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Donnerstag, August 15, 2013

Nichtwähler

Persönliche Entscheidung in Anbetracht der vielen Briefwahlformulare

Im Jahre 2005 hatte ich mich schon mal entschieden, von meiner alten Angewohnheit des SPD-Wählens Abstand zu nehmen und stattdessen gar nicht zu wählen. Ich lebte bereits in Taiwan und das Ausfüllen des Briefwahlantrags mitten im Bürostress mit langen Arbeitstagen und hektischer Chefin war mir zu viel Arbeit. Insbesondere weil der SPD- Bundeskanzler Schröder damals verkündet hatte, er würde mit der VR-China in der "Taiwanfrage" völlig übereinstimmen. "Super", dachte ich. Da verkündet der demokratisch gewählte Regierungschef Deutschlands, auf das die Taiwaner oft bewundernd blicken, der Folterstaat China sei also im Recht, wenn er das demokratische kleine Taiwan einfach so schlucken wolle. Schröder kam zwar aus meinem Heimatbundesland, aber ich hatte mehr und mehr Probleme damit, mir sein Gerede ohne Magengrummeln noch anzuhören. Viel Getöse gab er immer von sich. Meine Uni hatte er zu gemacht, um Geld zu sparen damals noch in Niedersachen, kurz darauf machte sie wieder auf. Jetzt sprach er für die Taiwaner: warum eigentlich? Hatten die ihn um eine Meinungsäiußerung gebeten?


Bei der nächsten Bundestagswahl 2009 wählte ich die Piraten, damals noch neu und frisch und natürlich für die Internetfreiheit eintreten. Einen Ponader, der seine Sandalen in die Kameras streckte und verkündete, er würde es aus ethischen Gründen ablehnen, einer bezahlten Arbeit nachzugehen und würde an sich herum frubbeln, wenn seine Freundin einen anderen hat, gab es damals nur in leiserer Form. Da konnte ich die Piraten noch wählen. Schließlich war die SPD damals ein Anhang der CDU und schwieg schön still in Sachen Internet(un)freiheit. Was sagt sie eigentlich heute dazu zu US-Abhörung und Vorratsdeatenspeicherung? Nicht viel irgendwie, ist kein so großes Thema. Ist ja nur Wahlkampf. So viel hat sie wohl eh nicht mehr zu sagen, die alte Tante SPD:

Merkel wurschtelt sich durch. Sie hat keinen Plan, keinen Entwurf für ein zukünftiges vereinigtes Europa. Sie macht das, was man macht, wenn man zig widerstreitende Berater hat und bloß keinen Fehler machen will. Verwalten von Tag zu Tag. So macht man es allen Recht, insbesondere wenn die Opposition auch nicht weiß, was man stattdessen tun sollte. Ich weiß es auch nicht. Wahrscheinlich müsste man die EU in einen echten Bundesstaat umbauen, in dem eine starke Zentralbank für die Währung garantiert und die Sozial-, Steuer- und Wirtschaftspolitiken aufeinander abgestimmt sind. Oder müsste Deutschland den Euro verlassen alternativ, weil alles Geld und alle Wirtschaftskraft immer nur dahin fließt, wo man schneller noch mehr Geld machen kann, nämlich nach Deutschland? Statt nach Spanien und Griechenland.

Ich weiß es nicht. Merkel auch nicht. Also will ich sie passiv wählen. Meine Wurschtelstimme für die Wurschtelkanzlerin, die im Gegensatz zu Schröder wenigstens nicht so laut daher redet von Brastwurst und Bier oder Cohiba-Zigarren oder wie auch immer.

Steinbrück? Ja warum soll ich den als Kanzler wollen? Er will auch Merkel sein, das ist sein Programm. Abgesehen von folkorehaften Justierungen "seht her, jetzt sind wir mal dran" ginge alles auch mit Steinbrück seinen gemerkelten Gang. Keine Vision. Na ja, Exkanzler Schmidt (SPD) hat ja auch mal gesagt, wer die habe, müsse zum Augenarzt gehen. Apropos. Da gibt es doch auch noch einen irren Augenarzt in der Politik. Ach halt, das war in Syrien. Deutschland hat den Augenarzt Rösler oder wie er heißt. Gut, um FDP zu wählen muss man eine besondere Sorte Mensch sein. Da gehöre ich sicher nicht zu. Dann lieber doch nicht wählen.

Grüne? All die Dinge, die ich an der SPD nicht mag in konzentrierter Form. Antiislamisten und sonstige Idioten? "Anti" ist selten die Lösung im Leben.

Also nichtwählere ich wieder, will aber keinen dazu auffordern es mir gleich zu tun. Sie daheim in Deutschland können sich schon mal bequemen einfach mal ins Wahllokal zu gehen. Wählen Sie einfach, was Ihnen folkloristisch am besten gefällt, vielleicht nach Parteifarben oder so. Oder wo der Kandidat netter lächelt. Renkt sich schon alles von selber ein, das mit der Eurone und der EU.


Kommentare:

Helmut hat gesagt…

Den Beitrag hab ich bei Dir doch glatt mal übersehen... ^^

Ich kenne viele Ausländer, die ausgewandert sind; seien es Türkische Freunde von mir in Deutschland oder auch einige andere Deutsche fernab von Deutschland die schlicht sagen: "wohne da nicht mehr - interessiert mich nicht.".

Dass du dich noch immer für das was im fernen Europa und Deutschland passiert interessierst und verantwortungsvoll über deine Wahlentscheidung nachdenkst, finde ich wirklich gut!! :)

Respekt, Ludigel!! ;)

"Ludigel" hat gesagt…

Na ja, auch wenn nur passives Merkelwählen bei raus gekommen ist ;-)