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Dienstag, November 16, 2010

Superkomplizierte Deutsche

Andererseits ist es Unsinn, wenn Sarrazin Bücher schreibt, die Deutschen würden durch die Geburtenrate der Sarrazenen oder Türken abgeschafft. Man muss nur in den Spiegel 45/2010 gucken. Da wird umständlich beschrieben wieso die Deutschen Männer so schwierig Frauen finden und die deutschen Frauen so schwierig Männer. Beide Seiten haben umständliche Forderungskataloge, Pflichtenheften mit roten Markern an den wichtigen Stellen. Idealmann, Idealfrau, Karriere, sich selbst verwirklichen. Und im Bekanntenkreis konnte ich auch oft genug hören, wieso Paare, die sich endlich zusammengefunden haben keine Kinder wollen. Weil die Welt schlecht ist. Atombombe. Und als die weg war Umweltzerstörung. Und wo Helmut Kohls Strategie "Waldsterben verboten"-Schilder aufzustellen nun scheinbar Erfolg hatte ist es wahrscheinlich die Wirtschaftskrise. Oder Terror. Oder die Kriege der Amerikaner. Immer irgendwelche dämlichen Gründe sich nicht fortzupflanzen.


Malayischer Chinese in Darmstadt-Griesheim (ähnliches Foto)*

Dann ist man den ganzen Mist leid, trifft sich mit einer Südostasiatin im von einer Malayin betriebenen Chinesen in Griesheim, heiratet und sitzt dann in Südostasien. Okay immer noch keine Kinder. Aber Liebe und Frau, "two out of three ain't bad".

Jaja, ist ja besser so, keine Kinder. Weil die Welt so schlecht und gefährlich ist. Mann, wenn das die ersten Fische gesagt hätten, die sich mühevoll aus dem Wasser gewunden hätten. "Mann, ist das kalt hier. Gestern noch warmes Wasser und überall schwamm einem das Essen vor der Nase. Und heute! Sieh dir das an. Wer soll da noch Kinder wollen!"

Mal wieder unter den komplizierten Deutschen zu leben wäre auch mal lustig. Am Ende ist mir klar geworden, in Deutschland ist genau wie hier in Taiwan, nur mit geänderter Himmelsrichtung, ein Land "far [West] of common sense".

* Kua Lumpur, Malaysia

P.S.: Haare in Nase und Ohren kritisieren die deutschen Frauen, heißt es im Spiegel.
Autsch! Verflucht! Das zieht aber.....

Kommentare:

Miri hat gesagt…

Ach es ist doch mittlerweile überall das selbe... ;-P
s. Bernhard Ludwigs Erläuterungen: http://www.youtube.com/watch?v=QAp7PmrjP7I&feature=related
;-)

Stefan hat gesagt…

It's doch gar nicht so schwer die Wuensche der Frauen zu verstehen:
http://www.youtube.com/watch?v=W7ZrBCY9ipI

:-)

Aber letztlich ist die Geburtenrate ein Resultat der Industriegesellschaft. Der Aufwand um ein Kind *gut* zu versorgen, ist viel hoeher als in einer Agrarwirtschaft. Ein 12-jaehriges Kind ist halt nicht mehr eine Hilfskraft beim Einbringen der Ernte, sondern braucht Nachhilfeunterricht in English. Und die Deutschen machen viel fuer ihre Kinder, mit Schule allein ist es da nicht getan. Du musst dich um dein Kind kuemmern bis es mit der Uni fertig ist. Das ist eben deutlich mehr Aufwand fuer ein Kind, als frueher fuer fuenf.

Die langen Ausbildungszeit verhindern auch dass die Leute frueher Kinder haben - erst will man sich halt was ersparen, und davor kommen 12-13 Jahre Schulzeit und ca 5 Jahre Studium. Fuer die Geburtenrate ist aber nicht nur die Anzahl der Kinder, sondern auch der Abstand der Generationen, wichtig.

Eine sinnvolle Geburtenpolitik wuerde diese Probleme angehen. Ausbildungszeiten verkuerzen, Vereinbarkeit von Studium und Kindern (z.B. Krippenplaetze an der Uni), Abschaffung von Studiengebuehren, tatsaechliche Krippenplaetze (nicht nur Versprechungen auf solche), guenstiger Wohnraum usw.

Generell muesste man sich ueberlegen wie eine Industriegesellschaft aussehen kann, die es Familien erlaubt mehr Kinder aufzuziehen, und eine schnellere Generationenfolge zu ermoeglichen. Bisher orientiert man sich vorrangig an den Beduerfnissen der Industrie, und das ist nur die halbe Miete.

Wie bei vielen anderen Problemen: es wird wohl erst angegangen wenn man die Resultate schmerzlich fuehlt. Wir werden wohl erstmal die Folgen eines demographischen Einbruches spueren muessen. Aussterben tut davon aber kein Volk, nur die Rente ist dann halt weg.

Miri hat gesagt…

Als Frau finde ich übrigens, dass "Don Juan De Marco" ein sehr guter Film ist, das Lied "Have you ever really loved a woman" aus dem Film ist natürlich auch nicht übel... ;-D

Bzgl. Kind: Ich glaube, dass viele Menschen einfach gar nicht bereit sind, für ein Kind die notwendigen "Opfer" zu bringen und dabei gar nicht merken, was sie dadurch verpassen. Jedes Kind ist doch irgendwie ein unglaubliches Geschenk. Materielle Dinge und beruflicher Erfolg sind toll, klar, doch sie sind doch nichts im Vergleich dazu ein Kind aufwachsen zu sehen und von ihm die Welt erklärt zu bekommen. Leider wird es den Menschen in D zunehmend schwerer gemacht, im biologisch optimalen Alter Kinder zu bekommen und hinterher ist es für Frau und Mann (auch Männer haben ja ein biolog. optimales Alter, um ein Kind zu zeugen; Spermienqualität/Missbildungen beim Kind/Mortalität nehmen danach deutlich zu, wie div. Studien beweisen). Um parallel zur Ausbildung die LeistungsträgerInnen von morgen großzuziehen, muss man schon Bärenkräfte entwickeln (besonders als Frau) und auch hinnehmen, dass eigentlich wesentlich schlechtere, aber kinderlose KommilitonInnen karrieretechnisch an einem vorbeiziehen und einen besonders nette Zeitgenossen dann noch belächeln, "dass man nichts aus seiner Intelligenz macht", während man selbst dankbar ist, dass man nicht so eine bedauernswerte dumme Person ist, die sich, wie man dann mitunter noch erfährt, z.B. nicht einmal selbst eine frischgekochte Mahlzeit zubereiten kann...
Vielleicht sind auch nicht gerade wenige Menschen Bindungsphobiker. Habe gerade ein sehr gutes Buch zu der Thematik gelesen ("Jein" von Stefanie Stahl). Und leider gibt es ja auch Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, bei denen es aber nicht klappt. Meine eine Freundin und ihr Mann sagten jahrelang, dass sie keine Kinder wollen. Bis zu dem Tag, an dem sie schwanger wurde: Der Mann war so gut wie unfruchtbar und ihnen war es unangenehm der ganzen Welt hierüber zu berichten, deshalb logen sie. Sie sind heute glückliche Eltern und können ganz offen über ihre damaligen Ängste reden. Die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, ähnelte wohl der, einen Sechser im Lotto zu erzielen.

Miri hat gesagt…

Oh, auch Gianna Nannini hat mit 54 Jahren und pünktlich zum Erscheinen ihrer neuesten CD "Io e Te" ("Ich und Du")festgestellt, dass sie jetzt bereit für ein Kind ist ("Die größte Liebe meines Lebens"), welches Penelope heißen soll, weil es so lange gewartet hat, bis seine Mutter bereit für eine Schwangerschaft war, und sich hochschwanger auf der italienischen Vanity Fair abdrucken lassen (Aufschrift auf dem T-shirt: "GOD IS A WOMAN".
Man mag über Gianna Nanninis PR für ihre anscheinend sehr persönliche CD und ihren Liebesbrief an ihr ungeborenes Kind in der "Vanity Fair" denken, was man will, aber es deutet vieles darauf hin, dass sie auf natürlichem Weg schwanger geworden ist und überglücklich ist, dass diese Schwangerschaft, nicht wie drei Schwangerschaften davor, vorzeitig endet. Wunder geschehen... :-)