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Dienstag, September 20, 2011

Sei dein eigener Burgermeister

Jeden Sonntag ist Familienabend bei Schwiegermama. Schwiegermutter ist mir nun wirklich ans Herz gewachsen, schließlich zieht sie Montag bis Freitag zu den üblichen Bürozeiten meinen Sohn bei sich zu Hause groß. Nur ihr Essen bereitete mir anfangs psychosomatische Beschwerden - weil ich bei jedem Bissen an unsere etwas wilde Anfangszeit denken musste, als die Familie dachte ein "Westler" müsse reich sein und ich daher finanzielle Unterstützung Richtung Schwiegermutter schicken musste und jeder Bissen in meinem verwirrten Geiste schon mit einer Abrechnung schwanger zu sein schien - die allerdings nie erfolgte.

Ab auf den Parkplatz vom "Tri-Service"-Militärkrankenhaus (ist für jeden zugänglich), rein in die Notaufnahme am Sonntagabend und hinten am Counter durch getaucht zur Einkaufspassage.

Schwiegermutter hat mich aber seither mit reichlich teurem Obst eingedeckt, zieht jetzt meinen Junior groß und wird von daher längst im Minus sein, da habe ich also nichts mehr zu meckern. Mittlerweile habe ich auch mehrere ernsthafte Versuche unternommen ihr Essen zu mir zu nehmen am Familiensonntag, aber so mitten drin am Tisch mit X Taiwanern, die alle durcheinander reden und .... und irgendwie schmeckt alles nach Fisch, der Fisch, das Rindfleisch, das Schwein und auch das Gemüse.
Es hatte sich also eingebürgert, dass ich mir meine Tüte mit Burger und Pommes hole und bei Tisch esse, mein Schwager zum dreißigsten Mal sagt "wiedel Bulgel?" und alle lachen. Gut. Von mir aus. Irgendwie wurde die Burgergeschichte immer aufregender für die Familie, meine Krümel fielen nicht im rechten Winkel auf den Boden, das Ketschup auf meinen Pommes war ein Unding, weil es so die Neffen nicht mögen, ganze Schlangen von Neffen und Neffenschulfreunden standen hinter mir und guckten auf den kleinen Pappburger und Papppommes. Frau will schon zur Verteilung schreiten, als ich unwillkürlich die zwei unscheinbaren Hähnchenburger näher an mich ran schiebe. "Hier nehmt euch die Pommes", sage ich. Die Neffen kriegen schon Stilaugen und wollen zugreifen. Da sagt meine Frau ich sei Fischverkäufer ("you sell-fish"), dreht sich beleidigt um und sagt "jetzt wollen sie deine Pommes nicht mehr". Die Neffen haben jetzt Tränen in den Augen, folgen aber brav meiner Frau und freuen sich auf die Fischspezialitäten auf dem Tisch.

Und wie ich da rumkrümele mit meinen Nusskrümel-Donuts. Ihr solltet es erleben. Wozu ist eigentlich das Loch in der Mitte?


Mir "leicht" es jetzt, ich fahre jetzt immer heimlich ins Militärkrankenhaus, esse unten in Ruhe bei Burgerking, werfe noch ein paar Dunkin Donuts hinterher und kehre dann mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck zur Familie zurück. "No bulgel today?", fragt mein Schwager. "No burger, Magen verdorben." Alle bedauern mich kauend, armer kranker Ausländer und ich freue mich auf den Obstteller als Nachtisch.

Letztendlich ist das alles ein klassisches Beispiel für die deutsche Individualkultur versus asiatische Gruppenkultur. Mann, was ich für einen Ärger kriege wenn meine Frau die Kassenbons findet.***


***(muss man ja sammeln wegen der Kassenbonlotterie hier in Taiwan)

Kommentare:

Karl hat gesagt…

Das mit dem Essen ist wirklich ein Problem. Ich habe mich erfolgreich dem Essen mit "ganzer" Familie ausklingt mit der Aussage das ich weder Seafood noch Fisch mag, außerdem nichts mit Haut und Knochen womit am Ende nur "Fried Rice" und Gemüse übrig geblieben ist.

Seitdem ich mal Kuchen mit der eingeflogenen Backmischung gebacken habe bin ich unfreiwillig zum Kuchenlieferanten für Geburtstage aufgestiegen.

Naja genug von den Packungen habe ich noch im Schrank das es bis Ende des Jahres reicht.

Nur Käsekuchen klappt nicht, keine Ahnung wo man in Taiwan Quark kaufen kann.

"Ludigel" hat gesagt…

Grummel, gebratener Reis. Neulich Teamfeier gehabt, alle sind glücklich mit SeaFood, ich kriege vorher eine Schüssel mit gebratenen Reis mit Fleischspuren. Erste Version hatte trockene stinkende Krabben drauf gestreut, zweite war ohne. Frau sagt mir "Everything is for you". Riesen Schüssel okay. Dann fragt sie rund am Tisch wer was möchte. Am Ende hatte ich noch dreimal "everything is for you" gehört und gerade mal eine winzige Restaurant-Minischale voll Leis abgekriegt. Grummel.
Danach haben alle Ingenieure von 1 Liter Bier pro Nase (manche etwas mehr) eine Vollrausch gehabt und standen Schlange um mit mir auf Ex zu trinken. Mein Magen wurde immer voller, aber nach dem Notfall-Knoblauchbrot (Backup-Essen aus der Jackentasche) wollte sich kein Schwipps einstellen und ich flüchtete genervt auf den Gang. Immer reihum in Viereck, bis das Bier alle war. Ja, die taiwanische Geselligkeit ;-)

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Ich hatte schon einmal erwähnt als die ganze Familie Durchfall und Übelkeit hatte ausser mir. Natürlich weil ich den Fisch hatte liegengelassen. Diese Weicheier..dachte ich..und probierte (leider) ein winzigkleines 'Fitzelchen'...Das war das schlimmste Erlebnis das ich nicht mal meinem Abteilungsleiter wünsche. Nach 50 Rollen Klopapier, 1000 Spucktüten und 2000 Röhrchen Immodium und einem wunden A... war ich wieder unter den Lebenden. Aber das Beste war: Schwiegermamma briet (brut, brätete, oder so) den Fisch am nächsten Morgen nochmal mit dem bekannten 'WUUSSSCCCHH' im Wok und jeder tat sich gütlich daran ohne irgendwelche Gesundheitsschäden. Hätte ich nur auf meine Mutter gehört: 'Ich sterbe nie an Fischvergiftung'. Aber seitdem kocht Schwiema immer etwas Nichtfischiges separat für mich. Leider ist der Schweinebauch in Sojasosse sooooo ungesund (sagt mein Tiger) ....dass ich drin baden könnte..wenn ich dürfte.
1 Liter Bier ist schon viel für die meisten Eingeborenen. Zum Glück gibt's in meiner Familie auch den 'schlechten' Bruder, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Nach einigen Pijous sogar auf Mandarin. Das einzige das stört sind seine Zigaretten. Es gibt aber auch den guten Bruder der so ist wie ich hätte sein sollen. Was mich immer wieder überrascht ist: Nach der Sauferei wird immer saubergemacht. Egal wie voll man ist. Das gibt es kein 'Machen wir morgen'. Alle Dosen werden plattgedrückt und in die Recyclingtüte gesteckt, Teller werden in die Küche getragen, alles wird geputzt dass es morgens so aussieht als wäre nie etwas gewesen

Quark? Kann man das nicht mit Milch und Zitronensaft machen?

Patrick_Secret hat gesagt…

mmm dabei gibt es auch in taipei mc d. an jeder ecke werden ja nicht nur weiguo ren hingehen.. nur die burger king sind ziemlich rar habe nur 2 gesehen und den im flughafen..
aber mit "ich esse kein seafood" bin ich auch immer gut weggekommen..
meine Frau sammelt auch hier in Dtl die Kassenbelege und rechnet das "verschwendete" Geld in lue cha s um

"Ludigel" hat gesagt…

Hihi, in Lu Cha umrechnen ;-)

Burger King gibt es in NeiHu am Flower Market oder eben im TriService Krankenhaus in B1. Viele gibt es in der Tat nicht.

Lu Er Fu: Die trinken auch mal zu Hause? Sowas gibt es nicht bei uns. Nur den komischen Waiguo, der Wein und Bier etc. im Kuehlschrank hat fuer den Wochenendabsacker.

Karl hat gesagt…

Burger Kings gibt es genug un Neihu, z.B in Carrefour in der Nähe von Costco und in B1 heim Riesenrad Shopping Center.

Gute Burger (und Pasta) gibt es auch in "Chips" in Neihu, sollte nicht zu weit von Deiner Wohnung sein.

"Ludigel" hat gesagt…

Ah! Dann gucke ich mal nach dem Laden. Abwechselung tut gut.

Stefan hat gesagt…

Die Kassenbons kann man auch spenden, es gibt immer wieder Wohltaetigkeitsorganisationen die sie sammeln. Ich mein ja nur. ;-)