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Mittwoch, März 11, 2015

DPP-Sieg doch nicht sicher: Die "Grünen" und die Korruption

Taiwans Expräsident Chen von der pro-Unabhängigkeitspartei DPP (Parteifarbe Grün) ist aus medizinischen Gründen aus der Haft auf Bewährung (oder mit einem ähnlichen Konstrukt) entlassen. Sofort zerfleischen sich die DPP-ler "in Sachen Korruption...

Im Allgemeinen geht man  davon aus, dass sich die Regierungszeit der prochinesischen KMT dem Ende zuneigt. Wobei die KMT "prochinesisch" ist, weil sie bisweilen handfeste Schritte zum "Anschluss" des als eigener Staat existierenden Taiwans (formell eigentlich "Republik China" heißend) an die VR-China macht. Was sich wiederum aus ihrer Geschichte erklärt, schließlich hat sie einst in Chinas alter Hauptstadt Nanjing sitzend das große chinesische Reich regiert (etwa 1911-1949). Mit Frau Tsai Ingwen steht eine gemäßigt auftretende DPP-Kandidatin in-spe für die nächste Präsidentschaftswahl zur Verfügung und die jungen Taiwaner scheinen mehrheitlich nicht mehr prochinesisch zu empfinden. Sie haben sogar gegen die Annäherungspolitik des gegenwärtigen Präsidenten Ma (KMT) mit bis zu 300.000 Leuten demonstriert und sogar das Parlament besetzt (mein "Live-Bericht" damals). Auch hat bei der letzten Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt Taipei der stoffelige KMT-Kandidat Sean Lien (Sohn des Parteigranden Lien Senior) eine harte Abfuhr vom Wähler erhalten. Und das, obwohl ihn sein Papa schon in Peking als neuen Kronprinz und wohl auch künftigen Präsidenten von "Taiwan" vorgestellt hatte. Man geht davon aus, dass der KMT die Wähler wegsterben - einfach weil die Leute, die noch selbst mit dem Familiensilber in der Hosentasche vor den Kommunisten aus China nach Taiwan geflohen sind, langsam in das Alter am Ende ihres Lebenszyklus gelangen. Gerade diese Leute haben die KMT gewählt, die irgendwie noch eine emotionale Brücke rüber nach China bot, beispielsweise mit dem Kredo, das KMT-"Taiwan" sei das wahre China und irgendwann würde man sich "wiedervereinigen" - oder gar das "Festland zurückholen".



Ist ein DPP-Sieg 2016 also schon eine ausgemachte Sache? Viele Kommentatoren im Internet erwecken den Eindruck, gerade eben weil Präsident Ma teilweise nur 9% Zustimmungsrate hatte (siehe Bild).

Ich musste damals einfach dabei sein bei der Demo, denn hier wurde Geschichte geschrieben, so schien es mir. Daheim warf meine Frau mit dem Stuhle, weil sie nicht wollte, dass ich wohl verbotenerweise als Ausländer an einer politischen Veranstaltung teilnehme, doch ich fing die heran fliegende Kameratasche aus der Luft und ging hin. Neue Möbel braucht man immer mal.


Mit den Demonstranten mit ihrem Sonnenblumenlogo war man damals schnell solidarisch als Ausländer

Aber als ich in diesen Wochen so viele Abgesänge auf die KMT-Ära lass bis hin zum Reden über eine hypothetische Auflösung der KMT, da kamen mir doch Zweifel. Weil die Kommentatoren vergessen haben, wie sehr sich die DPP mit Korruptionsaffairen beschmutzen kann und daher den Wähler vergraulen kann. Schließlich wurde der gegenwärtige Präsident Ma (KMT) auch von vielen nur gewählt, weil die alte DPP-Regierung unter Chen (von dem oben die Rede war) so korrupt war. Chen war so unglaublich korrupt, dass er aus dem Präsidentenpalast heraus den größten Kaufhauskonzern Taiwans (Sogo) erpresst hatte und zum Schluss hatten sich 50 Millionen US-Dollar auf schweizer Konten angesammelt. Wer im Industriegebiet in Hshinzu bauen wollte, der musste erst mal Geld auf das präsidiale Privatkonto überweisen.



Droht nun im Vorlauf zur Wahl oder danach eine neue endlose DPP-Korruptionsstory? Wer das verneint, der irrt wohl. Kaum ist der alte Präsident Chen einstweilen wegen Krankheit draußen, da zerfleischt sich die DPP schon wieder selbst. Die DPP-Parteisprecherin hat sofort eine neue Korruptionsstory parat gehabt und den Medien erzählt: Wie Chen einst viele Baulöwen in einem Raum versammelt hatte und von allen Bestechungsgelder verlangt hat. Und prompt greift die (wohl) künftige Präsidentschaftkandidatin Tsai (DPP) die Parteisprecherin an, die zurücktreten muss. Und Expräsident Chen droht wieder mal mit Selbstmord und auch damit, Frau Tsai und damit die Regierungschancen seiner alten Partei DPP zu demontieren: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/03/10/430712/DPPs-Hsu.htm

Der Expräsident Chen wird vielleicht der beste Wahlkämpfer der KMT werden, mit seiner Korruptionsaufwärmerei und Solidaritätsreflexen, die er in der damals sehr mit ihm verfilzten DPP auslöst. Und wer weiß, was eine neue DPP-Regierung alles so "anstellen" würde. Dann würde ihre "Ära" ja vielleicht gar nicht so lang währen.

Und wieder der obligatorische Hinweis: Auch die KMT ist korrupt, sie gilt als traditionell mit der nordtaiwanischen Triade Bambusgang verbandelt, vergleiche auch die Zusammenarbeit der KMT mit dem Ex-Obergangster "Weißer Wolf" bei den Demos damals. Nur diese Art von Korruption sieht man nicht so leicht.

Ist die Zeit der KMT wirklich schon abgelaufen?

Fotos Ludigel, mit Sony DSLR A850 und Tamron 3,8-5,6/28-200mm

Mittwoch, Juli 17, 2013

Berlin-Org: Taiwan superkorrupt (oder doch nicht?)

Hatte man mal wieder Thailand und Taiwan verwechselt oder wusste man überhaupt nicht, wovon man redet? Oder hat irgendwer falsch zitiert?

Das TI, Transparency International, ein Institut aus Berlin, sorgte dieser Tage für reichlich Wirbel unter Taiwanfreunden, weil es Taiwan wohl als superkorrupt darstellte und angab, 35% aller Taiwaner hätten schon einmal Schmiergelder an die Justiz gezahlt (Meldung etwa hier: http://michaelturton.blogspot.com/2013/07/taipei-times-editorial-on-ti-who-has.html). Selbst in korrupten Ländern ein erstaunlicher Wert, hat man doch i.A. nicht so viel mit der Justiz zu tun. Damit wäre Taiwan unter den superkorrupten Ländern in den Nähe von Kambodscha und Bangladesch. Ein völlig unrealistischer Wert, denn ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass Behörden hier gemeinhin ohne Bestechung arbeiten. Würde das auch so für die Justiz annehmen. Ausnahmen gibt es sicherlich manchmal, aber auch in Deutschland wurden als Beispiel für Behördenkorruption schon etwa Führerscheine gegen Bares illegalerweise vergeben. Der Wert widerspricht auch gängigen Studien, bei denen Taiwan meist im oberen (will sagen "besseren") Mittelfeld liegt.
Die offene Korruption der Chen-Ära (der DPP-Präsident von 2000-2008 der Republik China alias Taiwan) die im Gegensatz zur im allgemeinen angenommenen versteckten KMT-Korruption (die KMT ist die Quasi-Gründerpartei und gegenwärtige Regierungspartei der "Republik China" auf Taiwan) global sichtbar war, allerdings sich nur auf das Big Business und Privatgeschäfte von Regierungsmitgliedern erstreckte (!) hat die Einstufung Taiwans dabei wohl nicht gerade verbessert. Trotzdem, so ein Wert wie von TI offenbar zeitweilig wiedergegeben ist Unsinn. Wenn ich was von den Behörden brauche, sitze ich oft in einem adretten Kunstledersessel, Musik spielt vom Band und hinter der Grünpflanze bearbeitet eine Frau Chen den Fall freundlich, allerdings manchmal nach veralteten Behördenregeln, was meine Frau dann oft durch Überzeugung klärt. Meist geht aber alles ganz glatt. Versuchte Bestechung würde wohl dazu führen, dass Frau Chen die Polizei ruft, nehme ich an.

Woher also der Wert? Michael Turton zitiert in seinem oben referenzierten Blog die These, man habe eine Kommastelle vergessen. Schnell habe ich die TI-Webseite direkt aufgerufen: http://www.transparency.org/country#TWN

Alles halb so wild, das aktuelle publizierte Ergebnis liegt im üblichen Rahmen solcher Studien:


Auszug:


Taiwan:
Rang 37 von 176 (Nr. 1 ist Bestwertung, Nr. 176 die schlechteste) in der Korruption, oder anders gesagt, zu 61% sauber von Korruption (100% ist Bestwert, 0% ist völlig korrupt).


Italien:
Rang 72 von 176, also schlechter als Taiwan, nur zu 42% sauber.


Kambodscha:
Rang 157 von 176, also grottenschlecht, nur zu 22% sauber



Deutschland:
Rang 13 von 176, also Musterknabe, zu 79% sauber.


Also doch nicht so richtig Taiwanadesch oder Taiwanbodscha, sondern irgendwo zwischen Taiwanland und Taiwanien. Geht doch.



P.S.: Das Königreich Siam, neuerdings auch Thailand genannt, was mit "unserem Taiwan" ergo nichts zu tun hat, hätte Rang 88 und wäre zu nur 37% sauber, ich habe es oben nicht mit aufgeführt, damit sich die Leute nicht verlesen und den Wert für den von Taiwan nehmen, wie das so oft passiert.

2. P.S.: Man fragt sich, wer ganz hinten liegt. Da liegt etwa Afghanistan, Rang 174 von 176 und nur zu 8% frei von Korruption. Man kann also gelegentlich ein Kabuli Pilaw kaufen, ohne den Haushund in der Garküche mit einem Knochen schmieren zu müssen. Unter Umständen.  


UPDATE: In der ursprünglichen Studie wurde Taiwan als dritt-korruptestes Land der Asia-Pazifik-Region genannt. Blanker Unsinn, wenn man sich überlegt, was da alles für Länder drin liegen in der Region. Taiwans Regierung widersprach:  http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/07/12/2003566912.
Das die Umfrage durchführende Unternehmen sitzt in Hongkong, Siehe da. 

Mittwoch, Juli 04, 2012

Regierungspartei KMT und die Korruption

Oft war hier im Blog vom Marathon-Korruptionsskandal des vormaligen taiwanischen* Präsidenten Chen von der antichinesischen DPP zu lesen, der mittlerweile wegen Korruption im Gefängnis sitzt und das Problem hatte, dass Schweizer Banken seine veruntreuten Gelder an die taiwanische Regierung gemeldet hatten und der Kaufhauskonzern Sogo zu der durch ihn vorgenommenen Erpressung ausgesagt hat. Man muss sich das mal vorstellen, ein Präsident, der einen Kaufhauskonzern erpresst. Damit hatte sich Taiwan sicher in den Reigen von korrupten Gruselstaaten begeben. Tragisch die Geschichte, weil Chen einst ein gefeierte Held der demokratischen Opposition gegen die alte KMT-Diktatur und Chiang Kai Check war.

Vielleicht sollte mal jemand die KMT-Städteplaner hier in NeiHu, Taipei bestechen, damit sie das Stadtbild verschönern....

Allerdings sagt man in Taiwan, dass die alte KMT, die früher Taiwan diktatorisch beherrschte und mittlerweile wieder in Taiwan an der Macht ist (nach der gewonnenen Wahl 2008) noch viel mehr Dreck am Stecken hat als die DPP. Traditionell mit der nordtaiwanischen "Bambusgang", einer der drei Taiwan beherrschenden Triaden verknüpft und innigst mit Polizei und Militär verbandelt, stellt die KMT so etwas wie das "Gentlemen's Business"-Hub der Insel da. "Gentlemen's Business" soll hier für alle Arten von Honoratioren stehen, die ihre Pöstchen in Staat und Wirtschaft zu allerhand Schiebereien benutzen und darüber untereinander dicht halten. Als der gierige Chen das Tafelsilber geklaut hat (Erpressung, Veruntreuung von Staatsgeldern) war das so offensichtlich, dass es jeder gemerkt hat. Die KMT-Geschäfte kriegt man gar nicht mit. Die haben ihre Leute überall sitzen und Korruptionsgelder werden im Piggy-Back-Verfahren elegant mit legalen Geldern auf eingespielten Kanälen verschoben und nach außen hin bleibt alles sauber, so wie sich der gegenwärtige prochinesische Präsident Ma (KMT) eben auch als Mr. Clean verkaufen kann.

Bitte verhalten Sie sich hier unauffällig wie ich hier im Bild: Exekutiver Yuan in Taipei, Foto: Boogier Chen


Jetzt ist mal was herausgekommen, ein Regierungsmitlied (ehem. Generalsekretär des exekutiven Yuan) aus der KMT hat laut Anschuldigung Millionen US-Dollar umgerechnet dafür entgegen genommen, einem privaten Stahlverwerter einen Vertrag mit der halbstaatlichen China Steel Corporation zu vermitteln. Diese alten Staatsunternehmen, wie immer sie jetzt auch rechtsformhalber konstituiert sind, haben alle das C vorne im Namen, was auf KMT-Filz hindeutet, denn C ist China und China ist KMT in Taiwan, allerdings eben Republik China ohne "Volks-" davor. Quelle: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2012/07/04/2003536911

Das alles klingt so, als sie Taiwan ein furchtbarer Korruptionsstaat. Das ist so nicht richtig, in eingschlägigen Statistiken liegt Taiwan etwa bei Italien und man bedenke, dass auch in Deutschland komische Dinge geschehen. Barschel lag tot in der Wanne, nachdem er Agent Roloff alias Werner Maus vom BND zu seiner Entlastung erpressen wollte, man munkelte von gemeinsamen Waffenschiebereien. Kanzler Kohl wurde beschuldigt, DDR-Ölkombinate an ELF aus Frankreich gegen Parteispenden verscherbelt zu haben, ich erinnere mich an Gerüchte über Waffenschiebereien der FDP nach Palästina und plötzlich zu Tode kommende FDP-Politiker, da hört man nur kurz etwas von, weiß nie was echt ist und was nicht und dann ist schnell Schweigen. Oder jüngst der Verfassungsschutz der in echte oder "getürkte" Dönermorde involviert ist und bei den Untersuchungen schnell die Akten schreddert (http://www.welt.de/debatte/kommentare/article107706324/Aufloesungserscheinung-der-demokratischen-Ordnung.html), da geht auch so einiges vor sich in deutschen Landen.

* Formell heißt der Staat "Republik China" und entsprechend gibt es nur einen Präsidenten der Republik China. Chen selbst haderte allerdings mit diesem historisch geprägten Begriff.

Freitag, Mai 21, 2010

Thailand vs. Taiwan: Putsch vs. Verhaftung

Interessant ist, wenn man einmal die Umstände vergleicht, unter denen das Königreich Thailand und das republikanische Taiwan ihre großen Staatskrisen (obwohl in Taiwan ehr von einer sich anbahnenden die Rede sein kann) um das Jahr 2006 bewältigt haben.

Thailand hatte seinen Premier Thaksin, dem vorgeworfen wurde seine Steuern nicht richtig zu bezahlen und der in den großen Korruptionsskandal um den neuen bangkoker Flughafen verwickelt gewesen sein sollte. Die Insel Taiwan hingegen hatte seinen Präsidenten Chen seit 2000, dem das Verschwindenlassen von diversen Staatsfonds, Veruntreuung von Spendengeldern, Erpressung eines Kaufhauskozerns über erst adverse und dann zugetane Steuergesetze und das Abrechnen von Privatgeldern über die Staatskasse vorgeworfen worden ist.

Die Krise wurde auf völlig unterschiedliche Art und Weise gelöst. Während in Bangkok Premier Thaksin den Eindruck erweckte, kalt lächelnd über dem Gesetz zu stehen, sonnte sich der auf mich immer öliger wirkende Präsident Chen in Taiwans Hauptstadt Taipei wie ein Provinzgangsterboss in mitten seines kriminellen Klans, denn auch seine Verwandtschaft inklusive First Lady waren in den Skandal verstrickt.


Asiens Tigerstaat Taiwan: Vorbildhaft

Die Eliten in Bagkok von Königshaus, Militär und Oberschicht zürnten dem lächelnden Thaksin ebenso wie die Eliten in Taipei dem öligen Chen zürnten. Dennoch lösten beide Länder, so ähnlich ihr Name auch sein mag, die Krise auf völlig unterschiedliche Weise.

In Thailand gab es einen Militärputsch, bei dem der Premier in Bangkok kalt entmachtet wurde, als er gerade im Ausland weilte, während in Taiwans Hauptstadt Taipei nichts dergleichen stattfand. Die Staatsanwaltschaft in Taipei erklärte, Beweise gegen den Präsidenten zu haben, es wurde versucht, seine Immunität aufheben zu lassen und als dies nicht funktionierte, verharrte die Staatsanwaltschaft in abwartender Stellung.

Bangkoks Thaksin hingegen konnte sich im Ausland etablieren, arbeitet heute mit dem mit seiner Heimat verfeindeten Kambodscha zusammen und konnte als eine Art Warlord von außen Thailand und Bangkok ins Chaos stürzen - sicher auch, weil Bangkoks Eliten einen ihm wohlgesonnenen Nachfolger samt neuer Partei wieder aus dem Amt jagten.

In Taipei hingegen wartete man ab, bis Chens Amtszeit 2008 abgelaufen war und ließ ihn dann verhaften. Ihm wurde der Prozess gemacht und er sitzt heute im Gefängnis. Sicher lief auch in Taiwan das alles nicht ganz koscher ab, denn der Prozess glich manchmal einem politischen Schauprozess der wieder an die Macht gewählten Staatsgründungspartei KMT, aber alle kleineren Proteste die es diesbezüglich in Taipei gab, sind immer noch besser, als das Chaos, in das sich Bangkok hinein manövriert hat.


Thailand: wer wagt, gewinnt nicht immer

In Thailand wurde die arme Landbevölkerung im Nordosten gegen Bangkoks Eliten und wohl sogar gegen das Königshaus aufgebracht, man befürchtet heute einen Bürgerkrieg.

Taiwan hätte den selben Fehler machen können, denn seine Hauptstadt Taipei gilt als chinesisch dominiert, während der Süden Taiwans sich als weiter von der chinesischen Herkunft entfernt definiert. Hätte man den aus dem Süden stammenden Chen in Taipei entthront hätten wir heute vielleicht ebenso wütende Menschen im Süden, die auf die "chinesischen" Eliten in der Hauptstadt schimpfen und vielleicht sogar zu Gewalt aufrufen.

All das ist nicht geschehen, die Insel Taiwan war wieder mal klüger als das große ostasiatische Land im Westen. Demokratische Institutionen lässt man eben besser ihre Arbeit tun, als herrschaftlich mit Gewalt dazwischen zu hauen, wenn es ein Problem mit dem Regierungschef gibt. Sonst ist die Kur schlimmer als die Krankheit. Das demokratische Taiwan ist hier ein Vorbild für die Region - ein Umstand der immer wieder vergessen wird.

Dienstag, September 15, 2009

Lebenslange Haft für Expräsident Taiwans



Formosablog(X), Techblog( )

Stray dog rescue ( )


Taiwans Expräsident (2000-2008) Chen Shui-Bian ist dieser Tage zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden (http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=1057087&lang=eng_news&cate_img=83.jpg&cate_rss=news_Politics_TAIWAN), seine Ehefrau ebenfalls. Die Versuchung ist groß Chen, der in Taiwans Diktaturzeit ein prominenter Dissidentenanwalt war, zum Freiheitshelden zu stilisieren, treten Chen und die DPP (in der er Mitgliedwar, nach Inhaftierung ausgetreten ist) doch für die staatliche Eigenständigkeit Taiwans ein (die ja schon vorhanden ist seit 1949 und laut DPP beibehalten werden soll), während der jetztige Präsident Ma Ying-Jeou von der alten diktatorischen KMT-Partei (die allerdings 2008 demokratisch wieder an die Macht gewählt worden ist) für eine Angliederung Taiwans an die Volksrepublik China ist und seine KMT gerade (nur auf Parteiebene!) Verhandlungen über den Anschluss Taiwans an die VR China betreibt, mit der Kommunistischen Partei Chinas als Gesprächspartner.
Expräsident Chen und mehrere Regierungsmitglieder sowie diverse DPP-Lokalpolitiker wurden nach der Machtübernahme der prochinesischen KMT festgenommen, der Fall scheint klar, das diktatorische Peking gegen freiheitsliebende DPP-Politiker, die Taiwan als Demokratie erhalten wollen.


Freiheitsheld Chen ist genauso echt wie dieser VW...

Die Realität sieht aber anders aus. Noch während Chens Präsidentschaft gingen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Präsident Chen und seine Familie in die Presse. Der Kaufhauskonzern Sogo war damals von der Präsidentenfamilie erpresst worden (erst Gesetz machen, dass Sogo höher besteuert, dann kommt der Präsidentenschwiegersohn und verlangt billige Aktien und dann verschwindet das Gesetz wieder, First Lady transferiert den Aktiengewinn auf schweizer Konto ihres Bruders), Staatsfonts waren verschwunden, meist kleinere Budgets, ein paar Hunderttausend hier und da, private Haushaltskosten über die Staatskasse abgerechnet, hohe Posten an Meistbietende verkauft, Deals mit Lokalpolitikern (Firmen konnten nur gegen Überweisung an den Präsidenten im Gewerbepark Hchinzu investieren), die Liste der Vorwürfe (naturgemäß ist nicht alles bewiesen worden und Verfahren gegen Dritte laufen noch) ist endlos.

Der Präsidentenschwiegersohn war noch zu Chens Amtszeit verurteilt worden, befindet sich jedoch momentan auf freiem Fuß, da er Berufung einlegt. Schon damals sagte die Staatsanwaltschaft, genug Beweise gegen Chen und Frau zu haben. Die First Lady kommt vor Gericht, kann sich aus gesundheitlichen Gründen zunächst dem Verfahren entziehen.

Als Chen 2008 aus dem Amt scheidet geht er fast direkt ins Gefängnis in Untersuchungshaft.
Alles nur ein Komplott der Prochinesen? Nein, Chen und Frau haben eingestanden, 20 Millionen US-Dollar in der Schweiz deponiert zu haben, veruntreute Wahlkampagnenfonds sollen das gewesen sein. Das Geld wollten sie zurückgeben, wie sie anfangs sagten, haben es aber nicht getan.

Sind Chen und Frau unschuldig? Meiner Meinung nach und der des Gerichts nein.
War der Prozess fair? Mit emotionalen Statements der Staatsanwaltschaft, begleitender KMT-Schauprozessrethorik (jeden Tag erzählte ein KMT-Politiker um 12:00 Uhr im Fernsehen, was für ein böser Mensch Chen war, das wurde in fast allen Lokalen zum Essen übertragen) und der traditionellen Verbandlung des gesamten Staatsapparates inkl. Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten und Militär mit der KMT, ehr nein.
Soll das Urteil Peking zufriedenstellen? Sicherlich, Präsident Ma tut alles, um seinen neuen chinesischen Herren zu gefallen. "Guck mal, ich habe ihn lebenslänglich verurteilen lassen", das kommt gut an, wo Peking sicher mit dem alten "Taiwan-Yes, China-No"-Präsidenten (Wahlkampfslogan 2004) noch ein Hühnchen zu rupfen hat.
Ist die jetzige Regierung besser? Die KMT macht es eleganter. Die alte Staatspartei ist auch mit der nordtaiwanesischen Mafia "Bambusgang" verbandelt. Neulich war der Dalai Lama zu Besuch in Taiwan und KMT-Sprecher und ein "Ex"-Boss der Bambusgang schimpfte wortgleich gegen den Dalai-Lama als Unruhestifter. Die KMT ist Teil des organisierten Verbrechens, könnte man es provokativ paraphrasieren und will außerdem das Land an die Volksrepublik China "verschenken".

Damals fand ich Chens korrupte Regierung furchtbar. Aber im Vergleich zur prochinesischen KMT hatte er schon einen Vorteil. Besser, nur was aus der Staatskasse nehmen, als gleich das ganze Land veruntreuen zu wollen...

Guter Überblick
http://en.wikipedia.org/wiki/Chen_Shui_Bian

Edit: Was wäre ein faires Urteil gewesen? Schwer zu sagen, ohne sich unparteiisch durch dicke Aktenordner der Beweisaufnahme zu wälzen. Aber ich denke mal ein Urteil wie 20/10 Jahre für Präsidenten und Frau hätte als normal empfunden werden können. Alles darüber klingt nach Parteijustiz. Zu befürchten ist, dass Präsident Ma einen Schritt weiter ist, die Demokratie in Taiwan und damit auch ihren Rechtsstaat zu demontieren auf dem Weg nach Peking. Fast könnte man meinen, die Richter hätten nach ihrem lebenslänglich/lebenslänglich die KMT-Parteihymne angestimmt. Trotzdem, es sei noch einmal gesagt, unschuldig ist hier keiner. Richter eingeschlossen.

Dienstag, Januar 20, 2009

The cross of Taiwan

GERMAN:

Kurzmeldung: Der frühere Präsident der Republik China/Taiwan, Chen Shui Bian, geriert sich in seinem Buch als Märtyrer für die taiwanesische Unabhängigkeit. Der wegen eines Mega-Korruptionsskandals zur Zeit in Untersuchung sitzende Politiker hat das Buch "Das Kreuz von Taiwan" genannt und zeigt sich auf dem Cover in Handschellen und die Titelgrafik suggeriert, er sei an ein Kreuz geschlagen worden. Auch Gefängnisnotizen aus der "Kerkerhaft" hat das Buch zu bieten. Siehe Taipeitimes Foto: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/photo/2009/01/20/2008034000

Ja, wenn Jesus für die Wunderheilungen Geld genommen hätte, dann würde ich diesem Vergleich wohlwollender gegenüber stehen.

ENGLISH:


Former Taiwanese president Chen Shui Bian has declared himself a martyr and is comparing himself with Jesus Christ, see the cover of his book "The Cross of Taiwan". He is referring to his investigative imprisonment which he faces presently. A nice martyr of freedom and liberty who stole so much money that writing it all down would take too long. Whole state funds have dissapeared. He is more like the thief next to J.C. on the cross. Not too bad as well. Let's all look at the "broight" side of life, pa-du, pa-du, pa-du-du-du, let's all look at the broight side of life, ...

you may wistle now.