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Montag, April 18, 2011

Großstadtbahnhof in Kleinstadt

WARNUNG für deutsche Leser.
Hier wird ein Bahnhof geschildert, der UNTERIRDISCH verläuft. Regen Sie sich nicht auf!
Greifen Sie sich jetzt ein Stück Holz und beißen Sie während des Lesens drauf! Wählen Sie sich keinen neuen grünen Ministerpräsidenten! Greifen Sie keine Polizisten an!
Tief durchatmen und dann lesen.... 

Am Wochenende gab es eine Überraschung. Erst hatte meine Frau wieder mal geschimpft, dass es bei uns in Jhongli (Zhongli) im Landkreis Taoyuan nicht so viele Cafés und Restaurants gibt wie in der Hauptstadt Taipei, in der wir früher gewohnt haben. Doch nach einstündiger Planung, wo wir am Samstag Morgen das Frühstück einnehmen fand sie gleich zwei der verlustig gegangenen Lokale .... im neuen High-Speed-Rail (HSR) Bahnhof bei uns in der Stadt. Der HSR-Zug ist der japanische ICE in der Taiwanversion, der hier in Taiwan auf einer eigenen Hochtrasse, ohne Behinderung durch alte Züge oder ebensolche Gleise, in Windeseile von Süd- nach Nord-Taiwan fährt (zurück auch wieder, gell) - beim Aufbau des Systems haben übrigens deutsche Zugexperten geholfen.
Wir sahen uns dann den neuen Bahnhof einmal an, Züge sehen konnte ich keine, Gleise auch nicht, das scheint alles unterirdisch zu verlaufen an der Stelle - in der Tat "bohrt" sich die Zugtrasse (eine Hochbrücke) eine Zeit vorher in den Boden, alles sehr interessant gemacht. Mich verblüffte aber die Umgebung, nicht das übliche Taiwanzeug aus Brachgrundstücken wie sonst öfter mal, die als Müllkippe benutzt werden, sondern große Grünanlagen und moderne Parkhäuser überall herum - und oberirdisch eine große Beton- und Glas-Bahnhofshalle, die wie ein kleiner Flughafen wirkte und nicht wie ein Bahnhof. Sogar Schalter zum Flugticket kaufen gab es da, denn bald soll man auch mit dem Zug zum nahegelegenen internationalen Flughafen Taiwans fahren können.


NICHT der hier beschriebene Tiefbahnhof, sondern ein Bahnhof für die Schwebestadtbahn, aber ganz in der Nähe, noch im Bau: Taipeis Schwebebahnmetro (MRT) rollt dann auch bei uns in der Provinz ein.

Kamera leider nicht dabei gehabt, wird nachgeholt. Draußen in den Grünanlagen tummelten sich zwar die Straßenhunde, aber auch die waren gut genährt und wurden sogar vom Bahnhofspersonal freundlich behandelt - ich sah einmal, wie ein "Bahnhofer" einen flauschigen Straßenhund grüßte. Die Tierchen wirkten dann auch eher wie Haushunde.

 ... nebst Trasse. Auch der Taiwan-ICE (HSR genannt) hat so eine Hochtrasse, verläuft hier aber unterirdisch, um in den unterirdischen Bahnhof einzulaufen. Hoch und Runter, sozusagen Stuttgart 21 und 42 zusammen.

Der Bahnhof war fast leer - Kunststück, wo sollen die ganzen Leute auch herkommen in der Kleinstadt. Es fanden sich ein "Ikari"-Café, in dem man lecker frühstücken und Mittag essen kann und auch ein großes komfortables Lokal der japanischen Fast-Food-Kette "MOS BURGER", der Name wahrscheinlich ein missratener Versuch "Moe's Burger" zu schreiben. Die Kette kannte ich schon aus Taipei, ein großes gelbliches M haben sie im Namen und daher müssen Sie jetzt als Angehöriger der westlichen Hemisphere einen roten Kopf bekommen und etwas von "Markenpiraterie" grummeln und dabei dreimal im Kreis herum laufen, ich würde vorschlagen, mit einem Ei in der linken und rechten Hand - und dabei ein paar Tanzschritte machen - danke!

Frau und ich frühstückten in bequemen Ledersesseln, ein paar Einheimische sahen mich irritiert an, wo denn hier bloß der Ausländer herkommt im Provinzbahnhof und ich wollte gar nicht wieder weg, schließlich hatten die im Gegensatz zu unserem Reihenhaus sogar eine Heizung dort - und draußen waren 12 Grad oder so, da fröstelt es schon daheim.

Dann fanden sich noch belgische Pralinen und allerlei Zeug in einem Souvenirgeschäft, nett. Ob das ganze Konzept aufgeht, ein Großstadtbahnhof in der Kleinstadt? Allein die dreißig gelborangen Taxis, die auf Kundschaft wartete... und das vergebens.

Ach ja, Securitate haben sie, an den Bahnsteig kommt man nur, wenn man Ticket-Schleusen passiert und beim raus gehen musterte ein auffällig unauffällig neben dem Eingang in Zivilkleidung stehender Herr unsere Einkaufstüte. Vielleicht sollte er sich noch mal seine Stellenbeschreibung durchlesen, von wegen Bombe rein gefährlicher als Bombe raus.

Draußen dann wieder grüne Wiesen, Beton und adrette Reihenhaussiedlungen in der Nähe, überall wurde gebaut, unter anderem eine Anbindung an die Schwebebahn-Metro aus Taipei (Fotos), die auch wieder einen großen Bahnhof bekommt ganz in der Nähe, neue Bahntrassen (für die Schwebebahn) und neue Autostraßen. Die bauen sich ein ganz neues Taiwan, man erkennt es gar nicht mehr wieder.

Kommentare:

Drakonischer Zyniker hat gesagt…

Hoffentlich hat niemand beim Lesen das Augenlicht verloren...

Miri hat gesagt…

Das klingt ja noch besser als in der Mail. :-) Ich glaube ich mache die Wahlstation doch in Taiwan.... ;-D Und hoffe mal, dass es kein Erdbeben gibt. ;-) Habe neulich übrigens ne Mousse au Chocolat aus Tofu nach dem Sport probiert (lehne ja entschiedenst Eiweiss-Drinks ab). Lecker!!!!!!!! :-D Und knallt überhaupt nicht auf die Hüften... Hast Du ein Glück, dass Du da lebst, wo es den angebl. überall gibt. :-)

Hansemann hat gesagt…

Spannend. Wie dicht wird denn der MRT- am HSR-Bahnhof sein? Direkter Übergang zu Fuß?

"Ludigel" hat gesagt…

Ein paar hundert Meter müssen es aber sein, obwohl ich in der Baustellenlandschaft ein bisschen ins Grübeln komme. Also per Shuttlebus doch noch?

"Ludigel" hat gesagt…

Jetzt merke ich es erst. Mousse au chocolat aus Tofu? Mein lieber Herr Karnickelverein. Hier hat man allerdings auch Pudding auf Tofubasis, also süß, in so fern...

Tofu in Deutschland aus dem Reformhaus ist gruselig, hart und zäh, meine Frau musste sich damals fast übergeben.

Du solltest mal den "Stinky Tofu" ("cuo dofu" oder so) probieren. Riecht wie Durchfall, aber schmeckt garnicht mal schlecht. Mir wird aber immer vom Geruch übel.....

Miri hat gesagt…

Für den Nachtisch nimmt man ja idR den cremigen Seidentofu und den harten Tofu musst Du ja auch verarbeiten, damit er schmeckt (z.B. 5 Min. scharf anbraten) und dann z.B. mit Sojasauce würzen. Lecker z.B. auch mit Sesam-Paniermehl-Ei-Panade. Sag bloß, sie hat den pur serviert bekommen?!? Da schmeckt er echt nicht... Tofu finde ich mittlerw. total lecker. Früher dachte ich auch immer: Was für ein trockener pappiger Müll... Aber heute: Mmmmmmmmhhhhhhhhhhhh... :-D
Aber Stinky-Tofu möchte ich dann doch nicht probieren. Die Chinesen graben ja auch Eier ein und wieder aus, wenn sie so richtig schön gammelig sind, um sie als Delikatesse zu essen. Auf so ein Gammelei kann ich auch gerne verzichten.

"Ludigel" hat gesagt…

Das war beim Chinesen, der aber ein Malaye war (wie immer man das schreibt, nicht mein Problem, ich bin ja keiner). Ekelzeug. Das wäre auch mal eine Geschäftsidee, Stinky Tofu-Stand in Deutschland. Ob man sich mit dem Gestank strafbar macht? Man könnte noch davor herumlaufen und rufen "oh Gott, oh Gott, ich hätte nicht das Sauerkraut mit Vanielleeis essen sollen" und sich dabei vielsagend an den Bauch fassen.... Gacker.

Miri hat gesagt…

;-D

War gestern übrigens mit Freundinnen beim Chinesen an der L.W. War mal wieder extremst lecker. :-)

"Ludigel" hat gesagt…

"L[ange] W.?" Übrigens Vietnamesen wie oft in Deutschland im Chinarestaurant. Aber die kochen genauso gut!
Wirklich lecker da, hier kriege ich kaum so etwas. Die deutsche Chinarestaurantküche ist ja eine gezähmte Version des Kantonesichen - und die kriegt man hier nur in guten Restaurants. Das nächste das ich kenne ist in Taipei.

Miri hat gesagt…

Ja. :-) Das Team ist da sehr gemischt, was die asiatische Herkunft anbelangt, Vietnam wusste ich noch gar nicht, die eine Frau arbeitet nebenbei zusätzlich als Stewardess für eine Airline (Ich meine Singapur) und sie nennen sich selbst nicht chin. Restaurant, sondern asiatisches, aber wir sagen halt immer: "Wir gehen zum Chinesen." Als Kind war ich permanent in dem von akad. Taiwanesen betriebenen Restaurant, das ihr auch mal aufgesucht habt. Leider sind die Leute von damals (aus meiner Kindheit) mittlerweile im Ruhestand. Das Essen war extremst gut und man konnte ruhig kleckern, sie waren absolut kinderlieb: "Chin. Küche ohne Kleckern, das schmeckt doch gar nicht"). Und ich war immer beeindruckt vom Doktortitel. Meine Mutter versuchte immer das "Curry Beef" nachzukochen, ihr fehlte aber lange Zeit der "letzte Pfiff", bis sie einen Kochkurs bei einer Chinesin (VHS) machte. Ende der 80er verliebte sich meine eine Klassenkameradin (Eltern betrieben ein Nobelrestaurant) in einen Koch, der dort arbeitete und aus China stammte. Da erfuhren wir dann so einiges über die "echte" (regional allerdings sehr unterschiedliche) chinesische Küche. Es gab zum. damals in H. ein chin. Restaurant, das auf Wunsch auch original kochte und das er gerne empfahl. Das schlimmste "chin." Essen aß ich mal in Chinatown in NY. Das war wirklich das typische Futter für die dummen Touristen. Hatte aber kurz zuvor bei nem Nobelchinesen in NY (nicht in Chinatown) "original" gegessen. Der war zwar der Symbolik, den Aquarien und den Überwachungskameras in der marmornen Eingangshalle zufolge optisch wie im Maf.-Film designt, aber meine erzkatholische Gastschwester genaß begeistert das Essen und der Rest unserer Gruppe auch und ich genaß es dann auch...

Miri hat gesagt…

Anmerkung: Das Restaurant, das er damals empfahl, kochte auf Wunsch "original" Gerichte aus den versch. chin. Regionen. Das war aber zumindest damals lt. ihm leider das einzige in H., das so kochte.

"Ludigel" hat gesagt…

Jetzt habe ich Hunger auf eingedeutschtes chinesiches Essen! Nicht diesen taiwanesischen Abfall, z.B. ein dürres, dräges Kotelett in der Kantine mit Reis und Kohl. Pfui deibel, kann es nicht mehr sehen. Oder eine richtige Pizza möchte ich mal wieder, nicht diesen Altöl-Chinakohlmüll von Pizzahut. Gleich ist mir schlecht....... würg

Am Wochenende in diesem japanischen Ikari - Café im Bahnhof früstücken, mal was anderes.

Miri hat gesagt…

Ich auch... Merkt man, dass ich auf Diät bin? ;-) So, jetzt gehe ich erstmal 2 km Schwimmen zur Ablenkung...