsident eines Landes, wie eben Ma Ying-Jeou in Taiwan, für eine ausländische Macht arbeitet, eben die VR China und alle das auch noch völlig normal finden, ist der Zug abgefahren.

2012 soll es nochmal freie Wahlen geben. Wenn dann Präsident Ma, der ja lieber Lokalverwalter Taiwans als Präsident wäre, wiedergewählt wird, kommt vermutlich der Anschluss ans chinesische Reich. Wird die Opposition gewählt, droht womöglich eine chinesische Invasion, denn China wird sich dann vielleicht das mit Gewalt holen wollen, was sie jetzt schon ihr Eigen wähnen. Und ich packe meine Koffer hier bis 2012. Ludigel geht, Mao kommt, dann ist doch für weitere Unterhaltung gesorgt.

P.S.: Ob es verfrüht ist, wenn ich derweil schon mal ein Mao-Bild in meinem Cubical aufhänge?
Und kaum war ich zuhause und meine Frau schaltet "Taiwan Superidol", sowas wie "Taiwan sucht den Superstar" ein, wer singt da? Ein schwuchteliger Sänger aus PEKING! Können wir in Taiwan nicht auch "woa ei nie" alleine singen, ohne Hilfe von feuerlöschergesichtigen Sängerknaben aus der VR?

Kommentare:

Anyun hat gesagt…

Vergleich zu Euch habe ich am Sonntagsabend das Legend von Sun Li-jen beim FTV(民視) ferngesehen, war sehr bewegend:
http://www.youtube.com/watch?v=R_n4zjovpRc

Sun Li-jen war Sohn eines Universitätspresident und wurde in USA militärisch ausgebildet. Er war der beste General der KMP, half Chiang Kai Schek viele Schlachten zu gewinnen, und war am meisten gefürchteten General der japanischen und kommunistischen Feinde, “Ever Victorious General” wurde er genannt. Aber in der bürgerkrieg wurde er weggeschickt und entmacht, das war auch ein Grund dafür wieso Chiang den ganzen China verlor. Schließlich wurde er Dorn im Auge der Chiangs Familie und hatte unter 33 Jahren Hausarrest(mit erfundenen Beschuligung) in Taiwan gelitten. Erst als Chiang Ching Kuo tod war, hatte Lee Teng-hui ihn rehabilitiert.

Ein Streitpunkt war Sun Li-jen gegen dem Plan Chiang Ching-Kuos:
Chiang Ching-Kuo hat in der Sowjet-Union studiert und hat dort gelernt, wie man in der Armee noch parallel eine partei-system(政工體系) entwicklte, um die Soldaten zu spionieren und kontrollieren. Und zur Zeit der Chiangs Familie Herrschaft gab es auch diese von KMP Partei konstuierte spionierte und kontrollierte System in der Ausbildungsystem(von Schule bis Unis).

Chiang war wirklich nicht so, wie früher KMP uns immer wieder propagierte: “Die weltweit großen Mann, der Retter der Nation. (世界的偉人, 民族的救星) ”. Es ist wirklich ärgerlich, was wir früher in der Schule eine Menge solche Sauereien von KMPs Regierung gestopft worden! Chiag Kai Schek interssierte sich eigentlich nur selber an die Macht zu bleiben und und wurde von meisten Taiwanern gehasst. Aber komischerweise wurde Chiag Kai Schek sogar wie Gott bis jetzt in vielen Familie KMPs verehrt!

Anyun hat gesagt…

The story of 孫立人 (Sun Li-jen) is quite tragic considering that he was arguably the most outstanding Chinese general of the Second World War. Educated at Purdue University and the Virginia Military Institute, he rose to command the New 1st Army, which is credited for defeating the most Japanese troops in World War 2. In the Battle of Shanghai, Sun was badly injured in 13 places and fragments of a rifle grenade remained in his body until his death. In 1943 at the Battle of Yenangyuang, he led 1121 soldiers on a rescue mission in saving 7500 British soldiers and reporters from the encirclement by 7000 Japanese troops. The men and women who served under Sun Li-Jen were widely known for their professionalism, especially in the China-Burma-India theater.

Sun continued to show his leadership qualities after Japan's defeat. When the Chinese civil war resumed, the New 1st Army under Sun Li-Jen defeated 110,000 Communist troops with 70,000 men at the Second Battle of Szeping in 1946.

When the Nationalists lost the civil war and retreated to Taiwan, Chiang Kai-shek saw Sun Li-jen as a potential rival because Sun had the unquestionable loyalty of his soldiers. In 1955 one of Sun Li-jen's subordinates, Major Kuo Ting-liang (郭廷亮) was involved in a Communist spy incident. Because Kuo was Sun's subordinate, Chiang Kai-shek put Sun in house arrest, where Sun remained until his release in 1988 after Chiang Chingkuo's death. The charges surrounding 孫立人案 may have been fabricated and Chiang's motive for putting Sun in house arrest was probably influenced by rivalry concerns. Chiang has a habit of putting away talented people for good and not utilizing their talents to full potential, like Zhang Hsuehliang's. During Sun's house arrest, no one dared mention his name or his achievements in public, or in front of Chiang Kai-shek and his son.

Stefan hat gesagt…

Ich denke das Problem ist halt, dass sich viele Taiwaner (grade in Taipei) als Chinesen fuehlen. Wenn man nun in Taiwan (Pronvinz von China) lebt - na gut, dann gibt es halt hier ein paar nicht-Chinesen, ne Minderheit die nicht so wichtig ist, oder halt einfach ein Teil der grossen chinesischen Voelkerfamilie. Andererseits wenn man in der unabhaengigen Republik Taiwan lebt, dann ist man selber die (nicht so wichtige) Minderheit, oder halt einfach einer dieser chinesischen Einwanderer.

Das ist diese Gruppenmentalitaet, die es uns Menschen immer wieder schwer macht. :-(

Ein bischen erscheint mir die Situation wie Oesterreich beim Anschluss. Die Weisskartoffeln fuehlen sich halt als Teil der chinesischen Nation, unabhaengig davon dass ihnen das System vielleicht nicht passt.

Die DPP muesste darauf achten die chinesische Bevoelkerung nicht auszuschliessen. Wenn (wie bei der letzten Wahl) Ansprachen zum Teil nur auf Taiwanisch gehalten werden, dann schafft man das nicht.

"Bob Honest" hat gesagt…

Meine Familie hier benutzt oft das Adjektiv "chinesisch" um sich zu beschreiben (chinese values, chinese culture), nennt sich aber sonst Taiwanesen. Papa kam vom Festland 1949 (Mainland sagen sie halt oft), Mama ganz aus dem Süden, aber Papas Kultur ist dominierend.
Demokratie war nett, denken sie, so wie ich sage, der Earl Grey Tee war nett heute morngen, aber na ja, Wiedervereinigung ist auch nett. Schade um die Demokratie, aber dafür gibt es Business und wir Taiwanesen sind so furchtbar geschickt beim Business, das ist eh das wichtigste, wir haben Schalterfabriken und auch wenn nicht, tun wir wenigstens so, als wenn wir wichtige Businessmenski sind.
Geschäft geht hier vor, gerne nenne ich Taiwanesen ja auch "Ferengis" (aus Star Trek, die mit den großen Ohren). Die sind furchtbar nett, machen aber auch Geschäfte innerhalb der Familie und verkaufen fast alles für "Goldbarren".
Bunsinessmenski haben keine Zeit für Demokratie.

"Bob Honest" hat gesagt…

Andere Kultur halt hier in Taipei, andere Werte. Sie haben Recht, ich Unrecht mit meinem Demokrtiewahn. Ist ja ihr Land. Jedenfalls die Nordspitze.

Anyun hat gesagt…

Auch in Taipeh gibt es 40% DPP Wähler! Aber bei Dual-Kampf wird DPP-Kandidat schwer gewinnen.

Natürlich in Taipeh wohne die dichteste KMP-Familien. KMTs Regierung hatte ab 1950 viele eingeschlossene Flüchtlingsiedlungshäuse in Taipeh gebaut und im Lauf der Zeit sind die Flüchtlingsheime fast alle abgerissen worden und erneut als soziale Wohnungen umgewandelt. Die ehemalige Bewohner erhielten kostenlos oder nur mit wenigen Geld bei jeder Familie eine neue Wohnung. Mit der Wirtschaftsschwung Taiwans sind die sämtliche Wohnungen Taipehs sehr teuer geworden.
Rechnet man dann noch die frühere den Mainländer Priorität beim Posteneinstellung in der Regierungsverwaltungsapparate, Schulen und der öffentliche Dienste(bis 85% der gesamte Posten) dazu, die Mainländer Familien in Taipeh sind die besten Profilierte der KMPs Regierung.
Nur die Berufegruppe von Beamten, Soldaten und Lehrer in Taiwan haben richtige dicke Renten und viele Zuschüsse wie Einschreibungsgebühr für ihre Schulkinder, Stromsgebühr etc. Berufsoldaten und Grundschullehrer sind bis heute von Steuerpflicht befreit. Die Pensionierte dieser Berufsgruppe geniessen noch die beschämend 18% Rendite von ihrem Geld auf der Bank.(Welche Staat ausser Taiwan auf der Welt macht solche Begünstigung?) Alle Zuschüsse wurde von der Staatskasse gezahlt und sind das Steuergeld der gesamten Inselbewohner. Keine Wunder, die Profitierte sind extrem viele pro KMT.

Anyun hat gesagt…

>Die DPP muesste darauf achten die chinesische Bevoelkerung nicht auszuschliessen. Wenn (wie bei der letzten Wahl) Ansprachen zum Teil nur auf Taiwanisch gehalten werden, dann schafft man das nicht.
Es hat mit der Ansprachen wirklich wenig zu tun. Die profitierte KMP-Familen würden nie DPP wählen wollen! In der letzen Jahren die DPP Politiker sind aus ihren Sicht fast alle „Unruhestifter“„Häftlinge“ und die hatte ihre Staat(gleich KMP) gestohlen. Früher die KMP Regirung sagte in der Medien, die DPP Demostranten waren wie kommunistische Rote Garde(wie ironisch was Ma jetzt tut.) und nur die Wirtschaftlich Entwicklung schadete. Tja, wenn sie sich jetzt gerne als Taiwaner ausgeben, das ist schon eine Fortschnitt.
Die Zukunfte Taiwans liegen in der Hände der kommenden Generationen, weil die Kluft zwischen Profitierte und Benachteiligte hier ist klar gross. Die Misstrauen zwischen Jäger(KMP) und Gejagtem(DPP) ist ernorm gross. Ich hoffe wirklich, es wird genuge Zeit(noch 2 Generationen vielleicht) geben bis alle Inselbewohner eine wirkliche Solidarität entstehen, bevor eine endliche Show Down mit der VR China kommt.

Anyun hat gesagt…

An dieser Stelle ist einen Vergleich zwischen zweie Soldaten-Gruppe in Taiwan erwähnenswert: die Soldaten der KMPs Truppen, die mit Chiang Kai Schek nach Taiwan geflohen waren, geniessen hier einen fast unbekümmerte Leben. Sie werden hier von dem Staat mit den Namen „Ehrenbürger“ gewürdigt. Es gibt spezifische Krankenhäuse(榮民醫院) und Altersheim für sie, jede ärtzliche Behandlungen und Operationen sind kostenlos. Sie hatten Entschädigungsgeld *** und auch monatlichen Renten(終身俸) bekommen. Ihre Witwen bekommen die Hälfte ihrer Renten weiter. (Es gibt viele Ehrenbürgersoldaten mit 70 können noch eine 30 oder 40 Jahre jüngere Ehefrauen aus China holen.)
Eine andere Soldaten Gruppe, die sind etwa 200000 Menchen. Die gebürtige taiwanische Soldaten(davon nur etwa 1000) und die übergroße Anzahl als Soldaten-Helfern (軍伕bzw. Sanitär und Logistik-Einheit) als Untertanen der japanischen Kolonie, die kämpften in der Pazifik Front des 2 Weltkrieges. Ihre Feinde sind die Amerikaner. Ihre Mission: Ihre Heimat Taiwan zu verteidigen.( Taiwan wurden von Amerikaner zur jene Zeit bombardiert. Meine gestorbene Grosseltern sagte, jeden Tag von 7 morgens bis 4 nachmittags, die Amerikaner seien sehr pünktlich.) Davon waren etwa 30000 ums Leben gekommen. Die Reste, die zurück nach Taiwan konnten, waren von Gesellschaft total vergessen und sogar von ihren eigenen Nachwuchs beschämend verachten und gehasst.( Die KMP Regierung erzählte nur ihre einseitige verschönene Geschichte.) Ihre Geschichte sind gerade jetzt in der Sender(三立 und FTV) als “60 Jahre Republik China auf Taiwan” Seriereihe gesendet.

***Die KMP hatten ihre Mainländer-Soldaten in China versprochen, ihre ein Stück Land zu geben, wenn der Bürgerkrieg beendete. Statt Land hatten sie Geld in Taiwan bekommen.