Dieses Blog durchsuchen

Dienstag, August 30, 2011

Mir aufs Dach gestiegen...

Die große positive Überraschung schlechthin ist die neue Wohnung bei Schwiegermutter in der Nähe in Taipei, die ich mehr oder minder mit zusammengebissenen Zähnen bezogen hatte, nachdem wir das Reihenhaus im Grünen verkauft hatten - um in der Nähe von unserem vor kurzem geborenen Sohn zu sein, der bei Schwiegermutter logieren wird.
Während ich da in der Gegend früher schon mal in Baracken gehaust hatte, bei denen abends ein Zettel an der Haustüre war, das Haus würde abgerissen, weil ein Stockwerk (meines) illegal draufgesetzt sei und wo das Treppenhaus so aus sah wie im Bild hier links und nach Urin roch, ist das neue Haus viel schöner, mit Bildern im Treppenhaus und recht sauber (Bildhälfte rechts). Den üblichen Siff gab es nur, als ich mal probeweise ins Dachgeschoss aufgestiegen bin, ganz mutig mit Kamera und Überlebensausrüstung für die nächsten Wochen, sollte die Tür zufallen. Überhaupt ist die ganze Gegend dort in der letzten Zeit sehr viel sauberer geworden, seit vor ein paar Jahren die SARS-Epidemie zugeschlagen hat, hat die Stadtverwaltung Sauberkeit verordnet und wilde Müllkippen verboten, die es vorher in engen Hauszwischenräumen, Garagen und Grünflächen gab. Taiwan (eigentlich rede ich hier nur von Taipei im Norden, der Süden Taiwans war schon immer sauberer) verbessert sich rasant, da kann man wirklich zugucken.

Hier der Blick von meinem Dach aus ein identisches Mietshaus in dieser Militärveterantenanlage, das allerdings ungepflegter ist und noch hässlichere Käfige vor den Fenstern hat als unser Haus. Bei uns oben wohnen ja drei Generäle zusammen mit uns auf der Etage, da herrscht Zucht und Ordnung. Die da drüben sind bestimmten maximal Hauptleute, bin ich von überzeugt ;-)

Durch die mehrflügelige Bauweise hat man übrigens kaum Berührungspunkte mit den Nachbarn, das ist praktisch, wenn ich Glee auf der Surroundanlage gucke. Ich weiß, ist mir auch irgendwie peinlich. Wo kriegt man eigentlich Haargel in Taiwan her? Äh, never mind.

So nah bin ich an den Bergen? Wenn man da unten in den grauen Straßen eng eingepfercht in bürgersteiglosen zugesmogten Straßen sitzt, vergisst man das ganz und gar. 2004 war ich nur ein paar Mal in den Bergen um Taipei, da hatten wir noch kein Auto. Und als wir eins hatten sind wir bald aufs Land gezogen. Jetzt ist der Junior da, habe ich wieder wenig Zeit...

Von hier oben sind die engen Straßen viel hübscher anzuschauen. Überhaupt sind die Straßenzüge hier recht gepflegt. Bilder vergrößern sich mit zweimaligem Linksklick im Firefox.

Schöne Aussicht mehr oder minder...


... in Dachterrassinesien. Hier oben verstecken sich also die Ameisen in den Grünkübeln, die neulich zu hunderten bei mir eingedrungen sind, um eine süße Hautcreme (it's a guy's thing, you know) zu verdrücken.

Fast jede Wohnung hat wie in Taiwan üblich vergitterte Fenster und Balkone, da nützen dann auch Feuerlöschschlauch, Feuerlöscher und Feuermelder nichts, die es auf jeder Etage gibt. Denn die Schlüssel für die Gitter hat kein Mensch mehr. Mehrere Fernsehsender haben ihre Gebäude im angrenzenden Viertel. Die berichten immer über die Feuerdramen.


"Taipei 101", bis vor kurzem das höchste Haus der Welt, lugt hier im Hintergrund hervor. An der Hauswand drüben seht scheinbar "Fuck". Gott sei Dank nicht bei uns, sonst dächten alle ich wäre es gewesen.

Direkt über meiner Wohnung ist dies Treppenabsatzhäuschen mit mysteriösem Kämmerlein (Fenster). Na das wäre eine feine Bude, um dort kaltes Bier, Klimaanlage und Campingliege neben Notebook zu verwahren. Wenn man mal unten multikulturelle Auseinandersetzungen hätte oder Schwiegermutter zu Besuch käme...

Die Berge schützen übrigens vor dem Taifun, ganz praktisch. Und halten die Abgasluft unten. Nicht so praktisch.

Sieht idyllisch aus, aber wenn später alle Parkbuchten voll sind, wird es ohne Bürgersteige ziemlich gefährlich für die Kleinen (Bild) da herum zu laufen. Immerhin fahren die Leute hier meist mit Licht und nicht so oft Schlangenlinien wie auf dem Lande. Da habe ich manches mal mit Warnblinker angehalten, wenn der Nachbar seinen Toyota am Samstagabend angeworfen hatte.

Und coole moderne Bürolandschaften nur ein paar Straßen weiter.

Wohlstandsvolvo mit typischer Mopedbeule hinten drin, gleich vor meinem Nissan (auch mit Mopedbeule an der selben Stelle).
"Mos Burger", ganz nette japanische Burgerkette. Jetzt bitte in Deutschland hysterisch im Kreis herum hüpfen und etwas von Markenrechtsverletzung murmeln, dem M und der gelblichen Inneneinrichtung wegen.

Gruß vom sesamverkrümelten östlichen Rand der Weltscheibe,

Ludigel

Kommentare:

Patrick_Secret hat gesagt…

schön hast es ;-)
komme im Oktober auch endlich wieder nach Taiwan für drei Wochen mal wieder etwas Abgase einatmen hehe

Miri hat gesagt…

:-) Wirkt irgendwie schon fast etwas unwirklich, die Welt, in der Ihr momentan lebt... Hast Du nachgeschaut, ob oben auf dem Dach noch ein kleines Haus ist und ein kleiner Mann mit nem Propeller auf dem Rücken durch die Gegend schwirrt... ;-)

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
wundert mich auch immer.....bis zum 12. Stock an einer glatten Wand sind alle Fenster vergittert. Und direkt drunter sitzt der Sicherheitsdienst. Die Einbrecher in TW müssen schon sehr geschickt sein! Und auf jedem Balkon sind die Rettungsseilwinden installiert. Kein Problem. Falls es brennt kurz das Gitter von Balkon wegschrauben und die Seilwinde runterlassen. Ausserdem denke ich daß so ziemlich jeder Vormieter zig Ersatzschlüssel von der Wohnung hat so daß irgendjemand immer aufschliessen kann. Sind zwar Sicherheitsschlüssel...aber auch in TW regiert Geld die Welt.

Martin hat gesagt…

Hallo Ludigel,

ich hatte mich schon öfters gefragt weshalb diese Balkonkäfige überall verwendet werden. Die machen es doch nicht wirklich wohnlicher, oder? Ist es die Angst vor Einbrechern, die evtl. am Haus hinauf klettern? Damit kleine Kinder oder Betrunkene nicht über die Brüstung fallen, oder was ist bloß der Grund? Oder einfach Landessitte?
Viele Grüße
Martin

"Ludigel" hat gesagt…

Gegen Einbrecher sollen die Gitter sein. Im Ausländerforum berichtete einst jemand, er würde im 11. Stock wohnen und trotzdem habe sich jemand durch die Fenster herein gehangelt.

Wir haben gerade die gesamten Schlüssel für die Wohnung bekommen und alle außer den Haus- und Wohnungstürschlüsseln tut meine Frau "gut weg". So gut weg, dass sie keine Ahnung hat, wo sie sind. Ich hätte sonst die Gitterschlüssel gesucht. Diesmal allerdings haben wir teilweise garkeine Anti-Einbruch-Gitter sondern nur Mückenschutzgitter und andere Gitter sehen recht labil aus, so dass man wohl raus käme. Brandmelder wieder kaufen ist trotzdem eine gute Idee, die alten sind im Reihenhaus verblieben...

"Ludigel" hat gesagt…

Miri: Carlson vom Dach, hihi, der ging mir auch durch den Kopf

Miri hat gesagt…

Karlsson: Das würde auch die Gitter so weit oben erklären, und dass die Schlüssel verschollen sind, die "Lillebrors" sollen sie nicht finden... ;-) Na ja, es gibt ja Menschen, die sehr gut klettern können und einige davon gehören leider zu jenen, die gerne andere bestehlen, aber beim Wohnungsbrand ist ein Gitter, das man nicht entfernen kann, ja wirklich grausam. In H.-Bemerode kannte ich ein Haus, dessen Fenster nach und nach mit ganz dicken Gitterstäben gesichert wurden. Als die Eigentümerin (ältere Dame) an Altersschwäche und zum Glück nicht bei einem Hausbrand starb, wurden die Gitter von den neuen Eigentümern, die das Haus von den Erben kauften, schnellstmöglichst alle restlos entfernt und sich dafür lieber ein Hund angeschafft.