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Dienstag, März 25, 2014

Aufruhr! Revolution! Unruhen!

Taipei im "Maidan"-Fieber. Wo sind die Berater aus Kiew? Und warum haben wir keine Tusse mit blonden gesemmelten Haaren hier?

Während die ukrainische Mit-Revoluzzerin Timoschenko Herrn Putin laut Spiegel.de "in die Stirn schießen" will, haben wir hier in Taiwan vor den Toren Chinas mit dem chinesischen Präsidenten nichts dergleichen vor. Wie heißt der Kerl überhaupt? Never mind.

Kurz zur Lage:  Präsident Ma (Kuomintag-Partei), der 2008 gewählt und 2012 wiedergewählt worden ist und Popularitätsraten wie ein seuchenrelevantes Nagetier auf dem Tischtuch einer Hochtzeitsfeier hat, ist wieder mal dabei eine Annährung vom freien demokratischen Taiwan an den diktatorischen Staat namens Volksrepublik China zu betreiben. Der letzte Streich des prochinesischen Präsidenten Ma, dem von vielen Oppositionellen vorgeworfen wird, mehr eine Art Statthalter Pekings zu sein als ein richtiger Präsident, hat in Geheimverhandlungen in pekinger Hinterzimmern einen Pakt zur weiteren wirtschaftlichen Verflechtung verhandelt, den er jetzt mit seiner überragenden Kuomintangmehrheit durchs Parlament peitschen will, ohne dass das irgendwie vorher diskutiert worden wäre im Parlament oder der Bevölkerung. Viele Taiwaner fürchten nun, Taiwan könne entweder von chinesischen Billigarbeiten oder Billigprodukten überschwemmt werden, wogegen noch bestimmte Marktbarrieren wirksam sind. Oder noch mehr Betriebe könnten ihre Produktion in die VR-China auslagern und Taiwaner könnten am Ende gezwungen sein, in China zu arbeiten.

Vorsicht vorm revolutionären Funken (hier aber nur in einem Park in NeiHu bei Nacht) Foto: Ludigel

Präsident Ma lies erklären, die Südkoreaner würden das auch so machen und durch weitere Umarmung von China würde die taiwanische Wirtschaft gedeihen. Derweil halten die Studenten in Taipei immer noch den Plenarsaal des Parlaments besetzt und Fordern die einstweilige Einstellung der Verabschiedungsprozedur des Gesetzes. Ein Sturm der Studenten auf Regierungsgebäude ist fehlgeschlagen und wurde teils mit Schlagstöcken, teils mit Wasserwerfern unterbunden. Das Fernsehen zeigte in der Mittagspause Bilder einer halbherzigen Polizeiabsperrung, die den Zugang zu Parlament und Regierungsgebäuden in Taipei blockieren soll. Ein paar Polizisten liefen auf der Kreuzung rum und schlugen mit Schlagstöcken nach durch sie hindurch fahrenden jungen Leuten auf Motorrollern. Es wurden auch Bilder von Rangeleien mit Polizisten und von Verletzten Studenten gezeigt.

Und was ich mich frage, wo sind die Kommentatoren, die mir bei so harmlosen Stories wie einem Besuch beim Kinderzahnarzt oder einer Autobahnraststätte in Taiwan ihre emotionalen Kommentare um die Ohren gehauen haben, dass mir Hölen und Sehen verging? Jetzt, wo wirklich was los ist, herrscht Grabesruhe ;-)*

Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/auslander-und-proteste.html

* Achtung: Scherz! Scherz! 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Du prügelst auch auf den Präsidenten Ma ein. Die Mehrheit der Taiwanesen schweigt - und wählt ihn.

Anonym hat gesagt…

Am schlimmsten ist, dass sich in China seit Jahrzehnten nichts bewegt. Taiwan ist demokratisch und setzt so viel auf Spiel. Aber in Europa ist es auf einem anderen Level sehr ähnlich: In Russland, auf den sich die Wirtschaft des Westens fokussiert hat, wird Putin zum aggressiven Autokraten. Deutschland schaut zu, konzentriert sich auf Geschäfte machen und lässt die, die schon reich sind, innen und außen wie im Selbstbedienungsladen ordentlich absahnen. Irgendwann ist auch hier der Maidan oder sogar Ägypten. Gruß LY

"Ludigel" hat gesagt…

Anon#1: Ich glaube es ist ein bisschen typisch gewesen, Ma nicht zu mögen und ihn trotzdem zu wählen.
LY/Anon#2: Sicher hat die Bush-Doktrin, die im Prinzip auch später weitergeführt wurde, die NATO bzw. EU bis an die russischen Grenzen heran zu führen während der russischen Schwäche, Putin aggressiver und aggressiver gemacht. Jetzt haben wir den Salat. Zum revolutionären Potential in D-Land etc. kann ich nichts sagen ;-)