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Freitag, September 21, 2012

Soziales und Rente am Rand der Weltscheibe (editiert 2015)

Edit: Besserer, neuer Artikel hier:

http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html(Update: Nov.2016)


Lesen Sie den obigen Artikel, nicht diese ersten Notizen aus dem Jahre 2012! 



----- * alter Artikel * ----

Der Auswanderer per se ist ja ein abenteuerlustiger Typ, der ohne die typisch deutsche Versicherungsmentalität in ferne exotische Länder eilt, dort sein Glück mit einer exotischen Schönheit sucht, die sein gesamtes Kapital an die Mama überweist und dann im Alter ohne Frau, mit Holzbein und Schlaganfall den sozialen Sicherungssystemen in der Heimat nachtrauert und nachts von fester Rente und Krankenversicherung träumt, während er einen kleinen Verschlag in der katholischen Mission bewohnt, wo er bestenfalls durchgebracht wird.

 Ein kostengünstiger Lebensstil ist für machen alten Expat eine Alternative zum sorgsam aufgestellten Rentenplan*

Nun, nicht so in Taiwan. Taiwan hat eine gesetzliche Krankenversicherung, für das sich von meinem Monatsgehalt das Gegenstück von etwa 25 Euro verdünnisiert. Sogar eine grüne Versicherungskarte habe ich, herrlich. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es teilweise auch, allerdings nur 4 Wochen und die Hälfte, allerdings den ersten Tag glaube ich mehr, vergessen. Arbeitslosengeld gibt es allerdings nicht, gekündigt wird aber in Taiwan sehr selten und wenn kriegt man pro Jahr Anstellung ein Montagsgehalt im Kündigungsfall. Weswegen manche kleine Firmen ihre Angestellten jährlich aus der Firma ekeln, aber gut, so ist halt das Leben.

Bezahlten Urlaub hat man auch, sage und schreibe Null (0, 00, Fliegerbrille, niente, nada, nix, Fisch gibt's) bezahlte Arbeitstage im ersten Jahr in einer Firma und 3 im zweiten und ab dem dritten Jahr 10 Arbeitstage (was aber manche kleine Unternehmen illegal auf 7 reduzieren).

Doch wie sieht es mit der Rente aus? In dieser Sache versetzte mich der aktuelle STERN gestern Abend in Unruhe, konnte ich ihn doch wieder bei pubbles.de herunterladen und hier am Tellerrand der Weltscheibe in meiner Bambushütte am Strand (...äh.... Mietskaserne in Soldatenviertel)... lesen. Versorgunglücken von tausenden von Euro machten sie bei so gut wie jedem der deutschen Musterleute aus, alle natürlich ledig und bis auf eine ledige 1-Kind-Mutter kinderlos, ganz wie sich das in einem sich abschaffenden Deutschland gehört. Evtl. haben sie weiter hinten im STERN noch eine Familie mit Kindern, so nach dem Motto "Huch, fast hätten wir die Asozialen Vergessen".

Mein eigener Rentenbescheid kann einem da natürlich die Tränen in die Augen treiben, denn tatsächlich hat mir die deutsche Rentenkasse schon einmal so ein Ding geschickt. 280 Euro monatlich für meine paar wenigen Jahre in der Internet-Dot-Com - Bubble, mit Mottos wie "e-fuck for e-business" und großen BMWs (in der Nachbarfirma) mit dem idiotischen Aufruck "MIS MANAGEMENT". Letzteres kein Witz, sitzen vielleicht noch heute in Darmstadt, sind später insolvent und BMW-frei gesundgeschrumpft worden. Na ja, insolvent waren wir irgendwie alle in dem Dot-Com-Viertel in Darmstadt, irgendwann nach 2001. Hat sich so gehört damals.

Was ist also mit der Rente in Taiwan? Meine Frau jedenfalls hatte folgende Erklärung dazu:

1. Es gäbe seit 2009 eine fondsbasierte Rente, aber per Gesetz nur für Taiwaner, in die Firmen 6% vom Monatslohn einbezahlen und die dann als Grundlage für eine monatliche oder Einmalzahlung dient, wenn man als Mann (Frau früher) das 60. Lebensjahr erreicht hat. Frau hat also eine, ich darf nicht per Gesetz, weil meine Nase zu lang ist. Allerdings sei meine Firma großzügig und würde mir die 6% mit dem Gehalt auszahlen, was sie freiwillig tun würde. "Anstatt es anzulegen habe ich es aber ausgegeben" sagte da meine Frau und kicherte dazu. Ooooooookaaaaaay.15 Jahre müsse man hier einzahlen, sonst hat man weniger raus. [Edit: Seit 2013 oder dergleichen steht diese Rente auch mit taiwanischen Staatsbürgern verheirateten Ausländern zur Verfügung]

2. Es gäbe schon seit vor 2004, also seit ich in Taiwan Arbeitnehmer bin, eine "Labor Law"-Rente, also eine Rente nach Arbeitsgesetz, bei der man auch Einmalauszahlung oder Monatszahlung hätte, wenn man 25 [Achtung: In Wirklichkeit 15 Jahre] Jahre eingezahlt hätte. Bei Einmalzahlung erhielte man eine Zahlung von einem durchschnittlichen Monatsgehalt per Einzahlungsjahr.

Frau hätte demnach im Alter zwei Renten aus Taiwan, ich eine und außerdem noch meine Minirente aus Deutschland. Da ich noch zwei private Renten in Deutschland abgeschlossen haben (deren Auszahlungsprognosen freilich nicht so rosig klingen wie man bei Vertragsabschluss hätte vermuten können), sind wir damit also wohl ganz gut abgesichert, auch wenn man sicher noch eine Versorgungslücke von 1000 Euro oder mehr pro Nase erhielte nach der STERN-Rechung. Muss das mal durchrechnen.

Meine Internetrecherche war freilich nur teilweise Deckungsgleich mit den Darlegungen meiner Frau. Auf einer Regierungsseite (http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=n9N84vZDrjw%3D) ist die Rede von einer erst seit 2009 zwangsweise durchgesetzten Labor-Law-Rente (haben meine ersten Firmen in Taiwan also wirklich schon eingezahlt? Frau meint jedenfalls ja) und die Summe kommt etwa hin mit einem Monatsgehalt pro Jahresbeitrag bei Einmalauszahlung, allerdings steht dort, wer 15 Jahre oder (nicht 25!) eingezahlt hätte, würde eine Monatszahlung und keine Einmalzahlung bekommen - und es scheint eine Bonusregelung für die über 15 Jahre hinausgehenden Beiträge zu geben.

Beamte und Soldaten seien wesentlich besser gestellt, sagt irgendwo ein akademischer Artikel. Und diese US-amerikanische Webseite (http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/2010-2011/asia/taiwan.html) fasst beide Regelungen zusammen inklusive Berechnungsformel für den Rentenanspruch. Na denn mal los mit dem Taschenrechner....

Zitat:

"

Labor insurance program (old-age): The monthly pension is 0.775% of the insured's monthly average covered earnings in the 36 months before retirement multiplied by the number of years of coverage plus NT$3,000, or 1.55% of the insured's monthly average covered earnings in the 36 months before retirement multiplied by the number of years of coverage, whichever is greater.
The minimum old-age pension is NT$3,000 per month.
Early pension: The pension is reduced by 4% for each year that retirement is taken before the normal retirement age, up to 20%.
Deferred pension: The pension is increased by 4% for each year of deferred retirement, up to 20%.
Persons insured before January 1, 2009, may opt for a lump-sum old-age benefit instead of a monthly old-age pension at retirement.
Old-age benefit: A lump sum is paid of 1 month of the insured's average covered earnings in the 36 months before retirement for each year of contributions for the first 15 years plus 2 months for each year of contributions exceeding 15 years, up to a total of 45 months of average covered earnings.
An increment of 1 month of the insured's average monthly covered earnings in the 36 months before retirement is paid for each year of continued work and contributions after age 60, up to 5 months of earnings.
The maximum old-age benefit is 45 months of the insured's average covered earnings."
Aus http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/2010-2011/asia/taiwan.htm

Allerdings spricht die US-Seite von "Citizens", also Bürgern. Nach dem Lesen ist mir immer noch nicht klar, welche der beiden Renten ich nun erhalte und ob überhaupt. Also doch einen bequemen Baum suchen....

* das Bild ist freilich in Niedersachsen aufgenommen :-)

Kommentare:

Miri hat gesagt…

In D gab's kürzlich sogar die Schlagzeile, dass die Versorgungskassen so langsam Probleme bekämen...

Aber mal ehrlich, sind wir wirklich so dumm, dass wir glauben einen so entspannten Lebensabend wie unsere Eltern und Großeltern verbringen zu können? Sie verbringen ihn wenigstens noch so entspannt...

Wenn man sein bißchen Grips benutzt, 1 und 1 zusammenzählt und auch sonst, die ja zur Verfügung stehenden Informationsquellen (damit meine ich nicht das Brot- und Spiele-TV und Brot- und Spiele-Zeitungen) nutzt, wird man darauf vorbereitet sein, welche Herausforderungen nicht nur die Deutschen, sondern die Menschheit insgesamt, schon sehr bald erwarten werden.

"Ludigel" hat gesagt…

Da hilft nur eins, im Alter ein Nudelrestaurant aufmachen!

Gut, sonst droht uns noch Krieg (wie üblich), Klimaveränderung, Öl alle, zu wenig Nahrungsmittel, Weltbevölkerung aus 90% Allah-fafisten, die die restlichen 5 Weißbrote hassen.

Also alles kein Grund zur Sorge... ;-)