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Freitag, Oktober 09, 2009

Genosse Hauptmann Hund

Nein, OK, Genossen sind unsere Soldaten hier in Taiwan noch nicht, auch wenn die derzeitige Regierung Taiwans (fast hätte ich sie DDR-typisch Staats- und Parteiführung genannt) feste dabei ist, den Wiedervereinigungskurs mit China zu verfolgen und an der Demokratie und dem Rechtsstaat hier und da herumfrickelt, zum Schlechteren. Jedenfalls haben wir von der Hunderettungsorganisation http://stray-dogs.org unseren patriotischen Beitrag zur Verteidigung unserer Chin... äh taiwanesischen Nation (ne, das darf man auch nicht mehr sagen, weil wir jetzt ja China sind und nicht mehr Taiwan) ... na ja... zur Inselverteidigung ... geleistet, denn die glorreiche Armee der Republik China (jetzt habe ich's, so heißt Taiwan tatsächlich!) hat jetzt einen waschechten Husky, siehe Bild und wir sind schuld.


Bereit zum Kampfschmusen mit oder gegen die Chinesen: Husky "Fredy"

Beim sonntäglichen Frühstück haben meine Frau und ich nämlich diesen Husky aufgelesen, er humplete im Restaurant um, interessierte sich für unser Essen und hatte scheinbar zwei gebrochene Hinterläufe, die schief zusammengewachsen zu sein schienen. Schnell brachten wir das Tierchen zum Tierarzt, doch dieser attestierte, die etwas krummen Hinterfüße seinen ein Geburtsfehler und kein Bruch und er könne daran nichts machen. Nun ja, auch gut, ich habe ja auch Senk- und Spreizfuß, sagt mein Einlegesohlenverkäufer, der Frechdachs.

Leider hatte Fredy auch noch alle möglichen inneren Parasiten, aber wenigstens keine sehr ernsten und so konnten wir ihn nicht gleich in unsere Hunderettungsstation (die nicht der Organisation gehört, wir sind ja nur eine Kooperative aus Privatleuten, sondern von einem Mitglied geleitet und im Wesentlichen finanziert wird) bringen, sondern mussten ihn anderswo hinbringen, denn sonst würde Parasiten auf unseren gesamten Hundebestand überspringen (in userer Hunderettungsstation laufen sie ja alle paradisisch frei herum). Erst Anfang dieses Jahres haben wir eine gescheiterte Hunderettungsstation besucht (eine private Farm), die spektakulär gescheitert war, weil sie kranke und gesunde Hunde nicht getrennt hatte, darüber vielleicht ein anderes Mal mehr.
Die Betreiberin unserer Hunderettungsstation betreibt noch ein unoffizielles Auffanglager, einfach eine Hausruine irgendwo im Grünen, um die sich niemand kümmert, wo sie eine Anzahl von Hunden versorgt, die noch nicht in unser Hauptlager kommen können. Eigentlich sollte Fredy gleich beim Tierarzt einquartiert werden, aber der hatte leider keine Isolationsbox frei, deshalb brachten wir Fredy in das offene Außenlager.

Unser Horror war natürlich, dass er das wegliefe, denn das alte Grundstück hat keinen Zaun und ziehen können wir auf einem fremden Brachkunstück ja nun wirklich keinen. Allerdings sind die Hunde bislang immer von selbst dort geblieben, schließlich gibt es da Futter und Unterschlupf. Wenn Sie, lieber Leser, jetzt meckern wollen, wieso wir kein richtiges Isolierlager mit Zaun und Boxen haben, dann ist der Grund darin zu sehen, dass wir eben keinen Etat haben und von niemandem Geld bekommen und alles selbst finanzieren, eben einfach oder garnicht, ist oft die Devise, wenn man 20 oder mehr Hunde gleichzeitig versorgen will und alles aus eigener Tasche.
Das Furchtbare geschah, Fredy verschwand und so oft meine Frau und ich und die Hundeplatzbetreiberin auch in der Gegend suchten und riefen, er tauchte einfach nicht wieder auf, wie vom Erdboden verschwunden.

Doch da! Was war das da weiß-grau-schwarzes was durch das Kasernentor scheint? Schräg gegenüber dem Brachgrundstück liegt nämlich eine Kaserne der Taiwanesischen Armee (Stroitkräfte der Republico China streng genommen) und dort lief Fredy herum! Unsere Aktivistin rief ihn, er sah sie auch, doch dann verschwand er einfach in einem Kasernengebäude!
Ein Gespräch mit den zwei Wachsoldaten, die sorgenvoll unsere Aktivistin fragten, was sie denn da triebe, ergab die Lösung. Fredy hatte sich selbt ein neues Heim gesucht und war eines schönen Tages einfach in der Kantine der Kaserne aufgetaucht. Dort lässt er sich seither von jungen Rekruten mit Heimweh streicheln und von den Köchern füttern. Er darf auch in die klimatisierten Gebäude rein und fühlt sich dort pudelwohl. Auch ein schönes Bäuchlein hat er sich angefressen, vor lauter zweimalgebratenem Schweinefleisch.
Er geht nie weit von der Kantine weg, sagten die Soldaten. Vernünftiger Hund, kann man da nur sagen. Er sei jetzt so eine Art offizieller Kasernenhund, sagten sie noch und damit ist wohl alles in Ordnung. Vielleicht hat ihn ja sogar jemand zum Tierarzt gebracht umd die Behandlung abzuschließen. Das glaube ich zwar nicht unbedingt, aber in Anbetracht der unzähligen Straßenhunde Taiwans geht es ihm jetzt wirklich gut und unsere Aktivistin hat ein Auge drauf.

Ein schönes Happy End, mögen ihm Rindfleischnudeln und Geschnetzeltes noch viele viele Jahre munden. Und dieses Blog, aus dem ja die Hunderettungsorga stray-dogs.org hervorgegangen ist, hat somit sogar zur Landesverteidigung (Schmuseeinheiten für neue Rekruten) beigetragen.
China, sieh dich vor (das auf dem Festland, nicht unseres)!

Kommentare:

Dezhong hat gesagt…

Schön, dass die Sache glimpflich ausgegangen ist. Früher (als ich noch jung und naiv war) wollte ich immer einen Husky haben und das Bild ist ja wirklich drollig.

Nur frage ich mich, was man mit so einem Tier in Taiwan anfangen will. Ist wahrscheinlich so einer dieser vielen Fälle wo man sich was süßes, kuscheliges in Haus holen wollte und dann später gemerkt hat, dass damit auch Arbeit und Geld verbunden sind...

"Bob Honest" hat gesagt…

Genau. Bei heissem Wetter liegen die Meisten nur rum. Also viele Monate im Jahr. Es hilft allerdings, wenn man sie schert, dann schwitzen sie nicht so. Huskies sind bei mir eine der wenigen Rassen, gegen die ich nicht allergisch bin. Auch wenn ich nur eine sehr leichte Hundeallergie habe (echt toll für einen Hunderettungsbetreiber wie mich, grins) nervt es doch manchmal. Die meisten Leute hier schaffen sie sich aber wegen des Aussehens an. Wir haben gerade einen anderen Husky nach Canada geschickt und haben noch eine Hündin. Ganz am Anfang, bevor wir eine Orga waren, haben wir mal ein verstümmeltes Weibchen in einem Heim für behinderte Hunde untergebracht. Ihr hatte man die Hinterbeine gebrochen und die Kehle durchgeschnitten, was sie aber überlebt hat. OK, nicht wieder aufregen Ludigel...