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Montag, April 02, 2012

Amerikaner erhängt sich

Am 25.03. hat sich ein Amerikaner in Tainan, einer taiwanischen Stadt im Süden, während des Morgenspaziergangs mit seinem Hund, an einem Basketballkorb mit der Hundeleine erhängt. Er war offenbar mit einer Taiwanerin verheiratet, bereits 10 Jahre in Taiwan und war voher nur durch alkoholbedingte Ausfallerscheinungen auf der Straße aufgefallen, scheinbar ein einziges Mal.
 Wenn die siffige, lieblose Umgebung mir zu sehr auf die Nerven geht hilft eins: nicht links und rechts gucken, sondern den Blick geradeaus halten. Es hilft!

Im Ausländerforum Forumosa.com meldete sich ein Amerikaner, der versuchte den Hinterbliebenen in den USA zu helfen, allerdings waren alle durch die Sprachbarriere paralysiert. Was dann folgte, ist sicher eine der Sternstunden des Forums, das sonst eher durch zynische Sprüche (ich selbst bin da keine Ausnahme) und Dauerbeschwerde über Taiwan auffällt: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=21&t=108380. Leute aus dem Forum schaffen es in der Folge in der Tat, einen englischsprachigen Kontakt zur Polizei zu vermitteln, einen chinesischsprachigen Zeitungsartikel über den Fall zu finden und zu übersetzen (http://www.appledaily.com.tw/realtimenews/article/new/20120325/115810) und Licht ins Dunkel zu bringen. Offenbar hatte der Amerikaner schon vorher einmal von Selbstmord geredet, einer unbefriedigenden wirtschaftlichen Situation wegen und diesen dann ohne Vorankündigung ausgeführt. Seine Frau fand dann den Hund ohne Leine im Park herum rennend und ihren Mann mit der Hundeleine erhängt vor.

Grauenhafte Geschichte. Oft kann man im Forum lesen, wie Englischlehrer sich beklagen nach dem Motto, ich bin jetzt Ende 30 und sitze hier in Südostasien und habe kaum Geld auf dem Konto, mein Lebenslauf ist eine Ruine weil "x Jahre Englischlehrer in Asien" von US-Personalchefs überhaupt nicht gemocht wird, wie man immer wieder hört. "Einst war ich ein hoffnungsvoller Typ mit tollem Collegeabschluss - und wie bin ich nur in diesem Dreckloch gelandet?" habe ich erst neulich wieder irgendwo gelesen.

Ich denke, die düstere graue Architektur der Schlichthäuser Taiwans mit ihren Hühnerkäfiggittern vor den Fenstern wird auch viel zu Depressionen beitragen. In der Familie und der Umgebung bleibt man immer ein Fremder und auch nach vielen Jahren hat man Schwierigkeiten mit der Denkweise. Wer dann keine beruflichen Aussichten daheim hat mag sich hier am Rand der Welt gefangen vorkommen. Von Alkohol- und Tablettenmissbrauch unter Ausländern hier ist oft zu lesen.

Traurige Geschichte, dass er keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat. Mein herzliches Beileid für die Familie und alle Hinterbliebenen.


------> Alter Fall: Mit Filipina [korrigiert :-] verheirateter alkoholkranker Amerikaner begeht offenbar Selbstmord, nachdem seine Freundin in Taipei eine Englischlehrer-Agentin des Geldes wegen ermordet hatte : http://bobhonest.blogspot.com/2007/09/murder-in-foreigner-scene-in-taiwan.html

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Total-alkoholisiert says:

Wieder hat es einen erwischt hier. Neulich ist erst ein Amerikaner betrunken vom Balkon gefallen, oder (wie hier berichtet).

Wer ist als nächster dran?

Patrick_Secret hat gesagt…

traurig.. jedoch schwer zu beurteilen wenn man nicht die ganze story kennt.

#!/bin/klugscheisshell
echo "es heisst Filipina bzw. Pinay"

"Ludigel" hat gesagt…

Jetzt will die Rechtschreibkontrolle "Filipina" durch "Finalspiel" ersetzten. Phillipina und Pinay mag sie aber auch nicht. Filius ginge.... ;-)

Hans Wurst hat gesagt…

Es gibt nicht viele wirkliche Englischlehrer, die meisten sind Nannies... und wie kann man nach ein paar Jahren im Busch(iban) einen normalen Job in den USA finden? Viele verdienen gut als Buschiban-Clowns komparativ mit Taiwanesen mit richtigen Jobs, man ist aber dann immer als Inglish-Tietscher abgestempelt, bei anderen Waigs, sowie auch bei den Taiwanesen. Man wird keine richtigen Connections haben in Taiwan, wenn man nur in der Buschiban-Branche sich aufhält. Ich bin aus Colorado, aber meine Eltern sind Deutsch. Ich bin hier Übersetzer für THSI und fühle mich sehr wohl hier.

"Ludigel" hat gesagt…

Ja, der Markt wird schwieriger. Früher waren ja auch Nichtmuttersprachler mal Englisch"lehrer" hier. Kann sicherlich zur bösen Karrieresackgasse werden.

Anonym hat gesagt…

Für Englisch wird der Markt sicher enger. Weniger Kinder und in letzter Zeit auch bei uns im schönen Südtaiwan immer mehr (und mehr und mehr) Leute aus der Anglosphäre. Aber für andere Sprachen gibt es noch recht viel Platz. Beispielsweise würde das Wenzao College (oder andere "gute" Schulen) in Kaohsiung sicher probeweise Kurse für Portugiesisch, Schwedisch oder Italienisch anbieten - wenn sich mal jemand Qualifiziertes bei der Erwachsenenbildungsabteilung bewerben würde.