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Freitag, Mai 21, 2010

Thailand vs. Taiwan: Putsch vs. Verhaftung

Interessant ist, wenn man einmal die Umstände vergleicht, unter denen das Königreich Thailand und das republikanische Taiwan ihre großen Staatskrisen (obwohl in Taiwan ehr von einer sich anbahnenden die Rede sein kann) um das Jahr 2006 bewältigt haben.

Thailand hatte seinen Premier Thaksin, dem vorgeworfen wurde seine Steuern nicht richtig zu bezahlen und der in den großen Korruptionsskandal um den neuen bangkoker Flughafen verwickelt gewesen sein sollte. Die Insel Taiwan hingegen hatte seinen Präsidenten Chen seit 2000, dem das Verschwindenlassen von diversen Staatsfonds, Veruntreuung von Spendengeldern, Erpressung eines Kaufhauskozerns über erst adverse und dann zugetane Steuergesetze und das Abrechnen von Privatgeldern über die Staatskasse vorgeworfen worden ist.

Die Krise wurde auf völlig unterschiedliche Art und Weise gelöst. Während in Bangkok Premier Thaksin den Eindruck erweckte, kalt lächelnd über dem Gesetz zu stehen, sonnte sich der auf mich immer öliger wirkende Präsident Chen in Taiwans Hauptstadt Taipei wie ein Provinzgangsterboss in mitten seines kriminellen Klans, denn auch seine Verwandtschaft inklusive First Lady waren in den Skandal verstrickt.


Asiens Tigerstaat Taiwan: Vorbildhaft

Die Eliten in Bagkok von Königshaus, Militär und Oberschicht zürnten dem lächelnden Thaksin ebenso wie die Eliten in Taipei dem öligen Chen zürnten. Dennoch lösten beide Länder, so ähnlich ihr Name auch sein mag, die Krise auf völlig unterschiedliche Weise.

In Thailand gab es einen Militärputsch, bei dem der Premier in Bangkok kalt entmachtet wurde, als er gerade im Ausland weilte, während in Taiwans Hauptstadt Taipei nichts dergleichen stattfand. Die Staatsanwaltschaft in Taipei erklärte, Beweise gegen den Präsidenten zu haben, es wurde versucht, seine Immunität aufheben zu lassen und als dies nicht funktionierte, verharrte die Staatsanwaltschaft in abwartender Stellung.

Bangkoks Thaksin hingegen konnte sich im Ausland etablieren, arbeitet heute mit dem mit seiner Heimat verfeindeten Kambodscha zusammen und konnte als eine Art Warlord von außen Thailand und Bangkok ins Chaos stürzen - sicher auch, weil Bangkoks Eliten einen ihm wohlgesonnenen Nachfolger samt neuer Partei wieder aus dem Amt jagten.

In Taipei hingegen wartete man ab, bis Chens Amtszeit 2008 abgelaufen war und ließ ihn dann verhaften. Ihm wurde der Prozess gemacht und er sitzt heute im Gefängnis. Sicher lief auch in Taiwan das alles nicht ganz koscher ab, denn der Prozess glich manchmal einem politischen Schauprozess der wieder an die Macht gewählten Staatsgründungspartei KMT, aber alle kleineren Proteste die es diesbezüglich in Taipei gab, sind immer noch besser, als das Chaos, in das sich Bangkok hinein manövriert hat.


Thailand: wer wagt, gewinnt nicht immer

In Thailand wurde die arme Landbevölkerung im Nordosten gegen Bangkoks Eliten und wohl sogar gegen das Königshaus aufgebracht, man befürchtet heute einen Bürgerkrieg.

Taiwan hätte den selben Fehler machen können, denn seine Hauptstadt Taipei gilt als chinesisch dominiert, während der Süden Taiwans sich als weiter von der chinesischen Herkunft entfernt definiert. Hätte man den aus dem Süden stammenden Chen in Taipei entthront hätten wir heute vielleicht ebenso wütende Menschen im Süden, die auf die "chinesischen" Eliten in der Hauptstadt schimpfen und vielleicht sogar zu Gewalt aufrufen.

All das ist nicht geschehen, die Insel Taiwan war wieder mal klüger als das große ostasiatische Land im Westen. Demokratische Institutionen lässt man eben besser ihre Arbeit tun, als herrschaftlich mit Gewalt dazwischen zu hauen, wenn es ein Problem mit dem Regierungschef gibt. Sonst ist die Kur schlimmer als die Krankheit. Das demokratische Taiwan ist hier ein Vorbild für die Region - ein Umstand der immer wieder vergessen wird.

Kommentare:

Stefan hat gesagt…

Witzig find ich immer, wenn manche Thailaender meinen eine "benevolent dictatorship" der Armee waere wohl das beste fuer Thailand. Dabei wird dann immer gern auf Singapore verwiesen. Sinnvollerweise wuerde man wohl einen Blick auf Burma werfen, denn das duerfte das weitaus wahrscheinlichere Ergebnis sein.

Parallelen zwischen Taiwan und Thailand gibt es aber noch ein paar: denn in beiden Laendern wurde der korrupte Praesident des einen Lagers durch einen nicht weniger korrupten Praesidenten des anderen Lagers abgeloest. Aber in beiden Laendern war das eben die Korruption fuer die "richtige Seite" - die der wirtschaftlichen Eliten.

Anyun hat gesagt…

>"...der korrupte Praesident des einen Lagers durch einen nicht weniger korrupten Praesidenten des anderen Lagers abgeloest. Aber in beiden Laendern war das eben die Korruption fuer die "richtige Seite" - die der wirtschaftlichen Eliten."

Ich stimme diese voellig zu!
herzlich Grüsse an Stefan!

"Ludigel" hat gesagt…

Auch wieder wahr. KMT/Bambusgang und Reiche sind die Taipei-Elite und die vertritt der Praesdient. Und kungelt mit dr KP Chinas hinter verschlossenen Türen für ihren Machterhalt.