Dieses Blog durchsuchen

Mittwoch, Februar 20, 2013

Muffiges Essen

Gestern Abend war wieder Abteilungsfestessen. Nun schmeckt es hier meist in den Garküchen sehr gut, Marke Nudelsuppen und Teigtaschen, aber was die Taiwaner so in sich rein futtern, wenn sie gut essen gehen, das ist manchmal erschreckend. Nun finde ich ja meist auch in diesen Restaurants etwas zum Mitessen, mancher Fisch schmeckt mir auch und manches Fleischige, aber gestern gab es beim großen Festmahl in einem dieser Massenrestaurants, in dem man ab 5 Leuten überhaupt nur herein gelassen wird, für mich nichts genießbares. Gut, der tote silberschuppige auf der Seite liegende Fisch ging wohl, aber mein Appetit war vom vorherigen Horror schon völlig weg, so dass ich auch davon nicht gegessen habe. Es gab gallertartige braune halbtransparente dicke Würmer von Bratwurstformat, rohen Fisch und auch das gegrillte Schwein war praktisch nur Knochen, Sehnen und Fett, wie es die Taiwaner scheinbar gern mögen. Selbst lecker aussehende Teigtaschen, mit grünem Gemüsebrei gefüllt und lecker mit Mandeln dekoriert, hatten einen unglaublich muffigen Geschmack, so als ob sie ein halbes Jahr im feuchten Keller gelegen hätten. Die Hühner- und Borstenviehsuppe war wieder mal acht Stunden gekocht, wie meine Frau drauf hin wies. Nur genau da lag das Problem, alles war so ein breiiger fader Sud, der den Gaumen beleidigte - und dazu war das ganze Leid auch noch mit muffigem Geschmack versehen. Lecker!

 Taiwan: bekannt für seine exquisite Küche. Hier sind gleich mehrere im Bild. Die Küchen von Nachbarwohnungen (vergittert).

Die Kollegen futterten das Zeug jedoch begeistert in sich rein - ganz so, als sei es das Beste, was sie je gegessen hätten. Gut, ich weiß ja auch nicht, was es bei denen zu hause gibt. Schnell war auch das Örtchen zugeplastert mit herausgewürgten Essensresten, denn bei Tische kursierte etwas Alkohol. Wie die kräftigen Kerle von zwei am 10-Mann-Tisch kursierenden 0.7-Liter - Bier - Flaschen und dem bisschen Gao Liang-Schnaps in apothekerhaften Dosen so betrunken werden konnten, wird ihr enzymatisches Geheimnis bleiben. Ich ging den rituellen Dankestrünken, bei denen die Kollegen rumgehen in Gruppen und an allen Tischen anstoßen mit den Leuten mehr oder minder aus dem Wege. Die Kollegen haben das gerne, wenn ich dann mit Bier anstoße, sie machen das dann zehn Mal und finden es dann toll, wenn sie dann betrunken sind und ich nicht. Mit sehr kleinen Gläsern wohlgemerkt. Diesmal hatte ich ein daumennagelgroßes Schnapsglas, mit dem ich solchen Ansinnen aus dem Weg gehen konnte.
Mit dem Taxi in der Firma angekommen, sah ich eine neue Kollegin vom Vertrieb aussteigen, sich vorn über beugen und mit einer riesigen Fontaine ihren Mageninhalt von sich geben, wie ich das bislang nur im Film gesehen hatte. Ich bemerkte nur trocken, dass ich das Essen auch nicht mochte, aber die Kollegen meinten denn, es habe am Alkohol gelegen. Gut, wenn die Herren schon vom Ablesen des Etiketts betrunken werden, reicht bei den Damen wohl der Gedanke an eine Winzerei für einen kräftigen Rausch.

War also ein netter Abend, zu Hause habe ich mir erst mal ein Brot geschmiert.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Guide Michelin wrote:

Kollegin hatte also Übelkeit.... Vielleicht war die Kackwurst schlecht?

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
ich hatte auch mal nur Reis gegessen, als es frittierte Bienen, gebratene Kleinvögel und Frösche gab.Taiwan hat sooo gutes Essen, aber bei Hochzeiten, Geburtstagen usw wird wirklich sehr Seltsames aufgetischt. Waren auch die Fledderer da, die kurz vor dem Abräumen alles Übriggebliebene in Plastiktüten packen? Bei denen ist man beliebt wenn man nicht viel isst. Ich wurde sogar mal fotografiert als ich beim Japaner die 3. Flasche Bier innerhalb 1 Stunde bestellte !

Miri hat gesagt…

;-)

Ach deshalb sind bei Euch alle so schlank. Interessante Essensrituale bei Firmenfeiern habt Ihr da bei Euch am anderen Ende der Weltscheibe... ;-)

"Ludigel" hat gesagt…

Reis gab es leider nicht. Richtiges Festessen. Jede Nudelbude waere fein, aber nein, es muss wieder der Horrorladen sein. Und das mit dem Goebeln wird immer schlimmer jedes Mal.

Anonym hat gesagt…

Taipei ist so dicht bevölkert, dass sich da auch "Restaurants" halten können, die in Kaohsiung oder Taichung nach 3 Tagen dicht wären.

"Ludigel" hat gesagt…

Erschreckend ist, wie voll der Laden immer wieder durch diese Feier- und Firmengruppen ist. Und wie kommentarlos die Kollegen dieses muffige Zeug in sich rein schaufeln. Aber diese zerkochten Suppen mit breiigem Schweine- bzw. Hühnermatsch sind wohl wirklich beliebt hier und an Abfall aus Knorpeln und Fett und Knochen als Fleisch hat man sich auch gewöhnt in Taiwan; schließlich sind alle primär hinter dem schnellen Geld her.
Aber diese muffigen Teigtaschen schmeckten wirklich verdorben. Vielleicht daher so viel Übergeben trotz wenig Alkohol? Aber alle grinsen fröhlich und waren guter Stimmung. Ein Brechfest eben, warum auch nicht. Gummioverall wäre angemessen.