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Freitag, August 29, 2014

Volvo, Volvo, Volvo

Bislang im Blog weitestgehend ausgespart, doch das große Thema für Junior

Eines der meist benutzen Wörter im Haushalt Ludigel lautet...

 
VOLVO. Weil Junior (3) wie wohl alle kleinen Jungs ein totaler Autonarr geworden ist. Nachdem er sich einst bei mir nach unserem Auto erkundigte, als ich ihn aus dem selbigen half ("Auto?") und ich den neuen Wagen als Volvo titulierte, ist bei ihm das Wort Volvo sehr dominierend im Wortschatz. "Papa kai Volvo", also "Papa fährt Volvo" kriegt fast jeder an den Kopf geworfen, der länger mit uns zu tun hat. Komme ich abends nach Hause und hole Junior von der Großmutter ab, fragt er "Volvo parkt?" und will dann manchmal näher wissen, wo genau. Das kleine orginalgetreue Automodell, das wir vom Vertragshändler bekommen haben, hat er längst beschlagnahmt und es mittlerweile trotz anderer Farbe als Volvo akzeptiert. Sieht er einen anderen Volvo der gleichen Modellreihe (XC60) ruft er aufgeregt "Volvo!", während er mich ungläubig mustert, wenn ich ein anderes Modell von Volvo als Volvo tituliere.

Meer im Navi, das sehe ich leider nur selten.

Ziehen wir uns die Schuhe an, ruft er freudig "go to Volvo!" aus, weil er sich dann auf die Ausfahrt freut. Und morgens, wenn ich schon den Wagen parat stehen habe und wir neben dem Vol... äh... Auto auf den Kindergartenbus für Junior warten, verabschiedet er sich nicht vons uns, sondern sagt "bye bye Volvo".

Bei mir selbst hatte ja der Gedanke in Taiwan einen Volvo zu fahren, auch zunächst Befremdung ausgelöst, lautet doch die Faustregel in Asien immer einen Toyota oder wenigstens einen anderen Japaner zu fahren, der Reparierbarkeit wegen. Nun, in Taipei bei uns um die Ecke gibt es eine riesige Volvo-Vertretung, da denke ich mal, wird es keine Probleme geben. Sonst rollt der von meiner Gattin (dem ADAC-Crashtest halber) unbedingt gewollte Schwede (entgegen aller Unkenrufe hat der Wagen mit China nichts zu tun, sondern wurde noch unter Ford-Regie bei Ford Köln von Ford, Mazda und Volvo-Ingenieuren entwickelt und in Belgien aus wohl schwedischen Teilen gebaut) ganz und gar unproblematisch von A nach B und sogar ausgesprochen komfortabel. Und auch mit beliebigen Kraftreserven, die freilich im dichten Taipeiverkehr nicht unbedingt notwendig sind. In Taiwan gab es ja die Basismotorisierung mit 160 PS oder so nicht, sondern erst den T5 mit 245 PS aus einem 2-Liter-Turbo. Ein toller, ruhig laufender Motor, der erst jetzt nach Deutschland kommen soll, wie ich gelesen habe und in der Presse als sparsam lanciert wird. Nun, ein Sparwunder ist der Motor nicht; meine Verbrauchsanzeige zeigt immer zwischen 11.5 und 11.8 Litern an, es sei denn ich fahre mal länger auf dem Lande, dann geht sie weiter runter, doch niedriger als 10.8 Liter Durchschnittsverbrauch geht sie selten.
Einzige Nachteile des Autos: Breite 1,89m, also glatt 10 cm breiter als mein alter Nissan X-Trail (2001er Modell / in TWN 2006er-Modell), was in Taipei schon grenzwertig ist und mich überrascht hat, hat der XC60 doch innen subjektiv weniger Platz als der eckigere X-Trail.
Und vielleicht noch die nach hinten schmal werdenden Seitenfenster, die die Sicht in den toten Winkel etwas stören. Aber dafür hat man noch eine elektr. Tote-Winkel-Hilfe...
Neu für mich waren die vielen Sensoren, die den Wagen dazu bringen, bei Spurlinienüberfahren zu surren, bei Annäherung von Mopeds vorne oder hinten oder seitlich empört zu piepen und eine Warngrafik mit dem Ort der Sensorwarnung einzublenden auf den Bildschirm. Oder eben das orange Blinken, wenn ein Auto im toten Winkel ist - was aber bei  Regen nicht immer perfekt funktioniert.

Am meisten müsste aber Junior von dem Volvo verstehen, denn auf Youtube will er immer wieder Volvo-Videos gucken. So sitzt er dann des abends neben mir am Schreibtisch und sieht auf Deutsch den Vergleich zwischen dem 2013er und dem 2014er-Modell und lauscht etwa einem spirreldünnen Testfahrer, der sich über mangelnden Seitenhalt in den (hervorragend Seitenhalt gebenden) Sitzen beschwert. "Messer nehmen und eine vertikale Ritze in den Sitz schneiden" wäre mein Tipp für ihn. Dann steckt er fest. Aber vielleicht ist der deutsche Wagen anders, meiner hat keine braunen schlangenlederartigen Lederbezüge "die zur Prada-Handtasche passen". Das wäre ja noch schöner.

Sonst habe ich das Thema Auto hier seit dem Neukauf ausgelassen, des Taiwanbildes der Deutschen halber und einschlägiger Kommentare vergangener Zeiten. Dass man mit Volvo in Asien sozusagen mit dem dicken Auto an hungernden Kindern vorbei fährt, ist sicher für viele Deutsche ein Bild, dass da in Kopf kommt. Das hat aber mit Taiwan nichts zu tun, schon eher vielleicht mit THaiLAND, aber das ist eben nicht mein Thema. Unser Auto steht mit Mitsubishi, Nissan, VW, Mercedes, BMW und x Toyotas in einer Reihe auf dem Siedlungsparkplatz - wie das in Deutschland auch der Fall wäre. Auch in Deutschland könnte man sicher auf den Volvo oder VW verzichten und das Geld an die Wohlfahrt spenden, aber das ist eine Diskussion, die ich ich ja nicht unbedingt führen muss, nur weil Taiwan wie Thailand klingt und manche Zufallsleser etwas durcheinander werfen manchmal ;-).

Den ganzen Tag höre ich jedenfalls "Volvo" und da musste er hier im Blog auch mal erwähnt werden. Auch um anzumerken, dass so ein Auto eben auch im schwülheißen Asien läuft - jedenfalls bei Kilometerstand 5.000 aktuell ;-)

Ach ja... neulich beim samstäglichen Kleinkinder-Turntreff. Eine Mutter und ihr Sohn neben uns reden andauernd "Volvo....Volvo....Volvo" und ich gucke hin... und richtig. Der kleine Junge hatte auch so ein silbernes XC60-Modell vom Autohändler in der Hand.

Mittwoch, August 13, 2014

Junior, Scharmbolzen

Vater und Sohn denken offenbar manchmal in ähnlichen Bahnen

Ein neues Zitat bleibt mir dieser Tage von Junior im Kopf. Es lautet "I want Xiaojie, water, nass" in einem kreativen Mandarin-Englisch-Deutsch - Mix. Xiaojie ist dabei das taiwanische Wort für "junge Frau". "Das wollen wir alle", entgegnete ich ihm. Junior sprach aber nicht über T-Shirt-nass - Wettbewerbe an Strandmeilen, sondern wollte noch einmal ein Video von Kylie Minogue sehen, bei dem sie ihn einen Pool springt, was ihn ungeheuer fasziniert hat. Wir müssen mal mit ihm baden gehen - bislang war er nur in den Wellen an der Pazifikküste Taiwans und nur ein einziges Mal, was er nicht so toll fand. Jedenfalls fand er es interessanter Frau Minogue beim Gleiten in das Wasser zuzusehen.

Junior konzentriert hinterm Steuer

Verblüffung löste Junior neulich im Miramar Einkaufzentrum aus, hier in NeiHu. Das Ding wird abends zur Vergnügungsmeile mit seinem "Food Court" mit zig Essens-, Tee-, Eis- und Dessertständen und einem (nicht glücksspielhaften) Spielautomatensalon auf dem Dach nebst Riesenrad, Karussell und Livemusik. Als Junior (3) nun bei Mama auf dem Arm am Teestand an der Theke stand und wir zusammen mit zig anderen Leuten auf einen Becher in Klarsichtplastik eingeschweisten Kalttee warteten, da betrachtete sich Junior die junge "Xiaojie" links neben ihm, mit der er auf Kopfhöhe war, so auf Mamas Arm. Um die 20, Minirock, falsche Wimpern, geschminkt, wie ortsüblich eben im sommerlichen Vergnügungszentrum. "Ni3 shi4 piao4liang jie3jie" sagte er zu ihr auf Mandarin, zu Deutsch heißt das etwa: "Du bist sehr hübsch". Wörtlich übersetzt "Du bist (eine) hübsche ältere-Schwester", wobei der schwesterliche Term auch von jüngeren Kindern für Mädchen, die älter sind als sie, angewendet wird. Das ging der jungen Dame runter wie Öl und sie musterte danach Junior, Frau und mich verblüfft. Auch Juniors Eltern standen eine Weile verblüfft da.


Ich selbst nahm mir eine Weile später ein Beispiel an Junior und machte seiner Mutter auch ein Kompliment, sie war ja immerhin den Tag beim Friseur gewesen ;-)
Die Damenwelt unterteilte sich übrigens strikt in die HotPans oder Minirock - Fraktion, mit den Abspaltungen der Ultraminis und der Pobackenunterseite-vorzeigendenden Hotpansfraktion. Gott sei Dank nur bei den Damen. Auch meine Gattin hatte kurze Hosen an und als ich mich empirisch einmal umsah, ob ich nur eine einzige junge Frau in langen Hosen finden würde, gelang mir das nicht. Einmal dachte ich es schon, machte sogar ein Beweisfoto, aber die vermeintliche Hosenträgern entpuppte sich als junger Mann in Spandexhose. Wenn Junior in diesem Umfeld in folgenden Jahren weiter so Komplimente verteilt, man kann nur furchtsam der Dinge harren, die da kommen.

Fotos einfach mit einer CASIO-Kompaktkamera (digital, Z11) aus freier Hand gemacht.

Mittwoch, Juli 02, 2014

Szenenapplaus für Junior

Vorsicht Kindergeschichte!

Junior wurde dieser Tage in einer sonntäglichen Spaß-Turngruppe in Taipei einquartiert, um besser auf Gerüste zu klettern, was sie im Kindergarten um die Ecke angemahnt haben. Gefühlt 17jährige Taiwanerin gibt tollen Animationsunterricht für Junior und ich habe schon wieder ein neues Stadtviertel mit Nobelwohnblocks gefunden, keine 10 Minuten von uns entfernt. Viel Beton, aber mit breiten Bürgersteigen und Brunnen etc. Das neue Taipei eben, das die alten Schlichtbauten (wo ich wohne) in Windeseile verdrängt.

Jedenfalls waren in der Gruppe sonst noch 3 Mädchen außer Junior, auch so 2-3 Jahre alt. Am Ende holt dann die Erzieherin eine große Puppe, so eine Art Pumuckl raus, die die Kinder zur Verabschiedung umarmen und abknutschen sollen. Alle anderen Kinder (immerhin 3) knutschen die Puppe ab. Als Junior an der Reihe ist, greift er sich einfach die neben ihm stehende Dreijährige und gibt der einen Kuss.

Spontaner Applaus für Junior von den anderen Eltern ;-)

Zu Hause hatten wir dann noch eine DVD von dem Turnladen mit der Puppe auf dem Cover. Ich frage Junior "Und... hast Du die Puppe geküsst?". Musste noch ein "Kiss Kiss that one?" nachschieben und auf die Puppe zeigen, denn Englisch klappt bei ihm meist besser.

"No.... kiss Mädchen!" antwortet er spontan.

Donnerstag, Dezember 12, 2013

Kinderzahnarzt revisited

Mit E.T. und Darth Vader im Wartezimmer

Taiwanische Zahnärzte haben ja oft einen umgebauten Supermarkt oder dergleichen als Praxis, man sieht durch die Schaufensterscheiben keine Getränkekisten oder Reissäcke, sondern Behandlungsstühle. Privatsphäre gibt es selten, meist kann zumindest der Leidensgenosse im Nachbarstuhl sehen was vor sich geht oder gar die ganze Straße. Auf seine gesetzliche Krankenversicherung, die hier jeder haben sollte und die auch fast jeder hat, kriegt man alle Vierteljahr einen Gratischeck.

Räumlich ganz anders ist es freilich bei Dr. Tchaou. In Dr. Tchaou's Dental Clinic For Children (http://www.happyteeth.com.tw/about01.html) sorgt dieser nette Herr hinter Glas dafür, dass den Kindern jedwede Behandlungsängste genommen werden. Nicht alles ist in der Praxis (im westlichen Sinne, also kein Ladengeschäft) so bedrohlich wie der lebensgroße Herr in der Vitrine.

Jede menge sicher sündhaft teure Star Wars - und sonstige Kinodevotionalien warten in der Praxis. Vieles ist spielbar, das sündhaft teure wie hier der grüne Meister Oberzahnarzt mit Lichtschwert ist hinter Glas.

Der Behandlungsraum hat eine Tür, ist also hermetisch abgeschlossen vom Wartezimmer. Nur dieser zweite Behandlungsplatz, der aber offenbar nie benutzt wird, wäre mit verrenktem Kopf vom abknickenden Wartezimmer aus einsehbar. Das Wartezimmer ist ein richtiges Kinderparadies mit X Stofftieren, Spielzeugautos und allerlei anderem Zeug.

Der Frontdesk ist in Form eines Piratenschiffs gestaltet, hier im Hintergrund zu sehen. Ein etwa hundegroßer Saurier (den Junior als "Wau-Wau" titulierte) lädt zum Spielen ein.

Erst dachte ich, die Behandlung sei hier sehr teuer, weil meine Frau anfangs mehrere Tausender (Taiwandollar: 1000 NT sind etwa 20 Euro) hingeblättert hatte. Aber das war eine optionale Zusatzbehandlung, die die Kasse nicht übernimmt. Eine Zahnschmelzversiegelung, wenn ich das richtig verstanden habe. Ansonsten zahlt man hier nur die Praxisgebühr, wenn die Kasse die Leistung trägt. Die Praxisgebühr beträgt jetzt wohl bei Fachärzten 200 NT beträgt, sonst 150 NT (denke ich).

Zahnersatz zahlt man in Taiwan selbst, ich weiß gar nicht, wie das jetzt in Deutschland ist. Dr. Tchaou hat in den USA studiert, sagte meine Frau, kommuniziert mit uns (will sagen Frau) auf Chinesisch.

Kinder werden sehr nett und schonend behandelt. Als Junior dann auf einer Art Gummiliege lag und seine Beißerchen angeguckt bekam, ging sein Blick automatisch hoch zur Glasvitrine...

 Da wirkt so ein Zahnarzt sicher vergleichsweise harmlos und die Kinder können bei diesen (Action-Man-großen) Figuren entspannen. Und sich sagen...

...MIR geht es vergleichsweise gut. Das arme Alien hier im Bild hat ja gleich den halben Kopf verloren.

Donnerstag, August 22, 2013

Horror-Schwelle und Krankenhaus

In taiwanischen Wohnungen und Häusern hat man immer wieder diese hohen Stolperschwellen in den Badezimmertüren und manchmal auch Küchentüren: Handhoch teilweise und gemauert und gefliest. Sollen dazu dienen, Überschwemmungen im Badezimmer nicht in die Restwohnung sickern zu lassen. Und weil viele taiwanische Badezimmer keine Wanne oder Duschkabine haben, sondern nur eine Handbrause, setzt man da schnell das Bad unter Wasser - es hat aber einen Abfluss und den Rest regelt die Stolperschwelle.



Hier ist die Badezimmertür geschlossen. Besonders tückisch ist das zum Stolpern wenn sie offen ist, weil man dann freien Blick auf das Ziel hat und oft zu schnell ins Bad eintreten will. Hier im Foto ist die Schwelle schon mit Gummistreifen gesichert, was bis gestern Abend nicht der Fall war. Unser Junior (knapp 2 Jahre alt) hat es nämlich fertig gebracht, nicht wie ich über die Schwelle zu stolpern sondern vor der Schwelle umzufallen. Und ist dann mit dem Kopf auf die harte Schwelle aufgeschlagen, als Schwiegermutter im Bad war und die Türe offen war. Das gab eine aufgeplatzte Stirn, blutete wie sonst was und Junior musste im Krankenhaus genäht werden - das Geschrei konnte ich bis vorne zum Eingang der Notaufnahme hören als ich mit Frau angerast kam, Abends zum 22 Uhr direkt aus dem Büro, wir sind halt Taiwaner (Schwiegermutter, die ihn betreut hatte, war mit ihm schon drin beim Nähen). Einen kleinen Schreck bekamen wir, als Junior beim Nähen plötzlich zwei dicke Blutklumpen hervor würgte. Allerdings erklärte Schwiegermutter gleich, er habe Blut geschluckt, da beruhigte sich auch der Arzt wieder, der sichtbar zusammengezuckt war, als Junior plötzlich Blut hervor würgte. Kennt man ja aus dem Western: Blut spucken ist eigentlich eine schlechte Idee.

Doch kaum war Junior genäht, hatte er alles vergessen und wollte schon wieder mit meinem Handy spielen, so als sei nichts gewesen. Wenn ich mir überlege, was da alles hätte passieren können...


***


Kuriose Randnotiz: Während ich in der Notaufnahme wartete, fiel mein Blick auf eine kleine Kammer, in der ein Polizist Papiere ausfüllte, sicher einen Unfallbericht. In der kleinen Kammer mit Besenkammercharakter sitzt er vorne über gebeugt über den kleinen Schreibtisch und über ihm prangen die Worte: "Voyage de la France" mit einem Pfeil nach rechts, in die Ecke der Kammer. Schade, das wäre ein nettes Foto gewesen, aber man fotografiert natürlich keinen Polizisten in der Notaufnahme. Daher sei es hier verbal wiedergegeben. Später habe ich nachgesehen, rechts in der Ecke der Kammer war tatsächlich ein Eifelturm aufgemalt. In einer taiwanischen Notaufnahme, wo wohl fast niemand Französisch spricht, wirkt das schon sehr kurios.
Frau hatte sich mit einer Inderin unterhalten, die erst 18 Monate in Taiwan war und schon perfekt Mandarin sprach. Meine Aufenthaltsdauer war da auch gleich das große Thema ;-)



Dienstag, Juni 04, 2013

Junior tanzt

Ein ferngesteuertes Spielzeugauto made in China, eine etwas merkwürdige Konstruktion, die Räder an endlosen spreizbaren Stelzen. Es gibt auf Knopfdruck Technobeats von sich und kann sich so schnell im Kreise drehen, dass es vor den Augen verschwimmt, genau wie hier im Bild.


Der Spaß dauert freilich nur 10 Minuten, dann sind die Batterien alle.

Junior empfindet es allerdings eher als störend, wenn ich mit dem Ding rumsause. Er holt das Auto dann immer zurück, nimmt mir die Fernbedienung ab, drückt auf den Musikknopf und tanzt zu dem blinkenden Ding, das dabei leicht auf und ab wippt. Spart auch Batterien.

Schon erstaunlich, wie das Ding Pirouetten dreht. Besser als das naturgetreu aussehende Sturmgewehr neulich, das bei Betätigen des Abzugs kommunistisch-patriotische Lieder sang. Auch aus der VR-China natürlich. Weil sich der ultralaute Gesang nicht regulieren ließ, wanderte es gleich in den Müll. Meine Taiwanfamilie freilich kicherte über die von strenger weiblicher Stimme vorgetragenen Revolutionsgeänge. Schon kurios, ein kapitalistisches China baut kommunistische Gesänge in Plastikgewehre ein...

Montag, März 18, 2013

Mach das nicht mehr wenn Du Zwanzig bist...

Gestern Abend um 22 Uhr. Mein Junior hat längst die Angewohnheit der Mutter übernommen, mir irgendwelche vorgefundenen Fussel in die Hand zu drücken, damit ich sie entsorge. Und das mit gerade mal einem Jahr! Gestern Abend dann, er findet etwas an seinen Füßchen, fummelt es ab und ....

Siehe Titel.


Weitere Junior-Kurznotiz:

Beinahe Neffe "De-de" wunderte sich unlängst, dass Junior auf seinem neuen MP3-Player (mit Lautsprecherlein statt mit Kopfhörer) so viel Blues drauf hat. Na immerhin hören wir die Mucke zusammen. Und kann nie schaden, sich frühzeitig auf das harte Leben vorzubereiten.

Mein Hemd kam nicht aus der Reinigung.
Dann fing es auch an zu regnen.
Mein Auto ging kaputt, mein Hund hat mich gebissen.
Meine Frau ist mit dem Gasmann ausgebüchst,
Der Whisky im Schrank ist alle...

Etc. pp. Wie das eben so ist.




Montag, Februar 25, 2013

Babytuive Benutzeroberfläche

 Mein altes Motorola KZRZ oder wie das Ding heißt mit Tchibokarte für Deutschlandreisen. Konnte die Karte freilich nie benutzen, weil die Tchibo-§$%§$§§$$§§ mein Guthaben von 10 Euro sofort ohne Gegenleistung beschlagnahmt und die Karte gesperrt haben, wegen Nichtbenutzung im Jahre 2011. Man muss die Welt vor Tchibo warnen. Haben die eigentlich noch Kaffeebohnen im Kaffee? Oder der Tchibomann klingelt an der Haustür und beschlagnahmt die Kaffeepackung, wenn sie den gekauften Kaffee nicht sofort verwenden.


Junior hat am Wochenende mal wieder mein altes Motorola Klapphandy (welches ich immer noch als Smartphoneverweigerer benutze) als Spielzeug entdeckt, schließlich hatte ich es leichtfertigerweise an seinem Laufstall aus der Tasche gezogen, um damit kurz die Emails zu lesen, weil ein Computer gerade nicht greifbar war. Der Stress einer Datenverbindung war dem alten Klapphandy auch anzumerken - sofort sprang die Akkuladung auf 2/3, solche schwierigen Sachen regen das Handy immer so auf. Junior forderte dann mit ausgestrecktem Finger und fragenden (Aaaaah? Aaaaah?) Lauten das Handy ein. Verblüfft war ich, was er damit anstellte. Es gelang ihm nämlich zwei vernüftige Audiodateien anzulegen, als er brabbelnd und Tasten drückend damit herum lief, die ich auch aufheben werde, klingt doch sein erfreutes Kichern und Brabbeln ausgesprochen witzig. Außerdem schaffte er es verblüffenderweise, eine alte Audioaufnahme mit seinem Babygeschrei zu finden und abzuspielen - bestimmt schon ein halbes Jahr her oder länger. Das Babygeschrei versetzte ihn dann richtig in Verzückung, er lief strahlend und lachend mit dem schreienden Handy durch die Gegend und imitierte dann sein eigenes altes Babygeschrei. Was ihm ziemlich gut gelang - ist ja auch noch nicht so lange her. Schon verblüffend, wie er scheinbar zielsicher die Menüs bediente und diesmal deutlich sinnvollere Sachen machte mit seinem einen Lebensjahr als noch vor ein paar Wochen. Sicher ziellos gedrückt, aber eben immer wieder durch die Menüs gesurft - verblüffend. Als das Handy dann auch noch seine piepsende Batteriewarnung dazu spielte war Junior überglücklich und hat jetzt das Handy endgültig als optimales Spielzeug verbucht. Mit deutschem Sicherheitsdenken weiß ich natürlich, dass das wegen der Strahlung nicht gerade das ideale Spielzeug ist; allzu oft wird es also nicht vorkommen. Auch weil er Mamas Handy schon mal an der Trageschlaufe wie ein Lasso über dem Kopf geschwungen hat und dann hat fliegen lassen - Plexiglasbruch.
Auch sonst ist er viel aufmerksamer geworden; bei einer Folge vom "Mickymaus Klubhaus" auf DVD fing er fast an zu weinen, als der dicke fette Riese den Zufluss des Fischteichs blockierte durch seinen Mittagsschlaf. Wir haben diese Horrorstelle dann gemeinsam überstanden, er teilweise das Gesicht an meiner Schulter vergraben und ich ihm gut zuredend. Als Micky den Riesen mit einem Kochtopf geweckt hat, der reinste Horror für Junior!


Montag, Februar 18, 2013

Magen? Hase!

Während des chinesischen Neujahrs hatte ich endlich einmal ausgiebig Zeit für Junior. Noch in seinem Kinderstuhl sitzend wollte ich ihm das Wort "Hase" beibringen und zeigte auf ein Naturlehrbuch und die mangaartige Darstellung eines Hasen. "Hase!" sagte ich immer wieder doch Junior sagte daraufhin "Magen!" und sah mich stolz und glücklich an. Wo hat er nur das Wort "Magen" her, frage ich mich. Er wächst ja in einem chinesischsprachigen Haushalt auf, wo er mitkriegt wenn Frau und ich Englisch sprechen und Deutsch kann nur von mir kommen, aber so viel über Magenprobleme hatte ich doch nicht geredet, oder? Ich machte mit den Händen eine Geste um Hasenohren anzudeuten und sagte noch ein paar Mal "Hase".
Junior schien das zu akzeptieren so weit. Als ich jedoch am Weggehen war, sah er mich fragend an, legte beide Hände an den Kopf, meine Hasenohrengeste imitierend und fragte mich: "Magen?"


Ein linguistisches Glanzstück gelang ihm jedoch beim Arzt, als er wegen seiner Erkältung im Wartezimmer saß mit uns, bei Mama auf dem Schoß und ganz fasziniert auf die Straße mit ihren vorbei fahrenden Autos guckte. Er drehte zu meiner Verblüffung mit seiner Hand meinen Kopf zur Fensterscheibe hin und sagte dabei: "Magen!"
"Hase?" fragte ich zurück und suchte die Scheibe und die Straße ab, ob irgendwo etwas hasenartiges sei, da mitten im städtischen NeiHu in Taipei, wo nirgends Grün zu finden ist. War aber nicht. Junior schob meinen Kopf immer wieder energisch zum Fenster hin, ich konnte ihn gar nicht ansehen und wechselte dann auf das Wort "Auge", das er kürzlich gelernt hatte. Als ich immer noch nicht verstand, berührte er sogar mein Auge und zeigte dann aufgeregt auf das Fenster, wo ihn offensichtlich die vorbeifahrenden Autos in den Bann schlugen. "Auge! Auge!". Kein Zweifel, er wollte, dass ich ein Blick auf die Straße warf und weil er "guck mal" noch nicht kannte verwendete er das nächstliegende Wort. Verblüffend, dass ihm überhaupt der Zusammenhang zwischen Gucken und Auge geläufig ist, mit knapp über einem Jahr.
Frau war sich später sicher und stellte fest, Junior müsse offensichtlich ihre Intelligenz haben (und nicht etwa meine).

Freitag, Januar 11, 2013

Windelturm zu Taiwan

Ein Blick in die Abstellkammer in meiner alten Wohnung, auch noch beim Umzug, so dass ich die Unordnung darauf schieben kann. Auch wenn Abstellkammern natürlich immer irgendwie voll mit Zeug sind, das kreuz und quer liegt.

Zu erkennen ist hinten der Windeltum für unseren Junior und seine schon etwas abgetragene Fortsetzung im Vordergrund. Dieser Massenkauf von Windeln war damals dadurch ausgelöst worden, dass ist Japan angeblich eine Zulieferfabrik für Pampers Japan abgebrannt war. Denn in Taiwan kauft man Pampers entweder made in China oder made in Japan; teurer. So herrschte bei Costco eine regelrechte Massenhysterie aus jungen Vätern und Müttern, mitten drunter meine fast ebenso junge Wenigkeit, die alle hysterisch (ich natürlich ruhig und gelassen neben meiner "Windeln! Windeln!" kreischenden Frau) nach Pampers und Substitutprodulten Ausschau hielten. Angeblich sollte durch den Brand ein "momentanter Engpass" ausgelöst werden, um in den alten DDR-Jargon zu verfallen. Meine Frau verlangte sogar, meine Eltern sollten für unseren Besuch Mitte 2013 schon mal Windeln kaufen, damals im September 2012. Ich versicherte ihr, dass Procter and Gamble schon irgendwie Zellstoff in Europa kriegen wird und diesen bestimmt nicht aus Japan kauft. So ganz glauben wollte sie es nicht, 2012 hat sie sogar japanische Pampers nach Deutschland importiert, weil sie Sorge hatte, die deutschen Pampers kämen aus China (kommen sie nicht, kommen aus Deutschland). So ganz verstehe ich die Aufregung nicht, aber Junior weiß ja etwas anzufangen mit den Dingern. Wir haben schon Windeln in den Größen S, M und L da gestapelt gehabt, XL wäre dann der Konfirmationsanzug, aber den braucht er im buddhistischen Taiwan nicht.

Donnerstag, Januar 10, 2013

97%

Mein Sohnemann war ja eine Frühgeburt, im Juli 2011 gekommen, wo der Geburtstermin erst im September hätte sein sollen. Trotzdem hat er sich prima rausgemacht, bei der Routineuntersuchung im "3-Dienste-Krankenhaus" in NeiHu (eigentlich "3-Waffengattungen-Krankenhaus", ist nämlich ein Militärkrankenhaus) wurde seine Größe mit 97% ermittelt, was bedeutet, dass 97% der kleinen Taiwaner [Korrektur: der kleinen Weltenbürger!!!] in seinem Alter (wohl ab September gezählt) kleiner sind als er. Mit dem Gewicht liegt er bei 50%.
Meine Frau hat ihn gleich für eine "NBA"-Karriere vorgesehen, also als professionellen Basketballspieler in den USA. Sie schaut entschieden zu viel von den Berichten über den taiwanstämmigen Basketballspieler "Jeremy Lin" (Dauerbrenner im TV hier) und fiebert neuerdings mit den "Rockets" mit.

Jeremy Lin inspieriert die Taiwaner sogar zur Neuschöpfung englischer Wörter, etwa "to linspire" (l-inspirieren) und "linteresting" (l-interessant).

Na ja, mein Junior hat einen Vornamen mit L, aber das ist reiner Zufall. Nein, er heißt nicht Ludigel-Jr..

++++++++++ Überflüssiger Kommentar zur deutschen Tagespolitik +++++++++++++
Ludigel schlägt der SPD vor: Wolwereit muss SPD-Kanzlerkandidat werden, mit Steinbrück (dem die Kanzlerknete nicht reicht!) geht das nicht mehr weiter. Am Ende würde der Peer noch die Schweiz angreifen, ums sein Salär mit Kriegsbeute aufzustocken. Drei Rolex und vier Tudors and fünf Tissots an den Armen hinterher. Aber auch um die Merkel muss sich die SPD kümmern, ihr vielleicht Beruhigungspillen schicken, damit sie sich bei den SPD-Kandidaten nicht totlacht ausversehen...

Nicht, dass die SPD mit Wolwereit 97% kriegen würde bei der Wahl.... Also nicht missverstehen
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Montag, Dezember 03, 2012

Haubau! (Juniors Linguistik)

Warnung: Elterliche Begeisterung führt zu solchen Postings. Kinderlose sollte es nicht lesen. Sonst droht Langeweileparalyse. Ernsthaft.
Völlig verblüfft war meine Frau, als unser knapp über einem Jahr alter Junior neulich "Haubau" sagte. Denn er sprach es zwar klar und deutlich, aber niemand hatte eine Ahnung, was das bedeutete. Wie "Hausbau", nur ohne "s". Schuld war wohl ich, ich hatte seine Bauklötze als solche benannt und er wollte wohl das Wort nachsprechen. "Hau" (hao) bedeutet auf Chinesisch ja auch "gut" und "bau" (bao) hat er schon lange als sein selbstgeschaffenes Wort für "Spielen", was wohl eigentlich ein chinesisches Wort für "abklatschen" in der Babysprache ist oder dergleichen. Vom ersten richtigen deutschen Wort sind wir also noch etwas entfernt, aber fast hätten wir es gestern Abend doch noch geschafft. Junior versuchte nämlich "Haare" nachzusprechen, machte allerdings ein horrorfilmmäßiges Stöhnen "Haaaaaarrrrrrrrrrrrrrrr" oder gar "Haaaaaaachchchchchch" mit langgezogenem kehligen "ch" davon und amüsierte sich dabei köstlich.

Schon interessant diese Multisprachentwicklung bei ihm zu beobachten. Ich rede ja Deutsch mit ihm, seine Mutter Mandarin-Chinesisch und seine Großmutter zwar meist Mandarin, manchmal aber wohl auch Taiwanisch (Hoklo genannt) mit ihm. Und Englisch soll er über die Cartoons mitkriegen, sagt meine Frau. Na kein Wunder, dass seine Lache in der letzten Zeit so dreckig klingt, insbesondere wenn er mir mit seinen Bauklötzen eines übergezogen hat. In der Tat zeigten die Cartoons Wirkung, er fing neulich plötzlich an jeden, der ins Zimmer kam, mit "Hi" zu begrüßen, auch wenn er Schwiegermutter weit weg durch die Küchentür sah. Wahrscheinlich weil in den Mickymouse-DVDs, die ich gekauft habe, jeder der ins Micky-Klubhaus kommt, "Hi" sagt.

Auf Mandarin konnte er schon "nan" (schwer), hat es aber offenbar wieder vergessen, zur Zeit kann er "bujao" (brauche ich nicht) und kann damit etwa antworten, dass er keine zweite Flasche Milch will. Und eine "bu bu bu bu" - Kaskade ist ein klares Nein, ein alleinstehendes "ma" (das Mandarin-Fragewort) eine Universalfrage auch wenn man beide auf Mandarin eigentlich nicht allein benutzt. Ich bleibe bei ihm am Ball, lerne jedes Wort mit, dass er auf Mandarin gelernt hat. Neulich haben er und ich auf diese Weise "you ma?" gelernt, was "wirklich?" heißen müsste. Gegenfragen kann er jetzt also auch schon. Na, das kann ja heiter werden.

Freitag, Juli 13, 2012

Zahnarzt Dr. Toyland

Junior sollte seine erste zahnärztliche Untersuchung haben, es ist schon ein paar Monate her. Also ging es ins Zentrum von Taipei... zum privaten Kinderzahnarzt...

... hier sieht Taipei nicht barackenmäßig, sondern richtig modern großstädtisch aus, mit Bürgersteigen und breiten Straßen. Der Zahnarzt entpuppte sich als ein Nobelladen, der Tresen mit der üblichen Helferinnen-Xiaojie war ein veritables Piratenschiff aus Holz in Größe eines dänischen Fischkutters (na ja fast), dessen Bugspriet gefährlich in den Gang rakte, aber mit einem dicken Hexenhut entschärft war. Darunter eine Schatzkiste mit Dinosaurier drauf, dem eine andere Sprechstunden-Xiaojie gerade die Gummifüße richtete. Wall-E und andere gab es als funktionierende Robtotermodelle, fasziniert drückten Frau und ich auf den Tasten herum, während Junior meistens schlief.

 Im Bild hinten rechts einer der Glaskästen


Es gab noch große Glasschränke beschriftet nach den STAR WARS - Filmen mit dem ganzen teuren Fanzeug drin, richtig mit Kostüm und Lichtschwert. In einem weiteren Glaskasten war eine weibliche Gestalt zu sehen. Ich hatte erst auf ein grünes Orion-Slavegirl aus STAR TREK gehofft (Notiz an alle Physiker: bitte endlich den Warpantrieb entwickeln), zu meinem Schrecken allerdings bewegte sich die "Puppe" und fing an zahnärztliche Wattebäusche hin und hier zu schieben. Die war echt! Schnell musterte ich den Walfisch um nicht weiter aufzufallen.
Junior kam dann ins Sprechzimmer, der Zahnarzt hatte sogar graue Haare und einen grauen Piratenbart, guckte Junior in den Mund, sagte dass alles in Ordnung ist und Frau zahlte mehrere Tausender am Piratenschiff, die dann sicher in die Schatzkiste gewandert sind. Bei einem normalen Zahnarzt hätte es die Nichtbehandlung für 100 NT Praxisgebühr gegeben (ein Tausender hat etwa 25 Euro).
Wenn Junior künftig Süßes essen will, lasse ich ihn vorher erstmal in einen Gesundheitsfond einzahlen...

P.S: Die Sprechstundenhilfe aus dem Glaskasten sah mich ganz verstört an, ich hätte mir vielleicht nicht die Nase am Glas plattdrücken sollen... ;-)

Mittwoch, Februar 29, 2012

Junior rundum versorgt....

Gute Nachrichten bei uns, unser Junior hat jetzt zum taiwanischen Pass ("Republik China - Taiwan" steht drauf) auch noch seinen deutschen Pass, vielen Dank an das Deutsche Institut in Taipei und die beteiligten Behörden für die liebenswürdige und schnelle Bearbeitung.

 Altes Foto als Junior noch im Krankenhaus war, mal aus Brutkastenperspektive :-)

Und dann die noch bessere Nachricht: Das Problem, das er seit seiner Frühgeburt mit sich herumschleppte ist jetzt durch "Rauswachsen" erledigt. Sohnemann hatte wie viele Frühgeburten noch keine Trennwand zwischen den Herzkammern. Der geneigten Leserschaft mag nicht immer klar sein, was für ein famoses Ding sie da in der Brust klopfen haben: eine veritable Zweikreispumpe, die mit der einen Herzkammer frisches Blut herauspumpt und mit der anderen das alte wieder hineinsaugt, wenn ich das recht verstehe.
Vor mehreren Wochen hatten wir einen Termin bei einem Kinderarzt, der bei einem Zwischencheck uns einen Zwischen"schreck" verpasste, in dem er sagte, alles sei noch offen und Junior habe ein "abnormes Herz" mit "10 mal so vielen Blutgefäßen". Da erschreckt man erst gewaltig, jedoch dachte ich dann daran, wie oft mir hier schon Fehldiagnosen der oft oberflächlichen und manchmal sinnlose Operationen liebenden Ärzte begegnet sind und wir warteten erst einmal ab, was der Herzspezialist im selben Krankenhaus dazu sagen würde (Termin wurde automatisch gemacht). Und was hat er (8 Wochen später) gesagt?

Alles in Ordnung, Herzkammern sind jetzt getrennt, kein Loch mehr drin, "alles dicht" sozuagen. Abnorm ist auch nichts, das Dingens schlägt wie neu aus der Fabrik (ist es ja auch), kein Grund zur Sorge. Sprich: das Problem hat sich komplett selbst behoben durch das Wachstum. Und das mit dem "abnorm und 10 mal so viel" war wohl nur ein laues Lüftchen im Hirn des anderen Herrn Doktors. Denn genau danach klang es.

In Taiwan sind die meisten Ärzte sehr kompetent, aber manche "are talking out of their ass", wie man im US-Slang sangen könnte. Reden vorschnell daher und machen gerne ein bisschen Drama dazu. Angeblich damit im Falle des Ablebens eines Patienten ihnen keine Schuld zugeschoben wird, sagte mal meine Frau.

Ende gut, alles gut, man muss bei Taiwanern selektiv zuhören, mein Standard-"Einheimische ignorieren"-Modus funktioniert da sehr gut. Frau wundert sich allerdings manchmal wieso ich ihr erst dann zuhöre, wenn sie mich gegen das Schienbein tritt....

Dienstag, August 02, 2011

Trauriger Tag im Militärkrankenhaus

Unserem Filius im Krankenhaus geht es gut. Der kleine Kerl war ja etwas zu früh gekommen und liegt daher noch im Brutkasten, aber alles scheint sehr gut zu laufen. Bilder will ich hier nicht zeigen, das Problem mit dem Internet ist ja die Bildersammelei von Drittseiten. Mein eigenes Bild erscheint in irgendwelchen Personensuchseiten unter falschen Adressen, falschen Webseitenangaben und falschen Berufsangaben, manchmal sind auch die Angaben korrekt, aber das Bild falsch. Personalchefs googlen sich ihre Bewerber zusammen. Wer weiß, wie in 20 Jahren ein Internetprofil aussieht, steht da neben dem Urlaubsfoto dann das Bild im Brutkasten?
Unser Sohnemann jedenfalls ist kregel, obwohl er gerechnet vom normalen Geburtstermin an noch im Minus ist altersmäßig, verblüffte er die Krankenschwester schon damit, sich selbst aus der Bauchlage auf den Rücken gedreht zu haben (soll er noch nicht können dürfen) und fällt ansonsten durch wilde in-der-Luft-Treterei im Brutkasten auf. Klar, ihm wird es darin langweilig, einen kleinen LCD-Monitor hätten sie ja wenigstens unter der Brutkastendecke anbringen können. Dazu noch MP3-Streaming, so schwierig kann das doch nicht sein.
Toll hat sich seine Nachbarin etwickelt, kam zur selben Zeit wie er, war allerdings eine Schwangerschaftswoche weiter und hat in Windeseile Gewicht zugelegt und ist jetzt schon ein richtig propperer Säugling und kann bald nach Hause. Wir haben uns mit den Eltern sehr gefreut und ihr Töchterlein bewundert. Bei den Mädchen ist es immer leichter, sagte unser Arzt.

Traurig war es dann, als der Nachbarbrutkasten wieder neu belegt wurde. Vorgestern erhaschte ich noch einen Blick auf den Brutkastennachbarn, war dann schon in Sorge, als laufend Alarme auf dem Monitor piepten und die Schwestern heran rasten. Als meine Frau dann am Folgetag zu Besuch war, ist der kleine Nachbar (auch ein Junge) leider verstorben, als die Eltern dabei standen. Meine Frau kam weinend aus der Station, ich hatte wegen Erkältung draußen gewartet und als sie mir erzählte, war ich so verdattert, das ich Probleme hatte, den Wagen vom Parkplatz zu fahren. Der Brustkastennachbar war noch deutlich früher geboren, das ist leider gefährlicher - auch wenn die Überlebensquote auf der Station bei Frühgeburten fast 100 Prozent beträgt, wie uns unser Arzt sagte. Wir hatten gehofft das Wörtchen "fast" nicht so erleben zu müssen.
Freude und Leid eng beieinander, das fiel mir schon auf, als ich mich am frühen Morgen des 01.07. über meinen eigenen Sohn freute, der schreiend und strampelnd geboren wurde, so dass mir schon klar war, dass mit ihm wohl alles okay war. Am selben Infotisch in der Pediatrie  saß tags drauf eine Frau, auch Ärzte und Schwestern um sie herum wie bei mir - und weinte, eben da, wo ich mich eben noch gefreut hatte.

Da ist man im Nachhinein doppelt froh, das alles gut gegangen ist und fühlt mit den Eltern, die diesen grausamen Verlust erlitten haben.