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Mittwoch, September 05, 2012

Neffenbildung Teil 2

Eben noch lasen wir von den Nöten meines Lieblingsneffen, der in den USA in einer Art Bibelschule ist (scherzhafte Bezeichnung nach dem Vorbild "Koranschule") um von Jesus und der wilden Dreizehn zu lernen (jetzt bringe ich irgendwas durcheinander), da fällt mir noch der nächste Neffenbildungsnotstand auf hier in Taiwan. Na eigentlich kein richtiger ... Neffe, weil da ist ja De-de, (sprich es fast "D-d"), der Freund meines Lieblingsneffen, den die Familie meiner Frau hier so mit großzieht, weil.... weil ...... das sowieso hier in Taiwan Mode ist die eigenen Kinder irgendwo anders großziehen zu lassen.
Anyway, mein Beinaheneffe D-d wird jetzt mit dem Studium des japanischen anfangen, an "der besten Universität Taiwans", wie meine Frau sagte. Das ließ mich fast mein japanisches rohes Rindfleisch wieder ausspeien, das sowieso ganz und gar ekelig war. "Wieso studiert er Japanisch, er spricht doch kein Wort Japanisch!?", erkundigte ich mich später diskret.
"Ja eben", sagt da meine Frau, "das soll er ja gerade lernen!"

 Vorsicht in der ersten Japanisch-Vorlesung: Dozent redet möglicherweise Auswärts

Äh.... nun kenne ich das so, dass man nur Englisch an der Uni studiert, wenn man schon einen Leistungskurs in Englisch hatte auf dem Gymnasium, mal auf deutsche Verhältnisse übertragen. Ich hoffe also, D-d wird keine unschöne Überraschung erleben, wenn er bald in der ersten Vorlesung sitzt und alle auf Japanisch reden. "Riben Hwa" (Rüben Hua), wie man das hier nennt (das ü irgendwie zwischen i und ü gesprochen).

Andererseits ist das hier Taiwan. Vielleicht kommen da lauter Ahnungslose an die Uni und sprechen dann nach 4 Jahren ein paar Brocken Japanisch. Wer weiß, möglich wär's.

Ein taiwanischer Doktor der Japanologie kann in Japan eine Flasche Sake ordern (und kriegt einen Kugelfisch), ein Professor traut sich, allein Fahrkarten in der U-Bahn zu kaufen in Tokio etc. Taiwan eben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Keine Sorge...der Sohn meines Stiefonkels hat auch japanisch studiert, war mahrmals in Japan. konnte sich mit Sicherheit Sake, Birru oder Gjunju bestellen und hat nach dem Studium sich DEEEN Berufswunsch schlechthin erfüllen können. Er pendelt nun zwischen Taipeh und Taichung im THSR als Zugbegleiter...(Saftsch..)und kann den jap. Touristen Birru, Sake und Gjunju verkaufen.
So weit ich gehört habe ist er sogar sehr zufrieden.
Also lass Deinen Neffen ruhig seine sichere Zuunft aufbauen. Englisch kann sowieso jeder. Natürlich nicht in Deutschland. Hier wird eher serbisch, türkisch oder griechisch verstanden, solange man sich als Tourist vor 17 Uhr in die Öffentlichkeit wagt.

Luo2 You1 hat gesagt…

Lieber Ludigel! Leider muss ich dir mitteilen, dass du diesmal absoluten Unfug geschrieben hast. Zusammen mit meiner Frau habe ich Japan vor etwa 10 Jahren bereist. Ohne Englisch-Leistungskurs habe ich das japanische Englisch gut verstanden. Meine Frau hingegen hat keinen englisch sprechenden Japaner verstanden. Sie konnte aber alle Kanji-Schriftzeichen in Japan lesen - auch, wenn die Bedeutung nicht immer passte - und die Japaner konnten lesen, was sie in Chinesisch schrieb. Nur die Hiragama-Zeichen konnte sie nicht lesen. Ich konnte gar nichts lesen, aber zeigen, was ich wollte, z.B. am Fahrkartenautomat, vorm Restaurant, wo Plastikmodelle der angebotenen Speisen ausgestellt sind usw.. Deshalb kam Sake, wenn Sake kommen sollte, und Kugelfisch, wenn Kugelfisch bestellt war. Außerdem: Ich studiert etwas, wozu es keinen LK gab. Geht doch! Du solltest DD besser ermutigen, statt hier Skepsis zu verbreiten! Mindestens das wird er schnell lernen - hab ich auch mit meiner Frau:
Sumimasen nihongo wakarimasen!

"Ludigel" hat gesagt…

Wieso ihn ermutigen? Frau hat ihn schon als Restaurantmanager eingeplant.

Anonym hat gesagt…

"Andererseits ist das hier Taiwan. Vielleicht kommen da lauter Ahnungslose an die Uni und sprechen dann nach 4 Jahren ein paar Brocken Japanisch. Wer weiß, möglich wär's."

Besser kann man (Aus)Bildung in Taiwan wirklich nicht beschreiben. Lustiger wird es nur noch, wenn man bedenkt dass die Absolventinnen der BWL, des Japanischen, des Deutschen und der Politikwissenschaft nach dem Studium dann aber ohnehin als Büroflunse bei einer Versicherung oder einem Chiphersteller landen und ihre Zeit damit verbringen so zu kichern wie Erstklässlerinnen. Achja: bildungspsychologisch sind sie ja auch nicht viel weiter...

"Ludigel" hat gesagt…

" wenn man bedenkt dass die Absolventinnen der BWL, des Japanischen, des Deutschen und der Politikwissenschaft nach dem Studium dann aber ohnehin als Büroflunse bei einer Versicherung oder einem Chiphersteller landen und ihre Zeit damit verbringen so zu kichern wie Erstklässlerinnen."

Genau. Und dazu Minirock und während der Bürozeit die Beine in den Gang aus dem Cubical stecken und die Beine/Schuhe mit der Nachbarin vergleichen.

Es ist die Hölle hier, das kann ich dir sagen.

Und den Ausländer mit Keksen füttern. Früher, als ich noch keinen Managercubical hatte. Da trauen sie sich nicht rein.

Hmmmm..... vielleicht ein "Xiaojie Welcome!"-Schild draußen anbringen...???

"Ludigel" hat gesagt…

Ich werde D-d mal fragen, ob er schon "Meine schönsten 32 abgehauenen Gliedmaßen bei Sonnenuntergang und Mondschein" vom Samurai-Dichterfürsten Tanaka Fuckamoto im japanischen Original gelesen hat. Und "Meine Lieblings-Vivisektionen für den Kaiser" von Tahsimi O. Eben die japanischen Klassiker. Und natürlich das alte Volksgedicht "Krawatte eingeklemmt im Höschenautomaten".

Anonym hat gesagt…

@Ludigel: ich habe obigen Büroflunsen-Kommentar verfasst. Ich bin auch Deutscher in Taipeh und arbeite hier - vieles in deinem Blog (insb. in Sachen Hausdrachen) kommt mir bekannt vor...

"Ludigel" hat gesagt…

War nicht als Kritik gemeint meine Antwort :-)

Anonym hat gesagt…

Was für Kommentare hier! Das gilt schon als Beleidigung des Taiwanertums. Dafür wärt ihr unter CKS auf "Green Island" gekommen! Luo You ;-)

Anonym hat gesagt…

@Ludigel: ich wollte eher meine volle Zustimmung mit so ziemlich allem, was du hier schreibst signalisieren :)

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Hausdrache? Ha? Da habe ich aber Glück gehabt.
Letztens sagte meine Frau ich solle doch mal runtergehen in den OK und ein paar Bier trinken. Und wenn ich dann zurück bin hat Sie den Sky/Premiere Channel mit der Bundesliga für mich eingestellt. Sie hat mir Schnitzel, Pizza und kaltes Dosenbier vorbestellt. Und nach dem Fußball könnten wir ja mal die süße Nachbarin, der ich immer so sehnsuchtig auf dem Körperschwerpunkt schiele, einladen zum.......ZACK....bin ich dann aus dem Traum aufgewacht mit einem Ellbogenstoß in die Rippen um den Biomüll runter zu bringen. Aber nicht vergessen den Deckel wieder mit dem Backstein zu beschweren...und plötzlich ist die Nibelungensage mit Drachen usw. wieder Wirklichkeit. Also doch noch ein Hausdrache. !