Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, Mai 30, 2013

Fern (östlich) von Amazon

Rubrik: Worüber ich schon immer mal meckern wollte
Anlass: Liest eh keiner mehr mit, also kann ich endlich frei von der Leber weg ...
SUNTEKSTORE: Das Hardcore-Shopping-Erlebnis

Sehr bedaure ich, dass ich hier in Taiwan keinen Zugang zu einem Amazon.co.tw oder dergleichen habe, das gibt es nämlich nicht. Bei Amazon.de war ich ja schon Mitglied, bevor es den Online-Händler überhaupt gab: Nämlich bei ABC-Buchklub in Deutschland, der über das noch junge Internet Bücher vertrieb. Den hat Amazon dann irgendwann gekauft. ABC und später Amazon befreiten mich vom deutschen Buchändler. Oder besser gesagt den Buchverkäuferinnen, die einem in längeren stehend gehaltenen Zwiegesprächen klarmachten, was für eine dramatische, langwierige und womöglich erfolglose Angelegenheit so eine Buchbestellung sei - so als ob der Buchdruck gerade erfunden sei und noch niemand wisse, wie er die Bücher gedruckt, transportiert und zu mir kriegen könne, geschweige denn auch noch in absehbarer Zeit. Dann kam Amazon respektive ABC. Und wumm, Buch bestellt, Buch da binnen ein paar Tagen, Ende der Geschichte.
Göttlich, als sie auch anfingen, alles mögliche andere Technikzeug zu verkaufen, direkt oder über den Marktplatz. Erinnere mich noch an meine Verzweifelung, bei Online-Uhrenhändlern eine Armbanduhr einzukaufen. Was in der Webseite stand war nie lieferbar und wann es lieferbar wäre, wusste ohnehin niemand. Die bestellte Uhr kam nie - wieder befreite mich Amazon Stück für Stück vom arroganten Diktat anderer Onlinehändler - und auch von unverschämten und verschlafenen Realwelt-Händlern, denn sie sind Legion.

Doch heute sitze ich in Taiwan. Ich kann bei Amazon.com und Amazon.de nur manches aus der Produktpalette nach Taiwan geliefert bekommen, längst nicht alles. Ein Tamron-Zoomobjektiv ja, einen Sony-Blitz nein, einen Tamron-Filter für das Zoom nein, eine ORIENT-Armbanduhr ja, die andere ORIENT nein, sogar wenn Amazon selbst das Zeug verkauft. Und die Versandgebühren hier an den Tellerrand der Weltscheibe sind natürlich teuer.

Also guckte ich zum chinesischen Suntekstore (http://www.suntekstore.com/). Erworben habe ich da Uhrenarmbänder aus Kautschuck (die taiwanischen hier sind mit "GENUINE SWISS LEATHER" beschriftet, kosten 5 Euro und sind nach vier Wochen kaputt) und einen Akku für meine Sony Alpha Digitalkamera. Und schon bin ich wieder zurück in der harten Zeit vor Amazon.

Lieferzeit 4 Wochen oder 6 Wochen, so genau kann man das nie sagen. Ware erst auf Nachfrage abgeschickt (1x). Der Akku nach wenigen Wochen wieder kaputt, an Garantie will ich da gar nicht denken bei dem chinesischen Händler, die lachen sich sonst nur kaputt. Die Kautschukarmbänder verursachen mir juckenden Ausschlag. Letzteres kann allergiebedingt sein und sagt über die Produktqualität juristisch exakt nichts aus. Aber für mich ist der Suntekstore ein klares No-Go. Lieber verzichten und darauf warten, dass Amazon Taiwan entdeckt.
In China gibt es sie schon, nur auf Chinesisch ist die Seite Amazon.cn, was sich mit Google-Chrome-Translator umgehen ließ. Ich konnte mir auch einen Account für meine Adresse in der "Provinz Taiwan" anlegen. Nur sie liefern da nie hin, egal was ich auch bestellen will.

Amazon, komm nach Taiwan!


*** Wen soll dieser Sermon nun interessieren? Na ja, liest ja nach meiner URL-Änderung eh keiner mehr mit... Meckern ohne Reue im Privatblog, mal was neues. ***

EDIT: Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass das Uhrmacherwerkzeug vom Suntekstore in der Tat funktioniert. One of three ain`t that good though.
  

Kommentare:

Martin hat gesagt…

Heißa, was für ein Zufall, erst kürzlich hatte ich mich gefragt wie dieser Internet-Buchladen hieß, der mich damals ebenfalls von einem Realbuchladen mit ausbaufähiger Freundlichkeit befreite: genau, ABC hieß er. Der hatte mich begeistert, bot er doch damals schon an, dass man bei nichtgefallen das bestellte Buch zurücksenden hätte können. Wow! Hätte ich diese Erwartung an den lokalen Buchhändler gerichtet, ich glaube er hätte mich hochkant rausgeworfen.
Inzwischen ist Onlinehandel usus, aber viele lokale Händler wollen bleiben wie sie immer waren. Ich glaube man nennt das "authentisch bleiben". Bei mir in Kornwestheim gabs noch lange einen Sportwarenhändler, als ich das letzte Mal dort war und Skier geliehen hatte, fragte ich ob ich statt dem einen Klettbändchen, das die Skier mehr schlecht als recht zusammenhielt, noch ein zweites bekommen könne. "NEIN!!! DAS GEHT N-I-C-H-T!!!" rief die Seniorchefin so laut, dass es keiner im Laden überhören konnte. Ich nahm vorher fälschlicherweise an, dass ich für vielleicht 20 - 50 Cent eines kaufen könnte. Aber danach war ich ruhig und ging, habe die Skier später abgegeben und den Laden danach nie wieder betreten. Irgendwann war Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe, ich muss zugeben dass mich das gefreut hat.
Ob sich diese kleinen deutschen Ladeninhaber eigentlich im Klaren darüber sind, dass sich Leute wie ich tatsächlich bereits überwinden müssen, einen kleinen inhabergeführten Laden zu betreten? Und wirklich, jetzt wo ich so darüber nachdenke, es ist wirklich so, diese kleinen Technik-, Uhren- oder Kleiderläden betrete ich in Deutschland höchst ungern, wohingegen es mir in TW Spaß macht mich dort umzusehen. Ich habe in TW nicht das Gefühl, dass ich gleich gemustert werde wie "was will der denn hier, ob der wohl was kauft oder mir nur wieder meine Zeit stiehlt?"

"Ludigel" hat gesagt…

Die letzten Leser und das Blog sind auf einer Wellenlänge ;-)