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Montag, Juli 18, 2011

Frau hat sich wieder verguckt...

... in ein Auto, ein Auto. Jetzt hat es der Land Rover Freelander (2) ihr angetan, den ein Nachbar bei Schwiegermutter in Taipei fährt. Sieht ja auch hübsch aus das silberne Ding uns scheint ähnlich viel Platz (750 Liter Gepäck bei 5 Personen) zu bieten wie unser alter X-Trail, der nach 6 Jahren und 180.000km potentiell auf der Ablöseseite steht - allerdings immer noch einwandfrei läuft. Der Freelander ist der kleine Landrover, also längst nicht so kostspielig wie seine großen Brüder, allerdings zahlt man doch ein paar tausend Euro mehr im Vergleich zur japanischen Konkurrenz a la Toyota RAV4, Honda CRV, Mitsubishi Outlander, Ford Escape (basiert auf dem Mazda Tribute, gibt es in Deutschland nicht mehr) und er liegt sogar preislich in Deutschland leicht über dem sehr kompakten VW Tiguan - den wir wegen seines Mickerkofferraums von 450 Litern eigentlich nicht mehr in Erwägung ziehen.

Landrover Freelander 2, Foto: Wikipedia

Mir steht natürlich wieder der Schweiß auf der Stirn. Ein englisches Auto in Taiwan fahren? Oder ist es kein richtiges englisches Auto mehr, ich verliere da den Überblick. Gehört Landrover mittlerweile zu Ford oder schon zu Tata in Indien? Nächste Woche vielleicht zu Alec Obawolumbu aus Lummerland, ich weiß es nicht so genau. Früher jedenfalls hatten englische Autos eine furchtbare Qualität, Zollmuttern, so dass sie nur jeweils der Erstgeborene eines KFZ-Mechanikers aus Tinglymitchingrove upon Surrey aus Lancastershire reparieren konnte, wenn er das nötige Werkzeug findet. Hier in Taiwan sagt man, dass die einheimischen Automechaniker eigentlich nur japanische Autos reparieren können und bei den höher performanten und schwerer zu reparierenden europäischen Probleme kriegen - oder eben astronomische Preise für die Wartung verlangen. So hat BMW Taiwan z.B. einen ausgesprochen wohlhabenden Bekannten von mir wegen horrender Inspektions- und Teilekosten in die (Audi-)Flucht geschlagen. Obwohl, jetzt hat er einen X5 als Zweitwagen, kann es einfach nicht lassen.
Im Gebrauchtwagenmarkt werden neuere Europäer zwar teuer angeboten, allerdings sollen die Händler dafür nur wenig Geld zahlen (wenn man nicht gerade einen Neuen kauft), weil Europäer hier als schwer verkäuflich gelten. Am liebsten ist den Taiwanern ein Toyota, die sieht man hier am häufigsten und sie sollen auch mit Abstand das meiste auf dem Gebrauchtwagenmarkt bringen. Meine Frau rümpfte aber nur die Nase über den Toyota RAV4 und auch ich finde ihn ehrlich gesagt in der Taiwanversion abstoßend hässlich. Da hat er so ein weit aufgerissenes Fischmaul, das nach unten breiter wird.

 Billiger und verspricht höheren Verkaufswert: Toyota RAV4 mit Very-Important-Karpfen Design (Foto Wikipedia)

Möglicherweise löst sich das Freelander-Problem in Wohlgefallen auf, denn die Preisliste, die in Deutschland bei 28.000 Euro etwa los ging, fängt in Taiwan erst bei umgerechnet 40.000 Euro an - zumindest Werbung macht man in Taiwan nur für die höheren Motorversionen, um einen künstlichen Nobeleffekt zu erzeugen. Und so viel Geld ist mir das nicht wert, auch nicht bei 0% Zinsen und 3 Jahren Abzahlung wie in Taiwan.

Deutsche Automagazin-Testbericht klären sogleich auf, einen SUV würde man nie brauchen, weil man ihn ja nur vorm Fitnessstudio parkt. Typisch deutscher Allwissenheitsanspruch und Political Correctness-Arroganz. Für uns jedenfalls wird ein Allradler interessant, weil wir unser Reihenhaus hier gegen eine Wohnung in Taipei und ein kleines Haus mit großem Grundstück weit draußen in der Provinz (fürs Wochenende) tauschen wollen. Da kann man große Naturgrundstücke günstig unter Naturschutzgesichtspunkten erwerben, die man nur zu 10 % bebauen darf und landschaftlich erhalten muss. Da wäre ein 4x4 interessant, weil man sich dann um den Bau einer Zufahrtsstraße (wenn das Haus in der Mitte steht) keine Gedanken machen muss, der sicher auch Unsummen verschlingen würde.

Update:

Interessant, was man beim goooogeln so findet über den englischen Beau:

Klagende Landrover-Besitzer (neu und quietscht schon, Schlösser rosten, Glasdach fällt raus, Service lehnt Kulanz ab) und eine Statistik, nach der 23% aller -mängelanzeigenden- Freelander Motorprobleme haben sollen.
http://www.motor-talk.de/forum/landrover-erfahrungsaustausch-t4780.html
http://www.autoexpress.co.uk/carreviews/usedcartests/208571/land_rover_freelander.html
Gacker, roll auf dem Boden: Der Freelander startet angeblich manchmal nicht in der Nähe von Kassen und Funkkopfhörern: http://www.autobild.de/artikel/land-rover-freelander-ab-1998--44435.html.
Na gut, so ein modernes Zeug gibt es in Tinglymitchingrove auch nicht....

Ich bin ja anglophil, habe sogar englische Verwandte. Aber so weit, ein englisches Auto zu kaufen, geht die Liebe doch nicht.  Bliebe noch der Nissan Rogue, ein US-Modell als Taiwannachfolger des alten X-Trail, weil sie den neuen X-Trail da nicht verkaufen wollen. Habe ihn mir dies Wochenende mal angeguckt. So groß wie der alte X-Trail, aber hinten einen Laderaum wie eine Kompaktflunder. Klappe gleich wieder zu gemacht und nach 3 Sekunden weggegangen.


US-Modell Nissan Rogue, in Taiwan angeboten, allerdings vorne etwas langweiliger. Winziger Kofferraum und hinten rote US-Blinker. Brrrr.... (Foto: Wikipedia)

Und der "Rogue" ist auch hässlich wie die Nacht, wie eine Kreuzung aus einem Stück Seife und einem Breitmaulfrosch.


 Der ist "zu Mitsubishi", sagt meine Frau (nicht im Bild)

Mir gefiele ja noch der Mitsubishi Outlander, aber seit meine Frau mal einen Lancer mit total defekter und unreparierbarer Elektronik hatte, ist sie zur Mitsubishi-Hasserin geworden. Nur den dicken Pajero, den würde sie wollen.
Da soll man verstehen was Frauen wollen, seufz. Hoffentlich hält der alte Nissan noch länger, sonst muss ich am Ende mit einem Land Rover durch die Taiwangassen eiern und Frau muss hinterher laufen und die abgefallenen Teile aufsammeln...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Was haben wir schon Unnützes konstruiert, nur weil es der 'Kunde' will. Da kommt z.B. der Vertrieb und fordert 2-farbige Endrohrblenden, da dafür ein Markt da sei. Bringt nichts ausser Optik, kostet aber doppelt so viel als vorher.
Auf's Aussehen lege ich keinen Wert. Mein letzter Konstruktions-Chef sagte mal über ein neues Modell: "Das Aussehen ist Geschmackssache, und der Geschmack ist beinflußbar". Da hatte er 100% Recht. Also ich kenne keinen Normalbürger der je einen 4x4 gebraucht hat. Aber mir soll's Recht sein. Unser Paradebeispiel ist der Geologie-Professor der mit seinen 7 Studenten zum Vermessen ins tiefste Gelände fährt.

Meine Madame hat mir übrigens bestätigt, dass man Toyotas auch in freien Werkstätten reparieren lassen kann. 3 Jahre Überzeugungsarbeit sind auf fruchtbaren Boden gefallen.

"Ludigel" hat gesagt…

Bei unserem Nissan hatten wir schlechte Werkstätten, bei denen er Problemchen hatte (Bremse klappert, weil Rückstellfeder für Bremsbelege fehlte, Motor klingelte, Bremsfading) und zu guter Letzt haben wir auf dem Dorfe eine gute Werkstatt gefunden.

"Ludigel" hat gesagt…

und he, mit dem neuen Naturgrundstück habe ich endlich ein Alibi für 4x4 gefunden, mach mir das nicht gleich wieder kaputt...

Karl hat gesagt…

Ich bin mir nicht sicher, ob man/frau in Taiwan wirklich einen Geländewagen braucht, es sei denn man wohnt in den Bergen. Anderseits hat so ein Schiff, voll verkleidet mit Kuhfänger, natürlich auch seine Vorteile: Taxi haben nur Respekt vor Fahrzeuge welche größer und besser gepanzert sind als sie.

Meine "lokalen" Kollegen konnten mir bis heute nicht erklären warum Taiwanesen, welche ansonsten vorkommend und höflich sind, zu absoluten Rowdys mutieren wenn sie im Auto oder Scooter unterwegs sind.

"Ludigel" hat gesagt…

Meine Theorie war dieses Gefühlsunterdrückungsding wie bei den Vulkaniern bei Star Trek ;-) Irgendwann kommt es raus, nicht beim Pon Far, sondern beim Autofahren (das einen Allmachtswahn erzeugen kann durch Blechpanzer, PS und Geschwindigkeit) und auch beim Alkohol.
Damned, ich sehe zu viel fern.
Live long and prosper.