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Donnerstag, Februar 02, 2012

Tierschützer in Taiwan: Xiaojies in Kampfstimmung

Tierschutz in Taiwan liegt durchaus noch im Argen. Die chinesische traditionelle Medizin hat wohl geraspelte Sonstwas-Tierteile im Angebot (ich hatte mal geraspeltes Seepferdchen vorgesetzt bekommen als Heilmittel, grumpf!) und es gibt massenhaft Straßenhunde, die bisweilen noch übel in den Tierasylen behandelt werden. Aber soll man deshalb Taiwan boykottieren, wie im vorherigen Blogartikel (http://osttellerrand.blogspot.com/2012/02/taiwan-boykottieren.html) vorgefunden?*** Taiwan ist eine parlamentarische Demokratie mit entwickelter Zivilgesellschaft und es gibt eine extrem aktive Tierschützerszene - die lustigerweise fast nur aus Frauen besteht******. Die geben große Teile ihres Gehalts für Tierrettung aus - ist es da sinnvoll Taiwan komplett zu verdammen?  Zumal andere Länder viel schlimmer sind. In Korea ist zu Tode gefolterter Hund eine Spezialität, weil das Adrenalin das Fleisch zarter machen soll. In China werden junge Katzen lebendig gehäutet und gleich serviert, sucht euch die Links selber raus, ich habe gerade gefrühstückt.

Tierschutzdemo, meine Frau ist hinter dem englischen Pappschild, im Vordergrund Regierungsvertreterin

Wer also den Tierschutz in Taiwan fördern will sollte einfach mit taiwanischen Tierschützern reden und fragen was er machen kann, anstatt nach Gutsherrenart alle Taiwaner zu verdammen. Taiwan ist ein sich ständig entwickelndes vitales Land, erst 1999 hat man hier den Umweltschutz entdeckt und es gibt immer irgendwo Fortschritt in der Hinsicht. Verdammnis haben die friedlichen und der Welt aufgeschlossenen Taiwaner nun wirklich nicht verdient.

 Nur hier ist Tierschutz unnötig

Die Tierschutzszene in Links:

Taiwanische Tierschützer gegen das religiös bedingte Mästen von Schlachtschweinen:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2012/01/21/2003523758  

Webseite einer der taiwanischen Tierschutz-Orgs (es gibt viele!):
http://www.east.org.tw/

Eine von einem Ausländer gegründete Tierschutz-Org in Taiwan (Sean McCormack aus Großbrittanien hat damit schon die zweite ins Leben gerufen.):
http://www.spca.org.tw/ Auch Taiwaner arbeiten da mit!

Und die erste von Sean gegründete Org, die jetzt viele Taiwaner als Mitglieder hat und primär Straßenhunde rettet:
http://www.animalstaiwan.org/

Sean ist ein sehr netter Mensch, den Frau und ich mal zum Tee getroffen haben. Damals hatten wir noch unsere eigenen Org, (http://stray-dogs.org/), die leider zur Zeit inaktiv ist, weil Frau und ich aus beruflichen und privaten Gründen keine Zeit mehr haben. Unsere Exmitglieder (Taiwaner) machen jedoch alle weiter, allerdings jetzt als Freischärler und nicht mehr als Org; wir sind immer noch in Verbindung und lassen unsere eigene Org hoffentlich irgendwann wieder aufleben.

Und hier viele, viele taiwanische Tierschützer auf einer Tierschutzdemo vor dem Regierungssitz in Taipei: http://bobhonest.blogspot.com/2009/11/protest-at-executive-yuan-pics-and.html


*** Auch aus den frühen 90er-Jahren finden sich noch Boykottaufrufe im Netz gegen Taiwan aus Tierschutzgründen. Seither hat sich natürlich sehr viel verändert hier.

****** Ein regierungsnahes Magazin schrieb einmal von Taiwans modernen Frauen und eher traditionellen Männern. Aber das ist ein anderes Thema.

Und so ganz tot ist unsere eigene Tierschutz-Org auch nicht. Meine Frau schreibt gerade eine Dissertation über die privaten inoffiziellen Hunde-Asyle in Taiwan und will darin ein betriebswirtschaftliches Modell zur offiziellen Anerkennung dieser Tierasyle vorstellen. Echtes akademisches Neuland, woll!

Kommentare:

Tamasü hat gesagt…

Naturschutz ist wichtig, keine Frage, Tierschutz sollte schon aus gebotenem Respekt vor dem Leben nicht blos in den Auslandsnachrichten stattfinden.
Allerdings sind mir die (bekanntesten) Tierschutzaktionen hier nicht plausibel. Natürlich ist es schön, wenn sich Leute um die fünf Millionen räudigen, verlausten, humpelnden und halb verhungerten Köter in Taiwan kümmern. Aber solange nichts wirksames unternommen wird um die Zahl der halb- und wilden Hunde zu verringern (und zwar mindestens um den Faktor Hundert), sind die Aktionen so erfolgreich wie das Ausschöpfen einer Regentonne bei Taifun.

"Ludigel" hat gesagt…

Richtig. Deswegen hat Sean M. mir auch gesagt, dass die neue SPCA-Org nur aufklären will und nicht Hunde retten und schon gar nicht sie verschiffen will. Wir waren uns beide einig, dass die Taiwaner Hunde 10 mal schneller nachproduzieren als irgendjemand sie retten kann. Hunde nicht alleine rumrennen lassen, kastrieren etc., das müsste man rüber bekommen. Nur, sie lassen sich von Ausländern nichts sagen. Aber SPCA hat heute auch viele Taiwaner dabei und öfter mal sehe ich ihre Broschüren im Restaurant. Vielleicht ist das ja doch der richtige Weg, auch wenn es Jahrzehnte dauert. Er sagte mal, wir Hunderetter (er war damals auch noch einer und macht es auch privat noch) versuchen mit einem Sieb in der Hund ein laufendes Wasserrohr nicht zu stopfen, sondern nur die Tropfen zu retten....
Was SPCA heute macht weiß ich nicht, aber sie klären wohl primär auf.

"Ludigel" hat gesagt…

Sieb in der Hand, nicht "in der Hund". Grins.

MKL hat gesagt…

Mahlzeit! http://bit.ly/wCpTyi

"Ludigel" hat gesagt…

Det is aber der Vietkong.

Luo2 You1 hat gesagt…

Das arme Schwein ....
Aber was ich eigentlich schreiben wollte: Meine Neffen sind eigentlich auch schon ziemlich modern, aber das liegt auch sehr den Nichten, die sie dahin bringen ;-)