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Montag, Juli 16, 2012

Taiwaner besser dran als Deutsche

Gerade lese ich auf Spiegel-Online, dass Kanzlerin Merkel die nächste Bundestagswahl zum Votum über Europa erklärt hat (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sommer-interview-merkel-koppelt-bundestagswahl-an-votum-ueber-europa-a-844505.html). Und das im Fernsehen zur besten Sendezeit!

Die Massen müssten empörte Leserbriefe schreiben, Demos müssten in Berlin stattfinden und die Medien müssten sich voller ätzender Kommentare nur so biegen, denn...

ES GIBT KEINE OPPOSITION bei der nächsten Wahl, die gegen Europa und die derzeitigen Abermilliardenbürgeschaften wäre. Wenn man nämlich eine "Wahl um Europa" hat, dann müsste es eine pro-Europa-Partei und eine Kontra-Europa-Partei geben oder wenigstens eine, die Dinge grundlegend anders machen will. Gibt es aber nicht! Alle deutschen Parteien stimmen in allen wesentlichen Fragen völlig überein, von der folkloristischen Linkspartei abgesehen, die durch ihr inneres Konstrukt aus Altstalinisten aus dem Osten und linken Anarchieträumern aus dem Westen sowieso völlig handlungsunfähig ist. Gottseidank.


Taiwan: hier darf man noch richtig wählen


Was gibt es also zu wählen in Deutschland?


CDU/CSU: pro-Europa, pro-Abermilliarden-Schuldverschreibung an europäische Banken.

SPD/Grüne:  ditto

FDP: ditto, mit ein bisschen Pseudo-Europakritik, die sich doch nie durchsetzt.

LINKSPARTEI: altlinke und westlich-surreale Sprechblasen, die doch immer nur in Verbindung mit der SPD dran kämen, und in der Praxis nicht mal das. Porsche-Fahren mit Ulbrichtpostkarte am Spiegel.

PIRATEN: Filme downloaden und sonst wie Grüne


Na, wie wollen Sie denn abstimmen, lieber Leser? FÜR EUROPA oder vielleicht lieber FÜR EUROPA? Sie haben die Wahl.

Da sind die Taiwaner besser dran, die konnten sich 2012 (eher) für China (KMT) oder eher gegen China (DPP) entscheiden und 2008 sogar knallhart pro-China (KMT) und knallhart gegen China (DPP). So eine Wahl gibt es in Deutschland nicht, so weit geht die Demokratie nicht.




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Rebel against the machine wrote:

Ich wähle diesmal SPD, um der verdammten Merkel eins auszuwischen. Die macht dann die selben Politik wie Merkel, Merkel wird als Exkanzlerin hochgeachtet und hält laufend Reden und schreibt Leitartikel und dann kommt 8 Jahre später die CDU wieder dran.
Das hat sie nun davon. Die CDU. Und Merkel.

Anonym hat gesagt…

Blockflöte wrote:

Ich wähle seit Jahren Biertrinkerpartei. Die werden aber vom Verfassungsschutz überwacht, weil sie für eine Abweisung von Immigranten unter 0.5 Promille sind. "Rechtsradikal", urteilte der SPIEGEL.

Tamasü hat gesagt…

Das deutsche Volk hat schon immer genau die Regierung gehabt, die es verdient. Entweder, weil es sich genau die Psychopaten und verlogenen, korrupten Blasenquatscher ausgesucht hatte, oder weil GZSZ und Bohlen-sucht-den-Supertrottel der mit Abstand größten Volksgruppe Deutschlands wichtiger ist als alles andere: den Spießern.
Was hackst Du auf den Linken 'rum? Klar sind 95% ziemlich konfus drauf und haben nichts, was einem Plan auch nur nahekommt. Aber sie haben 'was, das kein anderer zu bieten hat und was Du selbst ja indirekt forderst: eine alternative Idee, die neblige Vorstellung, daß eigentlich etwas anderes im Vordergrund stehen sollte als Geld.
Diese Idee kann man als nicht realisierbar ablehnen, aber dann bleibt eben nur Geld und dessen Marionetten.
Oder man macht 'was ganz schräges und entwickelt selbst eine Idee.

"Ludigel" hat gesagt…

Ja wenn die Linken mal so neomarxistisch modern daherkommen würden. Aber so sind sie als Gesamtpaket für mich unattraktiv.

Ideen hätte ich schon, aber Ideen sind immer relativ zum Kontext. Momentan sieht es mir sehr danach aus als ob sich der Euro und die EU erledigt haben, denn für die schnelle Gründung einer US of E gibt es scheinbar keine Möglichkeit und die Zeit ist zu knapp. Die hätte über Zentralbank a la Fed und Zentralregierung evtl. das Vertrauen in die Währung herstellen können.

Alternativen zum Kapitalismus sind immer interessant, aber wohl unrealistisch auf absehbare Zeit.

Tamasü hat gesagt…

Stimmt allerdings. Statt neomarxistisch sind die Linken inzwischen eher neo-anarchistisch.
Deutschland hat massiv vom Euro profitiert und sichert darüber auch weiter wachsenden Einfluss. Kleine Länder können sich einen eigenbestimmten Ausstieg praktisch nicht erlauben, sie wären auf der Stelle bankrott. Das wäre nicht so tragisch, aber deren Banken auch. Daher fällt diese Option sicher aus. Also was spricht wirklich gegen den Fortbestand des Euro? Außer der total objektiven Meinung von US-Ratingagenturen. Daß der Euro der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerungen keinen Nutzen bringt? Das hat bei der Einführung sowenig interessiert, wie es den Fortbestand beeinflusst.

"Ludigel" hat gesagt…

Sicher eine historische Situation ohne Beispiel mit diesen inflationären Garantiesummen, von denen niemand weiß, ob sie je eingelöst werden müssen, die sich aber an der Ladenkasse noch nicht bemerkbar machen. In Garantiesummeneuro kostet das Brötchen vielleicht schon 10 Euro, in echten Euro aber nur 30 Cent.

Problematisch das Zusammenbrechen der deutsch-franz. Entende. Bislang hat jeder franz. Präsident seit Mitterant am Anfang die Nähe zu Spanien und Italien statt Deutschland gesucht, allerdings nur rethorisch, Sarkozy bekam seinen Club Med in der EU und sonst passierte nichts. Hollande ist der erste, der gleich folgenschwere Entscheidungen treffen musste und hat sofort aus dem Bauch raus die Seite von Italien und Spanien gegen D gewählt. Mal gucken wie das weitergeht.