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Dienstag, Dezember 28, 2010

Shining Baby ROC: Taiwan "sozusagen" Hundert Jahre

Das das Römische Reich irgendwann seinen 1500. Jahrestag mit einem Maskottchen feiert, sagen wir einem niedlichen Cäsar mit lila Toga und Knuddelnase, darf als ehr unwahrscheinlich gelten. Dennoch bereitet sich gerade hier auf Taiwan ein untergegangener Staat auf seine 100-Jahr-Feier vor, getreu dem Motto "Totgesagte leben länger", in diesem Fall auch nachdem der Exitus längst eingetreten ist.

Symbol des untergegangenen Staates ist in bestem Chinglish (chinesischem Englisch) das "Shining Baby ROC", also das "glänzende Baby ROC", was bestimmt auf Chinesisch irgendwie gut klingt. Hier ist das Wiedergänger-Maskottchen zu sehen, eine verformte weiße Riesenbaby-Figur LINK.



Leider NICHT das offizielle Maskottchen: Another Shining Baby, auch mit Rock

In der Volksrepublik China hat das eingeölte "Roc"ker-Baby sicher Chancen zum Staatsfeind Nummer 1 zu werden, steht es doch im Prinzip für Taiwan. So ganz aber auch nicht, sozusagen ist es, ganz wie ein realer Säugling, noch unsicher um seinen Platz in dieser verwirrenden Welt.

Es ist nämlich das Maskottchen der "Republik China", der "Republic of China", daher das Kürzel ROC, die etwa um 1911 in weiten Teilen Chinas das alte Kaiserreich ersetzt hat und eine Art bürgerlich-kapitalistische Diktatur mit starken Zügen einer Militärdiktatur war, mit Chiang Kai Shek von der Kuomintang-Partei als Präsidente. Dieser Staat gab im Prinzip 1949 seinen Geist auf, schon geschwächt durch zahllose japanische Aggressionen und selbsternannte Neukaiser und Warlords flohen Regierung und Teile des Militärs und Bürgertums aus China und die Kommunisten übernahmen die Macht.

Doch, und da liegt der in China leckere Hund begraben, sie flohen auf die Insel Taiwan, die vorher eine japanische Kolonie waren und prügelten (und schossen) solange auf die Einwohner Taiwans ein, bis diese die Vorherrschaft der exilierten (!) Festlandchinesen akzeptierten. Und die führten die ROC einfach auf Taiwan fort, ein Zustand, der bis heute anhält. Zwischenzeitlich wurde Taiwan demokratisch und mindestens die Hälfte der Insulaner will heute mit China (also dem C in ROC) gar nichts mehr zu tun haben. Der aktuelle Präsident der ROC (Taiwan) will sich aber am liebsten mit der Volksrepublik China vereinigen.

Unklar ist also, wofür das ROCker-Baby steht. Eine eigenständige ROC auf Taiwan? Eine künftige Republik Taiwan ohne C, oder für die Nähe zu China, dem hohen C in der Taiwanpolitik?

Ich hätte ihnen ja ein anderes Maskottchen vorgeschlagen. Entweder einen sympathischen Asterix, den ROCerix, nach dem Motto: "Wir schreiben das Jahr 1949 AD. Ganz China wurde von den kommunistischen Legionen eingenommen. Ganz China? Nein, eine kleine Insel...."

Oder einen dicken weißen Elvis mit Namen "ROC a Hula Baby". Eben je nach dem.

Übrigens: Die ROC hat auch eine eigene Zeitrechnung, das Jahr 2011 ist das Jahr 100 in Taiwan, gezählt ab ROC-Gründung. Der Kalender klappt eigentlich erst mit dem Chinese New Year im Februar um, in der Praxis aber oft schon ab dem 01. Januar.

Kommentare:

Mark hat gesagt…

Sie sieht sooo sexy aus! Leute, ich bin total verliebt! :))))

Miri hat gesagt…

Wie ist eigtl. die typische Ernährung in Taiwan? Ich habe gelesen, dass angebl. 20 bis 30 % der Kinder wg. zu hohen Fastfoodkonsums unter Übergewicht leiden. Wenn man so die Frauen im Blog sieht, dann kann man das kaum glauben. Befinden sich die Frauen ab der Pubertät auf Dauerdiät oder praktizieren sie eher eine sehr gesunde Lebensweise mit z.B. traditionellen Reisgerichten u.ä.? In D haben z.B. die Vollwertpäpste wie Doc Bruker die These vertreten, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich eine Mangelernährung bemerkbar macht (ich meine bis zu 25 Jahre), dass stark übergewichtige Kinder z.B. daher genetisch geschädigt sind durch die vorangegangenen Generationen, sonst würde das Vitalstoffmangelernährungssymptom Übergewicht nicht so früh sichtbar sein, und dass sie sich deshalb ihr ganzes Leben lang vitalstoffreich ernähren müssen, um nicht krank/über- oder untergewichtig zu werden. Hat man sich in Taiwan in den vorangegangenen Generationen eher nach TCM ernährt? Die chin. Mutter bei uns in der Kita und ihr Kind (Halbchinesin) ernähren sich zu Hause traditionell. Das Kind kannte bis zum Besuch der Kita z.B. keine Kartoffeln, sondern aß als Sättigungsbeilage vorwiegend Reis. Es ist supergesund und die Mutter sieht auch absolut klasse aus. Dieses Synthetikessen à la Mc Würg mag sie gar nicht...

Miri hat gesagt…

Die These mit den 25 Jahren wurde mittlerweile durch Studien (Tierversuch) diverse Male gestützt (vorher gab es allerdings auch schon einen Versuch, der auf diese These hinwies). Ernährt sich z.B. der Vater schlecht, kann sich das Erbgut, das er weitergibt, verändern und seine Tochter erkrankt leichter an Zivilisationserkrankungen wie Übergewicht und Diabetes.

Miri hat gesagt…

Und was die Weltmacht China anbelangt: http://boersenradar.t-online.de/Aktuell/Rohstoffe/China-gruendet-maechtige-Rohstoffzentrale-24189208.html

Da werdet Ihr wohl schon der Rohstoffe wegen bald, auf welche Art auch immer, irgendwie vereinigt... ;-P

"Ludigel" hat gesagt…

An Mark: Die Showgirls sehen schon niedlich aus (lotweld).

Miriam: Man sieht hier neben normal schlanken Kindern wirklich eine gewisse Minderheit (20%?) an dicken Kindern. Ich habe das bei unserem Lieblingsneffen gesehen, bei dem es sich mittlerweile rausgewachsen hat. Er war ein absoluter Coca-Cola und Burger-Fan, seine Eltern haben seinem Quengeln oft nachgegeben und ihm einen Burger zu Mittag spendiert.

Auch essen Taiwanesen ein pseudowestliches Frühstück, es gibt auch fettärmere Varianten mit Brotteig (nicht unbedingt wie bei uns) wo dann Ei und Schinken und-oder Fleisch drauf ist.

Die Horrorvariante, die viele Essen (gerade Kinder) ist ein superfettiger Doppeltoast oder Burger mit superfettiger Frikadelle (Hamburger-Style) drauf, das Fett trieft einem aufs Hemd. Ich vertrage das des Morgens nicht.

Sonst aber essen eigentlich alle viel Fisch, nur Reis dazu (Kartoffeln sind hier exotisches Gemüse), viele verschiedene Gemüse. Die superschlanken Frauen essen meist noch etwas kleine Portionen. Meist ernährt Frau und Mann sich also traditionell chinesisch, mit wenig Fleisch. Da bleibt man schlank.

Ich eigentlich auch, aber ich esse so viel Süßes am Wochenende, auch durchaus Frust nach 12-16h Arbeitstagswoche. Schränke das gerade ein. Stimmt wirklich: Desto Zucker, desto Jucken durch Lebensmittelallergie und scharfe Gewürze. Weil Zucker und Scharfes ist beides männlich (Yang glaube ich). Stimmt wirklich dieser Glauben, zumindest meist.

Typische Lunchbox hat viel weißen Reis, ein dürres Kotelett vielleicht oder ersatzweise einen silbernen Fisch mit Kopf, drei Gemüse, manche mit kleinen Silberfischen drin und vielleicht noch ein kleines Trinkjoghurt hinterher.
Meist nicht scharf. Manchmal sauscharfe Gemüse. Oder total verpfeffertes Rindfleisch in Streifen.

Das ist hier oben die Küche in Nordtaiwan...

"Ludigel" hat gesagt…

Ersatzweise leckere Nudelsuppen mit Seafood oder Lindfleisch.

Miri hat gesagt…

Das hört sich sehr lecker an! Kannst Du mal nen paar Rezepte mailen (wenn Du mal Zeit hast)? TCM finde ich auch zieml. interessant, da scheint echt was dran zu sein.
Das mit dem Süßkram kenne ich. Habe vorhin beim Lernen mal eben ne halbe Tafel Schokolade gegessen. Das Gehirn schreit ewig nach Futter... Nach den Feiertagen schaffe ich es hoffentlich wieder auf 10 km Schwimmen/Woche zu kommen als kleiner Ausgleich.

Miri hat gesagt…

Eben gelesen: http://nachrichten.t-online.de/chinas-schiffskiller-veraendert-machtbalance-im-pazifik/id_43874370/index

Das wird ja echt gerade spannend bei Euch...

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Seit ich bei einem TCM Doktor war habe ich mehr Schuppen auf dem Kopf als hier Schnee liegt. Das eigentliche Problem ist immer noch da. Und die Schuppen krieg ich nicht mehr los. An Pulsfühlen und Zungezeigen glaube ich nicht mehr. Gejammert hat er aber wie ein deutscher Arzt. Schlechte Zeiten....kann sich kaum den Drittwagen leisten usw.

Wenn ich mir den Ölverbrauch meiner Schwiegermamma anschaue wundert es mich, daß das nur bei mir anschlägt. Nachts um 23 Uhr noch ein paar Kilo öltriefendes Gemüse, Fisch, Huhn o.ä verschlingen ist nichts Außergewöhliches bei Großfamilie Yu. Da mache ich zwar nicht mit, aber Schweinebuch in Sojasauce im Reiskocher gegart...hmmmmmm

"Ludigel" hat gesagt…

Ja, die Taiwanesen essen irgendwie den ganzen Tag irgendwas kleines oder größeres. Ausflüge ans Meer, morgens um 8.30 in Taipei gestartet führten immer zur Ankunft um 5.30 wenn es dunkel war. Weil erstmal zu Seven-Elven, reichlich einkaufen, gleich was essen vorm Auto, dann ein paar Meter fahren bis einer so ein Frühstücksrestaurant kennt, das "berühmt" ist, dann ist es eigentlich auch schon Lunch-Zeit, dann kennt einer dieses Cafe mit dem dem schönen Kuchen, schnell noch ein vorzeitiges Abendbrot eingerworfen und oh uh, es ist dorle dunkel silver munkel....