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Donnerstag, April 05, 2012

Taiwanische Internet-Therapeuten

Unser Sohnemann wurde ja etwas zu früh geboren und naturgemäß sind Frühchen die ersten zwei Jahre meist ein bisschen hinter dem üblichen Entwicklungsstand zurück. Unser Junior zeigte daher auch nicht viel Reaktion, wenn die Ärzte bei den Kontrolluntersuchungen ihm mit Spielzeugen vor der Nase herum fummelten oder ihn von selbst sitzen oder krabbeln lassen wollten. Ein Termin beim Physiotherapeuten wurde gemacht und in der Zwischenzeit gab Papa Ludigel die These von sich, Junior sei völlig in Ordnung (muss ja, ist ja von mir, grins) und bräuchte nur ein bisschen mehr Spiel und Beschäftigung anstatt Therapien, aber wer hört schon auf die Langnase in der Familie.
Fluchs wurde ein Internettherapeut gefunden, der für nur 120.000 NT monatlich (3000 Euro) tägliche eine Stunde vorbeikommen wollte und meinen Junior begrabbeln wollte. Mir klappte wieder mal das sprichwörtliche Messer in der Tasche auf, ich ward das ganze Wochenende dann in Diskussionen verstrickt, welchen Zweit- und Drittjob wir machen konnten, um den taiwanischen "Spezialisten" zu bezahlen, da geschah endlich das Wunder: Der Physiotherapeut erklärte auch, Junior sei völlig gesund und brauche nur etwas mehr Spiel, sagte fast wortwörtlich was Papa Langnase gesagt hatte und jetzt hat Junior zu Hause ein Spiel- und Spaßprogramm mit blinkenden Spielsachen, die auf Berührung singen und blinken. Nur Papa kommt mit dem Zeug nicht zurecht (wie schaltet man bloß dies sprechende Seepferdchen wieder aus?).

Diesen "Internettherapeuten", der mir am Wochenende den letzten Nerv geraubt hat der Diskussionen halber würde ich freilich gerne mal selbst kurieren, wir hätten ihn einladen sollen. Dann hätte ich ihm gerne nach Al-Bundy-Manier den Weg raus gezeigt (ups, das war der Türrahmen). Grummel. Verdammte geldschneiderische Ferengies.

P.S.: Frau hat was neues. "VirusBom" aus Taiwan. Klingt so als hätte sich ein nicht Englisch sprechender Volltrottel aus Taiwan einen "englischen" Produktnamen ausgedacht. Genau das ist wohl auch passiert. Von "National Taiwan University". Na dann kann ja nichts schief gehen. Neues Wundermittel, kann SwineFlu und Hühnergrippe heilen nur durch Aufprayen sagt das Internet. Wir bestellen in großen Mengen..... Seufz.

Kommentare:

Tamasü hat gesagt…

Recht hast Du. Rumschleppen, niedlich finden und Geld verbrennen hilft nicht. Laß' den wilden Papa frei und setz' Dich gegen die Mattscheiben der Welt durch. "Mit dem Sohn beschäftigen" muß nicht so anstrengend sein, wie es sich anhört (wenn man die möglicherweise notwendige vorangehende Entführung von der angetrauten Verwandtschaft mal ausklammert).
Meine Top Drei:
3) Zwei Meter großgliedrige knallbunte Kunststoffkette. Ist DER Knaller bei kleinen Kindern. Besonders auf Steinfußboden. Ernsthaft. Wegnehmen bedeutet Geschrei.
2) Natur. Nach anfänglichen massiven Berührungsängsten ist eine Wiese und zwei Metalltöpfe mit kleinen Steinen ein Aufmerksamkeitsmagnet für alles, was wenigstens Sitzen kann. Steigerung: Noch ein Topf mit Wasser.
1) Kaufhaus Sonnabend nachmittags. Du hast noch nie so viele junge hübsche Frauen sich verzweifelt um Aufmerksamkeit bemühen sehen. Damit es dem Kind hilft, mußt Du es natürlich mitnehmen.
Viel Spaß Euch beiden!

"Ludigel" hat gesagt…

Ja, nach Frühgeburt haben die beiden (Mama und Oma) den Kleinen zu viel beschützt, jetzt muss langsam die Transportsicherung raus und die Schutzfolie ab und er auch mal was machen. Gute Tipps! Jetzt kommt der Laufstall und dann geht es weiter!

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Kenne ich auch aus Erfahrung. Mein Sohn hatte auch jede Menge Krankheiten...angedichtet bekommen. Allergien gegen alles. Asthma, Untergewicht, Übergewicht, Haarausfall....und alles wurde vom Puls/Zungendoktor gegen gutes Geld diagnostiziert und behandelt.
Was mir immer Ärger einbrachte war mein Veto gegen das tägliche Waschen des Kleinen. Säureschutzmantel, Immunsystem stärken sind keine bekannten Begriffe in TW. Ein Baby das nur etwas krabbelt wird nicht schmutzig. Einmal Waschen pro Woche hätte gereicht. Aber NEIN...der Ausländer (genau wie bei Dir) hat ja keine Ahnung. Da sind sich Madame und vor allem Schwiegermutter einig. Und ich weiss genau: Wenn ich weg bin wird wieder der Staubsauger rausgeholt und der Nasenschleim mit einem Aufsatz abgesaugt. Dankeschön "Apple" !
Das Lieblingsspielzeug meines Kleinen war wochenlang eine alte Zahnbürste. Da hat ihn kein teures Blinkzeug mehr interessiert.

Anonym hat gesagt…

Sprecht ihr eigentlich mehr Deutsch, Englisch oder Chinesisch/Taiwanesisch mit dem Buben?

"Ludigel" hat gesagt…

Ich sprechen Englisch mit ihm, Mutter Chinesisch und Englisch und Oma spricht Chinesisch mit nur wenig Taiwanisch eingestreut, was sie eigentlich weglassen soll erstmal.

Ja, den Nasensauger haben wir auch, der ist ewig am arbeiten. Und geputzt wird wie am Schnürchen. Ohne zweimal Händewaschen darf ihn keiner anfassen etc. etc.

Tamasü hat gesagt…

Wieso sprichst Du nicht Deutsch mit Deinem Kleinen? Oder bist Du absolut sicher, nie nach Deutschland (Österreich, Schweiz,...) zurückzugehen und auch Schule/Uni in Dt. kommt nicht in Frage?

"Ludigel" hat gesagt…

Tja, da grübele ich auch öfter. Momentan hat er 80% Mandarin und 20% Englisch. Wenn ich noch Deutsch reden würde, hätte er 80% Mandarin, 5% Englisch und 15% Deutsch oder so.

Wir wollen Deutsch dazu nehmen, die Frage ist nur wann. Hat da irgendjemand Erfahrungen mit dem 3-sprachigem?

Er soll hier auf die deutsche Schule später und vorher deutscher Kindergarten, in der Tat sollte er bis dahin etwas Deutsch sprechen können. Vielleicht fange ich ja langsam mal heimlich an, Deutsch dazu zu nehmen.

Tamasü hat gesagt…

Meine müssen mit drei-einhalb Sprachen klarkommen, was prima klappt. Tags halb chinesisch, halb englisch, abends deutsch und chinesisch. Und bei Oma und Opa taiwanesisch. Die verbreitete Angst, die Kinder würden durcheinander kommen, ist totaler Quatsch. Inzwischen macht es ihnen Spaß, in Geschäften was einfaches zu übersetzen. Gibt immer Kulleraugen bei den Verkäuferinnen. Und Mama lernt jetzt feste Deutsch, weil sie nicht ertragen kann, nicht zu wissen, was wir mir die Kinder erzählen.

"Ludigel" hat gesagt…

Danke fuer den Hinweis, jetzt rede ich mal heimlich Deutsch mit ihm; Schillers Glocke, wenn Mama gerade in der Kueche ist ;-)

Anonym hat gesagt…

Lu Er Fu:
Mein Kleiner ist auch mein Fanyi...(Übersetzer)..schwäbisch-chinesisch-taiwanisch. Ist immer lustig wenn sich die Eingeborenen einen abbrechen und Englisch mit ihm reden wollen und er auf Zhongwen antwortet. Man muss sich halt beeilen mit der Sprache, denn ab dem 5 Lebensjahr vernarbt der Kehlkopf und bestimmte Silben können dann fast nicht mehr ausgesprochen werden. 'Rechts' zum Beispiel geht bei meinem Junior nur noch sehr schlecht. Alles mit 'CH' macht Schwierigkeiten. Das ist dann so wie wir Probleme mit den vielen 's' im Chinesischen haben. Geht auch fast nicht mehr.
Liebend gerne kauft mein Sprößling Fahrkarten für mich, bestellt mein Essen im Restaurant, schickt den Taxifahrer in die richtige Richtung usw..alles nachdem ich's ihm auf deutsch gesagt habe.
Einige Kindermädchen hier im Block lassen sogar Kasettenrekorder mit Englischlektionen im Kinderwagen laufen. Naja....obwohl..wenn man Pisa........