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Montag, Mai 06, 2013

Interaktionen mit den Leutchen hier

Wenn ich dieser Tage so meine letzten Begegnungen mit fremden Taiwanern Revue passieren lasse, muss ich doch die Stirn runzeln, denn so eine Strecke aus "Negativbekanntschaften" hatte ich in all den Jahren noch nicht. Obwohl ich in einem Fall eine Mitschuld habe, bin ich da doch aus einer schlechten Laune heraus auf provozierendes Verhalten eingegangen, anstatt mich an meinen eigenen Grundsatz zu halten, die Leute einfach zu ignorieren.

Vor einigen Wochen war zunächst der junge neue Kollege, der im benachbarten Hardwareteam arbeitete, der mir aufgeregt mit rotem Kopf viele Fragen stellte, wann immer er mich irgendwo abpassen konnte und mir damit schon mild auf den Wecker fiel, das will ich nicht leugnen. Ein nervöser aufgeregter Umgang mit Ausländern, der zwar freundlich wirkt, aber meiner Erfahrung nach schnell in regelrechtes Stalking, versuchtes bulliehaftes Verhalten oder eben "über den Ausländer lustig machen" umschlagen kann, wie ich das schon oft erlebt habe. Ich blieb höflich auf Distanz, doch ein Ende seiner Kontaktversuche war nicht abzusehen. Schließlich erhielt ich eine Email in die Büromailbox, wo er schrieb, mein Freundchen seien zu wollen und beteuerte "kein Homo" zu sein. Da wurde es mir nun endgültig zu viel, ich bin hier als Softwareteamleiter und nicht dazu da mit Jungingenieuren, die vielleicht den Teamnamen "Hardwareteam" falsch verstanden haben, sonstwas zu diskutieren. Ich versuchte dann, durch informieren meiner Gattin, die ja auch meine Chefin ist, ihm einen kleinen Dämpfer zu verpassen. Direkt ansprechen geht hier schwerlich, schnell glauben sie das Gesicht verloren zu haben und irgendwas an seiner Verhaltensweise war auch so überkanditelt, sogar im hiesigen Rahmen, dass ich es lieber über den Dienstweg machen wollte. Meine Frau hatte jedenfalls schon Witze gemacht, dass der junge aufdringliche Mann ständig in meiner Umgebung zu finden wäre.

 So läuft Taiwans Straßenverkehr reibungslos ;-)
Hupen sind da auch nicht drin.

Im Mittelteil der ganzen Angelegenheit sah ich dann erfreulicherweise wenig von dem jungen Mann, mit dem ich ja dienstlich gar nichts zu tun hatte und brauchte nicht mehr mit Radarblick durch die Cubicallandschaft gehen, um Kontakt mit ihm zu vermeiden. Er entschuldigte sich einmal bei mir im Fahrstuhl und damit war die Sache für mich erledigt. Er erklärte mir merkwürdigerweise, kündigen zu wollen, worauf ich nur mit einem gequälten "tut mir leid" antwortete und froh war, als der Fahrstuhl endlich am Ziel war. Er kommunizierte seine Kündigung dann groß in der Firma, nur um sie gleich wieder zurück zu ziehen und bald alle möglichen Kollegen (nicht jedoch mich) mit "mein Onkel ist bei der Mafia" zu bedrohen. Ein so bizarres Verhalten, dass mir hier schwante, dass wir es schlichtweg mit einer psychischen Störung zu tun hatten. Bald waren alle möglichen Ingenieure und Vorgesetzte viel mit Diskussionen beschäftigt, wie man mit "ihm" denn nun verfahren könne. Es endete natürlich mit dem vorzeitigen Ende der Probezeit und fand dann noch einen etwas furiosen Abschluss, bei dem sogar eine Selbstmorddrohung eine Rolle spielte. Sollte ihn Google hierher verschlagen, meine herzliche Bitte die schon vorher angeratene Therapie anzutreten und dann frisch gestärkt einen neuen Anlauf in der Arbeitswelt unternehmen, mit meinen besten Wünschen für die Zukunft. Ob verstauchtes Bein oder ein kleines psychisches Wehwehchen, es lässt sich alles therapieren, nur machen muss man es.

Wochen später dann ein Kunde der meinem Parkplatz gegenüber liegenden Fressbude, der gerade meine Parkbucht mit seinem schwarzen Mitsubishi zuparken will. Ich hupe, es liegt wohl an der wackelkontaktigen Hupentaste, dass ich oft gleich mehrmals drauf drücke, ergo hupte ich ihn dreimal an. Er machte Platz, zögerlich zwar, aber immerhin und ich parkte ein. Ich stieg aus und mir fiel auf, dass er immer wieder mit seiner Beifahrerin redete und dabei immer wieder in meine Richtung stierte und gestikulierte, als sei das Ganze eine Staatsaffaire. Ich ignorierte das zunächst, als es jedoch weiter und weiter ging mit einem Herumgeschimpfe, brach ich mit meiner eigenen Regel, die Leutchen hier einfach zu ignorieren und fragte ihn was los sei. Er saß dabei noch am Steuer, seine Scheibe war heruntergekurbelt und wirkte dabei völlig nervös und aggressiv, frage mich was ich wolle. Ich wechselte dann ins Englische, wünschte ihm noch einen guten Tag und empfahl ihm weiterzufahren und ging. Man muss sich aber vergegenwärtigen, wie schnell sich Taiwaner im Straßenverkehr in tobende Irre verwandeln, so als habe sich die ganze Insel darauf geeinigt, den Verkehr als zentrales Ablassventil zu verwenden. In der Folge fuhr er nun mit seinem Auto unter wildem Hupen auf mich zu und deutete an, mich seitlich Rammen zu wollen, in dem er immer näher an mich heran fuhr und mich so auf die geparkten Autos zu drängte. Einen Bürgersteig gibt es ja nicht. Ich bin ja ein ausgeprochener Freund davon, mit nicht in das "Jäger-Gejagter"-Beuteschema einzufügen und zog daher meinen Schlüssel und hielt ihn deutlich sichtbar zwischen uns, so dass er sich den Lack zerkratzt hätte, wenn er mich hätte anfahren wollen. Prompt lies er es bleiben und änderte seine Taktik durch vor-mir-Schlangenlinien-fahren, immer noch unter wildem Gehupe. Da er nun fast mit den geparkten Autos kollidierte, so eierte er herum, zog ich nun mein Handy um meine Frau zu bitten, die Polizei zu verständigen. Wollte ich doch nicht, dass die Situation nun noch in einen Unfall mündet. Und ruft man als Ausländer die Polizei hier selbst an, hat man wenig positives zu erwarten. Er britzte dann allerdings mit viel Gas davon. Er weiß sicher auch, Captain Kirk hatte einen Phaser in seinem Klapphandy. Mein Motorola ist aber glaube ich ohne dieses Feature.

Gleich darauf wollte ich dann "mein" Mietshaus betreten, als mir ein im Hause wohnender Greis, der mich vor ein paar Wochen schon einmal im Hausflur grundlos angebrüllt hatte wie ein Irrer ("welches Stockwerk? welches Stockwerk? welches Stockwerk?") den Zutritt durch blockieren der Haustür verwehrte und mir schließlich, als ich ihm per Geste klar machte, dass ich rein wollte, die Tür vor der Nase zuschlug. Mir lag eine humoristische Entgegnung auf der Zunge, die er aber eh nicht verstanden hätte, ich erinnerte mich aber wieder an meinen Grundsatz, die Leute einfach zu ignorieren. Schloss daher die Tür auf und ging einfach weiter. Er selbst stratzte nun auch von dannen, als sei nichts gewesen. Bin gespannt, was er beim nächsten Mal in Petto hat.

Tage später dann komme ich dann aus einem Frühstückslokal, die Essenstüte in der Hand und will mein Auto per Fernbedienung aufschließen, einen brauen schmutzigen Nissan Xtrail. Da merke ich, dass der Wagen nicht aufgeht. Stutze und sehe, dass jemand einen identisch braunen und identisch schmutzigen Wagen des gleichen Modells neben meinem geparkt hat und das meiner der Nachbarwagen ist. Alles in einer Sekunde oder so. Steige also in mein Auto ein, da kommt der Besitzer der Nachbarkutsche heraus, wirkt auch schon wieder ärgerlich und aufgedreht bis dort hinaus und fragt mich, was ich wolle. Nun denke ich, hätte ich ihm geantwortet, hätte das bei der leichten Erregbarkeit der Autofahrer hier wahrscheinlich in eine Verfolgungsjagd quer durch die Stadt gemündet. Ich lächelte nur, stieg ein und fuhr weg. Wenn er das aus der Situation heraus nicht versteht, kann ich ihm da auch nicht weiterhelfen. Und irgendwie suchen Taiwaner im Verkehr auch ständig nur einen Aufhänger, um eine Eskalation herbei zu führen, da muss man ihnen nicht bei helfen.

Jau, wieso ich so viele merkwürdige und latent oder explizit aggressive Begegnungen habe in der letzten Zeit ist wirklich die Frage. Viele Ausländer schreiben im Forum davon, das Klima für uns "Westler" hier würde deutlich rauher. Ob das so stimmt oder nicht, will ich noch nicht sagen, auch wenn es plausibel ist, dass etwa die Presseberichte über den aus Taiwan geflüchteten britischen (vermeintlichen) Todesfahrer (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hier in Taipei vielleicht zu einem Johnny-Weißbrot-feindlichen Klima führen. Obwohl der pakistanstämmige Brite doch gar nicht wie Johnny Weißbrot aussieht.

Ich jedenfalls bin trotz aller Frubbeleien mit den Eingeborenen guter Stimmung und lerne sogar mit wachsendem Erfolg und neuen Lehrbuch wieder Chinesisch. Habe allerdings weniger denn je das Bedürfnis, das am lebenden Objekt auszuprobieren ;-)

+++

Weil wir gerade bei Negativbegegnungen sind: Ein Ausländer ist in Taichung offenbar von einem Taiwaner angegriffen worden, allerdings hat sich der Ausländer auch eingemischt, als der Mann seinen Sohn verprügeln wollte: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120178
Die herbeigerufene Polizei nimmt wie immer die Ausländer aufs Korn*.
Taiwaner tendieren auch bei Familiendramas zum völligem Ausflippen. Als Ausländer sollte man sich da schön zurückhalten, man kann nur verlieren dabei. Erst kürzlich wurde ein Ausländer von hinten mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, als er Einheimische ersuchte, ihre Kinder auf dem Moped zu sichern. Nicht einmischen, sollte die erste Regel in Taiwan sein. Das Soziale ist hier unterentwickelt, man mischt sich nie ein in fremde Angelegenheiten, hilft nicht mal bei Verkehrsunfällen. Ein Kanadier, der einst einer sexuell bedrängten Dienstmagd beistehen wollte, wurde 2004 von der Polizei verprügelt, an einen Stuhl gefesselt und dort von einer Stadtverordneten vor laufender Kamera geschlagen. Ein Ausländer, der vor einiger Zeit eine verunfallte bewusstlose Frau aus dem Auto zog, wurde von dieser wegen sexueller Belästigung belangt (weil er sie eben angefasst hat dabei), der Helfer musste vor dem Friedensrichter eine größere Summe zahlen, um einem Prozess zu entgehen. Besser raushalten im Taiwahn.

* Das die Beteiligten von Anfang an Englisch sprachen und die Sache in Taiwans Gangsterstadt Taichung stattfand, spricht für eine Art von Falle (zum Gelderwerb?). Interessante neue Entwicklung.

Kommentare:

Xinxi hat gesagt…

Das ist bei euch im Norden aber echt wild. Die Taiwanesen aus Kaohsiung halten Taipei eh für einen ganz komischen Ort. O-Ton: "Leute aus Taipei können sich schön anziehen, aber meistens steckt nix hinter dem schönen Schein." Außerdem gäbe es, so die Volksweisheit im Süden, in Taipei überdurchschnittlich mehr Geistesgestörte, Verbrecher und seltsame Vögel, die darauf hoffen, in der Hauptstadt irgendwie an Geld zu kommen.
Alles jenseits von Tainan ist mir inzwischen sehr suspekt. Und deine Erfahrungen bestätigen meine Vorurteile perfekt.
Übrigens mischen sich Taiwanesen traditionell schon ein. Das Weggucken ist eher eine moderne Entwicklung. Viele "normale" Lehrer sind z.B. so engagiert, wie in D nur die Leute aus der Waldorfschule. Vielleicht ist es eher so, dass die "Demokratisierung" in den 1990er Jahren oft einfach gemeint hat, dass der Staat sich aus vielen Bereichen zurückgezogen hat und einige Familien verwahrlost sind. So wie in D "Liberalisierung" auch manchmal Code für "Sich-nicht-kümmern" ist.

"Ludigel" hat gesagt…

Tja, meine Negativerlebnisse sammeln sich in der letzten Zeit. Werde mich bemühen mehr auf Distanz zu gehen und zu ignorieren als ich es ohnehin schon tue. Das mit dem Anfahren-andeuten wegen dem Parkplatz hatten wir auch schon mal, damals war es meine Frau, ich war aber in der Nähe. Ich meine, meine Frau war das Opfer, nicht, dass sie mich anfahren wollte (gacker). Joooo... ganz so einfach wie in den Reiseführern ist es nicht mit den freundlichen Leuten hier.

Anonym hat gesagt…

K. Lugshaisser wrote:

Alles nur Einzelfälle. Jedenfalls solage bis sie mit Fackeln und Mistgabeln vor der Haustür stehen..

MKL hat gesagt…

Taipeh (und teilweise Taichung) sind ganz anders als der Süden wegen der stärkeren Festland-Chinesischen Prägung. Da ist die Kultur des Gesichts und das nicht Einmischen in die Angelegenheiten Unbekannter ein fester Teil des Lebens hier. Ein Teil der Familie meiner Frau kommt aus Chishan in Kaohsiung. Da sind die Leute ganz anders. Die Nachbarn sind fast schon Teil der Familie, die kommen unangemeldet, jeder grüßt jeden auf der Strasse. Sowas gibts nicht in Ost-Zhonghe, wenn auch jeder Strasse oder Nachbarschaft wie ein kleines Dorf aussieht.

Was du beschrieben hast sind Einzelfälle die meistens wegen einem Missverständnis passierten oder schlechter Kommunikation. Hier etwas zu den einzelnen Fällen:

- Der junge Kollege: Hier hast du nichts falsch gemacht, meine Frau sagt: "他有問題" (Der ist bekloppt)

- Der Mitsubishi-Samurai: Es wäre besser, wenn du ihn parken gelassen hättest und dann mit einem Lächeln und einem "不好意思" startend ruhig erklärt hättest er möge sich bitte einen andern Parkplatz suchen, weil jener deiner sei. Dann noch ein paar "不好意思" drauf schlagen, mit dem Kopf nicken und breit lächeln und der Strassenheld würde seinen Jähzorn nicht rauslassen, da er das Gesicht neben seiner Freundin waren würde. Ich denke er hat dein Hupen als respektlos angesehen, wollte nicht als ein Schwächling neben der Beifahrerin wirken. Keine Ahnung ob es so war, ich spekuliere ein bisschen.

- Der Brüll-Greis: Der ist wahrscheinlich generell launisch oder er hat Probleme in der Familie, keine Ahnung. Es ist halt leichter den Frust an einen Ausländer rauszulassen. Du könntest ihn Überraschen und ihm ein paar Früchte bringen, vielleicht mit der Frau besuchen und ein paar netter Worte auswechseln (um die Stimmung zu entspannen). Na ja, falls er Durchfall von den Früchten bekommt, dann kriegst du noch mehr Ärger, daher vorsichtig mit meinem (gut gemeinten) Rat :P

- Der zufällige Wagenzwilling: Da würde ein Lächeln und ein "Unsere Wagen sehen ähnlich aus, der Rechte ist meiner" im perfekten Chinesisch reichen um den erregten Nissanfahrer zu beruhigen (jetzt spekuliere ich nochmals)

Keine Ahnung ob ich mit meinen Einschätzungen richtig liege, aber das wäre meine Art mit den Dingen umzugehen.

Was meinst du, Ludigel? Was meinen andere Leser?

"Ludigel" hat gesagt…

Hi MKL, mein Chinesisch ist endlich im konstruktiven Aufbau befindlich, aber noch längst nicht so weit. Aber der Mitsubishi-Mensch wäre vielleicht schon mit einer Geste des Bedankens wieder zu beruhigen gewesen. Ich war wegen x-Mal zugeparkt werdens übler Laune und so eskalierte das Ganze. Ich hatte da durchaus Lust zu, worauf ich wenig stolz bin. Man sieht aber hier, wie leicht ein Einheimischer dann jedwede Kontrolle verliert. So kann man dann nicht mehr kontrollieren was passiert. Er eierte ja dermaßen außer Kontrolle auf der Fahrbahn herum, dass beispielsweise ein Kind, das aus dem Hauseingang gelaufen wäre, ihm leicht hätte vor den Kühler kommen können. Sicher war er langsam, aber er hatte nur Augen nach hinten. Die Erklärung mit dem Gesichtwahren ist natürlich richtig. Er fing schon aggressiv an und ich habe ihn eher bestärkt. Was letztlich nur Unsinn zur Folge haben kann.

Der alte Mann.... tja... wenn ich ihm selbst was gebe, schlägt er mir es wahrscheinlich aus der Hand. Er ist so hinfällig, ich will nicht, dass er sich aufregt und nachher noch umfällt. Irgendjemandes Daddy und Opa ist er ja ;-) Also hoffe ich, ihn mal mit meiner Frau zusammen zu treffen, die es ihm erklärt. Allerdings ist er so schwerhörig, dass das wohl auch nicht geht. Hilft nur Geduld, bustäbliches Zurücktreten und hoffen, dass er nicht noch zum Angriff übergeht, wie das ein anderer Ausländer von einem anderen Greisennachbar irgendwo auf dem Dorfe berichtet hat. Der kommt immer mit dem Knüppel, da bin ich also noch gut dran.
Ohne richtige Kommunikationsmöglichkeit war bei dem Wagenzwilling sicher lächeln und wegfahren das Beste. Sonst gibt man nur Gelegenheit zur weiteren Eskalation. Entweder war er dumm oder auf Ärger aus, beides macht ihn zum wenig erfreulichen Gesprächspartner. "Debuishi" (vergessen wie man das wieder schreibt in Pinyin) wäre auch noch gegangen. Man muss in der Tat deeskalierend handeln, denn im Verkehr sind sie immer zu aufgedreht die Leute hier.

Einmischung: Genau: Nie einmischen. Mir könnten sie in pefektem Deutsch erklären, dass sie jetzt mit ihrem Junior sonst was machen wollten, ich würde so tun als ob ich nichts höre und schleunigst weggehen. Ggf. meine Frau bitten die Polente zu verständigen, aber nur, wenn es ernsthaft kriminell wird. Man ist hier wie E.T., also kann man nicht eingreifen. In dieser Kultur hier schon gar nicht. Interessant, dass es im Süden anders ist.

"Ludigel" hat gesagt…

Debuiqi denke ich. Gezz fehlen noch die Tonzeichen...

MKL hat gesagt…

Meine Frau sagt das selbe: Nicht einmischen, besser die Polizei rufen. Ich würde zuerst meine Frau anrufen, und dann soll sie entscheiden was am besten zu tun ist, weil jede Situation anders ist.

Ich bewundere die Expats hier, die sich über die nichtvorhandenen Helme an Kindern aufregen und dann noch einmischen. Ich sah mehrmals Babies ohne Helm auf den Scootern vorbeiziehen (typisch Oma als Fahrerin und noch Schwestern/Brüder dabei). Ich finde es schrecklich unverantwortlich, aber wenn ich hier durch Zhonghe rumstolziere blende ich das alles mental aus. Ich könnte durchdrehen wenn ich hier alles mit meinen Europäischen Augen wahrnehmen würde. Auch als Katzenliebhaber tut es mir in der Seele weh wenn ich bei uns in der Nachbarschaft jeden Tag an einem Tier-Shop vorbei gehe und Katzen in Mini-Käfigen sehen muss, aber irgendwie blende ich auch das aus. Und dann sind da noch das ständige Wässern der Strasse, das Zuparken der Gehsteige, und die fast wöchentlichen religiösen Feste in dem Tempel neben an mit den Feuerwerken und Strassenparaden, da denke ich manchmal Krieg sei ausgebrochen.

Um das alles zu verdauen braucht man schon einen starken Willen. Ich weiß nicht wie lange ich mir das noch antun will, da ich jetzt ein Kleinkind habe, aber es ist halt schwierig eine Wohnung in einer modernen Nachbarschaft zu bekommen zu einem normalen Preis. Da sind dann diese Ärgerlichkeiten viel unwahrscheinlicher (z.B. in Tianmu, Xinyi etc).

"Ludigel" hat gesagt…

Weise Worte, die verdeutlichen, wie man eben die Denkweise anpassen muss, wenn man hier leben will. Man blendet in der Tat aus.
Und man muss sich gewärtig sein, dass man eben nichts ändern kann. Daher sind die Erzieher natürlich im falschen Film. Einem Taiwaner zu erzählen, er solle seine Kinder auf dem Moped sichern ist ähnlich unsinnig wie einem Saudi zu erzählen, er solle gefälligst auch mal seine Frau ans Steuer lassen ;-)

MKL hat gesagt…

Haha... na ja, es sind nicht alle Taiwaner so unverantwortlich, aber dein Augenzwinkern verrät das du das auch weißt. :)

Ich hab mal meine Frau gefragt, warum den bestimmte Obasans auf dem Moped einen Helm tragen, das Kleinkind das sie transportieren aber keins? Meine Frau sagte dass es wahrscheinlich daran liegt, dass der Kopf des Kindes halt ständig wächst und dann bräuchte man in kurzer Zeit mehrere Helme kaufen, was dann größere Kosten bedeutet. Da wartet man lieber bis der Kopf weniger wächst anstatt sicherzustellen, dass er überhaupt eine Chance hat zu wachsen.

Da sieht man den Mentalitätsunterschied sehr deutlich, aber es auch eine Generationsfrage, da viele jungen Taiwaner nicht mehr so denken würden.

Xinxi hat gesagt…

Nur mal so ein Gedanke am Rande: Bist du (bzw. sind wir) nicht einfach nur vielleicht "Landeier"? Du kommst doch auch aus einer Kleinstadt, oder? Was ich von deutschen und taiwanesischen (!) Freunden aus Berlin und/oder Hamburg höre, erschreckt mich doch regelmäßig. Von wegen südländische oder nazibekloppte Gangs, die junge Frauen angreifen, Pöbeleien und andere Rüpeligkeiten - auch von "Ordnungshütern". Zumindest bei uns in NRW war "Berliner Polizei" ein stehender Begriff für Gewaltbereitschaft jenseits aller Befugnisse. Das mit der Pistolendrohung nach - laut hiesigem Gesetz sogar verbotenen - Rechtsabbiegen bei einer roten Ampel könnte man (als Ausländer) auch in D erleben. Langer Rede kurzer Sinn: In den besseren Vierteln von Tainan, Danshui oder Kaohsiung würdest du kaum auf komische Gesellen treffen.

Martin hat gesagt…

Nun, vermutlich werden Hupe und Lichthupe als aggressiv empfunden. So empfinde auch ich persönlich das, vor allem wenn der "Tonfall" der Hupe noch aggressiv dazu ist. In DE ist es rechtlich so dass man, wenn man überholen möchte, Hupe oder Lichthupe benutzen darf (oder bin ich nicht mehr up to date?) Ist aber nicht zu empfehlen, da man dann nie wirklich weiß was passiert. Kann gut sein dass dann auf der Autobahn der Vordermann viele km nicht mehr nach rechts weicht und sich extra vieeeeeel Zeit lässt... Ein bischen enger auffahren ist verboten, wirkt aber viel besser da es eher verstanden wird als "möchte gerne vorbei". (Solange man dem Vordermann nicht wirklich aggressiv auf die Pelle rückt).

Habe meiner Frau von Deinem Verkehrserlebnis erzählt. Sie meinte, ein früherer Kollege von ihr habe immer eine Brechstange (Brecheisen) im Auto gehabt. So quasi als Mehrzweckwerkzeug, für technische oder kommunikative Notfälle. Den bitte auch nicht anhupen, nicht dass er mal eben hinter den Beifahrersitz greift und aussteigt ;-)

Viele Grüße
Martina