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Freitag, Juli 31, 2009

Klub der toten Lehrer (THE TEACHING DEAD)




Ein kompletter Zombiefilm im Taiwanblog! Und Sie brauchen nicht mal einen Videoplayer!


Führen wir den Gedanken einer Zombieinvasion in Taipei, Taiwan (LINK) weiter. Der Film sollte THE TEACHING DEAD heißen und zeigt, neben den in Zombies verwandelten Einheimischen, auch die ohnehin schon merkwürdige (ich bin ja auch hier) Expatgemeinde Taiwans.

ERSTER AKT: „Morgenstund in Taipei; Samstag“



Szene 1:
Ein wie üblich mit mordsmäßigem Kater erwachender Ausländer aus der angelsäsischen Welt zwängt seinen Bierbauch in ein viel zu enges, fleckiges T-Shirt, stolpert fast über Whiskyflaschen, schnippt schnell einen leeren Joint in den Mülleimer, rein in kurze Sporthose und Sandalen und fertig ist der Englischlehrer.
Im Treppenhaus des verslumten Baus begegnet ihm ein bleicher alter Mann (natürlich ein Taiwanese, wir sind ja schließlich in Taiwan), der mit weit aufgerissenen Augen röchelt und große Brocken auf die Treppenstufen spuckt. Ungerührt geht unser Englischlehrer, nennen wir ihn Bob, an dem alten Mann vorbei. Der ist jeden Morgen da, das kenne ich auch aus meiner letzten Mietwohnung in Taipei.
Ab in seinen 10 Jahre alten Ford TELSTAR, ein schwarzer Mazda 626-Verschnitt, dessen schwarzer Lack von all dem sauren Regen längst weißlich verkrustet ist. Aus dem Radio plärrt Hardrock, während Bob sein abgewracktes Auto im Slalom um die taiwanesischen Verkehrsteilnehmer herumsteuert und ihm vor die Motorhaube ziehenden Mopeds im letzten Moment ausweicht. Verkatert wie er ist, entgeht ihm dabei, dass manche der wild herumkurvenden Mopedfahrer vor merkwürdig blutbeschmierten Menschen mit watscheligem Gang flüchten, aber andererseits fahren die Mopedfahrer immer so.

Ein abgebrühter Expat nicht eine Zombieinvasion in Taiwan kaum wahr, ist er doch bereits täglichen, unbeschreiblichen Horror gewöhnt. Wie dieses Mini-Plastikessen mit Plastikgeschmack und kleinem Plastikbesteck...

Szene 2:
Bob hält brav an einer Ampel an, neben ihm steht ein rosa Kleinwagen der Marke „Formosa“. Da rast von hinten einer der gefährlichen dunkelblauen Pickup-Lieferwagen ohne Firmenbezeichnung heran, die Ausländer auch als „Blue Truck of Death“ bezeichnen, weil ihre Fahrer niemals bremsen. Während Bob einen Ketchupfleck von seinem T-Shirt pult, kracht der blaue Kleinlastwagen mit voller Fahrt in den vor ihm an der Ampel stehenden rosa Kleinwagen und schiebt ihn die Kreuzung hinein; der Laster selbst kommt neben Bobs Auto zum Stehen. Ein über die Kreuzung rasender riesiger grauer Lastwagen kracht in den auf die Kreuzung geschobenen rosa Kleinwagen und schiebt ihn einfach vor sich her, das dauert keine Sekunde. Bob bemerkt von all dem nichts, schließlich pult er immer noch an seinem Fleck herum, während aus dem Radio „Another one bites the dust bin“ von Queen dröhnt. Bob ist schließlich mit Pulen fertig und sieht durch das Beifahrerfenster zum blauen Kleinlaster herüber. Der Laster hat die Scheibe herunter gekurbelt und Bob sieht einen bleichen (natürlich einheimischen) Fahrer, der zu ihm mit toten Augen herübersieht, unmotiviert grunzt, während eine dunkelrote Soße aus seinem Mund in Strömen auf das T-Shirt tropft (Blut?).
„Verdammter Betelnusspriem“ sagt Bob nur und gibt kräftig Gas, als die Ampel auf Grün schaltet. Schließlich kennt er die Angewohntheit von Taiwans Arbeiterklasse, ständig dunkelroten Betelnusspriem auszuspucken, zur Genüge.

Instinktiv rettet er minirocktragende Einheimische (nur weibliche)

Szene 3:
Bob parkt seinen alten Wagen im Parkverbot vor der Englischschule, eine der üblichen Kindergärten mit Englischunterricht, in die Taiwans Familien gerne ihre Kinder am Wochenende und auch Nachmittags die Woche über schicken und schließt den Wagen ab. Er sieht nicht, dass eine Horde schreiender Kinder aus dem Eingang der mit „UNCLE WONG’S INTERNATIONAL ENGLISH ANGLES…FUN, QUALIFY, GREAT” beschrifteten Schule gelaufen kommt, verfolgt von zwei untoten und blutüberströmten taiwanesischen Hilfslehrern, weil er gerade ein junges Minirock tragendes Mädchen beobachtet, das auf der anderen Straßenseite ihren Lippenstift neu aufträgt und auch nichts vom Chaos um sie herum mitbekommt. Bob betritt die Englischschule. Als ihm mehrere schreiende Kollegen, allesamt auch Ausländer, mit rudernden Armen entgegenkommen, bleibt er aber erschreckt stehen. „Verdammt, schon wieder eine Polizeirazzia?“, ruft er den flüchtenden Kollegen fragend hinterher und versteckt sich routiniert im Wandschrank. Dabei murmelt er „verdammt, muss mir doch mal eine Aufenthaltsgenehmigung besorgen“ vor sich hin und schließt die Türe.

... und auch untotes Essen auf dem Teller, das sich noch bewegt, kann unseren Expat nicht verschrecken!

Szene 4:
Im Schrank ist es völlig dunkel und wir hören schließlich die zombietypischen Knurrlaute, offensichtlich hat sich hier im Wandschrank ein Zombie zusammen mit dem ahnungslosen Bob versteckt. Bob beleuchtet den Wandschrank mit einem Taschenfeuerzeug und wir sehen das unheimliche Gesicht eines bleichen ausgemergelten Kollegen von Bob, Speichel läuft ihm aus dem Mund, seine Augen blicken tot, offensichtlich ist er ein Zombie.
„Verdammt Jim, hast du dich gestern auf der Party im FLYING PIG wieder vollaufen lassen?“, fragt Bob in ungerührt. „Wir haben doch Lehrerversammlung heute.“
Zombie-Jim öffnet unterdessen den Mund und will Bob offenkundig beißen, doch Bob hält ihm plötzlich eine Packung Zigaretten hin, in die der Zombie stattdessen beißt. „Hier, die Packung schulde ich dir noch“, sagt Bob.
Draußen vom Flur her hört man Geschrei und umfallende Stühle, Tische etc. Bob lacht nur und sagt „verdammt Kinderbande, die sind ja heute wieder gut drauf!“ und wendet sich an seinen Kollegen Jim: „Na Jim, freust du dich schon drauf, die verdammten Plagen zu unterrichten?“. Da öffnet Jim wieder den Mund, sehr weit, um Bob zu beißen und gibt dabei einen Ton von sich, der wie ein gegrunztes „JAAAAAAArrrr“ klingt. Verwirrt guckt ihn Bob an. „Jaaaaaaa? Du freust dich auf den Unterricht? Jim, stimmt mit dir irgendwas nicht?“, fragt Bob verwirrt.

Wer mit solchen Bechern ungerührt quer durch das Büro läuft...

Szene 5:
Von außen sieht man die Wandschranktür auffliegen und Bob kommt schreiend heraus gerannt. „Hiiiilfe! Zombies! Zombies!“ ruft er mit wedelnden Armen und rennt den mittlerweile verlassenen Flur entlang. Prompt kracht er die Arme eines in seine schwarz-graue Uniform gekleideten taiwanesischen Polizisten. „Ausländerpolizei“, sagt dieser zu Bob. „Zeig mir mal deine Arbeitserlaubnis, Laowai“, die ironische bezeichnung „Laowai“ für Ausländer verwendend.
„Zombies! Zombies!“ schreit Bob den Polizisten stattdessen an.
„Ja gut, klar“, antwortet dieser, ich weiß, dass ich in einer Vorschule mit lauter Laowai bin, schon klar…“. Bob reißt sich kopfschüttelnd los und flüchtet weiter den Flur entlang.
„He! Ihre Arbeitserlaubnis bitte!“, ruft ihm der Polizist nach.
Jetzt sieht man den Zombie Jim, der mit klaffendem Schlund ins Bild springt und dem Polizisten die Kehle zerreist [dies wird die Lieblingsszene aller Englischlehrer in Taiwan].
... und dem auch ein Fischgericht in der Kantine nur ein müdes Lächeln abringt...

ZWEITER AKT: Überlebenskampf in Taipei

Szene 1:
Auf den Straßen herrscht Chaos, überall umgefallene Mopeds, zusammengestoßene Autos, eben praktisch das normale Straßenbild in Taipei. Tote und verletzte auf den Straßen, manche stehen als Zombies wieder auf (das tun sie sonst allerdings ehr selten). Bob nimmt einem sterbenden Polizisten seine Handfeuerwaffe und seinen Knüppel ab und rennt zu seinem geparkten Auto. Er will gerade die Autotür des alten Fords aufschließen, da ist plötzlich ein makelloser Polizist zur Stelle, der scheinbar von dem Chaos nicht mitbekommt. „HALT Laowai!“, ruft der Polizist und Bob starrt ihn verständnislos an. „Wir sind gerufen worden, weil hier ein Ausländer mit einem Auto rumhantiert“, erklärt der Beamte. „Bitte Fahrzeugpapiere und … Auftenthaltsgenehmigung!“, fordert der Beamte. Da bleibt Bob nichts anderes übrig, als zu Fuß weiter zu flüchten.

... den bringt auch ein Rudel Zombiehühnerbeine nicht aus der Ruhe.

Szene 2:
Bob flüchtet in einen der zahlreichen Kiosksupermärkte der Kette „Seven-Eleven“. Hinter der Verkaufstheke steht eine niedliche junge Taiwanesin, außer ihr ist noch ein anderer Ausländer im Laden. Der blonde junge Mann ist offensichtlich auch ein Untoter und bewegt sich mit schlacksigen, steifen Bewegungen auf die Theke und die junge Frau zu. Die junge Dame sieht ihm ungerührt entgegen und begrüßt auch den hektisch hereinstürzenden Bob mit einem freundlichen Lächeln und der üblichen „Gwendoaling“-Begrüßung. Während Bob hinter Regalen in Deckung geht, taumelt der blonde Zombie weiter zum Tresen, stützt sich schwerfällig auf der Tischplatte ab und grunzt zombietypisch, während eine große Menge Schleim aus seinem Mund auf den Tresen tropft.
„Oh, nicht schon wieder so ein Anmacheversuch“, murmelt die hübsche junge Frau vor sich hin und wischt ungerührt den Schleim weg. Sie holt eine Packung Zigaretten und einen Flachmann unter der Theke hervor und stellt sie vor den wartenden Zombie. „Wie üblich“, sagt sie mit einstudiertem freundlichen Lächeln.
Als der Zombie nach der jungen Frau greifen will, kann sie ein herbeistürzender Bob gerade noch wegziehen. „Zombies! Wir müssen hier weg!“, schreit sie Bob an.
„Oh, das ist mal ein neuer Anmacheversuch von euch Englischlehrern“, sagt sie nur lächelnd und Bob kann sie gerade noch wegziehen, als der unbekannte blonde Zombie sich erneut auf sie stürzen will.
„Sag mal, dein Freund hier macht die Anmache jetzt seit Wochen…“, sagt die junge Frau.
„Wir müssen hier weg! Bei mir können wir uns verbarrikadieren!“, sagt Bob und zieht die junge Frau aus dem Geschäft (Zeit für die Kameraführung, sich ausgiebig ihrem Extremminirock zu widmen).
„Äh… bist du verheiratet? Hast du eine Freundin?“, fragt die verwirrte junge Frau nur, während sie Bob durch das Chaos zieht. „Meine Mutter sagt ja, ich soll mich nicht mit Laowai verabreden, ihr seid alle so sexbesessen, sagt sie. Schon wegen der langen Nasen…“. Bob zieht die plappernde Frau einfach weiter durch das Chaos.

Und ein solches erst recht nicht!

Szene 3:
Die beiden rennen vorbei an einem Kaufhaus. Links und rechts neben dem Eingang haben sich uniformierte Frauen in hübschen grauen Kleidern mit hochhackigen Schuhen aufgebaut, die sich vor jedem Kunden stoisch verbeugen. Die fahren auch mit der Verbeugerei fort, als eine Menge Kunden vor einer Horde Zombies flüchtet…
Sie verbeugen sich auch vor den Zombies ohne Hinzugucken…
Bob und die junge Frau hasten vorbei. „Mein Name ist übrigens Amy“, stellt sie sich vor, „Ja, ja“, sagt Bob, „ihr sucht euch die Namen alle von der ersten Seite im Englischbuch aus“, fährt er fort, während er einem heranrasenden Zombie in den Kopf schießt, woraufhin dieser sofort bewegungslos umfällt.
„Es stimmt wirklich, dass ihr Ausländer aggressiv seit und euch immer so leicht aufregt, oder?“, fragt Amy.
Da bleibt Bob stehen. Während überall das Chaos um sie herum tobt, fragt er sie: „Sag mal Amy, was stimmt eigentlich mit dir nicht? Kriegst du hier vom dem ganzen Chaos gar nichts mit oder was?“ Da steckt Amy verlegen einen Finger in den Mund und sagt mit Kleinmädchenstimme, „nun, ich bin ein bisschen kurzsichtig, aber eine Brille sieht so doof aus…“. Kopfschüttelnd zieht sie Bob weiter, als sie sagt: „Du hast da übrigens einen Ketschupfleck auf dem T-Shirt. Esst ihr Laowai eigentlich immer Burger und Ketchup?“


Die "Taiwan... touch your heart" T-Shirts der alten pro-taiwanesischen Regierung Taiwans sind furchterregend, wenn man sie sich an einem Zombie vorstellt. Die neue, antitaiwanesische und prochinesische Regierung Taiwans hat den Slogan mittlerweile verschwinden lassen, weil wir jetzt ja "China" sind.

Szene 4:
Bob und Amy sind in einen Hinterhof gedrängt, es scheint keinen Ausweg zu geben! Während sich eine große Horde Zombies näher und näher drängt, sagt Amy:
„Weißt du, worüber ich mir wirklich Sorgen mache: Wie sollen wir bloß unsere Kinder großziehen, wenn wir nicht zu meiner Mutter kommen können… und wenn jetzt die Zivilisation zusammengebrochen ist, dann gibt es ja nicht mal mehr Fernsehen und Computer. Wie sollen da unsere Kinder aufwachsen?“
Unterdessen drängt die Zombiehorde unerbittlich näher und Bob hat seine letzte Patrone verschossen. Es bleiben noch mindestens dreißig Zombies! Während sich Bob die Haare rauft, sagt Amy:
„Ich möchte aber, dass unsere Kinder viele Sprachen können, Englisch und Deutsch und auch Australisch.“
… Bob schmeißt verzweifelt seine leere Pistole in die Menge….
„Warte mal, du bist doch Laowai. Dann können wir ja einen eigenen Kindergarten aufmachen, Englischlehrer gibt es jetzt ja nicht mehr so viele…“, überlegt Amy.
Verzweifelt versucht Bob unterdessen, die Zombies mit seinem Gummiknüppel abzuwehren.
„Vielleicht sollten wir einen Zombieverleih aufmachen“, überlegt die taiwantypisch geschäftstüchtige Amy laut. „Schließlich darf man an Feiertagen nur mit drei Passagieren auf dem Highway fahren! Manche Leute werden sich da ein bis zwei Zombies leihen wollen, damit sie auf die Schnellstraße dürfen….“, überlegt Amy weiter.
Gerade als man denkt, jetzt haben die Zombies Amy und Bob in der Falle, hat Bob die rettende Idee.
„HELLO!“, ruft er den heranrückenden Zombies laut entgegen und winkt ihnen naiv wie ein kleines Kind zu. Da geschieht das unglaubliche, die Zombies bleiben stehen, winken genauso zurück, grinsen infantil und geben im Chor ein kehliges „HELLLLLOOOOOO“ von sich.
Bob schnappt sich Amy, die gerade die Eröffnung eines Zombiewaschsalons vorschlägt und kann mir ihr durch die starr winkenden Zombies entkommen.
(Gut, die Szene ist ein bisschen für Insider)

Nachdem die Zombieplage unter Kontrolle ist, werden die Zombies (hier links ein Laowai-Zombie) nicht nur (wieder) als Englischlehrer verwendet, sondern auch für das in Taiwan dann beliebte "Lenn schnellel als del


Zombie"-Spiel. Zur Sicherheit mit zwei getrennten Laufbahnen.

Szene 5:
Wieder hasten Bob und Amy durch die Wellblechstraßen Taipeis, verfolgt von einer Horde Zombies. „Warte mal, wir müssen hier lang, da müssten wir aus der Stadt heraus kommen. Alley 342, Lane 66, WenLung East First Road…. Ne, oder müssen wir Alley 66, Lane 42, WenLong East Second Road nehmen… hmmm“
Egal, sie müssen weiter flüchten und gelangen wieder in eine Sackgasse, wie könnte es auch sonst sein.
„Eine zombiefreie Pension, das wäre sicher auch was“, überlegt Amy laut. „Wo ist die?“, fragt Bob verzweifelt. „Zeig mir den Weg, Amy, wir müssen hier weg!“.
„Nein, nein, ich meine als Geschäftsidee für die Zukunft“, stellt Amy kichernd klar.
Hastig zieht Bob die vor sich hin murmelnde Amy weiter. „Wir müssen aber noch zum Wahrsager, ob wir zusammenpassen. Was bist du eigentlich für ein Sternzeichen?“, fragt sie Bob.
Bob zieht sie einfach weiter. Sie haben das Ende der neuen Sackgasse erreicht und wieder nähert sich ein erdrückender Pulk Zombies.
„Und wie ist eigentlich deine Blutgruppe, Bob?“
„Jedenfalls nicht Z“, antwortet dieser genervt.
„Wie, Z?“, fragt Amy. „Das ihr dummen Ausländer aber auch nie eure Blutgruppe wisst…“, sie schüttelt den Kopf und kichert. „Wie wollt ihr da wissen, ob ihr zu euerer Partnerin überhaupt passt…“
Verzweifelt sieht sich Bob nach einer Waffe um, doch außer sechs Straßenhunden, zwanzig Mopeds, drei kompletten Hauseinrichtungen verstorbener Onkel und Tanten, neunzehn Müllhaufen und sieben fahrbaren Fressbuden ist auf dem kleinen Hinterhof absolut nichts zu finden.
Die Zombies nähern sich jetzt von allen Seiten, strecken stöhnend ihre Arme aus und man meint, es sind nur noch Sekunden, bis Amy und Bob erledigt sind. Da hat Bob wieder die rettende Idee.
„Wo geht es hier zum Bahnhof?“, fragt er laut. Da geschieht das Wunder. Die Zombies halten plötzlich inne, blicken unsicher umher und verkeilen sich schließlich hoffnungslos ineinander, weil sie alle ihre Arme steif in alle möglichen Himmelsrichtungen zeigen lassen.
(OK, das ist wieder ein Insiderwitz. Aber fragt mal in Taipei nach dem Weg. Ihr werdet es erleben…)
Wieder können unsere Helden Amy und Bob entkommen. „Zu mir können wir nicht. Wo können wir bloß hinflüchten?“, fragt Bob verzweifelt.
„Hier gibt es keine Love-Hotels wie in Japan“, sagt Amy zerknirscht.
Erst als Zombie konnte Englischlehrer Jim B. seinen ersten chinesischen Satz sagen. "WOOOOOAAAAAAA EI NIIIIIIIIIIIIIIIIIE" (Ich liebe dich) geht als Zombie so viel leichter zu sprechen, insbesondere das erste Wort. Hier bei der folgenden Preisverleihung ist Jim B. leider nicht im Bild, weil umgefallen.

DRITTER AKT: Flucht an den Hafen

Szene 1:
Bob und Amy scheint die Flucht zu gelingen. Sie steuern mit einem gefundenen Jeep in schneller Fahrt auf einen Hafen zu. Der Jeep rast an einer Gruppe offensichtlich lebendiger Menschen (6 Personen) vorbei, die von drei Zombies bedroht werden. Da rast ein Polizist zu Fuß heran und stellt sich schützend vor die Menschengruppe. Er zieht seine Pistole und feuert wild in der Gegend herum, auf die Zombies zielend.
Während der Jeep aus der Szene rast, sieht man noch, wie die 6 Menschen tot umfallen, jeder mit einer großen Schusswunde auf der Brust und die drei Zombies über den schreienden Polizisten herfallen.
Ehrlich, so was habe ich hier schon oft in der Zeitung gelesen. Also, ohne Zombies natürlich.


In den Straßen Taipeis hat natürliches Leben nichts mehr verloren....

Szene 2:
Bob entnimmt einem mit einer Schusswunde in der Stirn daliegenden Polizisten seine Pumpgun und seine Handfeuerwaffe. Amy und Bob stiebeln jetzt routiniert durch Zombiehorden über das Hafengelände. Förmlich gelangweilt gibt Bob Schüsse aus den Waffen ab und erledigt damit routiniert die einheimischen Zombies durch Kopfschüsse. „Wir finden jetzt ein schnuckeliges Boot und ziehen zu meinen Eltern nach Iowa“, erklärt Bob seiner Amy zwischen den Schüssen. „Dachte ich mir doch, dass ich in Taiwan endlich eine Frau finde“, murmelt er kaum hörbar vor sich hin, während er nachlädt (he, dies ist ein realistischer Film, hier wird nachgeladen!).
„Kriege ich da des Morgens auch Joh zum Frühstück?“, fragt Amy mit großen Augen, das in Taiwan übliche traditionelle chinesische Reissuppenfrühstück „Joh“ meinend. „Woher weißt du von meinem Bruder Joe?“, fragt Bob verwirrt zurück.
Gähnend gibt sich Bob weiter dem Zombieabschlachten hin und schießt mit besonderer Freude einem in einem schwarzen Lexus-Geländewagen herumzappelnden Zombie eine Kugel zwischen die Augen („Das wollte ich schon immer mal machen“, murmelt er dabei -der Grund ist in diesem VIDEO zu sehen), da bemerkt er eine Abteilung Soldaten, die sich von einem Landungsboot gerade schwer bewaffnet aufs Land begeben. Bob sieht ihre Flagge. Es ist das blutrote Banner der Volksrepublik China!
Bob schreit aus Leibeskräften, während er einen herannahenden Zombie mit halb weggeschossenem Gesicht mit einem Klaps abwehrt. „Die Chinesen! Die Chinesen sind da! Wir müssen weg!“, ruft er Amy zu.
„Wo denn?“, fragt die kurzsichtige Amy. „Da!“, schreit Bob aufgeregt. „Aber das ist doch prima“, bemerkt Amy. „Die bringen Geld ins Land und die Wirtschaft wieder in Gang, sagt unser Präsident.“
Verzweifelt zieht Bob seine junge, mandeläugige Schönheit zu einem Boot im Hafen. Weit sind seine Augen vor Panik aufgerissen, als er die Soldaten beobachtet. „Wir müssen hier schnell weg!“
Während Bob und Amy mit dem kleinen Boot aus dem Hafen auf das offene Meer steuern, schneiden wir rüber…

Szene 3:
… in den Präsidentenpalast in Taipei. Dort sieht man eine Gruppe chinesischer Volksarmisten, die den offensichtlich in einen Zombie verwandelten Schleim spuckenden – und allgemein Chinafreundlichen - taiwanesischen Präsidenten Ma Ying-Jeou in einen sauberen Anzug stecken und ihm etwas Makeup auftragen. Sie buchsieren ihn zu laufenden Fernsehkameras hin. Jemand stellt ein Tonband an. Mit seinen toten Augen guckt der Präsident in die Kamera und wippt mit dem Oberkörper von links nach rechts. Während roter Schleim aus seinem Mund läuft, tönt vom Tonband. „Wir sind China. Wir sind eine Provinz Chinas. Wir sind Chinesen. Wir lieben China. Die Volksrepublik China besteht aus der Festlandregion und der Region Taiwan… Wir sind China…“
Wir blenden über zu…

Szene 4:
Wir sehen, wie chinesische Soldaten unter der Flagge der Volksrepublik die Ordnung auf den Straßen Taipeis wieder herstellen. Ein Paar sitzt in seinem Auto und sieht auf das in das Armaturenbrett eingelassenen Fernsehgerät, das die Ansprache des untoten Präsidenten zeigt, der gerade alten, dunkelroten Blutschleim spuckt.
„Hmmm….“, sagt die Frau zu ihrem Mann. „Ich wusste gar nicht, dass Präsident Ma Betelnüsse kaut…“

Szene 5:
Wir sehen, wie Bob und Amy mit ihrem Boot auf eine kleine paradiesische Insel zusteuern. Bob küsst Amy lang und innig und schiebt seine Hand unter ihren Rock. Sie haut ihm auf die Finger. „Nicht vor der Heirat“, sagt sie streng.


VIERTER AKT: Finale

Szene 1:
In den Straßen irrt der wankende, Blut spuckende blonde Englischlehrer-Zombie entlang, den wir aus dem 7/11-Geschäft kennen. Chinesische Soldaten zeigen lachend auf ihn und sagen „guck mal, ein Laowai“.
Der blonde Zombie wankt an einer (anderen) Englischschule vorbei. Ein Taiwanese kommt aufgeregt herausgelaufen und bleibt vor dem Zombie stehen.
„Laowai, komm mal rein. Wir brauchen dringend neue Englischlehrer. Wenn wir dich ein bisschen zurecht machen, geht das schon.“ Der kleine Mann zieht den großen Zombie, der nur unverständliche Grunztöne von sich gibt, in die Schule hinein.

Szene 2:
Amy und Bob sitzen Arm in Arm auf der Insel und begucken sich den Sonnenuntergang. „Habe ich dir eigentlich schon erzählt, dass unsere Familie vom Festland stammt, aus der Provinz ChungPong?“, fragt sie. Ohne eine Antwort abzuwarten, fährt sie fort. „Weißt du, da ganz in der Nähe soll auch mal Konfuzius durchgekommen sein. Wir haben sogar einen Großgroßgroßneffen von Konfuzius da in der Stadt gehabt… Du weißt sicher, wir haben 5000 Jahre Geschichte hier in Taiwan und….“
„Ja klar, seit Staatsgründung 1949, schon klar…“, wirft Bob ein…
„und da gibt es noch Lao Zhi, und wie der immer sagt….“
Wir sehen, wie Bob leise aufsteht und wieder in das Boot steigt. Er wirft den Motor an und fährt allein in den Sonnenuntergang, während Amy weitererzählt…
„wir essen ja auch mit Stäbchen. Messer sind zwar eine chinesische Erfindung, aber Konfuzius hat gesagt….“
Das Boot verschwindet am Horizont.

ABSPANN:
Während der Abspann läuft, kommt das Bild kurz zurück und wir sehen den blonden Zombie aus dem 7/11 vor einer Klasse aus (natürlich lebendigen) Schulkindern sitzen, er steht vor der Tafel, zuckt wild mit dem Oberkörper und röchelt unverständliches, während die Kinder ihm aufmerksam zuhören und artig mitschreiben. Zwei bildhübsche taiwanesische Hilfslehrerinnen gehen herum und beaufsichtigen die Klasse.
…. der Abspann läuft etwas weiter. „dritter Mann an der Fressbude“ und Lichteffekte und so weiter….
Da kommt das Bild noch einmal zurück und wir sehen Bob mit seinem Boot allein an einer Küste vorbeifahren. Ein paar Zombies trommeln mit ungelenken Bewegungen an einer Wellblechhauswand herum, Bob schippert vorbei und schüttelt nur den Kopf, sieht auf die Uhr. „5 Uhr morgens am Sonntag und so ein Krach!“, meckert er.
… der Abspann läuft noch ein bisschen. Stuntmen und Großneffen des Produzenten…
Da kommt das Bild ein letztes (?) Mal zurück…
Wieder ein Mann, der aber diesmal mit einem Hammer eine Wellblechwand bearbeitet. Bob schreit herüber: „Gottverdammt, es ist 5 Uhr früh am Sonntag, müsst ihr so einen Radau machen?“
Da wendet sich der Mann ihm zu. „Nein, nein, ich bin kein Zombie, aber meine Hauswand musste dringend ausgebeult werden und da…“
Bob zielt mit dem Gewehr und erschießt den Mann.
…. der Abspann wieder …. No animals where harmed during the making of this movie…
Das Bild kommt ein allerletztes Mal zurück:
… Bob schippert an ein paar Zombies vorbei, die im wild zuwinken und kehlig „HELLLLOOOOO“ rufen. Bob winkt zurück.
„Na ja, gar nicht so schlecht in Taiwan“, bemerkt er.
THE END

*** jetzt wissen alle, was bei den ungetesteten Massenimpfungen gegen Schweinegrippe alles passieren kann...

Kommentare:

Miri hat gesagt…

:-))

Aber der Schlussteil ist ganz am Ende etwas zu unrealistisch ;-)

Ludigel ("Bob Honest") hat gesagt…

Und ich hatte vergessen zu erwähnen, dass die "protaiwanesische Regierung Taiwans" alles gestohlen hat, was nicht ganz fest angenietet war...

Der Schluss ist unrealistisch? Ach, wenn man immer um 5 Uhr morgens am Sonntag schießen könnte, auf die Krachmacher....

Ekneos hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Ekneos hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Stefan hat gesagt…

Hmmm - wenn da ein Kind kaeme sollte man auch den Babysitter-Faktor nicht vernachlaessigen. Immer jemand an der Hand zu haben der im Notfall aufs Kind aufpasst, oder auch mal die Moeglichkeit haben ins Restaurant oder ins Kino zu gehen...

Es gibt viele Eltern die fuer sowas selbst einen Umzug nach Sibirien zumindest ernsthaft erwaegen wuerden.

Gutes Script uebrigens, koennte ein netter Budget-Movie werden. Vielleicht hat ja jemand aus dem Photoclub deiner Firma Interesse so was zu machen? :-)

Ekneos hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Stefan hat gesagt…

Zu dem Thema fand ich eigentlich xkcd sehr gut:
http://xkcd.com/137/

"Ludigel" hat gesagt…

Alte Kommentare zu Privatem entfernt. So menscheln tun wir im Blog nicht mehr. Hust.