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Mittwoch, März 13, 2013

Zu vermieten

Neulich hatte ich das Foto von diesem Haus bei uns in der Nachbarschaft in Taipei (Stadtteil NeiHu) schon einmal gezeigt, jetzt ist es jedoch mit einer neueren Softwareversion besser entzerrt, denn das verwendete 15mm Fisheye hat natürlich die zu erwartenden Verzerrungen, die für solche Objektive typisch sind. An meiner Fullframe-DSLR von Sony hat das Sigma-Fisheye ja einen Bildwinkel von 180 Grad (Achtung: an einer handelsüblichen APS-C DSLR wäre er deutlich kleiner, da bräuchte man 8mm oder 10mm Brennweite) und liefert auch die typisch tonnenförmigen Verzeichnungen, die ich hier von Hand rausgebogen habe. Der Schuss war damals von Hand gemacht, durch die 2.8er-Lichtstärke und den in die Kamera eingebauten Bildstabilisator gelang der Schuss auch bei einer Zehntel Sekunde aus freier Hand. Beim Marktführer Canon oder auch bei Nikon hingegen wäre der Bildstabilisator im Objektiv - aber eben nicht bei Fischaugen oder anderen Weitwinkelobjektiven, daher hat Sony hier einen klaren Vorteil.Vorgestern mit den Scientologen angelegt, siehe unten, heute mit den Canon-Fans, na das kann was werden.



Wo waren wir? Ach ja, das Haus steht zur Zeit zur Vermietung. Ich bin ja recht vertraut damit, habe es sooft fotografiert, dass mich der Kettenhund nicht mal mehr anbellt. Allerdings dient die kleine schmalle Gasse als einzige Direktverbindung zweier Teile des Militärveterantenviertels und hat recht viel Verkehr, bei Hundehaltern ist das Ganze zum Gassigehen sehr beliebt (Hundekot), auch eine ältere Frau hat hier zwischen den Häusern eine Müllverwertung und gleich gegenüber hat eine kleine glasfrontlose Bäckerei ihren Sitz, die leider Ratten anzieht (weil sie eben offen ist), da haben wir vom Mieten doch Abstand genommen. Auch wenn das alte Häuschen nett aussieht.

P.S.: So alt ist es gar nicht, der selbe Stil wie die Mietshäuser, die alle vom Ende der 60er sind.

Dienstag, März 12, 2013

Autobahnraststätte in Taiwan

Auf der Fahrt zurück vom Tempelbesuch im Süden Taiwans, wo wir eine kranke Kollegin hin gefahren hatten (ich hatte damals berichtet) hatten wir einen kurzen Stop an einer Autobahnraststätte eingelegt.

Hier parkt das Ludigelmobil auf dem weitestgehend leeren Parkplatz. Außen war er da ganz sauber, innen aber nicht, denn in Taiwan gibt es keine Staubsauger an den Tankstellen. Man muss stattdessen den Wagen zur Reinigung irgendwelchen Leuten längere Zeit überlassen, was wir immer wieder im Mehrjahresrythmus hinauszögern. Brrr. Wie dem auch sei, auf dem sehr modernen Highwayparkplatz (am Highway 1 müsste das sein) kam ich nicht umhin mir zu überlegen, wie sich wohl ein Durchschnittsdeutscher einen Autobahnparkplatz in Taiwan vorstellen würde. Wahrscheinlich als einen Acker, auf dem einige schwere Geländewagen und unzählige LKW-Wracks stehen, ein paar Fressbuden und eine Menge Prostituierte, alles unter Palmen natürlich und ich grellen Sonnenschein und um die Kurve rum lauern schon Gangster mit Maschinenpistolen. Nun, die Realität sieht anders aus, es hat offensichtlich geregnet.

Der viele leere Platz wirkt auf mich schon übertrieben, schließlich würden in Taipei hier zwei Wohnblocks und zehn Geschäfte, zehn PKWs und dreißig Mopeds stehen, mindestens. Aber hier sind wir wohl etwas gen Süden. Aber auch nördliche Autobahnraststätten sind in Taiwan überaus geräumig gebaut.

Insgesamt sieht es also gar nicht mal so viel anders aus als in Deutschland, nur vielleicht noch ein bisschen adretter und man braucht sich keine Sorgen zu machen, ob einem gleich der Wagen aufgebrochen wird. Es fehlt halt die direkte Autobahn in den Ostblock - oder auch nach Laos oder Thailand. Praktisch so eine Insel.

Wer möchte kann in den Kommentaren jetzt gerne anmerken, dass es in Deutschland auch viele deutsche Gangster gibt, solche Weisheiten kann man immer gebrauchen.

Gleicht alles auch draußen etwas dem deutschen Counterpart, so sieht es doch drinnen ganz anders aus. Oder weitgehend anders, sagen wir mal.

Es empfängt einen nämlich ein verspielt eingerichtetes Einkaufszentrum voller Esslokale, einem Reisebedarf-Supermarkt und allerlei Souveniershops, in dem einige Paare und Familien ausgelassen schlendern und sich mal so richtig entspannen.

Machen Sie doch einfach einen kurzen Rundgang mit mir, ich habe ja sonst so selten Gelegenheit dazu, mit jemanden aus der teutonischen Heimat zu reden. Hier gibt es jedenfalls viel Leckereien und interessante Wässerchen mit allerlei Geschmack zu kaufen, Badeduftwasser glaube ich und vielleicht Süßgebäck-Geschenkpackungen gleich daneben, alles was man eben so braucht auf der Reise - oder am Zielort.

Hier gibt es leckeres Essen. Maskiert sind auf einer taiwanischen Raststätte also keine Gangster, sondern nur die Verkäuferinnen, wenn sie gerade einen Schnupfen haben.

Stirnrunzelnd nahmen meine Frau und die Kollegin zur Kenntnis, das ich alles mögliche fotografiert habe. Ich erklärte sogleich, dass es vielleicht für das Blog interessant ist. Also bitte nicht einschlafen!

Ich will auch einmal das ganz normale Taiwan zeigen, in dem nichts dramatisches passiert, keine Ausländer in tiefen Schluchten verloren gehen, im Verkehr zu Tode kommen oder betrunken Taiwaner zu Tode fahren wie in den letzten Postings. Man lebt eben so in Taiwan einfach vor sich hin und das in der Regel ganz angenehm. Sonst wäre ja nicht die ganzen "Laowai" (Ausländer) hier, die paar, die es hier an den östlichen Tellerrand der Weltscheibe verschlagen hat.

Hier gibt es sogar was zu bestaunen, plastiniertes Esses hinter Glas, so dass man sehen kann, was es so ungefähr zu Essen gibt. Wie man sieht sind die Preise hier sogar auf normalem Garküchenniveau, 100 NT für eine Portion oder gar weniger, muss wirklich Richtung Süden sein, hier bei Taipei an der Raststätte kostet es so etwa 180 NT - durch 40 in Euro, also alles kein Geld.

Zu Essen gibt es irgendein paniertes Shrimpszeug oder ein Stückerl Fleisch, ein paar Gemüse dazu und viel Reis. Ich hatte einen leckeren Topf aus panierten Schnitzelstücken mit weißer Soße und Reis gemischt zu einer Art Eintopf, ausgesprochen lecker. Das hier sind Krabbenchips, die man entweder getrennt kaufen kann oder die als Beilage auf dem Teller liegen. Recht alltäglich eigentlich in Taiwan und in Deutschland ja auch aus manchen China- oder Thai-Restaurants bekannt.

Viel Verkäuferinnen und wenig Gäste an diesem regnerischen Sonntag. Gleich nach dem Foto passierte etwas ungewöhnliches. Ich hatte den Teller meiner Frau vor mir stehen, weil wir ja oft das Essen tauschen nach Taiwanart und nur noch ein paar einsame Krabbenchips hatten drauf überlebt, da kam eine völlig normal mittelklassig wirkende junge Frau zu mir und nahm einen der soßenverschmierten Krabbenchips hoch und besah in sich kurz und legte ihn dann auf den Teller zurück - alles mit den Fingern wohlgemerkt. Angeregt plaudernd zog die Familie weiter. Was das bedeutete konnten meine taiwanischen Mitreisenden mir auch nicht erklären. Man merkt als Westler aber öfter mal in Taiwan dass man so etwas besonderes ist, dass es schon mal passieren kann, dass alles ganz genau inspiziert wird. Insbesondere in Gegenden, wo nicht so viele Ausländer sind.

Im Obergeschoss tranken wir noch einen Kaffee und aßen etwas Kuchen und bewunderten dabei die Deko aus Glasriesenlibellen.

Und auch die Aussichtsplatform hinten...

... die wenig Aufregendes zu bieten hatte. Ganz normaler Alltag eben. Von den bewaffneten Drogengangstern, Kinderprostituierten, ausgemergelten Fabrikarbeitern und ähnlichem, von dem viele vor sich hin phantasierende deutsche mit Taiwan befasste Webseiten manchmal reden also eine Spur.

 Nur das heimatliche Taipei-NeiHu hatte beim Nach Hause kommen für den deutschen Leser vielleicht etwas Exotik zu bieten oder jedenfalls asiatische Enge. Denn so viel anders als das graue Laatzen-Mitte - Viertel in meiner Heimatstadt im Großraum Hannover sieht es nun auch wieder nicht aus...

Montag, März 11, 2013

Scientology fischt in Taiwan

Offensichtlich trumpft Scientology in Taiwan auf. Man kann aus diesem Artikel (http://www.abc.net.au/news/2013-02-25/church-of-scientology-denies-holding-woman-in-isolation/4539658) entnehmen, dass Scientology Australien offenbar versucht, den australischen Mitgliederschwund durch massiven Anwerben von Taiwanern zu kompensieren. Nicht nur werden sie dabei von der Familie einer Taiwanerin beschuldigt, die junge Frau gegen ihren Willen in Australien festgehalten zu haben (was Scientology freilich bestreitet), sie setzen offenbar auch alle proamerikanischen Stilmittel ein, die ihnen greifbar sind. Wer Taiwan kennt weiß ja, wie populär die US-amerikanische Kultur hier auf der Insel ist. Daher ist dieser Einblick in das Fotoalbum eines angeworbenen Taiwaners (https://whyweprotest.net/community/threads/candid-photos-of-inside-taiwan-scientology-org-january-2011.68939/) sehr interessant, bei dem zwei vermutliche US-Amerikaner sogar in schneeweißer US-Marine-Uniform (bis hin zum Dienstgrad des Kapitäns zur See wird hier vorgeführt) posieren. Hier wird der "Wir Amerikaner sind die Beschützer Taiwans"-Blickwinkel berührt und die Anwerbung bekommt dadurch einen falschen regierungsamtlichen  Nimbus in den Augen manches Taiwaners.

Ob Taiwaner immer zwischen westlichen Traditionskirchen und dem in Deutschland als Kult eingestuften Scientology-Unternehmen unterscheiden können? Taiwan hat Scientology nach US-Vorbild als Religion eingestuft.

Mit Religionen ist es wie mit dem Fusel...

Desto älter desto besser.


Deutschem Umweltaktivisten Einreise verweigert (Update)

Offenbar fasst in Taiwan*** eine Anti-Atomkraftbewegung Fuß und zu den Kundgebungen wollte auch ein deutscher Umweltaktivist einreisen, allerdings wurde ihm offenbar an diesem Freitag, dem 8. März, die Einreise nach Taiwan verweigert. Begründung war, er habe im Jahre 2011 schon einmal die "Bedingungen seines Visas verletzt", womit gemeint war, er habe 2011 an einer gleichartigen Demonstration in Taiwan teilgenommen. Der Deutsche wurde offenbar einige Zeit festgehalten (von 16 Uhr bis 23 Uhr) und dann deportiert.
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/03/10/2003556728 
http://newsmotion.org/tags/weblog 

Update: Hier ist eine Email von dem Betreffenden, als er 2011 in Taiwan am Community College in Tainan war und sich gegen die zahlreichen Wegwerfverpackugnen in Taiwan (oder hier deren Export nach London) ausspricht: http://www.tncomu.tn.edu.tw/modules/tadnews/pda.php?nsn=1401&ncsn=51
Go Go Go! Und das wird von mir ohne Witz gesagt. Mein Papierkorb ist schon wieder voll mit Getränkeplastikcontainern.

Zum Hintergrund muss man wissen, dass Taiwan eine merkwürdige Gesetzgebung aus Japan übernommen hat, bei der Ausländern jedwede "Einmischung" in politische Angelegenheiten verboten ist. Das bedeutet, dass auch Ausländern, die hier Steuern zahlen und wie Ping Po nebenan jeden Tag zur Arbeit fahren, ihre Meinungsäußerung bezüglich innertaiwanischer Angelegenheiten verwehrt wird, allerding nur, wenn dies mit der körperlichen Präsenz verbunden ist. So haben Ausländer einige Mal im Ausländerforum Forumosa.com berichtet, Polizei hätte ihnen die Gegenwart an Wahlkampfveranstaltungen der DPP (die eher antichinesische Partei Taiwans, die 2000-2008 den Präsidenten stellte) untersagt und offenbar wieder erlaubt, wenn sie in Begleitung ihrer einheimischen Ehefrauen erschienen sind. Auch auf "Demos" bezieht sich diese Rechtsauslegung. Auch soll ein in Taiwan bei einem Plattenlabel arbeitender US-Amerikanischer Musiker aus Taiwan ausgewiesen worden sein vor mehreren Jahren, weil er auf einer ökologischen Protestveranstaltung gesungen hat, um 2000 herum müsste das gewesen sein.

Konkret wertet die Immigrationsbehörde Taiwans das Teilnehmen an Protestveranstaltungen u.U. als "Arbeit" und wer keine allgemein gültige Arbeitserlaubnis hat (Der ausgewiesene Musiker hatte nur eine an einen festen Arbeitsort i.S.v. Adresse gebundene) macht sich dann angeblich des Arbeitens ohne Arbeitserlaubnis schuldig.

Auch andere Länder verweigern allerdings Ausländern die Einreise, die zum Zwecke einer Demoteilnahme einreisen.

Ansonsten ist Taiwan aka die Republik China ein demokratisches, pluralistisches Land mit Mehrparteiensystem und freier Meinungsäußerung - damit keine Missverständnisse aufkommen.

Licht ins Dunkel - Info über Taiwan gleich unten; unter dem Bild





*** NEU, der Taiwan-Kurzleitfaden für geneigte Leser ***
*** Noch nie war Durchblick so einfach wie heute ***

Republik China: Offizieller Staatsname von dem, was man meist "Taiwan" nennt. Siehe unten.

Volksrepublik China (VR China): Dat kennt jeder, gelle? Det große Land wo die DVD-Player gebaut werden. Sieht das Territorium der Republik China/Taiwan als eigenes Territorium an, was nicht der Faktenlage entspricht, da die Republik China/Taiwan eine eigene Regierung, eigene Streitkräfte, eigene Währung  etc. hat (s.a. "Taiwan").

"Taiwan": mit formellem Staatsnamen "Republik China", ein souveräner Staat auf der Insel Formosa und einigen angeschlossenen kleinen Inseln, Computer-Ingenieurbüro der Welt und parlam. Demokratie mit Mehrparteiensystem. Hauptstadt Taipei. Früher auch "Nationalchina" genannt, hier wird die alte Republik China fortgeführt, die 1949 von den Kommunisten auf dem Festland vernichtet wurde. "Taiwan" ist eigentlich der asiatische geographische Name für die Hauptinsel Formosa, die vor 1945 eine eher lose politische Anbindung an das chinesische Festland hatte und von 1895-1945 japanisch war.

Thailand: Der große asiatische Flächenstaat, früher Siam genannt. Das Ding mit Pattaya, Bangkok und dem König. Kokossoße am Essen, sie wissen schon. Hat nix mit Taiwan zu tun.

DPP: Oppositionspartei in Taiwan, stellte 2000-2008 den Präsidenten. Betont die faktisch schon vorhandene Eigenständigkeit der Republik China alias Taiwan und  spricht sich gegen eine Vereinigung mit der VR China aus.

KMT/Kuamintang: Ursprünglich eine nationalchinesische Partei, die mit einer bürgerlichen Republik das alte chinesische Kaiserreich ablösen wollte und zumindest ab 1911 bis 1949 über große Teile von China herrschte ("Republik China"). Die KMT-Führung rette sich mit Teilen des Bürgertums und Teilen der Streitkräfte 1949 auf die Insel Taiwan (die 1895-1945 eine Art japanische Kolonie war) und führte dort die Republik China teils massiv gegen den Willen der Taiwaner fort. Präsident Lee Teng Hui (KMT) führte 1992 erste freie Parlamentswahlen und 1996 freie Präsidentschaftswahlen ein, verlies nach seiner letzten Amtszeit etwa 2000 die KMT und gründete die kleine Partei TSU (Taiwan Solidarity Union) mit antichinesischem Kurs.
Während die KMT also bis 1992 diktatorisch über "Taiwan" geherrscht hat, regiert sie seither mit der Unterbrechung 2000-2008 demokratisch, gegenwärtiger Präsident ist Ma Ying-Jeou (Ma ist der Familienname), KMT. Die KMT fährt derzeit einen gemäßigt prochinesischen Kurs und sieht i.A. Taiwan als "China" an, wobei dieses China aber i.d.R. nicht notwendigerweise die "Volksrepublik China" ist - vgl. die von der KMT gegründete bürgerliche Republik China.


*** wird in Zukunft bei passenden Artikeln unten dran kopiert als Fußnote. Das Taiwanblog tut was für die Deutsche Volksbildung! ***

Donnerstag, März 07, 2013

Indiana Jones holt Nudelsuppe

Man kommt sich manchmal doch vor wie ein Entdecker, der vergessene Welten entdeckt, wenn man hier im heimatlichen Viertel einfach nur Nudelsuppe aus irgendeiner Garküche holt. Einfach mal die Suppe auf die Sitzbank gestellt und ein Foto gemacht. Das ist eine Ecke hier wo manchmal Senioren auf den Stühlen sitzen und von dem hier wirklich mal vorhandenen Bürgersteig aus einen gelassenen Blick auf die mopedknatternde Umgebung werfen.

Parallel  zur 737-Lane in Taipei-NeiHu, bei der WenDe Road. 2x Firefox-Mittelklick vergrößert.

Geht man die Straße hinten rechts rein, zwischen den Häusern gar nicht zu sehen, dann ist das eine so schmale Gasse, das Autos gar nicht durch passen. Oder gerade so passen aber hier nicht mehr fahren dürfen. Das eindrucksvolle sind die Wohnzimmer. Die Leute haben im EG ihre Stuben und die sind mit alten Panoramafenstern mit gläsernen Schiebetüren von der Moped- und Fußgängergasse abgeteilt ohne irgendwelche Gardinen. In jedem Haus hat man also unmittelbaren Einblick in die Wohnstuben. Bei den hier sehr einfachen Häusern sind die Wohnzimmer immer völlig unverziert, meist nackte weiß gestrichene Wände, evtl. mit weißem Kunstholz verkleidet, irgendein Götterbild in chinesisch-traditionellem Stil hängt in der Wand und den Raum prägt ein großes Sofa, ein niedriger Wohnzimmertisch und ein großer Flachbildfernseher auf einem niedrigen Stubenschränkchen, auf den alle gucken. Derzeit tragen die Leute oft Parkas, weil es um die 18 Grad nur sind bei hoher Luftfeuchte. Da schmiegt sich die junge Nichte im Parka an den alten Opa mit dickem Schal, beide gucken die Samstagabendshow mit Fernsehballet und ich kann mir im Vorbeigehen einen kurzen Seitenblick nicht verkneifen. "Wie im Museum", bemerkte ich neulich zu meiner Frau. Als seinen es Glasvitrinen mit nachgestellten Szenen aus einer anderen, verloren gegangenen Zeit.


Mittwoch, März 06, 2013

Taipei Sport (Update)


Praktisch. Quadratisch. Gut.*

Ein Foto vom alten Wohnblock, in dem ich oben im 7. Stock (eigentlich 6. OG) gewohnt habe. Der Wohnblock bei uns im Militärveteranenviertel war etwas ordentlicher als mein jetziger, aber die etwas besseren Häuser und die etwas breiteren Straßen zogen auch Straßenhändler magisch an, die mit ihren kleinen blauen Lieferwagen und quäkenden Lautsprechern oben drauf die Wochenenden zur Tortur machten. Besser wäre man wohnt noch etwas besser, in Wohnanlagen mit Zaun drum herum und Security, die die Straßenhändler auf Distanz halten. Diese heimatlichen Straßenzüge in Taipei NeiHu, in denen meine Frau aufgewachsen ist und an denen sie fast schon verzweifelt festhält bezüglich unseres Wohnsitzes, werden aber immer weniger. Immer mehr ist in den letzten Jahren weggerissen worden und von der einen Seite drängen Stahl- und Betonbüros und ein Nobelapartmentviertel (nebst Nobelreihenhäusern) heran und Apartmentblocks nach westlichem Standard mit dann 15 Etagen oder so haben sich bis auf wenige Meter an die Wohnungen von mir und Schwiegermutter heran geschoben. Irgendwann ist dies alte NeiHu weg. Ich muss zugeben, ich werde den Schlichthäusern keine Träne nachweinen, denn tagsüber sieht das alles nicht so nett aus wie hier, sondern grau und trostlos ohne das goldene Licht in den Fenstern. 
Ups. Wieder gemeckert. Siehe vorheriger Blogeintrag.

Fotologisches:
Von Hand mit meinem alten 1.7/50mm Normalobjektiv von Minolta fotografiert, also noch aus analogen Zeiten stammend von 1999. Mittlerweile hat das Objektiv an meiner Sony DSLR ein zweites Leben - lustigerweise sogar mit elektronischem Bildstabilisator, der ja bei Sony/Minolta nicht im Objektiv, sondern in der Kamera sitzt, so dass solche Fotos aus freier Hand (hier 1/10 Sek. Belichtungszeit) möglich werden. Das ultrasolide lichtstarke kleine Objektiv mit seinem stabilen Fiberglaskubus ist das letzte meiner alten "Analogobjektive", das durchgehalten hat und auch den vergleichsweise brutal schnell zupackenden Autofokusmotor der Sony verträgt. Zoomobjektiven ist eine solche Festbrennweite qualitativ und auch von der Lichtstärke her überlegen und das macht - jedenfalls ohne Stativ - dann oft den Unterschied zwischen kein Foto haben und Foto haben aus. Die teuren 2,8er-Zooms kommen aber zumindest in die Nähe, das gebe ich gerne zu.

*Update: Bild durch bessere Belichtung ausgetauscht.

Taiwan-Meckerei

Die Lieblingsbeschäftigung des Expats in Taiwan ist das Meckern über das Gastland. Auch ich hatte solche Phasen, ich will daher niemanden dafür kritisieren. Hier ist wieder mal ein Thread im Ausländerform Forumosa.com, wo jemand seinen Taiwankoller hat und alle mit einstimmen in den Jammerchor: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=118360
Ein richtiges Hassposting habe ich dort nicht gefunden, die hat man auch manchmal. Letztlich ist das Problem, dass die Euphorie der ersten Monate für die Meisten irgendwann weg ist, es ist einem dann selbstverständlich dass Taiwan eine kleine Demokratie in Asien ist, wohlhabend, gastfreundlich, mit hübschen kichernden Damen vollgestopft  und interessantem Essen. Man ärgert sich dann zusehens über das Geschiebe auf den Straßen, das fehlen von Bürgersteigen, den Smog, hupende Autofahrer, die wollen, dass man als Fußgänger wie ein Helikopter zur Seite schwebt (Bürgersteig gibt es ja meist nicht) etc. etc.


Die Leute die das schreiben leben fast immer in Taipei, manchmal aber auch in anderen Großstädten Taiwans. Taipei jedenfalls ist ein völlig überbevölkerter grauer abgestanden und versmogt riechender Moloch und die Ausländer im Forum, meist eher schlecht als recht bezahlte Englischlehrer für die kleinen Taiwaner, müssen leben wie die untere Mittelklasse in Taipei. Und die hat sich eben in grauen Hühnerkäfigen kaserniert. Was eine ganz andere Welt ist als die der schönen Natur außerhalb Taiwans, in die ich auch so gut wie nie komme - die Bergfotos im letzten Blogeintrag sind ja schon von 2005.

Ich habe schnell aufgehört die Diskussion zu lesen, weg gesperrter Frust über rüden Fahrstil und graue Hässlichkeit etc., sorgsam weg geschlossen, droht an die Oberfläche zu kommen. So wie ich im Fernsehen gerne den Kanal wechsele, wenn ich Leute in deutschen grünen Reihenhäusern sehe. Denn irgendwann wird das Grau normal und der Mopedgeruch auf den Straßen. Also klarer Fall, Heulsusen sind die alle im Forum, ist doch suuuuuuuuper hier.

Na also, schon viel farbenfroher. Äh...... never mind.

Dienstag, März 05, 2013

Verschwunden in Taiwan

Die Suche nach dem Englischlehrer Fred Frontier

Als ich im Februar 2004 nach Taiwan kam, bestimmten drei westliche Gesichter für mich das Bild der Ausländerszene in Taiwan. Einmal war es der stämmige "MaKe", ein Deutsch-Ukrainer, der glaube ich Kanadier war vom Pass her und in den Samstag-Abends-Shows präsent war, wo er als einer der zahlreichen Co-Entertainer von Showstar Jackie Wu auf einem Stuhl saß und mit seiner Glatze, mächtigem Vollbart und seiner kräftigen Körperfülle einen großen Kontrast zu den Taiwanern und dem kleinen Männlein Jackie Wu abgab. Und ich kam nicht umhin festzustellen, dass er irgendwie den Clown für die Leute gab. Aber wenn man bezahlt wird dafür, ist es natürlich auch wieder in Ordnung. Wahrscheinlich ist "den Clown machen" auch nur ein anderer Ausdruck für "Entertainer sein". Leider nahm es später mit MaKe ein tragisches Ende im Straßenverkehr: http://osttellerrand.blogspot.com/2013/01/was-wurde-eigentlich-aus.html

 Eine der Landmarks, die man dort besucht. Alte Fotos von der analogen Minolta, vom Fotogeschäft eingescannt. Die Fotos sind aus dem Jahre 2005.

Der zweite Ausländer, der enorme Medienpräsenz hatte, wenn auch nur für kurze Zeit in den Nachrichten, war ein kanadischer Englischlehrer namens Professor Paul C., der einer philippinischen Dienstmagd bei einer sexuellen Belästigung beistehen wollte und dafür letztendlich von der Polizei auf einen Stuhl gefesselt, geschlagen und dann noch von einer weiblichen (!) Parlamentsabgeordneten vor laufender Kamera geohrfeigt worden ist, bis er weinte. Taiwahn at its best, wohlgemerkt mit H in der Mitte. Ein ziemlich bizarres Land sei es wohl, dachte ich damals (Vorfall kürzlich auch hier von mir erwähnt: http://osttellerrand.blogspot.com/2013/01/tanzbar.html;

 Jeder macht hier Fotos

Der dritte Ausländer mit großer Medienpräsenz war aber Fred Frontier. Als ich mich in Ausländerforum anmeldete damals, gab es da einen riesigen Thread um die Suche des vermissten Fred, die von einigen Expats mit religiösem Eifer betrieben wurde, während andere die Suche mit zynischen Kommentaren begleiteten. Ich muss gestehen ich hielt das Ganze anfangs für eine Art Schnitzeljagd, wo eine fiktive Person gesucht wurde, wie in einem Rollenspiel und der Gewinner vielleicht eine Kiste Heinecken bekommen sollte, so bierseeling unernst kamen mir die Bemühungen der Englischlehrerszene auf Forumosa.com vor und schließlich, wenn jemand namens Fred Frontier verloren geht, wobei der Nachname an die "Final Frontier", die letzte wilde Grenze also erinnert, der kann einfach keine reale Person sein. Verband man die Frinal Frontier im englischen Sprachgebrauch doch mit dem wilden Westen, Alaska oder auch dem Weltraum.

 Hier würde eine moderne DSLR bessere Kontraste erlauben, Papierbildfilm und der Einscannprozess kosten hier viel Bildynamik.

 Wilde Natur hat Taiwan zu bieten, das vergisst man gerne im städtischen Taipei.

 Dieses eine Foto hier  war zwar auf dem selben Film von mir und passt prima in die mysteriöse Bergwelt, zeigt aber wohl den Garten unseres damaligen Urlaubsbungalows in Indonesien muss ich zugeben.

Doch weit gefehlt, Fred Frontier war real, hatte den Nachnamen Frontier (Grenze) erst in seiner Alaskazeit angenommen und war wirklich nach Taiwan gezogen um dort Englischlehrer zu werden und dann bei einem Ausflug in die Berge um Hualien und die Taroko-Schlucht verloren gegangen. Eine Organisation namens "Overseas Americans in Taiwan", also eine angebliche Vertretung der Überseeamerikaner*, bemühte sich enthusiastisch um Fred und kritisierte die taiwanischen Polizeikräfte ob ihrer offenbaren Inaktivität sehr. Allerdings erwähnten andere Amerikaner, dass die diese Vertretung trotz Sternenbanners und Weißkopfadler im Logo nur aus einer einzigen Person bestehen würde, einem anderen Englischlehrer. "Was für merkwürdige Menschen sich hier doch herum treiben", dachte ich damals. Ein Relikt dieser Nichtorg gibt es immer noch, eine Webseite, die dem Verschwinden von Fred gewidment ist, von damals erhalten im Stil der frühen 2000er Jahre: http://overseasamericans.tripod.com/overseasamericansintaiwan/id23.html

Die Flüsse sind fast immer reißende Ströme, bei denen das Wasser förmlich durch-gurgelt, schwimmen kann man hier nicht, wenn man hinein gerät. Zu allem Überfluss ist solches Wasser, was alle möglichen Metalle und Gestein auswäscht aus den Felsen oft auch toxisch.
Nanu, steht hier eine Gestalt am rechten Felsen? Siehe ganz unten!
Alle Bilder lassen sich durch zweimaligen Mittelmausklick etc. beim Firefox vergrößern. Auschnittsvergrößerungen ganz unten. 


Das Verschwinden von Fred, der polnisch-italienischer Abstammung war, war also tödlicher Ernst, bis heute ist er nicht wieder aufgetaucht und Wikipedia hat ihm eine Webseite gewidmet: http://en.wikipedia.org/wiki/Disappearance_of_Fryderyk_Frontier. Damals gab es auch noch seine persönliche Webpage, denn Blogs gab es damals wohl noch nicht (viel), eine klassische Geocities-Homepage, wo er unter anderem seinen Nippelring zeigte und von der Mondgöttin schwadronierte. Fred war ein junger langhaariger Mann mit eindeutigem 70er-Hippies-Vibe. Etwas gespenstisch ist heute diese andere erhaltene Webseite, die ihn ganz und gar un-hippiemäßig mit seiner Mutter zeigt und ankündigt, er und seine Mutter würden bald nach Taiwan ziehen: http://www.oocities.org/theezine/fredpics/tw.html


 Hier hatte meine Frau mich rechts im Vordergrund aufgenommen, ich habe mich wieder heraus retouchiert, so ist das Bild viel hübscher.


Wie war nun Fred verschwunden, was war geschehen? Die Ausländerszene und seine Mutter hatten in etwa folgendes Geschehen rekonstruiert, das ich im folgenden aus dem Gedächtnis wiedergebe: Fred war aus Taipei zu einer Bergtour nach Hualien aufgebrochen, hatte allerdings seine Bergschuhe in seinem Zimmer/Apartment stehen lassen, wo sie später gefunden worden. Wohl gemerkt wurde alles was sein Verschwinden betraf nur von seiner Mutter gefunden, die in den folgenden Jahren immer wieder Taiwan besuchen sollte, um ihren Sohn zu finden, oder eben von ihn suchenden Expats. Nie von der Polizei Taiwans, die wohl nie etwas unternommen hat in der Angelegenheit. Fred hatte dann in einer Jugendherberge in den Bergen übernachtet. Als seine Mutter dort auftauchte auf ihrer Suche, gab es von ihm zunächst keine Spur, dann jedoch tauchte plötzlich sein Gepäck auf in einem Aufenthaltsraum, wo es gerade eben noch nicht gelegen hatte. Die Mutter stritt sich wohl heftig ohne eine gemeinsame Sprache zu haben mit den Herbergsbetreibern und das Mysterium der von selbst herbei laufenden Tasche wurde nie geklärt. Zu allem Überfluss tauchte erst Tage später seine Brieftasche wieder auf, unter dem Kopfkissen liegend in einem Zimmer, das schon mehrfach vermietet worden war in der Zwischenzeit. Alles eigenartig aber meiner Meinung nach durch den Umstand einer Sprachbarriere und der Konfrontationsvermeidungsstrategie der Hostel-Betreiber zu erklären, die auf taiwanische Art eher etwas irgendwo stickum unterschieben als es offen zurück zu geben. Eine buddhistische Gemeinde in der Gegend soll er noch besucht haben und die Auländergemeinde erging sich eine Weile in merkwürdigen Theorien von religiösen Wahnsinnigen, die den armen Kerl vom Leben zum Tode gebracht hätten - völliger Unsinn, wenn man friedliche buddhistische Gemeinden  in Taiwan kennt - ist ja nicht der Libanon hier.

 An solchen Orten bekommen Besucher oft heißen Ingwertee von netten Mönchen.

Wer die Gegend kennt weiß, wie unwegsam die Berge dort abseits der alten Bergstraßen sind, die durch die Felsen getrieben wurden und teilweise heute reine Fußwege sind - weil man neue breitere Fahrbahnröhren für den Verkehr angelegt hat mittlerweile. Man sieht abseits dieser alten Straßen nur Fels und krüppelhafte, aber dichte Vegetation. Immer wieder sind in den letzten Jahren dort Menschen verschütt gegangen und verspätet wieder aufgetaucht. Ein Deutscher verschwand dort einst für drei Tage, wollte die Pfade der alten taiwanischen Kopfgeldjäger verfolgen, die aber nicht mehr vollständig waren (nicht gepflegt worden in all den Jahrzehnten, siehe an!) und verlief sich und überlebte nur dank Marsriegel im Gepäck. Muss er mitgebracht haben aus Deutschland, die gibt es hier nicht.

 Hier sieht man die noch nicht fertige neue Fahrbahnröhre links, die alte überfüllte wird dann bald zum Fußweg für Besucher

 
Nie die Wege verlassen!

 Erst neulich ist ein japanischer Tourist an einer solchen Stelle über die Brüstung gefallen und zu Tode gekommen

Zweimal zeigte das Fernsehen erschöpfte Gruppen die aus der Bergwelt wieder auftauchten, einmal unrasierte Ausländer und einmal eine wie immer bartlose Taiwanergruppe. Man hatte nur deshalb wieder raus gefunden, weil das Handy irgendwo wieder Signal bekommen hatte und man Hilfe rufen konnte. Fred hingegen tauchte nie wieder auf, auch ein taiwanischer Wahrsager konnte nicht helfen, den seine Mutter für Geld engagiert hatte. Fred und seine ihn über die Jahre verzweifelt suchende Mutter bleiben die beiden tragischen Gestalten Taiwans und er ein bisschen ein Mysterium. Ich wünsche seiner Mutter, dass er eines Tages mit langem Bart und einem Hass auf Eichhörnchenfleisch wieder auftaucht, aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben. 

Alte Fahrbahn als Fußweg. Man sieht, wie klein der Mensch in dieser Kulisse wirkt.

Da schauderte es mich beim Betrachten der alten Fotos: Steht da eine geisterhaft durchscheinende Gestalt im reißenden Wasser (in Rot)?


Unheimlich....

Eine schattenhafte Gestalt mit Gesicht! Wenn ich das meiner Frau zeige, fährt sie nie wieder da hin...




* Nicht zu verwechseln mit dem realen AIT, dem American Institute Taiwan, der inoffiziellen Botschaft der USA in Taiwan

Montag, März 04, 2013

Uhren-Genauigkeitsfimmel

Wer wie ich eine Automatikuhr erstanden hat, also eine ohne Batterien, die sich per Armbewegung aufzieht, hat sich vielleicht auch schon manchmal über nicht ganz perfekte Ganggenauigkeit im Vergleich zur batteriegetriebenen Quarzuhr geärgert. Deswegen hatte ich kurz mit einer gebrauchten Casio-Solaruhr experimentiert, jedoch verließ mich da im Winter der Akku, der nur noch eine Gangreserve von wenigen Stunden hatte zur dunklen Jahreszeit selbst im recht hellen Taiwan - also unbrauchbar. Außerdem sollen laut diversen Diskussionsforeneinträgen die Akkus oft alle 2-3 Jahre gewechselt werden müssen, womit sich der Vorteil zur Batterieuhr endgültig erledigt hat.
Dann gibt es noch die sogenannten Kinetikuhren, wie sie bei Seiko heißen, hier treibt das bewegungsgetriebene Schwungrad einen Stromgenerator für die Quarzuhr an. Jedoch wussten hier die Uhrenforen von Ladeproblemen und geringer Gangreserve zu berichten - auch hier ist ja ein Akku drin.

 Ludigels neuer Uhrentick...

Also doch lieber Automatikuhren. Meine 113 US-Dollar Orient-Diver  oben im Bild funktioniert ganz hervorragend und die praktische drehbare Lünette erlaubt mit sogar mich an die Zeitverschiebung nach Deutschland zu erinnern - der Pfeil auf 7-Uhr stellt die Minus-Sieben Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland dar und markiert damit die 12-Uhr auf dem "deutschen" Zifferblatt, sehr praktisch. Geht natürlich auch ohne drehbare Lünette ;-) Die 15-Uhr auf dem obigen Foto kann man daher schnell um Kopf zu 8 Uhr in Deutschland "umrechnen", ganz nett, wenn man den Pfeil auf 7-Uhr als 12-Uhr der "deutschen Uhr" nimmt.

Auch die gleich nochmal gekaufte blau schimmernde Version (bei dem Preis...) funktioniert hervorragend und trägt sich leichter am selbst angebauten Lederband. Aber die Ganggenauigkeit erforderte doch jede Woche einmal nachstellen. Hier hilft jedoch ein kleiner Trick - wenn ich die Uhr nachts mit der Krone (Einstellrad) nach oben ablege, bremst sie um etwa 20 Sekunden ab, anstatt wie sonst 5-10 Sekunden vor zu laufen. Wenn ich also die Uhr jede zweite Nacht mit der Krone nach oben hinlege, läuft sie immer in einem Genauigkeitsintervall von +/- 15 Sekunden, fast wie eine Quarz.

Beim Uhrenkauf ist übrigens Vorsicht angebracht, selbst bei Amazon.de und Amazon.com findet man massenhaft billige Chinauhren, die in HongKong für 1-4 US-Dollar verkauft werden, jedoch von deutschen Kleinimporteuren für 80-300 Euro oder noch teurer unter scheinbaren Traditionsnamen angeboten werden. Man kann viele Qualitätsprobleme bei diesen auch nicht reparierbaren Uhren ergoogeln. Fast wäre ich drauf reingefallen, bis ich dann in einem Uhrenforum den Tipp für die Orient-Uhren fand, für Leute wie mich, die erst mal gucken wollen, ob eine Automatik überhaupt etwas für sie ist.

Tradition verheißende Uhrennamen solcher China-Kleinimporte will ich hier aus rechtlichen Gründen nicht nennen, aber sie klingen so ähnlich wie "Graf von Monte Christo" oder "Burgherr", manchmal sind sie direkt bekannten (nicht notwendigerweise uhrenlastigen) Namen nachempfunden. Wer also Rothschild-Sekt und teure (echte!) Glashütte-Uhren kennt, sollte noch mal genau den Markennamen ergoogeln, ob er nicht doch einen ähnlichen, aber nicht identischen Markennamen erwischt hat -  Rothschild-Uhren gibt es eben nicht. Das teuerste war eine edel klingende Uhr (Name ähnlich dem Getränk CALVADOS) für 1000 Euro bei Ebay - ein Chinaticker! Und es ist längst nicht alles richtiges Gold, was sich Gold nennt - die Karatangabe fehlte (dann reicht ein ein Molekül pro Quadratmillimeter oder dergleichen).
Die Chinabilliguhren, wenn auch manchmal teuer verkauft, bleiben oft über Nacht stehen, während die Orient wie eine teurere Automatikuhr eine Gangreserve von 40 Stunden hat. Nach der Einstiegsdroge Orient gucke ich jetzt nach den schicken neuen Tissot-Automatik-Chronographen. Erzählen Sie meiner Frau nichts davon....

UPDATE: Gerade gesehen, die "goldene Calvados"-Uhr wird derzeit bei Ebay für über 1300 Euro angeboten. Der wird immer teurer, wenn es keiner haben will. Und das für ein unreparierbares China-Massending für ein paar Dollar zuviel Herstellungskosten. Tolle Masche.

Freitag, März 01, 2013

Vereitelter Rettungsversuch

Gestern Donnerstag war frei hier im Taiwahn. Ich trotte mit meiner Frau so eine wenig befahrene Gasse lang, die zwischen den Wohnblocks auf die Fahrbahn mündet und in der Praxis meist als Fußweg dient. Etwa 50 Meter lang. Eine Frau lässt ihre zwei Kinder hier "frei laufen", beide machen richtig Tempo und laufen auf das Ende der Gasse zu. Eine Gasse die auf die vielbefahrene Fahrbahn mündet, wo geparkte Autos den Autofahrern jedwede Sicht nehmen. Auf der anderen Straßenseite ein kleiner Park mit Spielgeräten. Ganz vorne läuft meine Wenigkeit, noch in Gedanken versunken bin ich über ein Ereignis das erst eine Stunde zurück liegt, als ich mit dem Wagen gefahren bin:

 Ein Gewerbegebiet, ich bin auf einer Nebenspur gefahren, ein LKW nimmt jedwede Sicht auf einen Ampel-Fußgängerüberweg. Ich war vor ein paar Sekunden Rechtsabbieger gewesen mit meinem Auto, hatte Grün, aber der Fußgängerüberweg lag dort 30 Meter oder so von der Kreuzung entfernt. Natürlich haben die Fußgänger auch Grün wenn ich Grün habe. Durch die große Entfernung zur Kreuzung und den die Sicht auf den Überweg versperrenden LKW sehe ich zunächst nicht die Kinder, die fröhlich und schnell die Fahrbahn überqueren wollen. War alles kein Problem, ich war langsam und aufmerksam genug um es doch noch zu sehen.

Während ich also auf der Gasse vor mich hin trotte überlege ich gerade, wie das hätte ausgehen können. AUSLÄNDER FÄHRT KIND AN. Sicherlich wäre da die landesweite rassistische Medienhetze gegen den Engländer, der in eine Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge verwickelt war (und möglicherweise gar nicht der Fahrer war, das Taiwanblog hat berichtet) dagegen ein Witz gewesen, jedenfalls wenn man den denkbar schlimmsten Ausgang annimmt. Ich war gerade dabei mir zu überlegen, was alles hätte geschehen können, die rituelle Vorführung des Tatverdächtigen vor Journalisten und Familienangehörigen eingeschlossen, die bei dieser Gelegenheit den Tatverdächtigen schlagen können (eine Art Polizeitradition in Taiwan, immer wieder im Fernsehen zu sehen), da sehe ich, wie das kleine Mädchen dabei ist auf die Fahrbahn zu rennen und ein Auto kommt!

Wenig Raum für Fußgänger in unserem Viertel. Hier freilich eine "richtige Straße", wie immer ohne Bürgersteig (schlechtes Handyfoto)


Reflexartig und ohne Nachzudenken will ich losrennen, das Kind festhalten und anrufen. Da passiert es. Ich sehe eine fiktive Schlagzeile vor mir.

AUSLÄNDER JAGD KLEINES MÄDCHEN IN DIE KREUZUNG!

Etwa eine Sekunde lang stelle ich mir vor, wie die Inselpresse reagieren würde, wenn das Kind überfahren würde und eine Langnase dabei gesehen würde, wie sie dem Kind hinterher läuft. Würde das so geschehen? Ich weiß es nicht. Taiwan ist ein Land, wo sogar Unfallhelfer immer wieder von den Opfern verklagt werden und auch Ausländer mussten hier schon für ihre guten Taten finanziell büßen. Ich verwerfe den Gedanken und will losrasen, aber da ist das Kind schon auf der Fahrbahn. Meine Frau stürzt hinzu, wäre zu langsam, ruft aber das Kind an, das prompt stehenbleibt. Das Auto fährt harmlos vorbei. Die Mutter kommt jetzt auch herbei.

Ich bin wenig stolz auf meine Inaktivität, andererseits kann ich auch nicht wirklich erkennen, wo ich falsch gehandelt habe. Durch die Tendenz der Taiwanpresse immer wieder Stories von kriminellen/unverschämten westlichen Ausländern zu präsentieren wird man vorsichtig und greift im Zweifelsfall lieber nicht ein. Schließlich machen die Taiwaner hier so sehr deutlich, wie sehr sie zwischen sich selbst und "uns Ausländern" unterscheiden. So gastfreundlich sie sonst auch sind.

Erdbeben 1999

Ich bin gerade dabei alte Foto-CDs und DVDs durchzusehen. Damals habe ich alle Fotos u.a. immer auf meinem 20 GB- MP3-Player verwahrt und dann turnusmäßig auf CD und DVD gebrannt. Nur dass die DVDs zu großen Teilen nicht mehr lesbar sind. Sehen aus wie neu, aber all meine DVD-Laufwerke weigern sich beharrlich sie einzulesen. Das nenne ich zuverlässige Technik. Durch die großen Redundanzen beim Brennen (Mehrfachkopien) denke ich jedoch, dass sich die Verluste in Grenzen halten werden. Heutzutage brenne ich immer dreifach, hebe die Fotos trotzdem noch auf HDD auf und prüfe auch jede Foto-DVD auf mindestens einem zweiten Laufwerk. Trotzdem alles keine Garantie, wer weiß, ob man sie in 5 Jahren noch abspielen kann.

Hier jedenfalls ein paar Fotos aus der Gegend um Nanto aus dem Jahre 2004. Manchmal habe ich Nanto auch Nintao geschrieben, sucht euch eine Schreibweise aus. Die Bilder zeigen einen zerstörten Tempel, der bei dem großen Erdbeben (1999?) beschädigt worden war. Schon gruselig anzuschauen dieser Tempel, der fast nur noch aus Boden und Dach besteht...


Die Fotos sind damals mit der alten Minolta-Reflexkamera gemacht auf Negativfilm (der noch heute in Deutschland existiert, das ist doch haltbarer als Digitaltechnik) und dann vom örtlichen Fotogeschäft in Taiwan auf CD eingescannt (oft allerdings in sehr schlechter Qualität, hier ist jedoch ausgesprochen gut, je nachdem wie der Fotomensch gerade drauf war).





... und lustiges Treiben im benachbarten Ort. So stellt man sich als neu angekommener Europäer auch kleine asiatische Länder vor. Voll und eng und notgedrungen müssen die Leute halt auch auf den zahlreich vorhandenen Panzern sitzen (hust). Wie immer sind die Taiwaner am Essen.

Fabrikarbeiterinnen in Extase versetzt

Noch ganz verschlafen machte ich mich heute morgen beim Frühstückholen auf den Weg durch unser Bladerunner-artiges Industriegebiet, taperte die bürgersteiglose Gasse zwischen den Wellblechgebäuden entlang, mühsam Betelnussresten auf der Fahrbahn ausweichend und den leckeren morgendlichen Duft aus Moped- und Dieselschwaden einatmend, da registrierte ich erstaunt, dass der diesmal etwas größere Konvoi aus zu Fuß gehenden Fabrikarbeiterinnen (in ihren blauen Uniformen) ein wahres Sirenengeheul ausstieß, während ich sie schnellen Schrittes passierte. Nun treffe ich die Damen öfters, was allerdings bisher weitestgehend ohne Kommentare ablief, so dass mich dieses Gejohle doch in erstaunen versetzte. Solche Laute hört man sonst nur im Fernsehen, und nur wenn Axel Rose vor Groupies die Hose runter lässt oder dergleichen. Ich war jedenfalls vollständig bekleidet, hatte nur heute mein Jackett gegen eine "Deutscher-Tourist-in-der-DomRep"-Style Gürteltasche eingetauscht. Mir fiel des weiteren auf, dass die Damen wohl teilweise philippinischer Herkunft waren. Möglicherweise löst dieser Bauchgürtel und das fehlen eines fulminanten Bierbauches dazu bei den philippinischen Damen diese Extase aus. Schön, am frühen morgen schon so erregbar zu sein. Ich hingegen freute mich erst mal auf das Frühstück. 

Die in Taiwan meist als "Hausmädchen" arbeitenden Phillippinas sind übrigens gelegentlich auch mal mit den aus der englischsprachigen Welt stammenden Englischlehrern hier liiert, sie gelten als leichter zusammenlebbar als ihre taiwanischen Äquivalente. Aber ich bin ja mit einem einheimischen niedlichen Drachen gesegnet, da heißt es "Augen gradeaus..."