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Montag, Juli 25, 2011

Haus Nummer 1 verkauft, Wohnung Nummer 8 gemietet

Unser Reihenhaus 45km von Taipei entfernt machte immer weniger Sinn, da wir ja nun aus "medizinischen Gründen" die nächsten Jahre in Taipei sein müssen. Die "medizinischen Gründe" sind die Geburt unseres Sohnes, noch liegt er, etwas zu früh gekommen, im Krankenhaus und später wird er dann bei Großmutter in Taipei logieren, weil Frau und ich tagsüber immer im Büro sitzen. Dann wollen wir ihn jeden Abend sehen und natürlich am Wochenende, also suchen wir eine Wohnung in Taipei. Das Haus haben wir jetzt verkauft. Ein Reihenhaus, bei dem man naturgemäß die Nachbarn links und rechts auf Tuchfühlung hat erschien mir immer weniger sinnvoll, insbesondere weil es keinen Garten für den Junior hat. Die Nachbarn waren natürlich nicht der Grund für den Verkauf, das waren natürlich s-u-p-e-r-freundliche Einheimische, weiß doch jeder Taiwan-Newbie wie superfreundliche die Taiwaner sind - und die kennen sich natürlich immer am Besten aus.
Der mysteriös verschwundene kleine Hund, den wir da hatten, ist eine der weniger guten Erinnerungen an die Gegend, auch zu sehen, wie weiter entfernte Nachbarn für den Winter kleine schwarze Hunde in Käfigen mästen ist nicht nett anzuschauen, insbesondere wenn die Hundchen manchmal ausbrechen, um mit mir und meinen zwei Hunden Gassi zu gehen und dann von den Leuten wieder eingefangen werden und noch wochenlang verzweifelt aus dem Käfig heulen, wann immer ich vorbei gehe. Muss mich da aber getäuscht haben mit meinen Beobachtungen, schließlich weiß doch jeder Taiwan-Newbie, dass Taiwaner keine Hunde essen, nie und nimmer nicht, so schreibt mancher Sinologe in seinem Blog und jeder plappert so ein Zeug daher, ich auch in den ersten Jahren hier.

 Ländliches Nordtaiwan, Blick aus Ludigels Arbeitszimmer.

Na ja, man kann nicht verlangen, dass die Menschen hier die selben sind wie daheim, ist halt Südostasien. Komisch nur, wenn sie anfangen, Familienangehörige zu essen, als die ich meine Hunde ansehe. Halt, nein, überfahren worden ist er, sagte Schwiegermutter im Tempel. Dreimal, war sehr schmerzhaft sagte sie. Na dann ist ja alles gut. Sonst aber sehr schön und ruhig, herrliches Haus.

Wir suchen parallel ein Häuschen mit Garten auf dem Lande, praktisch als Wochenendsitz, hatten aber nur astronomische Preise vorgefunden, u.a. erhöhte sich der Preis in einer Gegend mit vielen leer stehenden Häusern plötzlich von 8 auf 21 Millionen Taiwandollar (durch 40 Euro). Um so nerviger fand ich daher den Sermon des Immobilenmaklers, der uns stets und ständig ersuchte, den Preis unseres Hauses zu senken und bisweilen mit irgendwelchen wilden Geschichten kam, wieso das sein müsse. Am Ende drohte er mit vorzeitiger Vertragsauflösung. So kamen dann letzten Freitag gleich zwei Herren an und redeten und redeten beide, dieses und jenes war nicht gut, das unbebaute angrenzende Grundstück hatte Orchideenblüten in der falschen Farbe und daher müssen wir eine Million billiger werden etc. etc. Schließlich forderte ich die beiden Herren auf, endlich das Schriftstück zum Unterzeichnen vorzulegen und mit dem Reden aufzuhören, was sie dann nervös kichernd auch taten. Irgendwie dachte ich mir, die müssen einen Kunden an der Angel haben - sonst würden sie nicht so viel reden, sondern einfach den Vertrag auflösen. Also flogen die beiden mehr oder minder grenzwertig freundlich meinerseits hinaus und - siehe da - am nächsten Morgen klingelte das Telefon, sie hätten einen Käufer der unseren Preis zahlen will.
Ich denke mal, wir haben einen fairen Kurs verlangt. Unser Haus ist breiter gebaut als die meisten hier, schließlich baut man im Taiwahn sonst Häuser oft so schmal wie eine Garage. Und durch die erfolgte Anbindung an die Schnellbahn von Taiwan dürfte es im Preis gestiegen sein - von der 2012 oder 13 fertiggestellten Anbindung an die Metro (Schwebebahn) von Taipei mal ganz abgesehen. Einen Mondpreis haben wir nicht verlangt, wie er sonst mehr und mehr hier auf dem Markt grassiert, sondern einen fairen Kurs für ein wertiges Haus, so haben beide Seiten etwas davon.

Eine neue Wohnung haben wir derweil in Taipei, im Veteranen-Wohnviertel von Schwiegermama, von Exoffizier gemietet, drei Generäle wohnen mit uns auf der Etage im siebten Stock, sagt der Vermieter. Aber nicht mit so viel Sternen. Na gut, ein oder zwei sind auch schon nicht schlecht, so ein Sternchen auf der Schulterklappe macht einen schlanken Fuß. Frau und der nette (doch wirklich!) Vermieter plauderten über den Dienstgrad meines verstorbenen Schwiegervaters und ich werde mir ein Hemd von Star Trek.com bestellen. Sagen wir Dienstgrad Ensign (Fähnrich).

Mit zackigen Grüßen,
L.

Kommentare:

Miri hat gesagt…

;-)

Karl hat gesagt…

Gratulation!

Es werden schlaflose Nächte und viele Behördengänge folgen (Deutsche "Botschaft" schon informiert wegen Kindergeld und so?).

Mir wurde aber auch gesagt, dass es es wert ist.

:-)

"Ludigel" hat gesagt…

Danke.

Kindergeld gibt es nach meiner Recherche nur fuer Leute mit Wohnsitz im Inland, da bin ich aber nicht mehr gemeldet.

Sonst laeuft gerade der Papierkrieg fuer die Staatsbuergerschaft.

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Stimmt. Kindergeld gibt's nicht. Das einzige was man irgendwann wirklich vom DI brauchen könnte ist die Geburtsurkunde. (deutsch und international). Der deutsche Pass ist nice to have. Vorteile bringt er vorerst keine. Erst später wenn Jr. evtl. in Länder mit Visapflicht reisen will. Papierkram ist eigentlich nur der Haushaltsregistereintrag (10 Minuten plus Wartezeit) und der TW-Pass. Der eilt aber auch nicht.

Karl hat gesagt…

Wehen Kindergeld: Ich würde mal nachfragen,mein Kollege (Deutscher mit Taiwanerin verheiratet) hat es bekommen.

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Kindergeld gibt's nur wenn der Kleine und mind. ein Elternteil in Dt. gemeldet ist.
Falsche Angaben können da ganz schnell ganz schön teuer werden. Ausländer-/Jugend-/Sozialamt können schon mal vorbeikommen und nach dem Befinden des gemeldeten, aber nicht hier wohnenden Nachwuchses fragen. Hoffentlich hat man dann das Kindergeld noch nicht ausgegeben.

"Ludigel" hat gesagt…

Das mit der Staatsbürgerschaft ist alles kein Thema, nur ein bisschen Lauferei wegen der Hausbuchauszüge etc. Und wenn man sich wie wir mitten drin ummeldet darf man es wohl doppelt machen, grummel.

"Ludigel" hat gesagt…

Will sagen es ist wie Lu Er Fu es sagt, wichtig ist erstmal die deutsche Geburtsurkunde, die er jetzt kriegen wird.

Karl hat gesagt…

Okay mit dem Kindergeld kenne ich mich nicht so aus.

Aber Nachfragen bei der "Botschaft" würde ich schon mal.

Kaschmirdecken hat gesagt…

Ämter geschichten, sind komischerweise, auch wenn man es nicht glaubt....ätzender als in Deutschland...

Anonym hat gesagt…

Ätzender sind vor allem jene Landsleute die nicht alle notwendigen Unterlagen zum DI bringen. Steht alles im auf der hp. Auch wenn man Ungarn-Deutscher (Deutsch-Ungar?) ist wie das Paar vor mir und 1,5 Stunden alles klitzeklein erklärt haben will. Kinderreisepass? Was ist das? Warum? Wer ist Schengen? Ladislaus, Du hast doch die Passbilder, oder? Warum sind die zu groß? Moment, ich hol was zu trinken. Achso, die Unterschrift fehlt? Welches Datum haben wir? Wie ist das eigentlich wenn wir........usw..usw..Bei mir dauerte der gleiche Vorgang keine 10 Minuten. Aber auch nur weil ich das Geld nicht passend hatte. Manchmal habe sogar ich Mitleid mit Beamten.