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Freitag, Dezember 23, 2011

Selbstmorddrama im Veteranenviertel

Die Umgebung ist hier auf Fotos zu sehen: http://bobhonest.blogspot.com/2010/06/neihu-international-beauty.html

Schon öfter erzählte mir meine Frau, eine Frau aus dem Mietshause wo ihre Mutter wohnt, bei der auch Frau und unser kürzlich geborener Junior aus praktischen Gründen gerade logieren (nur ein paar Meter weg von meiner Wohnung), habe durch das Haus schreiend mit  Selbstmord gedroht. "Die Philippa?" fragte ich sofort sorgenvoll, an die nette junge Frau denkend, die im sechsten Stock arbeitet als Dienstmädchen eines alten Rollstuhlfahrers und sicher ein Horrorleben aus 16 Stunden Arbeit und schlechtem Essen und wenig Geld hat. "Nein aus China", sagte meine Frau da. Sofort stellte ich mir ein Ehedrama mit aus der Volksrepublik importierter Katalogfrau und sie hassenden Schwiegereltern vor, was wir Deutschen halt immer so denken, wenn wir von asiatischen Frauen hören. Obwohl, da gibt es hier ja eher viele von.
"Nein aus Taiwan", sagte sie. Also eine Chinesin aus Taiwan. Hatte eine Identitätskrise am Ende zum angedrohten Selbstmord geführt? "Also eine Chinesin, die in Taiwan lebt?", fragte ich sofort und meine Frau verlor langsam den Faden ihrer Geschichte.

"NEIN EINE  T A I W A N E R I N !!!!"

 "Ach so." Sehen Sie liebe Leser, wenn man nachbohrt, löst sich das taiwanische Identitätsproblem sofort in Luft auf.

"Sie saß bei 10A und wollte vom Dach springen", erzählte meine Frau weiter. Das beunruhigte mich sofort ungemein, denn das Haus hat nur 7 Stockwerke. Wie springt man da vom 10A-ten? Jedenfalls hatte meine Frau ihr nahegelegt, doch ein anderes Haus für den Selbstmord zu wählen, schließlich würden sonst die Preise der Eigentumswohnungen fallen. Hat sie auch wieder recht. Und als wir dann nach dem Essen beim Italiener an der Ecke, wo das Gespräch stattfand, wieder vor ihrem Haus standen, da bin ich vor Kichern fast umgefallen (der Magen braucht schließlich Sauerstoff zum verdauen). "10A" ist nämlich die Gebäudenummer (nicht die Hausnummer, das schafft immer wieder Verwirrung, auch wenn bislang noch niemand deswegen Selbstmord machen wollte) und steht auf ein kleines Vordach gepinselt direkt über dem Hauseingang. Die junge Dame, die übrigens aus dem siebten Stock stammt (aha!) und einäugig ist, sagte meine Frau (autsch!), sei aus dem Null-Komma-Fünften Stock (also die erste Treppe hoch halb auf dem Weg ins 1OG) aus dem Fenster, durch die Blumenkästen und die Flagge der Republik China (alias Taiwan) auf das Vordach geklettert und habe dort gesessen und gedroht zu springen. Nachdenklich beäugte ich die Höhe von etwas über 2.50m und stellte mir vor, wie viel Luft noch unter den Füßen wäre, um den Selbstmord zu realisieren. Man hätte sie bequem unter den Fußsohlen kitzeln können, um sie von ihrem Tun abzubringen.

"Und du hast die Polizei und Feuerwehr gerufen?", fragte ich verwirrt.

Die war auch gekommen und die junge einäugige zwanzigjährige Taiwanerin entschwand prompt, einen Menschenauflauf und sich am Kopf kratzende taiwanische Polizisten und Feuerwehrleute zurück lassend. Allerdings gesellte sie sich später zu den Schaulustigen, bis meine Frau auf sie zeigte und schrie "die da!". Da lief die junge Frau weg, die Polizei und die Feuerwehr hinterher. Das muss ein richtiger Spaß gewesen sein.

Schließlich betrieb ich noch ein bisschen Ursachenforschung. Ja, sie hat wohl psychische Probleme. Nein, ihre Familie wird ihr nicht helfen, sagte meine Frau.

"Warum nicht?"

"Ihre Familie ist auch geisteskrank", sagte meine Frau. Papa ist 1.45m Meter kurz und guckt immer grimmig aus der Wäsche, will nicht zu anderen in den Fahrstuhl steigen und sticht anderen Mietern mit dem Messer die Reifen kaputt, auch uns einmal. Und früher hat er als Mitfahrer bei Schwiegervater immer Panikanfälle im Auto bekommen, obwohl Schwiegervater ganz langsam gefahren ist und sich auf ruhiger Strecke vor Panik stammelnd in den Rücksitz gekrallt.

Am nächsten Tag rief Frau wieder an, die junge Frau aus dem siebten Stock schlug jetzt mit einer fast leeren Cola-Zero-Zweiliterflasche (davon soll man auch nicht so viel trinken) auf Haustüren ein, das Corpus Delikti lag noch im Treppenhaus als ich kam.

Wir brauchen definitiv Ruhe im Haus und professionelle Hilfe wird die Dame nicht bekommen. Wer von den Lesern ist noch unbeweibt und möchte eine nette junge Asiatin kennenlernen? Interessenten melden sich bitte unten in den Kommentaren.

Gutes Schuhwerk ist beim ersten Date Pflicht. Und ich bleibe unten bei Frau im dritten Stock stehen, hoch in den siebten müssen Sie allein. Da traut sich sonst niemand hoch. Wozu das feste Schuhwerk? Hinterher wenn Sie die Treppe wieder runter gerast kommen, sie sich würgend an ihren Rücken gekrallt hat und der kleine Vater mit dem Messer auf die Füße einsticht....

Kommentare:

Miri hat gesagt…

Ihr und Euer Taiwahn... ;-) Das Päckchen wird übrigens gleich von mir auf die Reise geschickt. Ist auch ne Kleinigkeit für Dich und S. dabei. Das mit dem Päckchen Verschicken kann ich dann übrigens gleich schon mal für weitere zusätzliche zukünftige Paketverschickungen üben. Zu Weihnachten kommt guter Kumpel aus nem Nachbarbundesland zu Besuch. Es reicht ihm nicht, ins Nachbarbundesland gezogen zu sein, nein, er zieht Anfang des Jahres nach Übersee, um auf Tantchens Farm zu leben, dort zu arbeiten und "ansonsten nur noch Musik zu machen und irgend was zu schreiben". Zum Abschied hat er noch ne CD (finanziert von Tantchen und in extremst begrenzter Stückzahl)aufgenommen (zusammen mit ein paar gemeins. Freunden, die in ihrer Freizeit auch gerne Musik machen). Er wird uns eine Liste dalassen mit Dingen, die er gerne mal ab und zu zugeschickt bekommen möchte. "Viel lieber wäre es ihm allerdings, wenn wir ihn besuchen würden." Ich liebe diesen Spruch so langsam... ;-( Also bald noch jmd. so weit weg... :-( Er ist übrigens nach sehr langer Ehe geschieden; die Ex-Frau ist "witzigerweise" mit nem anderen Kumpel von mir befreundet, der sie über seine Ex-Freundin (eine Schauspielerin) kennt. Und wir stellen so langsam etwas fest:Unser aller Erlebnisse gleichen mitunter einem Woody-Allen-Film. ;-) Für ne Sekunde überlegte ich eben sogar, ob man vlt. die Taiwanesin und den Auswanderer verkuppeln sollte... ;-) Na ja, lieber nicht... Die Arme. :-( Hofftl. findet sie professionelle Hilfe.:-( Habe neulich miterleben müssen, dass eine Freundin in die geschlossene Psychatrie eingewiesen worden war. Zum Glück haben wir sie (und sie sich selbst, weil sie gekämpft hat) dort sehr schnell rausbekommen. Aber es war der pure Horror miterleben zu müssen, dass sie physisch da war uns aber zunehmend psychisch entglitt. Als würde sie sich auf eine ferne Reise begeben. Aber wie bei einer Demenz, nicht wie bei einer "echten" Reise irgendwo ans Ende der Welt. Nur ist sie ein sehr junger Mensch. Jetzt ist sie zum Glück psychisch voll wieder da und wir freuen uns mit ihr zusammen auf Weihnachten. Und wenn man so was erlebt (es zerreißt einem fast das Herz, man merkt wie einem die Tränen das Gesicht runterlaufen und man nichts dagegen tun kann, während man den Menschen in den Arm nimmt und ihn bittet "Zurückzukommen", ihn bittet zu glauben, dass er sich bestimmte Dinge nur einbildet), dann denkt man sich, dass Ihr ruhig alle irgendwo in die entlegensten Winkel der Welt ziehen könnt, die Hauptsache ist, dass Ihr gesund bleibt.
Wir sollten über unsere Erlebnisse mal nen Film drehen oder ein Buch schreiben. Habe gestern mit Freundin, die im (europ. Ausland lebt) und in der Heimat zu Besuch ist in nem Restaurant gegessen. Wir haben über dies und jenes in unserem Leben geredet (für uns war das total normal, was wir in den letzten Monaten so erlebt hatten), wir sprachen alles andere als laut, bemerkten aber irgendwann, dass uns die Leute an den Nachbartischen zuhörten, statt sich mit ihrem Essen oder sich selbst zu beschäftigen... Wir beschlossen dann spontan, das Weitere auf einem Spaziergang zu besprechen. ;-) Du solltest Deine Erlebnisse im Taiwahn verfilmen und/oder ein Buch schreiben.... z.B., wenn Ihr mal ne zeitlang (M. an Sh.: "Bitte, bitte, bitte, es reicht ja schon ne ganz kurze, klitzekleine Zeit, so ein Kurzurlaub o.ä., man gönnt sich ja sonst nichts) ;-) in D lebt... ;-P

Miri hat gesagt…

Abgeschickt. :-) Das nächste Päckchen gebe ich aus Kostengründen einem Bekannten mit, der Kapitän ist (Er hatte sich zwischendurch als Finanzbeamter versucht, fährt jetzt aber lieber wieder zur See und bringt immer alles Mögliche mit nach D, da kann er auch mal was aus D woanders hin mitnehmen). ;-) Werde mal fragen, wann er wieder dort in der Gegend rumfährt. ;-) Aber so wie ich ihn kenne fährt er sogar nach China, Tansania und sonstwohin, aber nicht nach Taiwan, wenn man es mal gebrauchen könnte. ;-)

"Ludigel" hat gesagt…

Sag dem Kapitän er soll bloß vorsichtig sein mit dem Tellerrand der Weltscheibe hier. Gleich hinten ooost hiner Taiwan geht es in die Tiefe. Statt Bojen haben sie wie gesagt die einäugigen Seehunde, die Teresa Teng - Lieder singen...

"Ludigel" hat gesagt…

Mein Taiwahnbuch ist wieder unterbrochen worden, weil ich jetzt für Sharons Studium wieder mit helfe. Mein schizophrener Detektiv, der von seiner Familie nach Taiwan geschickt wird, saß gerade im Flieger und bewunderte die Stewardessen. Na ja, muss mal wieder weiterschreiben. Die erste Episode sollte davon handeln, wie er im Büro so einem ekeligen Dicken gegenüber sitzt, dem die Oktopuss-Tentakel beim Kauen aus dem Mund hängen. Und dann verschwindet das Kind einer Kollegin! Hat der Dicke etwa....?