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Donnerstag, Juli 04, 2013

Watt, wieviel???

Geldumtausch und eine böse Überraschung

Turnusmäßig füllen Frau und ich mein deutsches Konto immer wieder auf, da es uns u.a. zum Bestreiten von Reisekosten in Deutschland dient. Und mir den Einkauf von billigen alten Minolta-Objektiven bei Ebay.de finanziert, die an meiner digitalen Sony zu neuem Leben erwachen. Manches "für Nostalgiker" angebotene Objektiv, einst 250 bis 500 DM teuer, erstehe ich so für 20 Euro (mal mehr, mal weniger) und benutze es ganz und gar unnostalgisch an meiner DSLR aus dem Jahre 2010. Aber das ist ein anderes Thema - eines das zu wenig Platz in meinen Fototaschen führt. Auch der Deutsches-Lotto-Spieltrieb meiner Frau wird so finanziert - wir haben über den Spleen des jeweils anderen immer eine geteilte Meinung. Wie dem auch sei, es war also nötig das Konto für die nächsten Monate nach zufüllen und wir hatten diesmal die Idee, die Gebühr für den internationalen Banktransfer zu sparen und das Geld in Taiwandollar direkt mit nach Deutschland zu nehmen. Ich ging also mit einem dicken Bündel der New Taiwandollar (der 1000er-Schein hat ja etwa nur 25 Euro) zu meiner Commerzbankfilliale. Die sah gar nicht mehr wie eine Bank aus, keine Schalter mehr, nur noch kleine Tische und, so eröffnete mir die nette Kundenbetreuerin, kein Bargeldverkehr mehr. Bank ohne Geld, alles möglich in der neuen Zeit in der nicht Vernunft, sondern MBA-Studenten die Gepflogenheit der Wirtschaft bestimmen. Immerhin haben sie noch Geldautomaten.
Also mein dickes Taiwandollarbündel wieder eingepackt und zur Zentrale der Commerzbank in Hannover gefahren. Da besah man sich mein dickes Bündel äußerst kritisch, so etwa als seien es bedruckte Bananenschalen eines 3-mal-5 Quadratmeter großen Südseestaates der auf einer im Meer treibenden Wohnunstür errichtet wurde. Und eröffnete mir eine Umtauschsumme in Euronen, die mir den Schreck in die Glieder fahren ließ. Da fehlten mehrere hundert Euro! Tatsächlich lag der Einkaufskurs für Taiwandollar, so gab der Bankangestellte zu, um etwa 25% unter dem Verkaufskurs. Das sei so bei "solchen Währungen", gab er an. Er führte näher aus, "dass instabile Länder mit schlechter Währung....." eben solche Sicherheitszuschläge nötig machen würden, änderte die Formulierung dann aber in "Länder, in denen Finanztransaktionen wenig üblich sind" - hätten halt einen solchen Risikozuschlag.

 Chaotisches, instabiles Dritte Welt Land, Thailand oder gleich China. Irgendwas wird es schon sein, das Taiwan. Denken sich die meisten Deutschen.

Da standen wir nun recht bedrömmelt und mit leerem Commerzbankkonto in Deutschland. Und ich musste ein Darlehn bei meinen Eltern aufnehmen und packte das dicke Bündel Taiwandollar wieder ein. Hatte ich jetzt doch endlich gelernt, dass das reiche Industrieland Taiwan, das über mehr Devisenreserven als die Bundesrepublik Deutschland verfügt, in Bankwirklichkeit ein instabiles Dritte-Welt-Dreckloch ist, in dem der lokale Diktatur Carlos Fuego sicher alle fünf Minuten die Zucker- und Ölwirtschaft verstaatlicht und das daher wirtschaftlich und politisch instabil ist, mit im Stundentakt folgenden Militärputschen.

Hat zwar alles nichts mit Taiwan zu tun, aber wer den Wechselkurs bestimmt, hat natürlich Recht. Und der war im übrigen in der benachbarten Deutschen Bank noch schlechter, wo der Bankangestellte mir erst den Kurs für thailändische Baht sagte.

Die spinnen, die Deutschen, würde Obelix sage.

Kurzversion des Artikels: Das Herz der Banker ist ein schwarzes Loch, sofern nicht wegrationalisiert. Taiwandollar tauscht man besser in Taiwan um.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das ist übrigens nicht nur bei TWD so. Auch Yen haben so einen schlechten Kurs.

Bargeld tauschen in Deutschland würde ich bei keiner Währung machen. Vielleicht noch bei GPB, aber das war’s auch. In Deutschland wird da wirklich unglaublich abgezockt.

Martin hat gesagt…

Tja, meine Tochter ging mit ihrem Sparschwein zur Deutschen Bank. Ein Kind mit Sparschwein - ich glaube denen hat es gegraust. Damit wollen die nichts mehr zu tun haben. No chance. Zumindest bei der Deutschen Bank. Die Volksbank macht das noch. Jetzt hat sie eben ein Sparbuch bei der Volksbank.
Das mit den Umtauschkosten kann ich schon nachvollziehen. Alle Leute, denen Du die TWD angeboten hast, haben so was noch nie gesehen, wissen gar nicht was Taiwan ist und wo es liegt. Die Fragen sich, wie sie überhaupt erkennen sollen ob die TWD echt sind. Auch die Brunei ist reich, aber wenn Du hinter einem Bankschalter stehst und jemand mit ausländischem Wohnsitz legt einen Stapel Scheine auf den Tisch auf denen "Brunei-Rupien" steht, was denkst Du da? Und dann hat die Bank vermutlich einen großen Aufwand. Ich vermute in Hannover kann sie die TWD kaum mehr gebrauchen weil sie kaum nachgefragt werden, müssen wohl in die Zentrale geschickt werden und werden zwischendrin noch ein paar mal gezählt, auf Formularen fortgeschrieben, gelagert bis sie irgendwo in Deutschland jemand für seinen Urlaub anfordert... USD und EUR sind hingegen weltweit gängige Währungen, wenn man die in weltweit weniger gängige umtauscht (oder umgekehrt), dann besser dort wo die "exotischere" Währung normal ist.
Das Verhalten der Banker ist natürlich zum Aufregen, ungebildet, arrogant, herablassend, Wissen nicht was der Hintergrund ist und erzählen dann halt etwas aus ihrem Weltbild, "Asien? instabil, schlechte Währung, ..." Seit ich bei der DiBa bin mache ich fast alles online und das eigentlich Gute an meiner DiBa ist, dass ich mit fast keinen Banker mehr Kontakt haben muss, und wenn wie z.B. bei der Baufinanzierung, dann sind es Leute die das (und nur das) zentral für Deutschland machen und ihr Geschäft besser verstehen.

Hättest Du angerufen und würde die Ansage kommen "dieses Gespräch wird zur Sicherung unserer Servicequalität aufgezeichnet", ich würde wetten die Banker hätten eine andere Formulierung gewählt.

"Ludigel" hat gesagt…

Na ja, er hatte sich mitten im Satz korrigiert, um es weniger arrogant klingen zu lassen. Das war ihm selber aufgefallen ;-)