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Mittwoch, März 17, 2010

Wackeliges Haus, schönes Lokal

Kaum habe ich verkündt, doch langsam mal wieder in teutonische Gefilde zurückkehren zu wollen, einer chronischen Ebbe meines Eurokontos, langsam hilfsbedürftiger Eltern und einer plötzlich aufgetauchten Brötchensucht wegen, da kommt meine Frau auf die Idee den anstehenden Verkauf unseres Reihenhauses gleich mit einem Hausneukauf zu komplettieren. "Wie meinen?", frage ich verwirrt nach, doch siehe da, das neue Haus sollte nur die Hälfte vom alten kosten. Wenig genug, dass noch Budget da wäre, um eine Schuhwaschanlage oder eine Zitronenfalterei aufzumachen und meiner Frau so wirtschaftliche Unabhängigkeit zu garantieren, während ich gemütlich in Deutschland bei harten Brötchen und weichem Euro dick werde. Mit will sie nämlich nicht, meine Frau, in Deutschland ist es einfach zu bäh und zu igitt und überhaupt, verstehe ich ja auch alles, sie mag halt Brötchen nicht so gerne. Also sind wir mal nach Longtan gefahren, um uns die Halbpreishütte, die immer noch über 4 Millionen Taiwandollar, also über 100 000 Euro kosten soll, anzusehen. Haben hätte ich das Guthaben zum Kauf aber nicht, aber wie das gehen soll, war erstmal nicht Teil der Planung. Ratenzahlung sicherlich, hätte ich wieder an den Brötchen sparen müssen.

Das Häuschen bei Longtan Nähe Taoyuan in Nordtaiwan sah ja wirklich niedlich aus, wie es da so am Hang stand und ich konnte mir richtig vorstellen, einfach mal von Deutschland aus anzurufen und zu sagen: "Geh Pseudobrötchen von Seven-Eleven holen und stell das Malzbier kalt, ich komm mal eben zum Tete a Tete aus Germanien angedüst zum längeren Wochenende." Dann wäre sie von Taipei ins Ferienshaus gefahren und wir hätten und da getroffen, soweit so gut gedacht.

"Jedes Ding hat zwei Seiten", predigte schon mein Großvater und ein Haus sicher sogar noch mehr und so sahen wir uns die Seite einmal genauer an, die eine da. Da legte sich meine Denkerstirn in Sorgenfalten. "Was war das denn?"

Der vellückte Architekt hatte das ganze Haus auf Stelzen gestellt! "Vollpfosten" ist hier ein Begriff, der einem da nicht nur für das Hausgestänge in den Sinn kommt.

Hmmm.... ein Haus im erdbebenreichsten Land der Erde auf PFOSTEN zu stellen und aus dünnem Holz zu bauen, direkt an einem Abhang, ist besondern mutig, wenn man sich überlegt, dass es hier auch noch laufend TAIFUNE gibt. Da kann man dann nur die Hacken zusammenschlagen und wacht in OZ wieder auf.

"Aber das hält alles aus", sagte die Verkäuferin, während ich mir sorgenvoll den Holzboden anguckte.

Die Al-Bundy-Folge mit den Termiten sollte man sich besser nicht in dem Haus ansehen, um der Nachtruhe willen.

Schnell drängte ich wieder in das Ludigelmobil, auch wenn andere deutlich teurere Holzhäuser sehr viel stabiler waren. Nicht dass ich hier im Blog poste "Hier spricht Commander Ludigel, wir sind in unbekannten Raum eingedrungen, die Sternenkarten erlauben keine Ortung. Captain TaiTai und ich machen uns auf die Suche nach bewohnbaren Planeten. USS Holzwurm over and out."

Apropos Ludigelmobil. Meine Frau wollte nicht nur das Holzhaus, sondern den Nissan auch noch gegen einen Toyota eintauschen. Lebe wild und gefährlich, das scheint ihre Devise zu sein. Allerdings war das ein paar Tage vorher und kaum hatte ich ihr gesagt, "ach was, der Nissan ist doch erst 5 Jahre und hält noch ewig...", da ging keine 10 Minuten später die Lichtmaschine kaputt und das verdammte Ding blieb (Kilometerstand 136.500) einfach liegen. Grummel.

Aber frisch repariert ließ uns der Nissan nicht im Stich und wir fanden auf der Rückfahrt dieses hübsche Lokal, www.roadiescafe.com.tw[Link korrigiert], in dem ein Marineveteran aus Amerikan köstliche Burger und anderes American Style-Essen anbot (englisches Blog).


Ganz entspannt schlürften wir Eistee und aßen uns die Bäuche voll. Englischlernen kann man übrigens auch noch in dem Lokal, aber nicht mit vollem Mund (der Betreiber bietet Englischunterricht an). "Wenn der hier immer leben kann, warum nicht auch du?", fragte mich meine Frau bedeutungsschwer und ich wurde ganz nachdenklich, während ich auf die Tätowierungen des Betreibers starrte. Hmmmm, ob es am Anker auf dem Oberarm liegt, wer weiß das schon (nein, nein, da war keiner).

Ach ja, ein tollen Hund haben sie da, der lies sich nur von jungen hübschen Frauen streicheln und hat alle anderen verbellt. Klarer fall, den hat der alte Seebär ausgebildet ;-)

Kommentare:

Snickers und Catweazle hat gesagt…

Unfassbar... :-D

Wir sehen schon wie jmd. beim nächsten Ehekrach den (Voll-)Pfosten des "Schnäppchens" durchsägt und dem Erdbeben und den Termiten zuvorkommt... ;-)

Ekneos hat gesagt…

Also mir gefällt das - äh - Haus - äääähhhrlich! Hauptsache, die Pfosten haben ein ordentliches Fundament und Ihr geht nicht beim erst besten Regenguss baden. ;-)

Snickers und Catweazle hat gesagt…

Könnte es sein, dass der Architekt sein Diplom an der Fernuni Liverpool abgelegt hat? ;-)

"Ludigel" hat gesagt…

Grins, gacker. Richtig, sinnflutartige Regenfälle gibt es ja auch noch. Entweder fällt das Haus beim Erdbeben ins Tal, oder wird runtergespült oder fliegt gen Bergwand im Taifun. Oder die Termiten fressen es vorher auf und man fällt durch den dünnen Boden raus. Eine geniale Konstruktion vom Architekten Ni Hel Lang. Erinnert mich so an den verrückten Architekten bei Asterix und Obelix (den in Ägypten)...

Ekneos hat gesagt…

Stimmt, wo Du es sagst. Wahrscheinlich ist dieses Asterix-Heft Hauptbestandteil des 2-tägigen - äh jährigen - Architekturstudiums. Wo stecken eigentlich die restlichen 99 000 Euro? Mehr als 1000 Euro kann die Weg-Pust-Hütte doch eigentlich nicht kosten. Den Einfall dazu hat er sich bestimmt im Kindergarten abgekupfert. Lass Deine Liebste dann bloß nicht bei Nacht Auto fahren. Sonst rumst sie noch dagegen und wech ist das Dings äh Haus (hüstel).

"Ludigel" hat gesagt…

Die Frage ist auch, wie tief die Stelzen in dem weichen Boden stecken. Schluck.