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Dienstag, März 12, 2013

Autobahnraststätte in Taiwan

Auf der Fahrt zurück vom Tempelbesuch im Süden Taiwans, wo wir eine kranke Kollegin hin gefahren hatten (ich hatte damals berichtet) hatten wir einen kurzen Stop an einer Autobahnraststätte eingelegt.

Hier parkt das Ludigelmobil auf dem weitestgehend leeren Parkplatz. Außen war er da ganz sauber, innen aber nicht, denn in Taiwan gibt es keine Staubsauger an den Tankstellen. Man muss stattdessen den Wagen zur Reinigung irgendwelchen Leuten längere Zeit überlassen, was wir immer wieder im Mehrjahresrythmus hinauszögern. Brrr. Wie dem auch sei, auf dem sehr modernen Highwayparkplatz (am Highway 1 müsste das sein) kam ich nicht umhin mir zu überlegen, wie sich wohl ein Durchschnittsdeutscher einen Autobahnparkplatz in Taiwan vorstellen würde. Wahrscheinlich als einen Acker, auf dem einige schwere Geländewagen und unzählige LKW-Wracks stehen, ein paar Fressbuden und eine Menge Prostituierte, alles unter Palmen natürlich und ich grellen Sonnenschein und um die Kurve rum lauern schon Gangster mit Maschinenpistolen. Nun, die Realität sieht anders aus, es hat offensichtlich geregnet.

Der viele leere Platz wirkt auf mich schon übertrieben, schließlich würden in Taipei hier zwei Wohnblocks und zehn Geschäfte, zehn PKWs und dreißig Mopeds stehen, mindestens. Aber hier sind wir wohl etwas gen Süden. Aber auch nördliche Autobahnraststätten sind in Taiwan überaus geräumig gebaut.

Insgesamt sieht es also gar nicht mal so viel anders aus als in Deutschland, nur vielleicht noch ein bisschen adretter und man braucht sich keine Sorgen zu machen, ob einem gleich der Wagen aufgebrochen wird. Es fehlt halt die direkte Autobahn in den Ostblock - oder auch nach Laos oder Thailand. Praktisch so eine Insel.

Wer möchte kann in den Kommentaren jetzt gerne anmerken, dass es in Deutschland auch viele deutsche Gangster gibt, solche Weisheiten kann man immer gebrauchen.

Gleicht alles auch draußen etwas dem deutschen Counterpart, so sieht es doch drinnen ganz anders aus. Oder weitgehend anders, sagen wir mal.

Es empfängt einen nämlich ein verspielt eingerichtetes Einkaufszentrum voller Esslokale, einem Reisebedarf-Supermarkt und allerlei Souveniershops, in dem einige Paare und Familien ausgelassen schlendern und sich mal so richtig entspannen.

Machen Sie doch einfach einen kurzen Rundgang mit mir, ich habe ja sonst so selten Gelegenheit dazu, mit jemanden aus der teutonischen Heimat zu reden. Hier gibt es jedenfalls viel Leckereien und interessante Wässerchen mit allerlei Geschmack zu kaufen, Badeduftwasser glaube ich und vielleicht Süßgebäck-Geschenkpackungen gleich daneben, alles was man eben so braucht auf der Reise - oder am Zielort.

Hier gibt es leckeres Essen. Maskiert sind auf einer taiwanischen Raststätte also keine Gangster, sondern nur die Verkäuferinnen, wenn sie gerade einen Schnupfen haben.

Stirnrunzelnd nahmen meine Frau und die Kollegin zur Kenntnis, das ich alles mögliche fotografiert habe. Ich erklärte sogleich, dass es vielleicht für das Blog interessant ist. Also bitte nicht einschlafen!

Ich will auch einmal das ganz normale Taiwan zeigen, in dem nichts dramatisches passiert, keine Ausländer in tiefen Schluchten verloren gehen, im Verkehr zu Tode kommen oder betrunken Taiwaner zu Tode fahren wie in den letzten Postings. Man lebt eben so in Taiwan einfach vor sich hin und das in der Regel ganz angenehm. Sonst wäre ja nicht die ganzen "Laowai" (Ausländer) hier, die paar, die es hier an den östlichen Tellerrand der Weltscheibe verschlagen hat.

Hier gibt es sogar was zu bestaunen, plastiniertes Esses hinter Glas, so dass man sehen kann, was es so ungefähr zu Essen gibt. Wie man sieht sind die Preise hier sogar auf normalem Garküchenniveau, 100 NT für eine Portion oder gar weniger, muss wirklich Richtung Süden sein, hier bei Taipei an der Raststätte kostet es so etwa 180 NT - durch 40 in Euro, also alles kein Geld.

Zu Essen gibt es irgendein paniertes Shrimpszeug oder ein Stückerl Fleisch, ein paar Gemüse dazu und viel Reis. Ich hatte einen leckeren Topf aus panierten Schnitzelstücken mit weißer Soße und Reis gemischt zu einer Art Eintopf, ausgesprochen lecker. Das hier sind Krabbenchips, die man entweder getrennt kaufen kann oder die als Beilage auf dem Teller liegen. Recht alltäglich eigentlich in Taiwan und in Deutschland ja auch aus manchen China- oder Thai-Restaurants bekannt.

Viel Verkäuferinnen und wenig Gäste an diesem regnerischen Sonntag. Gleich nach dem Foto passierte etwas ungewöhnliches. Ich hatte den Teller meiner Frau vor mir stehen, weil wir ja oft das Essen tauschen nach Taiwanart und nur noch ein paar einsame Krabbenchips hatten drauf überlebt, da kam eine völlig normal mittelklassig wirkende junge Frau zu mir und nahm einen der soßenverschmierten Krabbenchips hoch und besah in sich kurz und legte ihn dann auf den Teller zurück - alles mit den Fingern wohlgemerkt. Angeregt plaudernd zog die Familie weiter. Was das bedeutete konnten meine taiwanischen Mitreisenden mir auch nicht erklären. Man merkt als Westler aber öfter mal in Taiwan dass man so etwas besonderes ist, dass es schon mal passieren kann, dass alles ganz genau inspiziert wird. Insbesondere in Gegenden, wo nicht so viele Ausländer sind.

Im Obergeschoss tranken wir noch einen Kaffee und aßen etwas Kuchen und bewunderten dabei die Deko aus Glasriesenlibellen.

Und auch die Aussichtsplatform hinten...

... die wenig Aufregendes zu bieten hatte. Ganz normaler Alltag eben. Von den bewaffneten Drogengangstern, Kinderprostituierten, ausgemergelten Fabrikarbeitern und ähnlichem, von dem viele vor sich hin phantasierende deutsche mit Taiwan befasste Webseiten manchmal reden also eine Spur.

 Nur das heimatliche Taipei-NeiHu hatte beim Nach Hause kommen für den deutschen Leser vielleicht etwas Exotik zu bieten oder jedenfalls asiatische Enge. Denn so viel anders als das graue Laatzen-Mitte - Viertel in meiner Heimatstadt im Großraum Hannover sieht es nun auch wieder nicht aus...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

det tut ja aussehen wie bei unse damals inne ehemalige ddr...

inselkollaps? so schief gepflasterte gehweg-steine gibts in deutschland garantiert nirgendwo! und wenn einer die karre aufbricht zahlen zig versicherungen und die polizei ist dein freund und helfer. ich behaupte mal in taiwan die polizei macht keinen finger krum wenn einem etwas passiert. ich weiß noch warum ich die insel wieder verlassen habe, visuell alles in den 70ern stehengeblieben ;-)

Miri hat gesagt…

Sehr hübsch! :-)

Ralf Neumann hat gesagt…

Autobahnraststätten in Taiwan sind sehr gepflegt. Als mit dem Auto unterwegs war, war ich ganz schön erstaunt was es da alles gibt, und wie Sauber es war. In Deutschland meide ich Raststätten meist und fahre abseits auf Autohöfe.

Grüße,
Ralf N.

patrick_secret hat gesagt…

ich vermisse die taiwan beef noodle soup..

"Ludigel" hat gesagt…

Anonym hat gesagt...

det tut ja aussehen wie bei unse damals inne ehemalige ddr...
Antworten siehe Pfeil.

"inselkollaps? so schief gepflasterte gehweg-steine gibts in deutschland garantiert nirgendwo!"
---------> Bei aller Liebe zum Kommentar, das ist Unsinn. Die Straßen in Deutschland werden immer schelchter, hier auf dem Foto ist alles bestens.

" und wenn einer die karre aufbricht zahlen zig versicherungen und die polizei ist dein freund und helfer. ich behaupte mal in taiwan die polizei macht keinen finger krum wenn einem etwas passiert."

----------> Auch hier nimmt die Polizei Straftaten auf. Mehr passiert zu Hause sicher auch nicht. Polizisten sind hier manchmal passiver als bei uns, das ist sicher richtig.


ich weiß noch warum ich die insel wieder verlassen habe, visuell alles in den 70ern stehengeblieben ;-)

---------> Die Raststätte ist optisch von außen OK. In Deutschland habe ich bei den neuen mehr Beton und Glas-Konstruktionen und innen ödes Grau. Sonst hat man in Taiwan viele End-60er Plattenbauten, wohne ja selber dort, das ist sicher richtig und die sind wenig schön.

"Ludigel" hat gesagt…

Ah, jetzt weiß ich was mit dem Pflaster gemeint war. Es ist fleckig, weil manche Steine dunkler sind. War aber völlig plan, sogar meine Frau ist dort ohne zu stolpern lang geschwebt...

Ralf Neumann hat gesagt…

" und wenn einer die karre aufbricht zahlen zig versicherungen und die polizei ist dein freund und helfer. ich behaupte mal in taiwan die polizei macht keinen finger krum wenn einem etwas passiert."

Na aber erst zahlst Du mal "zig" Versicherungen und das Jahrelang! Dann könnte man ggf. etwas bekommen wenn eine der "zig" Versicherungen den Schaden übernimmt.

Wir hatten auf einer Raststätte in TW beim Ausparken (Taiwaner haben auch nie Zeit jeder will der Erste sein ;-) ) Bekanntschaft mit einem Lexus gemacht, kein größerer Schaden aber ärgerlich. Die Polizei war schnell zur Stelle und sehr freundlich! Sie haben akribisch mit 3 Mann alles aufgenommen und dokumentiert. In Deutschland kommt bei so einem kleinen Schaden die Polizei gar nicht mehr. Hinterher haben wir dann noch einen Anruf von der Polizei bekommen ob denn die Polizisten vor Ort alles korrekt aufgenommen haben und freundlich waren. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.

"Ludigel" hat gesagt…

Ach so, in Deutschland kommt die Polizei bei kleinen Blechschäden nicht mehr. Unangenehm, erinnere mich nämlich da an einen wunderlichen Führerscheinanfänger, der mir mal hinten drauf gefahren ist und dann falsche Beschuldigungen erhob.

Tja, hier kommen sie in der Tat noch.
Der Punkt geht an Taiwan ;-)

Anonym hat gesagt…

Die Polizeistärke bzw. das Naturell der Polizisten ist auf Taiwan von Ort zu Ort sehr verschieden. Hier in Kaohsiung gibts oft gar keinen Strafzettel, wenn man nur artig Reue zeigt. Und in den Eingeborenengebieten ist es Polizisten wohl sogar untersagt, irgendwelchen Aborigines zum ABstrafen hinterherzufahren - auch wenn die wohl höchstens mal eine leere Kürbisschale als Helmersatz tragen. Taipei ist übrigens mit Abstand die unschönste Stadt auf Taiwan. Letztens war ich mal wieder in Taichung - Wahnsinn, wie viel da gebaut wird. Noch mehr als hier in Kaohsiung. Und ne U-Bahn kriegen die Leute demnächst auch noch. Singapur und Hongkong - Team Taiwan holt auf!

"Ludigel" hat gesagt…

Interessant, das mit dem verschiedenen Naturell!

Tamasü hat gesagt…

"Taipei ist übrigens mit Abstand die unschönste Stadt auf Taiwan."
Also ehrlich, entweder Du hast bisher nur eine Anzahl Städte im unteren einstelligen Bereich in Taiwan gesehen oder einen sehr eigenen Geschmack.
Bist Du in der Baubranche oder was? Sprich doch mal mit Anwohnern, ob die den ständigen Baulärm aus lediglich wechselnden Richtungen auch schön finden.

MKL hat gesagt…

@Anonym: Für mich sind Städte wie Taichung, Zhongli und Taoyuan die hässlichsten in Taiwan.

Taipei hat viele schöne Seiten, ich würde sagen es ist irgendwie in der Mitte. Die schönsten Städte für mich wären Kaohsiung, Hualien und Taitung.

"Ludigel" hat gesagt…

Noch mal ein Nachsatz. Finde es faszinierend, dass gerade so etwas profanes wie eine Autobahnraststätte hier die größten Diskussionen auslöst. Wahrscheinlich weil sie bei Leuten, die Dritte-Welt-Taiwan im Kopf haben, nicht den Vorstellungen entspricht ;-)

Maru hat gesagt…

Bei uns (in Hsinchu) gibts so Autowaschplätze mit unter anderem auch nem Staubsaugerrohr dran. Einfach Kleingeld einwerfen und los gehts. Doch sehr praktisch~

Luo2 You1 hat gesagt…

Ihr ward doch nicht auch bei dem berühmt erfolgreichen Geisterheiler mit traditioneller chinesischer Medizin in Pingtung, etwa 2,5 Stunden von Kaohsiung entfernt, der seine Heilkräuter 100 % ökologisch selber anbaut? ...