Dieses Blog durchsuchen

Mittwoch, August 19, 2009

Taiwans Regierung senilkonfus

Taiwan macht einen hektischen, fahrigen und disorganisierten Eindruck dieser Tage. Bis zum dritten Tage nach dem Taifun und seinen Verwüstungen wusste in Taiwan niemand, wie schlimm es wirklich war, die Regierung war scheinbar genauso überrascht vom Ausmaß der Katastrophe wie zum Beispiel meine Wenigkeit und hat sogar Auslandshilfe abgelehnt. Als Begründung kamen später merkwürdige Statements wie "die können ja nicht helfen, die Ausländer, weil sie kein Chinesisch können und sich hier nicht auskennen".
Nachdem bislang von zwei Dörfern mit hoher Todeszahl (mehrere hundert Tote) die Rede war, ist nun plötzlich im Fernsehen von einer größeren Stadt die Rede, bei der von 4000 nur noch 400 am Leben seien. Einen Überblick über das Land scheint niemand zu haben, es scheint keine systematische Erfassung der Flutgebiete per Flugzeug zu geben. Es gibt offensichtlich auch keine lokalen Katastrophenzentren, die den Status ihrer Gebiete nach Taipei weitermelden.


Taiwans Präsident Ma Ying-Jeou. Eigentlich ist er aber garnicht Taiwans Präsident, sondern Präsident der Republik China. Aber Taiwan ist eh China, sagt er. Und wie bei den Bajoranern bei Star Trek steht der Familienname zuerst. Manchmal kriegt man hier Kopfschmerzen.


Die USA haben viel wasserdichte Plane gestiftet, die Regierung lässt in der Taipei Times vermelden, man wisse nicht so genau, was man damit anfangen soll. Offensichtlich gibt es niemanden, der die naheliegende geistige Transferleistung (-Zelt-Militärlogistik) vollbringt. Andererseits sind Zelte auch nur bis zum nächsten Taifun sinnvoll, es sei denn man will Peterchens Mondfahrt spielen.
Gut, auch egal. Wer irgendwas nach Taiwan schickt, soll bitte eine Gebrauchsanweisung auf Mandarinchinesisch beilegen. Spenden? Die Geschäftstüchtigkeit der Taiwanesen ist wie die der Ferengis bei Star Trek und wenn man jeden Tag fünf Betrugsversuche per Telefon erhält (auch ohne Taifun) dann ist man vorsichtig, wem man Geld überweist.


Wenig Zeit zum Frühstück. Präsident Ma Ying-Jeou beim "Zhao fan", Frühstück (ist gelogen, hier empfängt er einen Staatsgast...***)

82% der Leute hier wollen laut einer Umfrage, dass der Präsident zurücktritt. Aber sind andere Politiker besser? Sein Vorgänger hat Teile der Staatskasse auf schweizer Privatkonten überwiesen und sitzt deswegen im Bau. Na ja, der hätte die "wasserdichte Plane" sicher schon längst nach Vietnam vertickt und die würden dort Regenmäntel draus bauen und für 100 NT das Stück reimportieren. Wäre wenigstens was.

Taiwans Präsident Ma hat sich im Fernsehen entschuldigend verneigt und erklärte, er würde so hart arbeiten, er habe gestern nicht mal Zeit fürs Frühstück gehabt! Wer weiß, wie wichtig hier das Essen genommen wird, dem erstarren da vor Ehrfurcht die Tränen der Rührung! (LINK <<--links klicken)

"Ups": El Präsidente Ma hat auch vergessen, den nationalen Notstand auszurufen: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2009/08/19/2003451490 <<--links klicken Vergessen, oder wollte nicht, konnte nicht, war gerade beim Frühstück, wusste nicht, dass es sowas gibt....

Herrliche Polemik
: Die Opposition unsterstellt dem chinafreundlichen Präsidenten, er habe auf Anweisungen aus China gewartet, bevor er sich zu handeln getraut hätte: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2009/08/19/2003451485 <<--links klicken. Man soll aber auch nicht alles glauben, was die ultrakorrupte Opposition von sich gibt.

Volksmeinung:
Keine Ahnung wie die lautet, da müsste ich ja jeden fragen. Jedenfalls sagt meine Frau, viele würden hier sagen, "Es ist besser, einen gierigen Präsidenten als einen dummen zu haben", was sagen will, dass Präsident Ma dumm sei und der vorherige Präsident zwar eine diebische Mistratte war (das ist sozusagen amtlich wegen Teilgeständnis), aber wenigstens ein Gehirn vorzuweisen hatte.



*** eigentlich hat Taiwan aber garkeine Staatsgäste, sondern die Republik China hat welche. Taiwan ist ja nur der Name vom Fels darunter. Und ganz eigentlich gibt es auch kaum Staatsgäste, weil kaum ein Land die Inselrepublik anerkennt. Eigentlich ist es aber auch garkeine Inselrepublik, weil sie laut Verfassung ganz China beinhaltet... Nehme jetzt erstmal eine Aspirin.

Kommentare:

Dezhong hat gesagt…

"Man soll aber auch nicht alles glauben, was die ultrakorrupte Opposition von sich gibt."

Interessant, da gibt es einmal einen möglicherweise (wir erinnern uns: das Urteil steht noch aus) "geldgierigen" hochrangigen Politiker und gleich die ganze Opposition ist ultrakorrupt.

Ich will gar nicht mal das Gegenteil beweisen (wollen), doch selbst wenn es stimmen sollte, scheint dieses Adjektiv kein besonderes Unterscheidungsmerkmal der Opposition zu sein ;)

Ludigel ("Bob Honest") hat gesagt…

Na ja, die Beschuldigungen erstrecken sich auf weite Teile der alten Regierungen und zumindest der Expräsi und seine Familie sind teilgeständig veruntreut zu haben.

Es entstand bei mir der Eindruck, die DPP sei weitestgehend ein Korruptionssumpf.

Gewerbegebiet in Hchinzhu, Firmen mussten bestechen um teilnehmen zu können, wurde von lokalen Politikern auf Privatkonten von Präsi überwiesen. Aber wohl noch in der Schwebe der Prozess. Vielleicht sind ja alle unschuldig ;-)

Dezhong hat gesagt…

Aber eben nicht *nur* die DPP. Das ist gerade die für mich interessante Änderung in der Wahrnehmung der taiwanischen Gesellschaft. Immerhin hatte es die DPP vor allem auch ihrem Image von Integrität zu verdanken, bei so ziemlich allen Wahlen zwischen 2000 und 2004 gut abzuschneiden (gerade im Vergleich zur damals als verfilzt empfundenen KMT).

Ohne Korruption im engeren Sinne ist Politik in Taiwan nicht denkbar, wie das Prinzip der "guanxi" beweist. Und da ist die KMT mit ihrer straffen Organisation auf lokaler Ebene, die sie nach wie vor dominiert, eine absolute Meisterin.
(War ja auch praktisch für sie, dass sie 40 Jahre Kriegsrecht über Zeit hatte, sich da relativ konkurrenzlos einzunisten.)

Dem hat und hatte die DPP außer ihrem Saubermann-Image und der Taiwan-Ideologie noch nie viel entgegenzusetzen. Dank Chen Shuibian ist ersteres weg und zweiteres zeigt, was Wählermobilisierung angeht, bereits extreme Abnutzungserscheinungen.

Aber wie dem auch sei, im Zweifelsfalle gilt eben: unschuldig sind nur die, die sich nicht erwischen lassen ;)

Ludigel ("Bob Honest") hat gesagt…

Absolut! Ich hatte es vergessen zu erwähnen, aber dachte, Du holst es nach. Die KMT ist sozusagen der legale Armt der Triade, die Taipei beherrscht, also der "Bambusgang". Wieso das so ist, hat mal mein damaliger Chinesischlehrer ganz offen in der Klasse erklärt. Das versteckt man hier auch nicht.
Die KMT macht die Korruption schon länger und daher eleganter (weniger sichtbar). Der Wähler hat also die Wahl zwischen eleganter und uneleganter Korruption. Erstere ist vermutlich schlimmer.

Anonym hat gesagt…

KMT ist eine der reichste Partei der Welt und wieso konnte die KMT-Gruppe so reich werden? Chen hatte ledig gelernt, wie KMT früher Geschäfte machten, deshalb sind viele Wähler und ich enttäuschten von Chen, weil er von KMT praktisch "assimiliert" wurd.
Aber er behauptet auch, dass er mit dem gespendeten Geld DPP Kandidanten in der verschiedene Wahlkämpfe unterstürzte, weil ohne Geld eine arme Partei wie DPP nicht mit der reiche KMT konkurrieren konnte.
Also zum Teil eine bittere Wahrheit!!!

Und Ma hat jetzt auch bewiesen, dass er nicht fähig genug, schnell um ernste Situationen zu handeln. Wie kann er unsere beste Interesse vertreten, mit Kommunisten zu verhandeln?

Du kannst ganz gut mit Humor vieles erzählerisch spötteln, obwohl viele sind etwas zu einseitig trotzdem ich habe mich sehr amüsiert und laut gelacht!